Bergrufe und Stadtgeflüster

#14 Die Museggmauer

Luzern Tourismus

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Einst schützte eine steinerne Mauer Luzern. Seit über 600 Jahren thront sie nun über der Stadt. In dieser Folge erklimmen wir die Museggmauer und lüften dabei ihre jahrhundertealten Geheimnisse.

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Links zur Folge:

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Soundeffekte und Hintergrundmusik von Pixabay

 

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Einst schützte eine steinerne Mauer mit 30 Türmen unsere Stadt. Vor mehr als 600 Jahren errichtet, schützte sie die Stadt vor Angriffen. Und heute steht sie fast noch genauso da wie im Mittelalter. Wie eine Krone thront sie über Luzern. Insgesamt 870 Meter lang, durchschnittlich 1,5 Meter dick und neun Meter hoch. Die Rede ist natürlich von der Museggmauer.  

Damit herzlich willkommen bei "Bergrufe und Stadtgeflüster", dem Podcast von Luzern Tourismus! Ich bin Tamara und freue mich sehr auf unsere heutige Folge. Die Museggmauer zählt zu meinen absoluten Lieblingsplätzen in Luzern. Am Fuss der Mauer hat es einen kleinen Park ideal für die Mittagspause und auf der Wiese hinter der Mauer kann man, wenn man noch genügend Zeit hat, zottelige Kühe beobachten. Es sind sogenannte schottische Hochlandrinder. Das ist übrigens auch die einzige Kuhart, die ich kenne. 

Die Museggmauer mit ihren neun Türmen gehört jedenfalls zu den am besten erhaltenen mittelalterlichen Stadtmauern in der Schweiz. Speziell ist auch, dass die Museggmauer frei steht und kaum von Gebäuden bedrängt wird. Im Sommer kann man die Mauer sowie einige Türme sogar erklimmen. Von hier oben hat man dann einen wunderbaren Rundblick über die Stadt und die Alpen. 

Doch wieso gibt es die Mauer überhaupt? Der Grund liegt mal wieder im Mittelalter. Bereits kurz nach Gründung der Stadt im Jahr 1178 fing man an, eine Stadtmauer zu bauen. Stadtmauern boten Schutz vor umherstreifendem Gesindel und feindlichen Überfällen. Sie umschlossen aber auch den Rechtsraum der Stadt und grenzten ihn von der völlig anders organisierten ländlichen Umgebung ab. Darüber hinaus demonstrierten sie Macht, weil sie so aufwändig gebaut waren.  

Luzern war im Mittelalter durch einen äusseren und einen inneren Befestigungsring geschützt. Verschiedene Türme und Tore, Stadtgräben und Brücken bildeten ein ganzes System. 

Der Innere Ring der Stadtmauer umschloss die Altstadt und die Kleinstadt rund um die Jesuitenkirche. Die Spreuerbrücke, die Kapellbrücke und die heute abgerissene Hofbrücke waren ebenfalls Teil der Stadtbefestigung. Sie schlossen die Stadt als Wehrgänge gegen Fluss und See hin ab. Die Seeseite wurde zusätzlich durch den Wasserturm und eine im Wasser stehende Palisade geschützt. Eine Palisade ist eine Wand aus oben zugespitzten Pfählen. 

Feindlichen Schiffen konnten so nicht in die Stadt hineinfahren. Viele Türme der Stadtmauer dienten als Untersuchungsgefängnisse oder als Wachtürme. Von der ehemaligen inneren Stadtbefestigung existieren heute nur noch der Zur Gilgenturm beim Schwanenplatz und der Mühletorturm am Mühlenplatz. Und natürlich die Kapellbrücke mit Wasserturm und die Spreuerbrücke. 

Etwa in der Mitte des 14. Jahrhunderts fing man dann an eine zweite Stadtmauer zu bauen. Luzern zählte damals rund 3100 Einwohner. Man baute den äusseren Mauererring am nördlichen Teil der Stadt. Und das ist die heutige Museggmauer. Die Mauer wurde stückweise gebaut, sie war als jahrzehntelang gar nicht geschlossen. Der Bau zog sich bis weit ins 15. Jahrhundert hinein. Der älteste und höchste Turm der Mauer ist der Luegislandturm. Der Jüngste ist der Zytturm, der kleinste der Dächliturm. 

Die neun Türme sind fantasievoll gestaltet. Fast jeder Turm ist anders als die anderen. Es ist also ziemlich einfach und ohne grosse Übung möglich, die einzelne Türme voneinander zu unterscheiden. Die Luzerner haben sich im Mittelalter also nicht nur eine Schutzmauer gebaut, sondern auch ihre Macht und Baukunst unter Beweis gestellt. Die Mauer war seit Beginn ein Symbol des Selbstbewusstseins der Stadt. Schliesslich war man eine stolze und aufstrebende Stadt. Das bezeugten eben die individuell und aufwendig gebauten Türme. Hätte man die Mauer nur rein zum Schutz gebaut, hätte man auch alle Türme gleich bauen können. Die Mauer war wohl als Prestige-Bauwerk wichtiger als als militärische Anlage.

Im 19. Jahrhundert fing man dann an die Stadtmauer abzureissen. Dafür gab es mehrere Gründe. Zum Beispiel, dass die Stadt grösser wurde oder dass man mehr Platz für den Strassenverkehr brauchte. Und ausserdem fand der Stadtrat die mittelalterliche Bauweise sei nicht mehr schön. Zum Glück liegt die Museggmauer abseits der Hauptverkehrsachse. Und zum Glück hatte sie prominente und einflussreiche Fürsprecher. So blieb die Museggmauer erhalten. Und weil sie zusammen mit der Kapellbrücke und Spreuerbrücke mittlerweile zu Tourismusattraktionen wurden, könnten auch die beiden Brücken weiterbestehen. 

Nur das äussere Weggistor, der ehemalige zehnte Turm, und mit ihm 40 der Museggmauer wurden abgerissen. Und auch wird nur ein kleiner Teil der Mauer durch andere Häuser verdeckt. Die Museggmauer ist heute per Gesetzt vor weiterer Verbauung geschützt. 

Und die Mauer bietet heute nicht nur ihren Gästen einen tollen Ausblick, sie ist auch Lebensraum für viele teilweise stark gefährdet Tiere und Pflanzen. In der Mauer leben bedeutende Vorkommen seltener Brutvogelarten wie Turmdohle, Alpen- und Mauersegler und Gänsesäger. Ausserdem nutzen Fledermäuse, Mauereidechsen, Wildbienen, Schnecken die unzähligen Löcher, Höhlen und Spalten im alten Gemäuer als Lebensraum. Es sind ihre Tag-, Balz- oder Winterschlafquartiere. 

Doch widmen wir uns mal den neun Türmen der Mauer. Damit man sich die Namen der neuen Türme besser merken kann, gibt es einen kleinen Spruch: «Nölli-Männli lueg is Land, wach of d’Zyt, scherms Polver met em Allewende-Dächli». Diesen Spruch habe auch ich damals in der Schule gelernt. 

Die Türme heissen also: Nölliturm, Männliturm, Luegislandturm, Zytturm, Schirmerturm, Pulverturm, Allenwindenturm und Dächliturm. 

Schauen wir uns also die einzelnen Türme genauer an: Beginnen wir von links. Also wenn man von der Stadt hoch zur Mauer blickt. Der Nölliturm ist damit der erste Turm. Er ist der einzige runde Turm der Mauer und bildet den linken Endpunkt. Er ist also der einzige Turm, der nicht vor der Mauer steht. Seine Brüder stehen alle auf der Stadt abgewandten Seite. 

Früher wurde der Nölliturm auch Roter Turm genannt, wegen seiner roten Farbe. Der im Name Nölliturm geht auf einen Wächter dieses Namens zurück. Der heutige Nölliturm ist allerdings nicht mehr der Originalturm. Bereits im Mittelalter wurde der alte Turm baufällig und ersetzt. Die Durchfahrt zur den Turm entstand auch erst später, nämlich erst 1901, als man das Reussufer aufschüttete. Der Nölliturm beherbergte während mehreren Jahrhunderten Schiesspulver. Anschliessend diente er während kurzer Zeit als Waffen- und Petroleumlager. Seit 1922 wird der Turm an die Zunft zu Safran vermietet, die den Turm als Zunftstube und Archiv nutzt.

Der Männliturm ist der zweite Turm und er ist öffentlich zugänglich. Wann genau er gebaut wurde, ist unklar. Er ist der einzige Turm mit einem flachen Dach. Am Anfang hatten alle Türme ausser dem Luegisland ein solches Dach. Man nennt es Pultdach. Es ist also eine Art schräges Flachdach in der Zinnkrone. Mit der Zeit bekamen die anderen Türme aber dann ein richtiges Dach aus Holz. Einzig der Männliturm durfte sein Dach behalten. So hat der Turm seit dem 15. Jahrhundert eine unveränderte Form. 

Und auch seinen Namen hat der Turm wegen seinem Dach. Oder besser gesagt wegen der Figur auf einem der zwei Erkertürme auf seinem Dach. Es ist eine Eisenfigur des Oberkörpers eines zwei Meter hohen geharnischten Kriegers mit Fähnchen und Schwert. Der Männliturm diente im 19. Jahrhundert kurz dem Miilitär um Nachrichten zu übermitteln. Man richtete im Turm die optische Telegraphie ein. Auch während des zweiten Weltkrieges waren mehrere der Museggtürme für militärische Zwecke reserviert. 

Der dritte Turm ist der Luegisland. Er ist eben der älteste der Türme und auch der höchste. Er ist über 52 Meter hoch und seine Spitze liegt genau 100 m über dem Seespiegel des Vierwaldstättersees. Der Turm erhielt seinen Namen durch seine Verwendung. Er diente eben früher als Beobachtungsturm im Dienste der Stadt. Übersetzt heisst er eben «Schau in das Land»-Turm. Die Wächter des Turms mussten Ausschau halten, ob es in der Stadt brannte. Und sie mussten auch die Angabe des Stundenschlags überwachen und sonst noch Wache halten. 

Der Luegisland ist der einzige erhaltene Schalenturm. Ein Schalenturm ist ein Turm, der nur drei geschlossene Mauern hat und zur Stadt eine offene Seite hat. Solche Türme waren einerseits günstiger zu bauen. Anderseits konnten Soldaten aber auch den Turm schneller betreten oder verlassen. Und falls Feinde den Turm einnehmen sollten, konnten sie ihn nicht als Schutz verwenden, da er ja offen ist. Ursprünglich waren viele der Museggtürme als solche Türme gebaut. Aber nur der Luegisland wurde in dieser Form erhalten. Und er ist aussergewöhnlich gut erhalten. Er hat ebenfalls ein auffällig spitzes Dach. Den Luegisland-Turm kann man nicht besichtigen. Er ist nur über ein Privatgrundstück erreichbar. 

Der nächst Turm ist der Wachtum. Er wird aber auch Heuturm genannt, da früher hier Heu gelagert wurde. Man merkt an dieser Stelle, die Namen der Türme sind ziemlich praktikabel gehalten. Im Wachturm lagerte man aber auch Schiesspulver. 

Und so explodierte 1701 durch einen Blitzschlag das gelagerte Pulver. Und der Turm wurde mit ihm in die Luft gejagt. Die über die Stadt fliegenden Steinbrocken richteten grossen Schaden an und fünf Menschen kamen bei der Explosion ums Leben. Unmittelbar nach der Katastrophe baute man den Turm wieder im mittelalterlichen Stil auf. Den Namen Wachturm hat der Turm dann erhalten, weil einige Jahre später die Wache vom Luegisland in den Wachturm verschoben wurden. 

Ausserdem soll im Wachturm ein Geist hausen. Laut dem Turmwart der Museggmauer soll dieser Geist Hermann heissen. Und sich um einen Krieger mit Hellebarde und Schnapsflasche handeln. Leider könnt ihr nicht selbst auf Geisterjagd gehen, denn der Turm ist nicht öffentlich zugänglich. 

Am besten kennt man in Luzern wohl den nächsten Turm, den Zytturm. Vor allem weil man ihn in der ganzen Stadt hört. Im Zytturm befindet sich eben die Stadtuhr. Es ist das älteste Uhrwerk der Innerschweiz mit schweren Steingewichten und langem Pendel. Auf der Südfassade, also die Seite zur Stadt hin, sieht man auch das grosse Ziffernblatt und das Bild zweier Wilden Mannen, die das Zifferblatt stützen. Das Zifferblatt mit den Zahlen ist so gross, dass die Zeit auch von den Fischern auf dem See abgelesen werden konnte. Und laut altem Recht besitzt der Zytturm das Erstschlagrecht. Er schlägt die volle Stunde also jeweils eine Minute vor den restlichen Kirchenuhren in der Stadt Luzern. Den Zytturm kann man auch besuchen. Am besten einfach nicht direkt zu vollen Stunde.

Auch der Schirmerturm ist öffentlich zugänglich. Der Turm wurde als offener Schalenturm gebaut, genau wie der Luegisland. Allerdings besass der Schirmerturm ein Zinnenkranz, der über die offene Turmseite gemauert wurde und hier auf Balken abgestützt werden musste. Diese statisch gewagte Konstruktion dürfte dazu geführt haben, dass der Bau schon bald Schäden zeigte. Und so musste die Schale noch im 15. Jahrhundert geschlossen werden, also auf der Stadtseite zugemauert werden. Durch den Schirmerturm führt das gleichnamige Tor von der Stadt hinaus ins Land. Wer durch das Schirmertor trat, befand sich auf dem Land. Ausser den recht weit verstreuten Bauernhäusern war kein Bauwerk mehr zu sehen. Ende des 17. Jahrhunderts wurde das Tor dann zugemauert. Und dann zweihundert Jahre später, beim Bau des Museggschulhauses wurde es wieder geöffnet. Der Schirmerturm ist also der einzige erhaltener Tor-Turm der Museggmauer. Im Durchgang befindet sich übrigens die Statue eines unserer Stadtpatrone, des Heiligen Mauritius.

Der Pulverturm hat wieder einen einfachen Namen. Der Stadtstaat Luzern hatte eben damals das Schiesspulver vorsorglich in zwei Türmen eingelagert. Wenn, wie 1701 beim Heuturm, ein Unglück passierte, blieb die Hälfte des Pulvers im anderen Turm gesichert. Der Pulverturm gehört zu den ältesten Bauten auf der Musegg. Und der Legende nach soll der Turm auf den Überresten des Schloss Tannberg gebaut worden sein. 

Tatsächlich ist einige Meter über Boden ein deutlicher Wechsel im Mauerwerk sichtbar. Dieser Unterschied ist aber mit grosser Wahrscheinlichkeit darauf zurückzuführen, dass man nach der Winterpause einfach mit andern Steinen weiterbaute. Heute dient der Pulverturm der Weyzunft als Zunftlokal. 

Der Zwillingsturm des Pulverturms ist der Allewindeturm. Seinen Namen erhielt er vom nahe gelegenen Landgut. Der Turm ist heute im Häusergewirr der Musegg nicht mehr überragend. An der Ostseite zeigen sich eine Reihe von Schiesslöchern. Auch der Allewindeturm hatte früher mal ein Tor, das aber eben zugemauert wurde. Und auch der Allewindeturm dient der Fasnacht. Die  Vereinigung Luzerner Maskenfreunde und dem Tambourenverein der Stadt Luzern nutzen ihn seit 30 Jahren als Maskenstube und Vereinslokal. 

Der letzte der neun Türme ist der kleinste an der ganzen Musegglinie, der Dächliturm. Auch ihn erkennt man heute nicht mehr ganz so gut inmitten der Stadthäuser. Markant ist sein Pyramidendach, das älter sein dürfte als die meisten Dächer der anderen Türme. Während des 30-jährigen Krieges wurde auch in diesem Turm Pulver gelagert. Später wurde der Turm als Lager gebraucht. Und seit 1936 hat der Schweizerische Schreinermeisterverband seine Zunftstube im Turm. 

Und damit sind wir alle neuen Türme der Museggmauer abgelaufen. Und falls euch jetzt vor lauten Namen der Kopf schwirrt, dann denkt einfach an den Spruch: «Nölli-Männli lueg is Land, wach of d’Zyt, scherms Polver met em Allewende-Dächli». 

Und wenn ihr noch mehr über Luzerns Stadtbefestigung wissen möchtet, dann besucht doch unsere Stadtführung zur Museggmauer. Dann könnt ihr selbst den Blick in die Türme und auf die Stadt bewundern. Mehr Infos dazu in den Show Notes. Und damit danke fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal. Ich bin Tamara von Luzern Tourismus und das ist der Podcast Bergrufe und Stadtgeflüster.