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Neue SIBO-Forschung: Was wirklich wichtig ist | #140
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SIBO ist in den letzten Jahren fast zu einem Modebegriff geworden. Manche sehen darin die Erklärung für fast jedes Reizdarms-Symptom. Andere sagen inzwischen, diese ganze SIBO-Hypothese ist überzogen. Atemests sind unzuverlässig und am Ende werden viel zu schnell Antibiotika eingesetzt. Und genau zwischen diesen beiden Extremen liegt wahrscheinlich die Wahrheit. Denn die aktuelle Forschung zeigt nicht einfach, SIBO ist alles. Sie zeigt aber auch nicht, SIBO ist Quatsch. Was sie zeigt, ist nämlich viel spannender. Wir müssen genauer unterscheiden zwischen SIBO-Imu und Schwefelwasserstoffmustern, also ISO, zwischen Wasserstoff, Methan und Schwefelwasserstoff, zwischen Symptomen, Testergebnissen und echter Praxisrelevanz. Und vor allen Dingen auch zwischen kurzfristigem Abtöten und einem wirklich durchdachten Behandlungskonzept. In dieser Folge schauen wir uns darum an, was die aktuelle Forschung zu SIBO, IMO und ISO, also zu Fehlbesiedlungen des Darms, wirklich sagt, was daran neu ist und was das konkret für Betroffene und Therapierende bedeutet. Falls du mich nicht kennst, ich bin Gaby, Heilpraktikerin und Darmspezialistin. Ich habe bereits über 1500 Betroffene mit Reizdarmbeschwerden begleitet, mich seit Jahren auf Reizdarm, Sibo und Imo spezialisiert und ich habe eins der ersten umfassenden deutschsprachigen Bücher zu Sibo geschrieben. Und genau deshalb finde ich die aktuelle Forschung auch so spannend. Nicht, weil sie plötzlich alles komplett neu erfindet, sondern weil sie vieles bestätigt, was in der Praxis schon lange sichtbar ist. Reidsdamm ist nämlich selten einfach nur Reizdarm. Ich würde sogar sagen, es ist nie einfach nur Reidsdamm. Aber Reidsdarm ist eben auch nicht automatisch immer nur eine Fehlbesiedlung. Die Forschung, die wird viel differenzierter. Und das ist die wichtigste Botschaft dieser Folge. Und das freut mich vor allen Dingen selbst, weil ich darüber ja schon in vielen Beiträgen seit langer Zeit immer wieder spreche. Reizdamm wird heute in der Medizin häufig als Störung der Darm-Hirn-Interaktion eingeordnet. Das ist grundsätzlich auch sinnvoll, weil unser Nervensystem mit der Motilität, der Schmerzverarbeitung, mit den Stressachsen, mit dem Immunsystem und natürlich mit dem Mikrobiom zusammenspielt. Aber innerhalb dieser großen Gruppe gibt es Subgruppen, also Untertypen, kann man vielleicht sagen. Und eine davon können Fehlbesiedlungen oder mikrobielle Überwucherungen, wie zum Beispiel SIBO sein. Die aktuelle Frage lautet also nicht mehr, ist Reizdam eigentlich SIBO? Sondern bei welchen Betroffenen spielen SIBO, IMO oder ISO, also Schwefelwasserstoffdominante Muster, eine relevante Rolle? Und wie erkennen und wie behandeln wir das sinnvoll? Ich habe mir für die heutige Folge mal ein paar aktuellere Publikationen bzw. Forschungsthemen rausgegriffen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Und die möchte ich mit euch mal gemeinsam durchgehen. Also, erste große Entwicklung, SIBO wird differenzierter. Die erste wichtige Entwicklung aus meiner Sicht ist, dass SIBU heute nicht mehr so einheitlich verstanden wird wie früher. Lange wurde sehr, sehr viel unter diesem Begriff SIBU zusammengefasst. Also SIBO, das steht ja für Small Intestinal Bacterial Overgrowth, also eine bakterielle Überwucherung bzw. Fehlbesiedlung des Dünders. Inzwischen wird aber immer klarer, dass wir mindestens drei unterschiedliche Muster unterscheiden sollten. Erstens die, man kann vielleicht schon sagen, klassische SIBO, die ist häufig wasserstoffdominant, die betrifft den Dündarm. Zweitens die sogenannte IMO, also das steht für Intestinal Methanogen Overgrowth. Das ist also streng genommen ehrlicherweise keine bakterielle Fehlbesiedlung, weil Methan bildende Mikroben sogenannte Archaeen sind. Das sind keine echten Bakterien aus wissenschaftlicher Sicht. Bakterienähnliche Mikroorganismen sind das. Diese Fehlbesiedlung, also die Imu, die kann sich im Dünndarm abspielen, aber auch im Dickdarm oder in beiden Bereichen des Darms. Drittens gibt es dann noch die ISO, nennen wir sie heutzutage. Das ist die intestinale Sulfidüberproduktion, also Intestinal Sulfit Overproduction. Also im Prinzip eine Schwefelwasserstoff oder Wasserstoffsulfiddominanz. Also das sind Synonyme Schwefelwasserstoff und Wasserstoffsulfit, abgekürzt auch H2S als chemische Formel. Die kann sich im Dünndarm oder im Dickdarm abspielen oder eben auch in beiden Darmabschnitten. Und jetzt gibt es so eine aktuelle Review, also eine Studienübersicht von Barlow und Pimentel und die beschreibt genau diese moderne Dreiteilung: SIBO, IMO, ISO. Die werden also zunehmend als unterschiedliche Formen oder Subtypen mikrobieller Überwucherung verstanden. Nicht einfach als ein einziges Krankheitsbild. Das klingt jetzt erstmal sehr theoretisch, ist aber für die Praxis extrem relevant. Denn Wasserstoff, Methan und Schwefelwasserstoff, die können ganz unterschiedliche Beschwerden begünstigen. Das heißt, sie können auch zum Beispiel mit ganz unterschiedlicher Motilität zusammenhängen. Die können sich in Atemests unterschiedlich zeigen. Oder auch nicht. Und sie sprechen möglicherweise auch nicht alle gleich auf dieselben Behandlungsstrategien an. Du findest bei mir auf dem Kanal dazu ein eigenes Video bzw. eine eigene Podcast-Folge, die hat die Nummer 136, nein, Entschuldige, Nummer 138 und die geht auf Unterschiede zwischen SIBO, IMO und ISO ein. SIBO ist also nicht heutzutage mehr angesehen als zu viele Bakterien im Dündarm. Die moderne Forschung unterscheidet zwischen Wasserstoff-SIBO, Methan-Imu und Schwefelwasserstoff, also ISO bzw. Sulfitmustern. Ist das jetzt wirklich neu? Ich sage mal nein. Ich rede davon schon seit Jahren und man weiß das auch schon seit Jahren. Die Grundidee also, dass es unterschiedliche Gasprofile gibt, die ist nicht neu. Aber neu ist, dass diese Differenzierung immer stärker in Reviews, Studien oder auch in der klinischen Diskussion auftaucht. Für die Praxis heißt das, es reicht nicht mehr nur zu fragen, SIBO ja oder nein. Wir müssen genauer fragen, welches Muster liegt vor. Wie sieht es jetzt aus mit der Praxisrelevanz? Für Betroffene bedeutet das, ein negativer oder auch ein unvollständig aussagekräftiger Test, der muss nicht immer die ganze Geschichte erzählen. Und ein positiver Test ist auch nicht automatisch die komplette Erklärung. Für Therapierende bedeutet es, Sprache und Diagnostik müssen präziser werden. Methan-Sibo ist zwar umgangssprachlich verständlich, fachlich wäre aber der Begriff IMO korrekter. Mein zweiter Punkt, SIBO und Reizdarm. Ein Zusammenhang gibt es, ja, aber es ist nicht das Gleiche. Der nächste wichtige Punkt ist also der Zusammenhang zwischen Sibo und Reizdarm. Es gibt eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse von Lou und KollegInnen aus dem Jahr 2026. Und die untersucht genau diese Frage. Wie stark ist der Zusammenhang zwischen SIBO und IBS Irritable Bowl System, also Reizdarm? Und welche Rolle spielt Refaximin als chemisches Antibiotikum bei Reizdarmbetroffenen mit bestätigter SIBO? Die wichtigste Einordnung daraus ist, es gibt einen Zusammenhang. Aber das bedeutet jetzt erstmal nicht, dass Reizdarm pauschal immer Sibo ist. Und genau das ist für mich eine der wichtigsten Botschaften überhaupt. Denn in der Praxis, da sehe ich beide Extreme. Auf der einen Seite gibt es Menschen, denen wurde jahrelang gesagt, das ist halt Reizdarm. Damit müssen sie leben. Und auf der anderen Seite gibt es eine Szene, in der fast jedes Symptom sofort als SIBO gedeutet wird, ganz pauschal. Und meiner Ansicht nach ist beides zu kurz gedacht. Und das bestätigt ja auch diese Review. Eine Fehlbesiedlung, die kann eine relevante Ursache oder ein relevanter Treiber bei bestimmten Reizdarmsubgruppen sein. Und das ist tatsächlich super häufig so. Zumindest in meiner Praxis ist das weit häufiger der Fall, als man so gemeinhin annimmt. Aber andersrum, nicht jede Person mit Reizdarmbeschwerden hat Sibo. Und nicht jede Person mit einem positiven, also auffälligen Atemtest hat automatisch alle Beschwerden, nur deshalb. Also es kann andere Gründe für Beschwerden geben, auch wenn die ganz doll so aussehen wie eine Fehlbesiedlung. Meine Kernaussage daraus ist also, die aktuelle Forschung unterstützt die Idee, dass SIBU bei bestimmten Reizdarm Betroffenen relevant sein kann. Die beweist aber nicht, dass Reizdarm und SIBU dasselbe sind. Ist das jetzt wirklich neu? Nein, weil der Zusammenhang schon lange diskutiert wird. Ja, weil die neueren Arbeiten differenzierter werden und viel stärker versuchen, eben diese Subgruppen herauszuarbeiten, für die das relevant ist und für die nicht. Wie sieht es aus mit der Praxisrelevanz? Für Betroffene heißt das, gib dich nicht mit diesem Etikett reizdam zufrieden, wenn nie sinnvoll nach Gründen, Ursachen, Auslösern, Treibern gesucht wurde und wenn nicht zielführend wirklich so alles Organische ausgeschlossen und diagnostiziert wurde. Aber auf der anderen Seite lauf auch bitte nicht jedem Sibo-Trend hinterher oder mach sogar irgendwelche pauschalen Therapien, ohne sauber zu prüfen, ob das wirklich zu dir und deinem Fall passt, beziehungsweise ob bei dir wirklich eine Fehlbesiedlung vorliegt. Für Therapierende heißt das, Reizdarm ist nicht die Endstation. Also weiter diagnostizieren bitte. SIBU ist aber auch keine Universaldiagnose. Und auch zu diesen Zusammenhängen und zu anderen, vielen anderen möglichen Ursachen für Reizdarm-Beschwerden, auch dazu findest du auf meinem Kanal Beiträge. Besonders empfehlen würde ich dir hier meinen Video, Podcast-Folge Nummer 80, zur Differenzialdiagnose Reizdarm. Das heißt also, welche Ursachen können eigentlich außer einer Fehlbesiedlung noch bestehen für Reizdarmbeschwerden verschiedener Art. Ich habe dir dazu übrigens auch eine kostenfreie PDF-Checkliste erstellt. Die kannst du dir auf meiner Website herunterladen. Du musst einfach nur übers Menü unter den Punkt Produkte und Empfehlungen gehen. Und da findest du einen Unterpunkt, der nennt sich meine Bücher und Anleitungen und da kannst du dir diese Checkliste für 0 Euro herunterladen und mal schauen, ob diese Dinge bei dir schon alle untersucht worden sind, wenn du unter unspezifischen Reizdammbeschwerden leidest. Mein dritter Punkt für heute. Symptome alleine reichen nicht. Das ist ein Punkt, der ist in der Praxis manchmal ein bisschen unbequem. Symptome geben Hinweise, aber sie sind kein Beweis. Typische Fehbesiedlungssymptome sind ja Blehbauch, also Bauchgase, Völlegefühl, Bauchschmerzen, Durchfall, Stuhlunregelmäßigkeiten wie Verstopfung oder wechselnde Stühle, Aufstoßen, Übelkeit, diverse Unverträglichkeiten, ja, dann auch sowas wie Reflux beispielsweise. All das kann bei Sibo oder auch bei Imu vorkommen und natürlich auch bei einer ISO. Und das tut es auch ganz häufig und bringt uns dann ganz oft auf die richtige Idee. Aber, und da bin ich noch mal so ein bisschen bei der Differenzialdiagnose, all das kann auch andere Ursachen haben. Eine aktuelle diagnostische Studie von Scalesi und Kolleginnen aus dem Jahr 2025, die hat mal verglichen Glucose und Lactulose Atemtests bei Verdacht auf Small Intestinal Microbial Overgrowth, also hier Simo, also im Prinzip eine mikrobielle Überwucherung des Dünndarms, ob jetzt von Bakterien oder eben von Archaeen. Und sie schauten in dieser Übersicht, in dieser Studie auf die diagnostische Ausbeute sozusagen und auf die einzelnen Subtypen der Betroffenen. Und solche Arbeiten, die können zeigen, wie schwierig es ist, allein aus Symptomen zuverlässig auf Testergebnisse zu schließen oder eben auf bestimmte Typen oder Arten von Fehlbesiedlungen. Es gab auch eine im Jahr davor, 2024, eine kritische klinische Einordnung von Kashiap und KollegInnen. Und da wurde auch quasi gewarnt vor einer zu einfachen Einordnung und vor einer unkritischen Interpretation von Atemests als Fehlbesiedlung. Das heißt jetzt natürlich nicht, dass Atemtests oder Symptome egal sind. Ganz im Gegenteil, Symptome sind total wichtig. Die erzählen uns ja etwas. Ich sage ja ganz oft, kombiniere bitte immer Befunde und Befinden, also diagnostische Labormarker und Symptome. Aber, und das ist nur ganz wichtig, Symptome sind keine Diagnose. Symptome sind ein Hinweisgeber, auch wenn sie uns schon ganz viel Geschichte erzählen können. Und wenn dein Körper im Prinzip ja über die Symptome mit dir spricht. Wenn aber jetzt jemand nach Ballaststoffen zum Beispiel massiv aufgast, nüchtern es ihm deutlich besser geht. Wenn der auf fermentierbare Kohlenhydrate reagiert, ganz starke Mobilitätsprobleme hat oder vielleicht auch Muster von Schwefelwasserstofffehlbesiedlung zeigt, dann sind das wichtige Hinweise. Am Ende braucht es aber eine saubere diagnostische Einordnung, denn es können ja auch andere Dinge dahinter stecken. Enzymmängel, Verdauungssaftbeschwerden, also unzureichende Produktion beispielsweise, Histaminproblematiken. Und dann sieht das sehr, sehr ähnlich aus wie eine Fehlbesiedlung. Und der Behandlungsansatz ist aber vielleicht am Ende ein wenig anders. Der sollte ja sowieso meiner Meinung nach zumindest immer individuell sein. Was ist also die Kernaussage aus diesem dritten Punkt? Beschwerden können eine Richtung zeigen, aber sie ersetzen keine Diagnostik und vor allen Dingen keine saubere Fallanalyse. Ist das jetzt wirklich neu? Ich würde sagen, nein, nicht wirklich. Das wäre für mich eigentlich der Standard. So sollte meiner Meinung nach saubere Behandlung, Therapie immer erfolgen, egal, ob das jetzt Haarausfall, Kopfschmerzen, Wechseljahresbeschwerde, Allergien, Fußpilz, Fehlbesiedlung, Reizdam, was auch immer ist. Ich meine immer, man sollte eine vernünftige Fallaufnahme machen, vernünftige Diagnostik betreiben, sich Zeit nehmen, alle Symptome mal einzusammeln, den roten Faden zu erstellen, von A bis Z zu schauen, wie sich was entwickelt hat. Trotzdem ist das ja nicht der medizinische Standard, würde ich mal sagen. Und insofern ist es schon wichtig, das vielleicht nochmal zu erwähnen in der breiten medizinischen oder gesundheitstechnischen Community, weil gerade im Internet häufig Symptommuster mit Diagnosen verwechselt werden. Was ist da jetzt die Praxisrelevanz? Für Betroffene heißt das, bitte nicht aus drei Symptomen eine Selbstdiagnose bauen und am besten noch darauf ein pauschales Therapiemodell draufknallen. Für Therapierende heißt es, bitte einbeziehen, Anamnese, Testqualität, Vorerkrankung, Medikamentenanamnese, Ernährung, Motilität, Darmilieu, Stoffwechsel, Entgiftungsapparat, Stressregulationssystem, roter Faden, Verlauf. Bitte alles immer zusammen betrachten und erst dann geht es in die Therapieempfehlung. Vorher kannst du einfach keine seriösen Therapieempfehlungen geben, wenn du nicht das alles vorher betrachtet hast. Warum pauschale Ansätze nicht funktionieren und warum so eine Therapie, eine Behandlung, warum seriöse Empfehlungen zu einer Strategie immer auf individuellen Erwägungen beruhen, das erkläre ich auch in ganz vielen Beiträgen hier bei mir auf dem Kanal. Und wenn du da tiefer einsteigen willst, dann empfehle ich dir meine Folge Nummer 98 zu den Grundlagen von Sibo und anderen Fehlbesiedlungen. Mein vierter Punkt für heute dreht sich um Atemtests. Die sind hilfreich, die sind aber nicht absolut. Das haben wir gerade schon so einmal kurz gestreift in einem anderen Punkt. Also eins der umstrittensten Themen, Atemtests. Die sind praktisch, die sind nicht invasiv, können zu Hause teilweise durchgeführt werden und in vielen Fällen sind die super hilfreich. Und 2017 wurde der North American Consensus entwickelt und der hat wesentlich dazu beigetragen, die Tests, die Atemtests auf Wasserstoff und Methan zu standardisieren. In diesem Konsensus, in diesem Konsens wurden unter anderem Indikationen, Vorbereitung, Durchführung, Interpretation beschrieben und standardisiert. 2020 gab es dann noch eine Leitlinie, die sich auch nochmal damit beschäftigt hat und die SIBO als übermäßige bakterielle Besiedlung des Dündams beschrieben hat, bei gleichzeitigen gastrointestinalen Symptomen, also Symptomen im Verdauungstrakt. Und diese Leitlinie empfiehlt nun bei passenden klinischen Symptomen Glucose- oder Lactolose-Atemtests. Bei Verstopfung wird die Methantestung besonders relevant und bei eher durchfälligem, stuhl, schnellem Stoffwechsel die Glucose-Testung. Gleichzeitig ist wichtig, viele Empfehlungen in diesem Bereich, die beruhen jetzt nicht auf einer hochsicheren Evidenz. Und genau da wird es spannend. Neuere Arbeiten zeigen immer wieder, Glucose und Lactolose-Atemtests, die liefern nicht einfach dieselben Ergebnisse. Ich weiß nicht, ob du selber schon mal Atemtests gemacht hast. In der Praxis stelle ich auch fest, wenn wir bei ein und derselben Person unterschiedliche Testmedien benutzen. Laktolose, Glucose, vielleicht auch Fructose, Inulin oder andere Kohlenhydrat- oder Ballaststoffträger, dann kriegen wir ganz unterschiedliche Ergebnisse. Und da wird ja das Detail dann spannend. Wie geht es dir während des Tests? Was für Symptome hast du generell? Und natürlich auch spannend, wie wurde der Test überhaupt ausgewählt, vorbereitet und durchgeführt. Es gab eine retrospektive Studie von Mion und KollegInnen, und die fand zum Beispiel bei Reizdarmbetroffenen deutlich höhere Positivraten mit Lactolose als mit Glucose. Und deswegen haben die zum Beispiel den Lactolose-Test als kritisch bewertet für die Sibu-Diagnostik. Das Problem dabei, was benannt wird, ist, dass Lactolose eben nicht aufgenommen wird im Darm, wie zum Beispiel Glucose. Die erreicht also irgendwann den Dickdarm. Und wenn jetzt dort eben Bakterien fermentieren, dann entstehen ebenfalls Gase. Und da ist das quasi normal, in Anführungsstrichen. Und dann kann es ganz schwierig sein zu unterscheiden, ob der Anstieg wirklich aus dem Dünndarm kommt oder ob das ein Transitproblem vielleicht ist, also weil die Passage einfach verlängert ist oder ist es ein Dickdarm-Phänomen. Man kann das nur mit sehr viel Wissen rund um Auswahl, Durchführung, Symptomatik beurteilen. Glucose hingegen wird sehr viel früher im Darm selbst aufgenommen und gilt deshalb als spezifischer. Dafür kann es aber im Umkehrschluss wieder weiter hinten gelegene Fehlbesiedlungen vielleicht verpassen, weil die Glucose quasi einfach schon weg ist, wenn sie eigentlich noch die hinteren Darmabschnitte erreichen und bespielen könnte. Das bedeutet, wenn man sich das vor Augen führt, es gibt halt nicht den perfekten Atemtest. Es gibt Tests, die man kennen muss, die man korrekt vorbereiten muss, die man sauber durchführen muss und die man im Kontext interpretieren muss. Kernaussage für mich dabei, Atemtests sind hilfreich, aber sie sind keine 100-%-Beweise. Die brauchen die richtige Auswahl, gute Vorbereitung, richtige Fragestellung, kritische Interpretation. Ist das jetzt wirklich neu? Nein, die Schwächen sind schon lange bekannt. Wir arbeiten mit Atemtests ja schon seit vielen Jahren. Neu ist hierbei, dass die kritische Diskussion lauter wird und differenzierter wird. Von daher super interessant, finde ich, weil ich mir vorstellen könnte, dass du, wenn du das Thema SIBO, Imo, Fehlbesiedlung schon länger verfolgst, dass du jetzt schon so ein bisschen ungeduldig auf den Tisch rumtrommelst und sagst, wann kommen denn jetzt endlich die neuen Sachen? Und da muss ich dich fast so ein bisschen enttäuschen, denn vieles von dem, was diskutiert wird in der Forschung, ist tatsächlich für jemanden wie mich, der umfassend ganzheitlich behandelt, der sich mit dem Thema viel auseinandersetzt, tatsächlich ein alter Hut. So, was ist jetzt die Praxisrelevanz für diese Tests? Für Betroffene heißt es, ein Atemtest ist kein Beweis oder kein Ausschluss. Entscheidend ist, was du daraus sinnvoll ableitest. Und für Therapierende heißt es, bitte nicht nur auf positiv und negativ schauen, wie das häufig gemacht wird, sondern auf das Substrat, den Kurvenverlauf, Methanwerte, Wasserstoffwerte, Korrekturwerte vielleicht, Symptome während des Tests, die Vorbereitung, den Transit und den Gesamtkontext. Für mich selbstverständlich. Darum spreche ich darüber auch schon seit vielen Jahren und nutze Atemtests auch sehr, sehr spezifisch und mache mir auch sehr viel Gedanken über die Interpretation. Und auch dazu findest du bei mir ganz, ganz viele Beiträge. Vor allen Dingen empfehle ich dir meine Podcast-Folge Nummer 49, die heißt Welcher Atemtest bei Sibu. Da geht es so um die Grundlagen von Atemtests. Weiter nochmal thema Atemtest. Nächster Punkt, Punkt 5: Schwefelwasserstoff und Atemtest. Da wird es jetzt natürlich spannend, denn das ist wirklich ein neuer Bereich, der jetzt im letzten Jahr, in den letzten zwei Jahren immer weiter in die Diskussion gerät. Denn wir haben ja schon gesagt, wir haben neben Wasserstoff und Methan einen dritten Bereich oder ein drittes Gas, was uns im Bereich Fehlbesiedlung beschäftigt. Das ist Schwefelwasserstoff oder Wasserstoffsulfid, also H2S. Und diese Tests, die wir bisher kennen, die wir häufig nutzen, auch für den Heimgebrauch, zumindest hier bei uns in Deutschland oder im Dachraum, die messen nur Wasserstoff und Methan. Wenn jetzt Schwefelwasserstoff eine Rolle spielt, dann haben wir ja sozusagen ein Problem mit der Diagnostik. Wir können das nicht eindeutig greifen. Denn wie gesagt, bestimmte Mikroben können halt zum Beispiel Wasserstoff verbrauchen und daraus Schwefelwasserstoff bilden. Dann sieht man im Test vielleicht sogar weniger Wasserstoff, als da eigentlich wäre, weil dieses Wasserstoff von den Schwefelwasserstoffbildern quasi gefuttert wird, um daraus eben ein Gas zu bilden, was wir nicht messen können. Dann sieht der Test umso unauffälliger sozusagen aus, obwohl die Symptomatik vielleicht umso stärker ist. Und das ist der Grund, warum sozusagen so Flatlines im Test, bezogen auf Wasserstoff vor allen Dingen, oft sehr, sehr spannend sind und heute neu diskutiert werden. In meinem Online-Programm erkläre ich das schon seit längerem sehr genau, wie man Tests oder wie man in Atemtests, die wir heutzutage nutzen können, in denen Schwefelwasserstoff nicht explizit gemessen wird, wie wir darüber trotzdem eventuell Aufschluss erhalten können oder Hinweise bekommen können, dass Schwefelwasserstoff eine Rolle spielen kann. Und nun gibt es eine Studie von Villa Nuel, war ich hoffe, ich spreche das richtig auf, Milan und KollegInnen aus dem letzten Jahr, 2025, die gezeigt hat, dass Schwefelwasserstoff produzierende Bakterien und auch methanogene Archaeen, also Imokeime im Dündarm, mit Schwefelwasserstoff bzw. Methanwerten im Atemgas korrelieren. Das ist wichtig, dass es solche Studien gibt, auch wenn uns das irgendwie schon klar ist, weil es eben die, ich nenne es mal, biologische Plausibilität der Atemgase stärkt. Es gab auch von Pimentel, der ja wirklich ein Vorreiter in der Fehlbesiedlungsforschung ist, eine große Real-World-Studie aus diesem Jahr 2026. Da wurden sogenannte Dreigas-Atemtests untersucht, die es in den USA bereits gibt. Die sind noch nicht ganz so, sagen wir mal, praxistauglich oder noch nicht ganz so aussagekräftig, wie man sich das wünscht. Also es steckt noch so ein bisschen in den Kinderschuhen dieses Testverfahren. Und in dieser Untersuchung, in dieser Studie wurden eben diese Atemtests untersucht, die eben alle drei Gase messen: Wasserstoff, Methan und Schwefelwasserstoff. Und da wurden unterschiedliche Symptomzusammenhänge gefunden. Methan war eher mit Verstopfung verbunden, Schwefelwasserstoff eher mit Durchfall und mit viel stärkerer Gesamtsymptomatik. Das ist jetzt noch nicht die endgültige Lösung aller diagnostischen Fragen, aber das ist ein wichtiger Schritt dahin, dass wir einfach gerade die Schwefelwasserstoff-Fehlbesiedlung immer besser verstehen. Wir kennen das ja auch schon. Ich habe dir ja schon eine Folge eben genannt, in der ich die drei Fehlbesiedlungstypen, die wir heute so hauptsächlich unterscheiden, Wasserstoff, Methan und Schwefelwasserstoff, ein bisschen genauer erkläre und so auseinanderdrösle. Wir kennen das schon länger in der Praxis, dass Schwefelwasserstoff so ein kleines Chameleon manchmal raus ist, dass es nicht nur um Symptome im Verdauungstrakt geht, sondern dass es eben so eine stärkere Gesamtsymptomatik häufig gibt, dass es Symptome gibt wie Brainfork, Gelenkschmerzen, Blasenbeteiligung, Infektanfälligkeit, die nicht direkt an eine Fehlbesiedlung denken lassen. Und insofern kann dieser dritte Gaswert, also Schwefelwasserstoff, der jetzt etwas neuer ist in der Erkenntnis, der könnte erklären, warum eben manche Betroffene trotz starker Beschwerden in diesen klassischen Tests, die wir kennen, nicht eindeutig auffallen. Ist das jetzt neu? Wie gesagt, jein. Wir wissen es irgendwie schon und trotzdem ist es wichtig, dass es beschrieben wird. Das ist einer der dynamischsten Bereiche meiner Wahrnehmung nach im Moment in der Forschung zur Fehlbesiedlung. Die Idee von Schwefelwasserstoff gibt es schon länger, aber die Datenlage wird einfach konkreter. Also in der Praxis erzähle ich ganz oft, ich arbeite wie Sherlock Holmes sozusagen mit Indizien beweisen, um eben Schwefelwasserstoff-Problematiken bestmöglich einschätzen zu können. Wie sieht es aus mit der Praxisrelevanz? Für Betroffene heißt es, ein unauffälliger Zwei-Gas-Test schließt jetzt nicht jedes mikrobielle Problem aus. Für Therapierende heißt es, besonders bei Durchfall, Stuhldrang, Schmerzen, sehr starker Symptomlast oder bei auffällig niedrigen Wasserstoffwerten im Test, bei trotzdem bestehenden Symptomen. Außerdem auch bei Rosacea, Blasenbeteiligung, also zum Beispiel häufige Blasenentzündung oder Reizblase, häufigem Wasserlassen, Brainfuck, Infektanfälligkeit. Oder auch bei Gelenkschmerzen kann Schwefelwasserstoff als Hypothese mal mitgedacht werden. Aber wichtig finde ich auch, Schwefelwasserstoff darf jetzt nicht das neue Modewort werden, das jetzt alles erklären soll, was wir irgendwie nicht greifen können. Auch hier gilt meiner Meinung nach sauber denken, nicht so aus Reflex direkt ein Etikett drauf kleben. Und auch da, wie gesagt, zu H2S gibt es einige Beiträge, die ich verfasst habe oder aufgenommen habe in den letzten Monaten. Schau dir besonders mal gerne Folge 111 an. Da habe ich die drei Arten von Fehlbesiedlung, Wasserstoff, Methanschwefelwasserstoff, mal ein bisschen auseinandergedröselt. Lass uns im sechsten Bereich für heute die Imo, also die Methan-Fehlbesiedlung, nochmal ein bisschen genauer unter die Lupe nehmen. Methan ist kein klassisches Bakterienthema. Methan ist ein eigenes Thema. Früher hat man häufig gesagt, oder auch heute sagt man das häufig noch, die Methan-Sibo. Das ist, ich mache das auch manchmal tatsächlich, obwohl das wissenschaftlich nicht korrekt ist. Also man kann das verstehen, man weiß, irgendwie hat ein Bild im Kopf, wenn man jetzt zumindest schon mal von Sibo gehört hat. Und wenn man sagt Methan-Sibo, dann hat man irgendwie so dieses Bild von, ja, ja, das ist eine Fehlbesiedlung irgendwie mit Methan halt, nicht mit Wasserstoff. Man versteht das, aber es ist halt fachlich nicht sauber. Denn Methan, das hatte ich vorhin schon mal angedeutet, wird nicht von Bakterien gebildet, sondern von sogenannten Archaeen. Das sind eben bakterienähnliche Mikroorganismen. Biologisch also eine andere Art. Und deshalb spricht man eigentlich präzise von Imo, also Intestinal Methanogen Overgrowth. Und wie gesagt, eine Imo, die muss halt nicht nur im Dündarm stattfinden, wie eine SIBO. SIBO heißt ja Small Intestinal Bacterial Overgrowth, Small Intestine ist der Dündarm. Und eine Imo kann halt auch im Dickdarm stattfinden. Deshalb ist ja SIBO einfach nicht passend. Darum würde man jetzt eben Imo sagen anstatt Methansibo. Die ACG-Leitlinie empfiehlt eine Methestung besonders bei Verstopfungsneigung und Trägermobilität. Und gleichzeitig zeigt aber eine Übersichtsarbeit, also eine Meta-Analyse von Merawa und Kolleginnen aus dem letzten Jahr 2025, dass Imu mit Blähungen, Bauchschmerzen, Verstopfung verbunden ist, aber, und das ist ganz interessant, auch mit Durchfall, Übelkeit und anderen Symptomen auftreten kann. Das ist total wichtig, weil wir Methan eben nicht zu eng denken dürfen. Die meisten Fehlbesiedlungen, die laufen nicht nach Lehrbuch. Also das wäre zumindest meine Praxiserfahrung. Und ja, Methan passt total oft zu langsamer Motilität, Trägermotilität, Verstopfung. Aber nicht jede und jeder Imo-Betroffene hat eben diese klassische Verstopfungsneigung. Und andersrum auch, nicht jede Verstopfung ist gleich eine Imo. Das heißt von der Kernaussage her, Methan bedeutet nicht Bakterien im Dündam, sondern es geht um methanogene Archaeen, wenn wir mal sehr präzise sein wollen. Imo ist der richtige Begriff. Ist das jetzt neu? Nee, die Fachwelt weiß das schon länger. Und in der Praxisbehandlung ist das ein total alter Hut. Und es geht jetzt ja auch eigentlich in Anführungsstrichen nicht um den Umgang damit, sondern eher um den Begriff. Aber trotzdem, also in der Praxissprache und in Social Media, da hängt halt die Sprache bzw. diese Begrifflichkeit noch hinterher. Auch auf der Einfachheit halber. Wie gesagt, ich mache das ja auch oft so, auch weil Titel jetzt in Videos oder Podcasts oder Aussagen sonst immer so sperrig werden, wenn man Sibo, Imo, Iso und andere Dysbiosen und Fehlbesiedlungen sagt. Von daher seht es auch mir bitte nach, wenn ich das manchmal vereinfache, einfach der Sperrigkeit halber. Trotzdem, eigentlich sollte man korrekt sein und nicht nur eigentlich, auch uneigentlich. Was heißt das jetzt in der Praxis relevant für Betroffene? Wenn Methan erhöht ist, letztlich braucht es andere Überlegungen als bei rein wasserstoffdominanter SIBO. Und für Therapierende heißt das bitte immer Motilität, Obsipation, also Verstopfung, die Transitzeit, die Archaeen, die Rückverleihung, die Behandlungsstrategie. Bitte alles immer zusammendenken und ordentlich benennen, damit wir alle wissen, wovon wir sprechen. Siebter Punkt. Therapie. Da geht es nochmal um das Killing, in Anführungsstrichen, also das Abtöten von Fehlbesiedlungskeimen. Also kommen wir quasi zur Behandlung. Und hier ist mir wichtig, die aktuelle Forschung, also das, was da besprochen wird, sozusagen, die passt sehr, sehr gut zu dem, was ich seit Jahren sage und was ich mit meinem Sechs-Säulenansatz schon in meinem SIBO-Leitfaden beschrieben habe oder auch in meinem Online-Programm Betroffenen schon seit langer Zeit beibringen, wenn ich das mal so sagen will oder nahe bringe. SIBO-, Imo- und Iso-Behandlung darf nicht bedeuten, nicht wichtig. Wir nehmen was Antimikrobielles, also Antibiotika, chemisch oder pflanzlich, und dann ist alles weg. Natürlich können antimikrobielle Strategien eine Rolle spielen. Also zum Beispiel Riphaximin als chemisches Antibiotikum ist für Reizdarm ohne Verstopfung bzw. diese IBSD seit Jahren untersucht. Es gibt Studien von Pimentel wiederum und KollegInnen, die zeigen, dass eine zweiwöchige Rifaximintherapie die globalen Reizdarmsymptome, Blähungen, Bauchschmerzen, Bauchgase und weiche oder wässrige Stühle verbessern konnte. Und das sage ich jetzt, obwohl ich selber gar nicht mit chemischen Antibiotika arbeite. Ich beobachte ähnliche Effekte mit vielen, vielen pflanzlichen Antibiotika. Was ich damit sagen will, ist, man sieht solche Verbesserungen und gleichzeitig beweist es aber nicht, dass alle Reizdarmbeschwerden durch eine SIBU verursacht werden. Es zeigt eher, dass bei einer bestimmten Subgruppe von Betroffenen, also eine Untergruppe, mikrobielle Mechanismen therapeutisch relevant sind. Es gibt aus dem letzten Jahr eine Studie, so eine Meta-Analyse, nicht eine Studie, eine Meta-Analyse von Zhang und KollegInnen. Da wurden verschiedene therapeutische Ansätze oder Regimes bei Sibo verglichen. Solche Arbeiten zeigen, dass die Diskussion einfach immer breiter wird. Man merkt plötzlich, es geht jetzt nicht mehr nur um ein einzelnes Antibiotikum. Es geht jetzt nicht mehr nur noch um Refaximin zum Beispiel, sondern es geht um unterschiedliche Strategien, um Kombinationen und um unterschiedliche Subgruppen von Fehlbesiedlungen. Und bitte auch immer beachten, wenn ihr solche Studien anguckt, ob in den Studien immer nur der Effekt direkt nach der Antibiotikagabe untersucht wurde oder ob nach ein paar Wochen auch nochmal geschaut wurde, ob das Problem immer noch verschwunden ist oder ob es halt wiederkommt. Die Aussage ist ja eine völlig andere. Also habe ich jetzt nur mal kurz die Keime bekämpft. Super Erfolg in Anführungsstrichen. Haken dahinter oder habe ich wirklich das Problem gelöst, denn dann dürfte das ja auch nicht wiederkommen. Das verschiebt ja komplett auch den Erfolgsbegriff und die Erfolgsrate. Und genau da kommt meiner Ansicht nach die Praxis ins Spiel. Ich sage ja ganz oft, Fehlbesiedlungen entstehen immer aus Gründen. Immer, meiner Meinung nach. Wenn also die Schutzfunktion des Darms strukturell von der Struktur her oder funktionell von der Funktion her gestört sind, also zum Beispiel die Motilität gestört, Magensäure fehlt, Geilensäure zu wenig gebildet, Pancreasenzyme zu wenig gebildet, Elozykalklappe geschädigt, Immunsystem aktiviert oder getriggert, Ernährung nicht in Ordnung, Stresssystem nicht gut reguliert, Medikamente spielen vielleicht eine Rolle. Wenn sowas alles da ist oder auch nur einige dieser Dinge, dann reicht ja Actöten nicht. Denn das ändert ja gar nichts an den Auslösern, Ursachen und Treibern. Das heißt, die müssen ja behandelt werden. Auch die ACG-Leitlinie, die nennt verschiedene Mechanismen, die eben zum Gleichgewicht im Darm, in der Darmfunktion beitragen. Ich nenne die halt die Schutzfunktionen des Darms, also sowas wie Motilität, Verdauungssäfte, also Magensäure, Enzyme, Geinsäuren, anatomische Strukturen und eben die Immunfunktion. Das ist ja genau die Logik, die ich im Sexuellensystem immer wieder erkläre und praktisch auch umsetze. Also nicht Antibiotikum rein Problem erledigt, sondern die Frage stellen, warum konnte sich denn das Milieu, warum konnten sich die Rahmenbedingungen überhaupt verschieben, warum können sich denn überhaupt Fehlbesiedlungskeime ansiedeln? Warum ist die Modilität gestört? Warum ist die Verdauungsleistung schwach? Warum kommt es immer wieder zu Rückfällen? Welche Rolle spielt auch das Nervensystem? Welche Rolle spielt die Ernährung? Die Darmbarriere? Entzündungen beispielsweise, Nährstofflevels, Hormone, Stress, Regenationsfähigkeit, um jetzt nur mal einige oder die wichtigsten aufzuzählen. Kernaussage also, die moderne Sibotherapie, jetzt der Studienlage zufolge, die bewegt sich weg von dem reinen Killing, von der Beseitigung oder Eradikation von Keimen und bewegt sich hin zu einem mehrdimensionalen Konzept. Ist das jetzt wirklich neu? Für die Forschung schon, da wird es sichtbarer. Für meine Praxislogik ist es so gar nicht neu, sondern eine Bestätigung meines Ansatzes, den ich seit Jahren vertrete und den du zum Beispiel in meinem Siboleitfaden oder in meinem Online-Programm und in fast jedem meiner Beiträge seit langem erfahren kannst. Wie sieht es aus mit der Praxisrelevanz? Für Betroffene heißt es, wenn du schon drei antimikrobielle Kuren gemacht hast und immer wieder Rückfälle hast, dann fehlt wahrscheinlich nicht das vierte noch stärkere Mittel, sondern ein genauerer Blick auf Ursachen, Auslöser, Treiber, damit du dein System nicht immer weiter runter rockst. Für Therapierende heißt es, die Behandlung muss über Keimreduktion hinausgehen und über pauschale Killerpläne, sonst bleibt man in ewigen Wiederholungsschleifen hängen und verschlimmert das Problem meistens noch. Spannender Punkt, der achte jetzt, den ich heute nenne: Riphaximin plus NaC. Spannender Ansatz, noch kein Standard. Ist ein neurer Forschungsansatz, das ist die Kombination von Riphaximin mit Nacylcystin, also NaC. Die Idee dahinter ist vereinfacht gesagt, NaC ist so eine Art Biofilmlöser, nenne ich das mal. Kann also schleimlösende bzw. man sagt auch mukolytische Eigenschaften mitbringen. Und in der Forschung wird deshalb untersucht, ob NaC die Wirksamkeit von diesem Antibiotikum Riphaximin verbessern könnte, weil mikrobielle Strukturen oder Schleimschichten besser zugänglich werden. Also weil man an die Mikroben, die sich quasi eingeschleimt haben, besser rankommt. Jetzt oder gab es 2024 eine Tierstudie zu einem Reizdarms-Syndrom, das eher mit Durchfall assoziiert war. Und da hat man herausgefunden, dass niedrig dosiertes Rifaximin, kombiniert mit dem NAC, dem alleinigen Einsatz von Rhifaximin überlegen war. Wichtig, das war ein Rattenmodell. Das ist also jetzt noch kein Beweis für eine fertige Standardtherapie beim Menschen. Trotzdem natürlich eine interessante Beobachtung. Auch die ist uns nicht neu oder dir vielleicht auch nicht, wenn du dich schon länger mit diesen Reizdarmthemen und Biofilmen beschäftigt hast. Parallel gab es eine klinische Studie, die auch Riphaximin mit NAC zusammen im Einsatz bei eben dieser durchfallassoziierten Reizdarmt-Thematik untersucht und zu ähnlichen Ergebnissen kommt. Was ist jetzt da die Kernaussage? Riphaximin plus Biofilmlöser, in Anführungsstrichen NAC, kann spannender, also wirksamer sein als Riphaximin, ein Antibiotikum alleine. Ist ein spannender Forschungsansatz, aber noch kein pauschaler Praxisstandard. Ist das jetzt wirklich neu? Ich sage mal Jein. Ich kann außer Praxis berichten, dass NaC für mich nicht neu ist. Das ist bei mir schon seit Jahren im Einsatz als sogenannter Biofilmlöser, neben anderen, die es da auch noch gibt. Aber eben nicht pauschal und jetzt nicht im Einsatz mit Riphaximin, sondern ich beobachte positive Effekte auch im Zusammenhang mit anderen pflanzlichen Antibiotika, wenn wir sie mal so nennen wollen. Das heißt, die Forschung konzentriert sich immer auf Rifaxim, oder nicht, was heißt immer jetzt gerade auf Riphaximin. Da gibt es aber natürlich noch viel, viel, viel mehr im Feld der Möglichkeiten. Ich beschreibe ein bisschen dazu auch in meinem Buch. Also als Forschungsrichtung scheint das jetzt noch neu zu sein und das ist auf jeden Fall spannend, denn das wird ja dann dadurch einfach belastbarer, dieses Thema. Es ist aber halt noch nicht so belastbar, dass man daraus allgemeine Empfehlungen ableiten sollte. Praxisrelevanz. Für Betroffene heißt das, bitte nicht einfach eigenständig solche Kombinationen nachbauen, nur weil es spannend klingt. Meine Erfahrung dazu: so aggressive Maßnahmen und Biofilmlöser, wenn wir die jetzt mal so überschreiben wollen, die sind schon ganz schön aggressiv. Die können auch das erwünschte Darmelieu schädigen. Und nicht jede Therapie braucht einen Biofilmlöser. Mir kommt das manchmal so vor, als wenn Betroffene denken, die müssen das immer machen. Nein, müsst ihr nicht. Das ist auch ein großes Problem mit so Standarddarmkuren, dass oft solche Biofilmlöser wie Okra oder Caprylsäurlöser so dabei sind, obwohl ihr das eigentlich gar nicht braucht. Hier sollte man wirklich wissen, was man tut, sonst verschiebt man manchmal das Problem nach hinten und hat wirklich ein größeres Problem am Ende. Dazu lernst du ganz viel zum Beispiel in meinem Online-Programm. Für Therapierende heißt das, beobachten, also die Studien- oder Forschungslage beobachten, aber bitte sauber trennen zwischen Tiermodell, klinischer Studie und etablierter Praxis und auch da vielleicht nicht unbedingt an Betroffenen experimentieren. Wenn wir jetzt nochmal die Dinge, die ich heute genannt habe, zusammenfassen und nochmal gucken, was ist denn jetzt daran wirklich neu und was bestätigt nur, was wir schon tun. Also will ich nochmal kurz sortieren. Was ist also wirklich neu? Neu oder zumindest neu in den Köpfen, in vielen Köpfen, ist diese klare Dreiteilung in SIBO, IMO und ISO, also Wasserstoffproblematiken, Methanproblematiken und Schwefelwasserstoffproblematiken. Neu ist auch, dass Schwefelwasserstoff oder Wasserstoffsulfit stärker in den Fokus rückt und dass diese drei Gas-Atentests mehr Daten bekommen und mehr dazu geforscht wird und wir vielleicht hoffentlich auch demnächst hier im Dachraum geeignete Tests bekommen. Neu ist außerdem, dass die Diskussion um Atemtests kritischer wird und dass nicht mehr jeder positive Lactolose-Test automatisch als klare Sivodiagnose verstanden werden sollte. Was ist nicht ganz neu, was ist aber wichtig, dass es bestätigt wird, dass Reizdarm sehr heterogen ist, dass es also viele verschiedene Faktoren gibt, die zu einem Reizdamm-Syndrom führen können, dass mikrobielle Faktoren, also Fehlbesiedlung, bei einzelnen Gruppen von Reizdarmbetroffenen relevant sein können, dass Methan oft mit Trägermotilität und Verstopfung verbunden ist, dass Riphaximin bei bestimmten Gruppen von Betroffenen wirksam sein kann. Und dass eine reine Keimreduktion nicht ausreicht, wenn die Ursachen, Auslöser, Treiber, Rückfallmechanismen nicht mitbehandelt werden. Was passt zu dem, was ich ohnehin schon lange in meinen Inhalten sage, was du bei mir vielleicht schon gehört hast? Eigentlich alles, würde ich sagen. Diagnostik vor Diät, Sex Säulenansatz statt Diät und Antibiotika, Ernährung nicht als alleinige Therapie missverstehen, Motilität, Milieu, Verdauungsleistung, Stoffwechsel, Darmbarriere, Nährstoffe, Entgiftungssystem, Nervensystem, bitte immer mitdenken in Kombination mit Befunden und Symptomen und Geschichte. Symptome ernst nehmen, sich nicht abstempeln lassen, aber bitte nicht Symptome mit Diagnosen verwechseln. Dann natürlich SIBO-Imo-Iso-Differenziert betrachten. Und vor allen Dingen bitte als Betroffener, Betroffene dich nicht mit, sie haben halt Reizdarm abspeisen lassen, aber bitte auch nicht dir so eine einfache Ein-Ursacher-Erklärung verkaufen lassen. Was bedeutet das jetzt alles, diese ganzen, ja, sagen wir mal, neueren Forschungen und Studienlagen konkret für dich, wenn du betroffen bist? Wenn du betroffen bist, würde ich aus der aktuellen Forschung fünf praktische Punkte mitnehmen. Erstens, Reizdarm ist keine Diagnose. Insbesondere nicht, wenn niemals richtig nach Ursachen, Auslösern und Treibern geforscht wurde. Such bitte weiter. Es gibt meiner Erfahrung nach immer diese Auslöser, Ursachen und Treiber und es gibt immer Ansatzpunkte, an denen du loslegen kannst. Zweitens, SIBO kann ein ganz, ganz häufiger Grund sein, eine Ursache sein für dein. Reizdarmbeschwerden. Aber es ist nicht automatisch die Erklärung für alles. Es gibt ganz, ganz viele sogenannte Differenzialdiagnosen. Drittens, ein Atemtest kann total hilfreich sein, ein ganz wichtiges Puzzlestück in der Diagnostik. Aber nur, wenn der gut ausgewählt ist, optimal vorbereitet ist, richtig durchgeführt wird, sinnvoll interpretiert wird. Viertens, es lohnt sich total zwischen Wasserstoff, Methan und Schwefelwasserstoff zu unterscheiden, gerade wenn dein Beschwerdembild irgendwie nicht so richtig ins Lehrbuch oder in so klassische Schubladen reinpasst. Fünftens, ganz wichtig, eine Strategie, eine Reizamstrategie, eine Behandlung, eine Therapie. Die sollte bitte nicht einfach nur auf dieses Bakterien draufhauen, also Killing zielen, sondern auf Stabilität, gute Versorgung, Entlastung des Organismus, sodass dein Körper, dein ganzer Organismus wieder ins Gleichgewicht, in die Regulation gebracht wird, dass er einfach selber wieder seinen Job gut machen kann und dabei im Vorbeigehen im Prinzip auch irgendwelche fehlbesiedelten Keime oder Dyspiosen wieder selbst regulieren oder zum Verschwinden bringen kann. Denn ein Darm, dein Darm, der wird nicht dadurch langfristig gesund, dass man immer wieder auf irgendwas draufhaut oder gegen irgendwas kämpft. Der braucht ein Miteinander. Der Körper ist der beste Teampartner, sage ich so oft. Der braucht Motilität, Verdauungskraft, eine Barrierefunktion, die stimmt. Der braucht Nährstoffe, ein stabiles Nervensystem und ein Milieu, in dem sich eben gesunde Darmbewohner wieder richtig wohlfühlen können. Und mein Sechs-Säulen-Ansatz, der liefert dir den strukturierten roten Faden, anhand dessen du wieder Klarheit bekommst, Orientierung und Handhabe, sodass du deine individuelle Reizdarmstrategie entwickeln kannst. Wenn du Therapeutin oder Therapeut bist, was kann die aktuelle Forschung für dich bereithalten? Aus meiner Sicht vor allen Dingen folgendes. Wir müssen präziser und individueller werden und nicht blind irgendwelchen Schemata folgen. Lass uns präziser werden in der Sprache, in der Diagnostik, in der Interpretation. Und präziser, vor allen Dingen individueller meine ich damit, in der Therapieplanung. Es reicht jetzt nicht einfach auf einen Befund zu schreiben, SIBO-positiv, und dann so ein Standardprotokoll abzuarbeiten. Wir müssen fragen unter anderem, was gibt die Diagnostik her? Wo gibt es Missing Links? Ist die Diagnostik überhaupt schon komplett? Welches Gas dominiert? Wo scheint das Problem stattzufinden? Passt das überhaupt zu den Symptomen? Wie ist denn die Geschichte? Wie war die Vorbereitung von Tests, gerade beim Atemtest? Welches Substrat wurde verwendet? Gibt es Hinweise auf Besonderheiten beim Transit? Ist Methanwasserstoff erhöht? Könnte Schwefelwasserstoff eine Rolle spielen? Wie ist es mit der Motilität? Was finde ich denn heraus zu Auslösern, Ursachen und Treibern? Welche Grunderkrankungen spielen hier eine Rolle? Spielen Medikamente mit hinein? Anatomische Besonderheiten und Faktoren? Wie sehen die Nährstofflevels aus? Wie leistungsfähig ist das Entgiftungssystem? Und vor allen Dingen bitte immer nicht vergessen, wie stabil ist das neurovegetative System, also die vegetative Regulation. Also bitte immer alle sechs Säulen mitdenken, bevor du Therapieempfehlungen aussprichst. Mein Tipp für diese Folge ist, lauf halt nicht jedem neuen Sibo-Trend hinterher, aber ignoriere bitte auch nicht, dass die Forschung sich immer weiterentwickelt. Ich denke mal, die beste Haltung liegt irgendwo dazwischen. Bleib offen für neue Diagnostik, neue Subtypen, neue wissenschaftliche Erkenntnisse. Aber prüf die bitte immer sauber und schalt auch mal deinen gesunden Menschenverstand ein. Und das Bauchgefühl im wahrsten Sinne des Wortes. Frag dich, was bedeutet das konkret jetzt für diesen konkreten Fall, für dieses Beschwerdebild, diese Vorgeschichte, diesen Test, diesen Verlauf. Denn ich finde, genau darum geht es in einer guten, zielführenden, sinnvollen Reizdarm- und Fehlbesiedlungsarbeit, nicht um pauschale Labels, sondern um Verständnis, um Zusammenhänge und vor allen Dingen auch um Selbstwirksamkeit. Wenn du tiefer einsteigen möchtest, dann findest du in meinem Sibo-Immo-System auf Basis der Sechs Säulen-Reizdarm-Roadmap genau diesen strukturierten Ansatz. Nicht nur Symptome verwalten, nicht nur Ernährung reduzieren, nicht nur auf Keime draufhauen mit Antibiotika, sondern eben die verschiedenen Sechs Säulen verstehen, die bei Fehlbesiedlungen, bei Reizdarmbeschwerden, Unverträglichkeiten und natürlich auch bei Rückfällen zusammenspielen.