Timo Wahl YOGA-PODCAST

#39 Yoga und der Umgang mit Unsicherheit

Timo Wahl

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Hast Du Fragen oder Anregungen..?

Manchmal fühlt sich die Welt an wie ein zu lauter Raum: Eilmeldungen, Endlosschleifen in Social Media, Bilder, die nicht mehr gehen wollen. Wir nehmen diese Unruhe ernst und zeigen einen Weg, der weder romantisiert noch dramatisiert: Angst als sinnvolles Signal anerkennen, greifbar machen und Schritt für Schritt in Handlungsfähigkeit übersetzen. Ohne Druck, dafür mit klaren Werkzeugen aus Yoga, Achtsamkeit und geerdter Alltagsroutine.

Gemeinsam ordnen wir, warum Angst auf Körper- und Geist-Ebene entsteht, wie liebevolles Hinsehen Ohnmacht verkleinert und weshalb Optionen erst sichtbar werden, wenn wir den inneren Nebel lichten. Wir sprechen über erdende Standhaltungen, Balance und bewusste Fußarbeit, die Stabilität spürbar machen. Wir zeigen, wie Atem und Shavasana das Nervensystem beruhigen und wie Naturkontakte das Vertrauen in größere Rhythmen stärken. Einprägsam wird es, wenn Vermeidung kippt: Der ungeöffnete Briefkasten steht für latente Angst, das Öffnen für Klarheit und echte Optionen. So wird aus „ich kann nichts tun“ ein konkreter nächster Schritt.

Ein zentrales Thema ist Medienhygiene. Informiert bleiben, ohne das Nervensystem zu überreizen: Dosieren statt Dauerschauen, Fakten lesen statt Bilderflut, abends Grenzen setzen. Dazu kommt Karma-Yoga im Kleinen: Müll aufheben, zuhören, helfen – Taten, die Sattva, also Klarheit und Verbundenheit, nähren. Für Lehrende benennen wir den Auftrag, Freude und Stärke zu spiegeln und Gemeinschaft bewusst zu bauen. Für Praktizierende geben wir einfache, wirksame Routinen an die Hand, die heute beginnen können und morgen tragen.

Wenn dich Nachrichtenlärm ermüdet und du wieder mehr Boden unter den Füßen spüren willst, hör rein, nimm die Tools mit und probiere sie aus. Abonniere den Podcast, teile die Folge mit einer Person, die gerade Halt braucht, und sag uns: Welche Praxis erdet dich am meisten?

Begrüßung Und Themenwahl

Timo

Dann freue ich mich auf eine neue Folge. Ist ja ein bisschen länger her. Und ich freue mich auf die Folge wieder mit dir, Katharina. Begrüße dich ganz lieb bei dir, äh, bei mir. Du mich bei dir. So rum. Genau. Und wir haben das ja schon mal angefangen und dann ist uns un in die Technik so ein bisschen über die Wupper gegangen. Deshalb der zweite Aufguss. Also von mir ein herzliches Willkommen an dich.

Katherina

Ja, Timo, danke und von mir auch ein ganz herzliches Willkommen an dich.

Timo

Wunderbar.

Katherina

Ja, zu einer neuen gemeinsamen Folge. Und diesmal kam der Themenvorschlag, glaube ich, von dir, wenn ich das richtig erinnere. Genau.

Warum Angst Gerade Überall Mitschwingt

Timo

Wir hatten erst, erst, um es allen zu sagen, ihr könnt uns auch gerne Feedback geben, ob ihr das dann als nächste Folge wollt. Wir hatten uns erst eigentlich mit dem Thema Ayurveda beschäftigen wollen. Und dann kam ich aber so ein bisschen um die Ecke geschossen mit einem persönlichen Anliegen, uns mal dem Thema Angst zu widmen. Weil das Thema Angst oder respektive Umgang mit Angst, geht ja gar nicht um die Angst selbst, sondern was können wir mit der Angst machen, so aus jogischer Sicht, glaube ich, etwas ist, was aus meiner Sicht gerade ganz viel umtreibt. Wenn ich so die weltpolitische Lage mir angucke, wenn ich mir anschaue, was im Land passiert, wie Berichtserstattung sich verändert hat, wie medialer Druck sich verändert hat, wie diese ganze Social-Media-Landschaft irgendwie auf uns einwirkt, dann habe ich immer das Gefühl, dass es ganz viele Leute in eine Form von Unsicherheit ein bisschen zur Angst bringt. Und ich glaube, da haben wir so ein bisschen so einen Auftrag als Lehrende. Und ich glaube, da können wir auch ein bisschen was zu beitragen, dass Menschen damit etwas resilienter umgehen können. Deshalb war das so mein Wunschanliegen für heute.

Katherina

Ja, und ich fand das Thema großartig und auch super relevant und super aktuell. Deswegen freue mich sehr, weil ich glaube, dass wirklich auch, wie du sagst, gerade wenn wir vor allem über den Umgang mit Angst sprechen, da halt Yoga wie immer mal wieder eine Menge anzubieten an guten Werkzeugen.

Timo

Dann würde ich sagen, lass uns doch gleich mal starten. Ich würde mal, ich fange mal mit einer Frage an dich an, weil ich dich fragen möchte eigentlich, ob du das genauso empfindest wie ich. Also, um es nochmal ganz kurz zu wiederholen, ich empfinde ganz viele Menschen, die zu mir, zu uns in den Unterricht kommen in Frankfurt, als unsicher, als vom Alltag sehr, sehr getrieben, als unruhig. Und ich glaube, einer der entscheidenden Faktoren dazu ist eine Unsicherheit bis hin zur Angst. Und ich kriege auch von den Kommentaren so super, super liebe Sachen wie das ist ja der Ort, wo ich mich so aufladen kann, wo ich so ein bisschen einfach mal nur sein darf und wo die Dinge vielleicht etwas ruhiger, etwas stabiler sind. Wie ist denn das bei dir? Ist das bei dir ähnlich?

Angst Als Sinnvolle Emotion

Katherina

Genau so würde ich sagen, ja. Also wirklich diese erlebte oder ja, was heißt erlebt? Also es ist einfach ja auch de facto eine Unsicherheit, eine ganz veränderte weltpolitische Lage gerade im Gange und auch innenpolitisch gibt es eine Menge Themen, die die Unsicherheit erzeugen. Und genauso wie du sagst, also die auch die Art der Berichterstattung und Social Media im Allgemeinen, dass das einfach so eine Unruhe und Unsicherheit und so ein Getriebensein, hast du, glaube ich, auch gesagt, das ist auch wirklich sehr, wie ich das empfinde und auch oft höre. Und das tatsächlich, also es ist schön, ne? Also es freut mich auch immer sehr, dass wir als mit einem Yoga-Studio einen Raum bieten können, wo es ein bisschen so eine Oase ist, da auch aufzutanken oder zur Ruhe zu kommen oder auch so in so einen ganz echten Kontakt oder bestimmte Sachen vielleicht auch mal aussprechen zu können, weil auch in Gemeinschaft das finde ich nochmal anders sich ein bisschen trägt oder hält, wenn man das einfach auch mal aussprechen kann und von den anderen hört, wie die das empfinden. Ja, und wie du sagst, also ich glaube, es ist ein Auftrag, vielleicht auch für uns Yoga-Lehrende, das zu begleiten. Oder vielleicht gerade wirklich der größte Auftrag im Moment.

Timo

Ich würde vielleicht mal mit so einer kleinen Präambel starten, warum ich mir das auch ausgesucht habe, das Thema, und warum wir glauben, dass wir dazu was anzubieten haben aus der Yoga-Sicht. Und ich würde gerne mal mit der Idee starten, dass Angst ja per se erstmal nichts Schlimmes ist oder Unsicherheit. Das ist ja durchaus etwas, was auch evolutionär gesehen sinnvoll ist, sonst hätten wir das nicht an Bord, aber was vielleicht in einem gewissen Maß oder auf ein gewisses sinnvolles Maß reduziert bleiben sollte. Und lade dich gern ein, einfach deinen qualifizierten Senf dazu zu geben. Angst ist primär ja erstmal eine Emotion und ich weiß, dass wir gerne, dass wir Angst ungerne spüren und insofern gerne uns auf der sicheren Seite wägen und wehnen, nämlich dem Komplementär der Angst. Und dennoch hat Angst ja als Emotion eine Berechtigung und einen Sinn. Weil Angst ist ja als Emotion etwas, was uns quasi außerhalb des Kopfes, nämlich in unserem Körper auf einer ganz basalen Ebene, körperlich daran erinnert, bis hin zur Blockade gewisse Wagnisse schlicht und ergreifend nicht einzugehen. Evolutionär ist es daran bekundet, dass wir natürlich irgendwie, wenn wir im Abhang stehen, nicht mal gucken sollten, trägt mich die Luft oder nicht, weil das wäre ziemlich doof, weil sie in der Regel nicht trägt und wir wagen den Schritt, kommen wir unten an, haben uns anders gebrochen. Insofern ist natürlich eine Angst oder die Angst eine Stimme oder eine körpersprachliche Resonanz, die eine Stimme in unserem Kopf erzeugt, die sagt, du, pass mal auf, du kannst das ja vielleicht machen, aber guck doch mal, ist das so sinnvoll und bis wohin kannst du das denn unbedenklich tun? Also ist ja Angst erstmal per se nichts Schlimmes, sondern Angst ist ja eher so der kleine Reminder an uns zu gucken, ja, du kannst das machen, aber schau doch mal, welche Sicherheitsmaßnahmen, welche Redundanz möchtest du denn vielleicht hier irgendwie bereitstellen? Wenn Angst, aber es gibt einen schönen chinesischen Spruch, Mut ohne Angst ist Leichtsinn, weil da kommen wir schon zum, was passiert, wenn wir Angst einfach nur verdrängen. Ich glaube, dann bewegen wir uns in so einem luftleeren Raum, wo wir einfach Dinge tun, die leichtsinnig sind, unnötige Wagnisse eingehen. Und dann wäre ja die Angst ganz gut. Wenn aber die Angst zu viel ist, dann wissen wir, dass sie uns blockiert. Dass wir starr werden vor Angst, dass wir nicht mehr handlungsfähig sind. Oder dass wir, wenn die Angst ein gewisses Grundmaß überschreitet, einfach Dinge tun in so einer Reaktion, die alles andere sind als sinnvoll. Also uns auch nicht mehr aus der Predoule helfen, wenn sie denn da ist, sondern uns entweder starr machen oder irgendwas machen lassen, was aber nicht mehr sinnhaft ist. Und insofern, damit schließe ich so meine kleinen, mein mein Eingleiten oder in diesem Bereich Angst, insofern ist Angst was Sinnvolles, möchte aber auch auf das sinnvoller Maß reduziert sein.

Liebevoll Hinschauen Statt Wegdrücken

Katherina

Ja, ja, ist schön. Also wirklich Angst als Schutzsystem oder Art Warnsystem, wie du sagst, ne, ganz, ganz kostbar, das finde ich auch immer wichtig zu sagen, weil ich glaube, die meisten erleben das immer, wie du sagst, auch als was, was man am besten nicht haben möchte oder auch viel verknüpft ist. Also auch schön, diese, da kommen wir, glaube ich, noch gut dazu, auch wie Mut da drin hängt und wo dann Leichtsinn losgeht. Und das finde ich ganz, ganz schön, dass es erstmal so da sein darf, die Angst. Also das ist ja so dieser Klassiker auch von wenn ich es nicht haben will, dann wird es riesengroß. Das ist, glaube ich, auch bei Angst ein großes Thema. Also, dass das vielleicht so der erste große Punkt ist, den wir vielleicht heute irgendwie so finden können, dass Angst nichts ist, was man irgendwie unbedingt weghaben möchte oder am besten nicht haben sollte, sondern da vielleicht so einen ganz liebevollen Blick darauf zu bekommen. Ich habe eine ganz schöne Geschichte von einem mit einem Freund, der ist, ich bin ja so gerne Wellenreiten. Und er ist, also man könnte ehrlich gesagt, der ist einfach ein Profisurfer, der surft Wellen, das ist Wahnsinn, der ist auch fast jeden Tag im Wasser. Und wir hatten irgendwie einmal abends ein schönes Gespräch und dann habe ich zu ihm gesagt, na, mein Problem ist immer die Angst, weil wenn die Wellen zu hoch sind, dann habe ich einfach Angst. Und dann hat er gesagt, na, darum geht's doch. Und dann dachte ich, das gibt es ja nicht. Weil für mich war immer klar, die Leute, die so wahnsinnige Wellen surfen, die können gar keine Angst haben, sonst würden sie nie da rausgehen. Und die gehen einfach voll mit dieser Angst. Also das war für mich auch nochmal ein ganz großer Aha-Effekt, dass wirklich einfach wirklich die Angst einfach da ist und man, es geht um den Umgang damit, glaube ich.

Timo

Absolut. Absolut. Im Hintergrund zum Beispiel, ich belle gerade einer meiner beiden Hunde. Ich gehe jetzt auch nicht rüber, weil das ist eigentlich der Klassiker. Ich finde, es knüpft fantastisch irgendwie, was wir gerade sagen. Ja, ich habe zwei Hunde hier. Der eine ist ein Angsthase und der andere ist auch ein Angsthase. Also habe ich eigentlich zwei Angsthase, die reagieren aber vollkommen unterschiedlich. Und der eine zieht sich komplett zurück und wird handlungsunfähig. Und der andere fängt an, in so ein, ich mach mich laut, ich mache mich aggressiv, dass mir keiner zu nahe kommt, Modus zu gehen. Ob das jetzt immer so sinnvoll ist, ist auch die Frage. Aber deswegen ist eine Handlungen drin. Das war der, den wir eben gehört haben. Das war meine Hündinnen. Er ist ein Schisser, passt. Männlein, Vibleine, klare Rollenverteilung. Aber was du gerade sagtest mit dem Wellenreiten, es ist ja wirklich wichtig. Also gerade wenn wir Wagnisse wagen wollen, dann sind die ja nur sinnvoll, von uns in Erwägung gezogen zu werden, wenn sie irgendwie beherrschbar scheinen. Und wenn ich abschätzen möchte, was beherrschbar für mich bedeutet, muss ich ja meine Angst fragen. Ich muss ja gucken, was sie mir zu sagen hat. Und da würde ich gleich wirklich an dem ersten Punkt nämlich anknüpfen. Du hattest ja gesagt, lass uns da starten. Ich finde es ein guter Startpunkt, weil du hast vorhin davon gesprochen, die Angst liebevoll zu betrachten. Magst du das mal denen, die das vielleicht nicht wissen, was du damit meinst? Ich glaube, ich weiß, was du damit meinst, so ein bisschen erläutern, warum das sinnvoll sein kann und was liebevolles Betrachten für dich heißt.

Katherina

Also die Angst, liebevoll anzuschauen oder da sein zu lassen, würde ich beziehen, wirklich auch so diese innere Sicht darauf oder auch die aus dieser beobachtenden Perspektive können wir ja immer innerlich so ein bisschen draufhauen, sozusagen, im Sinne, ich will das jetzt nicht haben und oder ich fühle mich schwach, weil jetzt eine Angst da ist oder so, das sind ja unsere Bewertungssysteme. Und oder auch wenn wir es einfach natürlich, klar, Angst im Körper spüren. Und wenn wir das, finde ich, so eine innere Haltung zur Angst, dass sie da sein darf, und wir trotzdem vielleicht, oder wie wir gesprochen hatten, auch in einem Maß Dinge machen mit dieser Angst, gerade auch so, wenn wir uns einlassen, auf was Neues oder Unbekanntes zu wagen. Das kennen, glaube ich, auch viele. Es ist vielleicht mit einer Angst begleitet oder Unsicherheit. Und dass das liebevoll da sein darf und wir vielleicht Möglichkeiten finden, trotzdem, wie du auch angesprochen hattest, dann nicht in so eine Fernsteuerung zu rutschen, dass die Angst uns so überwältigt, sondern dass wir sozusagen, können wir vielleicht dann nochmal ein bisschen genauer auch schauen, dass wir auch diese Ebene in uns finden, wo es sicher ist, wo es stabil ist und mit dieser Angst wirklich auch in Situationen gehen können und da auch dran wachsen können, zum Beispiel. Also diese innere Haltung zu Angst, dass man sie einfach mitnimmt, wie einen guten Freund, der, wie wir, wie du so schön eingeführt hattest, auch der eine Warnung rausgibt oder ein bisschen so, Achtung, Vorsicht, sagst, Vorsicht bitte, und gleichzeitig uns aber dann nicht lähmend im überwältigen lassen oder aber uns auch nicht dagegen kämpfen lässt die ganze Zeit innerlich, weil ich glaube, das ist immer so die unschlaueste Idee, damit umzugehen.

Wellenreiten, Hunde Und Reaktionsmuster

Timo

Dieser Kampf ist ja was, was du sagst, was eigentlich nur dann passiert, wenn ich die Angst füttere. Also die Angst ist natürlich erstmals Emotion, was körperlich da ist, aber die natürlich auch immer auf irgendeinem geistigen Konstrukt aufbaut, sonst wäre sie ja nicht da. Das heißt, der Körper sagt eigentlich, weil der Geist die Situation nicht greifen kann oder nicht weiß, wie er damit umgehen muss, ihr neu ist oder vielleicht mit einer Erfahrung zu tun hat, die ähnlich ist, die mal blöd ausgegangen ist für mich, dann sagt ja eigentlich die Angst, du pass mal auf, ich werde jetzt so groß, bis du mich anhörst. Und in dem Moment, wenn du sie das liebevoll anschauen, bedeutet es ja, die Angst zuzulassen, ganz wichtig, aber sie nicht gleichzeitig zu füttern. Und die Frage ist, wie fütter ich sie? Ich füttere sie ja, wenn ich sie nicht anschaue, weil ich sie weiterdenke. Und das ist, glaube ich, so ein Prozess, den würde ich gerne gleich, vielleicht, wer jetzt nicht gerade Meditation betreibt oder viel Körperachsamkeitsarbeit nicht ganz so klar greifen kann. Weil Yoga lehrt uns ja oder Meditation lehrt uns ja, die Dinge anzuschauen, mit den Dingen zu sein. Das bedeutet also, das Vorhandensein der Dinge wertfrei zu beobachten. Und wertfrei zu beobachten, impliziert, dass ich erst einmal allem die Erlaubnis gebe zu sein, also sowohl meinen körperlichen Befindlichkeiten, Angst ist in der Hose, Angst ist vielleicht im Bauch, Angst ist irgendwo im Hals, Angst ist auf den Schultern. Also den Körperlichen das wegzuspüren, wirklich zu fühlen, was ist denn da überhaupt? Und dann gleichzeitig zu gucken, okay, was denke ich gerade? Das sind vielleicht Bilder, das sind vielleicht Erinnerungen, das sind Worte, da sind Sätze. Und die aber nicht weiterzudenken, ja genau, oh ja, genau so ist es, und daraus mehr Panik zu machen, sondern anzuerkennen, dass das da ist, als Status quo. Und wenn wir gar nicht in die Bewertung gehen von, und Bewertung ist jetzt entweder, oh, ich möchte das nicht, das ist eine Bewertung, weil das ist schlecht, Bewertung ist aber auch, ja, genau so ist es, ich denke, was könnte noch alles passieren, das ist auch eine Bewertung, sondern wirklich, wenn ich quasi an eine Meta-Ebene einnehme, also mir quasi die Frage stelle, okay, könnte ich mich von außen beobachten, was würde ich jetzt sehen, dann sehe ich ja, dass da Gedanken sind, dass da Körperempfindungen sind und die lasse ich quasi einfach so stehen. Und das Entscheidende ist, dass die Angst als Emotion, Emotion, also etwas, was, ich übersetze das gern, das ist natürlich nicht richtig, aber es trifft es, glaube ich, so wie es ist. E ist sozusagen, es kommt automatisch, ja, wie elektrisch, also das ist so, es kommt automatisch und die Motion ist halt die Bewegung. Das heißt, es ist ja erstmal etwas, was nicht kontrollierbar erstmal da ist, und sich, wenn ich das geistige Fütter, verstärkt. Wenn ich es also nicht geistig fütter und es nur beobachte und mich körperlich hinein entspanne, weil ich es zulasse, dann baut sich so eine Emotion immer ab. Immer. Weil, würde ich gerne dazu sagen, alle Emotionen möchten gehört werden, dafür sind sie da. Und wenn sie gehört wurden, sodass ich auf sie reagieren kann, haben sie ja eigentlich ihre Schuldigkeit getan. Ignoriere ich sie, bauen sie sich auf. Oder ich fütter sie, wenn sie noch größer sind. Das heißt, dieses liebevolle Betrachten ist ja ein, ich lasse die Dinge stehen, ich gucke auf, was denke ich, und dann gucke ich, aber ganz wichtig, was haben wir denn diese Gedanken zu sagen? Weil das sind ja Dinge, die mich, wenn ich es jetzt wieder ignoriere, wieder in die Angst bringen. Das heißt, wenn da zum Beispiel der Gedanke ist, mit ja, ich kann damit nicht umgehen, ich weiß nicht, was da kommt, ich habe keinen Lösungsweg, dann würde das ja bedeuten, dass ich, um mit dieser Angst sinnvoll umgehen zu lernen, mir gucke und anschaue, was könnte ich denn neutral beobachtet tun? Welche Handlungsaltern, welche Handlungsmöglichkeiten gibt es denn überhaupt? Und dann wird man in der Regel feststellen, große Klammer auf, das tut man nämlich im Alltag nicht Klammer zu, dass man Handlungsoptionen besitzt, die man aber nicht nutzen kann, wenn man die Angst füttert, die man aber auch nicht nutzen kann oder gar umgeht, wenn man die Angst versucht auszublenden, weil dann wird sie nur stärker oder irgendwas anderes kommt raus. Also vielleicht soviel auch nochmal von meiner Seite als Erklärung dafür, weil ich glaube, viele Menschen glauben dann auch, es würde bedeuten, dass wir diese Angst allumfänglich zulassen, im Sinne von sie noch größer zu machen. Und das ist ja das, was wir nicht wollen.

Katherina

Ganz wichtiger, großer Unterschied. Ja, ist richtig. Ja, ist schön. Ich habe auch immer gern so das Bild, dass wirklich diese Emotionen in erster Linie einfach gefühlt werden wollen und wie Wellen durch uns durchfließen, wenn wir sozusagen nicht in dieses Ding von einerseits nicht haben wollen, Abneigung gehen oder auch dann festhalten, auch in den Emotionen oder sie größer machen. Also, das ist, das ist, glaube ich, auch gut aus der Yoga-Philosophie auch schon sozusagen gut beschrieben. Das ist sehr schön, ja. Also kennt man vielleicht auch, ich finde das immer ganz erstaunlich, kennt man vielleicht auch bei Kindern, wie schnell sich manchmal Emotionen verändern, weil die irgendwie da noch einen anderen Zugang haben. So in einem Moment ist Weinen, im nächsten Moment ist Lachen und als Erwachsener denkst du manchmal, so komme ich jetzt gar nicht hinterher.

Fühlen Statt Füttern: Praxisnah Erklärt

Timo

Aber da sagst du was ganz Spannendes, finde ich. Weil Emotionen überlagern sich ja gegenseitig. Das heißt, wenn eine Emotion zu stark wird, wir haben ja immer mehrere im Boot, dann kommen wir an die anderen unter Umständen gar nicht ran. Das heißt, wenn meine Angst zu stark wird, dann komme ich an die komplementären. Also Angst ist ja erstmal etwas, was mich hemmt. Es gibt ja aktive Emotionen oder antreibende Emotionen, also handlungsantreibende Emotionen. Und es gibt passive, bremsende Emotionen, es gibt auch neutrale. Und Angst, genau wie Traurigkeit, ist halt eine ganz stark hemmende Emotion. Also es ist erstmal etwas, was uns in unserer Euphorie etwas zu tun komplett bremst, bis es quasi angehört wird, damit wir in unserer Euphorie nicht einfach zu weit gehen, nicht über diese Clippe hinauslaufen, weil wir so Lust haben zu rennen. Das heißt, wir kommen eigentlich erst dann, und das ist das Wichtige, an die Emotionen, die uns wieder in die Handlung bringen, wenn die lähmenden Anteile etwas kleiner geworden sind. Also wenn die uns dominieren, dann können wir uns ja auch gar nicht abverlangen, irgendwie in die Handlung zu kommen. Es funktioniert gar nicht, weil die uns wirklich einfach ausbremsen. Deshalb braucht es auch eine Handlungsalternative. Weil nur wenn ich eine Handlungsalternative in meinem Kopf quasi innerlich in Erwägung ziehe, diskutiere, überdenke, kommt ja aufgrund dieser inneren Resonanz, das berühmte Bauchgefühl, also wie fühlt sich das mir an, auch die Frage auf, okay, wenn ich jetzt diese Handlungsoption überlege, wo ich eben noch in der Angst war oder wo Angst noch da ist, wie resoniert die denn in meinem Bauch? Also die Frage, glaube ich denn, das, was sich meinen Kopf da gerade ausdenkt, das auch tun zu können? Weil ich bin ja vielleicht nicht der, der sich das jetzt zutraut zu tun. Also muss ich durchaus in meinem Ringen um eine Handlungsalternative auch eine Alternative in meinem Denken finden, die ich mir selbst zutraue. Da komme ich zu berühmten Selbstwirksamkeitserfahrungen. Also habe ich etwas nie erfahren, dann glaube ich auch nicht daran, das tun zu können. Also muss ich unter Umständen in meinem Köpfchen noch ein bisschen weitersuchen, bis da eine Möglichkeit kommt, die ich mir zutrauen, die ich glaube. Und die löst in meinem Bauch dann was anderes aus. Die löst dann eine andere Emotion aus. Die löst dann eine Emotion aus, die wir vielleicht Mut nennen würden, wobei Mut keine Emotion ist. Oder eine Emotion, die wir, die auf jeden Fall auf der aktiven Seite ist. Die aktiven primären Emotionen wären zum Beispiel Freude. Oder auch Wut. Also sind freudvolle Anteile, willkommen, durchaus auch zum Teil Wutanteile. Ich meine, Wut ist jetzt bei uns nicht besonders positiv konnotiert. And trotzdem drückt Wut, when she is wutant, when she nurse an Anteil ausdrückt for an eigenen Bedürfnis, dann is es ja schon Wut. Also ganz wichtig für alle, die jetzt mit dem Thema Wut gar nichts anfangen können. Wood is an emotion that primär erst mal ausdrückt for the eigenfinder anders for the eigenfine in the handling bringen. And when the innere stimm, then erst wird Wut so cross that Zu einer Macht, der wütet, die also dann rücksichtslos wird. Also, Wut im Entstehen ist durchaus für den eigenen, für das eine Bedürfnis einzustehen, gleichzeitig durchaus Rücksicht nehmen können auf alles andere. Nur wenn wir diese Stimme dann permanent unterdrücken, weil wir mal gelernt haben, oh, Wut ist aber nicht gut. Nur dann wird sie so krass, dass sie destruktiv wird. Und trotzdem ist es die Kategorie Wut. Also wir könnten sie auch vielleicht umformulieren in für die eigenen Bedürfnisse einstehen. Aber es ist Kategorie Wut. Und insofern ist eigentlich Wut und Freude die beiden, also wenn wir auf etwas Spaß haben, Bock haben auf etwas, oder wirklich sagen, ey, das will ich jetzt, aber genau so, weil das ist mir wichtig, das sind eigentlich die primären beiden Emotionen, in die wir reinkommen müssen, damit uns unsere Angst nicht mehr dominiert.

Katherina

Das ist schön. Und würdest du, also tatsächlich finde ich immer was, was so eine ganz, ganz wertvolle Praxis ist, die Yoga uns an die Hand gibt, da rüberzukommen. Also wer immer auch erstmal über dieses Wahrnehmen im Körper rauszukommen, aus dem es ist jetzt irgendeine diffuse, große Angst, die ich vielleicht gar nicht greifen kann, sondern dann kann ich, wenn ich spüre, wie fühlt sich die Angst im Körper an oder wo spüre ich zum Beispiel auch die Angst im Körper? Oder auch diese schönen Dinge, die ja wirklich wunderbar gut funktionieren, obwohl sie manchmal so simpel anmuten, auch hat es irgendwie eine Farbe, wie fühlt es sich an? Also ganz spannend. Das ist auch vielleicht ein Werkzeug aus dem Yoga, was wir, glaube ich, erstmal sehr gut an die Hand geben können, um eine innere Distanz zu schaffen, also wirklich wieder das als in der Erfahrung zu haben, dass wir wirklich viel, viel mehr sind, auch in diesem Moment, als die Angst, dass es nicht so überwältigend wird.

Von Angst Zu Handlungsoptionen

Timo

Diese berühmten systemischen Coaching-Fragen. Wie sieht es aus? Wie riecht es sich schmeckt? Wo fühlst du es? Es ist ein Drücken oder ein Ziehen. Ist aber ganz wichtig, weil du sprichst ja was an. Im Yoga gibt es den Begriff Abhinevesha, die unbegründete Angst. Und das ist ja ein Teil der Angst, ist die Angst vor dem Unbekannten. Also wenn wir Dinge nicht greifen können. Und gerade wenn das so ist, wie du gerade so schön sagt hast, dass die Angst so etwas Diffuses hat, ist sie für uns so ein bisschen latent überall und ich kann sie nicht greifen. Und was ich nicht greifen kann, das gibt mir kein Gefühl von Stabilität und Sicherheit. Also nur, was ich nicht greifen kann, schürt die Angst noch weiter. Es macht also sehr wohl Sinn, der Angst eine Gestalt zu geben, einen Namen, sie benennbar und erfahrbar zu machen. Und deshalb, so esoterisch, dass ich sie auf den ersten Blick anhören mag oder aufs erste hören, wir funktionieren ja im Barkok-System, also visuell, auditiv, olfaktorisch, gustatorisch, kinästhetisch, also unsere fünf Ebenen. Und auf diesen fünf Ebenen läuft für uns die Erfahrung von Wahrheit. Also brauchen wir eigentlich diese fünf Ebenen, damit die Dinge, die wir auch innerlich fühlen, für uns echt werden und damit greifbar. Und damit braucht die Angst eine Gestalt, also ein Ausdruck, ein Bild, eine Farbe, eine Form. Sie braucht vielleicht ein Wort, ein Symbol. Vielleicht braucht sie sogar einen Geruch und einen Geschmack, aber wichtig, ich muss sie natürlich auch erfüllen. Und wenn ich das tue, dann bekommt sie Gestalt. Dann ist sie, das ist so ein bisschen wie im Horrorfilm, ne? Es ist immer dann spannend, wenn das komische Alien-Vieh noch nicht da war und wenn es dann da ist, dann mag das noch so eklig sein, aber es hat Gestalt. Und jetzt wird es ein reeller Feind, ein reeller Feind. Also ich kann besser gegen einen reellen Feind in die Wut kommen und kämpfen und mich verteidigen, als wenn der so unklar ist. Das ist ja auch so ein bisschen das Problem gerade, glaube ich, an dem an der Art und Weise, das politische Umfeld darzustellen, medial. Dass es einfach nicht greifbar ist. Alles verändert sich und du hast irgendwie den Halt nicht. Und deshalb macht das sehr, sehr, sehr, sehr absolut Sinn, was das sagt, dem Ding wirklich Gestalt zu geben und dann aber auch die Frage zu stellen, ja, was will denn die Angst von mir? Und die hat ja immer etwas, was brauchen die in erster Linie? Die braucht Klarheit. Also das erste ist ja, okay, liebe Angst, was willst du denn von mir? Und dann Klarheit. Ich möchte ein weiteres Beispiel geben, was glaube ich einige Menschen trifft. Da mag sich jetzt der die ein oder andere ertappt fühlen oder auch nicht, aber dieser typische Abinevesha-Typ, es gibt ja so einen Umgang mit Angst, wegschauen. Was ich nicht sehe, gibt es nicht. Und ich erinnere so, vielleicht kennt das der die ein oder andere von euch, du kommst nach Hause, du weißt, da ist jetzt irgendwie irgendwas im Briefkasten demnächst, der Steuerbescheid oder eine dicke Rechnung oder irgendwas Unangenehmes, was die meisten als unangenehm empfinden, und du machst einfach den Briefkasten nicht auf. Du gehst einfach nicht an den Briefkasten. Oder nimmst die Briefe raus und steckst in eine Schublade. Das passiert vielen Menschen. So, jetzt hast du, es ist erstmal eine super Strategie, weil der Brief ist nicht da ist. Der ist de facto nicht da. Also musst du diese Angst nicht ins Auge blicken. Was passiert da aber, in deinem Unterbewusstsein weißt du ganz genau, das wird jetzt nicht besser. Irgendwann kommt eine Mahnung, du weißt doch gar nicht, wie hoch dieser Betrag ist, was sie dir da alles antrohen, wann kommt der Gerichtsvollzieher, was auch immer. Oder wann macht dir das Finanzamtskonto dicht, um mal bei dem Finanzamt zu bleiben? Also steigt der Druck. Und die einzige Möglichkeit, die es gibt, den Druck zu mindern, ist, die ständig wachsende Hürde, weil der Druck ja größer wird, den Brief aufzumachen, zu überwinden und den Feind ins Auge zu blicken. Und das nennt man Klarheit. Jetzt weißt du da, oh, 13.794 Euro. Habe ich nicht. Aber du weißt, es ist eine reelle Zahl. Und diese reelle Zahl gibt dir erstmal einen Schock. Aber jetzt hast du das erste Mal die Möglichkeit zu sagen, puh, krass, so ist es. Du weißt, du hast es nicht. Also rufst du beim Finanzamt an und bittest um Stundung oder klärst das. Und danach wird es dir besser gehen. Immer. Und das ist für mich so eine gute Geschichte, das geht ja auf allen Ebenen so, zu verstehen, warum es diese Klarheit braucht. Und erst wenn es diese Klarheit braucht, wirklich die Frage, was will denn die Angst von mir? Also wie hoch ist der Betrag? Oder wovor hat sie Angst? Ah ja, sie hat Angst, dass der Betrag zu hoch sein könnte. Okay, dann guckt ihr den Betrag an. Und erst wenn ich das tue, dann schalte ich in dem Moment um von Angst auf Handlung. Und in dem Moment entsteht das erste Mal wieder die Möglichkeit zur Selbstwirksamkeitserfahrung. Und daraus wird Stolz, dass ich es gemacht habe, eine Emotion oder Freude, sogar am Tun, hi, ich kann was tun, oder von mir aus Wut. Ich muss dafür jetzt einstehen, weil es vielleicht ungerecht empfunden wird oder wie auch immer. Aber diese drei primären Emotionen sind es eigentlich, in die ich rutschen muss, um aus der Angst herauszukommen. Und dann lehnt sie mich nicht mehr.

Katherina

Ja, schön. Was für ein tolles Beispiel, Timo. Das ist, glaube ich, gut greifbar, weil es in uns auch so funktioniert.

Timo

Ja, ich habe jetzt mal die Hosen runtergelassen. Das war ich vor 15 bis 20 Jahren. Da habe ich genau diese Strategie gefahren. Und ich habe mich dann lange damit beschäftigt. Und es war einfach nur eine Strategie. Und ich habe dann nur einen Strategiewechsel gemacht. Und es funktioniert. Und ich glaube, es funktioniert mit allem.

Katherina

Ja, auf jeden Fall. Und aus der Bewusstheit heraus und auch in die Handlungsfähigkeit rein. Das ist, glaube ich, auch was, das haben wir, glaube ich, auch in Corona und einiger, glaube ich, sehr schmerzlich erfahren müssen, wie lähmend eine Handlungsunfähigkeit ist. Das ist auch, glaube ich, sehr unterschätzt gewesen. Und das ist ja jetzt, auch um die Brücke zu machen, ist jetzt ja wieder ähnlich, glaube ich, so in dieser weltpolitischen Lage ist es auch wieder so eine gewisse Handlungsunfähigkeit, die, glaube ich, diese Unsicherheit so fühlen lässt für viele. Es ist auch nicht absurd, dass die gefühlt wird, sozusagen.

Timo

Was würdest du denn sagen? Also, ich finde das auch überhaupt nicht absurd. Also, ich meine, das sind im Moment einfach Dinge, die geschehen, wo ich wirklich, wo ich die Hände meinen Kopf zusammenschlage. Ich bin ein Kind geboren in den frühen Anfang der 70er, 1972, aber aufgewachsen, meine Jugend in den 80ern. Ich bin ein Kind von Glas Nostin Pestroika. Und ich kenne noch gut diese Ängste, mit denen ich groß geworden bin. Das war immer so die berühmte Angst vor dem großen Krieg. Und dann war mal gefühlt, gerade für meine Generation, so alles endlich gut. Jetzt können wir uns den echten Dingen widmen. Und jetzt schwappt es so zurückgefühlt. Es baut sich so zurück. Oder die EU-Idee. Oder, ne? Also, egal wo man hinschaut. Also das, was wir jahrzehntelang für universell gültig hielten, für stabilitätsgebend, das ist ja gerade gefühlt ein bisschen zumindest teilweise am Wegbrechen. Was würdest du denn sagen? Wie kann denn Yoga Menschen helfen, die genau diese Angst empfinden?

Greifbar Machen: Farbe, Form, Name

Katherina

Also, ich habe jetzt auch so gedacht, so wenn man so im Chakrasystem guckt, ist ja wirklich der Schatten sozusagen, der fürs erste Chakra benannt wird, was ja für unsere Stabilität und Sicherheit oder Erdung, Verwurzelung steht. Der Schatten ist die Angst. Und ich glaube, Angst ist schon so facettenreich oder so groß auch für alle, glaube ich. Die arbeitet sich am Ende auch durch alle Chakren hindurch, wenn man das so sagen möchte, aber erstmal das zu verorten, auch da, weil das geht uns ja wirklich an die Stabilität und an unser Sicherheitsgefühl. Und ich glaube, das ist was, was vielleicht eine große Chance ist übers Yoga, dass wir eine Sicherheit finden, auch in uns, die uns letzten Endes so ein Stück weit mehr wappnet, weil es ja, wie wir gesagt hatten, es braucht im Endeffekt, wir können jetzt gerade das, was so passiert, oder auch jeden Tag manchmal wieder neu in den Nachrichten berichtet wird, wir können das nicht ändern, so im Kleinen und brauchen einen Umgang damit. Und ich glaube, so unsere Sicherheit, die wir in uns finden, die ist noch viel wichtiger geworden. Und ich denke, da gibt es Yoga uns ganz, ganz viel.

Timo

Also angefangen. Nee, ich frage mich, was würdest du konkret sagen, wie können jetzt Menschen, die uns gerade zuhören, wirklich greifen, wie kann uns da Yoga-Sicherheit geben?

Katherina

Ja, also ich wäre da ganz doll erstmal so simpel, wie das auch wieder klingt, bei ganz, ganz viel erdenden, kraftvollen Standhaltungen, weil die uns einfach auch, also selbst diesem Resilienzgedanke, also die lassen uns in hohem Maß unsere Kraft spüren, auch uns in der Stabilität erleben. Also auch, oder wenn ich zum Beispiel mich auf einem Bein balancieren kann, das übertragen ist, dann stehe ich mit beiden Beinen eigentlich ganz gut oder vielleicht auch sicher und mich wirft auch nicht jeder Wind gleich um, der kommt. Und ich denke, das ist, das ist tatsächlich, das klingt so sehr simpel, aber das ist was, was eine unglaubliche Ressource ist, die wir finden können, dass und überhaupt, also einmal das und auch wirklich die Füße zu spüren, barfuß zu gehen, das ist ja was, was uns wirklich in diese Verbindung mit der Erde bringt. Und vielleicht auch weg aus diesen Informationsflut und manchmal Überdenken auch. Und natürlich auch diese Bildgewalt der Berichterstattung der Medien, das ist ja, glaube ich, für alle irgendwie so bewusst, dass das so eben auch das heutzutage leider funktioniert. Also auch wie Berichterstattung funktioniert, das reißt uns immer wieder so aus dieser Verbindung, aus dieser Sicherheit. Also ich glaube tatsächlich auch das Spüren allgemein über den Körper ist was, was uns unglaublich viel an Sicherheitsgefühl gewinnen lassen kann. Und wirklich egal, egal auch, ob das dann unter der Dusche ist, bei der Yoga-Praxis sowieso oder rausgehen immer, ich bin ein Riesenfan immer vom Rausgehen, auch in die Natur. Das ist eingebettet in die Rhythmen der Natur von Tag und Nacht. Oder man spürt den Wind, man spürt Wärme, man spürt Kälte, man spürt Regen. Also weil ich glaube, dieses Sich Widerspüren ist die Möglichkeit, was wir all diesen Informationen und diesen auch Ängsten und Unsicherheiten, auch lähmenden Gefühl da entgegensetzen können. Und auch, glaube ich, auch Gemeinschaft.

Timo

Absolut.

Katherina

Da werde ich große Chancen sehen.

Klarheit Statt Vermeidung: Der Briefkasten

Timo

Du sprichst mir aus der Seele. Also ich sehe auch dieses Selbstwirksamkeitsprinzip, Stabilität, das geht einfach über den Körper. Also für alle, die jetzt vielleicht kein Yoga machen oder nicht so im Sport sind. Selbstwirksamkeitsglaube muss körperlich erfahren werden. Also du kannst dem Menschen 500 Mal auf die Schulter klopfen und sagen, das kannst du, der glaubt nicht dran. Du musst das, oder der Mensch muss das fühlen, dass er Kraft hat. Und das muss ja nicht unendlich viel Kraft sein. Und vielleicht kannst du das als Lehrer, Lehrerin ein bisschen begleiten, indem du einfach die Menschen innerlich bewusst benennen lässt, was sie an Ressourcen haben, nicht was ihnen fehlt, sondern was da ist. Das eine. Das zweite, wirklich so, sich auch spüren und du sagtest eben so ein bisschen raus aus dem Denken. Je mehr wir im Fühlen sind, desto weniger können wir denken. Also der Kopf hat nur eine gewisse Kapazität, Dinge bewusst zu erleben. Das berühmte Multitasking ist die schlechteste Konzentration, die es gibt. Also je multitasking-fähiger jemand ist, desto schlechter ist er einfach nur konzentriert. Das ist ganz einfach, weil das nicht funktioniert neuronal. Und insofern ist alles, was wir ins Fühlen bringen, immer einen Schritt raus aus dem Denken. Und du hast eben noch einen ganz anderen Punkt genannt, dieses in der Natur sein. Es gibt im Yoga das Wort Ishvara Pranidana. Und für mich ist Ishvara Pranidana also quasi an etwas Höheres angeknüpft zu sein, sich daran zu erinnern, dass das nicht alles immer so furchtbar wichtig ist, sondern dass es vielleicht was Größeres gibt außerhalb von uns. Egal wie auch immer man das jetzt verstehen mag, das kann jemand, der theistisch religiös ist, der hat ein klares Gottesbild. Ich brauche das nicht, ich bin sehr mystisch. Also für mich ist hinter allem Bewusstsein, alles ist vom Bewusstsein durchdrungen, alles ist miteinander verbunden. Insofern, wenn ich quasi eine Ebene weiterschaue und das gelingt mir in der Natur, dann haben die Dinge nicht mehr das Gewicht. Und ich würde noch was anderes anfügen, noch zwei kleine Punkte. Ebenso wie die Selbstwirksamkeitserfahrung, kannst du im Yoga ja auch deine Fähigkeit zur Ruhe erfahren. Also wenn du, wenn du eine schöne Yoga-Praxis machst, indem die Leute aus dem Denken rausbringst oder dich selbst aus dem Denken rausbringst und am Ende wirklich ruhig bist und das Ruhig mal bewusst erfährst, ist ja auch schon viel getan. Dich an deine Ruhe und Erdung wieder zurückerinnernd, dass du das besitzt. Und das Letzte ist, ich finde, und das merke ich immer, wenn ich in Italien bin, ich bin in zwei Wochen wieder, juhu, in unserem Haus. Ich gucke kein italienisches Fernsehen, schlicht und ergreifend, weil es mir, weil ich es in größten Teilen nicht verstehe. Also italienische Nachrichten sind mir immer noch suspekt. Und es ist mir auch zu bla bla, es ist mir zu viel, zu laut, zu schnell, zu viel Werbung. Und im Ausland gucke ich keiner, gucke ich eigentlich so gut wie nie ARD in CDF. Sprich, wir gucken eigentlich im Ausland überhaupt kein Fernsehen, wenn da mal ein Film, eine gute Reportage, und ich höre da auch kein deutsches Radio, was es da gar nicht gibt. Also, wenn das HR-Info mal ausbleibt eine Woche, dann merke ich, und das möchte ich mal als Idee so pflanzen für alle, die uns zuhören, wir sind frei in unserer Entscheidung, mit welchem medialem Input wir uns vollhämmern. Und wenn du halt abends erst die Tagesthemen guckst und dann Maisberger und dann sonst was, dann kannst du ja gar nicht von dir erwarten, irgendwie aus diesem Konglomerat an Druck, was da aufgebaut wird, und Horrorszenarien, die da dargestellt werden, um es auch irgendwie noch zu verkaufen rauszukommen. Sprich, es ist ja unsere Freiheit zu sagen, du, ich kann mich ja informieren, aber das muss ich ja nicht mit Bild und Ton. Das kann ich ja vielleicht auch mal durchs Lesen von Fakten. Und das macht ja was ganz anderes, ob ich eine Tageszeitung lese oder die Online-Ausgabe etwas verkürzt, oder ob ich mir dieses bildgewaltige Horrorszenario da jeden Abend reinziehe. Ich muss es einfach so nennen, weil mittlerweile sind auch die öffentlich-rechtlichen sehr, sehr viel populistischer geworden aus meiner Sicht. Und das macht was mit uns. Und weil das was mit uns macht und wenn ich merke, ich resoniere, dann kann ich mich dem ja hingeben und mich in meiner Opferrolle, es ist halt so sehen. Oder ich kann sagen, nö, Selbstwirksamkeit ist auch zu sagen, ich lese heute Abend was Gutes oder unterhalte mich mal mit meiner Partnerin, soll ja auch ganz gut sein, haben wir am Anfang der Beziehung ja auch gemacht. Also das möchte ich auch so ein bisschen mit reingeben, weil ich glaube, es ist einfach eine große Frage, welchen Input setze ich mich auch den ganzen Tag aus? Und da haben wir einfach wirklich die Dottungswort.

Katherina

Total, total. Und das kann ich auch kein So da andocken. Auch ich bin ja jetzt gerade aus einem zweiwöchigen Retreat in Goa wiedergekommen. Und ich hatte wirklich jetzt auch im Flieger, das war ganz schön mit der Gruppe zurück, hatte wirklich so, wir hatten alle das Gefühl, die Welt ist komplett in Ordnung, weil wir hatten alle zwei Wochen keine Nachrichten angeschaut und waren ganz viel in der Natur gewesen. Und das ist verrückt. Also gar nicht, dass man jetzt nicht, wie du auch gesagt hast, ne, also es geht ja nicht darum, dass man jetzt gar nicht informiert ist, aber ich kenne das auch von mir. Ich denke, ich komme irgendwie gut gelaunt nach Hause. Und wenn ich dann die Tagesthemen angucke und danach, wie sie alle heißen, nochmal doch, weil ich denke, muss doch mal ein bisschen wissen, was jetzt gerade wieder hier los ist. Und dann denke ich so, wow, vorhin habe ich gedacht, es ist alles total gut. Und jetzt denke ich, oh waya, das macht ja so viel. Und ich glaube gerade auch, das kennen wir auch vom Yoga, also dass wir auch umso mehr wir auch natürlich Yoga-Praxis haben, Meditationspraxis, wir werden oder wir sind, also ich so kenne ich es von mir auch über die vielen Jahre. Also ich finde dieses Maß an Empathie auch und dieses wirklich berührt zu sein, sich berühren zu lassen, auch das, das geht fast irgendwann gar nicht mehr mit dieser Bildgewalt einher. Also ich merke dann, dass wirklich auch diese Bilder mir ganz lange bleiben. Und dass ich, finde ich auch gut. Also ich will mich da auch nicht so abstumpfen und abgrenzen. In der Weise muss das passieren, sonst wird es auch komisch. Aber ich bin da auch immer sehr hin und her gerissen. Also es braucht ein gutes Maß zwischen ich informiere mich, das finde ich schon auch gut, aber wirklich in einem, wie du sagst, einer sehr, sehr, sehr bewussten Maße, weil das wirklich zu viel mit unserer, mit uns macht, mit unserem Gehirn, mit unserer Gehirnstruktur, mit unseren Emotionen, das ist so immens. Und das Ergebnis ist ja aus, es ist voll verrückt. Also ich finde, dieses Frustlevel, auch was teilweise hier in Deutschland auch ist, das macht keine Freude.

Timo

Also ich würde sogar mal rumdrehen, würde sagen, man könnte sich ja mal ganz gezielt mit den Dingen beschäftigen, die auch funktionieren.

Speaker

Ja.

Timo

Also die auch im eigenen Leben funktionieren. Und wenn man schon weiß, man kann halt weltpolitisch nicht mitspielen, wenn man nicht dieses politische Gewicht hat, weil man halt einfach was in ein ganz anderes Leben führt. Dann kann man aus meiner Sicht sehr wohl ein gewisses Maß an Distanz dazu aufbauen und zu sagen, okay, ich fühle für mich gerade die Balance zwischen mich zu informieren, aber auch darunter zu leiden, die stimmt für mich gerade nicht. Also nehme ich vielleicht die Information ein bisschen zurück, damit es mir einfach besser geht, wohl wissend, dass ich an der großen Sache nichts ändern kann. Aber mir verfolgt mich nicht mehr. Euch die Frage stellen, was kann ich denn beeinflussen? Wo kann ich denn was Sinnvolles machen? Wo kann ich auch für das Groß und Ganze was beitragen? Also das berühmte Karma-Yoga, Dinge zu tun, die sinnhaft sind, die nachhaltiges Werteglück fördern. Anderen helfen, vielleicht mal nicht nur auf sich achten. Oder keine Ahnung, wenn du im Park unterwegs bist und siehst, da liegt was rum, halt einfach mal radikal den Kram wegmachen und hast auch schon was Gutes gemacht. Oder du nimmst einen Hund oder eine Katze in Pflege oder ein Kind oder was auch immer. Also es gibt ja immer etwas zu tun. Und selbst wenn du mit Menschen, die vielleicht auf der Straße irgendwo sitzen, einfach ins Gespräch gehst und denen mal begegnest, Mensch zu Mensch auf Augenhöhe und nicht da der Gloshar und hier ich. Also wir haben ja so viele Möglichkeiten zu tun, zu tun, zu agieren, sinnhaft zu agieren. Ich glaube, es gibt ja unendlich viele Aufgaben, aber ich glaube, wir streben manchmal nach Dingen, die wir schlicht ergreifen, gar nicht beeinflussen können. Und wenn wir uns nur mit den Dingen beschäftigen, die nicht laufen, sehen wir natürlich zwangsläufig nicht die oder nur weniger, die laufen oder wo wir helfen und die Welt schöner machen können.

Politische Unsicherheit Und Ohnmacht

Katherina

Ja, da hast du jetzt auch wieder was so Schönes gesagt, weil das ist ja für andere Dasein oder auch für, also mal den Müll im Park wegräumen oder so, ist ja auch was, was uns zutiefst ins Sattva trägt, also wirklich auch in unseren inneren Frieden. Ich denke, das ist da so ein bisschen noch mit da drin auch gerade, ne, gesamtgesellschaftlich, dass sich so viel tatsächlich um die eigene Welt dreht, wenn man so guckt. Und das ist, das ist, finde ich, auch schön. Also, bevor man immer das Gefühl hat, ich muss jetzt entweder ganz im Großen was ändern, was nicht geht, oder ist es alles ganz hoffnungslos. Das ist ja auch nicht schön. Und das zeigt sich ja auch, glaube ich, in der Generation, in der jungen Generation sehr stark, dass das so, ja, also Zukunftsangst, aber auch so eine Demotivation irgendwie für alles macht. Also nicht bei allen, aber viele, glaube ich, erwischt es in so einer Weise. Also, dass wir wirklich uns ausrichten und im Kleinen wirklich auch verstehen, was wir bewegen können. Absolut. Ja, und ein bisschen weggehen aus diesem Ekozentrierten. Also das finde ich immer eine ganz doll gute Idee.

Yoga Für Sicherheit: Stand Und Balance

Timo

Ja, ich glaube, die Bandbreite zwischen Resignation und ich ändere jetzt mal eben die Welt, die ist riesengroß. Und das ist auch der einzige Bereich, in dem wir die Freiheit besitzen, wirklich zu agieren und unseren Beitrag zu leisten. Insofern, ja, also wenn ich das mal subsumiere, wir sind ja schon wieder bei 45 Minuten. Dann denke ich, dass wir für alle, die Yoga lehren, einen ganz wichtigen Auftrag haben. Aus meiner Sicht nämlich Freude, Leichtigkeit, Zuversicht zu leben, vorzuleben und auch im Unterricht zu ermöglichen. Und den Menschen, die zu uns kommen, durchaus was zuzumuten, dass sie nämlich sich schon für etwas anstrengen, was wir dann, wenn sie es für sich umgesetzt haben, bejahend, sprachlich begleiten. Also sprich, wenn du in einem Hund stehst und ein Bein hibst und vielleicht eine Hand ein bisschen vom Boden löst, dann mag das wackeln, aber du könntest ja auch sagen, du, wie oft stehst du denn pro Woche auf einer Hand? Und das tust du doch gerade, oder? Und wackeln ist ja trotzdem Stabilität. Also die Menschen daran zu erinnern, was sie in der Lage sind zu leisten. Und sie vielleicht auch, du hattest es vorhin so schön gesagt, an die Schönheit der Sangha zu erinnern. Also es ist ja nicht immer alles grau, sondern alle, die in dem Yoga-Raum sind, die teilen ja mehr oder minder eine sehr, sehr ähnliche Idee und eine sehr, sehr ähnliche Hoffnung und Wünsche. Und wenn man dann sieht, dass es ganz viele gibt, denen es genauso geht, das ist schon mal was anderes, und dass es ganz viele gibt, die auch auf der Suche sind nach, was kann ich denn hier tun? Und wo ist denn hier die Schönheit, dann kann ich ja Menschen daran durchaus als Lehrer-Lehrerin darinnern, dass diese Community besteht. Und dass, ich habe es immer mit den drei Owen des Buddhismus, Buddha Dharma Sangha, dass wir alle die Buddhaschaft, also die Fähigkeit zu reifen in uns tragen, dass es an uns ist, das in die Handlung zu bringen und dass nur die Handlung auch die Veränderung bringt. Und dass Dharma bedeutet, für was Größeres einzustehen, nicht nur für uns. Und dass nur in der Gemeinschaft auch das Große erwächst und in keinem Rahmen außer der Gemeinschaft so wertvoll individuell erfahren werden kann. Allein kannst du das gar nicht so genießen. Und ich glaube, das ist so ein ganz, ganz großer, ich würde schon fast sagen, Auftrag, den wir als Lehrende haben, nämlich genau diese Qualität in eine Stunde zu bringen. Nicht nur höher, schneller weiter, aber auch nicht den Easy Weg. Wir machen es nur noch Jing und legen uns hin. Bete nichts gegen Jing, ich bin ein großer Jing-Freund. Aber ich glaube, wir können Menschen schon was zutrauen, aber wir müssen sie dafür auch belohnen. Im Sinne von, guck mal, was du da gerade Tolles tust, das bist du. Und um sie dann in die Ruhe zu bringen und sie vielleicht auch in der Ruhe abzuholen und sagen, guck mal, wie ruhig du gerade bist. Das bist du, der da ruhig ist. Ich habe dich nicht ruhig gemacht. Du bist ruhig, ich kann dich nicht ruhig machen. Und ich glaube, das pflanzt ganz, ganz viel Resilienz in Menschen. Und das brauchen wir gerade.

Katherina

Ja, das ist schön. Ja, ist wunderschön. Also genau so sehe ich das auch und so unterrichte ich das auch. Also wirklich in der Mission. Da ist die Yoga-Welt auch groß. Manchmal liegt man den Finger gerade noch in die Wunde so rein, aber ich bin wirklich ein großer Freund von Freude, da wirklich in die Welt zu bringen, in den Yoga-Unterricht und dieses Selbststärkende. Und es ist ganz verrückt. Also ich habe jetzt gerade auch nochmal in diesen Wiederkommen von Indien, habe ich so gedacht, das ist voll verrückt in Indien. Das Leben ist echt so schwer. Also es gibt so viel dort, was eigentlich eine unglaubliche Schwere haben könnte. Und gleichzeitig gibt es so eine unglaubliche Gelassenheit und Leichtigkeit und Freude überall zu entdecken. Also das ist echt verrückt. Also da stehen wir uns wahrscheinlich manchmal so mit unserer deutschen Mentalität auch leider ein bisschen selber im Weg.

Timo

Ja, ich glaube, das ist der Vorteil eines Volkes, dass ganz tief im Vertrauen verwurzelt ist.

Katherina

Ja, total. Genau, da wollte ich gerade hin. Also es ist wirklich beeindruckend. Und mit welcher Leichtigkeit die das tragen oder auch dieses, das habe ich mir irgendwie auch sehr mitgenommen, wirklich dieses so ein bisschen Take It Easy. Die machen sich, glaube ich, wirklich über manche Sachen einfach überhaupt nicht so viele Gedanken. Also das ist denen auch fremd. Da kommen ja manchmal auch witzige, bis hin zu absurde Gespräche zustande, wo ich denke so, ah, okay, die verstehen jetzt gar nicht den Gedankengang, das ist irgendwie kompliziert deutsch rangegangen und das haben die irgendwie gar nicht in sich. Das ist schwer.

Timo

Wir suchen erstmal das Problem jetzt.

Katherina

Wo ist jetzt das Problem?

Timo

Ich glaube, das ist schon so ein bisschen so eine deutsche Tugend. Also ich erlebe sie so. Ich erlaube mir das zu sagen als gebürtiger Deutscher. Das ist echt so eine deutsche Grundtugend. Ich suche erstmal das Problem und dann suche ich direkt danach erstmal entschuldigen. Wenn ich die beiden habe, dann ist mein That made my day. Ich habe keine Lösung. Mir geht's scheiße. Aber jetzt fühlt sie es richtig an, weil das kenne ich. Das ist schon so nachangeht. Also ich glaube, die darf man ändern.

Katherina

Ja, die sollte man auch ändern.

Timo

Entschuldigung für die Fäkalsprache an dieser Stelle, aber ich glaube, ich muss die Sachen manchmal so auf den Punkt bringen, wie sie doch dann sind.

Katherina

Also für sich selbst und für die Welt sollte man das ändern. Das finde ich sowieso auch. Das lohnt sich auch, weil man ganz anders in die Welt tritt und viel mehr gute Energie rausgibt, als da drin so zu sein.

Timo

Ich glaube, wir werden wieder kein wirkliches Schlusswort und keinen runden Abschluss finden. Aber es soll ja wie immer eigentlich aus meiner Sicht in so eine Inspiration sein. Und auch euch, die da vielleicht hoffentlich noch nicht eingeschlafen sind, noch zuhören, so ein bisschen vielleicht auch eine Idee geben, vielleicht mit dem einen oder anderen doch anders umzugehen oder euch in dem Weg, den ihr geht, vielleicht bestätigt zu fühlen oder wie auch immer.

Katherina

Und vielleicht auch dann auch nochmal, wenn wir nochmal so zum Anfang gehen, auch mit dem ganzen Nachrichtenflut und Social Media und so weiter, vielleicht auch das nochmal so eine Idee so aus unserer yoga-lehrenden Sicht, dass wir wirklich auch einfach gut aufpassen müssen, dass wir unser Nervensystem so nicht überreizen. Weil ich glaube, auch da ist so die Stabilität das Geschenk. Also wenn wir da in einem gewissen Gleichgewicht sind, sind wir auch nicht so anfällig für manche Sachen oder sind eben mehr, wenn wir mehr in der Kraft sind, dann können wir manche Sachen ein bisschen besser halten oder tragen oder auch verdauen, die einfach auch wieder nicht veränderbar sind in dem Moment für uns. Und das ist vielleicht auch nochmal was, weil ich glaube, da gerade auch, wie du eingangs gesagt hast, mit Nachrichtenflut und Social Media und so weiter, also wir kommen teilweise da in so eine innere Unruhe, wenn wir da keinen guten Umgang finden und dann sind die Ängste tatsächlich sehr, sehr nah auch. Also eine große Nähe.

Timo

Absolut. Ich würde vielleicht sogar sagen, es erfordert ein gewisses Maß an Mut, mal zu sagen, ich muss nicht tun, weil es jeder tut. Weil das ist ja manchmal so ein bisschen so ein Ding, ja, das macht man halt so. Ich weiß, es geht nicht immer. Gottes Willen, natürlich kann keiner sagen, der jetzt einen stressigen Job hat, ich mache jetzt gerade nichts. Und trotzdem glaube ich, kann man auch sich erlauben, gerade wenn man merkt, dass er das letzten Endes nicht gut tut, auch mal einen Gang runterzuschalten, mal nach sich zu schauen, dass man halt nicht immer nur permanent im Außen ist und funktioniert und Dinge tut, weil sie so getan werden oder weil man die so tut, sondern sich vielleicht einfach mal traut, sich selbst die Frage zu stellen, wie geht es mir dann damit? Und wie könnte denn ein eigener Umgang damit sein, auch wenn er denn vielleicht anders ist als der gepflogene, den andere so für richtig erachten. Und ich glaube, wenn wir alle ein bisschen mehr von diesem Mut aufbrächten, ging es zumindest uns selbst schon ein bisschen besser. Und wenn es uns selbst ein bisschen besser geht, sind wir auch ein bisschen selbstwirksamer in der Regel, nicht ganz so anfällig und können uns vielleicht gegenseitig auch ein bisschen besser noch stützen. Anstatt immer so allem hinterherzulaufen, wie das so sein muss. Und das ist ja in Social Media total überzogen. Also wie man so sein muss.

Katherina

Ja. Das ist richtig.

Timo

Katharina, möchte ich.

Katherina

Dann habe ich doch ein schönes Schlusswort gehabt.

Timo

Ich wollte dir gerade anbieten, noch ein Schlusswort draufzusetzen. Aber ich bin sicher, uns fällt wieder ein schönes Thema fürs nächste Mal ein.

Katherina

Ja, ich freue mich drauf.

Timo

Wir beraten uns bestimmt im Anschluss. Ich hoffe, auch allen, die zugehört haben, hat es wieder hoffentlich ein bisschen Freude bereitet. Wie immer, der Wunsch an der Stelle, wenn ihr Themenwünsche habt, die ihr glaubt, dass wir die bedienen können, schickt es uns bitte. Ich bin wirklich froh, weil es ist häufig eine Frage der Zeit, ganz selten eine Frage der Technik, wie beim letzten Mal, aber meistens auch eine Frage der, ja, welches Thema inspiriert mich gerade und welches Thema, glaube ich, auch, könnte andere mit irgendwie inspirieren. Also bitte gebt uns da super, super gerne Input. Ich würde mich wirklich freuen. Und würde an dieser Stelle von meiner Seite und gebt dir das Schlusswort einfach danke fürs Zuhören sagen.

Natur, Ishvara Pranidhana, Ruhe Finden

Katherina

Ja, von meiner Seite her auch danke fürs Zuhören. Ich hoffe auch, wir konnten wieder ein paar gute Impulse reingeben und wünschten viel Spaß beim Spüren. Vielleicht mal wieder raus, auch jetzt, wenn das schönere Wetter kommt, einmal mehr vielleicht das Fernseh aus und raus. So machen wir das.

Timo

Also, bis zum nächsten Mal mit irgendeinem hoffentlich spannenden Thema.

Speaker

Ja.