Stadt Wien Podcast
Ein Podcast von und für alle Menschen, die in Wien leben. Hier hörst du Stimmen aus der Stadt zu relevanten Themen, die Wien bewegen.
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Gesundheitsdiensttag - Tigermücke: Prävention, Risikoaufklärung und praktische Tipps
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Wie gefährlich ist die Asiatische Tigermücke? In der neusten Episode von „Gesundheitsdiensttag“ gehen wir der Frage nach, wie groß die Gefahr durch die Asiatische Tigermücke wirklich ist — medizinisch fundiert und leicht verständlich.
Unsere Moderatorin Sonja Vicht interviewt die Expertinnen Dr.in Ursula Karnthaler, Landessanitätsdirektorin, und Dr.in Sabine Walser, Pharmazeutin und Toxikologin.
Sie sind seit vielen Jahren im Bereich Public Health für die Wiener Bevölkerung tätig und arbeiten in der Koordinationsstelle für übergreifende medizinische und gesundheitsrelevante Maßnahmen zusammen.
Gemeinsam erläutern die Expertinnen die Verbreitung, Gesundheitsrisiken und geben konkrete Tipps zur Lebensraumgestaltung, damit sich Tigermücken bei uns möglichst schwertun.
Viel Spaß beim Zuhören!
Im Gesundheitsdiensttag-Podcast kommen Expert*innen ungefiltert zu Wort. Ziel ist es, komplexe Gesundheitsthemen auf direktem Weg an interessierte Wiener*innen zu vermitteln. Jetzt reinhören, einfach zugehört und aufgeklärt.
Host: Sonja Vicht
Produktionsleitung und Schnitt: Marcel Oswald
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Gesundheitsdiensttag - Zugehört, aufgeklärt. Herzlich willkommen zum bereits fünften Podcast des Gesundheitsdienstes der Stadt Wien. Mein Name ist Sonja Vicht, und es freut mich, dass Sie zuhören.
Sonja Vicht:Bei mir heute zu Gast: Doktorin Ursula Karnthaler und Doktorin Sabine Walser. Danke für euer Kommen, schön, dass ihr beide da seid. Das heutige Thema: Die Tigermücke. Bleiben Sie dran, wir klären auf.
Sonja Vicht:Zugehört, aufgeklärt. Der Podcast des Gesundheitsdienstes der Stadt Wien. Liebe Ursula, ich fange mit dir an, schön, dass du da bist.
Ursula Karnthaler:Hallo.
Sonja Vicht:Kurz zu deiner Person: Kurz zu deiner Person: Du bist Landessanitätsdirektorin der Stadt Wien und somit oberste Amtsärztin und als solche unter anderem zuständig für die Beobachtung von Umwelteinflüssen mit Bezug auf die öffentliche Gesundheit. Begonnen bei der Stadt Wien hast du im Jahr 1995, und beim Gesundheitsdienst bist du jetzt seit 2008. Es freut mich, dass ich dich ein zweites Mal bei mir in der Sendung habe.
Ursula Karnthaler:Es freut mich auch, wieder dabei zu sein. -
Sonja Vicht:Dankeschön. Mein zweiter Gast ist heute Doktorin Sabine Walser. Du bist Pharmazeutin, akademisch geprüfte Toxikologin mit Masterabschluss in Public Health. Du arbeitest seit 10 Jahren in der Wiener Landessanitätsdirektion beim Gesundheitsdienst der Stadt Wien im Bereich öffentliche Gesundheit und leitest dort die Geschäftsstelle der Landessanitätsrates.
Sabine Walser:Auch hallo, und danke für die Einladung.
Sonja Vicht:Sehr gerne. Ich habe die perfekten Gäste für das heutige Thema, weil: Wer kennt es nicht, dieses nervige Geräusch? Die Tigermücke. Fangen wir vielleicht zu Beginn mit dem charakteristischen Erkennungsmerkmal einer Tigermücke an.
Sabine Walser:Die Tigermücke ist winzig klein, sie passt auf eine 1-Cent-Münze, und man erkennt sie an der charakteristischen weißen Mittellinie am Rückenschild, an den weißen Schuppen am Hinterleib und an den schwarz-weißen Streifungen der Beine. Wenn man sich nicht sicher dabei ist, dann kann man natürlich ein Foto einsenden über die Mosquito-Alert-App, und dieses Foto wird dann von Experten der Veterinärmedizin oder der AGES beurteilt und dann eben eine Rückmeldung gegeben an den Einsender. Das Ziel ist, dass man sie kartieren kann, und diese Mosquito-Alert-App kann man unter diesem Namen vom Internet herunterladen und benützen.
Sonja Vicht:Und, wichtige Information: kostenlos, auch immer ganz wichtig. Ich bin mir jetzt sicher, es handelt sich um eine Tigermücke. Was mache ich dann?
Ursula Karnthaler:Da muss ich ganz ehrlich sagen, wenn eine Stechmücke auf mich zufliegt, schaue ich nicht zuerst, welche Stechmücke das ist, sondern der Reflex ist: Ich schlage mal drauf. Weil so ein Stich dann zu jucken beginnt, rot wird, und das ist unangenehm. Aber ist es mal passiert, egal ob von einer heimischen Stechmücke oder von einer Tigermücke, dann helfen Gels gegen den Juckreiz, oder es gibt auch so Stifte, die gezielt Hitzeeinwirkung bewirken, und das hilft sehr gut gegen diesen Juckreiz. -
Sonja Vicht:Das Wichtigste, glaube ich, für die Hörerinnen und Hörer: Panik ist nicht angebracht.
Ursula Karnthaler:Nein, Panik ist nicht angebracht. Die heimischen Stechmücken können zwar das West-Nil-Virus übertragen, aber selbst bei einer Infektion kommt es hier nur in 20 % der Fälle tatsächlich zu fieberhaften Erscheinungen wie bei einer Grippe, und nur ganz, ganz selten treten auch neurologische Symptome auf bei Personen, die Vorerkrankungen haben oder deren Immunsystem geschwächt ist. Und insgesamt ist diese Erkrankung bei uns immer noch sehr selten. Die Tigermücke hingegen kann auch tropische Erkrankungen übertragen, ausgelöst durch das Dengue-Virus, das Chikungunya-Virus oder das Zika-Virus. Diese Erkrankungen können zum Teil mit hohem Fieber einhergehen, mit Ausschlägen, aber auch mit sehr starken Gelenksbeschwerden, die zum Teil auch lange Zeit nach der Infektion anhalten können. Das Besondere am Zika-Virus ist, dass es bei Schwangeren auch auf das Ungeborene übertragen werden kann und hier zu Schädigungen führen kann. Aber die gute Nachricht ist: In Österreich wurde noch keine dieser genannten Erkrankungen bisher von Stechmücken übertragen.
Sonja Vicht:Ich glaube, der große Unterschied zu den heimischen Gelsen: Die Tigermücke fliegt auch untertags.
Ursula Karnthaler:Ja, die heimischen Stechmücken, die fliegen ja vor allem am Abend in der Dämmerung und belästigen uns dann. Die Tigermücke hingegen, die fliegt auch untertags und ist deshalb besonders unangenehm.
Sonja Vicht:Und wenn ich jetzt eine Tigermücke erkenne, kann ich auch davon ausgehen, dass eine Brutstätte in der Nähe ist. Stimmt denn das? -
Sabine Walser:Genau, so ist es. Wenn ich eine Tigermücke sehe, kann ich mich auf die Suche machen, ob ich eine Brutstätte im eigenen Garten oder in der Wohnumgebung finde. Man kann bei größeren Brutstätten zum Beispiel auch den Eigentümer oder die Hausverwaltung kontaktieren, ihre Nachbarschaft wird es Ihnen danken.
Sonja Vicht:Das heißt, Vermeidung ist gleich Schutz, kann man sagen. -
Sabine Walser:Brutstättenvermeidung und der Selbstschutz vor Stichen ist eigentlich das effektivste Mittel, um sich erstens vor Belästigung, aber auch vor möglichen Krankheitsübertragungen zu schützen.
Sonja Vicht:Und da, glaube ich, das größte Problem sind die Wasseransammlungen. Warum ist denn das so, und wie geht man vor?
Sabine Walser:Die Wasseransammlungen sind natürlich für die Entwicklung der Larve aus dem Ei und für die Entwicklung der Larve in eine fliegende Mücke essentiell, also ganz besonders wichtig. Die Tigermücke ist an und für sich ein Baumhöhlenbrüter oder Containerbrüter, und das sagt ja eigentlich schon, wo das Hauptproblem ihrer Verbreitung und Ansiedlung liegt. Die Devise lautet also A wie Ausleeren, Ablassen oder Abdecken oder eben B wie BTI. Sie können BTI-Präparate zur Reduktion von Stechmückenlarven gezielt und lokal verwenden, wenn Sie Stechmückenlarven festgestellt haben. Was ist BTI? Das ist ein Mikroorganismus, der überall im Boden vorkommt. Wenn es richtig angewendet ist, auch Stechmückenlarven gezielt abtötet. BTI-Präparate sind in Österreich für die Anwendung durch Endverbraucher zugelassen. Also wassergefüllte Gebinde, die man nicht einfach ausleeren kann, zum Beispiel Gießwassertonnen, können mit BTI-haltigen Larvenvernichtungsmitteln sehr gut behandelt werden. Aber Achtung: Gewässer, Teiche und Grünerholungsgebiete stellen kein Einsatzgebiet für diese larvenabtötenden Mittel dar. Sie sind auch keine Tigermückenbrutstätten, sondern im Gegenteil wichtige Reservoirs für die Biodiversität und insektenfressende Tierarten.
Sonja Vicht:Wenn ich jetzt eine Tigermücke sehe, kann ich davon ausgehen, dass eine Brutstätte in der Nähe ist. Was könnte denn eine Brutstätte sein?
Sabine Walser:Ja, es ist so, weil sich die Tigermücke eigentlich im Normalfall nur 200 m von ihrer Brutstätte wegbewegt. Brutstätten entstehen natürlich im Zuge der vielen Aktivitäten der Menschen im Grünen oder im Outdoor-Bereich. Dort, wo der Mensch sehr viele Aktivitäten auch Freizeitaktivitäten hat, eben zum Beispiel beim Gärtnern oder auch eben bei Outdoor-Aktivitäten wie Pools oder Spielzeuge oder Gerätschaften, die dort liegen, bleiben auch während der Regenfälle im Sommer. Da entstehen natürlich wunderbare Brutstätten für die Tigermücke. Die Tigermücke ist ein Baumhöhlenbrüter, also ein Containerbrüter. Das heißt, sie wird Öffnungen, Hohlräume benützen, um ihre Eier dort abzulegen, und da genügen eigentlich schon kleine und kleinste Wasseransammlungen. Da braucht man eigentlich nur in seinen Garten schauen, das sind die ganzen Gartengeräte, das sind die Gießkannen, in denen Wasser verbleibt, Vogeltränken, Spielzeug nach Regenfällen, die Abdeckplanen zum Beispiel für Pools oder eben auch verstopfte Rinnen vom Regenwasser. Dann hat man sogar die Holme für die Sonnenschirme. Also das alles würde genügen, damit ein Ei einer Tigermücke sich in eine Larve und dann später in ein fliegendes Insekt entwickeln kann.
Sonja Vicht:Jetzt hast du gesagt, ich soll es ausleeren, aber ich glaube, noch viel wichtiger sind ja in den Rinnen die Eier, die dort abgelegt sind, weil die müssen ja weg.
Sabine Walser:Genau, das heißt, beim Ausleeren auf jeden Fall berücksichtigen, dass man es nicht in das Abwassersystem einbringt, weil damit würde man neue Brutstätten schaffen. Ausleeren bitte am Boden. Und zweitens nicht vergessen, dass man den Behälter gut auswischt und reinigt, damit auch keine Eier mehr dort bleiben können, denn die Eier der Tigermücke sind eben sehr beständig gegen Kälte, Hitze und Austrocknung, und bei jedem neuerlichen Zufuhr von Wasser können sie sich wieder ein Stück weiterentwickeln.
Sonja Vicht:Sie sind hartnäckig, aber mit dem Auswischen habe ich was erreicht. Danke für den sehr wertvollen Hinweis. Jetzt habe ich aber nicht immer einen Einfluss auf diese Brutstätten. Habe ich den nicht, was kann ich denn da tun?
Ursula Karnthaler:Wenn ich selbst keinen Einfluss habe auf die Brutstätten, dann kann ich mich zumindest vor Stichen schützen. Da gibt es verschiedene Mückenschutzmittel, die man auf die Haut auftragen kann. Am besten lässt man sich hier in der Apotheke beraten. Mittel gibt es, die für Kinder ab 2 Jahren bis zu den Erwachsenen zugelassen sind, aber auch für jüngere Kinder gibt es bereits spezielle Mittel mit einer geringeren Konzentration. Frühestens allerdings kann man ab 6 Monaten so etwas anwenden, den Großteil der Mittel erst ab einem Jahr, und darunter sollte man die Kinder einfach im Kinderwagen mit einem Moskitonetz schützen. So kann man sich selber ja auch schützen im Schlafraum, wenn man irgendwo ist, wo sehr viele Stechmücken vorkommen. Ein engmaschiges Moskitonetz vorm Fenster schützt mich auch bei geöffnetem Fenster davor, dass die lästigen Stechmücken ins Zimmer kommen. -
Sonja Vicht:Jetzt gibt es ja auch noch Fallen mit Lockmitteln. Machen die denn auch Sinn?
Ursula Karnthaler:Ja, es gibt spezielle Tigermückenfallen, die Brutstätten imitieren. Das kann dort, wo sehr viele Tigermücken sind, tatsächlich auch einmal Sinn machen. Man muss hier nur genau die Gebrauchsanweisung beachten, die Falle in einem schattigen, ruhigen Ort aufstellen, in einigen Metern Entfernung vom eigentlichen Aufenthaltsbereich im Freien. Und ganz wichtig: Man muss diese Falle auch entsprechend warten, immer wieder reinigen, so wie es der Hersteller vorschreibt, weil sonst wird sie eher zu einer Brutstätte als zu einer Hilfe. Und ganz wichtig auch: Es ist, so wie alle anderen Maßnahmen, kein alleiniges Heilmittel, sondern immer nur ein Puzzlestein in der Bekämpfung.
Sonja Vicht:Es ist auf jeden Fall einen Versuch wert, wenn man es richtig einsetzt.
Ursula Karnthaler:Ja, stimmt, diese Fallen sind durchaus einen Versuch wert. Nicht zu verwechseln sind diese allerdings mit den auch oft verwendeten Gelsensteckern. Die beinhalten chemische Substanzen, die die fliegenden Stechmücken abtöten, wirken allerdings nur kurz und sind eine Belastung für die Bewohner*innen und die Haustiere. Und was noch dazu kommt: Wenn man diese insektenabtötenden Mittel langfristig einsetzt, sei es nun in den Gelsensteckern oder als Spray, dann kann das dazu führen, dass es zu Resistenzen kommt. Das heißt dann, wenn man diese Mittel wirklich braucht, um krankheitsübertragende Stechmücken abzutöten, kann es sein, dass sie nicht mehr so gut oder nicht mehr wirken. -
Sonja Vicht:Was sicher alle Hörerinnen und Hörer interessiert, um es auf den Punkt zu bringen: Ist die Tigermücke gesundheitsgefährdend?
Ursula Karnthaler:Die Tigermücke kann grundsätzlich verschiedene tropische Erkrankungen übertragen und tut das auch in den Ländern, wo sie ursprünglich heimisch war. Bei uns wurde bisher die Tigermücke eingeschleppt, aber in Österreich ist bisher noch keine der tropischen Erkrankungen, die sie übertragen kann, wie das Chikungunya-Fieber, das Dengue-Fieber oder das Zika-Fieber, tatsächlich hier in Österreich übertragen worden.
Sonja Vicht:Und jetzt steht der Sommer vor der Tür, wir freuen uns alle. Man hört aber in diesem Bezug dann auch immer wieder von Erkrankungen im Zusammenhang mit Reiserückkehrer*innen.
Ursula Karnthaler:Das ist richtig. Ich habe schon gesagt, in den Ländern, wo diese Stechmücken wie die Tigermücke oder auch andere tropische Mücken vorkommen, werden tatsächlich auch die genannten Erkrankungen übertragen, und die Wahrscheinlichkeit ist auch höher, weil es dort eben auch Tiere, eben Affen gibt, die ebenfalls ein Wirt für diese Erreger sind, und so kann sich ein Kreislauf entwickeln und die Erkrankung kann sich weiterverbreiten. In Österreich sind es primär Reiserückkehrer, die sich eben in diesen tropischen Ländern angesteckt haben und die dann hier entweder schon bevor sie zurückkommen oder hier bei der Rückkehr in Österreich erkranken.
Sonja Vicht:In Südeuropa hat es ja bereits Übertragungen gegeben. Kann das eigentlich in Österreich in Wien auch passieren?
Ursula Karnthaler:Kommt ein Reiserückkehrer mit einer dieser genannten tropischen Erkrankungen zurück und sind noch keine 5 Tage seit Symptombeginn vergangen, so trägt er das Virus noch im Blut. Und rein theoretisch, wenn er in dieser Zeit von einer Tigermücke gestochen wird, kann er das Virus dann auch auf diese Tigermücke übertragen. In der Tigermücke braucht es aber dann auch eine gewisse Zeit, bis das Virus soweit sich entwickelt hat und wieder in den Stichwerkzeugen angelangt ist, dass eine weitere Person infiziert werden kann, und die Tigermücke muss entsprechend lang genug leben und in dieser Zeit auch eine weitere Person stechen, damit das passiert. Also es ist eine Möglichkeit, aber derzeit in Österreich bei der Anzahl von mitgebrachten Infektionen doch noch relativ unwahrscheinlich.
Sonja Vicht:Allerdings sollte ich bei Auslandsreisen ganz besonders den Stechmückenschutz beachten und vor allem auch, wenn irgendwas ist, eine Ärztin, einen Arzt kontaktieren.
Ursula Karnthaler:Ja, du hast recht, aber wichtig ist es schon, sich vor der Reise vorzubereiten, sich eben reisemedizinisch beraten zu lassen, um überhaupt zu wissen, welche Erkrankungen in den bereisten Ländern überhaupt vorkommen. Und geht es in solche subtropische oder tropische Länder, wo eben stechmückenübertragbare Erkrankungen vorkommen, dann kann man selbst sehr viel dazu beitragen, sich nicht zu infizieren. Da gibt es einmal die ohnehin schon erwähnten mückenabwehrenden Mittel, die man verwenden kann. Man sollte daran denken, lange, helle Kleidung zu tragen, die kann man je nach Risiko auch mit insektenabtötenden Mitteln präparieren. Und ganz wichtig ist es auch in der Nacht, wo man sich ja nicht gegen Gelsenstiche wehren kann, dass man sich hier schützt. Das kann man einerseits machen durch präparierte Moskitonetze oder durch den Aufenthalt in klimatisierten Räumen. Ja, und wie du schon gesagt hast, tritt nach der Reise trotz all dieser Vorkehrungsmaßnahmen Fieber auf, dann ist es ganz wichtig, dass man das ärztlich abklären lässt. -
Sonja Vicht:Einfach, um auf Nummer sicher zu gehen. Da hätte ich jetzt noch eine Frage: Gibt es da eigentlich irgendeine Impfung, die ich mir holen kann im Vorfeld?
Ursula Karnthaler:Gegen Chikungunya und Dengue gibt es mittlerweile Impfungen, die eben in bestimmten Situationen empfohlen sind. Deshalb empfehlen wir ja, wie gesagt, auch eine reisemedizinische Beratung, damit dort die Notwendigkeit solcher Impfungen abgeklärt wird.
Sonja Vicht:Kommen wir jetzt nun konkret zur Stadt Wien. Was unternimmt denn die Stadt Wien jetzt gegen die Tigermücke?
Sabine Walser:Die Stadt Wien hat als erste Gemeinde Österreichs 2017 bereits erstens die Erfassung heimischer und neuer Stechmückenarten, zweitens die Beurteilung des Übertragungsrisikos von stechmückenübertragenen Erkrankungen und drittens das gemeinsame Vorgehen der Magistratsabteilungen bei Erkrankungen in einem Maßnahmenplan festgelegt.
Sonja Vicht:Und seit 10 Jahren leisten wir auch noch Pionierarbeit im Bereich der Stechmückenüberwachung. Wer mag mir da was erzählen?
Sabine Walser:Während der Gelsensaison werden an verschiedenen Sammelorten in Innenstadt und Außenbezirken mit unterschiedlichem Stadtklima fliegende Gelsen und Eiablagezahlen der Tigermücke erfasst und auf Virenbelastung untersucht. Mit dieser Strategie konnten im Spätsommer 2020 die ersten durch den Fernverkehr eingeschleppten Tigermücken im südöstlichen Grüngürtel entdeckt werden, von wo sie sich dann weiter auch in den Norden verbreitet haben.
Sonja Vicht:Und dazu gibt es sicherlich auch wissenschaftliche Untersuchungen.
Sabine Walser:Der Gesundheitsdienst der Stadt Wien arbeitet sehr eng mit der Veterinärmedizinischen Universität Wien zusammen, und im Auftrag des Gesundheitsdienstes hat die Veterinärmedizinische Universität seither mögliche Faktoren für die Ausbreitung wissenschaftlich untersucht. Eine gute Nachrich t: Bisher ist das Aufkommen an Tigermückeneiern rund um Fernbusbahnhöfe und Bahnhöfe gering. In den vergangenen 3 Stechmückensaisonen wurden bis auf einzelne Individuen oder einzelne Mückenlarven keine anderen Stechmückenlarven in Regenwasserabläufen des öffentlichen Straßensystems gefunden. Damit ist derzeit der sehr ressourcenintensive Einsatz von einem Mittel zur Larvenabtötung im Abwasser im öffentlichen Straßensystem noch nicht begründbar. Wir werden aber weiterhin das Larvenaufkommen erfassen.
Sonja Vicht:Und seit dem Jahr 2021 haben wir als Gesundheitsdienst ja auch noch eine beratende Funktion für Bürgerinnen und Bürger. Was gibt es denn da noch zu erzählen?
Sabine Walser:Die Veterinärmedizinische Universität und auch der Gesundheitsdienst beraten in vielen detaillierten Anfragebeantwortungen die Bürger und arbeiten auch eng mit Akteuren wie z.B. dem Zentralverband der Siedler und Kleingärtner sowie auch Hausverwaltung und Hausbetreuung von Gemeindebauten zusammen. In diesem Zusammenhang haben wir auch eine Checkliste ausgearbeitet, mit der Bürger*innen kleine Brutmöglichkeiten im eigenen Heim und Garten identifizieren können. Solche Checklisten haben wir zur Verfügung gestellt unseren Stakeholdern und auch Akteur*innen, und das ist auch ein lebendes Dokument. Das heißt, jeder ist aufgerufen, bei der Begehung auch noch etwas an diese Checkliste hinzuzufügen.
Sonja Vicht:Also jederzeit änderbar?
Sabine Walser:Jederzeit änderbar und ein lebendes Dokument.
Sonja Vicht:Und wann konkret kommt denn dann der Gesundheitsdienst ins Spiel? Was machen wir?
Ursula Karnthaler:Der Gesundheitsdienst kommt immer dann ins Spiel, wenn meldepflichtige, von Stechmücken übertragene Erkrankungen gemeldet werden. Und uns geht es darum, im Rahmen der Befragung zu erheben: Wo haben sich die Personen angesteckt? War das im Ausland? War das in Österreich? Relevant ist es dann, wenn sich die Personen in Österreich angesteckt haben. Wir hatten so z.B. schon vereinzelte West-Nil-Virus-Erkrankungen, die hier in Wien aufgetreten sind, die ja auch von den heimischen Stechmücken übertragen werden, aber wir konnten bisher nie eine Umgebung ausmachen, wo sich mehrere Personen genau an diesem Ort angesteckt haben, wo wir dann quasi mit Maßnahmen, mit Larvenbekämpfungsmaßnahmen oder darüber hinausgehenden Maßnahmen eingreifen hätten müssen.
Sonja Vicht:Also eigentlich wie bei allen anderen Erkrankungen auch?
Ursula Karnthaler:Genau. Wir brauchen quasi die Personen, die erkrankt sind, dass die uns Auskunft geben, um hier abschätzen zu können, ob weitere Maßnahmen notwendig sind. Und wie gesagt, tropische Erkrankungen, die in Österreich erworben wurden, sind bisher noch nicht aufgetreten.
Sonja Vicht:Sehr gut. Der letzte Punkt wäre ein Thema, das in den Medien zu lesen war: Es geht um die Sterilisation der Tigermückenmännchen. Wie geht Wien denn da vor?
Sabine Walser:Man muss also dazu sagen, dass es eben leider kein Wundermittel bei der Bekämpfung der sehr anpassungsfähigen Tigermücke gibt. Es ist also so, dass eigentlich nur ein situationsangepasster Methodenmix, und man nennt es integriertes Vektormanagement, verstärkt durch die Brutstättenvermeidung und die Bemühung zum Schutz vor Insektenstichen durch jeden Bürger im eigenen Heim und Garten zum Ziel führen wird. Besonders internationale Experten sehen gerade den Einsatz dieser sterilen Insektentechnik nicht als eine Einzellösung für eine Großstadt. In einer Großstadt haben wir eine sehr große Ausdehnung, wir haben auch eine hohe Bevölkerungsdichte, und wie wir schon gehört haben, ist eben gerade die menschliche Aktivität die Quelle für sehr viele Brutstätten. Und der Einsatz dieser sterilen Insektentechnik, die ist enorm aufwendig. Das heißt, man muss die Tigermücke züchten, man muss manuell Tigermückenmännchen von Weibchen separieren, man muss dann auch zur Qualitätskontrolle die Tigermückenmännchen markieren mit Farbe. Sie werden dann bestrahlt und dann werden sie zum Einsatzort transportiert.
Sonja Vicht:Die müsste man, glaube ich, weiß ich was, einfliegen lassen?
Sabine Walser:Derzeit ist unseres Wissens nach in Österreich nicht eine ausreichende Kapazität für die großräumige Anwendung auch vorhanden. Es ist dann so, dass ein Tigermückenmännchen normalerweise viel kürzer als die Weibchen, nämlich oft nur 10 bis 14 Tage lebt. Das heißt, aufgrund der Bestrahlung und auch des Transportes büßen ja diese Tigermückenmännchen auch an Lebenskraft ein, und gerade auch müsste der Einsatz sehr oft erfolgen. Das heißt, man müsste in der Gelsensaison im Hochsommer mindestens 2-mal pro Woche solche Tigermückenmännchen aussetzen. Das heißt, wenn man jetzt noch berücksichtigt, dass in einer Großstadt wie Wien durch die Zubringerstraßen ja auch ein regelmäßiger Eintrag erfolgt, ist das sicher eine enorm aufwendige, auch sehr kostenintensive Maßnahme. Und wie gesagt, man kann also nur betonen: Es liegt auch an uns, der Tigermücke die Ansiedlung so unbequem wie möglich zu machen.
Sonja Vicht:Wir bieten ihr einfach keine Brutstätte, unterm Strich gesagt.
Sabine Walser:Es gibt noch viele andere Maßnahmen.
Sonja Vicht:Ja.
Sabine Walser:Zusammenfassend ist diese Technik geeignet für kleine, noch nicht etablierte Populationen in kleinen, begrenzten Gebieten, wo davon auszugehen ist, dass der Eintrag nicht laufend erfolgt, und das trifft für Wien nicht zu.
Sonja Vicht:Ja. Es ist nun soweit, wir sind nun tatsächlich schon wieder fast am Ende. Abschließend würden mich noch eure Abschlussworte interessieren: Gibt es noch irgendetwas zu dem Thema, was euch wichtig ist, was ihr mitteilen wollt? Bitte, Ursula.
Ursula Karnthaler:Die Stadt Wien hat das Thema Stechmücken und stechmückenübertragbare Erkrankungen schon viele Jahre im Fokus, und ich muss sagen, hier arbeiten auch alle relevanten Dienststellen wirklich sehr gut zusammen. Aber es braucht hier jeden Einzelnen von uns, und da appelliere ich an alle, hier mitzuhelfen.
Sonja Vicht:Und Sabine, was sind deine Abschlussworte?
Sabine Walser:Ja, ich glaube: Müllvermeidung, Aufmerksamkeit gegenüber Brutstätten, zusammenhelfen, die Augen auf und auch an die Nachbarschaft denken.
Sonja Vicht:Und mit dem Taschentuch im Hosensack die Eier wegwischen, das nehme ich mit. Und nur so kann man es schaffen. Im Interesse von uns allen halten wir zusammen. Dann sage ich herzlichen Dank. Wir sind somit für heute am Ende angelangt. Danke fürs Zuhören, danke fürs Aufklären, ein großes Dankeschön an meine beiden Gäste. Bis zur nächsten Folge, schönen Tag, alles Liebe, eure Sonja Vicht.
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