Timo Wahl YOGA-PODCAST
Timo Wahl YOGA-PODCAST
#38 Prioritäten, Werte, Ruhe: Ein ehrlicher Check am Jahresende
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Hast Du Fragen oder Anregungen..?
Wenn Produktivität glänzt und die Seele müde ist, braucht es mehr als neue Tools: eine Rückkehr zu Werten, Intention und zweckfreier Zeit. Wir nehmen dich mit in ein ehrliches Schwellenjahr, in dem Eustress kippt, Rollenlast drückt und gute Vorsätze an der Realität scheitern. Statt noch effizienter zu werden, fragen wir, was sich durch unser Tun erfüllt – für uns, für andere und für das, was uns wirklich wichtig ist.
Wir sprechen offen über das Paradox des Unterrichtens: Wie bleibt man authentisch, wenn man selbst ringt? Warum ist Grenzen setzen Voraussetzung, um Stütze zu sein? Wir zeigen, wie Zielökonomie (messbar, terminiert) durch Zielökologie ergänzt wird: Passt das Ziel zu meinen Werten, fühlt es sich stimmig an, stärkt es Beziehungen? Aus dieser Perspektive werden Entscheidungen leichter, Projekte klarer und Kalender weniger voll. Gleichzeitig holen wir die Praxis zurück in den Mittelpunkt: weniger konsumiertes Wissen, mehr gelebte Übung, Türen schließen, damit Tiefe entstehen kann.
Ein besonderer Fokus liegt auf Neurobiologie und Kreativität: Dauernde Dopamin-Kicks blockieren Serotonin und erschweren echte Inspiration. Die Lösung ist unsexy und wirksam: bewusste Langeweile. Nach einer Schwelle von etwa 20 Minuten taucht Kreativität wieder auf. Wir erklären, wie du zweckfreie Zeit wie einen Termin schützt, woran du Überforderung erkennst, und wie du von Wohlfühlglück zu Werteglück wechselst. So wird Neuausrichtung nicht zu einer To-do-Liste, sondern zu einer Haltung: klar, freundlich, geerdet.
Lust auf mehr Gespräche in dieser Tiefe? Abonniere den Podcast, teile die Folge mit Menschen, die gerade sortieren, und schreib uns deine Themenwünsche für 2025. Welche eine Tür schließt du, damit das Richtige Platz bekommt?
Ankommen Und Jahresrückblick
SPEAKER_02Herzlich willkommen, lieber Timo.
SPEAKER_00Wir sind wieder da, lieber Ansophie, ich freue mich.
SPEAKER_02Ich freue mich auch. Und ich freue mich in diesem Rahmen, in unserem Podcast-Rahmen, um ein für uns gerade frisch geborenes Thema mit reinzubringen. Mit dem Vertrauen, dass es uns in irgendeine Richtung führen wird. Wir haben ja gerade vorgesprochen und uns ein bisschen überlegt, ja, was liegt uns momentan auch ganz aktuell und auch persönlich am Herzen. Und das würden wir jetzt ganz gerne mit dir in dieser Podcast-Folge ein wenig reflektieren.
SPEAKER_00Wunderbar.
SPEAKER_02Wo stehst du denn gerade, Timo?
Eustress Kippt: Zeit Als Endliche Ressource
SPEAKER_00Ja, genau wie du, am Ende eines Jahres und am Ende auch diesen Jahres stelle ich mir wie jedes Jahr die Frage: Was war gut? Was möchte ich weiter behalten, was möchte ich weiterentwickeln? Was hat mir vielleicht, was hat sich im Nachhinein als etwas aber auch herausgestellt oder erwiesen, was mir nicht liegt oder was mir keine Freude bereitet oder im Außen kein Sinn zu erzeugen scheint. Und wovon möchte ich mich durchaus trennen, um es mal so zu formulieren. Wie möchte ich mich aber auch generell neu ausrichten, weil manchmal ist es ja auch bei all dem, was schön ist, trotz der Schönheit in der Summe der schönen Dinge zu viel. Und das ist gerade so eins von den zentralen Themen, mit denen ich mich beschäftige, weil mir seit vielen, vielen Jahren das, was ich machen darf, unglaublich viel Freude bereitet. Und ich gleichzeitig merke, naja, ich bin aber auch trotz aller vorhandener Tools zur Entschleunigung, am Ende des Tages und damit am Ende von 365 Tagen manchmal energetisch dann leerer als mir lieb ist, um ehrlich zu sein. Und dann muss man sich natürlich die Frage stellen, was machen wir vielleicht wie im nächsten Zyklus.
Schwellenjahr: Zwischen Idee Und Umsetzung
SPEAKER_02Ja, also als wir eben sprachen, hat mich das schon sehr berührt, weil das absolut auch Fragen sind und auch ein Thema ist, was sich auf verschiedenen Ebenen auch in meinem Leben immer wieder zeigt. Und dieser ja so groß benannte, wunderbare Eustress eben auch dann irgendwann in mir zumindest anfängt zu kippen. Und irgendwann ist zu viel einfach zu viel oder ist viel dann zu viel. Und zu merken, dass das Zeit absolut eine endliche Ressource ist und mich da über auch Begeisterung und verschiedene Möglichkeiten letztlich ja immer wieder auffordert, auch zu sagen, okay, wo gebe ich jetzt, wo setze ich die Prioritäten, wo gebe ich mich rein, wie viel Zeit möchte ich aber auch vielleicht gezielt frei lassen. Das ist für mich tatsächlich ein riesiges Thema. Also in dieser Reflexion, wie war das letzte Jahr, wie war dieses Wahnsinnige für mich so zwischen den Stühlen Jahr 2025, ich habe so das Gefühl, es sind ganz viele Dinge in Bewegung und ich habe auch schon ein Gefühl dazu, aber es ist noch nicht in der absoluten Umsetzung. Also ich wurde ganz häufig auch gefragt, so, und was steht an und was bewegt dich gerade? Und meistens musste ich darauf völlig schwammig antworten und sagen: so, ja, also ich habe da so eine Idee, aber ich habe auch den Eindruck, es ist noch nicht ganz so weit. Und ich habe so das Gefühl, für mich ist das ganze Jahr so ein bisschen wie so ein Schwellenjahr. Und ich weiß noch nicht genau, wo verschiedene Projekte hingehen, ich weiß noch nicht genau, wo verschiedene Beziehungen hingehen, wo verschiedene Interessen hingehen. Und das ein Stück weit auszuhalten, ist für mich gar nicht so einfach, weil ich sehr gerne, wenn ich eine Idee habe und merke, wow, das begeistert mich, gehe ich sehr, sehr gerne auch in die konkrete Umsetzung. Und da auch zu merken, wow, ich habe mich da an einigen Punkten vielleicht auch ein Stück weit übernommen und dann mit sehr viel Nachdruck versucht, etwas so aus dem Boden zu stampfen, wo ich merke, so, wow, das ist eigentlich ein wunderbares Lernfeld für mich, auch wieder ein Stück weit loszulassen und zu merken, okay, vielleicht ist es jetzt gerade noch nicht so weit und es geht einfach noch einen Moment und das ist auch okay. Da habe ich auch gemerkt, dass neben den Prioritäten und den Dingen, die mir wichtig sind, auch immer wieder dieses, wo beiße ich mich fest, ein Stück weit, in einem guten Sinne. Und wo ist ja aber auch der Yoga-Weg ein Weg, der mich immer wieder einlädt und auch lehrt, dass dann wieder im Loslassen und in dieser Hingabe ja eigentlich die Präsenz reinkommt. Und ich merke schon, dass ich viel auch dann mit irgendwelchen Planungen und Zukunftsthemen häufig da sitze und denke mir, okay, das war jetzt ein Meditationsversuch, prima. Aber wo genau war ich jetzt eigentlich gerade? Das sind ja dann auch die Spiegel, die eigene Praxis oder auch Grupperfahrungen, wo ich merke, wow, gefällt mir, ich bin auch gerade in einem Aktivitätslevel, was es mir gar nicht so leicht macht, dann wirklich da zu sein, verbunden zu sein, präsent zu sein, im Körper zu sein. Und eigentlich genau das, was ich die ganze Zeit unterrichte, eben ja aber auch in mir nicht immer gleich gut und gleich zuverlässig funktioniert, sondern dann natürlich auch meine Themen immer wieder kommen. Ja.
Authentizität Trotz Unperfektion Im Lehren
SPEAKER_00Das ist ja so ein Punkt, den du gerade anspringst, dass es in uns, die wir doch uns zu denjenigen zählen, die gewisse Dinge propagieren, scheinbar auch nicht immer so gut funktioniert. Klar, weil wir Menschen sind, weil wir auch uns übernehmen und uns verschätzen oder Fehler machen, wie auch immer. Auch gewissen Leidenschaften unterliegen und sagen, boah, ich will das aber jetzt noch machen, weil das ist cool. Passiert uns ja auch, glaube ich. Also mir passiert das, definitiv. Und ich erlebe ganz viele, vielleicht für alle Lehrer, Lehrerinnen, die uns zu irgend ich erlebe, immer wieder auch sehr mehr nahestehende Menschen, die den gleichen Beruf ausüben, die dann so ein bisschen beginnen, an sich zu zweifeln hinsichtlich ihrer Authentizität als Lehrer, Lehrerin, wenn sie sagen, naja, wenn ich das schon nicht so hundertprozentig kann, wie ich das propagiere, wie kann ich mich denn dann anschicken, das überhaupt noch zu propagieren? Und ich finde, es gibt ja, es gibt ja so diese, diese, diese, ich weiß nicht, ob das eine echte Annahme ist, aber es ist so ein stehendes Konzept, was ich kenne, dass die besten Psychologen immer die sind, die selbst irgendwie ein Problem haben. Und ich glaube da auch wirklich dran. Also weil nur weil man es selbst jetzt nicht hundertprozentig hinbekommt, muss es ja nicht bedeuten, dass man ein schlechterer Lehrer, Lehrerin wäre. Ich glaube manchmal sogar im Gegenteil. Gerade wenn uns Probleme beißen, Alltagsprobleme haben wir, glaube ich, einen viel besseren Zugang zu anderen, weil die eine ähnliche Verständnisgrundlage vorliegt und tun es auch mit der Empathie für andere vielleicht. Aber ich weiß, dass genau dieser letzte Punkt manchmal so ein Punkt ist, an dem wir ganz gerne scheitern, weil wir natürlich es für uns auch immer ideal haben wollen. Ich merke zum Beispiel bei mir, das mag man mir jetzt glauben oder nicht, aber ich sehe den Yoga ja als den Weg nach innen und nach außen. Also ich glaube, das sehen wir alle so, aber ich versuche den wirklich auch so zu leben. Auf der einen Seite ist es Rückzug, sich mit den eigenen Themen zu beschäftigen, präsent zu sein oder immer mal wieder, das berühmte Wort Achtsamkeit. Gleichzeitig aber auch aus dieser Klarheit, die vielleicht daraus erwächst, sich immer wieder die Frage zu beantworten, nicht, was ist das Beste, was ich jetzt nur für mich tun kann, also aus dem Ego heraus, sondern was ist das Beste oder das Wichtigste, was gerade gebraucht wird innerhalb eines größeren Kontexts. Und da muss ich so ein bisschen anknüpfen, was du vorhin sagtest, eingangs. Ich interpretiere das ja immer auf meine Weise, ich lese es ja immer gleich mit meinen assoziativen Gedanken, weil du sagtest, naja, das Ja war jetzt sehr bewegt und es ist nicht immer alles so klar, wo alles hinsteuert, denke ich zum Beispiel auch aktuell so an die Diskussionen, die so gesellschaftlich stattfinden. Ob das jetzt Asylpolitik ist oder ob das generell das Thema Sicherheit, innere wie äußere ist, das Thema, jetzt hat man gerade Renten und sonst was, es wird ja unglaublich viel im Außen gerade hochgekocht, auch medial. Die Leute sind nicht gerade alle entspannt und sorgenfrei. Und da stelle ich mir okay mal die Frage, okay, wie viel muss ich jetzt vielleicht aber, wenn ich das ernst nehme, trotzdem auch aus einer Notwendigkeit heraus ab und zu mal über mein eigenes Vermögen Dinge geben zu können, rausgehen, weil es vielleicht an einer anderen Stelle mehr brennt als bei mir selbst. Und das ist eine Frage, die mich manchmal sehr unklar macht. Weil ich merke schon bei uns im Studio, ich weiß nicht, wie das bei dir ist, ich habe das erstmal ganz stark damals unter Covid gemerkt, dass wir Leuten wirklich auch einer Stütze sein können. Und um Stütze zu sein, muss man natürlich mit einer gewissen Leichtigkeit und Zuversicht irgendwie auch vorausgehen. Und deshalb stellt sich für mich manchmal die Frage, ist das sinnvoll, um eine Stütze sein zu können, sich vielleicht dann ab und zu willentlich bewusst zu übernehmen? Oder es ist doof, er wäre natürlich wissen, auf Dauer brennbar aus und ewig geht das nicht und dann bist du keine Stütze mehr.
SPEAKER_01Absolut.
Yoga-Weg: Innenarbeit Und Verantwortung
SPEAKER_02Schön, wie du das formuliert hast. Ja. Und ich glaube, in diesen, wie viel Energie gebe ich rein oder auch wie viel Energie habe ich überhaupt selber zur Verfügung, um sie dann zu geben. Da merke ich, ob wir das jetzt in Zyklen denken, wie sowas wie der weibliche hormonelle Zyklus. Aber insgesamt, ich glaube, das ist immer eine Art von Wellenbewegung. Und da finde ich zum Beispiel auch das Verständnis der ayurvedischen Medizin so schön zu sagen, okay, auch über den Tag gesehen, über die Jahreszeiten gesehen, über an sich ja auch das Leben als Ganzes haben wir immer so diese zyklischen Themen. Und es wird Momente geben, in denen sprudel ich voller Energie und bin in der Lage, gefühlt von morgens bis abends einfach zu geben oder da zu sein und mach das alles noch mit einer Leichtigkeit und einer Leidenschaft. Und sorry, dann gibt es die Tage, in denen denke ich mir, morgens ist es jetzt schlechter Scherz, dass der Wecker gerade geht. Ich muss mich eigentlich erstmal von der Nacht erholen. Also das gibt es ja auch. Und da merke ich, weißt du, weil du ja vorhin auch angesprochen hattest, so wie viel zu etwas Ja sagen, was mich berührt und was mich begeistert, ist irgendwann dann zu viel. Da merke ich auch, dass ein ganz wichtiger Punkt für mich momentan tatsächlich ist, diese freien Zeiten tatsächlich auch nicht mit Freizeit zu verplanen, um auch diese zyklischen Dinge oder diese Tagesabhängigkeiten, um denen auch ein bisschen Raum zu geben. Weil ansonsten merke ich, da habe ich sicherlich auch immer noch einen Selbstanspruch, der überhaupt nicht der Realität entspricht, erwarte ich von mir eigentlich, dass ich immer irgendwie so bei diesen 100, am besten 110 Prozent unterwegs bin. Und das finde ich schwierig. Und freie Zeit zwischendurch zu haben, ob das nur eine Stunde am Tag ist, ist, glaube ich, für mich im Moment das Thema, zu sagen, wow, das ist ein Freiheitsgrad. Dann entscheide ich mich. Ist das jetzt, bin ich jetzt in einer Verfassung, in der ich vielleicht dann sozusagen noch eine Stunde mehr in irgendetwas reingebe? Ist das eine Stunde, in der ich mich eher zurückziehe, weil wirklich jetzt ich auch nach mir und meinen Ressourcen schauen muss. Aber da merke ich, ja, laufe ich irgendwie immer noch in so ein Planungsthema, vielleicht sogar ein Stück weit. Dass ich jetzt selber sogar auch freizeittechnisch, ich habe so wunderbare Hobbys und jetzt plane ich mir das ein, wo ich denke, wow, das ist so spannend, diese Muster dahinter auch nochmal ganz anders zu hinterfragen. Weil es ist ja nie ein, oh, das ist ja eine Überraschung, dass mein Terminkalender wieder so voll ist. Das kenne ich ja schon. Und das kenne ich auch nicht seit gestern und auch nicht seit 2025, sondern da zu sehen, oh wow, was in mir ist denn immer in diesem, was treibt mich denn? Was muss denn ein Stück weit so und so nach vielleicht auch nach außen wirken, aber vor allen Dingen nach innen wirken? Was muss ich mir denn beweisen, um ein Stück weit meine Wertigkeit oder auch meine Liebenswürdigkeit zuzugestehen? Das finde ich so schön, weil diese Muster, glaube ich, uns schlussendlich immer an diese Fragen führen. Bin ich ein besserer Mensch, wenn ich mehr Projekte mache oder wenn ich mehr Follower habe oder wenn ich mehr Patienten behandelt bekomme oder wenn ich mehr tolle Rezensionen bekomme oder noch mehr mit der Ver. Also, wow, was in mir braucht irgendetwas nach wie vor im Außen, um in diese Wertigkeit zu finden? Das ist auf jeden Fall eine fortweilende und immer wieder auftauchende Reflexion für mich.
Gesellschaftlicher Druck Und Stütze Sein
SPEAKER_00Ich glaube, diejenigen, die jetzt da vielleicht zuhören und denken, oh, wo bleibt denn jetzt eigentlich der Input heute? Also was heißt Input? Ist das heute jetzt nur ein philosophisches Gespräch? Ich glaube, die können bestimmt gut nachvollziehen, ihr könnt mir vorstellen, es geht um die allen so. Ähnlich wie uns. Ich würde aber gerne für die, die jetzt da interessieren, zuhören, weil du hast gerade was ganz Wichtiges angesprochen, du hast gerade was angesprochen, was mit Wertigkeit zu tun hat, was mit Antreibern zu tun hat. Warum mache ich das eigentlich? Und ich glaube, wenn wir uns am Ende eines Jahres die Frage stellen, wie geht denn das nächste Jahr weiter und reflektieren, was war dieses Jahr gut, ist das bestimmt eine gute Sache. Womit habe ich mich dieses Jahr vielleicht übernommen, was hat nicht geklappt, eine gute Sache, um einfach so, ich möchte mal sagen, so eine Rechnung aufzumachen, am Ende der letzten Strichzimmer und zu gucken, okay, wie ist die Balanz. Ich habe immer gute Erfahrungen damit gemacht, um mir diese letzte Frage, weil die ist für mich nicht so leicht zu beantworten, die Frage, die du gerade aufgeworfen hast, um mir die auf einem anderen Level beantworten zu können für mich. Das mache ich immer zusammen mit meiner Frau, wirklich uns zu überlegen, was erfüllt sich durch etwas. Weil wir haben ja ganz häufig so ein Anliegen, ich möchte dies und das tun. Und wenn man das dann tut und fühlt sich danach besser, dann unterliegt man natürlich dem Glauben, super, das ist wichtig für mich. Und das ist bestimmt auch so. Die Frage ist, geht es um das Thema, was ich gemacht habe, oder geht es um eine Ebene höher? Und wenn ich mir bei allem, was ich getan habe, die Frage stelle, okay, was hat sich dadurch erfüllt, dann bin ich eher auf einer Ebene von, naja, ich habe dies und das geschafft und erfüllt hat sich dadurch, dass ich zufriedener war. Was hat sich durch diese Zufriedenheit erfüllt? Na ja, dass ich eigentlich weniger nach außen geguckt habe und dass ich irgendwie mehr Ruhe finden konnte und meinen Gedanken mehr bei mir waren. Was hat sich dadurch erfüllt? Ah, ja, eigentlich dadurch hat sich die Ruhe erfüllt. Und wenn wir so immer ein Stück höher kommen, dann wissen wir eigentlich im Grunde genommen grundlegend ganz gut, wonach wir streben. Und ich glaube, dass viele Menschen, die am Ende eines Jahres, wenn sie denn überhaupt so eine Rechnung aufmachen, sich eher die Frage stellen, was möchte ich nächstes Jahr nicht mehr machen? Was möchte ich im besten Sinne nicht mehr übertreiben? Und dann habe ich ja schon das Problem, dass ich gar nicht weiß, wie ich das nicht mehr übertreiben soll. Das ist dann auch eher so ein Don't. Das macht meinem Kopf ja keine Freude. Und es ist auch kein konkreter Weg. Also mich nicht zu überfordern, damit kann ja mein Kopf auch nichts anfangen. Aber zu sagen, okay, ich möchte mehr auf Ruhe achten, ich möchte mir bewusst so und so viel Pausen nehmen, etc., das ist ja eher schon ein Hinzu-Weg. Aber ich glaube, dass das noch etwas vereinfacht wird, wenn wir grundlegend durch so eine Frage, wie zum Beispiel, was erfüllt sich durch etwas, wenn wir so grundlegend schauen, wonach streben wir. Also nicht nach welchen Aufgaben, sondern uns die Frage stellen, wenn wir eine Aufgabe machen, welchem höheren inneren Zweck, und da bin ich ja bei deinen Werten und Lebenskonzepten, dient das, die da befriedigt werden, dann ist es vielleicht sogar einfacher, in weniger Aufgaben, die das erfüllen, mehr Befriedigung zu finden.
SPEAKER_01Absolut. Absolut.
SPEAKER_02Ja, schön. Auch wenn ihr das gemeinsam, dann kann ich mir auch als ein wunderbarer Moment auch in der Beziehung vorstellen, das gemeinsam zu reflektieren, oder?
SPEAKER_00Wenn man das schafft, ja. Wir schaffen das nicht immer. Bei uns ist natürlich auch manchmal, natürlich gehen auch wir total in so einen Verteidigungsmodus. Also ich würde dir hier lügen, wenn ich erzählen würde, meine Frau und ich sind immer total gechillt und alles ist harmonisch. Natürlich verteidige ich ihr gegenüber meine abstrusen Projekte, wo sie sagt, sag mal, warum musst du denn jetzt. Also ich habe zum Beispiel, das ist bestimmt auf der einen Seite ganz nett und auf der anderen Seite ist es für unser familiäres Miteinander auch schwierig. Ich habe zum Beispiel Weiterbildungen, die laufen über sechs bis zehn Wochen. Und dann lasse ich mir ganz viel Zeit, weil ich denke, ja, die Leute müssen das alles genauso auf dem Level verstehen, wie das möglich ist, wenn man den Dingen Zeit gibt. Und dann merke ich halt beim vierten und offiziell letzten Zoom-Meeting mit 20 anderen Videos dazwischen und schreiben hin und her auf eurem Telegram-Kanal, dass wir noch nicht an der Lerntiefe angekommen sind und da könnte man noch denen einen oder anderen Abzweiger machen und sagt, wisst ihr was, wir machen einfach einen Extra-Termin. Und das meine ich natürlich gut, aber das stößt natürlich dann auch auf der anderen Seite auf, weil wenn du dem einen etwas gibst, musst du es irgendwo anders ja auch nehmen. Und dann sehe ich mich und erlebe ich mich halt auch ganz oft in so einer Rechtfertigungsstrategie, wenn sie dann sagt, du, das wäre doch eine ganz schöne Strategie, an deinen vier oder fünf oder zehn oder wie viel noch immer geplant sind, Meetings auch wirklich festzuhalten und nicht wieder zwölf draus zu machen. Und wo ich dann halt natürlich auch nicht immer in dieser yogischen Gelassenheit und Ehrlichkeit bin und zu sagen, ja, du hast vollkommen recht. Lass uns mal gucken, welchem höheren Kontext dient das denn, sondern zu sagen, nein, das war notwendig und die Leute haben das gebraucht und die waren so gut für so eine enthusiastische Gruppe, haben wir noch ein bisschen mehr gemacht. Also das ist natürlich leider nicht immer so harmonisch, wie das sein könnte, nur um mal ehrlich zu sein.
SPEAKER_01Ja, schön.
SPEAKER_00Wir sind ja auch Menschen.
Zyklen, Ayurveda Und Freie Zeit
SPEAKER_02Ja, natürlich. Wunderbar. Richtig. Und ich glaube, dieses Menschsein ist, glaube ich, auf ganz vielen Ebenen. Erstens ist es so, also daran lässt sich eh nichts rütteln. Und ich merke, dass das innere Druckmittel mir selber gegenüber mit verschiedenen Ausbildungen und Abschlüssen und Credentials und sonst was, das macht ja das Mit mir-Sein nicht unbedingt leichter und vor allen Dingen nicht ruhiger. Also vor dem Hintergrund genauso völlig anderes Thema, aber etwas, was mich sehr beschäftigt, ist auch die Macht der Diagnose. Also zu sagen, inwiefern ist auch die Diagnose wie eine Art Stempel, die ja durchaus auch mit ihren tieferen Ebenen direkte Auswirkungen auf das Gesundheitsbefinden und teilweise eben auch als Hindernis auf dem Heilungsweg zu sehen ist, in meiner Erfahrung. Anderes Thema, aber was ich damit habe, Sagen möchte, in dem Moment, wo ich irgendetwas einen Stempel gebe und mir als Person eine entsprechende Rolle zuspreche, das kommt immer mit einem Preis. Und es ist ja wunderbar, dass Ansophie Briest Ärztin ist. Aber das ist auch manchmal ganz schön Gepäck. Nicht, weil ich in meiner Verantwortung nicht bewusst bin, aber wenn ich das gegen mich einsetze, weil in meinem, wie auch immer, gearteten Vorstellungsvermögen die ärztliche Rolle mit an einer Latte an Eigenschaften und vielleicht auch überhöhten und idealisierten Dingen assoziiert ist. Ja, meine Güte, was ein Druck mir selbst gegenüber. Und jetzt bin ich noch Yoga-Lehrerin, jetzt muss alles, was aus meinem Mund kommt, irgendwie eine Tiefe weiß. Also, du weißt, ich sage das jetzt so leicht ironisch, weil ich das ja von mir kenne. Also in diesem Wunsch mir in eine Wahrhaftigkeit, in eine Aufrichtigkeit zu finden, ist, glaube ich, dieser Aspekt der Rollen ein wichtiger Aspekt, der auch in diesem Wunsch in die Ruhe zu finden, in die Präsenz zu finden, manchmal das Riesenhindernis sein kann. Und damit meine ich noch nicht mal eine Selbstdarstellung bei Social Media, sondern einfach nur die Tatsache, das kann doch nicht sein, dass ich gestresst bin, dabei kenne ich doch jetzt all die Tools, die das Nervensystem beruhigen. Wow, mit diesem inneren Kritiker, mit dem muss ich erstmal Umgang finden und dem wiederum menschlich, wie du es gesagt hast, und im besten Fall voller Selbstempathie zu begegnen. Das finde ich einen so, so wichtigen Aspekt, der in meinen Augen, finde ich, viel zu selten angesprochen wird. Ich sehe mich häufig in der Rolle, diese Tools zu vermitteln und zu sagen, ja, und es ist in Ordnung, wenn du es nicht jeden Tag schaffst, dann schaue, dass du es jeden zweiten Tag schaffst. Aber was das mit mir macht, von etwas zu wissen, was mir gut tut und es dann nicht zu tun, egal ob ich in der Patientenrolle bin oder in der Yoga-Lehrerrolle oder in der Yoga-Therapeutenrolle, das öffnet nochmal eine völlig neue Ebene, die unglaublich viel Druck machen kann.
Selbstwert, Leistung Und Muster
SPEAKER_00Absolut, das ist lustig, weil in dem Moment, wo du es begonnen hast zu formulieren, ich habe im gleichen Moment einen sehr ähnlichen Gedanken gehabt, der natürlich jetzt nicht von Diagnosestellung ausging. Aber grundlegend alles, worin wir uns weiterbilden, was aus dem tiefen Wunsch ja erzeugt wird, mehr zu wissen, aus einer Neugier. Wir haben ja auch diesen psychologischen Grundantrieb der Selbstwerterhöhung, der ist ja in uns Menschen einfach drin, der ist uns gegeben. Den können wir auch nicht leugnen. Und natürlich wollen wir immer weiter wachsen, uns entwickeln, mehr verstehen, mehr wissen. Und genau das Anhäufen von jedwedem Wissen und von Nochner Technik und noch was, schafft genau das, was du gerade sagtest. Das schafft eine Abhängigkeit im Geiste, dieses Neuerworbene auch zu benutzen, ins Leben zu übertragen, im besten Falle weiterzugeben. Das erhöht den Anspruch, den wir an uns selbst entwickeln und es erhöht die Frusttoleranz, die wir aufbauen müssen, wenn es denn nicht funktioniert. Weil, wenn wir ohnehin schon sagen, boah, unser Ja war ja eigentlich ohnehin schon voll, dann müsste es zumindest bedeuten, dass wenn du eine neue Tür aufmachst, eine weitere, halt eine alte schließt, weil sonst ist ja noch eine Tür mehr offen. Und ich habe, ich bin jetzt kein riesen Osho-Fan, aber er hat halt auch clevere Sachen geschrieben und gesagt. Und Osho hat immer, fällt mir gerade so ein, unterschieden zwischen, er hat der gesagt, Philosophie ist für jeden und jeder, der denken und sprechen und Sprache verstehen kann, kann Philosophie verstehen. Und Tantra ist nicht verstehen, sondern Tantra bedeutet, offen zu sein und die Erfahrung ist die Lehre. Und das deckt sich mit dem, was du gerade sagtest. Weil ich erlebe uns leider ganz häufig, und da sind wir auch bei den, was nehme ich mir fürs Jahr vor, als so wunderbare Theoretiker, die alles wissen und alles theoretisch könnten, können müssten, und gerade weil wir es wissen, ist zu wenig praktizieren. Und ich glaube wirklich, wenn es so auch einen Wunsch gibt, der mit der Gestaltung meiner freien Zeit, Klammer auf, ohne dadurch in Freizeit Stress geraten zu wollen, Klammer zu tun hat, ist den Dingen auf einer praktischen Ebene mehr Zeit zu geben, für mich, in eigener Ausübung. Und das bedingt auf der anderen Seite, dass theoretische Teile runterfallen müssen. Ja, weil der Tag bekommt ja nicht mehr Stunden. Absolut, ne?
SPEAKER_01Ja, ganz genau. Ganz genau.
SPEAKER_02Und ich glaube auch, dass die, sagen wir mal, technologischen Fortschritte natürlich unglaubliche Entlastung auch bringen. Und gleichzeitig, ganz selbstkritisch hat, glaube ich, noch nie irgendein neues Tool, egal ob technologisch oder nicht technologisch, in meinem Leben dazu geführt, dass ich dadurch mehr Zeit habe. Ich habe einfach nur mehr Dinge in der gleichen Zeit gemacht. Also diese Optimierung führt in meinem Fall einfach zu einer unglaublichen Verdichtung von Dingen. Und da zu merken, wow, es gibt nichts, was das, was du gerade gesagt hast, nämlich wenn irgendwo eine neue Tür aufgeht, muss ein Stück weit irgendwo etwas weniger werden, um dem Raum zu geben. Das lässt sich nicht wegoptimieren. Das geht nicht.
Vom Jahres-Check Zu Höheren Motiven
SPEAKER_00Im Gegenteil, ich verliere gerecht die Übersicht. Also wir haben zum Beispiel ein ganz tolles Tool, wo sich Leute bei uns zu diesem Infotelefonat anmelden können, auf die Webseite implementiert. Ich kriege das dann aufs Handy. Und das ist natürlich per se eine tolle Sache, aber es führt zu zwei Dingen. A, dass wir über hundert verschiedene Dinge irgendwelche Telefonate führen, bei denen ich manchmal denke, naja, das hätte es jetzt auch anders auf einem noch kürzeren Dienst haben können, das war jetzt das Telefonat nicht wert, weil du nimmst die Zeit dafür, du sagst irgendwas ab. Und teilweise führt es sogar dazu, dass ich, weil es dann noch was ist und noch was ist und noch was ist, gar nicht mehr weiß, wann habe ich denn jetzt welchen Termin und mich total verzettel. Und deshalb glaube ich, der, der ein, also ich habe mir für das nächste Jahr definitiv vorgenommen, mir konkrete Räume schaffen zu wollen. Jetzt nicht, ich möchte weniger arbeiten, das ist zonspezifisch. Sondern ich möchte zum Beispiel, damit dieses, damit ich, also dieses Chaos macht ja was in meinem Kopf. Das gibt mir immer das Gefühl, respektive es gibt mir nicht das Gefühl, aber ich entscheide mich, dieses Gefühl in mir zu generieren, dass ich ungenügend wäre, dass ich ungenügend aufmerksam wäre, dass ich es nicht hinkriege. Das ist ja so eine Form von Minderwärtsdenken. Es ist ja automatisch in uns manchmal damit verknüpft. Und damit das nicht funktioniert oder nicht passiert, räume ich mir wirklich feste Zeiten ein, zum Beispiel meine E-Mails anzuschauen. Hab ich früher nicht gemacht. Also ich habe wirklich feste Zeit, wenn es davon bis ist reserviert, da gucke ich E-Mails und dann weiß ich, okay, danach mache ich das noch nicht mehr. Bin frohen Gewissens, ich habe es gemacht und kann dann auch die Stunde danach wieder nutzen. Und ich schaffe mir wirklich genauso freie Zeit fürs Nichtstun. Also wirklich für Nichtstun. Und ganz wichtig, was nicht zweckgebunden ist. Für mich gibt es immer so, wenn wir überstresst sind, ist für mich also in meinem Erleben ein ganz eindeutiges Zeichen, dass ich zu stark im Stress bin. Wenn ich meine Freizeit entweder nicht mehr mit Nichtstun verbringen kann, also wenn es mir schwerfällt, nichts zu tun, then zeigt mir, dass my inner tempo feeling. Oder wenn die activitäten meiner Freizeit zweckgebunden and zweckdienlich sind. And I think it's a frequent time, where I want to sit, or I feel hand or something, or take Löcher in the luft, but it is halt not YouTube and it is not TikTok and it is not Instagram. It is not the book. It was what not the Freude is and nothing.
SPEAKER_02Yeah, that is sicherlich was, was ich auch für mich for the next year mitnehme. Das nicht in der Planung von einem Jahr, von einem Monat, von der Woche, von einem Tag sozusagen an letzte Stelle zu setzen. In der Hoffnung, ja, Finger gekreuzt, Klopf auf Holz, dass da jetzt noch ein bisschen Zeit for me übrig bleibt fürs Nichts tun. That passiert in my fall nämlich tatsächlich nicht. Sondern jetzt auch schon zu sehen, ja, vielleicht sogar Wochen. We have forhin ja auch über Retreats gesprochen and the Möglichkeit, that auch nochmal in den Rückzug zu finden. Da liegen jetzt nicht irgendwelche Wochen einfach so brach in my brauchst, where ich denke, ach ja, jetzt wäre doch eigentlich eine super Zeit, sondern ich muss das wirklich in einer Klarheit and auch in einer Disziplin muss ich das tatsächlich planen. Und dann block ich mir das weg. Und da diese Konsequenz zu zeigen ist sicherlich einer der Punkte, die ich schon dran bin, aber noch mehr wieder mit ins nächste Jahr nehme. Und eine Hand auch über einige Wochenenden zu halten und da nicht so großzügig sagen, ja, ja, mache ich den Kurs noch und da, das interessiert mich, da nehme ich noch einen Kurs oder so, sondern das wirklich, ja, da diese Nichtstun-Zeit ein Stück weit zu lassen.
SPEAKER_00Die ist total wichtig. Die ist total wichtig, auch wieder in die Kreativität zu kommen. Wir sind ja eigentlich immer nur kreativ, wenn uns etwas inspiriert und inspirieren tut uns die neuen Sachen. Und wenn wir zu sehr im Kopf sind, dann glaube ich, glauben wir daran, inspiriert zu sein, weil wir mit was Neuem vollgepumpt sind und es natürlich jede Menge Kettenreaktionen auslöst. Aber häufig merkt man dann, es fehlt so die Freude und es ist eher die Pflicht dabei, und das ist für mich keine Inspiration. Deshalb, ich finde, diese Zeit wirklich nichts mit irgendeinem speziellen Anspruch zu tun, außer dass es der Freude, die selbst dient, die ist echt wichtig. Um auch aufzuladen, um vor allem wieder auf andere Gedanken zu kommen, sonst dreht sich ja dann Gedankenklausel immer ums Gleiche.
Beziehung, Grenzen Und Zusatztermine
SPEAKER_02Das ist so, absolut. Und an der Stelle vielleicht doch noch ein schöner wissenschaftlicher Einschub, jetzt kommt nochmal der Kopf etwas mehr dazu, was für mich total Sinn macht. Also in dieser nennen wir es mal Dopamin-betonten Lebensform, wo Belohnungssystem eine Rolle spielt, wo Schnelligkeit eine Rolle spielt, wo sicherlich auch Motivation, das wird ja auch über das Dopamin-Nergesystem reguliert, also auch Motivation, Dinge anzupacken, wird über Dopamin im Körper verschaltet. Das Problem ist, dass Dopamin und das Serotonin, der andere Neurotransmitter, der ja eher für diese Zufriedenheit und diese innere Gelassenheit, dass die tatsächlich sich gegenseitig auch hemmen können. Das heißt, in dem Moment, wo ich auf Zack bin, wo ich das Handy klingelt, wo ich YouTube mache, wo eben immer kleine Belohnungen mich sozusagen durch einen Dopamin-Kick nach dem nächsten führen, dort ist es schwer, in eine Kreativität zu finden. Denn die braucht ja eine völlig andere, auch neurophysiologische Grundlage, diese Inspiration. Und ich habe mal eine schöne Studie gelesen, da ging es darum, auch ein Stück weit zeitlich zu beobachten und festzulegen, ab wann sozusagen Kreativität wieder einsetzt. Und das war eine Studie mit Kindergartenkindern, also vor dem Grundschulalter. Und die Idee war eben, oder das können wir selber auch erleben, wenn wir einen Lebensstil führen, in dem Dopamin sozusagen der Hauptantreiber ist, dann ist das Wegfallen von Dopamin und diese wahrgenommene Entschleunigung ist ja, da kann ich definitiv auch was zu sagen, ist ja nichts, was per se erstmals angenehm wahrgenommen wird, sondern es ist eine richtige Entzugssymptomatik. Und eines neben anderen Dingen, eines der Dinge, die sich durch Dopaminentzug einstellt, ist eine wahrgenommene Langeweile. Quälende Langeweile, weil das System sozusagen nicht weiter stimuliert wird und dadurch entstehen auch noch andere Themen, aber auch Langeweile. Und das war jetzt in diesem Experiment mit den Kindern so schön, weil die Idee war, anstatt jetzt die Kinder to bespielen und ständig zu sagen, hey, mach doch das or we can jetzt das war in dieser studie eben der Aufwand and the aussage was am Schluss it braucht 20 Minuten and then aus Langeweile Kreativität. And damit tatsächlich eine konkrete Empfehlung auch an den Umgang mit Kindern zu sagen, yeah, ich halte das jetzt aus und dieses Kind darf jetzt gerade Löcher an die Wand starren oder darf auf irgendetwas rumspielen, ohne dass es jetzt zu etwas führen muss. Es muss auch kein eben. Und nach 20 Minuten fangen die Kinder an und beschäftigen sich mit sich selbst, fangen an, sich Spiele auszudenken und frei zu zeichnen und nicht nur auszumalen und all solche Dinge. Aber das ist ein Zeitraum, den es zu überbrücken gilt und dann setzt Kreativität und dann kann Kreativität und Inspiration wieder einsetzen. Und ich glaube, dass diese 20 Minuten auch im Erwachsenenalter für viele Menschen mich eingeschlossen in einigen Situationen wahrscheinlich kaum stattfinden. Kaum.
SPEAKER_00Aber das ist genau das. Ich glaube, dass wir Langeweile neu für uns entdecken müssen.
SPEAKER_01Ja.
Rollenlast, Diagnosekraft Und Selbstempathie
SPEAKER_00Also ich meine, ich bin da ganz sicher. Ich habe letztens genau über das Thema, ich glaube, das war sogar ein Video, irgendwas von einem buddhistischen Mönch, wir müssen Langeweile wieder erlernen und irgendwas war der Tenor quasi. Und ich glaube da vollkommen dran, weil wir kommen ja aus diesem ständigen Kip-Kick haben wollen, gar nicht raus. Wir kommen ja gar nicht raus. Und wenn ich mir jetzt zum Beispiel gerade das Thema Belohnungssystem anschaue, es gibt ja diese ganz fiesen Mäuse und Rattenversuche, die dann auch nicht stimuliert werden, immer auf so ein Schalterchen drücken. Und wenn die genügend stimuliert werden, dann stimulieren die sich die ganze Zeit ein vergessendes Essen und verhungern. Also das zeigt uns ja, dass wir vollkommen in so einem Dopaminraster auch abgeschnitten sind von den echten Bedürfnissen, die in uns noch da sind und uns auch gar nicht fühlen auf allen Ebenen. Und deshalb glaube ich, müssen wir uns genau diese Freiräume schaffen. Mit dem, was ich vorhin meinte, spätestens dann, wenn ich merke, boah, meine Freizeit fülle ich mit vermeintlich sinnvollen Dingen und ich bin nicht mehr imstande, einfach auch nichts zu tun, dann ist es für mich das höchste Alarmzeichen, nichts zu tun. Weil sonst kriege ich ja mein ganzes System gar nicht mehr runter. Kein Schlaf, keine Erholung, keine Proteinbiosynthese, keine Reparatur und so weiter. Das ist ja total, das ist ja hochgefährlich auf Tower. Richtig. Also immunologisch gesehen, es ist ja echter Schrott.
SPEAKER_02Ja. Ja, absolut. Und deshalb, weil du es ja so schön im Vorfeld ja auch so, ich möchte mir diese Zeit fürs Nichtstun einrichten, ein Stück weit zu sagen, das wird bedeuten, dass auch Langeweile aufkommt. Und wie du sagst, wir plädieren auch für einen neuen Umgang mit Langeweile, das ist ja wichtig. Weil wenn die Interpretation mit Langeweile ein, irgendwas ist verkehrt an mir oder da ist doch was nicht richtig, ich sollte doch jetzt ruhig werden, nee, nee, nee, nee, nee. Meistens braucht es einen Moment oder es braucht zumindest auch da wieder die Achtsamkeit, um dann auch damit Umgang zu finden.
Wissen Vs. Praxis: Türen Schließen
SPEAKER_00Ich muss gerade so ein bisschen lachen, wie du sagst im Hintergrund, weil wir haben ja doch im Moment dieses Selbstoppierungs- und Longevity-Thema überall. Alle wollen so lange leben. Und wenn ich mir überlege, wie die subjektive Empfindung von Zeit ist, langerweilig, meiner Lebst du doppelt so lange gefühlt. Das ist ja auch gar nicht schlecht. Also für alle, die unbedingt, alle, die, die unbedingt immer so unglaublich alt werden wollen. Also dieser Taktum, mit dem wir Dinger leben, die ist echt, die ist echt krass. Und ich würde gerne zu dem Thema Dopamin noch eins anschließen. Ich hatte die Woche mal einen Post gemacht zum Thema Wohlfühl Glück und Werteglück. Also einfach, das schließt so ein bisschen an die Frage an, was erfüllt sich dadurch, wenn ich etwas tue. Weil wenn ich sehe, welchem tieferen Werte, also welchem intrinsischen Werte gebundenen Zweck Dinge dienen, die ich tue, übergeordnet, dann bewege ich mich ja in meinen Aktionen und meinem Aktionismus nicht immer ein Wohlfühlglück, also quasi in Situationen, die darauf abgezielt sind durch Handlung, kurzfristige Befriedigungen im Außen Anerkennung, Geld, haben, verstehen, können, sonst was stattfinden zu finden. Und es gibt mir dann genau diesen kurzen Kick und dann brauche ich den nächsten wieder. Sondern mein Leben, in dem ich unterschwellig weiß, wofür tue ich denn das Ganze, eher werteorientiert auszurichten und die Grundtendenz, wie ich handele, dann ist es gar nicht so wichtig, was ich tue. Ich kann ja auch beim Aldi sitzen an der Kasse und kann mit Hingabe kassieren. Also das ist eine Haltungssache. Und dann rutsche ich halt auch nicht so in dieses ständig Befriedigung finden müssen, weil ich sie quasi über die Grundhaltung an Dinge ranzugehen, die wertekonform ist, ohnehin per se finde in fast jeder Aktion. Also es würde ja auch nochmal dafür sprechen, per se mal zu gucken, was ist mir im Leben alles wichtig? Und das könnte ja am Ende eines Jahres eine tolle Sache sein. Das ist vielleicht, by the way, das mache ich jetzt wirklich jedes Jahr meiner Frau zusammen. Wir machen jedes Jahr eine Wertebestimmung. Die verändern sich jetzt jetzt nicht großartig, aber wir gucken immer unsere Top fünf Antreiber. Das ist das eine, sind die noch auf der Hierarchie, wo sie vorher waren? Also Werte, die ändern sich ja durchaus hierarchisch im Laufe des Lebens, weil sich Denkkonzepte ändern, Lebensumstände ändern. Und dann ist die zweite Frage, werden diese Werte, die mir wichtig sind, zumindest mal die Top 5 eigentlich, aber mindestens die Top 3, in ausreichendem Maße, was heißt ausreichend halt gefühlt, gefühlt ausreichend in meinem Leben repräsentiert. Durch die Art und Weise, wie ich lebe, was ich tue, mit wem ich meine Zeit verbringe, etc. Und das finde ich zum Beispiel jedes Jahr sehr, sehr gewinnbringend, um schon so einen Grunddenkansatz zu haben und auch fühlen zu können, wie richte ich das denn aus fürs nächste Jahr, wenn ich mir die Frage wieder stelle. Schließe ich noch was an. Ich würde gerne noch eins teilen, weil ich glaube, dass das auch nicht immer alle machen. Wir kennen alle diese Smart-Regeln, ne? Spezifisch messbar, aktionsorientiert, realistisch, terminierter, dieses typische Ziele definieren, bla bla bla. Das nennt man ja als Zielökonomie. Und das ist ja auch ganz cool. Also auf einer ökonomischen Ebene gucke ich, kriege ich das hin, wo brauche ich Hilfe, in welchem Zeitraum, bla bla bla, mit welchen Ressourcen. Aber es gibt noch einen anderen Begriff, den ich gerade für die Planung eines Jahres für ganz sinnvoll erachte, ist die sogenannte Zielökologie, der Öko-Check. Und zwar die Frage zu stellen, wenn ich das Ziel, was ich an Peil erreicht habe, was erfüllt sich dadurch und wie geht es mir damit? Und ich glaube, dass das etwas ist, was viele Leute gar nicht ausreichend tun, nämlich sich die Frage zu stellen, Ist das Ziel aus irgendeiner Gehirnwindung entsprungen, weil ich es bei einem anderen gesehen habe, das ganz cool finde, oder denke, das bräuchte ich, oder ist das wirklich intrinsisch so tief verankert über meine Werte, dass es mich dann letzten Endes auch beglückt. Und ich glaube, wenn man das macht, ich habe das immer wieder gemacht, wirklich zu gucken, wie fühlt sich das an und wie resoniert das in meinem Körper auf einer emotionalen Ebene, dann kommt man seine Ausrichtung für ein neues Jahr auch nochmal ein Stück näher. Also das kann man ja mit der Zielökonomie dann koppeln, ist das möglich. Aber wirklich zu gucken, okay, passt sowas zu mir? Ich glaube, ich denke immer zurück an meine Studienzeit. Meine Kumpels haben alle BWL oder VWL studiert. Das wollte ich nie. Und ich glaube, die wollten das halt auch nicht alle. Die haben studiert, weil man studiert hat. Das hat für Erfolg irgendwie gesprochen. Meine Eltern wollten immer, dass ich unbedingt Jura studiere, weil meine Mutter in so einem Bereich arbeitet und das hätte ich alles übernehmen können. Also nicht sie selbst veranwältigen, aber das war so irgendwie alles hinter meinem Rücken besprochen. Aber ich habe das halt nie gewollt und habe das das aber auch nicht gemacht. Und ich glaube, dass das in diesen, dass das vielen Leuten unterliegt. Ich habe auch persönlich die Theorie, dass daraus viel schneller die Midlife-Crisis resultiert, weil dann hast du irgendwann, was du willst oder glaubt es zu wollen und dann hast du es und merkst, misst, es aber nichts anders, und dann stellt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit.
SPEAKER_01Richtig.
SPEAKER_02Das ist schön. Also, das finde ich, rundet unser heutiges Gespräch wunderbar ab, Timo. Gibt es noch was, was du noch mitgeben möchtest, auch an die.
SPEAKER_00Mitgeben. Mitgeben heißt immer so, als wüsste ich etwas besser als die anderen. Aber ich würde gerne für alle, die das vielleicht alle. Ich verstehe mich vielleicht als Erinnerer an Dinge, die wir alle wissen. Ich glaube, es bringt nichts, sich zu viel vorzunehmen. Es bringt nie etwas, sich etwas vorzunehmen, was wir nicht mehr tun, sondern es bringt immer nur etwas, sich vorzunehmen, wie wir es konkret gestalten können. Immer eine Hin zu Konstruktion. Und das zweite ist, ich glaube, wir sollten wirklich gucken, ist das, was wir wollen, im Rahmen unserer Möglichkeiten. Und entspringt es wirklich unserer eigenen Wertekulturen, unserer eigenen Werteüberzeugung oder nur der Antizipierten? Weil ich glaube, nur was wirklich auch, es gibt im Yoga so das schöne Wort Swadharma, der eigene Auftrag. Und ich glaube, wir bringen alle was mit, was wir in die Welt reingeben können. Und ich weiß, wissen wir aus der Glücksforschung weltweit, dass das größte emotionale Glück, was wir Menschen erfahren können, immer damit zusammenhängt, etwas zu tun, was das Glück anderer begünstigt und erhöht. Weltweit, kulturunabhängig. Und deshalb glaube ich, ist wirklich die große Frage. Schau hinter die Dinge, welchem, ja, was erfüllt sich dadurch? Welchem Zweck dienen deine Auktionen? Was ist dir wirklich wichtig? So die ganz blöde Frage, das klingt jetzt wahnsinnig pathetisch, aber es funktioniert. Wäre dies dann letzter Tag auf Erden, ja, was möchtest du, dass morgen auf deiner Trauerfeier über dich gesagt wird, was du auf dieser Welt hinterlassen hast? Und das klingt wahnsinnig doof und schroff oder pathetisch oder wannabe-poetisch, aber es trifft das, weil wir kommen über so eine Frage immer an den Kern dessen, was uns wichtig ist im Leben, wodurch wir eigentlich wirken wollen. Und ich glaube, wenn wir das ein bisschen in unser Jahresplano einbeziehen und gucken, okay, nicht was will ich tun, sondern wie will ich vielleicht agieren, dann sind wir meistens einen Schritt weiter.
SPEAKER_01Ja.
SPEAKER_00Das wäre das, was ich mitgeben möchte. Allen, die gerade auf der Suche sind.
Tools Verdichten Zeit: Räume Schaffen
SPEAKER_02Ja. Ja, und wenn ich noch was mitgeben darf, anknüpfend an das, was du gerade gesagt hast. Genau in dieser Essenz, dass wie möchte ich etwas machen, schaffe ich es, mich auch rückzubesinnen auf diese Intention und diese innere Haltung. Das erlaubt mir, auch mir ganz persönlich, auch ein wesentlich besseres Loslassen für die Art und Weise, wie es dann den Weg in diese Welt findet. Also was ich am Anfang ja auch etwas selbstkritisch gesagt habe, manchmal beiß ich mich so fest an der Umsetzung. Ja, ja. Aber die Intention dahinter, die wird ja in irgendeiner Form den Ausdruck und den Weg nach außen finden und da ein Stück weit loszulassen und zu sagen, gut, ich bin mir innerlich klar, ich bin ausgerichtet und es mag diverse Wege geben, wie sich das jetzt auch manifestieren kann, wie sich das nach außen zeigt und da mit einer gewissen Flexibilität, aber einer sehr tief verwurzelten inneren Klarheit ranzugehen, finde ich einen wunderschönen Weg, der ja dann auch wieder mehr Ruhe schafft und in dieses Vertrauen führt. Und insofern, genau, warum, wie möchte ich das Ganze machen, als so der Anker und gar nicht unbedingt genau das kontrollieren müssen und Micromanagement und was da alles nicht dazu gehört, das wieder ein Stück weit loszulassen. Ja, sage ich, gebe ich mit und ich spreche ja gerade auch zu mir selbst. Genau.
SPEAKER_00Ja, das tun wir ja immer. Wir sprechen ja immer überaus und zu uns selbst. Ich würde gerne eine Bitte nach außen formulieren. Und zwar, ich gehe mal davon aus, liebe Ann Sophie, dass wir uns im nächsten Jahr noch zu ein paar Podcasts verabreden werden.
SPEAKER_01Sehr gerne.
SPEAKER_00Und deshalb würde ich gerne wirklich in der, wir haben ja am Anfang kurz, worüber reden wir denn heute überhaupt? Also es gibt bestimmt den ein oder anderen Wunsch da draußen, gerade an Themen. Ich fände es wirklich toll, wenn ihr uns, wenn es irgendeinen Wunsch gibt, das zukommen lassen würdet. Also mich beflügelt es immer, wenn ich auch eine Idee habe, was interessiert gerade.
SPEAKER_01Fantastisch.
SPEAKER_00Also ich würde es gerne mal sonst nach außen spielen. Und egal, an wen sie sich wenden an dich, an mich, ganz Wurst. Aber es ist immer schön, wenn man weiß, ja, womit kann man vielleicht auch ein bisschen Licht ins Dunkel bringen oder Bereich handwirken oder wie auch immer.
SPEAKER_02Fantastisch. So machen wir das, Timo. Und wir sehen uns auf eure Rückmeldungen und Anregungen und Wünsche. Und ja, jetzt so als Jahresabschlusspodcast einfach alles Gute, alles Liebe für das neue Jahr. Ich danke dir sehr für unser schönes Gespräch, Timo. Und ja, bis bald, würde ich mal sagen.
SPEAKER_00Ich danke dir auch. Schöne Weihnachten an dich. Ein glückliches, gesundes nächstes Jahr. Und genau das Gleiche wünsche ich allen, die zugehört haben.