Timo Wahl YOGA-PODCAST

#40 Keine Angst vor der Angst

Timo Wahl Season 1 Episode 40

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Hast Du Fragen oder Anregungen..?

Angst kann sich anfühlen wie ein innerer Alarm, der nie ganz ausgeht. Wir nehmen diesen Alarm ernst, aber wir geben ihm nicht das Steuer. Katharina und ich sprechen darüber, warum Angst in unsicheren Zeiten so präsent ist, wie sie sich im Atem und im Körper zeigt und weshalb „Angst wegmachen“ selten funktioniert, während Regulierung fast immer möglich ist. 

Wir gehen sehr praktisch vor: Atem vertiefen, Grounding über Füße und Körper, das aktuelle Atemmuster erkennen und bewusst verändern, damit das Nervensystem wieder runterregelt. Wir ordnen Fight Flight Freeze ein, sprechen über Polyvagal-Theorie und darüber, warum Bewegung so effektiv ist, wenn Angst lähmt. Dazu kommen Yoga-orientierte Ansätze wie aktive Dehnung und Kraftarbeit, plus moderne Perspektiven aus Faszienforschung und Körpertherapie, inklusive neurogenem Zittern und Trauma Release Exercises, immer mit dem Hinweis auf sichere Dosierung. 

Ein wichtiger Teil ist auch die Verantwortung: Yoga, Breathwork und intensive Atemübungen sind kein Ersatz für Traumatherapie, und nicht alles gehört in große Gruppen oder „mal eben“ in eine Session. Wir sprechen außerdem über CO2-Toleranz und die Buteyko-Methode bei Panikattacken, über die Angst vor der Angst und warum Akzeptanz, kleine Schritte und Selbstwirksamkeit die Komfortzone nachhaltig erweitern. Zum Schluss streifen wir bilaterale Stimulation, Butterfly-Tapping und EMDR als beeindruckende Wege, Emotionen zu entkoppeln und Verarbeitung zu ermöglichen. 

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Wiedersehen Und Ziel Der Folge

SPEAKER_00

Dann, liebe Katharina, begrüße ich dich wieder bei mir im Podcast. Das wird so zu einer eingeschworenen Gemeinschaft mit uns beiden hier, über Themen zu sprechen. Und ich freue mich auf heute.

Katherina

Ja, und Timo, ich begrüße dich ganz herzlich bei mir im Podcast und freue mich auch riesig.

Warum Angst Gerade So Dauerhaft Ist

SPEAKER_00

Wunderbar, wir haben ja letztes Mal einen Podcast gemacht. Du hast gesagt, du hättest gutes Feedback bekommen zum Thema Angst. Und wir haben beide gesagt, naja, das ist sehr, also ich glaube, umfassend kann man das ohnehin nicht schlecht darstellen in so einer Stunde. Aber es ist natürlich sehr theoretisch geblieben. Und deshalb haben wir beide gesagt, wir wollen heute eine Fortsetzung machen dieses Themas, wo es eher um den praktischen Umgang damit geht. Sowohl aus dem Yoga, also vielleicht so, keine Ahnung, ganz persönliche Dinge.

Katherina

Ja, auf jeden Fall.

SPEAKER_00

Ich würde es gerne nochmal anreißen, die haben wir beim letzten Mal schon gesagt, um wieder ins Thema zu finden oder für auch die, die nicht dabei waren, dass Angst ja etwas ist, was, glaube ich, gerade im Moment, auch durch die Art und Weise der medialen Berichterstattung, durch vielleicht auch diese sich doch sehr schnell verändernde Welt, so ein paar Konstellationen um uns herum kreiert. Also, dass Angst einfach so ein bisschen bei vielen Leuten doch dauerhaft ein bisschen da ist, wenn auch unterschwindig. Und dass Angst, was damit zu tun hat, dass Unsicherheit erlebt wird, dass es also keine greifbaren Szenarien gibt, dass vielleicht so feste Größen, die man geglaubt hat, die sind unumstößlich, dass die wegfallen oder sich verändern. Und wir haben aber auch gesagt, dass Angst ja per se erstmal nichts Schlechtes ist. Dass es nichts darum geht, Angst nicht mehr zu spüren, sondern eher auf eine Art und Weise in Angst oder mit Angst in Kontakt zu treten. Dass wir, ich sag mal so, dass sie ihren Sinn erfüllt, uns so ein bisschen zur Vorsicht anzumahnen. Dass wir nicht komplett blauchtes Leben gehen, aber sie darf uns auch nicht starr machen. In diesem Sinne würde ich gerne nur wieder so ein bisschen rein ins Fahrwasser, weil es geht ja nicht darum, dass wir heute irgendwo hinwollen, keine Angst mehr, das wäre ja Quatsch.

SPEAKER_02

Ja, das stimmt.

Atem Und Grounding Als Erste Hilfe

SPEAKER_00

Ja, vielleicht lass uns doch praktisch einsteigen. Hast du für dich immer wieder irgendwas, wo du sagst, das bringt dich aus der Angst oder aus einer zu starken Angst heraus, die dich lähmt oder hemmt? Wie gehst du denn damit um?

Katherina

Also ich habe das für mich, da sind wir schon mittendrin im Yoga, glaube ich, direkt reingetaucht. Für mich ist es immer tatsächlich das Verankern über, also sowieso ganz, ganz, ganz zentral ist der Atem und der Körper, also diese, weil Angst ist ja nicht nur was, was im Kopf ist, sondern natürlich hochgradig im Körper stattfindet und da der Angst als erstes so zu begegnen, zum Stabilisieren sozusagen, zum Ausbalancieren auch oder die Angst auch gut halten zu können, ist für mich immer ganz zentral der Atem, dass ich entweder hinspüre oder mich verbinde mit dem Atem oder bewusst auch den Atem dann vertiefe oder mal die Hand auf den Bauch lege, auch da reinatme. Also das sind wirklich die super Basic-Klassiker, die, glaube ich, auch weit verbreitet sind, aber auch für mich wunderbar funktionieren. Genau wie über den Körper ins Spüren zu gehen. Vordergründig in so ein natürlich die Erdung oder so ein Grounding. Füße spüren. Was machst du denn?

Wo Angst Im Körper Wohnt

SPEAKER_00

Ich finde es interessant, du hast jetzt gleich eigentlich zwei Felder aufgemacht. Du hast einmal den Atem genannt. Und der Atem ist ja im Yoga ohnehin ein ganz zentraler Dreh und Angelpunkt. Und du hast auch was Körperliches genannt. Also du hast ja gesagt, okay, du spürst in dich hinein. Würdest du sagen, dass es, hm, dass es, wie soll ich es formulieren? Dass es gleichbleibende Muster gibt, die sich in deinem Körper abzeichnen, wenn du in der Angst bist? Gibt es eine Region, in der sich Angst eher abzeichnet oder eine Art und Weise, durch die es eher ausdrückt. Oder auch im Atem, merkst du die Angst da? Oder ich frage bewusst so ein bisschen komisch.

Katherina

Ja, genau, also Atem ist ja ganz einfach, dass man wirklich, also auch, dass der Atem stockt oder ganz flach wird, so ein bisschen nach Situation. So die beiden Atemmuster. Und im Körper könnte ich es an einer bestimmten Region, glaube ich, nicht festmachen. Es ist schon wirklich global Gesamtkörperanspannung, würde ich mal sagen. Manchmal ist die so an einem Ort auch, habe ich, kann ich von mir nicht so sagen.

SPEAKER_00

Okay. Weil es gibt ja, ich möchte darauf hinaus, es gibt ja, also es gibt ja im deutschen Sprachgebrauch gibt es ja so ein paar ganz feststehende Dinge. So zum Beispiel das Schiss in the Books, also so heißt es hier bei uns im Hessischen, ja, Schiss in the Books. Also, oder die ist das Herz in die Hose gerutscht oder sowas. Also Angst hat ja irgendwas, wenn wir es jetzt auch mal so ein bisschen im Yoga aufhängen, was mit dem Verlust des Gefühls von Stabilität und Sicherheit zu tun. Und das ist ja verortet eigentlich im Bereich des unteren Beckens, Muladharatra. Also für die, die jetzt vielleicht nicht aus dem Yoga kommen, Mulla ist die Wurzel, Dahar, das heißt so viel wie wohnen oder bleiben oder verweilen. Und das ist ja das, was uns quasi Stabilität gibt, unsere Erfahrung, unsere Erinnerung, unsere Glaubenssätze, auch wie ich eine Situation gerade für mich einschätze, das ist quasi dort unten verortet. Und ich glaube nämlich, also aus meiner Perspektive, es gibt so verschiedene Qualitäten von Angst. Und die drücken sich auf verschiedenen Ebenen auch des Körpers aus. Also ich glaube, wenn wir so eine existenzielle Angst haben, ja, so eine Überlebensangst, kannst du ja mal, wenn du gerade zuhörst als Hörerhörerin, gucken, also ich kenne das zum Beispiel von mir ganz stark, ich habe Höhenangst. Und wenn ich irgendwo oben bin, dann habe ich natürlich, sei es im Flugzeug, aber noch viel schlimmer auf dem Balkon oder so einer hohen Brücke oder sowas, dann ist das für mich ja was existenziell Bedrohliches. Also da habe ich jetzt nicht nur Angst, mir könnte was passieren, sondern da schaltet sich ein ganz altes Zentrum meines Kopfes ein und sagt, Alter, weg hier, du stirbst. Also so ganz, ganz banal formuliert. Und diese Angst spüre ich ganz deutlich genau dort unten im Beckenboden. Ganz deutlich. Das ist also so ein ganz krasses Zusammenziehen unten im Becken, dass ich wirklich sagen könnte, diese Qualität von Angst habe ich dann, wenn irgendein Teil von mir sagt, das überlebst du nicht, du musst dir sofort weg.

Katherina

In solchen Situationen kenne ich das auch. Dann gibt es in die Füße oder der Beckenboden wird gut spürbar, wenn es so existenzielle Angst ist. Genau, ja.

SPEAKER_00

Und dann gibt es ja auch noch andere Ängste. Es gibt ja auch Ängste, wo man sagt, okay, die Situation, die kann man schon irgendwie händeln, aber du weißt nicht wie. Du weißt, es bringt dich nicht um. Aber es ist unbekannt, du weißt nicht, was auf dich zukommt. Ist ja auch eine andere Form, ne? Also, oder was heißt eine andere Form, aber da geht es ja nicht darum, schnell weg du stirbst, sondern geht es ja eher darum, okay, jetzt guck mal gut, wie du da rauskommst, sonst nimmt es irgendwie blödes Ende für dich.

SPEAKER_04

Ja.

SPEAKER_00

Aber jetzt nicht existenziell bedrohlich. Und dann ist zum Beispiel für eine Angst ja, die kann ja dann wo ganz anders sein. Die ist dann wirklich eher im Markt oder sowas, Bauchbereich. Ja, ne?

Fight Flight Freeze Verständlich Gemacht

Katherina

Genau. Oder über Herzschlag, glaube ich, ist auch so ein Klassiker. Das erleben wahrscheinlich auch viele. Das natürlich auch durch das, je nachdem, was angeht, ne, also ich glaube, Fight, Flight, Freeze hat mir letztes Mal ja schon so ein bisschen beackert. Also ich glaube, dass wir Menschen da auch sehr unterschiedlich reagieren oder vielleicht auch auf unterschiedliche Auslöser unterschiedlich reagieren, ob man jetzt in Fluchtmodus kommt, in so eine Überaktivierung oder ins Kämpfen, dann geht es fast mehr Richtung so eine Aggression Wut oder ins Freeze, dass man so einfriert und komplett handlungsunfähig wird. Also das ist ja auch ein spannendes Feld. Im Ayoweda sagt man so ein bisschen, ich weiß nicht, ob das, ob das so zu halten ist als These, dass so ein bisschen auch nach Konstitution, was starkes in der Konstitution, falls ihr im Ayoweda oder im Zuhören zu bist du bewandter Zeit, war da Peter Kaffert, dass das auch davon ein bisschen abhängig ist, in was wir so ein bisschen eher tendieren, auch zu gehen. Papa eher in den Freeze, war da eher in die Angst, Ängstlichkeit und so weiter.

SPEAKER_00

Ich kann mir das ganz gut vorstellen. Also es gibt ja dazu diese typische Polyvagalt-Theorie, die auch das Freeze erklärt. Und dieses Freeze kommt ja auch in der Natur immer dann vor, wenn du keine Handelsoption mehr spürst. Also du bist ja, wenn du erstmal überhaupt nicht weißt, was du tun sollst, dann kommt dieses Freeze. Das ist der Moment, ich glaube, den kennen wir alle. Es knarrt irgendwo und du hörst auf zu abmen. Und dann stärkt der ganze Körper, weil du erstmal nicht weißt, was du tun sollst. Und dann kramst du in deine Erinnerung und guckst, okay, was machst du? Und sobald du eine Handlungsoption hast, gestaltet sich das dann Richtung Wut oder irgendwas, was sich in die Handlung bringt. Und dann ist auch die Angst ja erstmal überdeckt. Du hast dein Atem auch noch benannt. Was machst du mit dem Atem?

Katherina

Also ich bin eh, also mein Lieblingstool ist tatsächlich auch der Atem. Deswegen gibt mir schon immer eine Stabilität tatsächlich in dem Moment, wo ich den Atem spüre, ist das ja wirklich auch ein großes Eintauchen in den Moment rein. Also man kann zumindest das, was der Kopf da noch da drumherumspinnen würde, ganz gut bremsen, gegebenenfalls. Dafür hilft mir das zum einen. Und natürlich der Atem über die Verbindung zum Nervensystem. Also ich weiß, wenn ich den Atem vertiefe, ein paar tiefe Atemzüge nehme in den Bauchraum, dass das ganze Nervensystem sich sofort wieder ein Stück weit reguliert. Und das, ja, finde ich, ist ein Wahnsinnsgeschenk, was mich auch durch viele Lebensphasen auch immer durchträgt und sowieso, aber auch in angstvollen Momenten oder Aufregung wäre vielleicht auch so ein Klassiker, um jetzt nicht in dieser, und muss nicht ja, wie du gesagt hast, nicht immer so eine unbedingt existenzielle Angst sein, sondern auch in ja, vielleicht einfach herausfordernden Momenten oder sowas. Oder ja, wo so Stress, Unruhe vielleicht in Richtung Angst geht oder Respekt vielleicht auch. Also da ist es wirklich über den Atem, Vertiefen des Atems, ist, ist für mich was, was immer sofort und wunderbar funktioniert. Und auch mich mit mir rückverbindet. Und ich denke, das Spüren ist wirklich auch aus der Yoga-Praxis was, was ein Riesengeschenk ist, immer wieder für Stabilität, egal sozusagen, in welcher Situation Stabilität gebend.

Bewegung Baut Stresshormone Wirklich Ab

SPEAKER_00

Ich würde es gerne mal so ein bisschen für diejenigen, die sich vielleicht ein bisschen weniger mit dem Atem beschäftigen, weil das hat echt eine Ursache und das funktioniert wunderbar. Die fünf Primär Emotionen haben nämlich eigene Atemmuster. Das heißt, wenn eine Emotion aufkommt, dann verändert die automatisch das Atemmuster. Und bleibe ich in dem Atemmuster, dann gebe ich dir quasi Futter diese Emotionen. Das ist das Gleiche mit dem Denken, habe ich einen Gedanken, der mich in die Angst bringt, bin ich in der Angst. Und dann schürt dieser Gedanke eigentlich diese typisch assoziative Kette, ja, was könnte dann noch alles sein? Und dann bleibe ich in dem Gedanken drin. Das heißt, wenn es so vielleicht den ersten Schritt raus gibt, außer für zu Hause, ich glaube, das kann auch jeder nachvollziehende zu hört, dann ist das erstmal, den angstvollen Gedanken zumindest nicht weiter zu nähern im Sinne von, was könnte noch alles passieren, sondern die Angst quasi anzuerkennen, als okay, sie weist mich darauf hin, es könnte etwas passieren und dann erstmal zu gucken, welche Handlungsoptionen gibt es. Da bin ich ja immer so auf der Seite, es gibt schon was zu tun. Wenn mir was einfällt, was ich tun kann, dann kann ich irgendwie das zumindest mal ausprobieren. Und die Natur zeigt zum Beispiel, wenn ein Tier fliehen kann, einfach nur fliehen, dann entspannt es sich dahingehend während des Fliehens, als dass es nicht noch mehr Stresshormone ausschüttet und nicht noch mehr in die Angst geht und damit in so einen Untätigkeits-Opfer-Status übergeht. Und das Zweite ist aber, sprich, also man könnte grundlegend schon mal sagen, okay, wenn du Angst verspürst, guck nach deinen Handlungsoptionen. Und so blöd das klingt, mach irgendetwas. Weil irgendwas zu tun baut zumindest mal diese synaptischen Prozesse da ab, die uns noch mehr in die Starre führen und vor allem auch diese Stresshormonausschüttung, ein bisschen zumindest. Also Bewegung ist gut. Und das zweite ist, zumal, ich glaube, wir haben ja jetzt alle nicht unbedingt existenzielle Angst, jetzt von jemand aufgegessen zu werden, sondern es ist ja eher eine Angst, die sich über etwas aufbaut. Und dann hat man ja durchaus, wenn diese Angst so ein dauerhafter Begleiter ist, die Möglichkeit, mal eine Runde joggen zu gehen oder irgendwas in die Hinsicht, weil das Stresshormone abbaut. Aber das zweite ist wirklich, wenn man bewusst den Atem erlebt und dann automatisch ja auch die Achtsamkeit, die Aufmerksamkeit auf den Atem richtet, um dann den Atem mit einem neuen Atemmuster zu überschreiben. Egal welches, dann ist man zumindest mal aus dem, der Atem hält die Emotionen draußen. Also macht es durchaus Sinn, mal zu gucken, wie atme ich denn gerade und das aktuelle Atemmuster schlicht und ergreifend zu verändern. Und dann kann man so Pi mal Daumen was ganz Einfaches sagen, verlangsamt man den Atem, egal aus welchen Emotionen, geht man eher in eine Form von Passivität und beschleunigt man den Atem, geht man eher in eine Form von ich unternehme etwas dagegen. So dass ich behaupten würde aus meiner Erfahrung, Angst ist eine lähmende Emotion, die dich in die Passivität bringt. Und jetzt kannst du dich verstecken. Oder du gehst in die Handlung. Das ist dann häufig die Wut. Und die Wut besitzt zum Beispiel ein sehr brustiges Atemmuster. Ein Atem betont. Und wenn man das in dem Moment einfach mal bewusst umstellt, dann kann es manchmal Wunder bewirken.

Katherina

Das ist toll. Ja, super. Das ist sogar schön. Ja, dann kommt man mehr in diese Handlungsqualität rein. Wow, ja, cool. Ich habe auch, ich würde vielleicht nochmal was ergänzen, weil das ist mir jetzt auch, während du gesprungen hast, da waren jetzt auch wieder so viele wichtige Punkte auch drin, wo man auch andocken kann. Also ich finde auch gerade so für uns im Yoga, über also der Psoas, da gibt es ja auch so viel Forschung inzwischen dazu, wie der, also ich nenne den auch gerne Stresseinsammler Nummer eins, sozusagen unser Hauptfluchtmuskel, genauso wie auch über Quadriceps, also unsere Oberschenkel-Vorderseite, erwiesen ist, dass da wirklich ganz viel Adrenalin abgebaut wird, über das Nutzen dieser Muskulatur sozusagen, weil das eben evolutionär eben diese Hauptfluchtmuskulatur ist, sowas sowieso. Und tatsächlich, das ist auch, egal ob es dann ein Hanuman-Asana ist oder wie auch immer man das über die Yoga-Praxis nutzt, genau wie beim Laufen, aber bewusstes über den Körper aus Agieren sozusagen und über den Körper auch wieder loslassen, weil der Körper ist ja ganz komplett, genau wie Atem, super spannend, was du gesagt hast, auch in diesen Muster mit drin und über den Körper dann auch wieder entsprechend diese Anspannung oder Erregung loszulassen.

SPEAKER_00

Absolut. Du machst einen tollen Schulterschuss gerade, weil das ist ja genau das, warum es auch so ist, wie es ist. Also Angst oder Wut oder was auch immer, ist ja eine Primäremotion, weil sie körperlich für eine Reaktion sorgen soll. Also wenn man mal eine Emotion ganz vereinfacht erklärt für jemanden, der sich damit gar nicht auseinandersetzt, könnte man sie zumindest auf einen Nenner, jetzt nicht reduzieren und runterbrechen, aber eins haben alle Emotionen gleich. Und zwar, dass sie A immer im Soma sind, deshalb heißen sie auch E-Motion, weil sie eine Motion, eine Bewegung im Körper, was wir spüren können, ausüben quasi oder auslösen. Und wenn quasi der Kopf nicht clever genug ist zu erkennen, dass es einen Handlungszwang gibt, dass eine potenzielle Gefahr besteht, dann weist quasi unser Unterbewusstsein, was das ja durchaus noch wahrnimmt, wo der Kopf vielleicht gerade drüber gebügelt ist, über einen somatischen Marker, den wir dann halt Emotionen nennen, darauf hin. Also das ist ja eigentlich ein überlebensnotwendiges Konstrukt, was da mal gebaut wurde. Und da diese Emotion Angst, die auch mit zum Beispiel mit Wut oder zum Beispiel verbunden ist, dafür sorgt, uns in irgendeine Form von Flucht zu bringen, ist sie logischerweise gekoppelt an Angst, erhöht Adrenalin, weil Adrenalin macht uns erstmal handlungsaktiver oder handlungsbereiter, ohne dass wir jetzt ein Warm-up und eine Mobilisation bräuchten vorher, wie beim Sport. Und deshalb werden natürlich die Neurotransmitter und die Katechamine, Stresshormone und alles, was für diese physische Aktivität gebraucht wird, auch ausgeschüttet. Und die werden schlicht und ergreifend verbraucht, vereinfacht gesagt, wenn wir in die Aktion gehen. Das heißt, damit versiegt schon mal so ein bisschen die Nachproduktion und das, was uns so in diesem Flight-Modus hält, letzten Endes. Deshalb ist eine körperliche Aktivität immer gut. Und ich würde auch noch gern eins ergänzen, weil du hast gerade Hanumanasana gesagt, in der Yoga-Szene haben wir, glaube ich, so ein bisschen so einen, also ich höre immer so wieder, Yoga hat ganz viel mit Deno zu tun. Also vielleicht für alle, die sich so ein bisschen, die das, die auch immer Yoga machen, zwischen trennen, zwischen, oder es ist eine Anspannung und dann kommt die entspannte Phase. Es gibt mehrere Formen von Muskelaktion. Und die interessanteste, um ein Spannungspotenzial eines Muskels zu entladen. Also sprich, dass der Muskel und alles, was mit ihm zusammen verschaltet ist, lernt sich zu entspannen, ist halt die aktive, dynamische Dehnung. Also eigentlich nennt man das exzentrische Kontration, jetzt vom Sprachgebrauch aus den Sportwissenschaften zum Beispiel. Also sprich zum Beispiel in Hohenlunch oder in Hanumanasana, aber halt nicht passiv, sondern in der Aktivität. Und dann merkt quasi das System, aha, ich soll also länger werden, ich soll also Raum geben und dafür muss es entspannen, auch wenn eine Spannung gehalten wird. Also sprich, übersetzt bedeutet, dass wir wie das Fluchttier, wir entspannen uns in der Aktion. Also die Kraft wird durchaus, Handlung ist möglich, aber es wird nie zu einem, es wird nie starr, es wird nie fest, es bleibt immer beweglich. Und insofern für alle, die sich da entspannen wollen, ist es halt nicht die passive Vorwärtsbeuge, sondern es ist wirklich eine aktive Bewegung mit Kraft in eine sich immer größer werdende Position hinein. Muskelraum plus Kraft, plus Spannung drauf.

Faszien Trauma Linie Und Zittern

Katherina

Ja, schön. Es freut mich ganz doll. So lustig, das Thema hatte ich jetzt am Wochenende auch ganz doll beim Unterrichten. Dass immer auch das so ein immer noch gehaltenes Klischee ist, lang ist, dass es irgendwie Yoga ist, gleich Beweglichkeit und eigentlich ist Yoga mindestens, mindestens in gleichem Maße Kraft. Was wir auch in unserer letzten gemeinsamen Folgen so schön gesagt haben, sich auch in der Kraft zu spüren, in der Handlungsfähigkeit. Das finde ich ganz schön, weil auch die komplette Yoga-Therapie auch ganz, ganz mit Kraft auch arbeitet. Genau, ja, also das schätze ich sehr. Was ich auch noch gedacht habe, Timo, vielleicht was nochmal Schönes zu sagen, auch einen kleinen Bezug zu nehmen zu dem, also in der modernen Faszienforschung, was ja am Ende auch einfach Bindegewebe ist, gibt es ja auch diese Faszienleitbahnen, die so ein bisschen sozusagen hergenommen werden. Also am Ende hängt alles wieder mit allem zusammen, aber es gibt eine Linie, die wird auch Traumalein oder Deep Frontline genannt, wo eben wir wissen, dass da auch besonders nochmal diese im weitesten Sinne traumatischen, unverarbeiteten Emotionen oder Erfahrungen gespeichert sind. Und das finde ich auch nochmal angedockt, auch ans Yoga. Also das sind diese Hotspots, sind Fußsohle, Beckenboden, Iliopsoas und so weiter, also alles keine Überraschung, Zwerchfell. Das finde ich auch nochmal tatsächlich so die Kombination aus Körper und Atem, wie wir da auch letzten Endes immer nochmal eine Schicht tiefer, also letzten Endes auch übers Bindegewebe auch gespeichertes Loslassen. Können. Also auch da, das wäre ein Modell von wo aus man gucken kann, sozusagen, wenn es wirklich darum geht, gehaltene Emotionen oder ja, wie gesagt, vielleicht auch das ist ja, das Trauma ist ja so ein Riesending und auch leider finde ich immer so ein bisschen schon mittlerweile überfrachtet. Aber letzten Endes alles, was gehalten ist oder in dem Moment, wo wir es eben erlebt haben, nicht zu Ende verarbeitet werden konnte, weil es uns in dem Moment vielleicht überfordert hat, ist in einer Form im Körper gehalten. Die Yogis nennen das ja Samskaras. Nicht ganz genau, es geht ja nicht.

SPEAKER_00

Das umfasst du die kompletten erworbenen Neigungen, die Samskaras. Aber wenn wir mal in den Hatter übergucken, gibt es ja das Wort Grantis. Also es gibt diese drei Hauptkrantis. Aber ich würde mal sagen, wenn man das ein bisschen moderner übersetzt, du hast ja, hast du eben ganz genau gesagt, wie es ist, eigentlich alles, was wir emotional nicht komplett ausinteragieren. Wer macht das schon? Das machen eigentlich nur Kinder. Die planen volle Kalotte los, dann ist gut, dann sind sie wieder draußen. Aber die Erwachsenen sind alle so konditioniert, dass man sich dann viel zu früh eigentlich wieder einkriegt und kontrolliert und damit eigentlich dieses körperliche Ausinteragieren, was so wichtig wäre, überschreibt und unterdrückt. Und das führt dazu, dass schlicht und ergreifend Gewebsspannung, die als Reaktion auf irgendwas, was gerade passiert ist, erfolgt ist, dass die halt synaptisch wirklich regelrecht verschaltet wird mit dem Sinneseindruck, der dort hängen bleibt, mit der Geschichte, die hängen bleibt. Und wir merken das ja auch, wir begegnen an irgendeiner Situation, die uns an eine alte Situation erinnert. Und zack, sind wir wieder an der gleichen Schutzspannung und in einem Muster drin. Und das kann man halt wirklich nur auflösen, ja, indem man entweder manualtherapeutisch arbeitet, das kümmert schlecht selber, oder wirklich so eine starke, man kann es teilweise über Exzentrik machen, aber eigentlich so eine starke, tiefe muskuläre Ermüdung erzeugt, dass das System quasi spannungstechnisch zusammenbricht. Da gibt es ja eine tolle Methode, die nicht aus dem Yoga kommt, nennt sich Neurogenous Citadin im Deutschen oder Trauma Release THE, im Englischen Trauma Release Exercise, wo man ja über die Adduktoren eigentlich an die Hüftburger rangeht. Du hast ja gerade die Deep Frontline genannt, das ist ja so ein Zusammenspiel aus kurzen Adduktoren. Da ist auch Beinburger-Anteile drin, Hüftbürger-Anteile, der gesamte Beckenboden und vor allem die komplette, das sogenannte vordere Längsband, also wer sich jetzt, wer sich jetzt anatomisch nicht so gut auskennt, ist natürlich schwierig. Wenn man sich den Beckenraum, also wenn man sich den Körper mal so vorstellt, dann hat man ja, wenn man sich, ich glaube, soweit müsste jeder den Körper kennen, wenn man quasi von vorn auf den Körper drauf schaut und stellt sich den vor ohne irgendwas, nur die Knochenstruktur, dann hat man sozusagen den ganzen unteren und inneren Bereich des Beckens, was man Beckenboden nennt, dann hat man die Vorderseite der Wirbelsäule, die quasi vom Beckenboden aus nach oben wandert, das ungefähr bis auf die Hürde die Rippenbögen sitzen, dann macht das kuppelförmig quasi von der Vorderseite der Wirbelsäule unterhalb des Brustraumes nach vorne zu und schließt dann seitlich und vorne hinter der Bauchwand mit den Rippenbögen wieder ab, bis vorne zum vorderen Rand des Beckens quasi. Nennt man Rektusscheide, Schambein, die vorderen Dame schaufeln. Aber wenn man sich das einfach so vorstellt, dann hat man dort halt eine komplette Verbindung, die was mit den Innen, Rück- und Vorderseiten der Beine gemeinsam hat, also dort quasi eine Verschaltung hat, das komplette Zwerchfell umspannt, den Herzbeutel, hoch die ganze Syphagus, also die Speiseröhre bis zum Zungengrund. Das heißt alles, was mit Atmung zu tun hat, was mit Rippenbogenbewegung zu tun hat, was mit einer Atemmechanik zu tun hat, Klammer auf, Schrägstrich, das hat auch wieder was mit der Gesundheit unserer Organe zu tun, Klammer zu, umfasst quasi diese Deep Frontline. Und wenn man daran will, das kann man natürlich nicht mit einer Yoga-Asana mal soeben, dann braucht es halt ganz, ganz viele verschiedene Übungen. Aber ein bisschen Entspannung kann man erreichen, indem man es komplett überfordert und sich zum Beispiel, wer das mal machen möchte, auf den Rücken legt, die Füße eng zueinander aufstellt, die Knie nach außen aufklappen lässt und dann einfach nur das Becken hebt. Als einfache Möglichkeit. Und dann hebt man immer die Knie ein bisschen an und lässt quasi das Becken oben. Und dann wird man merken, wie dieser ganze Kram, der das Becken hält, irgendwann relativ schnell müde, fängt an zu zittern. Und das hält man so lange, bis quasi alle Strukturen, die da dranhängen, so von diesem Zittern ermüdet werden, dass sich durch dieses Zittern, deshalb heißt das neurogenes Zittern, weil man das dann auch nicht mehr kontrollieren kann, quasi diese Spannungen beginnen zu entladen. Was dazu führen kann, dass man auch mal ein bisschen ein paar Tränchen hat oder sonst was. Ist schwierig zu erklären, ne? Aber man kann grundlegend mit lang gehaltenen Positionen, die quasi über das Vermögen Kraft zu halten, hinausgehen, für eine Entladung sorgen, die emotional ist.

Katherina

Ja, und das ist ganz beeindruckend, weil ja auch, wir kennen das ja von Tieren, also ich weiß nicht, jeder, der vielleicht einen Hund hat oder so, kennt das vielleicht, dass man, dass dieses Zittern sozusagen, diese Angst loswerden, abzittern, dass das natürlich nicht in dem Moment der akuten Bedrohung passiert, sondern eher danach, dass die Tiere sich dann ein stilles Plätzchen suchen und wenn es, sobald es sicher ist, über dieses Zittern den Stress oder die Angst wieder loswerden. Und ich finde das auch wirklich eine ganz beeindruckende Technik, weil die so wirkungsvoll ist und auch, ich finde es so darüber, dass es so auch mit dem eigenen Körper funktioniert, ist es auch immer sicher, weil man so weiß, es kommt immer auch nur so viel ins Lösen, wie das ganze System wirklich auch gut halten kann. Also das gefällt mir auch immer sehr.

SPEAKER_00

Ich glaube, dass wir das alle besitzen, also wir besitzen jetzt, guckt die Kinder an. Deshalb würde ich mir gerne an alle Eltern appellieren an der Stelle. Es ist kein sinnvolles Agieren, wenn das Kind Angst hat, zu früh zu intervenieren. Also zum Beispiel sagen, du brauchst keine Angst zu haben, dann wird die Angst schon mal was Irrationales und ist falsch. Oder wenn das Kind vielleicht sogar zittert, weil das ist genau das Gleiche, zu sagen, ah, beruhig dich, das wird, ne? Natürlich, wenn man das Kind in den Arm nimmt, darf man ja auch. Man will ja auch die Hola sein, die sichere Basis. Aber das Zittern ist halt ein ganz wichtiger Prozess. Und dieses, du musst nicht zittern, ne? Das ist gut, wenn man das tut. Deshalb komme ich wieder zurück, wann immer man irgendwie Angst empfindet, zumindest mal in die Bewegung gehen. Definitiv.

SPEAKER_02

Ja, das ist schön.

SPEAKER_00

Deshalb, ich denke nur gerade daran, weil du sagst, Hüftbürger, ne? Das ist ja und ein Quadrizeps, dass ja, wenn am ja auch die Beine weich und zittrig.

Katherina

Ja, weich. Oder die Beine schlottert, weichen. Wir schlottern die Beine. Ja, genau. Genau diese ganzen Dinger.

SPEAKER_04

Absolut.

Grenzen Von Yoga Und Sichere Hilfe

Katherina

Deswegen immer schön Beine strecken in der Yoga-Praxis. Ja, und weißt du halt auch, das hängt da ja auch mit drin, ne? Also auch all diese finde ich auch so spannend. Also ich glaube auch gerade für alle, die zuhören, die lange im Yoga auch unterwegs sind, also wir kommen ja schon durch die, also auch diese Gesamtheit der Praxis, sage ich mal, also immer im Sinne von Asana, Pranayama und Meditation in Kombination, kommen wir, glaube ich, schon auch in tiefe Prozesse des Bewusstwerdens und Loslassens, also auch in so einem Kontext, sage ich mal, von gehaltenen Emotionen auch unter anderem. Und also und trotzdem ist es ja auch so, diese frühkindlichen Prägungen, da wissen wir ja alle, die sind einfach besonders stark und da kommen wir auch besonders schwierig nur ran. Und die beeinflussen ja in höchst Maße unser Leben, unser Verhalten, was wir irgendwie vielleicht auch vorlieben, Abneigungen und so weiter, das ist auch ein ganz spannendes Feld, finde ich, weil das ja auch so eine, ja, auch frühkindlich abgespeicherte, ja, was auch immer, Emotionen oder Erfahrung ist. Und da finde ich aber auch, dass, also, ja, also da ist es, ist man, glaube ich, zutiefst in der Traumatherapie drin. Also auch da kommt man mit Yoga schon wirklich mit so einer tiefen, tiefgehenden Praxis wirklich auch ein ganzes Stück ran, um da eine Bewusstheit zu bekommen. Oder vielleicht auch ein Lösen. Und nichtsdestotrotz, weiß nicht, ob das zu früh ist, den Bogen zu schlagen, Timo, wollten wir auch sagen, so vom letzten Mal, also wenn wirklich die, ja, wenn es so überborden wird, also gerade auch dieses Angstthema, wenn sich das so verselbstständigt oder das Nervensystem komplett entgleist, wenn man das, also ja, mal so alltagssprachlich so sagen möchte, dann ist es, glaube ich, ganz wichtig, sich noch anderweitig Unterstützung mit dazu zu holen. Das finde ich auch nochmal ganz, ganz wichtig, vielleicht an der Stelle zu sagen.

SPEAKER_00

Ich war genau am gleichen Punkt, dass du das sagt hast, aber du hast den gleichen Bogen gespannt. Weil ich möchte nicht, dass wir den Eindruck erwecken, dass Yoga das alles irgendwie auskurieren könnte. Also das funktioniert doch einfach nicht. Und die zweite Frage ist, wenn jemand wirklich ziefst traumatisiert ist, dann ist es keine gute Idee, den in das Trauma zurückzuholen, indem man aber was freiklopft. Sondern es ist vielleicht, diese Pflaster, die wir innerlich kleben, die sind halt bei schweren Verletzungen auch ganz wichtig, weil wir sonst zum Teil überhaupt nicht die Stabilität haben, gescheit weiterzuleben. Das ist aber alles große, große Grenzen. Und ich glaube, wir sollten, wir können natürlich nicht in unsere Schüler, Schülerinnen reinschauen, aber wenn wir das jetzt für uns einfach nur im Selbstversuch angucken und uns irgendwelche Methoden bedienen wollen, müssen wir natürlich gucken, okay, bin ich so stark verletzt? Oder sind es halt einfach kleinere Dinge? Also ich in meinem Leben bin toi toi toi nie so verletzt worden, dass ich so ein tiefes, krasses Trauma hätte, dass ich mich aller Methoden bedienen. Aber jemand, der vielleicht eine Vergewaltigung hat oder eine Misshandlung hinter sich hat oder was auch, der kann das nicht. Der braucht oder die Person braucht diesen Schutzmechanismus. Das ist überlebensnotwendig. Und dann kann das nur mit absolut professioneller Hilfe ganz, ganz langsam bearbeitet werden. Und deshalb finde ich es auch verantwortungslos, um mal eine weitere Schleife zu ziehen, dass man zum Beispiel in manchen Sessions von Holotropem Atmen oder von Breathwork oder was nicht genügend aufklärt. Also da muss wirklich ganz klar geguckt werden, weil gerade das Arbeiten mit intensiver Körperarbeit oder intensiver Atemarbeit erreicht ganz gern ein Punkt, wo sich das einfach dann verselbstständigt, weil man an diese Punkte kommt und dann sind die da und dann kannst du nicht sagen, oh, überall zu viel, machen wir die Tür wieder zu, dann ist die Tür auf. Also insofern muss man da auch echt sensibel mit umgehen.

Katherina

Ja, ganz, ganz wichtiger Punkt, das finde ich schön auch, ja, auch deine Sicht darauf nochmal, weil da ist auch, ich weiß immer gar nicht, also ja, vielleicht wirklich auch mangels Wissens oder, also ich bin da auch immer sehr, sehr respektvoll, weil nie, also wir können, wie du sagst, wenn man jetzt eine Gruppe anleitet oder so, man weiß nie, wie es wirklich in jedem aussieht. Also ich glaube, bevor man da sich in so einen Kontext auch reinwagt, auch als Lehrerin und Lehrer, sollte man da wirklich sich ganz, ganz, ganz viel Information erstmal beschaffen, dass man wirklich ein hohes Fachwissen hat, plus Erfahrung idealerweise gepaart. Oder auch, das finde ich immer schön, das habe ich auch so in den vielen Jahren Studiokontext. Ich weiß auch immer, wenn ich sehe, ah, da ploppt was auf oder so, ich weiß auch immer, wohin ich die Leute dann weiterempfehlen kann und bin da auch immer total transparent. Ja, genau, also ich finde das super wichtig, weil da ganz schön viele trotzdem auch, ja, wirklich auch finde ich manchmal sehr unverantwortliche Praktiken auch passieren in riesigen Gruppen oder auf Festivals oder so, wo ich denke, wow, hoffentlich kann das jetzt jeder halten in der Gruppe.

SPEAKER_00

Ja, du sprichst mir aus der Serie, was hörst du das jetzt?

Katherina

Ja.

CO2 Toleranz Buteyko Gegen Panik

SPEAKER_00

Nee, total. Zumal, zumal solche, also wenn du wirklich was auslöst, dann ist das ja auch nicht Zeit, die zu begrenzen. Du kannst nicht sagen, du die Session ist ja 60 Minuten, du hast gerade da irgendwie ein Riesenproblem. Müssen wir auch morgen vertragen, kannst du ja nicht tun. Die Session ist dann zu Ende. Deshalb muss man da schon gucken, wie weit man kräbt. Mir ist gerade noch was eingefallen, grundlegend kann man auch gerade über den Atem ganz gut sich im Umgang mit Angst übt. Und zwar ist, es gibt mehrere Formen oder mehrere Bedingungen, die Angst auslösen, aber eine ganz starke Angstauslöser ist die Menge an Kohlenstoffdioxid, die wir tanken. Es gibt zum Beispiel ganz, ganz fiese Versuche, das würde ich nicht raten. Aber wenn man zum Beispiel stark CO2 haltige Atemluft einatmet, dann bekommt man sofort eine richtige Panikattacke, gegen die man sich kaum wehren kann. Und deshalb macht es aber grundlegend Sinn, jetzt ohne natürlich einen CO2-Gemisch einzuatmen, die Toleranz an CO2 in sich zu erhöhen. Und zwar durchaus zu dem Punkt, da kann man sich ja ganz langsam rantasten, dass man auch mal an diese typische, oh Gott, oh Gott, ich kriege keine Atem. Angst rankommt, rankommt, nicht da durchgeht. Und dann kann man seiner Angst begegnen, weil man, der Vorteil ist ja, wenn man so etwas bewusst tut, dann ist ja nur die Angst selbst da, aber man weiß ja, Armann hat es selbst initiiert und freiwillig und man kann den Prozess ja jederzeit beenden. Und insofern ist nicht die Geschichte, die ich nicht kenne und dieses Unbekannte Auslöser der Angst, sondern ich kann quasi der reinen körperlichen Emotionen begegnen. Und das ist ganz cool, weil damit kann ich quasi mit der Emotion selbst arbeiten, aber ich habe den Kontext nicht, der sie verursacht hat. Und damit kann ich steuern. Und wenn man zum Beispiel einfach ganz einfache Atemübungen macht, dass man einatmen, ruhig, tief, locker ausatmend und mal guckt nach der Ausatung, dann ist es nämlich auch selbst für einen Asthmatiker nie schwierig. Wie lange kann ich denn den Atemmal anhalten? Wie lange schaffe ich es vielleicht beim ersten Mal? Und dann hat man eine Referenz, dann macht man es beim zweiten Mal vielleicht ein bisschen länger und merkt beim zweiten Mal, oh, jetzt ist so eine Stelle, jetzt wird es irgendwie unangenehm. Und wenn man es beim dritten Mal macht und weiß ja aus der Referenz beim zweiten Mal das geht, dann schaffe ich aus dem Gefühl heraus oder aus dem Wissen, es geht, vielleicht mich in diese Phase des Anhaltens besser rein zu entspannen, da geht es noch länger. Dann kann ich mich so ganz langsam vortasten. Zum Beispiel ganz klassisch mit der Boutekow-Methode. Und wenn man das tut, Bouteco, nicht Boutekow, wenn man das tut, dann kann man wirklich mit dieser reinen Emotion lernen, umzugehen. Und wenn sie dann mit einem Kontext zusammenkommt, weil ich wieder irgendwie zu viele Bildnachrichten online geguckt habe, dann hat man ein etwas besseres, ich möchte mal sagen, einen besseren körperlichen Umgang mit der Emotion selbst und kommt vielleicht besser an die Handlungsoptionen, weil man sich davon nicht so ganz stark lähmen lässt. Also man kann durchaus auch gerade mit dem Atem unglaublich viel präventiv machen.

Akzeptanz Löst Die Angst Vor Angst

Katherina

Ja, das ist toll. Also gerade Butego, auch gerade im Kontext von Panikattacken, hilft, glaube ich, vielen Menschen extrem. Ja. Und das ist auch schön. Und das ist ja auch dann wieder am Ende eine große Handlungsfähigkeit, die man gewinnt. Sodass, ich glaube auch so, ich glaube auch das große Thema ist ja auch immer die Angst dann vor der Angst, wenn man in sowas wie so Panikattacken oder so reinkommt, dann ist ja fast die Angst vor der Angst das größere Problem als die Angst selber.

SPEAKER_04

Das ist was ganz, ganz Wichtiges.

Katherina

Ja, und da ist der Atem, also nach wie vor, wie gesagt, ich wüsste nicht, mein Leben ohne Yoga und Atmen, wo das hingeführt hätte. Also ich, ja, ich finde, es ist ein so ein auch da wirklich unglaublich wirkungsvolles, heilsames Potenzial, was darüber kommt. Und das finde ich sehr beeindruckend. Also gerade wenn wir über Angst, jegliche Art von Emotionen sprechen.

SPEAKER_00

Ich finde, du hast noch was ganz super Wichtiges gesagt, nämlich die Angst vor der Angst. Und die Angst vor der Angst, weil ich weiß, oh, Angst ist blöd, das kann ich nicht handeln. A, verstärkt es die Wahrscheinlichkeit, Angst zu bekommen. B, fördert es jedweden Ausweichmechanismus. Also ich werde nicht in die Selbstwirksamkeit kommen, weil ich das Thema immer umschiffen werde. Aber das ist lösbar und nur lösbar über Akzeptanz. Und diese Akzeptanz, also wirklich das Akzeptieren, dass Angst Teil unserer Natur ist. Das Ausprobieren mit Angst es mal auszuhalten. Und da komme ich nämlich, weil das ist ja eine tolle Erklärung, die du mir gerade noch geliefert hast. Da komme ich ja nochmal in den doppelten Nutzen, wegen der Angst vor der Angst, mit diesen Atemübungen zum Beispiel zu arbeiten, weil sie genau das tun. Sie lösen genau diese Angst vor dieser Angst auf. Das ist ganz wichtig.

Katherina

Ja, ja, ist schön. Und auch vielleicht auch, dass das so schön auch nochmal, was du gesagt hast, dass man in so einer, das hatten wir ja letztes Mal auch so den Punkt, dass man in so eine liebevolle Akzeptanz mit der Angst geht, dass die da ist. Und das ist auch, glaube ich, wieder so ein bisschen der Bogen zu den frühkindlichen Prägungen, weil je nachdem, was wir erlebt haben, manche stresst das total ab, auf einem Konzert zu sein mit irgendwie 30.000 Leuten. Für andere ist es der größte Stress, wenn sie alleine zu Hause sind. Und also so mal in großer Schönheit, so unterschiedlich, wie wir Menschen eben ticken auf Basis von allem, was wir erlebt haben. Und dass wir einfach, egal sozusagen, auch ganz individuell bei uns, was jetzt gerade vielleicht das ist, was eher so ein Gefühl von Unruhe, Unsicherheit erzeugt oder Angst, dass man ja in dieser Akzeptanz auch wirklich einfach ist. Und auch es gibt große Heldengeschichten und tolle Zitate über alle großen Helden, die nämlich trotz der Angst es tun. Und nicht, weil sie keine haben.

SPEAKER_00

Ja, das ist die klassische Heldenreise, basiert ja darauf. Dann kommt der Ruf, dann kommt die Aktion, dann kommt die Transformation und dann bist du eigentlich durch Selbstwirksamkeitserfahrung resilienter. Das ist das, was jeden guten Film ausmacht. Das ist die klassische Heldenreise.

Katherina

Stimmt, ja.

SPEAKER_00

Transformation. Das ist ganz cool.

Katherina

Ja, weil sonst wird es auch bitter, sonst ist da nur Vermeidung. Also wenn man alles, das ist ja der Klassiker auch, wenn man alle Situationen im Leben auslässt, die einen irgendwie in so eine kleine Richtung von Stress und Angst bringen, dann wird die Welt sehr klein und, glaube ich, auch sehr unfröhlich, unfreundvoll. Also dann ist man so in seiner, ja, im Leben seiner Sinnhaftigkeit und Persönlichkeit so ausgebremst. Selbstwirksamkeit, alles.

Kleine Schritte Selbstwirksamkeit Und Support

SPEAKER_00

Ich würde gerne nur erwähnen an der Stelle, ich glaube, es liegt eigentlich auf der Hand für die meisten, aber ich möchte nicht den Eindruck erwecken, dass wir durch die Angst durch müssten. Sondern die ganze buddhistische Psychologie, und es gibt eine buddhistische Psychotherapie, die geht eigentlich über das Thema Akzeptanz. Und es gibt ja auch so diese sogenannte Konfrontationstherapie, aber das ist es nicht. Also es ist eine Konfrontationstherapie quasi, die sehr niederschwellig ist. Also es geht nicht darum, du hast Angst, jetzt musst du es damit mal aushalten, dann wird es noch schlimmer. Aber die Frage ist quasi, okay, mit wie viel kannst du es aushalten, dass du merkst, naja, okay, da kann ich mich rein entspannen. Und wenn du das tust, wenn du so niederschwellig anfängst, dann kannst du beim nächsten Mal mit ein bisschen mehr aushalten und so wächst du quasi, genau wie auch Resilienz sich aufbaut über Selbstwirksamkeitserfahrung. Du springst ja nicht beim ersten Mal irgendwie vom Dach, sondern du machst vielleicht erst eine Rolle irgendwie auf eine Matte, da machst du eine Rolle aus dem Stand, dann springst du vielleicht irgendwie von dem Bock und dann, ne, also wenn ich denke, ich habe jetzt diese Parkourläufer da vor dem Kopf. Und wer das, wer glaubt, okay, der Parkourläufer kann das, weil er gleich vom Dach gesprungen ist, der wird halt unten sich alle Knochen brechen. Und so ist es hier halt auch. Also ich glaube, wir müssen langsam diese Komfortzone und die müssen erweitern. Und ich möchte nicht den Eindruck erwecken, dass ich jetzt propagieren wollte, du musst dadurch Augen zu, um Gottes Willen, nein. Aber so ein bisschen der Tatsache stellen, Angst ist da, musst du. Und immer die Frage stellen: Mit wie viel Intensität kannst du gerade dealen? Wie viel kannst du aushalten, ohne jetzt Schaden zu nehmen? Und was sind deine Handlungsoptionen? Was kannst du tun? Und was kannst du tun? Mal etwas erweitert, kann ja auch für alle, die glauben, sie müssten immer alles selbst machen, heißen, wer kann ich nicht mehr so gut sein. Kann dir helfen. Also, was kannst du tun, muss ja nicht immer nur du sein. Das kann ja auch beheißen, okay, wen kannst du Rade ziehen. Das ist ja auch Handlung. Wir haben manchmal so diese Fehlmeinung, wir müssten alles selbst machen. Das können wir ja gar nicht.

Katherina

Ja, das ist richtig. Oder auch wirklich, also ein bisschen niedrigschwelliger sozusagen, auch wirklich vielleicht mit Freunden oder so auch mal einfach über Ängste sprechen, um vielleicht auch zu sehen, ah, okay, dass das entabuisiert und normalisiert das vielleicht auch nochmal, dass man sieht, ah, okay, da hat jetzt jeder irgendwie ein anderes Thema und vielleicht auch die Angst, ja, also das ist einfach schön, finde ich, in dieser Transparenz und auch Gemeinschaft sowieso, die das auch sehr trägt. Riesen, riesen Aspekt nochmal, also aus meinem Austausch oder auch wirklich einfach im gemeinsamen Sein, was ja auch so aus unserem Menschsein heraus was zutiefst stabilisieren das ist, wenn das eine, sag ich mal, eine gute Gemeinschaft ist, eine wertschätzende Gemeinschaft.

SPEAKER_00

Zu wissen, nicht allein zu sein mit diesem Problem.

Katherina

Ja, ganz genau.

SPEAKER_00

Und es auch ausgesprochen zu haben, ne?

Katherina

Ja.

SPEAKER_00

Also über Dinge zu sprechen, macht ja auch Luft.

Katherina

Immer, ja, genau. Und manchmal ja auch, weil ich finde, immer beim Sprechen kann man ja auch nicht diese ewigen Runden drehen wie im Denken. Wenn man es jemand anders erzählt, dann braucht es da manchmal ein bisschen mehr Klarheit und Ordnung.

SPEAKER_04

Oder man kommt am Ende zu einem anderen Punkt.

Katherina

Ja, das finde ich schon auch. Also, das finde ich manchmal im Aussprechen macht es auch schon mal was im eigenen Erkennen oder so.

Reden Und Gemeinschaft Als Stabilität

SPEAKER_00

Auch da mir fallen gerade noch zwei Techniken ein, die ich, glaube ich, auch so, weil ich habe gerade gedacht, ja, was ist denn, wenn man redet? Und es gibt ja zum Beispiel im Buddhismus klassisch die Genmeditation, die mehrere Dinge erfüllt. Mehrere. Weil Gen, das kennt vielleicht der die ein oder andere, der gerade zuhört, wenn man telefoniert und das ist schwieriges Telefonat, geht man ganz gern auf und ab. Weil Gen, die beiden Gehirnheften immer quasi abwechselnd, alternierend bedient durch das Aufkommen rechts, Aufkommen links. Nennt man eine bilaterale Stimulation. Und diese Stimulation hat zur Folge, dass das sozusagen das innere Aufräumen, den Dialog zwischen den beiden Hemisphären, dass der angestoßen wird und die Dinge schneller durchdacht und schneller aufgeräumt werden. Das ist so ein bisschen wie die Rebschlafphase nachts. Und da gibt es noch eine Technik dafür, die man ohne Gehen machen kann. Das ist ganz interessant. Nennt sich Butterfly, kennst du wahrscheinlich, ne? Also wenn man zum Beispiel auf den Brustraum, wenn man die Hände auf den Brustraum legt, aber die Daumen quasi mit den Innenseiten der Daumen aneinander legt, und dann setzt man quasi die Hände auf den Brustraum, dass die Finger zum Brustraum zeigen und tappt immer abwechselnd rechts und links.

SPEAKER_02

Ah, das kenne ich. Ja, okay. Nennt sich Balterfleisch.

Butterfly Seufzen Und Bilaterale Reize

SPEAKER_00

Und dann berührt die rechte Hälfte des Körpers die Linke und die linke, die Rechte immer abwechselnd. Und dann gibt es diese gleiche Stimulation. Und es gibt Untersuchungen darüber, dass Emotionen schneller entkoppelt werden. Und das Gleiche gibt es auch nochmal im Atem, das nennt sich Psychological Thigh. Also dieses, das kennen alle, die Kinder haben. Also dein Kind weint und das funktioniert mit der Traurigkeitspunktioniert per se mit Emotionen. Und dann kennst du, wenn das Kind weint und das erzählt hier oder schluchtzt, und dann kommt irgendwann so ein Punkt, dann so und dann wird es ruhiger. Das kennen wir alle. Und dieses Emotional Thigh, das ist quasi so eine emotionale Entkopplung, die über den Atem geht. Und das kann man simulieren, indem man so zwei Drittel einatmet, kurz anhält, zwei, dreimal nachatmet, so quasi und dann raus, das macht man ein paar Mal und wird merken, dass man die aktiv bestehenden Emotionen etwas entkoppelt. Also es gibt durchaus Dinge, die man machen kann. Dieses Seufzen. Und das kann man ja auch, das kann man ja auch einfach artificiell herbeiführen. Und es hilft. Es hilft wirklich, Emotionen zu entkoppeln.

Katherina

Super. Ich habe auch, wenn du sagst, auch bilaterale Stimulation, das ist ja wirklich auch so verrückt. Ich kenne das, habe ich auch selber mal ausprobiert, weil eine Freundin da Therapeutin ist. Diese EMDR, diese Eye-Movement, das heißt, irgendwas. Ah, genau. Also voll verrückte Technik und es ist so beeindruckend, weil man im Prinzip eigentlich ja nur so diese Handbewegung folgt, die die Augenbewegung im Tiefschlaf simuliert. Gibt es inzwischen ja auch auditiv und alles, gibt es ja eine Menge.

SPEAKER_00

Die Swingwave-Musik dazu, wenn es das geht.

Katherina

Genau, ja, also das hat mich sehr beeindruckt, weil man steigt im Prinzip da auch ein über eine Emotion in einer Situation. Dann kommt diese sozusagen Intervention über diese Augenbewegung, wie im Tiefschlaf. Und ich würde mal, also ich würde es mal so sagen, wie so eine Meditation potenziert hoch 20 oder so. Ja, für mich. Das war verrückt. Also wirklich, ich bin in so einer Session, um das auch mal, ja, wir haben geguckt, so, wie geht das mit Yoga zusammen und so weiter. Also es hat mich sehr beeindruckt. Also gerade auch mit dem langjährigen Yoga-Background, ich bin in einer Session wirklich in einen Punkt gekommen, wo ich dann dachte, das ist jetzt irgendwie komisch. Und liege so, also das war wirklich, ich bin in die tiefste Kindheit zurückgewandert über diese Augenbewegung im Tiefschlaf und habe unterwegs sehr viel passiert, sage ich mal, an Situationen und Momenten. Und das war, also mich hat das schwer beeindruckt. Und das gibt ja auch viel, also über die Wirksamkeit gibt es ja irre viele Studien und gleichzeitig weiß immer noch niemand ganz genau, wie das wirklich funktioniert, dass man darüber wirklich so unglaublich tief kommt oder auch Dinge lösen kann. Oder auch in die Bearbeitung.

SPEAKER_00

Es war einem irre wieder in die Verarbeitung. Es war irre, wie schnell es geht. Ich habe meiner Frau vor ein paar Jahren schon, ja, einige Jahre, ich glaube acht Jahre, sieben, acht Jahre, haben wir eine Fortbildung in EMDR gemacht.

SPEAKER_04

Ah, cool.

SPEAKER_00

In Berlin war das damals. Und es war wirklich irre, wie schnell das geht, dass Leute wirklich ihre Emotionen, die gerade da sind, auf einer Skala von 1 bis 10 benennen und dann bewingst du die. Und dann bleiben die in der Emotion, folgen deinen, also die spüren quasi die Emotionen und folgen gleichzeitig den Augen. Und dann merkst du, dann kommt im Übrigen ganz häufig dies, das kommt, also du hörst es richtig.

SPEAKER_02

Ja, genau.

SPEAKER_00

Und dann findet auch so ein körperlicher Release, du merkst die Schultern sinken und sowas, also so eine Entspannung im Kiefergelenk überall statt, in der Augenringmuskulatur, das zeichnen sich es ja überall ab. Und dann fragst du ihn nochmal, und wie ist es jetzt? Ja, Uni besser. Und dann fragst du, okay, wo ist jetzt? Dann warst vorher auf acht, dann ist es auf drei. Und dann bewingst du die nochmal, dann ist es auf zwei. Also es ist wirklich irre.

Katherina

Das ist eine Wahnsinnsmethode.

SPEAKER_00

Das kann man auch.

Katherina

Eigentlich ist es ja komplett Körpertherapie.

SPEAKER_00

Ja, klar, klar, absolut.

Katherina

Du bleibst einfach nur im Körper, also man braucht im Prinzip nur die Aufhängersituation und kein ewiges Problem.

SPEAKER_00

Aber es ist das Gleiche, was du vorhin sagtest mit der Meditation, weil du machst das gleiche Bifokale. Also ein Fokus ist auf dem, was du spürst, ein Fokus ist auf dem. In der Meditation wär's der Atem, hier ist das Bewunken werden. Es sind zwei Fokuspunkte. Und dadurch erlebst du quasi deine Emotionen, ohne sie aber weiter gedanklich zu befeuern, weil dann Fokus ja auch noch woanders ist. Es ist wie eine Ablenkungstherapie. Und gleichzeitig erfährst du das somatisch. Aber es ist halt irre, wie schnell das geht. Es ist wirklich irre.

Katherina

Also ich kann das auch nur von meiner Freundin sagen, weil die arbeitet so für so ganz für Leute, die so schlimme Unfälle passieren. Und das ist wirklich, also mich beeindruckt das sehr, weil das sind eigentlich so Situationen, wo man eigentlich so weiß, okay, also ob die jetzt jemals wieder in den Zug steigen, da ins Fahrerhaus rein oder so, fiel da auch BU vielleicht oder zumindest in diesen Berufen da die Konsequenz wäre oder so aus der Erfahrung. Und auch wenn, wenn die sich einlassen können, auch auf so eine Technik, gibt es wirklich eine, also finde ich, unglaubliche Lösung auch diese, oder sie nennen das ja dann immer so Weiterverarbeitung von dem, was eben da so nicht verarbeitet werden konnte. Also mich beeindruckt das sehr, muss ich sagen.

EMDR Warum Es So Schnell Wirkt

SPEAKER_00

Wenn das jemand zu Hause so hört, also man kann es wirklich zu Hause auch machen, selbstständig, so überhaupt kein Thema. Also wenn man zum Beispiel in einer Emotion ist, die dann gerade nicht in Ruhe lässt, kann man einfach die Augen aufmachen, die Emotionen spüren und schon mal entweder mit den Augen hin und her gucken oder auch einen Punkt fixieren im Raum. Es geht auch. Sozusagen ins Leere gucken. Und während man ins Leere guckt und gleichzeitig diese Emotion einfach körperlich fühlt, findet schon eine erste Entkopplung statt. Also es ist wirklich irre. Dazu würde ich auch immer anraten, die Bereiche, die emotional auch reagieren im Körper. Bauch, Hände und damit Schultern, Kiefermuskelatur und die Augenringmusklatur immer zu lockern. Das heißt, bewusst den Bauch zu abmen, bewusst die Hände zu lockern, Schuss zu legen, Schultern hängen zu lassen, bewusst den Kiefer zu entspannen, bewusst ins Leere zu glotzen, auf Guteutsch gesagt, und alles um die Augen herum so weich werden zu lassen, ich sag mal, als würden die Augen zurück in die Höhlen sinken, dass das, was emotional, also unsere Emotionen quasi mimisch abzeichnet, die Augenringmuskelatur, dass das entspannt. Und dann hast du schon mal den somatischen Marker, den Bereich im Körper, der die Emotion hält, der ist schon mal draußen. Und wenn du dann das Atemmuster noch auflöst, ist das auch draußen. Und wenn du dann die Spannung noch irgendwie löst im Bauch etc., der halt auch Spannung hält per se, das ist das auch draußen. Und wenn du dann noch diese niederschwellige Konfrontation quasi machst, ein Fokus Atem und ein Fokus, wo im Körper spüre ich mich denn gerade, ist meistens schon ganz viel gewonnen. Dann ist wirklich die Schwere der gefühlten Angst oder was auch immer da war, schon ganz deutlich abgemindert in der Regel.

Katherina

Ja, das ist so schön. Ich habe gerade so eine Freude, auch an dem, was du sagst, weil wenn man dann auch nochmal wirklich sich überlegt, dass ja Angst wahrscheinlich das größte Thema ist oder größte Emotion, die uns zurückhält, vielleicht auch wirklich das Leben zu führen, was uns in so eine Zufriedenheit oder Sinnsstiftung oder so ein Glücklichsein auch führt. Oder wo, wo, ja, oder ja, auch runtergebrochen, also auch wo uns Angst wirklich einfach manchmal zurückhält von dem, was eigentlich vielleicht uns am Herzen liegen würde, zu tun. Oder das finde ich so schön, weil umso umso geübter man vielleicht da mit dem Umgang ist oder auch Techniken für sich selber findet, die funktionieren, umso freier ist man dann ja in höchstem Maße auch natürlich über Yoga den Weg in die Freiheit. Also ich finde das ganz, ganz schön, wenn man da, ja glaube ich, schon aus so einem, ich glaube, dass auch die Erfahrungen, die wir im Leben machen, uns, wenn es gut läuft, auch dahin tragen, dass wir uns trotz der Angst entscheiden, Dinge zu tun. Absolut.

SPEAKER_00

Das ist ja was, was du dir immer wieder als Frage stellen kannst. Ich finde, eine Frage ist, was ist denn das Schlimmste, was gerade passieren kann? Und wenn du dir das schon mal sagst und dir das bewusst machst, dann verliert dir die Angst in der Regel schon mal ihren größten Schrecken. Weil das Schlimmste ist ja, heißt ja im Yoga Abhinivesha, dieses Unbekannte. Oh, oh Gott, oh Gott, oh Gott. Und dann, ja, was kann denn passieren? Ja, das sind das. Ja und? Dann ist das aber meistens, in den meisten Fällen nicht mehr so schlimm. Und das Zweite ist, was du gerade sagt hast, du kannst dir auch die Frage stellen, okay, kennst du denn ähnliche Situationen? Wie hast du die denn gemeistert? Die hast du doch auch schon mal gemeistert. Oder vielleicht kennst du jemanden, der sich schon gemeistert hat und weißt, wie kann man die denn meistern? Und dann haben wir auch schon wieder eine Handlungsidee oder wir haben eine Erinnerung, dass wir es selbst schon gemacht haben. Also ich glaube, wir haben ganz viele Möglichkeiten. Das ist eine Frage, worauf schiffte ich halt auch wie immer meine Aufmerksamkeit. Auf das Problem. Oder auch auf die Möglichkeiten, die ich ja trotz allem meistens besitze. So gut wie immer.

SPEAKER_02

Ja. Tschön.

SPEAKER_00

Ja, ich glaube, wir waren wieder nicht ganz, ne? Also, ich wüsste nicht, wie ich das jetzt ganz mal in so einer Stunde irgendwie komplettieren sollte.

Katherina

Hast du dich schon gesagt, wir müssen ja auch nicht eine Stunde machen.

SPEAKER_00

Aber du hattest anfangs, bevor wir starteten, hast du gesagt, wollen wir heute Angst oder wollen wir Wut? Und ich glaube, Wut wäre ein schönes Thema fürs nächste Mal, oder? Weil Wut ja auch gerade für Frauen so ein ganz spezielles Thema ist, so empirisch gesehen.

Katherina

Ist es. Schön. Ja, das würde mich sehr freuen.

SPEAKER_00

Wir können ja einfach mal den Deal schließen, dass für alle, die jetzt ein bisschen Spaß an der Angst hatten, also nicht an der Angst, an dem Thema Angst, dass wir uns vielleicht ein bisschen mit dem Thema Wut und warum darf auch Wut sein. Warum ist Wut auch okay beschäftigen, auch aus einer sehr jogischen Sicht. Mit natürlich der großen Frage Alemsa.

Katherina

Na klar, also ja, auf jeden Fall. Genau. Schön.

SPEAKER_00

Schlusswort an dich, Katharina.

Katherina

Ja, Schlusswort an mich. Also vielleicht konnten wir so ein bisschen da Licht ins Dunkel bringen und auch so ein bisschen auch den Respekt vielleicht vor der Angst nehmen, so eine Handlungsoption aufzeigen und vielleicht auch dafür plädieren, dass die Angst einfach auch guter Anzeiger für uns ist, der liebevoll da sein darf und gleichzeitig vielleicht uns auch oft auch hilft, in die Bewusstheit zu kommen über bestimmte Muster von uns. In großem Maße. Vielleicht kannst du da so einen leichten, leichteren Umgang vielleicht finden. Und wenn wir dazu beitragen konnten, wir beide heute, würde mich das sehr freuen. Genau.

SPEAKER_00

Ich würde gerne als mein Schlusswort dich zitieren. Ganz einfach, keine Angst vor der Angst. Ich glaube, das hast du so schön auf so schön gesagt vorhin. Wirklich keine Angst vor der Angst. Die darf sein.

Katherina

Ja, genau. Oh ja.

Schlussgedanken Und Ausblick Auf Wut

SPEAKER_00

In diesem Sinne, ich hoffe, es hat euch ein bisschen Spaß gemacht. Und wie gesagt, beim nächsten Mal geht es dann um die tolle Wut. Oder die weniger tolle. Mal gucken, bis wohin sie toll ist und ab wann vielleicht nicht mehr. Katharina, ich danke dir. Ich danke dir für deine Zeit, für die Bereicherung und Inspiration. Und wir machen jetzt gleich bestimmt den nächsten Termin aus.

Katherina

Ja, danke, Timas. Kann ich von ganzem Herzen herzlich geben.

SPEAKER_00

Und allen anderen danke fürs Zuhören.