Bergrufe und Stadtgeflüster
Bergrufe und Stadtgeflüster - Der Podcast aus dem Herzen der Schweiz.
Komm mit auf Entdeckungsreise durch die Region Luzern-Vierwaldstättersee. Gemeinsam lernen wir spannende Persönlichkeiten, aussergewöhnliche Traditionen und versteckte Schätze kennen. Neue Folgen gibt’s jeden ersten Dienstag im Monat.
Bergrufe und Stadtgeflüster
#20 Die Kapellbrücke
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Die Kapellbrücke – ein Wahrzeichen mit mehr Geheimnissen, Geschichte und Drama, als man sich vorstellen kann. In dieser Folge entdecken wir die faszinierende Geschichte der Brücke und warum es ein kleines Wunder ist, dass sie heute überhaupt noch steht.
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- Stadtführung im Wasserturm: https://www.luzern.com/de/event/themenfuehrung-galgenfrist-in-luzern
- Mehr zur Kapellbrücke: https://www.luzern.com/de/stadt/sehenswuerdigkeiten/top-sehenswuerdigkeiten/kapellbruecke
- Die Blumen der Kapellbrücke: https://blog.luzern.com/nachhaltige-blumen-kappelbruecke/
- Mehr zum Bilderzyklus: https://kapellbruecke.com/hintergruende/dreiecksbilder/
Die Kapellbrücke – eine der ältesten Holzbrücken in Europa. Sie ist nicht nur ein beliebtes Fotomotiv, sondern hat auch mehr erlebt als wir uns vorstellen können. Die Brücke ist voller Geheimnisse, Geschichte und sogar Dramen.
Ich bin Tamara, und heute möchte ich euch Dinge erzählen, die ihr noch nicht über die Kapellbrücke wisst – und das, obwohl ihr vielleicht sogar aus Luzern kommt. Damit herzlich willkommen zu Bergrufe und Stadtgeflüster, dem Podcast von Luzern Tourismus.
Gemeinsam mit dem Wasserturm prägt die Kappelbrücke das Stadtbild wie keine andere Sehenswürdigkeit. Und sie wird von Einheimischen und Touristen bewundert. Die Kapellbrücke verläuft heute vom Luzerner Theater am Südufer der Reuss bis zur St. Peterskapelle am Rathausquai. Sie hat dabei eine Länge von 205 Metern – das macht sie zur zweitlängsten überdachten Holzbrücke Europas.
Zusammen mit der weiter flussabwärts liegenden Spreuerbrücke erzählt die Kapellbrücke die mittelalterliche Geschichte der Stadt. Und ihre Geschichte geht weit zurück. Denn die Brücke ist 660 Jahre alt. Nach heutigem Wissensstand wurde sie 1365 gebaut.
Damals war Luzerne in bewegter Ort. Die Stadt war erst etwa 100 Jahre alt. Aber bereits ein wichtiger Handelsort für Güter aus dem Nord- Süd-Verkehr. Leider brachte dieser Handel auch die Pest mit sich, die sich in der Stadt ausbreitete. Etwa 4000 Menschen sollen an der Krankheit gestorben sein.
Zu diese Zeit beginnt also die Geschichte der Kapellbrücke. Und angeblich soll alles mit einer Naturkatastrophe angefangen haben. Alte Quellen berichten nämlich von einem gewaltigen Unwetter, das im Juni 1333 über dem Pilatus losbrach. Riesige Mengen Holz wurden so ins Tal geschwemmt. Diese Holz wurde dann für den Bau der Brücke verwendet.
Die Kapellkirche am rechten Ufer und der nicht mehr existierende Freienhof am linken Ufer bildeten die Brückenköpfe. Wenn man aus der Vogelperspektive auf die Brücke schaut, hält sie die Stadt wie eine Klammer zusammen.
Die Stadt Luzern besass damals vier Brücken. Neben der Kapellbrücke gab es damals noch drei weitere Brücken: die Reussbrücke, die Hofbrücke und die Spreuerbrücke. Während die Reussbrücke die erste befahrbare Brücke über die Reuss in Luzern war, warne die drei Holzbrücken für die Fussgänger.
Ursprünglich war die Kapellbrücke nicht nur ein Fussgängerweg, sondern auch ein Teil der Stadtbefestigung. Das kann man übrigens noch heute erkennen, denn die Brüstung, auf der dem See zugewandten Seite ist deutlich höher als jene auf der andere Seite. Ursprünglich wurden sogar Pfähle in den Flussgrund gerammt, um mögliche Angriffe abzuwehren.
Diese Verteidigungsanlage wurde aber bald überflüssig. Denn im Sempacher Brief von 1393 legte man fest, dass die eidgenössischen Stände sich untereinander nicht angreifen.
Später, im 15. und 16. Jahrhundert, nutzten Handwerker die Kapellbrücke, etwa für das Seilerhandwerk. Im 19. Jahrhundert entstand sogar ein Souvenirladen auf der Brücke beim Wasserturm.
Schon früh wurde die Brücke auch als Anlegeplatz für Ruderboote genutzt. Mit der Einführung von Motorbooten war das Festmachen jedoch nur noch für Ruderboote erlaubt. Dies führte dann aber zu einer Katastrophe – doch dazu später mehr.
Die Kapellbrücke wurde wegen Landaufschüttungen immer wieder verkürzt und renoviert. Deshalb ist sie heute etwa 70 Meter kürzer als im Mittelalter. Bis heute ist die Brücke auch mindestens zehnmal umgebaut, renoviert oder zum Teil auch vollständig erneuert worden.
Die Ursachen dafür waren natürliche Abnutzung und Verwitterung des Holzes sowie Naturkatastrophen, die der Brücke wiederholt zusetzten. Eine grössere Katastrophe ereignete sich 1741, als der überlaufende Krienbach durch den oberen Hirschengraben brach und am linken Ufer vier Joche der Kapellbrücke zerstörte, wodurch Teile der Brücke einstürzten.
Trotz ihres historischen Wertes geriet die Kapellbrücke im 19. Jahrhundert in Gefahr. In den 1860er Jahren sollte die damals älteste Holzbrücke Europas abgerissen werden. Denn damals zog es immer mehr Menschen vom Land in die Stadt. Und der Tourismus entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Wirtschaftszweige Luzerns. Dadurch veränderte sich das Stadtbild schnell und drastisch. In der ersten Hälfte des Jahrhunderts wurden Teile der alten Stadtbefestigung abgerissen, um Luzern für Touristen attraktiver zu gestalten. Darunter das Baslertor sowie die beiden Weggistore. Mehr dazu erfahrt ihr übrigens in unserer Folge zur Museggmauer.
Und auch die Hofbrücke, die vom Schwanenplatz bis zur Hofkirche verlief, wurde abgebrochen. An ihrer Stelle wurde die heutige Seepromenade aufgeschüttet und dutzende Hotels gebaut. Ausserdem plante man die heutige Bahnhofstrasse. Doch dafür musste man grosse Teile der Reuss aufschütten. Die fast 50 Meter Land, die so neu entstanden sind, sorgten dafür, dass die Kapellbrücke jetzt viel zu lang war. Man kürzte sie also ein wenig.
Es gab aber noch ein weiters Problem. Und zwar der Bau der Seebrücke. Die neue Brücke, die direkt neben der Kapellbrücke errichtet werden sollte, stellte die Existenz der alten Holzbrücke infrage. Und man hatte auch Angst vor Überschwemmungen. Denn die beiden Brücken befinden sich am Abfluss des Vierwaldstättersees. Die anderen Kantone am Vierwaldstättersee, also Uri, Schwyz, Obwalden und Nidwalden, hatten Angst, dass die beiden Brücken zusammen das Wasser so stauen würden, dass es zu mehr Überschwemmungen kommen könnte. So forderten die Kantonsräte den Abbruch der Kapellbrücke.
Da sich der Luzerner Stadtrat jedoch gegen diese Forderung wehrte, wandten sich die Kantonsräte an den Bundesrat. Und dieser fällte ein heute schockierendes Urteil: Die Kapellbrücke sollte tatsächlich abgerissen werden. Nur wenn man bauliche Veränderungen am Projekt vornahm, könnte die Brücke weiterbestehen.
Und weil die Brücke bereits damals für den Tourismus sehr wichtig war, reichte der Luzerner Stadtrat ein neues, verändertes Projekt der Seebrücke beim Bundesrat ein. Dieser bewilligte den Bau schliesslich. Und die Kapellbrücke durfte weiterbestehen.
Doch die Geschichte um den Abriss der Kapellbrücke ist damit noch lange nicht beendet. Im Gegenteil, sie beginnt jetzt erst richtig. Denn während der politischen Diskussion nahmen auch die Medien das Thema auf. So berichtete einige Tageszeitungen in der Zentralschweiz, dass die Brücke möglicherweise abgerissen werden sollte. Kurz darauf sprangen national bekannte Zeitungen auf das Thema auf. In wenigen Wochen verwandelte sich der nie geplante Abriss in eine landesweite Diskussion.
Und tatsächlich gab es einige, die wirklich wollten, dass man die Kapellbrücke abreisst. Die mittelalterliche Brücke wurde damals von vielen als alt, unattraktiv und stinkend angesehen. Und in der Stadt wurde sogar eine Petition rumgereicht, die den Abbruch der Brücke forderten.
Aber natürlich war die Brücke auch für viele das wichtigste Wahrzeichen von Luzern. Die mediale Berichterstattungen sorgten dafür, dass nun viele Angst hatten, dass die Brücke tatsächlich abgerissen werden sollte.
Und obwohl schon langen feststand, dass die Kapellbrücke stehen bleiben und die Seebrücke nebenan gebaut wird, verbreite sich das Gerücht über den Abbruch erst in der gesamten Schweiz und durch die Touristen dann sogar in Europa.
Besonders die englischen Touristen sahen das malerische Luzern bedroht. Und so kam es, dass am 9. Dezember 1898 ein Artikel in der Zeitung «The Guardian» in England erschien. Der Autor schrieb, dass die Kapellbrücke in Luzern abgerissen werden solle. Und er bat den Luzerner Stadtrat, seinen Entscheid zu überdenken. Und nicht nur die Kapellbrücke, nein auch der Wasserturm sollte laut dem Artikel gleich mit abgerissen werden.
Die Touristen reagierten heftig auf den Bericht. Innerhalb weniger Wochen erhielt der Luzerner Stadtrat zahlreiche Briefe von Engländern, die forderten, die Brücke auf keinen Fall abzureissen. Sie betonten, dass die Schönheit Luzerns unbedingt erhalten bleiben müsse. Während in Luzern eben noch die Petition für den Abriss der Brücke im Umlauf war, startete man in Manchester eine eigene Petition, die sich für den Erhalt der Kapellbrücke aussprach.
Es vergingen viele Wochen, bis schliesslich im «Luzerner Tagblatt» ein Artikel erschien. Er klärte auf, dass die ganzen Diskussionen um den Abriss der Brücke unbegründet waren. Es sei nur ein Gerücht gewesen, und niemand habe jemals die Absicht gehabt, die Kapellbrücke abzureissen. Dieser Artikel wurde schnell von den nationalen Medien aufgegriffen, und die Situation wurde nun mit Erleichterung zur Kenntnis genommen.
Schliesslich erfuhren auch die besorgten Englänger, dass die Brücke nicht in Gefahr war. Und zum Schluss meldete auch noch der Luzerner Stadtrat in einer offiziellen Stellungnahme, dass man wirklich nie geplant hatte, die Kapellbrücke abzureissen.
Die Kapellbrücke wäre aber sicher nicht so beliebt, wenn da nicht auch der Wasserturm wäre. Tatsächlich aber stand der imposante Wasserturm schon, als es die Kapellbrücke noch gar nicht gab. Denn er ist fast hundert Jahre älter.
Der Turm wurde vermutlich etwa 1262 erbaut, und zwar unter der Herrschaft von Berthold von Steinbrunn. Er wollte den ungehorsamen Luzernern seine Macht demonstrieren. Also baute er mitten in der Reuss diesen massiven Turm, der durch seine Grösse und Form einfach Eindruck schindet.
Denn der Wasserturm hat eine sehr spezielle Form. Er ist achteckig. Und das ist sehr selten. Der Turm ist rund 35 Meter hoch und hat einen Umfang von 39 Metern. Er ist also mehr breit als hoch, und seine Mauern sind bis zu drei Meter dick.
Berthold von Steinbrunn war ein ehrgeiziger, machtbewusster Kriegsherr, der auch im französischen Elsass Burgen und Festungsanlagen baute. Auch sie haben einen achteckigen Grundriss. Und sind also quasi die nächsten Verwandten des Luzerner Wasserturms.
Der Turm diente über die Jahrhunderte hinweg ganz unterschiedlichen Zwecken. Er diente zum Beispiel als Beobachtungsposten, von dem aus man die Schifffahrt im Luzerner Seebecken überwachen konnte. Und zusammen mit der Hof- und der Kapellbrücke bildete er ein wichtige Verteidigung der Stadt gegen Angriffe von der Seeseite. Und er wurde auch immer wieder als Archiv genutzt. Erst 1919 wurde das Stadtarchiv dann endgültig aus dem Turm entfernt. Heute ist der Artillerieverein eingemietet.
Das Innere des Wasserturms besteht aus vier Stockwerken. Ganz unten, im Keller, finden wir das Verlies – den dunkelsten Raum des Turms ganz ohne Türen und Fenster.
Bis ins 18. Jahrhundert diente dieser Raum als Gefängnis. Der Zugang war nur durch eine Öffnung im Boden der darüber liegenden Schatzkammer möglich. Wenn die Öffnung verschlossen war, drang kein Licht ins Verlies, und die Gefangenen waren in völliger Dunkelheit. Sie hatten keine Möglichkeit zur Flucht. Das Verlies ist 5,5 Meter hoch, aber ohne Treppe oder Leiter. Die Gefangenen wurden mit einem Seil hinabgelassen – auf einem Knebel sitzend – und später wieder hochgezogen, wenn sie ihre Strafe abgesessen hatten. Eine ziemlich erschreckende Vorstellung.
Direkt über dem Verlies befindet sich die Schatzkammer. Doch auch dieser Raum hatte früher eine düstere Bestimmung: Er wurde zunächst als Gefängnis, Folterkammer und für Verhöre genutzt. Nur zwei kleine Scharten im Mauerwerk lassen hier ein bisschen Tageslicht hinein.
Erst 1759 wurde der Staatsschatz hier aufbewahrt – davor lagerten die Schätze im Raum darüber, der Turmstube. Diese Turmstube ist der hellste Raum im ganzen Wasserturm, denn sie hat rundherum Fenster. Doch ein Jahr zuvor fiel auf, dass sich zwei Staatsbedienstete über zehn Jahre hinweg am Luzerner Staatsschatz bedient hatten. Sie und ihre Komplizen stahlen über 50.000 Gulden. Die Diebe schafften es, in die Turmstube über ein Loch im Dachboden zu gelangen, und sie ersetzten die gestohlenen Münzen einfach durch Steine und Sand. So fiel der Raub viele Jahre lang nicht auf. Im 18. Jahrhundert wurde der Staatschatz dann schliesslich von der Schatzkammer in die kantonale Verwaltungskammer verlegt.
Übrigens gibt es zwischen der Schatzkammer und der Turmstube eine schmale Geheimkammer. Als man sie im 20. Jahrhundert wiederentdeckte, war sie allerdings leer.
Ganz oben im Turm befindet sich der hölzerne Obergaden und das markante Pyramidendach. Ursprünglich war der Obergaden eine offene Wehrplattform, aber im 15. Jahrhundert wurde er vermutlich zu einem geschlossenen Raum umgebaut. Jede der acht Seiten hat zwei quadratische Fenster mit Klappläden. Ende des 15. Jahrhunderts wurde ein Aufzug eingebaut, mit dem man Waren direkt vom Schiff in den Obergaden transportieren konnte. Der Obergaden ist nach oben hin komplett offen. Wenn man nach oben schaut, sieht man die Ausmaße des achtseitigen Pyramidendachs – mit einer Höhe von fast zwölf Metern.
Während man Kapellbrücke jederzeit begehbar kann, sind Besuche des Wasserturms nur bedingt möglich. Wer sich jedoch selbst ein Bild vom Inneren machen möchte, dem empfehle ich unsere Stadtführung zum Wasserturm. Mehr Infos unten in den Show Notes.
Neben dem Wasserturm ist die Kapellbrücke auch bekannte für ihren Bilderzyklus. Zurzeit hängen 63 Bilder auf der Kapellbrücke. Für Luzerner ist die Kapellbrücke quasi ein Spaziergang durch die eigene Identität.
Als Mitte des 16. Jahrhunderten Kanonen und Handfeuerwaffen aufkamen, merkte man schnell, dass die alten Mauern, Türmen und Brücken keine Chance hatten gegen die neuen Waffen. Man brauchte sie also nicht mehr als Stadtbefestigung. Deshalb wurden die drei Luzerner Holzbrücken zur Bildergalerien. Das ist übrigens im europäischen Vergleich einzigartig. Es gibt keine weiteren ähnlichen Beispiele.
So wurde als erstes die Hofbrücke mit religiösen Bildern versehen. Einige Jahre später erhielt auch die Kapellbrücke ihren eigenen Bilderzyklus. Der Luzerner Stadtschreiber Renward Cysat entwarf das Konzept dazu. Der Plan war, die Brücke mit einer Mischung aus weltlichen und religiösen Bildern zu schmücken, die die Schicksalen und Taten der Eidgenossen zeigten.
Der Bilderzyklus wies ursprünglich drei Themenkreise auf: die Entwicklung der Luzerner und Schweizer Geschichte. Das Leben und Sterben des Stadtpatrons, des Heiligen Leodegar. Und die Heiligenlegende des Schutzpatrons der katholischen Schweiz, des Heiligen Mauritius.
Finanziert wurden die Bilder durch ein gross angelegten Kunstsponsoring. Alle vermögenden Bürger waren aufgerufen, eine oder mehrere Tafeln zum Preise von vier Gulden zu stiften. 1611 hatte Cysat sein Konzept fertig und auch das Geld war problemlos zusammengekommen. Der Maler Hans Heinrich Wegmann malte zusammen mit seinem Sohn und weiteren heute unbekannten Malern die Bilder.
Die Gemälde wurden jedoch immer wieder von Jugendlichen beschädigt. Deshalb wurde 1726 ein Aufseher für die Brücke eingesetzt, um die Gemälde zu schützen. Wie bereits erwähnt brachen einige Teile der Kapellbrücke bei der Überschwemmung von 1741 ein. Und damit fiele auch einige Bilder in die Reuss. Es wurde also eine neue Spendenaktion für die Wiederherstellung gestartet. Wer ein Bild finanzierte, durfte sein Wappen darauf anbringen lassen. Das führte zu einer breiten Unterstützung. Dank dieser Restaurierungen blieb der Bilderzyklus über Jahrhunderte erhalten.
Bis in der Nacht auf den 18. August 1993. Als die Kapellbrücke lichterloh brannte.
Erinnert ihr euch an die Ruderboote, die an der Kapellbrücke festgemacht werden durften? Ja, diese Boote wurden der Brücke zum Verhängnis. Der Brand ging nachweislich von einem dieser Boote aus. Die genaue Brandursache ist bis heute unbekannt. Man geht aber davon aus, dass eine achtlos weggeworfene Zigarette ein Boot unter der Brücke in Brand setzte. Von dort griff das Feuer auf die Brücke über und breitete sich rasend schnell aus.
Für die schnelle Ausbreitung des Feuers waren auch Spinnweben in den Giebeln mitverantwortlich. In diesen dichten Netzen staut sich die Hitze, und Gase sammelten sich an, die sich plötzlich entzündeten. Innert zehn Minuten stand die Hälfte der Brücke in Vollbrand. Glücklicherweise konnte die Ausbreitung des Feuers kurz darauf verhindert werden.
Durch die aufschiessenden Flammen geriet auch der hölzerne Oberbau des Wasserturms in Gefahr. Besonders problematisch war der Souvenirladen direkt am Turm, da die grossen Mengen an Plastiksäcken und Kunststoffen dort das Feuer besonders anheizten. Ein Löschen von der Brücke aus war nicht möglich, da der Brückenboden bereits durchgebrannt war. Daher setzte die Feuerwehr mehrere Wasserwerfer von der Bahnhofstrasse ein, um das Feuer am Wasserturm zu stoppen. Die große Hitze hatte jedoch Auswirkungen auf den Sandstein des Turms: Die Oberfläche zerbrach und es entstanden Risse und Löcher, die bis zu 20 Zentimeter tief waren.
Als dann der Morgen einbrach, wurde das volle Ausmass der Tragödie sichtbar. Rund zwei Drittel der Kapellbrücke waren zerstört. Nur gerade die beiden Brückenköpfe und der Wasserturm konnten gerettet werden. Damals hingen auch 111 Bilder auf der Brücke. Durch das Feuer sind 86 Bilder entweder komplett oder teilweise verbrannt.
Für die Luzerner Bevölkerung war der Brand der Kapellbrücke ein grosser Schock. Am Ufer der Reuss, auf der Seebrücke und auf dem Rathaussteg versammelten sich tausende Menschen, um sich das Unmögliche mit eigenen Augen anzusehen. Es herrschte Entsetzen, Fassungslosigkeit und Trauer, viele Leute hatten Tränen in den Augen.
Medien berichteten weltweit über den Brand. Radiosender aus der ganzen Welt riefen an, darunter Radio Dubai, Radio Hongkong, Radio Johannesburg und ABC New York, um nur einige zu nennen. Und eine grosse japanische Tageszeitung zeigte ein Bild der brennenden Brücke und schrieb: «Ein Stück Schweizer Geschichte in Flammen.»
Der Luzerner Stadtrat handelte sofort: Er beschloss noch am Tag des Brands, dass die Brücke wieder aufgebaut werden sollte. Ein Grund war, dass die Brücke ohnehin immer wieder saniert worden war. Der Originalzustand bestand sowieso schon längst nicht mehr. Das verbrannte Holz stammte grösstenteils aus der Zeit zwischen dem 17. und dem 20. Jahrhundert. Im Zuge des Wiederaufbaus der Brücke wurde dann auch der Wasserturmes totalsaniert.
Da die noch vorhandenen Pläne der Kapellbrücke für einen Wiederaufbau zu ungenau waren, kamen mehrere Forscherinnen und Forscher dazu. Sie waren rund zwei Monate lang damit beschäftigt, jedes Brückenteil zu fotografieren, aufzulisten, zu zeichnen und zu beschreiben. Jeder Balken wurde inventarisiert.
Die Brücke wurde in einer Rekordzeit von nicht einmal 8 Montanen wieder aufgebaut. Und so wurde sie bereits am 14. April 1994 wiedereröffnet.
Und seither ist auch der Brandschutz auf der Brücke auf höchstem Level. So gilt heute auf der Kapellbrücke ein striktes Rauchverbot. Und es dürfen auch keine Boote mehr anlegen.
Von den beiden Brückenköpfen aus gesehene, hängen auf der Kapellbrücke aktuell 15 beziehungsweise 13 Bilder. Ergänzt mit 4 beziehungsweise 5 brandgeschwärzten Bilder. Neu wurden in der Brückenmitte 26 Bilder des Mauritiuszyklus aufgehängt. Diese waren zum Zeitpunkt des Brandes im Magazin gelagert. Denn nicht mehr alle Bilder aus dem 17. Jahrhundert hatten damals auf der verkürzten Brücke Platz. Was sich heute als glücklicher Umstand erweist.
Und damit endet die Geschichte der Kapellbrücke. Zumindest vorerst. Weitere Infos zur Brücke und Wasserturm findet ihr in den Show Notes. Und eben ich kann euch die Führung im Wasserturm sehr empfehlen. Damit danke fürs Zuhören. Ich bin Tamara von Luzern Tourismus und das ist der Podcast Bergrufe und Stadtgeflüster.