Selbst nicht ständig
Selbstständig sein, ohne ständig zu arbeiten - geht das überhaupt?
Ich bin Christian Anderl, seit 2008 selbstständig, und ich war kurz davor, an genau diesem Problem zu scheitern. Burnout, Beinahe-Pleite, das volle Programm. Heute führe ich zwei erfolgreiche Unternehmen mit siebenstelligen Umsätzen – und arbeite dabei weniger als je zuvor.
In diesem Podcast teile ich, was ich in über 16 Jahren über Kundengewinnung, Positionierung, Verkaufen, Mindset und Struktur gelernt habe. Keine leeren Motivationssprüche, sondern ehrliche Einblicke und praktische Strategien für kreative Selbstständige und Freiberufler.
Für alle, die von ihrer Arbeit gut leben wollen – ohne sich dabei kaputt zu machen.
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Selbst nicht ständig
#38 - Klein ist besser - Deine Vorteile als Einzelunternehmer / EPU
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In dieser Folge geht es darum, warum ein größeres Unternehmen nicht immer besser ist. Ich teile meine Erfahrungen aus fast 20 Jahren Selbstständigkeit – vom Start als Einzelunternehmer über den Aufbau eines größeren Teams bis zur bewussten Entscheidung, wieder allein zu arbeiten.
(Ich verwende hier den Begriff "Einzelunternehmer" auch für EPU)
Wir sprechen darüber, warum wenig Budget kein Nachteil sein muss, sondern deine Kreativität und Problemlösungsfähigkeit fördert.
Warum du als kleines „Speedboat" Vorteile hast, die große Unternehmen mit all ihrem Geld nicht haben.
Und warum der Glaubenssatz „mehr Geld macht Business leichter" einer der größten Irrtümer ist, den ich selbst viel zu lange mit mir rumgeschleppt habe.
Außerdem: Wie KI gerade die Spielregeln für Einzelunternehmer verändert, was die Kameraindustrie uns über schnelles Navigieren lehren kann und warum „nichts zu verlieren haben" dich als Einzelunternehmer enorm gefährlich macht – im besten Sinne.
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Die Welt verändert sich. Schon immer und für immer Selbstständigkeit gibt dir, und zwar aus meiner Sicht als eines der wenigen Möglichkeiten, von denen wir gerade sprechen, die Möglichkeit, auf diese Veränderungen zu reagieren.
SPEAKER_00Selbst nicht ständig. Der Podcast für deine erfolgreiche und entspanntere Selbstständigkeit. Mit Christian Ander.
SPEAKER_01Ich habe in den letzten 20 Jahren alles durch. Das klingt jetzt komisch, ich habe nicht alles durch, aber ich habe in großen Unternehmen gearbeitet. Ich habe selbstständig allein gearbeitet, ich habe selbstständig ein Team aufgebaut, habe das immer größer werden lassen und bin dann auch wieder zurück zum Einzelunternehmer, der ich jetzt bin. Mit ein wenig projektbezogener Hilfe und Unterstützung von außen von anderen Einzelunternehmern. Alles, jede Form, die ich da durchgenommen habe, hat seine Berechtigung aus meiner Sicht. Und ich habe da jetzt, rede da jetzt mittlerweile aus insgesamt, weiß ich nicht, 30 Jahren Erfahrung in diesem Zusammenhang. Alles hat seine Berechtigung und seine Vorteile. Für mich ist Einzelunternehmen aber die beste Wahl von allen. Und ich möchte in dieser Folge ein paar Vorteile sammeln für dich, warum das aus meiner Sicht so ist, warum es vielleicht aus deiner Sicht nach dieser Folge auch so ist. Und wenn du schon eine Selbstständigkeit hast, möglicherweise zeigt dir das den einen oder anderen falschen Glaubenssatz, den du mit dir rumschläppst und nimm für dich ein bisschen den Fuß von der Bremse, vom Bremspedal. Wenn es das erreichen kann, dann ist meiner Meinung nach schon viel getan und viel bewegt. Also, einen Punkt möchte ich vorweg gleich einbringen, solange er überhaupt noch existiert und relevant ist, weil wahrscheinlich ist er das nicht mehr lang. Bedenk mal, dass große Unternehmen Influencer buchen und brauchen, um persönlich kommunizieren zu können. So ist das Thema Influencer überhaupt erst entstanden. Große Unternehmen haben gesehen, dass sie als Marke in sozialen Medien oder im Internet ganz allgemein schwer kommunizieren können bzw. Schwierigkeiten haben, Menschen online emotional zu erreichen, weil sie als Marke auftreten. Also haben sie Influencer gebucht, die diese Emotionalität, diese emotionale Verbindung zu anderen Menschen haben und dann ihre Marke mit ins Boot holen und bewerben und auf diesem Weg. Das kannst du allein. Das kannst du ganz allein leisten. Du bist quasi dein eigener Influencer. Influencer werden wahrscheinlich bald Geschichte sein, könnte ich mir vorstellen. Und von KI-Influencern ersetzt. Zumindest in Teilen. Ich finde das bitter und ich will eigentlich nicht glauben, dass wir als Menschheit dahin gehen, aber momentan sieht alles danach aus. Vielleicht gibt es ja auch noch Hoffnung auf dem Gebiet. Aber bleiben wir gleich beim Thema KI. Das ist gerade ein gutes Beispiel dafür, warum Klein aktuell wirklich besser sein kann als groß. Du kannst mit KI selber, muss ich dir nicht erst sagen, das wissen wir mittlerweile, enorm viele Schritte machen, für die du vorher ein größeres Team gebraucht hättest. Das Beispiel meiner Väter-Porträts, das ist eine eigene Folge wert, die bin ich gerade im Begriff, wiederzustarten. Die habe ich 2018 und 2019 bis zu Corona 2020 zum ersten Mal gestartet. Und als ich damit begonnen habe, gab es eine Hürde an dem Ganzen, die zeit- und finanzintensiv war, nämlich stundenlange Gespräche im Studio zu führen, das Audio aufzunehmen, aber nicht sonderlich sauber, weil es in einem Fotostudio war. Die Lampenkühlung ist daneben gelaufen, man hat das gehört, es hat ein bisschen Gehalt, obwohl wir versucht haben, das Audio sauber zu machen. Es war nicht schwierig, nicht einfach das hinzukriegen. Es war ziemlich schwierig, das halbweg sauber zu kriegen. Dann hätte es gebraucht, eine Audioproduktion. Damals war noch kein KI-Mastering am Start. 2018 musste das noch jemand, der sich damit auskennt, machen. Transkripieren war auch noch eine händische Sache. Das heißt, das ganze Interview, das ganze Gespräch hören und mitschreiben. Aus dem Transkript dann einen Artikel erstellen und sich überlegen, wie man das zusammenfassen, ein paar Eckpunkte zusammenfassen und einen Artikel draus machen kann. Jetzt gibt es KI Mastering, das Pfeil einfach raufziehen, kriegst du es fertig gemastert und zwar richtig gut gemastert zurück. KI transkribiert das Ganze, KI macht dir eine Zusammenfassung und aus dieser Zusammenfassung schreibe ich dann in 10 Minuten meinen eigenen Artikel. Ich würde nicht KI den Artikel schreiben lassen, sowas würde ich nie machen, aber ich schreibe mir eine Zusammenfassung und habe das alles fertig in vielleicht, weiß nicht, 20 Minuten pro Interview und Portrait. Und nebenbei kann ich die Bilder bearbeiten, wenn das alles läuft. Das alles hätte vorher einige Stunden gebraucht und viel Geld gefressen. Jetzt geht es leicht und günstig und schnell und kannst du es selber machen. Jetzt sagst du vielleicht teilweise zu Recht, ja, aber genau das, was du gerade beschreibst, killt ja andere Selbstständige, die das vorher für dich gemacht hätten und vorher damit Geld verdient hätten. Und das stimmt. Zumindest beseitigt das einen Teil dessen, was die selbstständig verkaufen konnten und was die selbstständig angeboten haben. Aber da komme ich jetzt zurück auf eine ganze Folge, die ich zu genau dem Thema schon mal gemacht habe, warum du Selbstständigkeit an sich, deine Selbstständigkeit als Thema, als kreatives Projekt sehen solltest. Die Welt verändert sich. Schon immer und für immer. Selbstständigkeit gibt dir, und zwar aus meiner Sicht als eines der wenigen Möglichkeiten, von denen wir gerade sprechen, die Möglichkeit, auf diese Veränderungen zu reagieren, zu sehen, wie die Veränderungen im Außen aussehen, auf die du keinen Einfluss hast, und dann kreative Ideen zu finden, was du anbieten und machen kannst, um quasi in diesen veränderten Umfeldern, in diesen veränderten Zeiten einen Wert für deine Kunden einzubringen. Das kann, aber muss auch nicht das bessere Bedienen einer KI zum Beispiel sein. Du kannst deine bisherige Expertise, egal auf welchem Feld, einfach nutzen oder das, was du gelernt hast, in anderer Form einsetzen. Da gibt es enormen Handlungsspielraum, den du hast. Es ist ein kreativer Prozess in sich. Und manchmal, ja, manchmal ist alles, was wir aufgebaut haben, von heute auf morgen wertlos. Das gehört zur Realität dazu. Das gilt auch für mich. Manchmal arbeitet man an einem Bereich zehn Jahre, um darin richtig gut zu werden und plötzlich, hm, ups, jetzt kann es jeder. Den Satz, technische Dienstleistung ist kein nachhaltiges Geschäftsmodell. Den, glaube ich, habe ich zum ersten Mal circa so rund um 2012 in einem Vortrag auf einer Bühne für Kanon gesagt. Und dafür wurde ich damals noch recht hart kritisiert und ins Gericht genommen. Ich habe das auch verstanden. Ich habe auch gesagt, ich verstehe, warum ihr das so seht, weil als technischer Dienstleister muss man jemanden attackieren, der den Satz von sich gibt, technische Dienstleistung ist kein nachhaltiges Geschäftsmodell. Aber 14 Jahre später ist es absolute Realität geworden. Technische Dienstleistung ist kein nachhaltiges Geschäftsmodell in einer Welt, in der 90% davon jeder machen kann. Wobei, da müsste man jetzt natürlich wahrscheinlich auch weiterdenken. Ich glaube ja persönlich, dass mit ein wenig Geduld die technische Dienstleistung wieder enorm an Wert gewinnen wird, weil durch den Einsatz von KI bald niemand mehr die Basics in diesen ganzen Handwerken beherrscht und die paar, die übrig bleiben, die das noch immer können oder die das trotzdem lernen, weil es ihnen einfach Spaß macht, werden dadurch noch viel wertvoller. Die letzten 20 Jahre oder 10 Jahre hat jeder und jede cineastische Videos machen können, der sich ein bisschen damit beschäftigt hat und der sich die Zeit genommen hat, das aufzubauen. Und das haben auch sehr, sehr viele getan und sehr viele sind richtig gut darin geworden. Jetzt wird es vermeintlich, so ist der Eindruck, glaube ich ja nicht ganz, plötzlich wertlos. Wenn dann nur noch wenige übrig sind, die das können, werden die umso mehr wert sein. Also, aber das ist wieder eine ganz andere Story, vielleicht sogar eine eigene Folge wert. Heute wollen wir kurz beim Thema bleiben, warum Klein- und Einzelunternehmertum vielleicht besser ist als alle anderen Optionen. Der nächste Punkt für mich auf der Liste, du hast nichts zu verlieren. Und das macht dich enorm gefährlich. Jetzt weiß ich schon, es klingt komisch, was heißt, ich habe nichts zu verlieren, da geht es immerhin um meine Existenz. Ja, das stimmt. Aber du hast in Relation zu großen Unternehmen und zu großen, schwerfälligen Schiffen nichts zu verlieren. Heißt, du stehst jetzt da mit deinem Einzelunternehmertum und das Worst-Case-Szenario, das dir blühen kann, ist, dass du dir wieder eine Anstellung suchen musst oder dass dieses Projekt nicht funktioniert und dass du was anderes machen musst. Aber großes Unternehmen bedeutet auch, dass du einen völlig neuen Job hast, ein Mitarbeiternavigieren, so viele Aufgaben, die du ursprünglich nicht machen wolltest. Und das ist ja schon wieder ein Punkt für sich. Ich habe auf meinem Wege ja selber den Weg, den ich dazwischendurch gegangen bin, auch mal hinterfragt und gesehen, dass ich Dinge mache, wegen denen ich eigentlich nicht selbstständig geworden bin. Das war nicht das Thema. Ich wollte kreativ selbstständig sein und auf einmal war ich Verwalter in meinem Gefühl. Und habe auch festgestellt, wäre auch wieder eine eigene Folge wahrscheinlich wert, ein Visionär oder jemand, der eine Idee hat oder etwas kreativ Selbstständiges gründen will, ist nicht gleichzeitig ein guter CEO. Im Gegenteil, ich glaube, manchmal ist es sogar wirklich genau umgekehrt. Ich glaube, manchmal sind die mit diesen Gründungsbedürfnissen die schlechtesten CEOs, aber das wäre ein eigenes Thema. Das gehört aber auch in diese große Bubble dazu. Finanziell kannst du einzelunternehmerisch nicht so leicht unter Druck geraten wie ein großes Unternehmen. Ich weiß, auch das klingt wieder vielleicht komisch, weil du denkst: Was? Das heißt dann nicht so leicht unter Druck. Wir denken intuitiv oft, großes Unternehmen isst gleich viel Geld und ist gleich weniger finanzieller Druck. Das ist so eine Vorstellung, die wir intuitiv im Kopf haben, glaube ich. Aber ich sage dir mal eine andere Perspektive. Ich war mal dort und jetzt stell dir nur ganz kurz vor, du bist nicht mehr allein, Einzelunternehmer, sondern hast eine kleine Firma, ein kleines Team, noch nichts Großes. Personalfixkosten sagen wir von 15.000 Euro im Monat. Alles läuft eigentlich ganz gut. Es bleibt auch was übrig, irgendwie, es geht sich alles super aus und alle Zahlen sind im Plus. Aber durch irgendwelchen äußeren Umständen, die plötzlich daherkommen, sowas wie Corona 2020, Dinge, auf die du keinen Einfluss hast, hast du plötzlich von heute auf morgen null Euro Umsatz. Aber diese Fixkosten bleiben. Und jetzt müsst ihr zuerst mal als Team, das ist dein Vorteil, du hast ein Team und kannst mit mehreren Menschen denken, aber ihr müsst dieses Problem lösen. Und jetzt frag dich mal in deiner Position, als der, der das gegründet hat, wie lange hast du Zeit, um dir was zu überlegen und dieses Problem zu lösen? Das kommt jetzt auf deine Rücklagen an. Hast du, sagen wir, 150.000 Euro Rücklagen, dann hast du mit dieser simplen, einfachen Rechnung zehn Monate Zeit, das Problem zu lösen. Hast du 30.000 Rücklagen, hast du zwei Monate. Oder vielleicht hast du sogar nur einen Monat oder vielleicht bist du instant in einer Drucksituation, die dich nicht mehr schlafen lässt. Wir haben jetzt aber nur die Personalkosten gerechnet, nicht Fixkosten, die da sonst noch wären, mit Büro, Ausrüstung, Werbung und was da sonst noch alles dazukommt. Was, wenn dein Team noch größer ist, sagen wir mal 100.000 Euro Fixkosten im Monat. Ich glaube, du kriegst den Punkt schon, auf den ich hinausfiel. Schaff dir in deinem einzelunternehmerischen Dasein ein wenig Rücklagen, so rasch wie möglich, dann hast du es mit einem kleinen Einzelunternehmern definitiv leichter, schläfst ruhiger und hast weniger finanziellen Druck. Und wo wir gerade bei Geld sind, möchte ich auch diesen einen Glaubenssatz, den ich von Selbstständigen auch von mir früher sehr gut kenne, gleich zerschmettern, weil ich ihn selber so lange irrtümlich durchs Leben getragen habe. Nämlich, diese Annahme mehr Geld macht Business leichter. Das glaubt man ganz schnell mal. Wenn ich doch nur für dieses eine Projekt, oder man stellt sich so als Selbstständiger vor, wenn ich doch nur 20, 50, 100, was auch immer, 1000 Euro Startkapital hätte, dann war es alles viel einfacher. Und ich garantiere, es ist nicht so. Es ist in 90 Prozent, wenn nicht 99 Prozent aller Fälle nicht so. Mehr Geld macht Business nicht leichter, sondern meistens schwieriger. Die, die größer sind, größere Unternehmen, sind nur auf dem Weg besser darin geworden, mit diesen Summen zu hantieren. Also unterwegs, während sie damit hantiert haben. Gleich zu Beginn zu viel Geld zu haben, bedeutet wirklich für 9 von 10, es sinnlos zu verpulvern, weil du noch nicht weißt, wie du mit Kapital, wie du Kapital richtig einsetzt, um richtig was zurückzukriegen. Große Unternehmen starten neue Projekte sogar genau deswegen, absichtlich mit engen Budgets, obwohl sie größere Budgets zur Verfügung hätten, geben sie dem Team, das daran arbeitet, nur ein kleines Budget, weil sie wissen, dass genau dieser Umstand, zu wenig Geld zu haben für etwas, um es umsetzen zu können, die Problemlösung und die Kreativität fördert. Und zu viel Geld zu haben, die Problemlösung und die Kreativität bremst. Also, ja, was ich dir hier sagen will, ist tatsächlich, nimm die Tatsache, dass dir das Budget fehlt für bestimmte Dinge, um sie umzusetzen, als deinen Vorteil und setz dein Gehirn, deine Kreativität, deinen Problemlösungsskill, all die Möglichkeiten, die du hast, ein, um das anders zu lösen und dafür unterwegs dafür zu sorgen, dass du das Budget hast und du wirst dabei so viel lernen, dass du später auch, wenn du Budget hast und wenn du mit der Zeit eine Selbstständigkeit aufpasst, die genug Geld verdient, dieses Geld gut und richtig investieren kannst. Das ist auch gleich der nächste Vorteil, der irgendwie direkt fast anknüpft, denke ich. Ein kleines Unternehmen kann wesentlich schneller navigieren und reagieren. Das hat auch wieder mit Budgets zu tun. Ich nehme da jetzt mal ein Beispiel aus der Fotografiekameraindustrie als Beispiel. Kanon, weil das so ein markantes Thema war. Die haben von außen betrachtet, haben viele angenommen, dass Kanon das Thema spiegellose Kameras verschlafen hätte. Ich war zu dieser Zeit, als das passiert ist, Kanon ein besser dort. Das heißt, ich hatte ein bisschen Einblick in das, was das Unternehmen tut. Und die haben das nicht verschlafen. Die haben intelligent beobachtet und abgewartet, weil sie ein riesengroßer Kreuzfahrtdampfer in diesem ganzen Spiel sind. Und kein leicht navigierbares Schiff. Und das ist ihnen bewusst. Jetzt könnte man sagen, Sony ist ja auch kein kleines Unternehmen, weil die haben diesen Markt, diesen spiegellosen Markt damals im Sturm erobert. Das stimmt, Sony ist zwar kein kleines Unternehmen, aber sie hatten einen Vorteil Kanon gegenüber, nämlich nichts zu verlieren auf dem Kameramarkt. Sony war mehr oder weniger nicht existent oder nicht der Redewert auf dem Kameramarkt. Und das hat sie gestört. Und gleichzeitig war das eben ihr Vorteil. Sie hatten da nichts zu verlieren. Kanon hatte hingegen eine Menge zu verlieren. Wäre das nur so ein kurzfristiger Trend gewesen? Und die Option hat es damals tatsächlich gegeben, weil dieser spiegellose Kameratrend nicht erst einmal kurz aufgeflackert wäre und alle dachten, oh, das könnte das nächste sein und dann ist er wieder abgeflaut. Weil Menschen damals gesagt haben, na, das ist spiegellos, wieder in einen Bildschirm schauen in der Kamera. Nein, ich will durchs Objektiv schauen. Ich war einer davon damals. Und wäre dieser Trend wieder abgeflaut, hätten große Unternehmen, also die Flakschiffe auf diesem Gebiet, Geld versenkt und hätten ihre Vormachtstellung im anderen, nämlich im Spiegelreflexsektor, riskiert. So gesehen, eine kluge Entscheidung: abwarten, wird das ein kurzer Trend oder wird das ein langfristiger Trend? Und wenn es ein langfristiger wird, dann tun wir genau das, was wir können. Und das haben sie auch gemacht. Wir kommen zwar später, aber wir übernehmen trotzdem den Markt wieder. Und wenn man sich aktuelle Verkaufszahlen anschaut, hat das funktioniert. Aber worauf ich eigentlich hinaus will bei diesem Thema, auch eine Anekdote, die dazu passt, aus meiner Zeit beim Radio. Da habe ich 13 Jahre lang gearbeitet und ich habe damals beim reichweiten stärksten Sender des Landes gearbeitet. Und wir haben, ich kann mich gut an ein Wochenende erinnern, wir haben ein komplettes Wochenende in einem Hotel verbracht. Eine Gruppe, ich weiß nicht mehr, wie viel wir waren, 20 Leute circa, 20 Mitarbeiter dieses Senders. Ganzes Wochenende eingesperrt in einem Hotel mit einer Frage, die uns als Auftrag mitgegeben wurde. Stellt euch vor, ihr kleine Gruppe mit 20 Leute, seid ein kleiner Radiosender. Ihr habt kaum Budget, ihr habt ein kleines Team. Wie könnt ihr das Flaggschiff, den großen Dampfer, den Platz Hirschen auf eurem Markt, die Übermacht? Wie könnt ihr den attackieren? Also, was sind die Vorteile, die aus euren Nachteilen resultieren, wenn man so einfach sagen will. Und das fand ich extrem klug damals. Und das hat mir gezeigt, dass dieses Team nicht wegen, sondern eigentlich trotz des großen Budgets, das ihnen zur Verfügung stand, ganz vorne dabei ist und immer wieder gewinnt, sich selbst zu hinterfragen, sich selbst darauf vorbereiten, wie kleinere Teams von außen besser sein könnten oder was die besser können, weil sie schneller navigieren können als wir als großes Team, und somit schon im Vorfeld darauf vorbereitet sein und reagieren können. Und das ist jetzt ein ganz wichtiger Punkt für diese heutige Episode, die noch nicht zu lang wird, ausnahmsweise. Ich hätte gern, dass du genau dieses Denkmuster, dieses, was kann ich als kleines, als kleines Speedboat, was große nicht können, was große Dampffahrtskreuzer nicht können, nutzt genau das für dich. Frag dich, welche Nachteile du als kleines Unternehmen, als Einzelunternehmer hast, als jemand mit wenig Budget. Und welche Vorteile könnte dir das bringen? Eins davon, du bist besser in Kreativität und Problemlösung, weil du gezwungen bist dazu und nichts mit lösen kannst, indem du mit Geld durch die Gegend schmeißt. Und ein paar andere Beispiele habe ich dir ja heute, glaube ich, hoffe ich zumindest schon aufgezeigt. Und ich bin sicher, da gibt es noch einiges, das dir einfallen wird, was dir Vorteile verschafft in deinem Einzelunternehmertum, was große nicht haben. Und wenn du deinen Kopf dann angestrengt hast, dann sei so gut und schreib es mir auch. Sag's mir Bescheid, was ich ausgelassen habe, was ich bis jetzt übersehen habe, was meine Blindspots sind, weil das ist jetzt nur, wie gesagt, das meine Perspektive auf dieses Thema. Ich persönlich bleib bis auf weiteres in diesem Einzelunternehmer da sein, während ich alles andere ausprobiert habe. Nicht, weil es nicht auch Spaß machen kann und ich den verstehen kann, den Sinn und den Spaß daran, etwas Großes aufzubauen und ich war im Begriff etwas Großes aufzubauen, sondern weil ich für mich gesehen habe, und das ist eine ganz rein persönliche Entscheidung, die du für dich treffen musst und die jeder für sich treffen muss. Ich habe für mich gesehen, es ist den Preis, den es kostet, für mich nicht wert, etwas Großes mit großem Team, großer Verantwortung, natürlich auch großen Aussichten auf viel Geld zu bauen und dabei meine Zeit in Dinge zu investieren, in die ich es nicht investieren möchte. Ich liebe diesen beruflichen Alltag, den ich mir geschaffen habe, sehr viele verschiedene Dinge machen zu können und mich kreativ austoben zu können. Das ist nicht immer safe, das ist nicht immer einfach und das ist in Zeiten so großer Veränderungen wie heute natürlich massiv spannend. Aber dafür habe ich mich entschieden und ich mag das. Und das Gras ist auf der anderen Seite nicht immer grüner. Also wenn man sich dann vorstellt, ja, große Firma zu gründen, wäre sicherer. Nein, ich glaube, dass das die gleiche Illusion ist, wie die, die man hat, wenn man sagt, ja, aber in einer Anstellung wäre es schon sicher. Nein, eine Anstellung ist auch nur so sicher, wie alle, die dort angestellt sind. Und vor allem, da weiß ja, der Fisch beginnt am Kopf zu stinken. Wenn der Gründer, Eigentümer, CEO oder die Leitung dieses Unternehmens ihren Job nicht richtig macht, dann bist du ganz schnell auch deinen angeblich sicheren Job los. Also sicher ist de facto gar nichts. Und als Einzelunternehmer habe ich zumindest in der Hand, welches Risiko ich wann eingehe. Und wenn es sich von außen verändert, was es wie gesagt immer tut, immer, immer, immer, immer, dann habe ich die Freiheit, die Flexibilität und die Möglichkeit, darauf so zu reagieren, wie ich das möchte. Also, was auch immer dir zu diesem Thema noch einfällt, wenn du das durchgegangen bist, welche Vorteile du noch so siehst, lass es mich wissen. Ich freue mich über Feedback und sonst hören und sehen wir uns in der nächsten Folge.