Einfach Projekte

Warum eure Projekte nicht an Fehlern scheitern — sondern Fehlerkultur

Jörg Tausendfreund

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Ein Projekt steht auf Grün, alle nicken im Lenkungskreis, die Folien sind sauber und das Reporting klingt beruhigend. Drei Wochen später ist alles rot, Termine kippen, Budgets wackeln und plötzlich fällt dieser Satz: Warum hören wir das erst jetzt? Ich behaupte: Ihr hört es nicht zu spät, ihr hört es zu spät in einer Form, die nicht mehr wegmoderiert werden kann. Genau darum geht es hier: verspätete Wahrheit, Realitätsverzug und warum „Fehlerkultur“ nur dann hilft, wenn sie Steuerung im Projekt ermöglicht. 

Am Beispiel des Standortprojekts Phönix zeige ich, wie aus wiederkehrenden kleinen Signalen ein grosses Risiko wird, das man im Statusbericht zu lange als „angespannt“ und „in Klärung“ verpackt. Wir sprechen über den sozialen Preis von Rot, über Eskalationsscham und darüber, wie Projektampeln im Projektmanagement vom Steuerungsinstrument zur Farbdiplomatie werden können. Wenn Rot automatisch Schuld und Rechtfertigung auslöst, entsteht Gelb mit Bauchschmerz und am Ende ein Feuer, das alle riechen, aber niemand früh genug ernst nimmt. 

Du bekommst ausserdem ein klares Modell für professionelle Projektsteuerung: die vier Verzögerungen, die Projekte teuer machen. Gesehen, aber nicht als Muster erkannt. Erkannt, aber nicht ausgesprochen. Ausgesprochen, aber nicht entschieden. Entschieden, aber nicht verändert. Dazu gibt’s den Tool-Kern, den Projektampel Realitätscheck mit den Feldern Signal, Sprache, Entscheidung und Veränderung plus den Gedanken „Lessons Changed“ statt reiner Lessons Learned. Wenn du Reporting, Risikomanagement und Entscheidungen wieder wirksam machen willst, ist das deine Folge. 

Den OnePager zur Folge findest du hier direkt über den Link kostenfrei im Stan Store: https://stan.store/einfachprojekte/p/projektampelrealittscheck

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Vom Grünen Status Zum Roten Erwachen

SPEAKER_01

Ein Projekt steht auf grün. Status bricht ordentlich, Folien sauber, Lenkungskreis nickt. Alle sagen, läuft. Drei Wochen später ist plötzlich alles rot. Der Termin kippt, das Budget wackelt und der Fachbereich ist überlastet. Und im Raum steht dieser schöne Satz. Warum hören wir das erst jetzt? Gute Frage. Meistens lautet die ehrliche Antwort, weil das Projekt nicht plötzlich rot wurde. Es wurde zu spät ehrlich. Die Wahrheit war längst sichtbar, aber sie war noch nicht handlungsfähig. Heute sprechen wir darüber, warum Projekte selten an Fehlern scheitern, sondern an verspäteter Wahrheit. Und warum reife Fehlerkultur nichts mit No Blame Wellness zu tun hat, sondern mit Steuerung. Sei dabei. Herzlich willkommen bei Einfahrprojekten. Mein Name ist Jan Thomas Freund und du kannst hier für deine Projektarbeit Strategien, Ansätze und Tipps bekommen. Vor allem immer im Klammertext gesprochen. Und für dich, damit du direkt was damit anfangen kannst. Ist einfach dabei.

Fehlerkultur Als Steuerung Verstanden

SPEAKER_01

Herzlich willkommen zurück bei Einfach Projekte oder wenn du neu dabei bist. Herzlich willkommen. Ich bin hier wieder im virtuellen Projektoffice und heute sprechen wir über Fehler. Aber nicht so, wie es oft passiert, nicht mit dem bekannten Satz, wir müssen eine bessere Fehlerkultur entwickeln. Der Satz ist natürlich grundsätzlich nicht falsch, aber er ist inzwischen in vielen Organisationen so weichgespült, dass er nach Workshop-Raum, Moderationskarten und irgendwie lauwarmem Kaffee klingt. Fehlerkultur, alle finden sie wichtig, alle sind dafür, übrigens alle Unternehmen haben sie natürlich auch, aber niemand möchte offiziell sagen, nein. Also wir sind hier eher im Team Schuldzuweisung und Verdrängung. Natürlich nicht. Aber die entscheidende Frage ist nicht, was in eurem Leitbild steht. Die entscheidende Frage ist doch, was passiert, wenn jemand eine schlechte Nachricht bringt. Nicht im Kulturworkshop und auch nicht im Führungskräfte Wellness-Tag, nicht in der Wertebroschüre, sondern in diesem einen kleinen Moment, jemand sagt, wir haben ein Problem. Und dann passiert Kultur in Echtzeit. Sucht das System sofort schuld? Wird der Überbringer unangenehm? Wird er beschichtigt? Wird die Nachricht kleiner gemacht? Wird sie in einen kleinen Kreis geschoben oder entsteht Steuerbarkeit? Und das ist der Unterschied. Diese Folge ist deshalb keine Folge über bei uns darf jeder mal scheitern. Das ist mir persönlich viel zu billig und ehrlich gesagt auch zu wenig. Es geht nicht darum, Fehler romantisch zu verklären. Es geht auch nicht darum, jede schlechte Leistung freundlich zu umarmen. Es geht vor allem auch nicht darum, Verantwortung aufzulösen und am Ende zu sagen, Wahrheit ein Lernmoment. Wobei, also grundsätzlich ein schöner Satz, sehr bequem und manchmal stimmt er auch, manchmal ist er nur die teuerste Form von Ausweichen. Reife Fehlerkultur ist etwas anderes. Reife Fehlerkultur heißt, wir sehen Realität früher. Wir sprechen sie früher aus und wir entscheiden früher. Das heißt aber auch, wir verändern danach die Praxis. Und das ist kein Kuschelkurs. Das ist professionelle Projektsteuerung. Denn in vielen Projekten ist nicht der ursprüngliche Fehler der größte Kostentreiber. Der Kostentreiber ist die Verzögerung danach. Ein Termin ist unrealistisch, aber niemand sagt das klar. Eine Ressource ist faktisch nicht verfügbar, aber im Plan bleibt sie stehen und eine Abhängigkeit wackelt, aber im Reporting heißt sie unter Beobachtung. Das Problem ist also längst da, aber es wird noch nicht handlungsfähig. Genau das ist verspätete Wahrheit. Oder anders gesagt, Realitätsverzug. Und heute bekommst du drei Dinge. Erstens eine Phönixszene aus einem Bau- bzw. Standortprojekt im Mittelstand. Zweitens die vier Verzögerungen, die Projekte teuer machen, und die übrigens die meisten von uns kennen. Gesehen, aber nicht als Muster erkannt, erkannt, aber nicht ausgesprochen. Ausgesprochen, aber nicht entschieden. Entschieden, aber nicht verändert. Und drittens den Tool-Kern dieser Folge, den Projektampel Realitätscheck. Dazu bekommst du natürlich auch den Montags-Move. Und das Ziel ist nicht, dass ab morgen alle Ampeln rot werden. Das Ziel ist, dass Realität früher Wirkung bekommt. Denn Rot ist nicht das Problem. Das Problem ist ein Grün, das längst nicht mehr stimmt.

Projekt Phönix Und Höfliches Gelb

SPEAKER_01

Und lass uns doch einfach in das Projekt Phönix gehen. Du weißt, Phönix ist wieder mein Beispielprojekt zu einer Geschichte aus einer wahren Projektwelt, damit eben einfach niemand benannt werden muss. Und Projekt Phönix ist in unserem Beispiel heute ein Standortprojekt bei einem mittelständischen Unternehmen. Kein Konzern mit unbegrenztem Projektapparat und auch kein Startup mit drei Leuten und irgendwie maximalem Improvisationswillen, sondern ein gewachsenes Unternehmen. Solide, erfolgreich und mit einem Standort, der erweitert werden soll. Mehr Fläche, neue technische Infrastruktur, neue Arbeitsbereiche, neues Lagerkonzept und ein paar bauliche Anpassungen. Natürlich auch neue Sicherheits- und Qualitätsanforderungen. Das führt zu einem veränderten Materialfluss und natürlich auch ein geplanter Starttermin, der aus Sicht der Geschäftsführung wichtig ist. Was sollte auch sonst sein? Warum? Weil zum Beispiel ein Kundenauftrag ansteht, weil Wachstum abgesichert werden soll und weil grundsätzlich Kapazität gebraucht wird. Also wird Phoenix aufgesetzt, Projektleitung ist benannt, Baupartner sind an Bord, IT plant die Schnittstellen, ein Kauf koordiniert, Lieferanten, Fachbereiche liefern ihre Anforderungen brav ab und die Qualität prüft alle Vorgaben. Der Lenkungskreis schaut regelmäßig drauf und der Status ist grün. Vielleicht irgendwann gelb, aber freundlich gelb. Dieses Gelb, das sagen möchte, bitte keine Panik, wir arbeiten daran. Und die ersten Signale in unserem Projekt Phoenix kommen früh. Nicht laut, nicht dramatisch, nicht mit Blaulicht. Ein Lieferant zum Beispiel meldet, wir haben eine kleine Verzögerung bei einer Komponente. Die Bauleitung sagt zum Beispiel, der Termin ist ambitioniert, aber noch machbar und die IT sagt, die Schnittstelle zum Zutrittssystem ist noch in Klärung. Und so weiter und so fort. Das klingt normal und das klingt auch nach Projektalltag, soweit, so gut. Und vieles davon ist natürlich auch Projektalltag. Nicht jedes Signal ist gleich eine Krise und nicht jede Verzögerung zeigt gleich irgendwie ein grundsätzliches Muster. Und nicht jede offene Frage ist eine rote Ampe. Also immer schön auch die Kirche im Dorf lassen. Aber in Phoenix wiederholen sich die Signale. Der Lieferant rutscht nicht einmal, sondern er rutscht immer wieder. Die IT-Schnittstelle zum Beispiel bleibt nicht einmal offen. Sie bleibt über mehrere Termine hinweg offen. Und zum Beispiel, der Fachbereich liefert nicht einfach nur zu spät. Er liefert spät, weil intern die Nutzung irgendwie noch gar nicht entschieden ist. Und der Terminplan bleibt damit nicht ambitioniert, sondern er wird langsam unrealistisch. Nur sagt das doch niemand so. Und das ist sozusagen dann das höfliche Gelb. Denn im Statusbericht steht, Terminlage angespannt, Abhängigkeiten in Klärung, Schnittstelle in Abstimmung und Lieferantensituation eng, aber steuerbar und so weiter. Das klingt nach Projektmanagement und in Wahrheit ist es manchmal nur ein höflich formulierter Hilferuf. Der Lenkungskreis fragt, ist der Starttermin gefährdet? Die Projektleitung sagt, aktuell noch nicht offiziell, wir beobachten eng. Das ist nicht gelogen. Aber es ist auch nicht mutig. Der Sponsor sagt, bitte frühzeitig melden, falls es kritisch wird. Alle nicken und innerlich denken drei Menschen, es ist kritisch. Nur noch nicht so kritisch, dass jemand den sozialen Preis für Rot zahlen möchte. Also den sozialen Preis. Also rot bedeutet Arbeit, Rot bedeutet Rechtfertigung und Rot bedeutet unangenehme Diskussion. Rot bedeutet vielleicht Termin verschieben oder mehr Budget oder Scope reduzieren. Vielleicht auch Kundenerwartung korrigieren und so weiter und so fort. Also eine Entscheidung treffen, die jemand nicht mögen wird. Also bleibt Phönix gelb. Gelb ist praktisch, gelb signalisiert Aufmerksamkeit und Gelb wirkt auch irgendwie verantwortungsbewusst. Man könnte auch sagen, gelb beruhigt. Und gelb ist manchmal einfach rot mit politischer Schonfrist. Sechs Wochen später übrigens ist der Termin nicht mehr haltbar. Und jetzt ist es offiziell. Der Baupartner kann einen kritischen Meilenstein nicht halten. Die IT-Schnittstelle ist noch nicht testfertig. Der Fachbereich hat im Nutzungskonzept etwas geändert, das Einfluss auf den Materialfluss hat. Die Abnahme rutscht, der Starttermin kippt und die Ampel ist rot. Und jetzt kommt natürlich die Frage, warum hören wir das erst jetzt? Und die ehrliche Antwort lautet, Ihr habt es nicht erst jetzt gehört. Ihr habt es nur jetzt erst in einer Form gehört, die nicht mehr wegmoderiert werden konnte. Und das ist der Unterschied. Die Wahrheit war da, als Signal, als Bauchgefühl, als wiederkehrende Verzögerung und vorsichtige Formulierung. Der Flurfunk hat es gewusst und die Ampel war gelb und irgendwie war alles unter Beobachtung. Aber es war eben noch nicht handlungsfähig. Und das ist Realitätsverzug. Und Realitätsverzug im Projekt ist teuer. Nicht weil Menschen schlecht sind, sondern weil Systeme so gebaut sind, dass Wahrheit erst dann sicher wird, wenn sie nicht mehr zu vermeiden ist.

Realitätsverzug Und Der Soziale Preis

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Und jetzt kommen wir einfach mal zu diesem Realitätsverzug. Realitätsverzug ist die Verzögerung zwischen dem Moment, in dem ein relevantes Problem erkennbar ist und dem Moment, in dem eine Organisation tatsächlich wirksam handelt. Das kann Tage dauern oder manchmal Wochen oder Monate. Und in manchen Projekten ist der Realitätsverzug länger, als die eigentliche Lösung gedauert hätte. Das ist natürlich bitter, aber oft wahr. Der Verzug entsteht nicht, weil niemand etwas sieht. Projektleitungen sehen viele Teams auch, Fachbereiche sowieso. Und vielleicht spürt sogar die Linienführung die Belastung. Also die Information ist ganz oft da, aber sie muss durch Filter, zum Beispiel Angst, Politik, Hoffnung, die Angst vor Gesichtsverlust, Loyalitätsdruck, Statusabsicherung, aber natürlich auch so etwas ähnliches wie Eskalationscham oder Ressourceninteressen und ganz besonders wichtig, alte Gewohnheiten. Vielleicht aber auch manchmal schlicht die unausgesprochene Bitte, lass uns bitte noch ein bisschen so tun, als wäre der Plan haltbar. Sehr menschlich, und leider auch sehr teuer. Eine schlechte Fehlerkultur sorgt nicht dafür, dass weniger Fehler passieren, sondern sie sorgt dafür, dass Fehler später sichtbar werden. Das ist der Unterschied zwischen Steuerung und Theater. Wenn Menschen lernen, dass schlechte Nachrichten gefährlich sind, häufig gefährlich für sie selbst, dann werden sie nicht automatisch besser. Sie werden vorsichtiger, formulieren weicher, sie eskalieren später, sie schreiben mehr Absicherungsmails und sie nennen Risiken, nicht Risiken, sondern Herausforderungen. Sie stellen Ampeln auf gelb, obwohl sie innerlich längst schon rot blinkt. Und sie warten, bis jemand mit mehr Rang das Offensichtliche ausspricht. Und dann fragt im Lenkungsreis jemand, warum hören wir das es jetzt? Eine berechtigte Frage, aber manchmal gestellt von genau den Menschen, die früher unbewusst dafür gesorgt haben, dass man es ihnen lieber nicht früher sagt. Vielleicht ein kurzer Gedanke dazu. Ich habe das mal in einem anderen Unternehmen erlebt. Da wurde jemand, der eher Dinge früher ausgesprochen hat, doch tatsächlich in so einem Kontext mir gegenüber als querulant bezeichnet. Und naja, da wissen wir alle, diesen Aufkleber möchte eigentlich keiner haben. Und jemand, der vielleicht frühzeitig was sagt, weil er noch Neues oder weil er stark hinter dem Projekt steht, der wird dann halt irgendwann still. Denn Kultur ist halt nicht das, was auf der Webseite steht, sondern Kultur ist das, was passiert, wenn jemand eine schlechte Nachricht bringt. Und die ersten zehn Sekunden nach einer schlechten Nachricht sind halt entscheidend. Also jemand sagt, wir haben ein Problem. Und dann zeigt sich das System. Es reagiert mit wer hat das verbockt. Warum höre ich das erst jetzt? Das darf nicht wahr sein. Das brauche ich jetzt nicht auch noch. Das bleibt aber bitte im kleinen Kreis. Und dann lernt der Einzelne oder das Team. Realität ist gefährlich. Vielleicht nicht offiziell, aber ganz praktisch. Und die praktische Kultur schlägt die offizielle Kultur immer und jeden Tag. Und zwar mit Anlauf. Eine reife Reaktion wäre hier: Danke, dass du oder ihr es ansprechst. Wann war es zuerst erkennbar? Oder was wissen wir sicher, was vermuten wir und was müssen wir jetzt entscheiden? Welche Bedingungen haben das wahrscheinlich gemacht? Vielleicht auch so etwas wie, welche Unterstützung braucht es, damit wir handlungsfähig werden? Oder wer muss es wissen, damit wir Schaden begrenzen und entscheiden können. Und da kann ich einfach nur fragen, merkst du den Unterschied? Im ersten Fall sucht das System nach Entlastung. Und im zweiten Fall entsteht im System Steuerbarkeit. Und das ist natürlich keine Kuschelkommunikation. Und manchmal mag das auch etwas unangenehm sein. Es ist aber professionelle Projektarbeit. Und wir schauen uns jetzt einfach mal die vier Verzögerungen etwas genauer an. Und die erste

Vier Verzögerungen Die Alles Teuer Machen

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Verzögerung lautet ja, das Problem wird gesehen, aber nicht als Muster erkannt. Also der Lieferant rutscht einmal, die Fachabteilung liefert spät, eine Schlüsselperson ist schwer verfügbar und so weiter. Also Einzelfälle sagt die Organisation, kann passieren, ist Projektalltag, bitte nicht überdramatisieren, wir wollen ja nicht wegen jeder Kleinigkeit eskalieren. Stimmt auch. Nicht jedes Signal ist ein Drama. Aber manche Signale wiederholen sich und wenn sich Signale wiederholen, sind es eben halt keine Einzelfälle mehr. Sie sind ein Muster, das noch nicht irgendwie offiziell sichtbar ist. Bei Phoenix war es ja genau der Fall. Der Lieferant ist gerutscht und er rutschte wieder. Und dementsprechend jedes Signal für sich ist erklärbar, ergibt aber insgesamt, also wenn du alle zusammensetzt, ergibt es ein Bild. Und dieses Bild, jetzt in unserem Phoenixbeispiel, aber grundsätzlich, wird eben häufig zu spät als Muster wahrgenommen. Und die natürliche Frage lautet natürlich deshalb, welches kleine Signal behandelt ihr gerade noch als Einzelfall, obwohl es längst ein Muster sein könnte? Und das ist irgendwie keine negative Frage, sondern das ist eine Früh-Warn-Frage. Und ja, sie macht Arbeit, aber weniger Arbeit, nicht wenig Arbeit, sondern weniger Arbeit, als die Eskalation später. Übrigens, die zweite Verzögerung lautet ja, das Problem wird erkannt, aber nicht ausgesprochen. Und das ist die Königsdisziplin der Projektpolitik. Alle wissen etwas, niemand sagt es im richtigen Raum. Im Flur ist es natürlich klar, im Chat auch, und im Vier-Augen-Gespräch sowieso. Im offiziellen Meeting ist es plötzlich noch zu beobachten. Ganz wunderbar. Denn dann habt ihr keine Informationslücke, ihr habt eine Mut- und Vertrauenslücke. Schlechte Nachrichten werden weichgekocht, wenn die soziale Strafe für Wahrheit höher ist als der fachliche Nutzen. Wenn Menschen befürchten müssen, als negativ, illoyal, unbequem, denkt wieder an den Quirulanten, oder unfähig zu gelten, sprechen sie halt einfach später. Oder vorsichtiger oder gar nicht mehr. Bei Phoenix zum Beispiel weiß die Bauleitung mehr, als sie im Status sagt. Die IT weiß, dass die Schnittstelle kritischer ist, als Inklärung klingt. Und der Fachbereich weiß, dass die Nutzung noch nicht stabil entschieden ist. Und die Projektleitung spürt, dass Gelb nicht mehr so richtig reicht. Aber Rot fühlt sich wie ein persönliches Scheitern an. Also bleibt das Gelb nicht als böswillige Tat, sondern aus Selbstschutz. Die nützliche Frage lautet also, welche Wahrheit über dieses Projekt wird bei euch außerhalb des Raums? Klarer ausgesprochen als in dem Raum. Wenn diese Frage wehtut, dann ist sie wahrscheinlich gut. Kommen wir direkt zur dritten Verzögerung. Die lautet, das Problem wird ausgesprochen, aber nicht entschieden. Das ist so ein Lenkungskreisklassiker. Das Problem liegt auf dem Tisch, alle sehen es, alle verstehen es, alle diskutieren es und alle betonen die Wichtigkeit. Und dann passiert nichts. Oder genauer, es passiert ein Follow-up. Noch eine Analyse, Abstimmung oder noch ein Termin. Oder ein Bitte noch einmal nachschärfen. Die Organisation verwechselt Beschäftigung mit Entscheidung. Super beliebt und super teuer. Ein Entscheidungsvorzug entsteht, wenn Konflikte zwar besprochen, aber nicht angegriffen oder angenommen. Man könnte sagen, besessen werden, also in Besitz genommen. Also wenn unklar ist, wer entscheiden darf oder muss. Wenn niemand die Konsequenz tragen möchte, wenn man hofft, dass sich der Zielkonflikt durch zusätzliche Folien höflich über den Zeitverlauf auflöst. Naja, bis Male tut er nicht. Er wartet und wird immer teurer. Bei Phoenix müsste zum Beispiel entschieden werden, wird der Starttermin verschoben oder wird der Umfang reduziert oder wird ein Lieferant ersetzt. Oder akzeptieren wir bewusst die Risiken. Das sind Entscheidungen, nicht Stimmung und auch nicht Diskussionspunkte und nicht, wir beobachten weiter. Die natürliche Frage lautet, welche Entscheidung vertagt ihr gerade, obwohl die Kosten des Wartens längst höher sind als die Unsicherheit der Entscheidung. Unbequeme Frage, ganz klar, aber sie ist oft der Unterschied zwischen Steuerung und Theater. Und dann kommen wir noch zur vierten Verzögerung. Und die vierte Verzögerung ist besonders raffiniert. Also die Entscheidung existiert, sie steht sogar im Protokoll, sogar eventuell fett markiert mit Owner und Datum und vielleicht sogar mit dem wunderbaren Wort verbindlich. Und trotzdem ändert sich in der Praxis nichts. Die alte Priorität bleibt stärker, die Ressource bleibt blockiert und der Prozess bleibt gleich. Das Team hört die Entscheidung, erlebt aber keine Konsequenz. Und dann habt ihr halt keine Entscheidung. Ihr habt ein dokumentiertes Wunschbild, Umsetzungsverzug entsteht, wenn Entscheidungen keinen Weg in Routinen, Standards, Rollen, Governance oder Verhalten finden. Bei Phoenix als Beispiel entscheidet der Lenkungskreis vielleicht, Qualitätsfreigabe hat Vorrang. Aber im Alltag wird die Qualität weiterhin zu spät eingebunden. Oder zum Beispiel der Fachbereich liefert die Nutzungsszenarien bis Freitag. Aber wenn es Freitag nicht passiert, hat das keine Konsequenz. Und dann ist halt die Entscheidung nicht wirksam, sondern sie ist nur protokolliert. Und ich weiß nicht, ob ihr es wusstet, Protokolle liefern natürlich keine Projekte. Sie speichern nur ab, dass jemand irgendwann einmal sehr vernünftig geklungen hat. Und die nützliche Frage hier lautet natürlich, welche Entscheidung habt ihr offiziell getroffen, aber praktisch noch nicht wirksam gemacht.

Wenn Ampeln Zur Farbdiplomatie Werden

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Und damit sind wir im Prinzip so etwas ähnliches wie im Statustheater. Projektampeln sind ja eigentlich eine gute Idee. Eigentlich. Sie sollen schnelle Orientierung geben. Also grün heißt ja, läuft, gelb, Achtung, rot, wir brauchen eine Entscheidung oder Unterstützung ist nötig. Soweit Theorie, zeige ich auch immer ganz gern so auf. In der Praxis werden Ampeln aber oft zu politischen Kommunikationsmitteln. Grün heißt dann bitte nicht stören. Gelb heißt, ich weiß, es ist schwierig, aber ich will noch nicht unangenehm werden. Und Rot heißt, jetzt ist es so schlimm, dass Beschönigen mehr Arbeit macht als eskalieren. Das ist natürlich kein Reporting. Das ist irgendwie Farbdiplomatie. Und Farbdiplomatie sieht oft erstaunlich professionell aus. Also mit Statusformat, Risikolog, Kommentarspalte und unbedingt auch mit Gegenmaßnahmen eingeleitet. Sehr beruhigend, ist das Projekt halt einfach Lichterlo brennt. Und ein Projekt Cockpit, in dem Rot gefährlich ist, ist kein Steuerungsinstrument. Es ist ein Realitätsfilter. Wenn eine rote Ampel automatisch Schuld, Rechtfertigung oder Reputationsschaden auslöst, dann wird sie vermieden. Total vernünftig. Nicht, weil Menschen unehrlich geworden sind, also ganz klar, sondern weil Systeme dieses Verhalten erzeugen. Wer rot bestraft, bekommt gelb, bis das Projekt halt dichter Lob brennt. Und dann wundern sich alle über die Rauchentwicklung. Und bei Phoenix zum Beispiel war Rot lange gefärbt als gelb. Und gelb bedeutet, wir arbeiten daran. Rot hätte bedeutet, wir müssen entscheiden. Und genau deshalb bleibt es halt zu lange gelb. Nicht, weil niemand das wusste, sondern weil Rot als persönliches Scheitern gelesen wurde. Der Durchbruch kommt erst, wenn eine neue Regel gilt. Rot führt zuerst zur Lageklärung, Unterstützung und Entscheidung und nicht zu Schuldzuweisung. Das ist der entscheidende Punkt. Rot ist kein Charakter oder Menschen oder Kompetenzurteil. Rot ist ein Steuerungssignal. Wenn das verstanden ist, wird das Projekt nicht automatisch leichter, aber ehrlicher und damit steuerbarer. Und wir beschäftigen uns hier im Podcast ja immer auch damit, also wie kann ich jetzt mit sowas umgehen.

Projektampel Realitätscheck In Vier Feldern

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Deswegen lass uns mal auf sozusagen den Tool-Kern schauen. Also lass uns in die Werkzeugkiste schauen, was kann man denn einfach machen. Also sowas ähnliches zum Beispiel wie den Projektampel Realitätscheck, möchte ich dir da ans Herz legen. Also der Check ist kein weiteres Reporting-Format, auf gar keinen Fall. Wir brauchen irgendwie nicht noch eine Statusvorlage, in der dieselbe Wahrheit noch schöner formuliert wird. Der Check hat eine andere Aufgabe. Er soll prüfen, ob eure Ampel wirklich Steuerung ermöglicht oder ob sie Realität filtert. Also der Projektampel Realitätscheck arbeitet im Prinzip mit vier Feldern. Signal, Sprache, Entscheidung und Veränderung. Diese vier Felder entsprechen genau den vier Verzögerungen und sie helfen, aus einem diffusen Bauchgefühl an der handlungsfähige Projektfrage zu machen. Also das erste Feld heißt Signal. Und die Frage lautet, was ist bereits sichtbar, wird aber noch als Einzelfall behandelt. Das können kleine Dinge sein, wiederkehrende Verzögerungen, unklare Anforderungen, fehlende Fachrolle und so weiter und so fort. Die Regel ist einfach. Einmal kann Zufall sein, zweimal ist ein Musterkandidat, dreimal ist wahrscheinlich kein Zufall mehr. Und der Check zwingt euch nicht, jedes Signal groß zu machen, aber er zwingt euch wiederkehrende Signale nicht als Komfort, Einzelfall wegzulegen. Das zweite Feld heißt Sprache. Und die Frage lautet, wo wird die Wahrheit klarer ausgesprochen als im Meeting oder außerhalb? Oder andersrum im Meeting oder außerhalb. Was meine ich damit? Wenn im Flur, im Chat oder im Vier-Augen-Gespräch klarer gesprochen wird als im Status-Meeting, habt ihr ein Steuerungsproblem. Dann ist der offizielle Raum nicht mehr der auf der Wahrheit. Und das ist natürlich gefährlich. Denn nur offizielle Wahrheiten können auch offiziell bearbeitet und entschieden werden. Projektleitung und PMO können hier viel bewirken. Nicht durch Druck, sondern durch bessere Fragen. Zum Beispiel, also was läuft schlechter, als es im Reporting aussieht? Oder welche rote Ampel traut sich gerade noch nicht, rot zu sein? Oder vielleicht auch, welche Annahme könnte gerade kippen. Also diese Fragen laden zur Realität ein und manchmal ist das genau der erste und auch richtige Schritt. Das dritte Feld heißt Entscheidung. Die Frage lautet hier, welche Entscheidung fehlt, obwohl das Problem bereits bekannt ist. Also nicht, wir beobachten weiter oder wir halten engen Austausch und auch nicht, wir bleiben dran, sondern viel eher, was wird entschieden? Und dann, das kennst du ja, Termin, Scope, Budget, Resource, Eskalation, Lieferant und und und und und. Wenn ein Problem bekannt ist, aber keine Entscheidung folgt, dann habt ihr keinen Mangel an Information, sondern ihr habt eben einfach Entscheidungsverzug. Und Entscheidungsvorzug ist die teure Schwester von Statusroutine. Sehr präsent, sehr beschäftigt, aber eben nicht hilfreich genug. Und damit kommen wir zum vierten Feld und das vierte Feld heißt Veränderung. Die Frage lautet hier, welche Entscheidung wurde getroffen, aber hat die Praxis noch nicht verändert? Und hier wird es natürlich besonders spannend, denn viele Organisationen glauben ja, eine Entscheidung sei erledigt, wenn sie im Protokoll steht. Das stimmt natürlich nicht. Eine Entscheidung ist erst wirksam, wenn sich Verhalten, Rollen, Routinen, Standards und Prioritäten verändern. Wenn nach der Entscheidung alles gleich bleibt, dann war es keine Entscheidung. Dann war es ein dokumentierter Wunsch. Und damit kommen wir zu Lessons Changed. Also nicht nur, was haben wir gelernt, sondern was ändern wir jetzt konkret? Welche Checkliste wird angepasst? Welche Entscheidungsregel verändert sich, welche Routine wird eingeführt? Wer übernimmt die Umsetzung? Wann prüfen wir die Wirkung? Eine Lessons learned, die keine Praxis verändert, ist nur ein gut formulierter Rückblick. Das heißt natürlich deshalb, der bessere Begriff lautet Lessons Changed. Und das Ganze habe ich dir im One-Pager, den du zum Download hier wieder findest, und zwar in der Podcast-Beschreibung, habe ich dir das zusammengepackt. Also das kannst du dir direkt holen, zusammen mit einer eindeutigen Anleitung, wie du das bei dir in der Organisation auch direkt umsetzen kannst.

Führung Reagiert In Zehn Sekunden

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Was noch wichtig ist, das ist, dass natürlich auch Führung hier wieder einen ganz entscheidenden Anteil hat. Führung entscheidet nicht nur durch große Beschlüsse, Führung entscheidet auch durch Reaktion. Vor allem in den ersten zehn Sekunden. Ich habe das vorhin schon erwähnt, nach einer schlechten Nachricht. Wenn Führung schlechte Nachrichten bestraft, bekommt sie später schöne Nachrichten. Schön formuliert. Später wird es teurer. Wenn Führung rot als persönliches Scheitern behandelt, bekommt sie gelb. Sehr viel Gelb. Gelb mit Bauchschmerz, gelb mit Kommentarspalte, gelb mit Rauchentwicklung und irgendwann rot. Aber dann ist es nicht mehr Steuerung, sondern dann wird es zur Schadensbegrenzung. Und Führung muss deshalb drei Dinge aktiv schützen. Erstens frühe Transparenz, zweitens klare Verantwortung und drittens wirksame Veränderung. Nur Transparenz ohne Verantwortung wird leider weich. Nur Verantwortung ohne Transparenz wird hart. Lessons learned ohne Veränderung werden halt zu Nachdenken, keine Ahnung, mit Catering, könnte man sagen. Das kann man machen, aber man sollte es bitte nicht Projektsteuerung nennen. Und deswegen Verantwortung bleibt wichtig. Reife Fehlerkultur heißt nicht, alles ist entschuldigt. Nicht jeder Fehler ist gleich. Ein redlicher Irrtum unter Unsicherheit ist etwas anderes als Fahrlässigkeit. Ein intelligentes Experiment ist etwas anderes als ein bewusst umgangener Standard. Ein systemisch begünstigter Fehler ist etwas anderes als aktive Vertuschung. Ein Kompetenzfehler braucht Unterstützung. Ein Regelbruch braucht Klärung. Und wer alles bestraft, verliert Wahrheit. Wer alles entschuldigt, verliert Standards. Reife Projekt also braucht, reife Projektarbeit braucht also beides. Schutz für frühe Transparenz und klare Verantwortung. Das ist nicht weich, sondern das ist erwachsene Projektarbeit.

Lessons Changed Und Montag Move

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Und lass uns das einfach mal an der Stelle wieder zusammenfassen. Projekte scheitern selten an einem einzelnen Fehler. Sie scheitern an der Verzögerung danach. Sie scheitern an weichen Formulierungen, an der späten Eskalation, an der vertagten Entscheidung und an der politischen Schätzung oder Weichspülung. An der grünen Ampel, die eigentlich längst rot wäre, und an Lessons learned, die nie zu Lessons changed geworden sind. Der gefährlichste Fehler ist nicht immer der sichtbare. Der gefährlichste Fehler ist oft der, den alle sehen, aber niemand rechtzeitig ausspricht. Deshalb ist Fehlerkultur in Projekten kein Wohlfühlthema und irgendwie nicht super sozialromantisch oder sonst irgendwas, sondern es ist Steuerbarkeit im Projekt. Also früher sehen, früher sprechen, früher eskalieren, früher entscheiden und früher verändern, das ist nicht unangenehm, sondern das ist steuerbar. Und steuerbar ist im Projekt immer noch deutlich besser als nett überrascht. Und deshalb heute für dich folgende Infrage. Welche Wahrheit über euer Projekt ist längst sichtbar, aber noch nicht handlungsfähig gemacht. Und wenn dir jetzt ein Thema eingefallen ist, dann ist das vielleicht dein Montag-Move. Nicht noch ein Status-Update oder ein schönes Reporting, sondern ein Projektampel-Realitätscheck. Was ist das Signal? Wo fehlt die klare Sprache? Welche Entscheidung steht aus? Und was muss sich danach wirklich verändern? Und übrigens, wenn dir diese Folge geholfen hat, dann abonniere den Podcast sehr gerne, falls du es noch nicht getan hast. Und teil die Folge doch gerne mit jemandem, der gerade sehr professionell auf gelb steht. Du findest, wie gesagt, den OnePager Projektampe Realitätscheck unten in den Shownotes des Podcasts. Kannst du ihn einfach für dich downloaden. Und ich sage dir wieder ein ganz herzliches Dankeschön, dass du heute wieder mit dabei warst. Freue mich aufs nächste Mal mit dir und wünsche dir allseits erfolgreiche Projekte. Bis dann. Vielen Dank, dass du heute mit dabei warst. Schalte einfach das nächste Mal wieder an, wenn das alles Projekte.