kompakt: Über sichere Schulwege mit Georg Brockmeyer von der Mobilitätsagentur Wien
•Stadt Wien
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In unserem neuen Format kompakt kommt wöchentlich ein*e Expert*in der Stadt zu einem aktuellen Thema zu Wort.
In der ersten Ausgabe von kompakt dreht sich alles um die Schulwegsicherheit. Wie bereitet man Kinder optimal auf einen selbstständigen Schulweg vor? Was bedeuten Schulstraßen und der sogenannte „unsichtbare Schutzweg“ für Autofahrende und Radfahrer*innen? Und wie lassen sich brenzlige Situationen durch sogenannte Kiss-and-Ride-Zonen vermeiden? Darüber spricht Host Eugen Bergmann mit Georg Brockmeyer von der Mobilitätsagentur Wien.
Die 3 wichtigsten Tipps für Eltern aus der Folge:
Gemeinsam üben: Den Schulweg mehrmals zu Fuß, mit den Öffis oder dem Rad abgehen und die Kinder schrittweise die Führung übernehmen lassen.
Aufs Auto verzichten oder Abstand halten: Wer mit dem Auto fahren muss, hält nicht direkt vor der Schule, sondern lässt das Kind 100 bis 150 Meter entfernt sicher aussteigen (Kiss-and-Ride).
Kinder haben Vorrang: Für Kinder gilt im Straßenverkehr der unsichtbare Schutzweg – Fahrzeuglenkende müssen immer bremsbereit sein.
In Wien gab es im Vorjahr 80 Schulwegunfälle, bei denen 92 Kinder verletzt wurden. Das sind immer noch 92 Kinder zu viel. Wie ihr euer Kind am besten auf den Schulweg vorbereitet, damit es sicher unterwegs ist, darüber reden wir mit unserem heutigen Experten Schorsch Brockmeyer von der Mobilitätsagentur Wien. Herzlich willkommen, hallo.
Georg Brockmeyer
Hallo, Dankeschön.
Eugen Bergmann
Heute geht es um Schulwege, um sichere Schulwege. Was soll es denn eigentlich bedeuten, einen Schulweg sicher zu machen?
Georg Brockmeyer
Das Wichtigste ist, dass Schulwege nach Möglichkeit verkehrsberuhigt sind. Also das betrifft das direkte Schulumfeld, also die Straßen und Gassen um die Schule und natürlich auch den Weg dorthin. Je verkehrsberuhigter die Situation auf dem Weg zur Schule ist, desto sicherer und komfortabler und auch angenehmer ist es für die Kinder und auch für die Eltern.
Eugen Bergmann
Wo kann ich mich dann als Elternteil gezielt informieren? Also gibt es auch für eine bestimmte Schule einen sicheren Schulwegsplan?
Georg Brockmeyer
Es gibt für jede Volksschule der Stadt Wien einen Schulwegsplan. Die werden in der Regel zu Beginn des Schuljahrs an den Schulen auch ausgeteilt. Sie sind aber auch ganz einfach zu finden auf der Website der Stadt Wien. Da kann sich jede Mama, jeder Papa sich auch diesen Schulwegplan für die jeweilige Schule auch runterladen.
Eugen Bergmann
ch hänge da gleich noch die URL ein, das ist schulweg.wien.gv.at. für alle, die sich informieren wollen. Lieber Schorsch, wie schaut es um die Wiener Schulen heute aus, was noch verbessert werden müsste?
Georg Brockmeyer
Also die Stadt Wien hat in den letzten Jahren ganz viel getan, die Schulumfelder auch direkt vor den Schulen zu verbessern, beispielsweise durch die Verbesserung von Schulvorplätzen. Mittlerweile sind rund 26 bis 27 Prozent der Wiener Volksschulen mit sehr guten Schulvorplätzen ausgestattet, die zum Großteil eben autofrei oder sehr verkehrsberuhigt sind, weil es beispielsweise Wohnstraßen sind, wo einfach weniger Verkehr ist und es dafür sicherer ist. Und gleichzeitig schafft man dadurch auch Begegnungsplätze, wo sich Schülerinnen und Schüler treffen können, mit den Lehrerinnen und Lehrern, mit den Eltern, aber eben auch die Bewohnerinnen und Bewohner des Grätzels.
Eugen Bergmann
Was sind denn die größten Herausforderungen für ein Kind, ohne auf die Gefahren mal einzugehen?
Georg Brockmeyer
Naja, es geht natürlich um Selbstständigkeit und um Zutrauen. Und deshalb ist es das Beste, wenn Eltern, und ich bin selbst Vater, mit ihren Kindern einfach mal den Schulweg ausprobieren, ihn üben, gemeinsam gehen und das vielleicht auch mehrmals machen und eben die Kinder am besten eben nicht mit dem Auto, sondern zu Fuß, mit den Öffis oder auch mit dem Fahrrad zur Schule bringen und das gemeinsam machen und dann irgendwann, wenn da ein bisschen Übung drin ist, auch den Kindern es zuzutrauen und zu sagen, okay, jetzt führst du. Wir gehen gemeinsam zur Schule und du zeigst mir den Weg. Das stärkt die Selbstständigkeit und es ist für die Kinder unglaublich toll. Und es führt dann auch im Laufe so einer Volksschulkarriere von Anführungszeichen von Kindern auch dazu, dass Kinder dann gerne auch mit ihren Freundinnen und Freunden gemeinsam hingehen wollen. Durchaus mit den Öffis oder ein Teil zu Fuß. Das ist ja meistens dann eine Sache, die auch gemischt ist. Also nicht jeder hat einen ganz kurzen Schulweg, manche sind eben ein bisschen länger. Aber für die Kids ist das ganz toll. Und wenn man diese Selbstständigkeit stärkt, ist es für sie gut und es ist natürlich auch für ihre eigene Sicherheit gut, weil sie lernen, dass sie sich bewegen können in ihrem Kretzel auf dem Weg zur Schule. Das ist was ganz Wichtiges.
Eugen Bergmann
Wenn ich jetzt als Elternteil aber aufs Auto angewiesen bin und das Kind mit dem Auto zur Schule bringen muss, aus welchen Gründen auch immer, was kann man dann diesen Eltern empfehlen?
Georg Brockmeyer
Manchmal ist es halt erforderlich, dass man die Kinder mit dem Auto zur Schule bringt. Da ist es dann sinnvoll, nicht direkt vor der Schule zu halten, sondern das Kind vielleicht eine Kreuzung vorher oder um sein Eck an einen Wohnblock vorher einfach aus dem Auto zu lassen, sicher aussteigen zu lassen, also immer auf der von der Fahrbahn abgewandten Seite, immer auch schauen, also dass man nicht in zweiter Reihe parkt. Und das Kind vielleicht die letzten 100 bis 150 Meter allein zur Schule gehen zu lassen, weil dadurch verhindere ich, dass ich ungute und brenzlige Verkehrssituationen direkt vor der Schule habe.
Eugen Bergmann
Also so viel Zeit muss sein.
Georg Brockmeyer
So viel Zeit sollte sein und das sind ein paar Minuten. Und dadurch wird es einfach sicherer. Und dort, wo wir beispielsweise, wo wir Schulstraßen einrichten, also Schulstraßen sind so, dass eine halbe Stunde vor Unterrichtsbeginn die Straße vor der Schule autofrei ist, also es ist ein Durchfahrtsverbot für Autos. Manchmal auch eine halbe Stunde nach bis eine halbe Stunde nach Unterrichtsschluss. Da werden teilweise in den Bezirken dann auch sogenannte Kiss-and-Ride-Parkplätze eingerichtet, die im Umfeld also vor der Schulstraße sind. Das ist dann eben ein Parkplatz, der wirklich reserviert ist für Kiss and Ride. Man kann kurz halten, die Kinder raussteigen lassen. Dadurch wird es dann eben auch verkehrsberuhigter und sicherer und auch komfortabler.
Eugen Bergmann
Welche Rolle spielen denn Radfahrer eigentlich auch? Gibt es da irgendwelche Reibungspunkte? Weil du gemeint hast, vorher bei der Schule, da gibt es dafür den Radweg auch durch. Was könnte man den Radfahrenden sagen?
Georg Brockmeyer
Also es ist ganz klar, auch wenn, also Radfahrende dürfen durch Schulstraßen durchfahren, aber da ist auch ganz klar, es ist auch ein Schritttempo fahren, es ist also quasi wie in einer Fußgängerin- und Fußgängerzone. Und da müssen sie besonders Rücksicht nehmen. Und grundsätzlich ist es ja für alle Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer so, wenn Kinder auf der Straße unterwegs sind, die sind ausgenommen vom Vertrauensgrundsatz. Also das heißt, das ist das erhöhte Vorsicht geboten, muss man immer Rücksicht nehmen. In dem Sinn appelliere ich auch immer wieder an Fahrerinnen und Fahrer von Autos, für Kinder gilt auch der unsichtbare Schutzweg. Also sobald ich ein Kind sehe, das eine Straße kreuzen will, dann hat das Kind das Recht, die Straße zu kreuzen. Da muss ich immer bremsbereit sein, muss anhalten, die Kinder rüberlassen. Und das ist ganz, ganz wichtig, dass Autofahrerinnen und Autofahrer das auch berücksichtigen und eben besonders vorsichtig sind, wenn sie Kinder auf der Straße unterwegs sehen.
Eugen Bergmann
Warum hilft es nicht, einfach ein Verkehrsschild aufzustellen?
Georg Brockmeyer
Wenn Verkehrsschilder allein ausreichen würden, dann würden sich alle dran halten. Das ist leider in einer Gesellschaft nicht so, weil manchmal eben Leute auch unachtsam sind. Und deshalb ist es immer gut, wenn wir eine Verkehrsinfrastruktur, also Straßen, Gehsteige, Fahrradwege auch so bauen, dass sie, man nennt das in der Fachsprache, Fehlerverzeihend sind, also dass man einfach besser die unterschiedlichen Menschen auf der Straße sieht, eben Fußgängerinnen, Kinder, Fahrradfahrende, Leute im Auto, dass das einfach ein bisschen sicherer gestaltet wird. Und da kann man relativ viel machen.
Eugen Bergmann
Gibt es irgendwie Feedback von den Eltern und von den Kindern für die neuen sicheren Schulwege? Also wird das angenommen?
Georg Brockmeyer
Ja, also wir kriegen sehr viele positive Rückmeldung von den Schulen und von den Eltern, den Schülerinnen. Also überall dort, wo wir beispielsweise Schulvorplätze autofrei gemacht haben und auch neu gestaltet haben.
Eugen Bergmann
Und was sagen die Anrainerinnen dazu eigentlich?
Georg Brockmeyer
In der Regel wird durch so eine Umgestaltung, durch einen neuen Schulvorplatz oder durch eine Fahrradstraße, wie wir es jetzt in der Meiselstraße im 14. und 15. Bezirk gemacht haben, das sehr gut angenommen, weil das ganze Grätzl damit ja aufgewertet wird, ja, weil neue Bäume gepflanzt werden, Grünflächen entstehen, es wird dadurch auch ein bisschen kühler, heizt sich nicht so sehr auf. Es ist einfach schöner. Insofern wird es eigentlich von allen immer gut angenommen.
Eugen Bergmann
Also zusammengefasst, was wären jetzt die wichtigsten drei Punkte, die du den Elternteilen mitgeben würdest?
Georg Brockmeyer
Ich denke, das Wichtigste ist, die Schulwege gemeinsam mit den Kindern zu gehen und zu üben, also sie in ihrer Selbstständigkeit da zu unterstützen.
Eugen Bergmann
Und das zweite?
Georg Brockmeyer
Das zweite wäre einfach häufiger mal die eigenen Füße, das Fahrrad, den Tretroller oder auch die wunderbar ausgebauten Öffis der Stadt Wien zu nutzen.
Eugen Bergmann
Und als dritter Punkt?
Georg Brockmeyer
Kinder haben Vorrang. Es gibt den unsichtbaren Schutzweg. Sobald ein Kind die Straße queren will, müssen wir es dem Kind erlauben.
Eugen Bergmann
Lieber Schorsch, vielen Dank fürs Kommen.
Georg Brockmeyer
Sehr gerne.
Eugen Bergmann
Das war Kompakt für diese Woche. Alle Links und Details findet ihr in den Shownotes. Wenn euch die Folge gefallen hat und ihr etwas mitnehmen konntet, lasst uns gerne ein Abo da. Nächste Woche geht's weiter. Danke fürs Zuhören und bis bald.
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