Stadt Wien Podcast
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Heast Wien! Alltagspoet Andreas Rainer und die Poesie der U6 (Folge 4)
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In „Heast Wien“ fragt sich Livia Heisz, ab wann sie sich Wienerin nennen darf. Dafür trifft sie Menschen, die die Stadt mitprägen, begleitet sie an ihre persönlichen Wiener Orte und fängt unterwegs Klänge, Gerüche und Sprachen ein – vom Brunnenmarkt bis zur U‑Bahn, vom Funkhaus bis ins Kaffeehaus.
Livia trifft Autor und Kabarettist Andreas Rainer, Kopf der „Wiener Alltagspoeten“, an der U6-Station Burggasse und begleitet ihn ins legendäre Café Weidinger. Im Gespräch erzählt Andreas, warum die U6 für ihn das „echte Wien“ zeigt, wieso in Wien Kabarett auf der Straße passiert und wie sich aus aufgeschnappten Sätzen ein Bild der Wiener Seele zusammensetzt. Es geht um die enge Verwandtschaft von Schmäh und Grant, Widersprüche einer Stadt, die gleichzeitig lebenswerteste und unfreundlichste Metropole sein kann, und um Lieblingswörter wie „Gspusi“, in denen ein ganzes Wien-Gefühl mitschwingt.
Host: Livia Heisz
Konzeption, Redaktion: Livia Heisz, Anna Muhr, Jeanne Drach
Schnitt: Anna Muhr, Catharina Ballan
Produktionsleitung: Jeanne Drach
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-Ich finde, in Wien, das ist ja das Tolle. Du gehst auf eine Melange und kriegst eine Gratis-kabarettvorführung dazu. Der Wiener ist ja gleichzeitig größenwahnsinnig und hat einen Minderwertigkeitskomplex. Das geht sich irgendwie nur in Wien aus.-Hallo und Servas zu Heast Wien. Ich bin Livia Heisz und ich lebe in Wien schon länger, also fast mein halbes Leben und frag mich, ob und wann ich mich eigentlich Wienerin nennen darf? Um der Antwort ein Stück näher zu kommen, treffe ich in diesem Podcast Menschen, die Wien zu dem machen, was es ist. Nämlich ein schillerndes Sammelsurium aus Geschichten, die manchmal kurios, oft inspirierend und immer unverwechselbar sind. Diesmal treffe ich Andreas Rainer. Andreas ist Autor und Sammler, Kopf und Herz der Wiener Alltagspoeten. Wir begrüßen uns am Bahnsteig der U6 Burggasse/Stadthalle. Eines seiner Bücher, der Wiener Alltagspoet fährt U6 handelt nämlich von der U-Bahnlinie zwischen Siebenhirten und Floridsdorf. Ich persönlich bin ja ein großer Fan von der U6 und ihrem charmanten Grind. In der allgemeinen Wahrnehmung kommt die U-Bahn, die auf der Strecke der ehemaligen Stadtbahn fährt, allerdings nicht so gut weg. Wir sind jetzt da bei der U6, die U6 hat dann ja eher schlechten Ruf. Was magst du aber an der U6?-Na ja, also ich sage das ja auch immer allen Leuten, die nach Wien auf Besuch kommen, sie sollen sich einmal raus trauen aus dem ersten Bezirk und aus Schönbrunn und eine Runde U6 fahren, weil man dort halt das echte Wien kennenlernt die U6 ist ja die einzige U-Bahnlinie in Wien, die nicht den ersten Bezirk anstreift. Außerdem fährt sie ja überirdisch und man kann aus dem Fenster schauen und hat eine schöne Aussicht.-Stimmt, hast du irgendein schönes Erlebnis, das sie in deine Erinnerung eingeprägt hat? Was du in der U6? Was dir da zugestoßen ist?-Ich hatte einmal eine Faschscheinkontrolle in der U6 und hatte kein Fahrschein dabei. Wel ich früher als Student mich immer schwarz gefahren. Und das kennt man ja in Wien, also das sind dann immer zwei und du, ich habe es da nicht mehr geschafft zu fliehen und dann war aber der Mann neben mir auch kein Fahrschein gehabt und den haben sie zuerst kontrolliert und dann haben sie bei dem quasi Exekution durchgeführt und mich gehen lassen, weil sie ja immer nur einen, also es wird immer nur einer zum Tode verurteilt und dann können die Anderen gehen. Und das war ein sehr schöner Moment.-Das heißt, sein Leid war deine Erlösung.-Genau, es muss immer einer, einer hat immer das Bummerl und in dem Fall habe ich es nicht gehabt.-Diesmal hatten natürlich alle Beteiligten einen Fahrschein. Beim U-Bahn-Ausgang oben am Gürtel erhebt sich wie auf Kommando ein ansehnlicher Schwarm Tauben. Es ist laut, es ist neblig. Und auch Nichtraucher*innen kommen hier in Sachen Feinstaub zum Zug. Wir sind hier, weil wir ins legendäre Café Weidinger wollen. Um diese Uhrzeit ist es normalerweise recht ruhig dort, heute aber wird gerade alles für eine Weihnachtsfeier hergerichtet, die später noch stattfinden wird. Wo sonst Billardkugeln übers Tuch schnurren und mit einem trockenen, klaren Klack aufeinandertreffen, breitet die alte Chefin vom Weidinger jetzt Plastikfolien und grüne Samttücher auf den Billardtischen aus Holzstühle werden zurechtgerückt. Andreas, wir sitzen gerade im Café Weidinger, was verbindet dich denn mit diesem Ort?-Es ist eines meiner Stammcafées in Wien, ich bin sehr oft hier und sehr, sehr gerne hier, es ist sehr, wirklich eine, ich soll mir das nennen, eine Oase, wenn man einmal über die Straße geht, ist man im siebten, das sind diese ganzen Hipstercafés oder man geht in die Lugners City, die gleich gegenüber ist und das Weidinger ist halt irgendwie, ja, da kann man immer hinflüchten, da ist man immer willkommen. Ich hoffe, dass es dieses Kaffeehaus in 200 Jahren auch noch geben wird, weil das ist sehr wichtig, dass es solche Cafés in Wien noch gibt.-Als du die Wiener Alltagspoeten begonnen hast, wusstest du da schon, wie Wien klingt? Hattest du da schon ein Bild davon?-Na ja, ich bin Wiener und hab halt hier gelebt, den Großteil meines Lebens, insofern, da weiß man dann schon irgendwie, wie Wien klingt, Ah, ich meine, es ist ein bisschen eine raue Stadt, würde ich mal sagen, aber gleichzeitig auch irgendwie so ein bisschen süßlich im Tonfall, immer so, dieses hinterrücks das Messer in den Buckel rammen ist Wien halt irgendwie, aber ja, ich meine, so wie jede Großstadt ist halt wie in einen Stadt der 1000 oder der Millionen Stimmen.-Stichwort Stimmen. Du hast mit den Wiener Alltagspoeten gerade den Onlinepreis vom österreichischen Kabarettpreis erhalten, was es war ja auch im Publikumspreis oder was bedeutet dieser Preis für dich? -Extrem viel, weil erstens einmal habe ich noch nie in meinem Leben einen Preis gewonnen. Es haben ja auch so, Kinder, haben mir alle dann so Pokale vom Skikurs oder von irgendeinem Turnier, ich habe keine einzigen, also auch nicht, weil ich die verloren habe, sondern weil ich das einfach, ich habe nie irgendwas gewonnen und ich habe gar nicht damit gerechnet, ich habe dann irgendwie vor ein paar Monaten eben erfahren, dass ich nominiert werde und habe das dann mit den Followern quasi geteilt, wie du sagst, das ist ein Publikumspreis und ich habe dann schon gesehen, dass die sehr, sehr zahlreich darauf reagiert haben. Dass man es dann wirklich gwinnt ist schon eine sehr tolle Sache. In den Jahren zuvor hat Toxische Pommes und der Austrian Kiwi gewonnen. Also einfach, das sind halt echt so die absoluten Größen, würde ich mal sagen, im österreichischen Instagram-Universum, und ja, ist schön, da dabei zu sein und war auch eine wirklich schöne Veranstaltung, ja cool, da dabei gewesen zu sein.-Der Wiener Bürgermeister hat ja dazu gesagt, man muss die Wiener Mentalität verstehen und der Alltagspoet Andreas Rainer versteht sie. Meine Frage, was genau an der Wiener Mentalität muss man denn verstehen? Deiner Meinung nach, damit sie witzig ist?-Ja, das ist eine gute Frage, das ist auch gar nicht so leicht, also wenn man so im Kaffeehaus sitzt und so deutsche oder auch amerikanische Touristen beim Bestellen beobachtet, dann sieht man ja, dass das wirklich durchaus schwierig ist, weil natürlich, die Amerikaner zum Beispiel sind ja fassungslos, über diese Unfreundlichkeit, die hier herrscht, das ist in Amerika ja ganz anders und auch die Deutschen sind halt diesen, die blamieren sich dann halt, wenn sie einen Schitzel mit Tunke bestellen. Ich glaube, wichtig ist, man darf es halt nicht zu ernst nehmen, das ist, glaube ich, das Geheimnis in Wahrheit, weil ich glaube, dass die Wiener in Wahrheit herzensgute Menschen sind, sie verstecken es halt sehr gut und sie wollen das auch nicht zeigen und sie meinen es, glaube ich, auch gar nicht so bös, wie es oft rüberkommt, Sie meinen es halt auch oft lustig, es ist ja dieser Wiener Schmäh und der Wiener Grant, die auch sehr eng miteinander verwoben und oft, wenn sie grantig sind, wollen sie vielleicht lustig sein, und selbst wenn es nicht lustig ist, dann muss man halt irgendwie es von der humoristischen Seite sehen, wie ich es eben mit den Alltagspoeten gemacht habe, das ist ja auch diese Zitate, die ich da poste, die kann man ja auch so oder so lesen, also man kann das sehr einfach so lesen, dass das einfach nur eine dreiste Beleidigung oft ist, oder man findet jetzt halt lustig.-Ist das dann? Ja, das Besondere am Wiener Schmäh? Eben diese Verwobenheit mit dem Wiener Grant.-Würde ich schon sagen, also das, glaube ich, gibt es in der Form nirgendwo auf der Welt, es gibt schon Nationen, die auch an derben Schmäh haben. Also ich glaube, diese ganzen Balkanländer, vor allem, das ist für mich schwer zu urteilen, weil ich halt die Sprache nicht spreche, aber ich glaube, dass da auch sehr viel von diesem Balkanhumor und dieser Balkanmentalität die steckt ja auch in Wien drin, also ich glaube, die sind dort auch nicht zimperlich. Der britische schwarze Humor ist wieder was anderes, finde ich, ich glaube, der nicht so bösartig ist, der ist halt sehr dunkel, aber vielleicht nicht so böse, ja, also dass diese Verwobenheit Schmäh und Grant würde ich schon sagen, dass das gibt es nur in Wien und da muss man sicher, auch wenn man hier herkommt, das muss man erst einmal lernen.-Du hast heuer am 1. April dein Bühnendebüt gehabt im Kabarett Niedermayer ist Kabarett was typisch wienerisches.-Ich find schon das Kabarett, was sehr wienerisches ist, ich meine, es gibt ja auch in Wien eben diese ganzen Traditionshäuser, wie jetzt das Niedermayer, was ich am Kabarett heute cool finde, ist, dass es halt ich in meiner Wahrnehmung war das, Jahrzehntelang waren das immer dieselben 5, 6 Leute und jetzt sind halt wahnsinnig viele Junge nachgekommen, die auch im Niedermayer ist da ein sehr guter Ort, um die zu sehen, also das Niedermeyer gibt wirklich so jungen Kabarettisten wirklich eine Bühne und ist auch wirklich leiwand weil die schaffen es natürlich auch nicht immer, das dann ausverkauft ist, aber da ist das Niedermeer echt superleiwand und ja, fördert die total und da sind auch wirklich sehr viel Gute dabei und das zeigt halt auch, finde ich, dass Kabarett in Wien halt wirklich was Zeitloses ist, also es gibt halt solche Leute wie den Hader, der natürlich unfassbar fantastisch ist, und dann gibt es so ganz junge, die nachkommen und auch das Publikum ist sehr gemischt, auch bei mir, bei mir ist sowieso immer sehr gemischt, sowohl online als auch offline. Also da sitzt es dann der Hackler aus Simmering neben der Bobo-Studentin aus dem siebten und das ist eigentlich sehr, sehr nett. Ich meine, ich hatte natürlich Todesangst vor meinem, vor meiner Premiere, aber mittlerweile habe ich es ganz gut im Griff.-In welchen Momenten empfindest du denn die Stadt selbst als einziges großes Kabarett?-Ich empfinde die Stadt eigentlich immer als einzig großes Kabarett, also das ist ja das, ich finde, in Wien, das ist ja das tolle, du gehst, du gehst auf eine Melange und kriegst a Gratis-Kabarettvorführung dazu und ich finde, so muss man ja auch sehen, also man darf sich ja nicht von dem Grant irgendwie abtörnen lassen, sondern muss es halt lustig sehen, und ich finde, das ist halt das Wienerische ist halt, dass die Wiener wollen immer lustig sein, ich weiß gar nicht, das ist gar keine bewusste Entscheidung, aber es ist, es rennt halt wirklich irgendwo immer der Schmäh, die einen sind lustiger als die Anderen, das ist auch klar, manche wären gern, lustig sind sie aber nicht. Aber es ist ja völlig wurscht, dass du machst. Ja, also vom Busfahrer über die Billa-Kassiererin bis zum Kellner, es ist ja 24 Stunden am Tag, ist da eigentlich Kabarett auf den Straßen Wiens und man kann dem auch nicht entkommen. Also es, du kannst ja auch nicht sagen, ich mach da nicht mit, ein bisschen, hast du dich da wieder Ruhe, dann willst du erst recht zur Zielscheibe.-Die Wiener Alltagspoeten versammeln die Poesie der Stadt in Form von aufgeschnappten Gesprächsfetzen. Jede und jeder kann solche zufällig mitgehörten Sätze an Andreas schicken und der wiederum veröffentlicht die Zitate dann auf Social Media. Die Wiener Alltagspoeten sind die Wiener Seele, wie sie lebt, liebt und leidet an jeder Straßenecke, an jedem Würstelstand, in jeder Bim warten so Absurde wie liebenswürdige Sager. Was ist denn dein Lieblingszitat bei den Wiener Alltagspoeten?-Ich sage dann immer dasselbe, weil weil mir das immer dann auch einfällt, es ist auch wirklich sehr gut, ich habe es halt schon hundertmal erzählt. Donauinsel. Älteres Ehepaar. Sie sagt zu ihm, du hast schon gehört. Jetzt sind wir schon wieder zu lebenswertesten Stadt der Welt gewählt worden. Und er sagt darauf. Naja, anderswo es halt noch geschissener. Und das zeigt, finde ich sehr schön, wie die Wiener mit dieser tollen Auszeichnung der lebenswertesten Stadt der Welt umgehen. Man nimmt das irgendwo für selbstverständlich finde ich, das ist vielleicht das richtige Wort. Also der Wiener konsumiert ja auch alle Leistungen, die er so in Wien hat, das wird ja nicht mit Dankbarkeit angenommen, sondern das ist ja so das Minimum, was der Wiener halt erwartet.-Zur lebenswertesten Stadt, weil eines seiner Bücher heißt ja auch, wie man die lebenswerteste Stadt der Welt überlebt, wie überlebt man Wien?-Es ist natürlich ein bisschen ein Wortspiel, weil Wien ja eine extrem sichere Stadt ist, das muss man wirklich einmal auch hervorheben, also eine Zwei-Millionen-Stadt, wo ich meine, es passiert, natürlich, passiert auch hier was, das ist eh klar, es sind halt vielen Leute, aber ich finde Wien wirklich extrem sicher, ich tu mir auch leicht, bin ein Mann, ein weißer Mann, das ist natürlich leichter, als wenn du jetzt jemand anderer bist, aber ja, also die Gefahr zu sterben, relativ niedrig. Die Gefahr, in ein Fettnäpfchen zu treten, ist dafür umso größer. Und in dem Buch habe ich mich ein bisschen so mit diesem Paradoxon auseinandergesetzt also so der Ausgangspunkt war das Wien, gleichzeitig die lebenswerteste Stadt, aber auch die unfreundlichste Stadt der Welt ist. Und das ist eigentlich ein Widerspruch und dann bin ich draufgekommen, dass Wien eigentlich nur aus solchen Widersprüchen besteht. Auch so zum Beispiel, dass wir stundenlang im Kaffeehaus sitzen können und die Zeit vertrödeln und dann gehen, wir stehen auf und gehen nach nebenan, in die Supermarktfiliale und dann sind vier Leute vor uns an der Kassa und wir haben eine Nervenzusammenbruch, weil es nicht schnell genug geht. Und das ist, finde ich, diese Widersinnigkeit in der Wiener Mentalität, die es ja auch so spannend macht, auch dieser, ich finde, der Wiener ist ja gleichzeitig größenwahnsinnig und hat einen Minderwertigkeitskomplex und auch das, das geht sich irgendwie nur in Wien aus.-Ist es so eben der typische Wiener, den du da beschreibst, dieser Größenwahn, neben gemütlich und Schmäh und grantig, was macht man so? Den typischen Wiener Wiener aus?-Es ist natürlich schwierig, das so zu sagen, weil ich meine, wer ist der typische Wiener, ja, also ich sage ja jetzt nicht, dass das jetzt so dieser klassische Mundl-Typ ist, den gibt es ja immer weniger. Sogar in Wahrheit. Für mich ist der typische Wiener, genauso der serbische Bauarbeiter oder der serbische Doktor oder der Kebabverkäufer oder die Vietnamesin, die ein Restaurant aufgemacht hat, das ist schwer zu sagen, ja, was alle schon ein bisschen eint, ist, sie nehmen halt schon alle diesen Grant an, auch so fröhliche Nationen, wenn die hierherziehen oder man wird dann immer jedes Jahr ein bisschen freundlich?-Merkst du an den Zitaten, die dir geschickt werden, dass sich die Sprache verändert, so verschwindet das Wienerische ein bisschen.-Lustigerweise, in den Zitaten lebt das Wienerische eigentlich noch sehr stark. Also es werden sehr viele Zitate im Dialekt eingeschickt, ich find schon, also wenn man so in der Bim sitzt und das passiert mir oft, dass so hinter mir sitzen, dann so eine Gruppe von Kindern und die reden miteinander und ich denke dann immer, auch, das ist Touristengruppe als Deutschland, aber dann komme ich irgendwann drauf, dass das Wiener Kinder sind, aber es ist eigentlich fast nicht möglich, da rauszuhören, dass die aus Wien sind oder aus Österreich sind, also die klingen weder Österreich noch Wienerisch, die klingen wie deutsche, und das ist natürlich schon das, was das Fernsehen damals nicht geschafft hat, könnten jetzt diese deutschen Youtuber schaffen, an denen sich die Kids halt sehr orientieren und da gibt es halt nicht viel aus Österreich und sehr viel aus Deutschland. Und ich bin dann immer beruhigt, dass in den Zitaten das Wienerische schon noch vorkommt und dass es die Leute auch feiern und eben auch die jungen Leute feiern es, ist so auf der Straße wirds halt schon ein bisschen weniger, muss man sagen.-Hast du ein Lieblingsausdruck, ein Lieblingswort im Wienerischen?-Ich mag Gspusi wahnsinnig gern, weil das sowas, das ist sowas hingefetztes und beiläufiges, und das ist, das ist, finde ich, einfach was wahnsinnig Wienerisches.-Und es vermittelt da so in diesem ganzen Klang, oder das Gefühl ist schon mit dabei.-Genau, also du weißt, auch wenn du nicht weißt, was das heißt, kannst das da eigentlich vorstellen?-Was sagst du denn Wien, wenn es dich mal nervt?-Also mich hat Wien vor allem früher sehr genervt, eben in dieser Verschlossenheit, vor allem ich habe auch drei Jahre in Amerika gelebt und da sind die Leute halt so wahnsinnig offen und ich weiß noch, wie ich dann zurückgekommen bin, war das wirklich schwer, mich da wieder umzugewöhnen? Ich glaube aber, dass man Wien halt, du kannst die Stadt ja nicht ändern, ist halt eine sehr alte Europäische Staat und ich glaube, man darf sie, ich glaube, wenn man sich darüber ärgert, dann hat man eigentlich schon verloren, ich glaube, du muss da einfach mitschwimmen und man kann ja schon auch ein Zeichen setzen, also ich feiere ja diesen Schmäh und mit dem Grant und allem, aber ich bin ja eigentlich jemand, also ich finde gerade so, Berufsgruppen, Supermarktkassierer oder so, da bin ich immer extrem freundlich und das ist für mich wichtig, also Pflegepersonal oder so. Also ich finde, es sollten zu diesen ganzen Menschen diese wirklich schwierigen Jobs machen, zu denen sollte man sehr freundlich sein, es kommt ja dann auch was freundliches zurück, das ist ja, das ist eigentlich das einzige Geheimnis, wenn du freundlich bist, sind die Leute ja meistens auch freundlich zurück.-Was für eine Überraschung.-Rätsel der Menschheit gelöst?-Alle Rätsel der Menschheit werden wir heute zwar nicht mehr lösen, aber Andreas wirkt auf mich wie ein Mensch, der versucht, einer Gewissen Lebensessenz schreibend und beobachtend zumindest näher zu kommen. Ein selbstbewusster Typ, aber auf die angenehm bescheidene Art mit einem wachen Blick für Details. Man sieht Andreas an, dass er sich wohlfühlt hier im Weidinger, in diesem Stück Wiener Unaufgeregtheit, vor dessen alten Fenstern ohne Unterlass der Gürtelverkehr vorbeirauscht. Wo die Zeit irgendwie ein bisschen langsamer vergeht und alles irgendwie noch ein bisschen ist wie früher. Kannst du nur ein bisschen was so von deiner früheren Zeit in Wien erzählen, so Jugend, Teenager oder Anfang 20er.-Ja, ich habe, also, ich finde, das Wien als junger Mensch eigentlich eines super Stadt ist auch zum Feiern, also ich war so, wie ich so zum Fortgehen angefangen habe und das war dann eine Periode von, glaube ich, 20 Jahren, wo ich sehr, sehr intensiv fortgegangen bin, und ich habe auch das Wiener Nachtleben zum Beispiel immer fantastisch gefunden. Mir kommt sehr entgegen, weil das halt so Bar-fokussiert ist und also das Wiener Fortgehen, besteht eigentlich daraus, dass du in irgendeine Bar geh ist und dich dort halt dann ansaufst, was viele fad finden. Und die sagen immer, es gibt keine Clubs, mich stört es nicht, weil ich mag keine Clubs, ich einfach als junger Mensch Clubs schon nicht gemacht und ich finde, es hat in Wien so viele, so viele tolle Bars gegeben, diese räudigen Bars, so Nachtasyl und wie sie alle geheißen haben, also so Bars, wo du halt auch, also da hast halt echt so schön, bis fünf in der früh sitzen können, hast du gar nicht mitkriegt und irgendwie tiefsinnige Gespräche oder du hast geglaubt, dass es tiefsinnige Gespräch sind, halt mit jedem Bier, was getrunken hast, hast du glaube, du bist, du bist der neue Wittgenstein? Also ich find, Wien hat halt, das ist ja das Coole, es ist so eine wahnsinnig schöne Stadt, unfassbar schöne Stadt, aber gleichzeitig auch so eine sch schmuddelige Stadt, also gerade hier jetzt im Weidinger, wenn du auf die Straße gehst, das ist ja diese Straßenkreuzung ist ja, also schircher geht es ja eigentlich nicht mehr und das ist, finde ich, halt auch diese Schmuddeligkeit in den Wiener Lokalen, das ist auch, was würde man jetzt auch nicht einfallen, welche Stadt auf der Welt das so schön kann und das ist halt so zum Versumpern in irgendeinem Beisl, das habe ich immer ganz toll gefunden, und das, muss ich sagen, geht heutzutage auch noch, auch wenn natürlich viele von diesen älteren Lokalen dann irgendwann zusperren, aber es gibt Gott sei Dank noch genug.-Und hat dir das dann gefehlt, weil du eben gemeint hast, du warst dann die drei Jahre in Nordamerika, was hast du da so an der Stadt vermisst, wie du weg warst.-Total bizarr weil, was ich am meisten vermisst hab ist Leberkäse. Und das ist deshalb so bizarr, weil ich sehr selten Leberkäse esse, aber ist mir dann abgegangen. Und das zweite, man tatsächlich die Kaffeehäuser auch das ist, also ein Wiener Kaffeehaus ist unersetzbar, gerade natürlich in Amerika gibt es halt überhaupt nicht, da ist das Starbucks ja schon das gemütlichste, was sie haben, die anderen sind ja wirklich noch schlimmer, kann man sich fast nicht vorstellen, aber ist so und halt diese Gemütlichkeit und Langsamkeit, das ist natürlich, hat schon etwas Angenehmes, das ist drüben halt natürlich komplett anders. Es ist bei mir so, wenn ich wie in Amerika war, habe ich Wien vermisste und jetzt in Wien vermiss Amerika, wobei ich muss sagen, jetzt jetzt gerade von mich, Amerikaika, nicht jetzt, es ist so, gerade drüben jetzt erste Mal seit der Trump jetzt wieder Präsident ist, ist das erste Mal, dass ich Amerika nicht vermisse.-Und was hast du damals nicht an Wien vermisst?-Ja, also diese Negativität und auch den Grant, den habe ich gar nicht vermisst, das habe ich unglaublich angenehm gefunden. Und die Leute sagen immer das die Amerikaner so oberflächlich sind, das, finde ich, stimmt ja gar nicht, weil ich meine, ja sicher, wenn du in Amerika an der Kassa stehst, dann watschen dich halt irgendwelche Leute und du tust halt kurz Smalltalk führen und das ist es total nett und natürlich sind das nicht, die wollen natürlich nicht eine besten Freunde werden, aber ich meine, das finde ich jetzt nicht oberflächlich, das ist, also ich meine, warum sollte jetzt plötzlich dein bester Freund sein? Also hier wie in Amerika wirklich auch einiges, sehr gute Freunde gefunden in der Zeit, wo ich da war, und das war genauso tiefgehend wie jetzt mit meinen Freunden hier. Es ist halt immer so, man kann diesen Grant und diese Verschlossenheit, man kann das feiern, man kann es aber auch schlecht finden und das, glaube ich, machen ja eh alle Wiener.-Und was könnte jetzt Wien von Nordamerika lernen und umgekehrt?-Ich glaube, dass wir definitiv lernen könnten, offener zu sein für neue Sachen, das ist halt schon was in Wien ist, halt alles, was neu ist, ist schlecht. Und dann zwei Jahre später, wenn sie dann etabliert hat, sagen alle, ja, ich habe es immer schon leiwand gefunden und die Amerikaner sind halt, die wollen halt dauernd neue sagen, was man, ganz egal, was das ist. Essen, kulturelles sind sie schon offener? Wobei natürlich auch, ja, also ich habe halt an den Küsten gelebt und das ist wahrscheinlich auch so anderes, als wenn ich irgendwo im mittleren Westen in Iowa gewesen wäre, wäre es vielleicht wieder was anderes gewesen? Ich glaube, es ist schon sehr unterschiedlich. Auf jeden Fall.-Gibt es so Geräusche, an denen du merkst, wenn du entweder mal länger nicht in Wien bist und dann wieder zurückkehrst, so, jetzt bin ich wieder zu Hause, so typische Wiener Geräusche.-Ja, die einfahrende U-Bahn ist sicher eins, auch diese ganzen U-Bahn Durchsagen das Klingeln von der Bim, das Hupen. Ich finde dass der Wiener einfach, der Wiener kann aggressiver Hupen als jeder andere, also dann merkst du es, das ist ja dieses richtig wütende, hasserfüllte Hupen.-Du hast vor kurzem dein ersten Roman veröffentlicht. Der Flügelschlag des Paarfalters. Der handelt auch vom Schlendern vom Strawanzen durch Wien, und der Protagonist streunt so ein Wochenende lang durch die Stadt. Was sind denn deine Lieblingsrouten zum Strawanzen?-Also ich land irgendwie dann immer am Schwedenplatz, was auch in dem Buch vorkommt, da landet dann irgendwie auch ständig am Schwedenplatz, das ist für mich so ein faszinierender Ort, weil der halt auch so räudig ist und obwohl er im Ersten Bezirk ist und wenn du 200 Meter weiter in den ersten Bezirk gehst nur noch Paläste und schöne Häuser und dann hast du den Schwedenplatz so als Eintrittspforte in den ersten Bezirk, der halt total räudig ist. Das Bermudadreieck gleich daneben, während, das muss man schon sagen, wenn du dann so über den Ring gehst, ich meine, da denkst du dir dann schon, das ist fast fast ein bisschen surreal, finde ist fast schon ein Filmkulisse, und dann weiß ich nicht, wenn du kannst du gehen, Naschmarkt oder ich gehe zum Beispiel wahnsinnig gern auch den Gürtel entlang, obwohl so viel Verkehr ist, aber was mich da immer wundert, da gibt es ja, es gibt ja so wahnsinnig viel Lokale am Gürtel und ich rede jetzt nicht von diesem berühmten Gürtelbogenlokalen, ich red von diesen kleinen, ich weiß nicht mal, was das ich ja, ob das Bars oder Cafés sind, wo, wo man noch nie gefühlt irgendwer drin war, den man auch nur ansatzweise kennt, also so ganz so, so Subkosmos an Menschen, die gibt es für jeden Subkosmos, gibt es eine eigene Bar? Ich gehe das hier irgendwo, ich traue mich leider dann oft nicht rein, vielleicht muss ich mich da mal einsetzen.-Unbedingt? -Ja, bin ein bisschen schüchtern.-Man sagt den Wienern ja gern nach, dass sie viel Sudern, wo liegt denn im Sudern die Poesie verborgen?-Ja, das ist eben, es ist eine Gratwanderung, das muss man schon sagen, weil man muss halt genau diese goldene Mitte treffen und viele treffen es auch nicht und dann ist es halt eine reine Beleidigung, also da gibt es jetzt keine Regel, ich kann das nicht in Worte gießen, bei mir ist es wirklich so, man muss sich jedes, ich schaue mir jede einzelne Einsendung an oder ich selber was hör? Oft schreibe ich es auf und ich muss dann auch teilweise tagelang drüber sinnieren und bin mir dann oft nicht sicher, ist es jetzt was oder ist es nicht? Also das ist, das muss man sich jedes Mal individuell anschauen und ich finde, es ist halt schon so, wenn man es liest, dann weiß man es und wenn es net da ist, dann ist es net da.-Gibt es für dich Bezirke, die besonders poetisch sind?-Es ist schon so, dort, wo viele Menschen zusammenkommen, da ist schon mehr Poesie dann auch, dass es eh klar, weil halt natürlich auch in diesen Zitaten oft auch irgendeine Form von Konflikt drin ist und ein Konflikt entsteht dann, wenn viele Menschen auf einem kleinen Raum zusammenkommen. Ob an der Billakassa. Alsovwenn du jetzt in Hietzing über die Straßen spazierst, ist es sehr schwierig, was zu erleben, einfach deshalb, weil da oft die Straßen menschenleer sind, wenn was ist, ist das auch sehr lustig und es ist halt auch ganz anders als 2 Kilometer weiter in Rudolfsheim, das ist ja auch wieder sehr spannend, also die Distanzen sind ja sehr klein, aber die Wiener Bezirke sind ja wirklich so Mikrokosmen, aus denen die Bewohner auch ungern rausgehen, also ich möchte auf keinen Fall jetzt einem Bezirk da als besonders poetisch oder unpoetisch hervorheben, ich könnte ich gar, ich muss sagen, das ist wirklich, ich denke, es würde mich sehr interessieren, ich wünschte, man könnte das auswerten. Welche Bezirke am öftesten schon auf den Alltagspoeten gefeatured wurde. Das würde mich extrem interessieren. Ich könnte es vom Gefühl ja nicht sagen, ganz ehrlich.-Auf der Homepage von den Wiener Alltagspoeten heißt in Wien liegt die Poesie auf der Straße, was liegt denn in Wien sonst noch so auf der Straße, dass darauf wartet, gefunden zu werden? Oder gibt es für dich typische Dinge auf der Straße, die man eben nur in Wien findet.-Tschickstummel und Hundescheiße?-Ich erinnere mich daran, dass ich vor knapp 30 Jahren als Kind in Wien über die Hundescheiße gestaunt habe? Nicht, weil ich damals ein besonders großes Bewusstsein für Trottoirverschmutzung gehabt hätte, sondern weil die Hundstrümmerl in manchen Bezirken mit so kleinen bunten Fähnchen geschmückt waren als Fünfjährige, habe ich mir nur gedacht boah, coole Stadt, die schmücken sogar den Dreck da muss ich hin. Ich bin nicht in Wien geboren oder aufgewachsen. Aber ich leb schon der Zeitel lang hier darf ich mich deiner Meinung nach Wienerin nennen?-Meiner Meinung nach auf jeden Fall, ich bin da überhaupt nicht streng. Ich habe da ein bisschen die New Yorker Einstellung, die New Yorker sind ja da wirklich super offen und die sagen ab dem ersten Tag, wo du in New York wohnst, bis zu New Yorker und ich sehe das auch so.-Wir verabschieden uns und Andreas bleibt noch sitzen, vielleicht schaut er später noch in die Lugner City, sagt er. Ich hoffe ja insgeheim, dass es ihn noch in eins der Beisln verschlägt, in die er sich bis jetzt noch nicht reingetraut hat, so oder so, egal wo er noch hingeht, ich bin mir sicher, ihm kommen noch 1, 2 gute Zitate für die Wiener Alltagspoeten unter. Oder er trifft ein Gspusi aus früheren Zeiten. Das wär doch auch ganz schön. Apropos früher mein nächster Gast ist die Journalistin Mari Lang und mit ihr begebe ich mich an den Ort, an dem ihre Karriere begann. Mehr dazu in der nächsten Folge. Ich bin Livia Heisz und das war Heast Wien. Wenn dir der Podcast gefällt, dann abonniere ihn, um keine Folge mehr zu verpassen. Wir freuen uns auch über eine Bewertung, einen Kommentar und darüber, wenn du den Podcast teilst. Bis zum nächsten mal und baba. Dieser Podcast wurde produziert von. Oh. Wow.
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