Stadt Wien Podcast
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Heast Wien! Mit Mari Lang über das Heimkommen (Folge 5)
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In „Heast Wien“ fragt sich Livia Heisz, ab wann sie sich Wienerin nennen darf. Dafür trifft sie Menschen, die die Stadt mitprägen, begleitet sie an ihre persönlichen Wiener Orte und fängt unterwegs Klänge, Gerüche und Sprachen ein – vom Brunnenmarkt bis zur U‑Bahn, vom Funkhaus bis ins Kaffeehaus.
Mit Journalistin und Podcasterin Mari Lang kehrt Livia ins alte ORF-Funkhaus zurück, wo Maris Radiokarriere bei FM4 und Ö1 begonnen hat. Zwischen Baustellenstaub und leerstehenden Studios wird der Rundgang zur Zeitreise: Mari erzählt von den wilden FM4-Nächten, der formellen Ö1-Welt, der Telefonistin im Hotel Sacher und dem Moment an der Hauptuni, in dem sie gespürt hat: Ich bin Wienerin. Die Folge handelt vom Ankommen in einer Stadt, in der man seine „Gazellen“ findet, von der Mischung aus Dorf und Metropole und von einem Wien, das durch seine Vielfalt jeden Tag eine kleine Weltreise ermöglicht.
Host: Livia Heisz
Konzeption, Redaktion: Livia Heisz, Anna Muhr, Jeanne Drach
Schnitt: Anna Muhr, Catharina Ballan
Produktionsleitung: Jeanne Drach
Das ist eine Produktion von OH WOW Podcasts.
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-Ich hatte nämlich sofort das Gefühl, dass ich hier zu Hause bin und dass ich hier einen Platz habe, und das finde ich das schöne an Wien, dass es eben so vielfältig ist, dass du nicht reingepresst wirst in irgendein, so hast du zu sein, so hast du auszuschauen, so hast du dich zu verhalten, wenn man offenen Auges und offenen Herzens durch die Stadt geht,dann hast du die Weltreise in Wien jeden Tag, wenn du möchtest.-Das ist Mari Lang, Journalistin, Feministin, Podcasterin und meine heutige Gesprächspartnerin in Heast Wien, also Hallo und servas, ich bin Livia Heisz und in diesem Podcast gehe ich der Frage nach, was denn die Wienerin den Wiener eigentlich ausmacht, weil ich da schon oft drüber nachdenk, welche Kriterien man quasi erfüllen muss, um sich auch so nennen zu dürfen. Ich treffe Mari Lang in der Eingangshalle vom Funkhaus, das bis vor wenigen Jahren noch alle Radiosender vom ORF beherbergt hat. Angefangen bei FM4, später dann auch bei Ö1, hat Mari hier ihre journalistische Karriere begonnen. Ihr Werdegang beinhaltet gefühlt alle großen ORF-Etappen und darüber hinaus noch weit mehr, erst Radio, dann Fernsehen, Moderation großer Live-Events, ihren eigenen Podcast. Und das alles an einem Ort in einer Stadt, in der sie sofort gespürt hat das ist es, hier bin ich zu Hause. Hallo, Hallo.-Hier mich auch. Vor allem, dass wir uns hier treffen, finde ich cool.-Weil eben, wir sind hier heute im Funkhaus und führen unser Gespräch. Warum hast du diesen Ort heute ausgesucht?-Weil hier im Funkhaus in der Argentinierstraße im Endeffekt meine berufliche Karriere begonnen hat und alles, was ich heute mache, hier seinen Ursprung gehabt hat, nämlich Radiomachen oder Podcasten.-Dann gehen wir mal ein bisschen durchs Haus und schon ans um, würd ich sagen.-Oder es fühlt sich ganz komisch an, weil ich glaube, das letzte Mal war ich hier vor 15 Jahren und das erste Mal wahrscheinlich so vor 25 Jahren, und ich glaube, ich werde jetzt fast ein bisschen so nostalgisch, also es fühlt sich ganz komisch an wie so eine Zeitreise, fast, weil es ja auch immer noch gleich ausschaut, aber doch irgendwie anders ist, weil es ja nicht mehr das Funkhaus ist, wo Radio gemacht wird, wo der ORF seinen Sitz hat. Sondern was anderes. Und ich bin gespannt, was sich verändert hat.-Spoiler alles hat sich verändert. Wir gehen durch leere Gänge, vorbei an der ehemaligen Kantine, Baustellengeschrämme, wummert durch die Wände, wir steigen Stufen empor von Stiegen, die offensichtlich gerade nicht zur Benutzung gedacht sind, feiner Mörtelstaub bedeckt die Treppen. Im ehemaligen FM4 Studio liegt Bauschutt. Ein verlassenes Bild, das sich uns da bietet. Ich beobachte Maris Gesicht, sehe bittersüße Freude und Wehmut, an Orte zurückzukehren, die das eigene Leben so entscheidend geprägt haben, ist immer eine ambivalente Angelegenheit. Wie fühlst du dich da jetzt, wenn du, wenn du das so die Hallen betrittst und durch die Gänge gehst?-Ja schon ein bisschen wehmütig, weil ich das Funkhaus immer sehr gern hatte. Ich finde, es ist ein wunderschönes Gebäude, das sehr, sehr viel Geschichte auch ausstrahlt und trotzdem aber nichts an Modernität verloren hat, das ist so eine schöne Mischung aus modern und alt und das kann man jetzt von Küniglberg, der natürlich auch alt ist und auch eine besondere Architektur hat, nicht behaupten, ich bin dort mit dem ganzen Gebäude nie warm geworden, mit dem Funkhaus hingegen schon. Und wir stehen ja jetzt hier noch einmal in der Eingangshalle und links vor uns, sind dann auch so treppenrauf und die bin ich dann auch immer wieder raufgegangen, weil ich damals schon immer wieder Beiträge für Ö1 gemacht habe, wo ich ja jetzt arbeite, also mein jetziges berufliches Zuhause und das war immer so, vom Feeling her ganz anders als FM4, FM4 war immer so, ja, so wie man sich halt, glaube ich, vorstellt, halt total alternativ und laut der jungen Menschen und alles war ein bisschen wurscht und Ö1 war immer so sehr adrett und alle haben sehr korrekt und sehr ordentlich und schön gesprochen und das war dann immer so ein bisschen ein Culture Clash.-Wir gehen weiter. Das Funkhaus strahlt trotz Umbruch immer noch eine gestandene Beständigkeit aus. Eine Mischung aus imposanter Eleganz und bescheidener Funktionalität, Erhabenheit mit einer Prise Understatement. Wir gelangen zu einer weiteren Tür, hinter der Stimmen einst Wellen formten.-Und da diese orge, große Tür, da ging es zum Studio zwei und da ist man nur reingekommen, wenn man einen Mitarbeiterausweis gehabt hat oder wenn von innen jemand die Taste gedrückt hat, das heißt, sonst ist mir, das war wirklich echt ein bisschen so secret und da kommen nur die Stars und so rein und die wichtigen Menschen.-Alles klar. Und jetzt stehen wir vor dem Aufzug.-Das war jetzt wirklich der Teil, das war noch ein bisschen vor meiner Zeit, war das war das ganz alte FM4, um mit diesem Aufzug aufzufahren oder dann eben Ö1. Und ich bin ja in so einer Übergangszeit habe ich begonnen. Schau, da steht noch Hörfunkdirektion, Landesstudio Wien, Radio Österreich 1, FM4 steht hier nicht, aber es war quasi wie so der geheim, der Geheimgang. Warum geht das jetzt nicht?-Braucht man da einen Schlüssel für den Lift?-Und im zweiten kannst du scheinbar fahren? Ah, jetzt.-Das heißt, das ist jetzt dieser enge Lift, von dem du vorher auch gesprochen hast.-Ja, genau, also du siehst, hier passen maximal 5, 6 Leute rein, außer man stapelt sich und das war dann immer ganz komisch, weil wenn du so stehst, siehst du dich selber im Spiegel hinten und wirklich, die Menschen haben über Betreten nach unten geschaut, sind wir, glaube ich, im zweiten Stock, da war das Studio von Radio Wien, die sind ja jetzt auch, also jetzt alles wirklich im Küniglberg schon ein bisschen traurig auch.-Gibt's auch einen Ort im Funkhaus, wo du was erlebt hast, dass niemand weiß.-Ja, aber das erzähle ich natürlich nicht. Natürlich habe ich für Dinge erlebt, die niemand oder nur die Person, mit der ich sie erlebt habe, weiß, kannst du Leute vorstellen? Das war nichts Orges. Nein, aber es war zum Beispiel, das kann ich schon erzählen, das ist jetzt eben diese Stufe, die rauf für das ganz alte FM4-Studio, dort, wo alles begonnen hat, wo man auch das noch kennt aus dem Video und auch die allerersten Signale von FM4 sind hier rausgegangen in die Welt und Angelika Lang hat damals gesprochen, hochschwanger, da war ich noch nicht bei FM4 dabei, aber das hat sich einfach rumgesprochen und ich habe das Video so oft gesehen, dass sich es einfach eingebrannt hat, und hier war auch das La Booom Deluxe-Studio, also so Drum and Base Techno. Freitagabend bis spät in die Nacht. Und da habe ich lustigerweise, das habe ich schon vergessen, da ich mich irgendwann einmal, habe ich mal einfach hergeschrieben, weil ich mir gedacht habe, ich würde das gerne mal sehen, da war ich, glaube ich, 19 oder so, und da bin ich dann da im Studio am Boden gesessen, das weiß ich noch und das wurde noch geraucht im Studio und gsoffen und es war irgendwie, soll man nach org, okay, das ist also Radio machen, das möchte ich auch. Schau jetzt erinner ich mich wieder org mein Gott, ich fühle mich gar zu alt. Schon da ging es da links. Genau, da ging es zu, ja, FM4, da war das alte Studio.-Und da geh ma jetzt rein.-Ja, das steht auch jetzt an der Tür. Das ist jetzt wirklich arg, das habe ich schon lange gesehen, genau da war das Studio, da war dieses berühmte, besagte, da hat alles begonnen. Erste Signale von FM4. Org. Okay. Na ja, nicht schlecht, jetzt fühle ich mich alt. Vielen Dank dafür. Toll. Wenn sie sich richtig alt fühlen wollen. Gehen sie dorthin, wo sie vor 20 Jahren ihre berufliche Karriere begonnen haben, herrlich.-Dezent außer Atem. Weil wir trotz Liftfahrt einige Umwege zu Fuß gemacht haben, sind wir nun im vierten Stock angekommen. In einem Teil der ehemaligen FM4 Räumlichkeiten werden wir unser Gespräch weiterführen in einem Studio vom journalistischen, digitalen Medium Jetzt. Also nochmal in der Gegenwart eine Tür zur Vergangenheit öffnen, weil dafür sind wir ja auch hier, um über Maris Wien heute und damals zu sprechen und um in Gedanken weitere Wiener Orte abzugehen, die ihr Leben beeinflusst haben und es immer noch tun. Wenn dein Leben in Wien ein von dir verfasster Stadtreiseführer wäre, an welchen Orten würden wir da vorbeikommen?-Na definitiv, am Wiener Funkhaus, früher gab es ja hier auch so ein wunderschönes, großes, buntes Ohr, das symbolisiert hat, dass hier viel zu hören stattfindet, und ich finde, dass in Gehweite des Funkhauses im vierten Bezirk in Wien ganz viel Spannendes sich auftut, gleich in Greifnähe. Wenn man so will, ist der Karlsplatz, der besonders im Winter für mich ein Mustgo ist, weil der Weihnachtsmarkt dort so unfassbar nett ist, alles Bio und super Qualität und nette Menschen und es gibt dort, wo im Sommer der Teich ist, mit Wasser, ist im Winter eben Stroh, wo die Kinder sich im Stroh wälzen können und es gibt Schafe und es gibt die besten Kartoffelpuffer, die ich mir damals, als ich im Funkhaus gearbeitet habe, wirklich jeden Tag, also jeden Abend, dass ich nach Hause gefahren bin, mit dem Fahrrad geholt habe, dann würde ich weitergehen, direkt an der Sezession vorbei, dann kommt der Naschmarkt, den ich auch sehr, sehr liebe, aber viel zu selten jetzt dort bin, dann würde ich direkt weitergehen Richtung Museumsquartier. Dann kommen die zwei alteingesessenen Museen Kunsthistorisches und Naturhistorisches Museum und im Endeffekt wirklich bietet also das fächert sich dann so schön auf, weil ich liebe ja auch sehr die alte innere Stadt von Wien, ich finde, es gibt kaum Großstädte, wo so dieses damals so spürbar ist wie in den kleinen Gässleins im ersten Bezirk, die noch Kopfsteinpflaster haben und die engen Gassen und so und wo du wirklich noch, dann hörst du das Klappern der Pferde mit dem Fiaker und das führt zurück in eine andere Zeit, das mag ich sehr und ganz nah ist ja dann eben auch das siebte Bezirk, wo du dann aber wieder das pulsierende junge Leben, alternative Leben spürst, ja, da würde ich jetzt überall hingehen und wenn man dann noch Zeit haben, dann würde ich auch an ein bisschen entlegenere Orte gehen und was ich an Wien sehr, sehr liebe, ist das viele grün und ich wohne ja mittlerweile also schon sehr lange im dreiundzwanzigsten Bezirk, ganz nah am Waldrand und bin fast jeden Tag im Wald und da gibt es auch ganz viele Dinge zu entdecken und das ist, finde ich, so eine schöne Kombi, weil Wien einerseits so wirklich eine sehr lebendige Großstadt ist mit vielen unterschiedlichen Kulturen, unterschiedlichen Menschen, den grantigen Kellnern, also das sind so die Klassiker, die man natürlich in einen Reiseführer rein schreiben muss, finde ich, weil das Wien gut abbildet und dann gibt es aber so an den Rändern auch noch so Ausformungen, die man vielleicht gar nicht zu erwarten würde, eben die vielen Heurigen rund um den 23. Bezirk, wo ich wohnen, aber auch über die Donau drüber, da bin ich leider viel zu selten, was genau die andere Richtung ist, von wo ich wohne, aber ich habe einige Freundinnen dort und auch das ist ja so ein ganz eigenes Flair dort an der Donau und die Donauinsel und die Lobau. Also man hört schon, ich komme total ins schwärmen, ich glaube, ich würde den Reiseführer sehr blumig schreiben und sehr ausufern, mit positiven und schönen Begriffen, weil ich Wien tatsächlich sehr liebe?-Und gibt es da so ein ganz besonderes Erlebnis, wo du sagst, dass es so mit einem Ort verbunden, dass sich da Wien ganz und gar ins Hirn eingebrannt hat.-Also ich bin ja nach Wien gekommen, hergezogen, weil ich hier studiert habe, aber ich habe vorher schon in Wien gearbeitet, tatsächlich aber nur so 2, 3 Monate als Überbrückung vor dem Studium. Und war dort Telefonistin im Hotel Sacher. Und das war schon irgendwie ein sehr schräger Einstieg ins Wien und dann hat sich schon in mich eingebrannt, also diese Studienzeit an der Hauptuni in Wien, ich habe Publizistik studiert und eine Fächerkombination, das heißt, ich bin auch immer so gependelt zwischen Theaterwissenschaften, war dort beim Heldenplatz in einem kleinen Institut, dann die Publizistik war im 18. Bezirk, Politikwissenschaften habe ich auch eine Zeit lang gemacht, das war wieder im Neunten, glaube ich, wenn ich mich erinnern kann und eben viel auch an der Hauptuni und dieses Gefühl auf diesen Treppen der Hauptuni zu sitzen und die Straßenbahn zu hören und die Autos am Ring zu hören und die Fiaker zu hören und dieses Gewusel, das hat mich instantly also wirklich sofort mit Wien verbunden, weil ich bin ja in Bruck an der Leitha aufgewachsen in Niederösterreich, bin in Eisenstadt geboren, also bin eigentlich Burgenländerin, ich werde auch gern vom Burgenland vereinnahmt als Vorzeigeburgenländerin, weil ich dort geboren bin, meine Mutter Ungarin ist gebürtige und mein Vater tatsächlich Burgenländer, also zählt mir eins und eins zahm und sagt, ich bin auch Burgenländerin. Stimmt nicht, ich bin tatsächlich Wienerin, also ich bin mehr als die Hälfte meines Lebens wohn ich und lebe ich in Wien und das ist meine Wahlheimat und es ist auch die Heimat meines Herzens und ich habe mich einfach sofort in Wien zu Hause gefühlt und das hatte ich vorher gar nicht, also durch meine Herkunft, da viel in Ungarn gewesen, als Kind, dann in Bruck an der Leitha, nie so wirklich sesshaft geworden. Weil ich auch im Burgenland in die Volksschule gegangen bin und hin und hergefahren bin, war das immer schwierig und ich habe mich immer nach einem Ort gesehnt, wo ich mal so, okay, das gibt es viele, die sind so wie ich, weil ich hatte immer das Gefühl, ichhöre nicht dazu, ich hatte in meiner Jugend, habe sehr rebelliert, hatte bunte Haare, Nasenring und so, und das war einfach. Wenn du in so einem kleineren Ort aufwächst, fällt es halt immer auf und suchst verzweifelt nach denjenigen, die so sind wie du. Also das ist ein bisschen so, wie wenn du die einzige Gazelle in einer Steppe bist, wo nur Löwen sind, denkst da so irgendwie, ich bin ein bisschen komisch, wo sind die anderen Gazellen? Und in Wien habe ich meine Gazellen gefunden und ja, das war wirklich dieser Moment auf den Treppen der Hauptuniversität, wo ich so das Gefühl gehabt habe, und jetzt bin ich richtig.-Du bist vom Land in die Stadt gezogen, nach London, dann von London nach Wien. Wie war dieser Übergang? Gab es da so ein Kulturschock zwischen Land-Stadt-Stadt.-London hat sich für mich noch größer angefühlt, weil ich einfach so jung noch war und noch nie irgendwie alleine woanders war und Wien war dann auch, weil Wien so ist, aber Wien war dann irgendwie viel cosier und irgendwie hat sich irgendwie so kokonartiger angefühlt und trotzdem finde ich, ja, und das schätze ich so an Wien, diese Kombination aus, eigentlich ist es ein bisschen wie ein Dorf und gleichzeitig ist es für mich die totale Metropole, also ich finde hier alles, was ich brauche, ich werde total inspiriert von Kunst, Kultur, von Menschen aus anderen Ländern, von einer Internationalität, von Kreativität. Das wieder oft beklagt. Also ich habe auch Bekannte in Berlin und war eine Zeitlang in Berlin und da haben viele dann so gesagt, also Wien, das ist ihnen viel zu klein und viel zu hinterwädlerisch und alles ist hier so bürokratisch und zu, dieses Beamtenwesen ist überall und hier gibt es überhaupt keine florierende Start-up-Szene. Und irgendwie, du kannst irgendwie nichts machen, weil alles so korrekt und brav und ordentlich ist. Stimmt, also ich finde auch, dass im Vergleich zu vielen anderen Großstädten ist Wien sehr ordentlich aufgeräumt, sehr kompakt und genau das schätze ich, aber weil im Endeffekt, in mir oder in meinem Leben ist manchmal eh so viel Chaos und ich brauche das dann nicht auch noch im außen und Wien kombiniert das sehr gut und ich glaube, deswegen hatte ich von Anfang an so das Gefühl, ja, da bin ich zu Hause.-Gab es irgendwann dann auch so einen Moment, wo du dann sagen konntest, jetzt fühle ich mich als Wienerin.-Gab es eigentlich von Anfang an, also tatsächlich? Ich hatte nämlich sofort das Gefühl, dass ich hier zu Hause bin und dass ich hier einen Platz habe und das finde ich das schöne an Wien, dass es eben so vielfältig ist, dass du nicht reingepresst wirst in irgendein, so hast du zu sein, so hast du auszuschauen, so hast du dich zu verhalten, ich finde, das Wien, das in seiner Größe, Vielfalt, aber auch in seinem ich finde, Wien ist sehr weich und sehr laut, aber trotzdem nicht überfordernd laut. Und ich habe es das Gefühl, aber ich konnte mich so einschmiegen und darum war so von Anfang an das Gefühl, ich bin Wienerin, ja, und irgendwann ist es mir natürlich dann gekommen, dass ich, dass ich gecheckt habe, wow, ich lebe jetzt schon viel länger in Wien als an irgendeinem anderen Ort, also kann ich ja auch offiziell, weil das immer die Frage, wann kann man denn überhaupt sagen, dass man Österreicherin ist? Okay, da ist die Staatsbürgerschaft, aber ab wann ist man denn Wienerin oder wann ist man denn Burgenländerin? Nur weil ich dort geboren bin, bin ich Burgenländerin? Nein, weil ich fühle mich so nicht, als Wienerin fühle ich mich total und das eigentlich seit Anfang an, weil ich finde das Wien und das sehe ich auch immer wieder an dieser Veranstaltung, wo die neuen österreichischen Staatsbürgerinnen begrüßt werden, Wien ist eine Stadt, die, finde ich, aus persönlicher Erfahrung, Menschen sehr willkommen heißt und das sehr gut schafft, dieses Willkommensgefühl zu verbreiten.-Zum sich willkommen fühlen und ankommen. Du warst früher mal im Rahmen von einem Arbeitsstipendium als Redakteurin beim Radiosender in Budapest tätig, hast dann bei SOS Kinderdorf in Nordindien auch eine Radiostation mit aufgebaut. Wie war das damals? Dann immer für dich, wieder zurückzukommen nach diesen Erfahrungen im Ausland?-Na ja, es gibt ja diesen Sager, dass wenn man am Flughafen in Wien ankommt, merkst du sofort, dass du in Wien bist, weil die Leute auf einmal wieder alle herumgranteln und irgendwie ist immer äußerst nett so, ich würde das bestätigen, das stimmt. Also die grantige Seite an Wien finde ich jetzt nicht so toll, muss ich ganz ehrlich gestehen, aber das habe ich irgendwann geschafft auszublenden und mittlerweile kann ich auch darüber lachen. Wenn jetzt mal ein Kellner in irgendeinem alteingesessenen Wiener Kaffeehaus wirklich herumgrantelt, denke ich mal, ja, passt schon. Es war immer schön, nach Wien zurückzukommen, vor allem dieses, weil ich ja erzählt habe, dass ich das lange nicht hatte, dieses Gefühl von Heimat oder irgendwo zu Hause zu sein und dann zurückzukommen und zu merken, das ist mein Zuhause, das war immer sehr schön, und dieses Gefühl entsteht ja oft erst im Kontrast, also erst erst, wenn man irgendwo anders hingeht, merkt man, was man vermisst und merkt man, was man eigentlich hat. Das ist auch mit den Menschen, die einen umgeben, sehr oft so, dass wenn man sich jeden Tag sieht, dann schätzt man das nicht und kaum ist man getrennt, vermisst man die andere Person. Und so ist es schon auch mit Wien. Also ich hatte immer einen ganz starken Drang und Zug weg, also weg aus Österreich in die große, weite Welt hinaus. Und irgendwann habe ich so für mich beschlossen, ich würde gerne mal alle Länder der Welt sehen, bin dann in der U-Bahn gesessen und habe festgestellt, aber ich so 25, es war ein sehr einschneidendes, deprimierendes Erlebnis. Ich glaube, das geht sich immer aus in dem Leben, das wird nicht passieren und das hat mich aber irgendwie auch befriedet, also ich habe das jetzt nicht mehr, weil ich das eigentlich so okay find, wie es hier ist und es hier die große Welt im Kleinen gibt. Also du kannst ja, in Wien findest du ja wirklich mittlerweile alles, also auch andere Kulturen? Und wenn man offenen Augen und offenen Herzens durch die Stadt geht, dann hast du die Weltreise in Wien jeden Tag, wenn du möchtest und das finde ich schön und das ist kostengünstiger, nachhaltiger, stressfreier, ich muss nicht so viel planen, dann gehe ich einfach, weiß ich nicht. Yppenplatz und bin irgendwie so in klein Istanbul und die asiatische Ecke findet man woanders, wenn ich wild und dann gehe ich in ein indisches Restaurant und bin wieder in Indien irgendwie zurück und darum, also mir fehlt es an nix.-Du hast vorher schon den Wiener Grant angesprochen, wie schaut es mit dem Wiener Schmäh aus? Ist der ein Vorteil oder eher ein Hindernis im Journalismus bei deiner journalistischen Arbeit?-Na ja, ich hatte ganz lange in meinem Aufwachsen mit Schmäh generell ein Problem, weil ich habe ja schon erzählt, meine Mama ist gebürtige Ungarin. Das heißt, ihr Deutsch ist nach wie vor jetzt nicht einwandfrei und bei uns zu Hause war das dann oft so üblich, dass meine Mutter irgendwelche Redewendungen verwendet hat, die völlig falsch waren, also Dinge nicht unter den Teppich kehrn, sondern unter den Vorhang kehren. So, und es war wirklich oft so, dass ich dann auch das übernommen habe, weil ich so zu gehört habe und dann das alles verwechselt habe und irgendwann begonnen habe, Dinge sehr ernst zu nehmen, auch weil ich musste genau hinhören, wie ist das gemeint und ist das jetzt richtig oder nicht? Und das ist bei Schmäh und bei Humor ein bisschen, also schwierig, wenn du dann anfangs alles ernst zu nehmen und einmal alles verstehen zu wollen und dann kapierst nicht, worum geht es eigentlich? Dann ist der halbe Schmäh schon wieder vorbei und du hast es einfach nicht verstanden, weil bitte erklär mir mal so, das ist besser geworden. Und ich finde aber, dass der österreichische oder Wiener Schmäh ein sehr guter ist, also ich mag auch diesen schwarzen Humor, den man in Wien auch sehr findet, es führt halt in anderen Ländern, so wie in Deutschland, manchmal dann zu Verständnisschwierigkeiten, dass die einfach nicht mitkommen und nicht wirklich verstehen, worum es geht oder alles, dass es meine Erfahrung, alles dann ernst nehmen, so wie ich früher, und dann musst du es erklären und dann ist es halt auch nicht mehr lustig, ja, ich finde, also ich finde, es ist eigentlich eine schöne Kombination zu dieser Grant oder auch dieser Schmäh, das fließt ja oft so eines ins andere über, und wenn man das ein bisschen mit Leichtigkeit nimmt, also ich habe auch begonnen, in diesen Grant, also in diesem Grant eigentlich auch was sehr Lustiges zu sehen, weil wenn man ja das nicht ernst nimmt und ich habe früher alles ernst genommen, dann wird es ein bisschen einfach und wird eigentlich alles lustig, ich finde Wien eigentlich auch sehr lustig, ja.-Wenn Wien eine Person wäre, würdest du sie interviewen?-Ja, war sowas von, ich find, Wien ist eine sehr vielseitige Person und da gäbe es ganz, ganz viele Dinge, die ich gerne besprechen wollen würde und ich würde die ganzen Eigenschaften, die Wien so hat, versuchen zu ergründen, ob das jetzt eben das viele Wasser ist, auf der einen Seite und das viele grün und die Natur auf der anderen Seite und an das Gewusel mittendrin und dann auch diese Geschichte und wo Wien herkommt und was Wien zu bieten hat. Na, ich wäre total interessiert.-Seit Oktober 2020 machst du ja den Podcast Frauenfragen und stellst deinen männlichen Gästen Fragen, die sonst normalerweise auf roten Teppichen in Interviews an Frauen gerichtet werden. Was war der Auslöser für diesen Podcast?-Der Auslöser für diesen Podcast war, dass ich in der Corona-Pandemie in Kurzarbeit geschickt wurde und damals zwei Kindergartenkinder hatte, einen Ehemann und eben einen Teilzeitjob als Sportnachrichtenmoderatorin im ORF und mein Chef hat zu mir gesagt, du, also leider, wir müssen dich in Kurzarbeit schicken und ich habe gesagt, nein, ich will nicht, weil ich Arbeit ja eh nur zwei Tage die Woche. Und um Gottes Willen da bleibe ich bin ja nur mehr zu Hause und sind ja plötzlich alle zu Hause gewesen. Also es war für mich eine ganz schreckliche Vorstellung, weil eben, ich erinnere daran, dass ich ja hier in Wien studiert habe und habe ja vorhin geschildert, dieses tolle Erlebnis auf der Treppe der Hauptuniversität und in dem Moment, dass ich das gehört habe mit der Kurzarbeit, war das wirklich wieder so ein Rückerinnern und so ein, ich hab doch nicht studiert und irgendwie das alles in Kauf genommen, um dann zu Hause zu sitzen und Kinder zu betreuen und zu Kochen, und das soll mein einziger Lebensinhalt sein für die nächsten sechs Monate. Das fand ich ganz schrecklich, und mein Chef, der das alles ganz sicher gut gemeint hat, hat mich dann mit den Worten verabschiedet Jetzt hast du ja gut zeitig, um deine Kinder zu kümmern, was in mir ganz viel ausgelöst hat, nämlich unter anderem das bestätigt hat, was ich schon sehr lange gefühlt hatte als Mutter, dass Kinder Frauensache sind, und das ist etwas, was ich nicht nachvollziehen kann, weil meistens zur Produktion der Kinder gehören zwei Leute dazu und dann gibt es einen Vater und eine Mutter und den gab es ja in dem Fall auch den Vater und interessanterweise sind aber damals auch alle Leute auch in dem Umfeld meines Ex-Mannes davon ausgegangen, dass ja eher eine Frau zu Hause, die sich um die Kinder kümmert, weil er konnte 40 Stunden zu Hause weiterarbeiten und das hat einfach ganz viel in mir in Bewegung gesetzt und in mir ist dann so der große Wunsch entstanden, ach, ich würde es so gern haben, dass Männer zumindest für eine ganz kurze Zeit, für einen Moment, nur mal erleben. Und wenn es nur ein Experiment und ein Spiel ist, wie ich ja den Frauenfragenpodcast aufgezogen habe, wie Frauen das in ihrer Lebensrealität tagtäglich haben und das geht jetzt nicht nur darum, um Frauen, die in der Öffentlichkeit stehen, die dann am roten Teppich so komische Fragen gestellt bekommen und auf Themen wie Beauty, Mode, das Altern und die Vereinbarkeit von Familie und Karriere reduziert werden. Sondern ich habe ja auch erlebt als Frau generell und vor allem als Mutter, auch in meinem privaten Umfeld, dass Frauen auf bestimmte Themen reduziert werden und deswegen war es mir ein Anliegen, einfach Männern das mal ein bisschen wie so ein Spiegel vorzuhalten und zu sagen, so geht's, Frauen und wie wär es denn, wenn ihr euch auch mal so fühlt? Und was macht es mit euch? Und ich wollte einfach auch einen Diskurs in Gang bringen und das ist mir, glaube ich, gelungen.-Was sagst du ist Wien frauenfreundlich? Oder ist es eher am Männerverein?-Das ist sehr schwer, das so zu beantworten, aber nachdem die ganze Welt und auch unsere westliche Welt ein Männerverein ist, nach wie vor trotz all der Errungenschaften und trotz all der positiven Entwicklungen, die es schon gegeben hat durch die Frauenrechtsbewegungen, ist es nach wie vor so, dass wir im Patriarchat leben und das Patriarchat sagt, der Mann ist die Norm und an dem orientiert sich alles, das heißt, die Frau ist immer die Abweichung von der Norm und das macht es für Frauen sehr schwierig, weil sie etwas hinterherhecheln, dass sie eigentlich nicht sind, weil die Themenbereiche, auf die sie reduziert werden, nach wie vor in unserem Gesellschaftssystem nicht viel Wert sind. Das sieht man nicht nur an einem Gefühl, wie ich das jetzt beschreibt, sondern das sieht man an Fakten wie einer Entlohnung zum Beispiel, also ich habe meinen Töchtern, die mittlerweile neun und zwölf sind, erst jetzt, unlängst wieder erzählt. Also ich halte dann immer so Vorträge, wenn es mich überkommt und habe ihnen dann erzählt, dass es in Österreich nach wie vor einen Gender Pay Gap gibt und dass Frauen in Gewissen Bereichen, auch wenn sie genau die gleiche Arbeit machen wie Männer. Weniger Geld dafür bekommen. Und die haben ihr Leben nicht mehr gepackt, das war wirklich so, was in Österreich, was in Wien, ja, also deswegen ist die Frage schwer zu beantworten, ist Wien eine frauenfreundliche Stadt? Ich glaube oder ich erlebe es so, dass einiges getan wird, also ob das jetzt sowas ist wie zum Thema Gewalt gegen Frauen, dass es Bestrebungen gibt, einfach in Parks die Beleuchtung besser zu machen, dass es auch sehr schönes Beispiel in Parks zum Beispiel Toiletten aufgestellt wurden, was vor allem muslimischen Mädchen hilft, dass die dann viel öfter rausgehen, weil die diese Gegebenheiten halt brauchen und weil es einfach einen Unterschied macht. Also ich glaube, es bräuchte einfach auch in der Stadtplanung viel mehr diesen feministischen Aspekt und da gibt es ja ganz tolle Bücher, ob das jetzt ist, unsichtbare Frauen zum Beispiel, wo viele Beispiele gebracht werden, was es für einen Unterschied macht, wenn Frauen in der Stadtplanung mitgedacht werden und die Stadtplanung auch aktiv kreieren, weil die einen anderen Blickwinkel haben und andere Bedürfnisse, und das kann ich jetzt schwer beurteilen, wie das jetzt generell für Frauen in Wien ist? Ich fühle mich sehr wohl in der Stadt, ich habe jetzt nicht das Gefühl, dass ich als Frau per se in der Infrastruktur oder was auch immer diskriminiert wird. Wobei ich habe ja gesagt, dass ich im dreiundzwanzigsten Bezirk wohne und die öffentliche Anbindung ist dort nicht sehr gut und in den ersten Jahren, als meine Töchter noch Babys waren, bin ich halt mit dem Kinderwagen herumgefahren. Und der Sechziger zum Beispiel, es ist jetzt besser geworden, aber damals war es wirklich noch so, dass jede zweite Straßenbahn eine alte Straßenbahn war und es war Mega umständlich, mit einem Kinderwagen die Treppen daraufzugehen, jedes Mal musste man jemanden bitten, es war unangenehm. In vielen Stationen gibt es dann immer noch keinen Aufzug. Also das ist für mich einfach ein Beweis, dass in der Vergangenheit Frauen nicht mitgedacht wurden. In der Stadtplanung, da tut sich einiges, das nehme ich schon auch wahr, also das nehme ich auch positiv wahr, aber wie in allen Bereichen und in allen Städten gibt es einfach noch sehr, sehr viel zu tun, damit es für Frauen auch noch lebenswerter wird, nämlich genauso lebenswert wie für Männer.-Auch kurz zur wienerischen Art was liebst du? Was treibt dich in den Wahnsinn?-Ich tu mir ja generell immer so schwer, Menschen zu kategorisieren und zu sagen, die Wiener sind so und die Wienerinnen sind so, davon möchte ich gern Abstand nehmen, weil ich eben finde, dass die Stadt zu vielfältig ist und ich möchte einfach noch einmal bekräftigen, dass ich finde, dass die Stadt den unterschiedlichsten Menschen Räume öffnet und eben das schafft, dass man als wer auch immer oder wie auch immer sich hier aufgenommen fühlt und dass es eben, weil ich finde, wenn man sagt, die Wiener sind so oder die Wienerinnen, dann wird es ja sehr eng, weil wenn du nicht so bist, wasmachst du dann? Und darum ichlehne jegliche Kategorisierung von Menschen ab.-Das heißt, den Wiener, die Wienerinnen, auf die Definition lass man es jetzt gar nicht ein.-Ich erinnere mich noch an die Mundlserie. Wenn das der Wiener ist, gibt sicher auch, aber es gibt so viel andere Wienerinnen und Wiener und das ist jetzt nur ein stereotypes Bild und wie wir, glaube ich, schon gehört haben, jetzt tue ich mir halt generell mit Stereotypen sehr schwer und versucht, die ja auch in meiner Arbeit aufzubrechen, was vor allem Geschlechterstereotype betrifft und ich denke mir auch, was dann so kulturelle Stereotype betrifft, wir sind als Menschen so viel mehr als ein Stereotyp und das ist ja, finde ich, das, was uns als Menschen auch oft ein Bein stellt, dass wir glauben, irgendwie sein zu müssen, dem aber nicht ganz entsprechen, und dann schneiden wir so jetzt nur sinnbildlich Dinge von uns ab, um da irgendwie reinzupassen in eine Schublade. Und dadurch wird es immer weniger divers und immer starrer. Und ich plädiere eher dafür, dass man sagt, der oder die Wienerin gibt es nicht, weil man braucht nur offenen Augens durch die Straßen gehen und das sind alles Wienerinnen und Wiener und keiner von denen schaut gleich aus und deswegen, es gibt den Mundl, aber es gibt genauso den Özmir und es gibt genauso die Mari Lang und viele, viele andere und genau das ist das, was ich schätze an der Stadt.-Dein Lieblingsausdruck? Dein Lieblingswort im wienerischen?-Oida geil, oida ist super, also oida finde ich wirklich, es ist so derb und so primitiv eigentlich und ich lieb's aber total, meine Kinder schau mich immer ganz entsetzt an, wenn ich dann sage eure, aber manchmal bricht so aus mir raus und dann merke ich so, ja, ich bin wirklich schon sehr assimiliert mit dieser Stadt-Und zum Abschluss hat seitdem, was man jetzt vorher alles gesprochen haben, wenn man nicht hier geboren ist in Wien, aber hier lebt, wann ist man endlich Wiener*in?-Na, sobald man es gespürt und ich habe es von Minute eins gespürt, dass diese Stadt irgendwas mit mir zu tun hat und ja, na, wenn man es spürt.-Mari, ich danke dir für dieses wundervolle Gespräch.-Ich danke dir.-Also was das angeht, habe ich das Gefühl, wir schwingen auf derselben Frequenz, ich spür es nämlich auch, ich gehöre hierher. Gleichzeitig ist mir klar, dass Wien nicht für alle über drüber super ist und dass ich mir wünsche, dass die Stadt in Zukunft noch mehr auf das Leben in ihr hört, wenn es darum geht, die Geschichte fortzuschreiben. Am Heimweg beobachte ich still und zufrieden die Leute in der U-Bahn, weil so wie Mari sagt, keiner schaut gleich aus, es sind so viele, jede und jeder trägt die eigene Geschichte, das eigene Wien durch die Stadt. Das schönste zwischen all den Orten, die ich in den letzten Folgen besucht habe, sind die Menschen, die ihre Geschichten mit mir geteilt haben. Denn Wien wäre ohne seine Einwohner*innen einfach nur Kulisse, zugegeben, eine ziemlich schöne, aber erst durch die Eigenheiten der Wiener*innen selbst bekommt die Stadt ihr unverwechselbares Gesicht, ihren ganz eigenen Klang. Was Wien für mich bedeutet? In Wien zu leben, heißt für mich eine Anonymität zu haben, die mich frei macht, gleichzeitig mit meinem Grätzel ein Dorf in der Stadt zu haben, das mir Halt und Struktur gibt und für mich ist Wien mehr als ein Wohnort. Es ist ein Gefühl, ich bleib gern hier picken und auch wenn's mich manchmal stresst, bin ich gern mittendrin. Wien das ist ein Sammelsurium an Widersprüchen, die Sinn ergeben skurril, g'schert und charmant ein Wien, dem ich ganz zart und sehr tief verbunden bin. Ich bin Livia Heisz und das war Heast Wien. Wenn dir der Podcast gefällt, dann abonnier ihn, um auch zukünftig keine Folge zu verpassen. Wir freuen uns auch über eine Bewertung, einen Kommentar oder darüber, wenn du den Podcast teilst, bis bald. Dieser Podcast wurde produziert von oh wow.
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