Timo Wahl YOGA-PODCAST

#34 Breathwork: Moderne Atemarbeit im Kontext der Yoga-Tradition

Timo Wahl

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Der moderne Breathwork-Trend erobert die Wellness-Szene – doch was steckt wirklich dahinter? In dieser tiefgründigen Folge erkunden Ann-Sophie Priest und ihr Gast Timo die faszinierende Welt der modernen Atemarbeit und stellen kritische Fragen zu Sicherheit, Wirksamkeit und Verantwortung.

Die beiden Experten definieren zunächst, was unter dem Begriff "Breathwork" eigentlich zu verstehen ist: ein noch nicht vollständig definiertes Feld von Atemtechniken, die oft mit Hyperventilation arbeiten und sowohl physiologische als auch psychologische Prozesse anstoßen können. Sie beleuchten die Ursprünge dieser Praxis und ziehen Parallelen zum Holotropen Atmen nach Stanislav Grof, der klare therapeutische Rahmenbedingungen schuf.

Besonders eindringlich wird die Diskussion, wenn es um die ethische Verantwortung geht. Öffentliche Breathwork-Sessions ohne angemessene Vorbereitung oder Nachbetreuung werden kritisch hinterfragt. Die Experten betonen die Bedeutung eines sicheren Rahmens und der Integration des Erlebten durch Reflexion und Verarbeitung – Aspekte, die im kommerziellen Angebot oft zu kurz kommen.

Ein faszinierender Teil des Gesprächs widmet sich dem Vergleich zwischen traditionellem Pranayama und modernem Breathwork. Während die Yoga-Tradition einen strukturierten Weg bietet, um zunächst innere Ruhe aufzubauen, fehlt dieser Aufbau im Breathwork häufig. Timo erklärt anschaulich, wie der Atem als Schnittstelle zum autonomen Nervensystem funktioniert und wie durch bewusstes Atmen Resilienzfaktoren entwickelt werden können.

Höre diese Episode, wenn du verstehen möchtest, wie Atemarbeit wirklich wirkt, welche Potenziale sie birgt und worauf du bei eigenen Erfahrungen achten solltest. Ein unverzichtbarer Leitfaden für alle, die über den Hype hinausblicken und Atemtechniken verantwortungsvoll in ihr Leben integrieren möchten.

Timo Wahl

Herzlich willkommen zu einem neuen Podcast heute mit einem wirklich sehr spannenden und sehr ganzheitlichen Thema, nämlich dem Thema Breathwork, also moderne Atemarbeit. Ist es die Antwort auf Panayama? Ich hoffe, wir werden es herausfinden. Meine Gesprächspartnerin ist Ann-Sophie Priest, und sie hat diesmal mich eingeladen. Also viel Spaß beim Zuhören.

Ann Sophie Briest

Herzlich willkommen, schön, dass du dabei bist. bei Weisheit trifft Wissenschaft, deinem Podcast rund um das Thema Yogatherapie, mit unserem heutigen Gast Timo. ich freue mich wahnsinnig, dass du da bist, dass wir jetzt gemeinsam ins Gespräch gehen, gemeinsam ins Gespräch gehen, eintauchen in ein für uns beide, glaube ich, sehr, sehr spannendes und vielversprechendes Thema. Ich möchte nämlich gerne mit dir heute vor allen Dingen über Breathwork sprechen. Schön, dass du da bist.

Timo Wahl

Ich danke dir für die Einladung. Ich freue mich auch, hat ja jetzt ein bisschen länger gedauert, deshalb wird es jetzt mal wieder Zeit.

Ann Sophie Briest

Ja, ganz genau, Es wird wieder Zeit. Das freut mich Ja genau. Lass uns doch mal direkt starten. Für mich ist dieser Begriff Breathwork tatsächlich vielleicht parallel auch zum Begriff Yoga etwas, was mich unter Umständen sogar etwas verwirren kann. Überall höre ich im Moment Breathwork, hier, breathwork da. Verwirren kann, überall höre ich im Moment Breathwork, hier, breathwork da. Wenn du jetzt den Begriff Breathwork nutzt, was heißt das für dich, was verstehst du darunter? Kannst du vielleicht auch in einem Kontext mal zeichnen, was für eine Technik, was für ein Setting, vielleicht auch welche Auswirkungen erwartest du dir jetzt, wenn wir mal grundsätzlich den Begriff so einführen wollen?

Timo Wahl

Ich finde das eigentlich sehr schwer zu fassen, was es ist. Also ich komme aus dem Yoga. Ich habe zum Glück so ein bisschen auch so einen, ich möchte mal sagen, so einen schulmedizinisch wäre jetzt falsch gesagt aber aus einem sportwissenschaftlichen Hintergrund, der mir so ein bisschen, so ein klein bisschen die physiologischen Prozesse mitbeleuchtet, die anatomischen Und Breathwork ist halt was, was in aller Mund ist aufzäumen. Da gibt es eine klare philosophische Idee dazu, da gibt es ein Konzept, da gibt es eine jahrhundertealte Tradition, die verschiedene Richtungen kennt. Der ist wahrscheinlich weitergefasst, aber wie er mir begegnet, dann sehe ich darunter ein, subsumiert gesagt, so ein Konglomerat aus Hyperventilationstechniken, die irgendwie so ein bisschen auf der einen Seite ich möchte mal sagen, aufs Vegetativum einwirken sollen, also Vegetativwirkung erzeugen sollen Können wir uns ja später wahrscheinlich darüber unterhalten Und gleichzeitig aber auch ganz häufig damit verbunden sind, psychologische Prozesse, tiefenpsychologische Prozesse in Gang zu setzen. Da fällt mir ein Holotropes Arpen, das ist eine klare Form, die mal definiert wurde no-transcript.

Ann Sophie Briest

Ich glaube, jede Breathwork-Session, bei der ich teilnehmen durfte, war im Kern vielleicht über die Hyperventilation charakterisierbar, also sprich verbundene Atmung, keine Pausen, weder nach der Ein noch nach der Ausatmung und etwas vertieftere und schnellere Atemschemata in dem Sinne. Aber alles Weitere, hatte ich das Gefühl, ist jedes Mal sehr unterschiedlich. Das Setting, der Rahmen ist sehr unterschiedlich. Eröffnet sich gerade ein neues Feld, was, wie du auch gesagt hast, ja in aller Munde ist, was sehr, sehr unterschiedlich auch erlebt wird, also aufgrund des Settings, aber auch aufgrund der für mich auch immer wieder unterschiedlich erlebten ich nenne es jetzt mal Atemreisen. Also das ist etwas, was ich so in meiner eigenen Praxis sagen kann Auch wenn ich vielleicht mit derselben Technik rangehe, das, was es in mir auslöst, kann grundverschieden sein. Das finde ich eben auch sehr, sehr spannend und macht den Versuch, das Ganze zu greifen und die Auswirkungen zu definieren, sicherlich noch wiederum etwas schwieriger, weil es eben auch im eigenen Erleben so große Unterschiede gibt. Ich weiß nicht, wie du das für dich erfährst, aber die Auswirkungen auf der physiologischen Ebene müssen ja nicht zwangsläufig dann zu in dem Sinne gleichen Erfahrungen führen.

Timo Wahl

Nee, überhaupt nicht. Also die Hyperventilation birgt ja in sich neben der physiologischen Veränderung vor allem ja die Möglichkeit, so ein bisschen ins Unter und Vorbewusste abzutauchen, also einmal personenabhängig. also du hast ja waskt, also spricht auch so. die Tagesform wie geht es mir heute, ist eigentlich eine Grundpräambel dafür. wo geht wahrscheinlich die Reise hin? Also ich glaube, wenn ich besonders gut drauf bin, wird unter einer intensiven Hyperventilation eher vielleicht auch positive Erinnerungen wachgerüttelt, was lustig ist.

Timo Wahl

Also, man kann ja auch ganz herzhaft lachen, Und wenn ich halt einen schlechten Tag habe und bin ein bisschen gefrustet, geht es vielleicht in eine ganz andere Richtung. Da sehe ich auf der einen Seite auch ein super Potenzial drin, auf der anderen Seite auch ich möchte es so formulieren ein hohes Maß an Verantwortung für die Personen, die das betreuen und das initiieren, Absolut. Es geht ja manchmal so ein bisschen was ab, sozusagen im Inneren Oder kann.

Ann Sophie Briest

Also in meiner Erfahrung auch diese Räume zu öffnen und zu halten, ja, da geht richtig was ab, Wie du auch gesagt hast. manchmal fühlt es sich fast so an, wie Öl ins Feuer zu gießen, eben einen schon vorhandenen Zustand zu verstärken, mit dem Wunsch oder auch dem Potenzial natürlich etwas, was primär vielleicht mal jenseits des Radars abgelaufen ist, dann durch die.

Ann Sophie Briest

Verstärkung überhaupt erst ins Bewusstsein zu führen und damit natürlich auch Möglichkeit zu geben, vielleicht auch eine Neubewertung, eine Re-Evaluation vorzunehmen und entsprechende Anteile vielleicht auch anders zu mir nehmen zu können, zu integrieren. Also, ich arbeite damit ja auch wirklich in einem therapeutischen Kontext sowohl jetzt in der Gruppe, teilweise auch im Einzel Und bin sehr interessiert eben an dieser Verstärkung, wenn sie denn gut gehalten ist, weil sie häufig eben die Dinge ins Bewusstsein trägt.

Timo Wahl

Ja, Absolut, und bevor das stattfindet, bist du ja erstmal im Un und Unter und Vorbewussten. Also ich mache so Sessions auch. Ich komme gerade von einem Betrieb, wo ich zehn Tage so gearbeitet habe, wobei ich nicht zehn Tage in die Richtung gearbeitet habe, sondern ganz viel wenn man wahrscheinlich im Verlauf des Gesprächs irgendwie automatisch drauf kommt ganz viel an Resilienzfaktoren arbeite, um die Personen, die was erleben und durchleben, überhaupt zu stärken, und ich muss die Person ganz langsam in die Erfahrung ranführen, damit die A wissen, naja, das ist nicht schlimm, und B vor allem wissen, sie können das steuern.

Die Verantwortung beim Atemerlebnis

Timo Wahl

Also du, kannst ja, wenn du dich langsam rantastest, kannst du ja selbst bestimmen als teilnehmende Person, wie weit möchtest du gehen, und kannst dann selbstbestimmt wieder runterregeln. Jetzt muss ich natürlich auch mal so ganz ich habe ja auch so meine Vorbehalte gegenüber gewissen Dingen, und ich habe zum Beispiel schon auf Messen Breathwork Sessions erlebt in der Öffentlichkeit. Also da stelle ich mir schon mal die Frage brauche ich da Zuschauer? Für mich ganz klar nein. Und dann waren das Sessions, die mit Menschen abgehalten wurden, die überhaupt nicht wussten, worauf sie sich einließen, die gar nicht gebrieft waren, bei denen auch nicht abgeklopft wurde. Es gibt ja doch ein paar Kontraindikationen, wo ich jetzt ganz klar sage würde don't do.

Timo Wahl

It ist vielleicht nicht die beste Idee, das wurde auch nicht gemacht, und insofern finde ich, ist da eine große Verantwortlichkeit drin, und ich glaube, wenn man so arbeiten möchte bietet die Gelegenheit ist ja da dann tut man gut daran, sich da ganz langsam ranzutasten, damit die Personen in diesem Setting trotzdem noch einen sicheren Rahmen erkennen und auch lernen, sich selbst nicht zu weit da reinzuatmen, weil das ist ganz leicht, leute in Ekstase atmen zu lassen, tränen überströmend und komplett in sonst welchen inneren Untiefen. Aber die Frage ist wie viel kann ich noch begleiten, wie viel kann ich betreuen? Und wenn ich als einzelne Lehrperson ich sage es mal Lehrperson, als Initiator oder Initiatorin 20 Leute im Breathwork habe, und mir fliegen drei aus. Ich habe halt immer nur ein One-to-One. Also das sind alles so Sachen. Ich finde das eine tolle Sache Jetzt hat sich das so ein bisschen selbst entwickelt, mein Gedankengang aber es birgt auch ein gewisses Risiko.

Timo Wahl

Insofern glaube ich, um anzuschließen an dem, was du gesagt hast, ich mag es, diesen kleinen Ausflug ins Un und Vorbewusste zu nehmen, um danach erstmal festzustellen, man kann sich dem langsam annähern, man muss nicht immer gleich tief, und man kann es selbst dosieren, und danach kommt ja immer eine Art der Reflexionsarbeit, kommt ja immer eine Art der Reflexionsarbeit.

Ann Sophie Briest

Ich danke dir sehr auch für dein Abbiegen. Das hat in mir gerade einen ganz wichtigen Punkt berührt, den ich auch mit verschiedenen Aspekten beim Breathwork ist es definitiv so beobachte, nämlich dieser vielleicht auch von mir wahrgenommene Hype rund um die Technik selber. Also als wäre es jetzt so besonders du hast gesagt, ich kann da Leute ohne Probleme in die Ekstase atmen lassen oder eben dieser kathartische Ansatz sagen oh wow, jetzt muss das alles raus.

Timo Wahl

Ja, und dann Genau.

Ann Sophie Briest

Dann beginnt doch eigentlich die Arbeit.

Timo Wahl

Absolut Die.

Ann Sophie Briest

Intention dahinter wirklich ganz klar zu formulieren, und was du sagst. Auf Messen ohne Briefing und mit Zuschauern, da sträubt sich bei mir alles. Also das ist nicht nur gefährlich, das finde ich auch wirklich unethisch. Diese Verantwortung in dem Sinne nicht, vielleicht sogar ein Stück weit nicht wahrzunehmen, oder wenn ich sie wahrnehme, außer Acht zu lassen, geht für mich tatsächlich gar nicht. Und da zu sehen, es ist eine unglaubliche Kraft, da steckt ein unglaubliches Potenzial. Aber die Frage ist nicht geht da was, sondern was mache ich, wenn sich die Dinge zeigen, und in welchem Rahmen und mit welcher Begleitung?

Timo Wahl

geht es dann weiter?

Ann Sophie Briest

Und auch da die Gruppengröße, die du angesprochen hast, ist sicherlich nur ein Aspekt, der das Ganze sicher machen kann, keine Garantie dafür. Was sind für dich denn weitere? wenn wir jetzt den Begriff der Sicherheit nochmal rausgreifen worauf achtest du, was ist dir wichtig, worauf können vielleicht auch Zuhörerinnen und Zuhörer achten? was macht für dich diesen sicheren Rahmen auch mit aus?

Timo Wahl

Ich möchte mal da anfangen der sichere Rahmen kommt ja, der kommt ja aus der Erfahrung, und die ursprünglichen Arten und Techniken, die wir benutzen, könnte man sagen, kommen aus dem Yoga und aus vielen Traditionen. Die gibt es ja nicht nur im Yoga. Im Yoga wäre es am ehesten Bastrika oder alles, was Richtung Bastrika geht. Aber der erste, der das in so einem therapeutischen Setting ja wirklich benutzt hat, war Stanislav Krov Genau, der das sogenannte Holotropa-Abben entwickelt hat. Das muss man dem Mann natürlich auch zugestehen. Er wusste, was er tat. Das gibt es ja noch.

Timo Wahl

Der arbeitet ja heute immer noch mit seiner Frau zusammen, und der hat das als Psychotherapeut nach dem Verbot von LSD5, also ein LSD-Derivat, was früher in der Psychotherapie eingesetzt wurde, um halt einfach in Bewusstseinszuständen, auch in Erinnerungsbereiche vordringen zu können, die man auf einer rein sprachbezogenen Ebene halt einfach nicht findet. Also hat man psychoaktive Substanzen genutzt. Das war dann nicht immer für alle Therapeuten offenkundig haltbar, und deshalb hat man das irgendwann abgesetzt. Also, irgendwann gab es das Verbot, und Grof hat ja dann selbst gesucht nach Alternativen und hat dann dieses Holotropa-Apen entwickelt. Und ein grundlegender Parameter, den ich ganz wichtig finde, ist er hat ja selbst immer postuliert A, die Personen brauchen Vorgespräch.

Timo Wahl

Richtig, der gehört da einfach nicht rein. Das ist das falsche Setting. Du brauchst gewisse Resilienzfaktoren, brauchst ein gewisses Maß an Sicherheit, um so weit gehen zu können. Das eine, das zweite er hat das in einem Gruppenkontext gemacht, in einem Raum, der nur die Leute und die da mit an Bord gewesenen Betreuer Betreuerinnen hielt, also keine öffentliche Veranstaltung, und jede Person, die daran teilnahm, hatte über die komplette Dauer. Und jetzt muss ich mal sagen, wie lange so eine Dauer dauert bis vier Stunden und mehr eine.

Sicherer Rahmen für Breathwork-Sitzungen

Timo Wahl

One-to-One-Betreuung, das heißt, die ist mit bis auf die Toilette gegangen, um die Person nicht allein zu lassen, und der Job dieses Betreuers besteht ausschließlich darin, sicherheit zu geben. Die Person braucht irgendwas, du drängst dich nicht auf, aber die will deine Hand, du gibst die Hand. Die will was zu trinken, du gibst was zu trinken. Die braucht eine Decke, du gibst eine Decke. Und in einem solchen Setting plus der Anwesenheit mindestens zweier erfahrene Therapeuten oder Psychologen geht dann so ein Setting, und was Grof immer gesagt hat, waren A zwei Dinge, und die finde ich also, das einige beherzige ich, weil du hast gesagt was ist dein Setting?

Timo Wahl

wenn ich sowas mache, führe ich die Leute langsam ran, und ich gucke mir die Leute innerhalb zum Beispiel eines Retweets an. Wie reagieren die auf kleinere, kürzere Einheiten von fünf, sechs Minuten, maximal, gar nicht mehr. Und dann sehe ich, was passiert in denen. Was verändert sich mimisch? Was verändert sich? Können die den Atem noch regulieren, oder gibt sich eine Eigendynamik, die ich dann mit Worten, kann ich die mit Worten noch erreichen? Oh, die ich dann mit Worten, kann ich die mit Worten noch erreichen? Oh, da muss ich Hand anlegen. An wie viele Personen kann ich eine Hand legen? Meistens nur an eine. Wirklich, du kannst, auch wenn du zwei Hände hast, nur eine Person betreuen weil du kannst nicht zu zwei unterschiedlichen Personen ein Rapport aufbauen, richtig So.

Timo Wahl

Also das sind Sättigs, die musst du, finde ich, beherzigen. Und dann das Zweite ist natürlich Grof hat nie, nie, nie nie eine Atemtechnik vorgegeben.

Timo Wahl

Nie ein Tempo. Das heißt, die Grundbedingung war vertiefe den Atem, ohne Technik. Ohne Technik, damit die Leute gar nicht im Denken sind, aber auch, damit sie sich nicht gebunden fühlen, irgendeinem Zwang unterliegen, ein gewisses Tempo Und damit eine gewisse Intensität gehen zu müssen, die vielleicht weit außerhalb ihres Rahmens liegt, und damit können sie sich immer selbst einfangen. Und das dritte Wichtige ist der Prozess leitet sich immer selbst aus. Das heißt, du als Atmende, du gibst die Taktung und die Länge und die Dauer vor. Und das ist eigentlich für mich das Entscheidende, wenn ich weiß, so was beginnt.

Timo Wahl

Ich sage mal, nach 20 Minuten kriegt es gerne mal so eine Eigendynamik, und wenn das dann nach 20 Minuten vorbei ist, gut. Es gibt aber Leute, die atmen 2,5 und 3 Stunden in verschiedenen Phasen, wieder vertiefend, wieder abschwächend, dann lachen, die dann heulen, die dann schreien, die dann zittern, die, es kann ja alles passieren. Und solange die Person, die das durchlebt, sich nicht selbst sozusagen entlässt, gibt es auch keinen Grund zu sagen I'm sorry, breathwork-lektion für heute ist zu Ende, wir sehen uns morgen. Und nur wenn die auf diese Weise diese eigentlich ihre eigene Veranstaltung dann sozusagen auch sagen okay, ich fühle mich safe, ich kann allein sein, verlassen, dann kommt der zweite Teil der Arbeit, dann kommt irgendeine Form von ich mache meistens expressives Schreiben oder sowas, zeichnen, gestalttherapie, was auch immer Du musst irgendwas machen, was direkt aus deinem Unterbewusstsein heraus in irgendeine gestalterische Form führt. Du kannst es auch in speziellen von Monologen machen.

Timo Wahl

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, und das drückt quasi aus, was in dem Moment bei dir ist, und das geht so schnell, dass du halt intellektuell nicht überprüfen kannst, ob das einen Sinn ergibt, sondern du haust einfach raus, und danach hast du Pause, ruhe, und danach hast du immer die Möglichkeit für ein Gespräch, so, und am nächsten Tag, wenn du über eine Rehm-Schlafphase verarbeitet hast, kommt dann die Zuordnung, und dann sprichst du darüber. Und das sind Dinge, die vermisse ich im Breathwork, ja, die vermisse ich in Breathwork, die sind da en gros. Ich will jetzt damit bitte für alle, die zuhören, nicht unterstellen, dass die Leute das nicht tun würden, aber es ist durch den Begriff Breathwork zumindest nicht gesichert, dass das stattfindet, und da sehe ich für mich eine Gefahr drin. Du sagtest eben unethisch. Das finde ich verantwortungslos und damit dem Unethischen nicht gerade widersprechen.

Ann Sophie Briest

Ja, danke dir für diese Ausführung Für den langen Monolog Nein das machst du jetzt gerade draus.

Ann Sophie Briest

Also, wir kennen ja beide die Herausforderungen, die damit auch allein organisatorisch einhergehen, die damit auch allein organisatorisch einhergehen. Also, wenn ich das selbstkritisch für mich mal reflektiere, dieses nach hinten raus Offene Auch Stanislav Grof hat ja in seinem Set, also in seinem Rahmen, teilweise bis zu 300 Leute da parallel atmen lassen, jeweils mit Beisitzer, beisitzerin, wie du es eben aufgeführt hast. Das waren ja wahnsinnige Veranstaltungen mit entsprechender Gruppendynamik. Und da zu sagen ja, leute, dann das leitet sich von selbst aus, dann auch aus, und ihr habt hier keinen Stress, und ihr könnt hier in dem Raum nochmal irgendwie auch Körperarbeit machen, wenn es noch was braucht. In dem Raum könnt ihr eure Mandalas zeichnen oder einfach Entspannung machen. Das ist natürlich etwas nein, nicht natürlich.

Ann Sophie Briest

Ich merke, wenn ich das anbiete, komme ich da sozusagen logistisch an meine Grenzen, ja zu sagen, wir fangen mal alle gemeinsam an. Aber wenn ich auch zum Beispiel das Ganze musikalisch begleite, was ja auch ein Kernaspekt ist, über den ich auch sehr stark natürlich emotional auch transportieren kann, wie mache ich das denn? Mache ich dann einfach irgendwann Pause, lasse ich dann die Musik ruhiger werden und führe die Leute darüber auch schon in so was wie eine angedachte Entspannungsphase? Also das wirklich, wie du sagst, in dieser individualisierten Herangehensweise wirklich offen zu lassen.

Ann Sophie Briest

Das, merke ich, fällt mir auch schwer. Also ich habe da schon einen zeitlichen Rahmen, und vielleicht ist es dann für den Großteil der Teilnehmenden gerade stimmig, und für einige wird es immer zu kurz, und für einige ist es vielleicht auch gefühlt zu lang. Immer zu kurz, und für einige ist es vielleicht auch gefühlt zu lang. Das ist auf jeden Fall, was aus meiner eigenen Umsetzung, wo ich merke, das wirklich zu ermöglichen bräuchte mehr, bräuchte hinten raus. Zeit braucht sicherlich auch, wie du es gesagt hast, eher einen Retreat-Kontext als eben noch mal kurz nach Feierabend, noch mal kurz zum Breathwork rüber.

Ann Sophie Briest

Also auch so, dieses Konsumieren vom Breathwork ist in dem Sinne ja gar nicht gedacht.

Timo Wahl

Ich glaube, dass das Schwierige daran ist, dass in der oh jetzt werden mich einige vielleicht ganz, ganz doof finden, aber ich nenne mal diesen Bereich, in dem ich seit über 25 Jahren professionell unterwegs bin, nenne ich mal ganz despektierlich Yoga-Bubble über 25 Jahren professionell unterwegs bin, nenne ich mal ganz despektierlich Yoga-Bubble. Wir haben in diesem Yoga-Kontext leider auch ich glaube, wir haben zwei Extreme. Wir haben die einen, die alles nur und ich meine mit nur ausschließlich auf evidenzbasierte, evaluierbare Beine stellen wollen, die also alles über den Verstand regeln und nichts glauben, was sie nicht herleiten können. Ich glaube, die können so viel Erfahrung machen, wie sie wollen, Die lässt das kalt, Die werden die wegflügeln, Die blenden die aus, Keine Ahnung. Und dann gibt es aber die anderen, die sich die Sachen Ich bin selbst ein guter Reframer, Ich kann mir Dinge gut in einen neuen Rahmen rücken und sagen keine Ahnung, die Situation, die war jetzt nicht perfekt für mich, aber die bietet ja auch das und das.

Timo Wahl

Aber manchmal führt das schon nicht so weit. Dann reden wir uns das alles so schön, und ich glaube, das hat so ein bisschen dazu geführt. Wir kennen, glaube ich, alle so dieses lass da mal los, nimm das mal an, alles ist gut. Also, wenn ich mir die Welt angucke, ich finde nicht immer alles so gut. Und wenn ich die Yoga-Philosophie für mich so, wie ich sie verstehe, leben möchte, heißt das, es ist nicht die Philosophie, die andere Wange hinzuhalten und alles auszuhalten und zu ertragen, sondern zu versuchen, einzustehen für einen Weg des kollektiv geringstmöglichen Leids. War jetzt vielleicht ein bisschen sehr buddhistisch interpretiert, aber so ist für mich die Yoga-Philosophie Versuche, das zu tun, was für das Kollektiv gesehen wahrscheinlich nach deinem guten Abwägen das geringste Leid in sich birgt. Das hat aber irgendwie so ein bisschen zur Folge, dass das so ein bisschen manchmal durch so eine rosa-rote Brille gesehen wird. Und worauf ich hinaus möchte es gibt die Tendenz bei uns zu sagen cool, da kriege ich irgendwie so eine abgefahrene, ich möchte nicht sagen esoterische, eine spirituelle Erfahrung, was auch immer das sein soll.

Timo Wahl

Also sprich, viele sind auf der Suche nach Erfahrungen, die logischerweise, wie man es auch mit psychoaktiven Substanzen wahrscheinlich macht. Da bin ich jetzt raus, weil ich da definitiv keine Historie mit habe, aber man möchte natürlich gerne hinter die Dinge gucken. Man möchte die Wahrheit sehen Das ist im Yoga so schön, wie die ja heißt. Man möchte sehen, was ist denn eigentlich so der Kern und der Sinn hinter allem? Und ich glaube, dass auf dieser Suche manchmal so ein bisschen auch die Die Ratio und der Verstand, der als einzige Instanz darüber entscheiden kann wie gehe ich denn mit den gemachten Erfahrungen um im Alltag?

Timo Wahl

Ich brauche ja die Ratio, dass die Ratio dadurch bei manchen Leuten so stark in den Hintergrund gedrückt wird, als wäre die jetzt gar nichtsendenz, dass Leute sehr, sehr leichtgläubig so einem Leitwolf hinterherlaufen, der sagt guck mal, ich habe hier was ganz Abgefahrenes, du kriegst hier eine DMT-Ausschüttung, das ist alles überhaupt nicht irgendeine Releasing-Hormone, eine Hypophyse ist überhaupt nicht evaluierbar. Und dann machen die irgendwas mit, was unter Umständen auch ein Risiko birgt, nur um irgendeine Erfahrung zu machen. Und meine Erfahrung sagt mit diesen Techniken, dass man da auch ganz gut mal abdriften und hängenbleiben kann.

Timo Wahl

Ja, Und das ist für mich echt so ein bisschen so ein Problem an dieser man möchte was Besonderes, man möchte vielleicht aus dem Gewohnten raus, und ich glaube, dann hinterfragt man vielleicht nicht immer die Sinnhaftigkeit oder die Zweckgebundenheit dessen, was man tut, sondern will es nur nicht knallen lassen, sondern das Motto wir brauchen keine Pilze, wir haben ja den Atem. Und ich möchte mich halt nicht in einen Rausch atmen, sondern ich möchte eine Erfahrung machen, mit der ich letzten Endes in meinem Leben was anfangen kann, und mich nicht weghauen und wegbeamen.

Ann Sophie Briest

Absolut Schön, dass du das ansprichst. Ich glaube, für mich stellt sich auch immer wieder persönlich in meiner eigenen Intention die Frage, wie du es eben ja auch umrissen hast Möchte ich eine Erfahrung machen, oder möchte ich was lernen über mich und das Leben? Also, das sind für mich Dinge, die grundsätzlich auch zusammengehen können, aber eben auch sehr separat gesehen werden können. Also diese Notwendigkeit für Integration, wie du es ja eben auch erzählt hast, dieses okay, dann gehe ich erstmal in den Ausdruck, ich schreibe, ich zeichne, ich male, was auch immer, und dann einen Tag später schaue ich mir das Ganze an, gebe dem sozusagen wieder Struktur, ordne das in mein vorhandenes kognitives Konstrukt, irgendwie ein sehr stark diesen.

Breathwork vs. traditionelles Pranayama

Ann Sophie Briest

Was bedeutet das für mich? Was habe ich jetzt daraus mitnehmen können? Was verändert sich in mir aufgrund dieser Erfahrung Und hat weniger? dieses Anhaften an dem Kick oder an dem Wumms oder was auch immer? Und da sehe ich ich glaube, das hat es immer schon gegeben diesen Wunsch nach irgendwelchen Peak-States oder einfach sehr starken, spürbaren Erfahrungen, Und sicherlich in einer Welt, in der die meisten Menschen tendenziell eher über eine Überreizung klagen da kann ich mich auch anschließen braucht es halt jetzt mal richtig Wumms, um allein in dem Kontrast sozusagen noch ein starkes Spüren auszulösen. Also da sehe ich auch so eine Eskalation einfach durch unseren beschleunigten, reizüberfluteten Lebensstil, wo natürlich das Gefahrenpotenzial oder eben die Möglichkeit, es auch nicht ordentlich zu integrieren, anteilig natürlich mitwächst, Wenn ich immer noch einen oben drauf geben muss, damit ich was spüre. Klar, das hat auch seinen Preis, sicherlich. Ja, die Tendenz sehe ich auch, auf jeden Fall.

Timo Wahl

Das Anachtern an den Kick. das war eine gute Formulierung, die eigentlich das gut zusammenführt, was ich meinte In meiner etwas länger gestalteten Ausführung.

Ann Sophie Briest

Na, weißt du, ich sehe das ganz pragmatisch. Wenn ich das anbiete, gibt es immer die Möglichkeit für ein Nachgespräch. Das ist aber nicht in der Session und auch allein materiell, das ist nicht im Preis abgebildet, sondern man kann dann mit mir im Anschluss eben dieses Nachgespräch buchen. Ich halte mir danach Zeit, sodass es auch eben nicht drei Wochen später ist, sondern dann ein Tag, zwei Tage später, wie auch immer. Also, das ist auch eine Infrastruktur, die ich so ermöglichen möchte.

Ann Sophie Briest

Was glaubst du, wie viele Leute das dann tun? Die wenigsten Also. Die kommen alle sehr gerne ins Breathwork und kommen auch gerne regelmäßig und wieder. Aber dann zu sagen, ich schaue es mir hinterher nochmal an, und wir reden nochmal drüber und ordnen das ein oder geben dem auch, oder welche Konsequenzen möchte ich daraus auch mitnehmen? welche vielleicht auch dann ja, verhaltensänderung, das klingt jetzt so verhaltenstherapeutisch, darum geht es mir nicht. Aber einfach ein Anschauen des Materials, ein Spiegeln, das ist etwas, wo die Leute sagen klasse, dass du das anbietest und buchen, tun sie es trotzdem nicht, wegen Geld, wegen Zeit und vielleicht auch einfach die innere Haltung im Sinne von ja, passt schon, war doch gut, jetzt brauche ich das nicht mehr Und da ja, vielleicht darf ich da auch in Zukunft oder möchte ich auch in Zukunft gar nicht mehr das optional machen, sondern das wirklich als ein Paket anbieten.

Timo Wahl

Ja, hatte ich für eine gute Idee.

Ann Sophie Briest

Definitiv.

Timo Wahl

Du sprichst gerade einen Aspekt an, der mich auf eine Idee bringt, die ich immer merke, aber jetzt im Zugangssprich noch nicht formuliert habe. Ich glaube, dass so ein bisschen die Irrmeinung manchmal herrscht, man könne mit dem Breathwork irgendwas machen, zack, und dann wäre es weg. Also, ich glaube, man muss an der Stelle mich wirklich daran erinnern, was wir jetzt beide schon gesagt haben. Du machst eine Erfahrung, die ich übersetze es mal nicht begrenzt wird, nicht eingeengt wird und nicht korrigiert wird durch dein rationales Denken, also durch dein Bewusstes Sondern, sich auf der Ebene des Unter und Vorbewussten bewegt, und dieses Unterbewusste kennt halt einfach keine Grenzen.

Timo Wahl

Also ein Beispiel vielleicht für Hörer und Hörerinnen Wir haben manchmal Gedanken, bei denen wir uns sozusagen erwischen in Anführungszeichen sagen das darf ich nicht denken, das denkt man nicht, das ist böse. Dann kommt sofort dieser regulierende Geist, und dann drückt das es weg, zeigt aber ja, dass diese Gedanken und diese inneren Abzweigungen in unserem Kopf offenkundig da sind, sonst hätte ich es ja nicht gedacht. Und sobald diese regulierende Instanz bewusstes Denken einsetzt, kann sich quasi dieser Prozess, der sich unten abspielen könnte, nicht mehr weiter ungehindert entfalten, weil er ja quasi von oben dirigiert wird. Und der Prozess ist aber natürlich jetzt nur insofern nützlich, ab und zu entstaut sich da was, keine Frage, wir kommen mal an Emotionen dran, die dürfen mal raus. Gut, sehr befreiend. Aber damit ist es ja nicht weg. Und insofern braucht es immer, wenn jetzt sozusagen, wenn ich aus der Primäremotion erstmal draußen bin, spätestens am nächsten Tag die nüchterne Betrachtung, das Aufgeschriebenen, das Erlebten, um überlegen zu können okay, was war denn jetzt da gestern?

Timo Wahl

Und wenn das gestern war, dann sind es ja offenkundig innere Anteile, die in mir noch aktiv sind und mich deshalb auch dirigieren in meinem Verhalten, also die mein Leben von innen heraus bestimmen, auf eine Ebene, der ich mir nicht immer bewusst bin. Und nur wenn ich das erkenne und mein Verstand versteht, ah, da ist das und das. Nur dann kann die einzige Instanz, das kann nämlich der Verstand, eine Absicht sozusagen formulieren wie möchte ich denn in Zukunft mit diesem Thema umgehen? Und dann würde ich merken, dass es ohnehin nochmal ich möchte mal sagen, traditionell, wenn man bei grob von der Tradition sprechen kann per se nochmal am nächsten und übernächsten Tag aufgegriffen wird. Man ist ja auch mit der Bearbeitung dieses einen Themas nicht fertig.

Timo Wahl

Also, man macht eine Breathwork-Session an einem Tag, da macht man vielleicht ein bisschen irgendeine gestalttherapeutische, expressive Arbeit, was auch immer, um das quasi auf Papier dann in irgendeine Form zu bringen. Dann wird die Nacht drüber geschlafen, die Rehmschlafphase ordnet zu, und dann macht es ganz viel Sinn, am nächsten Tag gerade nochmal dran zu gehen, gearbeitet in Settings, und auch das ist halt sowas, was eigentlich aus dem klassischen, der Mutter des Breathworks ich sag mal, das ist vielleicht jetzt im Modernen gesehen vielleicht wirklich grob so auch ein bisschen die Idee nimmt, es wäre mit einmal nur Augen zu durch erledigt. Also, es hat halt den Aspekt der Wiederholung und vor allem den Aspekt auch des Aufarbeitens, das verstehen.

Ann Sophie Briest

Sie Absolut, timo. Wie würdest du vielleicht auch diese Grob spricht ja auch von richtig diesen transpersonellen Erfahrungen, die durch das Breathwork möglich sind Wie würdest du das auch einordnen in einem Kontext jetzt aus der yogischen Tradition, wo wir ja auch über die Yogis sprechen, ja auch über ihre erweiterten Bewusstseinszustände? Wie bringst du das so zusammen, oder was sind da deine Erfahrungen?

Timo Wahl

Ich glaube, das ist zwei Ebenen, und es hat zwei Ebenen. Es ist einmal die Ebene, über die ich spreche, jetzt hier mit dir, und dann ist es die Ebene, mit der ich nach außen ganz offiziell postulieren kann, weil da bist du ganz schnell in einem Bereich, wo du ziemlich esoterisch klingst. Ich bin ein großer, großer, großer Freund der Quantenphysik. Also, ich möchte nicht behaupten, dass ich es nur in einer Ansatzweise verstehen würde. Dazu ist, glaube ich, meine Gehirnbindung.

Ann Sophie Briest

Da fehlen mir ein paar Sehr gut, sehr wohl.

Timo Wahl

Aber ich will es so formulieren 99,5 weitere 9% sind Raum Und nur diese 0,00001% ist Masse. Und wenn wir uns angucken, dass wir die ganze Materie, alles um uns herum als Materie, als Masse empfinden und uns vergegenwärtigen, dass fast 100 Prozent eigentlich nur Raum sind Und zwischen diesen Masseteilchen nichts, also nach der Physik nichts ist, außer dem, was wir Feld nennen. Ich rede nicht von Elektronen, Protonen und Nukleonen.

Ann Sophie Briest

Also wirklich, das sind schon die Teilchen, Das ist ja Masse genauchen, das ist ja Masse Genau das ist die Masse, aber zwischen diesen Teilchen ist nichts.

Timo Wahl

Also für die, die zuhören, ein Tennisball in der Mitte eines Fußballstadions, und bei den Zuschauerrängen ist dann der nächste Tennisball, der ein bisschen kleiner ist. So ist der Abstand zwischen den Kernteilchen und den Elektronen, und die sind ja auch nicht fest. Also, das ist ja alles am Zufallsprinzip. Seit Heisenberg wissen wir da ganz viel. Aber lange Rede, kurzer Sinn. Irgendwas muss ich ja abspielen in diesem Feld, und es gibt in der Quantenphysik eine ganz, ganz coole Definition dessen, was Realität ist. Quantenphysik gibt es eine ganz, ganz coole Definition dessen, was Realität ist. Realität ist die Veränderung in einem Feld, also im Feld ohne Teilchen, also eigentlich eine Veränderung im Nichts, die von Bewusstsein wahrgenommen wird. Also, ich brauche in der Quantenphysik das bewusste Leben durch Bewusstsein, damit es Realität wird. Da bin ich eigentlich irgendwie in der Religion angekommen. So vom Denken und der Philosophie ist aber Quantenphysik So, und wenn ich das als Grundlage nehme und nehme das mal so parallel zur Yoga-Philosophie, dann ist die Idee es gibt im Yoga einen schönen Begriff von Dharma.

Timo Wahl

Dharma ist sozusagen das Nicht-Zu-Verstehende, die Gesetzmäßigkeit hinter den Dingen, die kosmologische Gesetzmäßigkeit hinter den Dingen. Wir könnten also sagen, die Gesetzmäßigkeit, die diesem Nichts, dieser Leere irgendwie trotzdem die Möglichkeit gibt, diese Teilchen da zusammenzuhalten und umeinander kreisen zu lassen. Dann gibt es in diesem Feld Kommunikation. Das heißt, die Kommunikationswege sind ja eigentlich zu fast 100 Prozent finden nicht statt. Also, die müssen ja offenkundig irgendwie nicht an Raum gebunden sein. Und jetzt komme ich zum Kern, nur um es zu erklären, dass die Leute, die zuhören, mich für einen miteinander verbunden ist Alles, und das ist nicht räumlich und auch nicht zeitlich begrenzt. Diese ganzen Koinzidenzen, die es gibt, die sind nicht an Raum und Zeit gebunden. Und ich glaube, wenn wir von Transpersonalität sprechen Grof hat ja dann Alleinheitserfahrungen, hat aber auch so Menschheitserinnerungserfahrungen und sowas, die man da machen kann, so kollektives Bewusstsein.

Ann Sophie Briest

Absolut.

Timo Wahl

Dann ist das für mich so ein Anknüpfen. Ich formuliere es vereinfacht in dem Moment, wo das Denken aus, ist das Chitta weg, chitta vritti nirodaha, so wie es in der Yoga-Philosophie heißt, habe ich durch das Ausbleiben meines rational alles überlagernen Denkens einfach Zugriff auf die Realität Und bin in dem Moment mit allem verbunden. Und ich glaube, dass, wenn solche Prozesse angestoßen werden, ich halt einfach Erfahrungen mache, die ich mir auf einer rationalen Ebene nicht erklären kann, weil ich halt irgendwie den Rest angeschlossen bin, und also das ist möglich. Ich glaube, das haben alle, die sich in diesem Bereich ein paar Jahre bewegen, irgendwann mal irgendwie erfahren. Aber ich glaube, unsere Erklärungsmodelle in der Welt, die lassen das natürlich nicht so ganz zu.

Timo Wahl

Und dann ist es immer so ein Hin und Her zwischen. Ich würde es gerne verstehen, ich würde auch nicht gerne dran glauben. Es gibt ja auch ganz viel Hoffnung und Zuversicht Und Trost, ja total, wenn man mal so hinter das Leben blickt, und auf der anderen Seite hat man natürlich Angst, es ist auf den Trost reduziert, und es gibt es dann doch nicht. Also ich glaube, es oszilliert zwischen diesen beiden.

Ann Sophie Briest

Muss es ja, weil es ja der Verstand ist, wo das auch Thema war, Klassisch im Yoga. wenn wir über Atmung sprechen oder darüber, die Lebenskraft zu lenken, sind wir natürlich in den klassischen Pranayama-Techniken. Jetzt kommt auf einmal das Breathwork daher, was sich ja auch sozusagen die Eintrittspforte Atem nimmt. Wie passen jetzt für dich diese beiden Dinge zusammen, jetzt vielleicht auch vor dem Hintergrund der Resilienz ja zusammen, Oder auch der Regulation, wenn man es mal noch allgemeiner fasst, im Vegetativum, im Nervensystem. Wo siehst du da die Ansatzpunkte, Wo siehst du da den Wert?

Timo Wahl

Ich finde, die passen super zusammen.

Atem als Schnittstelle zum Nervensystem

Timo Wahl

Wir müssen immer so ein bisschen unterscheiden zwischen was ist eine Technik für etwas jetzt speziell, und was ist ein Grundzustand. Und wenn ich mir das Pranayama anschaue, so wie ich den Weg des Pranayama verstehe und auch versuche weiterzugeben, weil er für mich so eine Logik hat und zum System Yoga passt, dann ist der erste Anknüpfspunkt, überhaupt mit Atem zu arbeiten, steuerung der Aufmerksamkeit. Also, atem ist wunderbar, er kommt und er geht, und ich muss ihn nicht künstlich erzeugen, um die Aufmerksamkeit mal zu binden. Kleinen praktischen Diskurs Für alle, die zuhören, können Sie mal die Frage stellen bestimmt meine Aufmerksamkeit, wo sie ist, oder bestimme ich, wo die Aufmerksamkeit ist? Und ich glaube, dass die allermeisten feststellen werden, dass die Aufmerksamkeit sofort den Impulsen im Außen folgt, auch wenn ich das gar nicht will. Der berühmte rosa Elefant. Denk bitte nicht dran, zack, du bist nur beim rosa Elefant. Insofern ist eine der Möglichkeiten für mich, am Anfang den Atem mal zu nutzen, aufmerksamkeit zu binden, eine stabile im Buddhismus sagt man stabiles Gewahrsein herzustellen, also eine stabile Aufmerksamkeit. Damit steigt Konzentrationsvermögen, damit steigt die Wahrscheinlichkeit, präsent zu sein im Hier und Jetzt.

Timo Wahl

Der zweite Faktor ist die Regulation des Atems. Der Atem ist die einzige Schnittstelle ins Viszerale, also ins autonome Nervensystem. Die Atemweise, wo ich atme, wie ich atme, wie häufig ich atme, wie ich atme, wie häufig ich atme, wie schnell ich atme, die Verhältnisse zwischen Einatmung, pause, Aushatmung, vor allem der Pause danach, geben ganz viel Aufschluss über meine Grundstresspegel. Die fünf Primäremotionen haben fünf verschiedene Atemmuster etc. Also der Atem spiegelt wieder, wie es mir geht.

Timo Wahl

Das heißt, wenn ich lerne, den Atem zu regulieren, lerne ich, mich auf einer Ebene zu regulieren, die mir halt rein über den denkenden Geist nicht möglich ist. Also, ich kann über den denkenden Geist fünfmal sagen hab keine Angst, aber die Angst ist präsent. Wenn ich aber das Angstmuster wegatme, weil ich es mit einem anderen Muster überschreibe, kann ich mit der Angst auf einer Ebene umgehen, wo sie funktional ist, also wo sie nicht dysfunktional und blockierend wird, weil sie zu groß ist, sondern wo sie funktional ist und mir eigentlich sagt du pass mal auf, da ist eine potenzielle Stolperquelle, guck mal, da gibt es bestimmt eine Lösung, aber lauf nicht einfach so blind geradeaus weiter, weil Angst ist ja sinnvoll. Die Frage ist wie weit steiger ich sie? Also, ich kann mich emotional regulieren.

Timo Wahl

Damit kann ich eine Grundvoraussetzung schaffen, das, was Viktor Frankl mal gesagt hat den Raum zwischen Reiz und Reaktion zu vergrößern. Also mal von diesem Ad-Hoc-Reagieren, von diesem Mechanismus, alles aus dem Autopilot zu steuern, aber der hat mich schief angeguckt, ich kriege gleich einen dicken Hals und werde gleich aggressiv. Dicken Hals und wirkt gleich aggressiv da mal rauszukommen und die Dinge im Moment zu betrachten und abzuwägen, okay, was ist wirklich wahr, was ist geschehen, und was spielt sich in meinem Inneren zusätzlich ab, was meinen Geist dazu addiert und das Ganze wieder mal traumatisiert, und das kann ich trennen. Also, ich kann viel nachhaltiger reagieren, und dann kann ich per se den Atem regulieren. Jetzt bin ich bei dem ersten Punkt. Bremst mich bitte, wenn es dir zu lang wird. Ich bin bei dem ersten Punkt.

Timo Wahl

Wenn ich mir angucke die meisten Leute sind heute überstresst, das heißt, sie haben eine viel zu hohe Atemfrequenz, weil die Atemtaktung direkt die Geschwindigkeit, wie viel Katecholamina-Schüttung habe ich, wie hoch ist meine Stresshormone? widerspiegelt, wie viel Kategorie Minusschüttung habe ich, wie hoch ist meine Stressformung, wie der spielt. Das heißt, ich habe durch diese Geschwindigkeit des Atems, der sich aus einer überstressten Situation heraus ergibt, das Problem, dass ich in meinem Körper jetzt wird es ein bisschen technisch, also einfach kurz drüber hören einfach glauben, dass es so ist die Toleranz gegenüber dem vorhandenen CO2 verschlechtert, und das bedingt wiederum, dass ich in diesem schnellen Atmen festhänge. Also ich bleibe in meinem eigenen Stress hängen. Also ist die erste Idee, den Atem zu verlängern, und das matcht hundertprozentig mit den Langaner-Atemtypen. Yoga.

Ann Sophie Briest

Also.

Timo Wahl

Langaner heißt langsam atmen, vereinfacht gesagt Ich arbeite also daran, weniger häufig atmen zu müssen, und wenn ich das nach einer Zeit gelernt habe, da bin ich in der Wechselatmung, kann ich das ziemlich lange rauszögern. Ich arbeite auf der einen Seite am Atem selbst, an der Langsamkeit, die er mir dann auch zentraler Wahl ermöglicht, also weniger Stress, mehr Ruhe, mehr Entspannung, und gleichzeitig schaffe ich Resilienzfaktoren. Wenn ich anfange, den Atem länger zu halten, komme ich immer an eine Grenze der gefühlten vitalen Bedrohung, und wenn ich das langsam mache, dann merke ich, dass auch dieses Gefühl von mir schnitzt, den Atem ab, wenn ich mir selbst den Spielraum gebe, damit zu spielen, und es kein Muss wird, den rauszuzögern und zu sagen, es ist gar keine Bedrohung. Also ich kann auch mit Angst lernen umzugehen. Und wenn ich diese Resilienzfaktoren mit der Zeit entwickelt habe und jetzt kommt ja da die Chakrenlehre dazu, die dealt mit Grundbedürfnissen, stabilität, freiheit etc Dann habe ich mit der Zeit über Atemtechniken so viel Stabilität und innere Stärke und Ruhe und Sicherheit aufgebaut, dass mir dann der Weg in die Hyperventilation frei ist.

Timo Wahl

Also dann brauche ich von hyperventilativen Techniken, und im Yoga ist es genauso beschrieben Dann kommt Bastrika, gar keine Angst mehr zu haben, weil sozusagen ich mich durch die vorangegangene Technik stabilisiert habe. Und jetzt schließt sich auch so ein bisschen der Kreis. Das ist auch genau das, was mir am Breathwork fehlt, ganzheitlich zu sagen wie sind wir Menschen aufgestellt? braucht es nicht neben diesem Cool, da ist mal eine abgefahrene Situation nicht vielmehr auch nebenher die Grundberuhigung durch Atemveränderung, durch Atemarbeit, die mir nämlich genau diese Stabilität, diese emotionale Ruhe, diese emotionale Elastizität, diese Grundruhe im Viszeralen gibt? Und deshalb widerspricht sich das überhaupt nicht, weil der Yoga-Weg, so wie ich ihn verstehe, postuliert erst in die Ruhe, dann über die Resilienz, über Sicherheitsfaktoren, dann gucken, was gibt es denn bei dir zu knacken? Das ist wie in der Psychotherapie Du lässt ja keinen in die Therapeutgefalle, der überhaupt kein Ego hat. Du baust dir erstmal Ego auf, bevor du anfängst zu kratzen. Und das ist hier genau das Gleiche.

Ann Sophie Briest

Ja, schön Danke. Und das ist hier genau das Gleiche, während die Hyperventilation stattfindet. in der Erfahrung ich kann es kontrollieren zu bleiben, habe ich auch selbst in einem psychotherapeutischen Kontext. selbst bei psychiatrischen Erkrankungen, wie zum Beispiel Angststörung, habe ich ein völlig anderes Outcome. Also das weiß ich noch, als ich meine Yogatherapie-Ausbildung gemacht habe, das ging da 2013 los. da habe ich noch, als ich meine Yoga-Therapie-Ausbildung gemacht habe, das ging da 2013 los. da habe ich noch gelernt wenn eben eine zu hohe Grundaktivierung im Nervensystem da ist, zum Beispiel in Kombi mit einer Angststörung, dann auf gar keinen Fall wieder das Öl ins Feuer gießen, auf gar keinen Fall jetzt das System weiter hochpushen, da steckt natürlich auch wieder das Forcierte dahinter, weil das kommt nicht gut. Dann schiebe ich die Leute vielleicht sogar noch in eine Panikattacke oder was auch immer. Und da zu sehen, wenn genau das, was du erzählt hast, wenn da schon eine Art der Stabilisierung, wenn schon eine Art der Resilienz aufgebaut werden konnte Und damit geht ja auch ein Ich-kann-das-steuern, dieses Selbstwirksamkeitsprinzip geht ja damit einher dann kann ich selbst in so einem Kontext sanft nicht forciert, ich kann das noch steuern, ich habe Kontrolle. Und dann ist es eben sehr, sehr spannend, wenn wir das Regulative anschauen, dass dann im Nachhinein die damit einhergehende Entspannung viel tiefer ist als der Grundzustand davor.

Selbstwirksamkeit und Resilienz aufbauen

Ann Sophie Briest

Und eben dieses wie führe ich meinen Körper auch wieder in die Ruhe mindestens genauso wichtig ist wie die Erfahrung, wie kann ich denn meinen Körper kontrolliert hochfahren zu merken, ah wow, jetzt setze ich wieder ein mit meiner ruhigeren, langsameren Atmung und merke oh wow, der Puls geht runter, der Tonus geht ein bisschen raus, und ich führe den Körper mehr und mehr in die Ruhe. Das finde ich hochspannend, dass das mittlerweile eben sogar auch bei Erkrankungen eingesetzt wird. auf gar keinen Fall. Und wir heute wissen, der Faktor, der den Unterschied macht, ist Selbstwirksamkeit. Habe ich das Gefühl, ich steuere, oder bin ich wie so ein Käfer auf dem Rücken und bin dem Ganzen ausgesetzt? Und das ist ja nur möglich, wenn genau wie du es als ersten Schritt beschrieben hast, eben auch diese beruhigenden Verfahren schon ein Stück weit greifen und erlebbar sind.

Timo Wahl

Absolut, absolut. Und jetzt kann man noch eine Lanze brechen für all die, die vielleicht Pranayama ein bisschen klassischer sehen, weil diese ganzen Ruhe-Atem-Techniken, die wir machen nehmen wir mal klassisch die Wechselatmung bedingen ja auch, dass die Fähigkeit des ganzen Systems also wir haben zum Beispiel eine massive Veränderung der Herzratenvariabilität dass die Fähigkeit des Systems, sich auf Stress wieder schneller runterzufahren, immens wächst. Und wir haben ja in der Gesellschaft auch also wir haben ja so zwei ganz extreme Beziehungen zum Stress. Wenn ich die einen sage, ich habe keinen Stress, ich glaube, die merken ihn nicht, weil ich kenne eigentlich keinen, der ihn nicht hat Und die anderen sagen, oder die den Stress, sagen wir es mal so. Die einen sagen, sie verteufeln den Stress, und die anderen sagen, stress ist nicht so schlimm, oder sie haben keinen.

Timo Wahl

Aber da ist es ja auch eine Frage der Dosis, das ist ja das, was du gerade ansprachst. Also, wenn ich jetzt anfange, sport zu machen und mache nie Sport und gehe jetzt irgendwie mit einem 165er Puls gleich so drei, vier Stunden aufs Laufband mit einem 165er Puls, dass ich dann abends nicht schlafen kann, weil ich meinem Stress festhänge, ist normal. Aber wenn ich das langsam dosiert hochfahre, kann ich mich ja auch durch Stress lernen zu entstressen. Also wir dürfen halt auch bei all dem nie vergessen, dass alles und das ist ja ein Stück Richtung Stress, hyperventilation dass Stress immer auch eine Lernkurve des Körpers ist. Und es ist immer eine Frage wie ist der Abstand zwischen Stressoren und dem Aussetzen der Stressoren, um bei einem guten Oszillieren dadurch auch schneller wieder runterzukommen?

Timo Wahl

Und das ist ja psychologisch genau das Gleiche, wie du gerade sagtest, absolut. Also mal kurz antickern halt nicht durchziehen und merken, guck mal, geht doch Ohne halt in die Panik zu gehen, das wäre halt Quatsch. Aber meistens oder häufig gibt es dann halt auch so eine totale Vermeidungsstrategie. Also ich bin wieder bei meinem Wort oszillieren, weil es ist wirklich so Die einen sagen krasse Konfrontationstherapie, würde ich immer sagen öh, guck mal, wie weit dich du aus dem Fenster lehnen willst. Und die anderen sagen komplette Vermeidung. Und ich glaube, wir sehen, es liegt in der Mitte Trau dich ein bisschen mehr raus. Das alte Thema Komfortsumme. Trau dich ein bisschen mehr raus, guck, wie viel geht, Du wirst merken, es geht immer ein bisschen mehr.

Ann Sophie Briest

Ja, was ich gerade total klasse finde in deiner Formulierung ist ich habe so richtig das Gefühl und das nutze ich für mich auch, wie du sagst, dieses Taste dich ran, also sprich Übung. Ich finde das immer wieder spannend. Vielleicht im sportlichen Bereich ist es den meisten vertraut zu sagen vielleicht melde ich mich dann nicht direkt zum Halbmarathon an, sondern fange erst mal so ein bisschen an, den Spaziergang zu beschleunigen. Also, da ist uns das kontinuierliche Aufbauen ja eigentlich sehr vertraut, und auf anderen Ebenen ja selbst schon bei Atmung, da kann ich mir auch wieder an die eigene Nase fassen, was ich da auch für einen überhöhten Selbstanspruch ich hatte, was für einen Druck ich mir aufgebaut habe, so nach dem Motto ist doch nur Atmung, das muss ich doch jetzt können, was auch immer. Dann dieses Können wiederum bedeutet aber zu merken wow, es ist eine reine Übungssache, anker zu werfen, das ist alles Übungssache, und es, wenn ich dranbleibe und dem eben entsprechend ja die Aufmerksamkeit schenke, dann wird sich das mit der Zeit verändern.

Ann Sophie Briest

Und diese somatischen Marker, die Physiologie, eben das ist etwas, was natürlich nicht nur körperlich abläuft, sondern was ich auch psychoemotional spüre, erlebe, und da so ein bisschen diesen ja eigentlich könnten wir sagen so einen sportlichen Anteil reinzubringen, zu sagen Leute, es ist Übungssache auch, wie ich mich emotional reguliere, zum Beispiel auch mit der Unterstützung der Atmung. Das muss man aber üben. Also, man kann es üben, man muss es aber auch üben Absolut. Und das ist etwas, was mich sehr bestärkt und so ein bisschen diesem Alles-oder-Nichts-Prinzip, was ich auch von mir kenne, manchmal wohlwollend entgegenwirkt, dass ich mir denke okay, ich muss es noch nicht können, aber ich brauche jetzt auch nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern ich bleibe jetzt einfach dran und habe auch eine gewisse Nachsicht mit mir. Dass es eben auf bestimmten Ebenen erstmal Schritt für Schritt langsam losgehen darf, finde ich immer wieder ganz wichtig.

Timo Wahl

Auch mich selber nicht so ernst zu nehmen in dem Sinne, sondern zu sagen ja, ich übe jetzt einfach weiter, am besten noch im Urlaub, wo sie viel Zeit haben, und dann kommt natürlich immer das erste Leistungsplateau. Dann gehen sie wahrscheinlich am besten noch einen Job zurück. Dann merken sie oh, dann hängt es, und dann hören sie auf, und dann kommt ganz häufig ja, yoga war nichts für mich. Also, wenn du das Yoga Sutra anguckst, das steht da drin, also dieser berühmte 1.12 Abhyasa Vajragyabhyam. Aus Abhyasa beh üben und dem Gleichmut, also sprich dem Nicht-Immerwerten, war das jetzt perfekt oder nicht entsteht halt dann irgendwann diese Stille im Geist.

Timo Wahl

Und ich glaube, das ist halt ein schwieriges Ding, inzwischen genügend Anspruch zu haben, um es dir jetzt nicht einfach nur leicht zu machen. Richtig, also, es ist natürlich leicht, jeden Abend nur in Anführungszeichen, bitte nicht falsch verstehen aber nur in die Jingen-Klasse zu gehen. Ich zeichne jetzt nochmal so ein Bild und karikiere so ein bisschen, und auf der anderen Seite irgendwie jeden Abend keine Ahnung, zwei Stunden Skattelballtraining zu rennen. Also irgendwo dazwischen wird die Wahrheit liegen, und das ist halt ein gesunder Anspruch, gesund, der ist immer irgendwo in der Mitte, und ich glaube, der fällt vielen unglaublich schwer.

Ann Sophie Briest

Es ist ja auch schwer, weil auch dieser Zustand für mich zumindest ist ja auch ein dynamischer Zustand. Also in dem Moment, wo ich glaube, ich habe ihn gefunden, ist er mir gerade schon wieder entflohen, so ungefähr.

Timo Wahl

Ja, aber er entflieht ja nur. Entschuldigung, wenn ich unterbreche, aber nur aus dem Irrglauben heraus, du könntest einen Zustand ergreifen, der dann so ist. Also, du hast ja gerade das Wort Dynamik genannt, und wenn ich halt anerkenne, dass das Ding dynamisch ist, dann gibt es diesen Zustand nicht, wo ich so ach, so ist das, nee, weil heute ist es so, und mor. Richtig, wir haben gerne so feste Größen in der Hand, die gibt es halt nicht.

Ann Sophie Briest

Ja ganz genau. Also, diesem Anhaften an etwas, dem Schluss endlich den Zahn zu ziehen in dem Verständnis oh wow, es gibt ja gar nichts, was ich zu greifen habe, in dem Sinne sondern da mitzugehen.

Timo Wahl

Ich würde an der Stelle nur für alle, die zuhören, gerade nur so eine Lanze brechen fürs Yoga, weil das Yoga hat so viele Möglichkeiten. Bitte glaub nicht, wenn du das hörst per se, dass du all das, was der Yoga-Weg dir anbietet, anbieten kann, dass du das alles nehmen müsstest. Also, so viele Stunden hat der Tag nicht. Wir müssen ohnehin eine Auswahl treffen. Worauf fokussiere ich? Du kannst nicht zwei Stunden Mantras singen, zwei Stunden Japa machen, zwei Stunden meditieren, zwei Stunden Breathwork, zwei Stunden Asana, und nebenher kochst du noch vegan für dich, biologisch aus dem eigenen Garten, und sonst was Funktioniert halt nicht. Also, man muss sich ohnehin bei all dem auch immer die Frage stellen was passt vielleicht zu mir, und wie viel Zeit möchte ich dem aus dem Anspruch an mich, den ich habe, der realistisch ist, auch pro Tag geben? Richtig, da kommt man ganz gut auch an so ein Ding, dass man vielleicht nicht gleich in den Frust abdriftet, weil man merkt, geht gar nicht.

Ann Sophie Briest

Richtig, ja, und Job und Familie hast du noch gar nicht erwähnt in deiner Auflistung. Die müssen dann in den letzten zwei Minuten noch Platz finden. Ja, ganz genau. Ja, sehr schön, timo. Ich habe am Ende immer eine offene Frage, und die würde ich gerne auch dir stellen. Wir haben nicht im Vorfeld darüber gesprochen, also, wirklich ganz offen.

Timo Wahl

Oh je, ich glaube, ich habe hier Verbindungstür.

Was macht uns lebendig?

Ann Sophie Briest

Ja, ja, ja, ich höre dich ganz schlecht gerade Nein du darfst entscheiden wie du darauf eingehen möchtest. Die Frage ist ganz einfach Was macht dich lebendig? Wie verstehst du Lebendigkeit?

Timo Wahl

Ein Aspekt, der mir sofort auffällt, ist Freude. Also Freude und Freude und Sinnhaftigkeit, die sind bei mir ganz eng miteinander verknüpft, wobei Sinnhaftigkeit nicht zweckgebunden sein muss. Also Sinnhaftigkeit kann auch sein, musik zu machen, was jetzt mit dem Job nichts zu tun hat und kein Output irgendwo erzeugt. Das ist für mich aber trotzdem sinnhaft, was schön ist. Also Lebendigkeit hat ganz viel mit Freude, mit das Leben freigestalten, auch was mein Gefühl, meine Emotion, meine Intuition sagt zu tun. Das ist das eine. Das zweite ist sicherlich auch, eine Aufgabe zu haben, ganz klar. Also hätte ich diesen zauberhaften, genialen Job ist das falsche Wort? also wirklich Beruf im Sinne von Berufung.

Timo Wahl

Ich fühle mich berufen, ebenen. Es macht mich wirklich glücklich zu sehen, dass ich was tun kann, und ich meine es genauso, wie ich sage, was dazu beiträgt, dass es an und besser geht. Das klingt jetzt, als wäre ich der halbe Dalai Lama, aber es gibt ja darüber wirklich Studien, dass wir das größte Glück fühlen, wenn wir was tun können, was das Glück anderer erhöht. Und das dritte Sprich es ist Grund ganz einfach Natur. Ich brauche Natur, und ich brauche Natur um mich herum. Deshalb haben wir auch das Haus in Italien gewählt. Also ich bin auch aus Frankfurt rausgezogen nach Bad Nauern, eine kleine Kurstadt. Ich brauche einfach Natur um mich herum, um meinen Ursprung zu spüren, und den spüre ich halt nicht, umgeben vom Beton. Also meinen Ursprung. Wenn du mich irgendwo in die Pampa stellst, und ich sehe Himmel und Berge und Grün, dann nehme ich mich nicht so wichtig, weil ich bin Teil von einem größeren Ganzen, und dann bin ich automatisch lebendig.

Ann Sophie Briest

Danke dir, Timo Das war eine große Freude, wahrscheinlich. wenn jetzt gleich das Mikro ausgeht, können wir da noch Stunden dranhängen. Ich freue mich, wenn wir uns wieder sprechen egal in welchem Kontext und zu welchem Thema. Und vielen, vielen Dank für all deine inspirierenden, spannenden Worte.

Timo Wahl

Danke dir. Wir veröffentlichen den Podcast ja zusammen, aber es war eine Einladung von dir und mich. Deshalb danke für die Einladung, und ich freue mich aufs nächste Mal.

Ann Sophie Briest

Ich mich auch Danke dir.