Bergrufe und Stadtgeflüster

#34 Die Spreuerbrücke

Luzern Tourismus

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0:00 | 13:54

Sie ist die «kleine Schwester» der Kapellbrücke, doch ihre Geschichte ist mindestens genauso spektakulär: In dieser Folge entdecken wir, warum hier der Tod im Gebälk tanzt, was ein englischer Garten mit der Brücke zu tun hat und weshalb früher buchstäblich der Müll in die Reuss flog.

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Bergrufe und Stadtgeflüster, der Podcast aus dem Herzen der Schweiz.

00:00:15.000 --> 00:00:18.000
Kerzen flackern über einen steinernen Altar.

00:00:18.000 --> 00:00:21.000
Schwere Gewänder schimern im Halbdunkeln.

00:00:21.000 --> 00:00:26.000
Mit dem Rücken zur Gemeinde steht Papst Urban VIII am Altar und zelebriert die Messe.

00:00:26.000 --> 00:00:29.000
Sein goldenes Gewand fällt in weichen Falten herab.

00:00:29.000 --> 00:00:33.000
Seine Hände bewegen sich ruhig über Kelch und Hostie.

00:00:33.000 --> 00:00:37.000
Neben ihm kniet ein Messdiener in Weiß, den Blick gesenkt.

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Doch sein Gesicht ist fahl.

00:00:39.000 --> 00:00:43.000
Kein Atem, kein Leben liegt darin.

00:00:43.000 --> 00:00:45.000
Es ist ein Toter, der hier dient.

00:00:45.000 --> 00:00:50.000
Hinter ihm löst sich ein weiteres Skelett aus dem Schatten, eine Lanze in der Hand.

00:00:50.000 --> 00:00:57.000
Es schleicht sich heran, um den Papst abzuholen.

00:00:57.000 --> 00:01:02.000
Herzlich willkommen zu Bergrufe und Stadtgeflüster, dem Podcast von Luzern Tourismus.

00:01:02.000 --> 00:01:07.000
Was ihr eben gehört habt, ist keine Horrorgeschichte oder nur ein bisschen.

00:01:07.000 --> 00:01:20.000
Denn es ist eigentlich eine Szene auf einem Gemälde und dieses Bild hängt tatsächlich auf einer Brücke in Luzern, aber nicht auf der bekannten Kappelbrücke, sondern auf ihrer kleinen Schwester, der Spreuerbrücke.

00:01:20.000 --> 00:01:28.000
Die Spreuerbrücke liegt weiter reusssabwärts und verbindet den Kasernenplatz am linken Ufer mit dem Mühlenplatz am rechten Ufer.

00:01:28.000 --> 00:01:32.000
Sie gehört zu den ältesten erhaltenen Holzbrücken der Schweiz.

00:01:32.000 --> 00:01:38.000
wer über die Brücke läuft, bemerkt schnell einen auffälligen Knick auf Höhe der Reußinsel.

00:01:38.000 --> 00:01:43.000
Dieser Knick besteht, weil die Spreuebrücke aus eigentlich 2 Brücken besteht.

00:01:43.000 --> 00:01:44.000
Denn im 13.

00:01:44.000 --> 00:01:50.000
Jahrhundert standen nämlich am heutigen Mühlenplatz und auf Inseln in der Reuß mehrere Mühlen.

00:01:50.000 --> 00:01:57.000
Damals wird im Ratsbüchlein ein erster Steg erwähnt, und zwar der sogenannte Mühlisteg.

00:01:57.000 --> 00:02:03.000
Dieser nördliche Brückenteil führte dann bis zur Mitte des Flusses und diente als Zugang zu den Mühlen.

00:02:03.000 --> 00:02:08.000
Und er ist sogar älter als die Hofbrücke und die Kappelbrücke.

00:02:08.000 --> 00:02:10.000
Dann, erst gegen Ende des 14.

00:02:10.000 --> 00:02:19.000
Jahrhunderts, wurde der Steg über die gesamte Reuss verlängert, also wegen der wachsenden Stadt und etwa gleichzeitig mit dem Bau der Musikmauer.

00:02:19.000 --> 00:02:25.000
1408 wird die Spreuebrücke danach erstmals als vollständige Brücke erwähnt.

00:02:25.000 --> 00:02:27.000
Jetzt dient sie nicht mehr nur den Mühlen,

00:02:27.000 --> 00:02:29.000
Sonden auch als Wehrgang.

00:02:29.000 --> 00:02:36.000
Sie bildet also, wie die Kappelbrücke, einen Teil des Befestigungsrings von Luzern.

00:02:36.000 --> 00:02:43.000
Die südliche Hälfte steht quer zur Reuß und die nördliche etwas schräg dazu in einem Winkel von rund 123 Grad.

00:02:43.000 --> 00:02:52.000
Wegen der starken Strömung der Reuß ist die Südseite der Brücke mit steinernen Pfeilern und eisernen Wasserbrechern gesichert.

00:02:52.000 --> 00:02:57.000
Den Namen 'Spreuerbrücke' hat sie übrigens ebenfalls wegen den Mühlen.

00:02:57.000 --> 00:03:04.000
denn die Spreu ist ein Abfallprodukt der Müllerei, also unter anderem Hülsen, Hüllen und Stängelteile.

00:03:04.000 --> 00:03:10.000
Die Müller warfen nun eben die Spreu, oft von der Holzbrücke in die Reuß, um sie zu entsorgen.

00:03:10.000 --> 00:03:14.000
Deshalb wurde die Brücke Spreuerbrücke genannt.

00:03:14.000 --> 00:03:20.000
Das Spreu durfte man auch nur von dieser untersten Brücke der Stadt in die Reuß schütten.

00:03:20.000 --> 00:03:25.000
Die letzten Mühlen der Stadt wurden übrigens 1890 abgetragen.

00:03:25.000 --> 00:03:34.000
Während sich die nördliche Brückenhälfte durch die Arbeit in den Mühlen ständig veränderte, blieb die südliche Seite über die Jahrhunderte fast original erhalten.

00:03:34.000 --> 00:03:37.000
Mit einer dramatischen Ausnahme.

00:03:37.000 --> 00:03:38.000
Am 16.

00:03:38.000 --> 00:03:43.000
Juli 1566 suchte ein gewaltiges Unwetterluzern heim.

00:03:43.000 --> 00:03:47.000
Es riss den südlichen Teil samt seinen massiven Steinpfeilern mit sich.

00:03:47.000 --> 00:03:49.000
Der Wiederaufbau war ein Kraftakt.

00:03:49.000 --> 00:03:54.000
Im harten Frondienst muss das Wasser weggeschöpft werden, um das Fundament neu zu setzen.

00:03:54.000 --> 00:04:02.000
Im Zuge dieser Bauarbeiten wurde dann auch eine steinerne Halle mit einer Kornschütte direkt am Basator errichtet.

00:04:02.000 --> 00:04:10.000
Heute misst die Brücke übrigens noch 81 Meter, was deutlich kürzer ist als die ursprünglichen 112 Meter.

00:04:10.000 --> 00:04:17.000
Mitten auf der Spreuebrücke befindet sich noch etwas weiteres Ungewöhnliches, nämlich die kleine Kapelle Maria auf der Reuß.

00:04:17.000 --> 00:04:18.000
Schon seit Mitte des 16.

00:04:18.000 --> 00:04:24.000
Jahrhunderts steht hier ein hölzerner Aufbau mit einer Spitzgiebel und einem kleinen Fähnchen.

00:04:24.000 --> 00:04:27.000
Am Anfang war das Ganze aber noch gar keine Kapelle.

00:04:27.000 --> 00:04:33.000
Es war eigentlich nur eine kleine Schutzhütte, um sich bei Wind und Wetter unterzustellen.

00:04:33.000 --> 00:04:39.000
Weil dort aber ein Heiligenbild stand, begannen die Menschen, den Ort als Kapelle zu nutzen.

00:04:39.000 --> 00:04:47.000
Rund 100 Jahre später wurde sie danach offiziell als Kapelle erwähnt und über die Jahre wurde sie auch immer weiter verschönert.

00:04:47.000 --> 00:04:52.000
Im Jahr 1890 bekam sie ihre heutige Vorderseite und 1905 kam

00:04:52.000 --> 00:04:55.000
kamen auch die bunten Glasfenster dazu.

00:04:55.000 --> 00:04:59.000
Sie zeigen den Heiligen Mauritius und die Heilige Katharina.

00:04:59.000 --> 00:05:03.000
Dass man sich genau für diese beiden entschieden hat, ist kein Zufall.

00:05:03.000 --> 00:05:13.000
Mauritius ist ein mutiger Soldat und Schutzpatron und die Heilige Katharina ist unter anderem die Schutzpatronin der Müller.

00:05:13.000 --> 00:05:21.000
Obwohl die Spreuerbrücke oft im Schatten der berühmten Kabelbrücke steht, hat sie ihre ganz eigenen Fans und eine Geschichte ist besonders kurios.

00:05:21.000 --> 00:05:30.000
Die englische Künstlerin Mary Hemsworth war bei ihrem Besuch in Luzern so begeistert von der Brücke, dass sie ein Stück davon mit nach Hause nehmen wollte.

00:05:30.000 --> 00:05:38.000
Zurück in England ließ sie sich deshalb die Spreuerbrücke einfach originalgetreu in ihrem eigenen Garten nachbauen.

00:05:38.000 --> 00:05:48.000
Wer also mal in der Gegend von North Yorkshire ist, kann diese Kopie heute noch auf ihrem ehemaligen Anwesen in Munk Friston bewundern.

00:05:48.000 --> 00:05:53.000
Neben der kleinen Kapelle gibt es auf der Spreuebrücke noch etwas, das einen innehalten lässt.

00:05:53.000 --> 00:05:59.000
Wenn man nämlich den Blick nach oben in das Gebälk des Dachstuhls richtet, sieht man viele dreieckige Bilder.

00:05:59.000 --> 00:06:15.000
Zwischen 1625 und 1635 schuf der Maler Caspar Midlinger hier einen beeindruckenden Bilderzyklus, den sogenannten Totentanz.

00:06:15.000 --> 00:06:17.000
Während die Bilder der Kappelbrücke

00:06:17.000 --> 00:06:28.000
die Heldentaten der Eidgenossen erzählen und die heute abgebrochene Hofbrücke, die biblischen Tugenden zeigen, verfolgt die Spreuebrücke eine deutlich düstere Botschaft.

00:06:28.000 --> 00:06:32.000
Memento Mori, gedenke, dass du sterblich bist.

00:06:32.000 --> 00:06:37.000
Es ist eine malende Erinnerung daran, dass alles Irdische vergänglich ist.

00:06:37.000 --> 00:06:42.000
Der Totentanz war daher im Mittelalter ein viel verwendetes Motiv.

00:06:42.000 --> 00:06:46.000
Auf Brücken taucht es aber eher selten auf.

00:06:46.000 --> 00:06:52.000
Interessanterweise gelten diese Bilder als künstlerisch wertvoller als jene auf der Kappelbrücke.

00:06:52.000 --> 00:07:02.000
Denn während die Malereien dort stilistisch eher rückwärtsgewandt in die Renaissance blicken, stehen Meglingers Werke auf gleicher Stufe wie die zeitgenössische Barockkunst der Franzosen.

00:07:02.000 --> 00:07:08.000
Die 67 Bildertafeln entstanden in einer Zeit des Umbruchs.

00:07:08.000 --> 00:07:09.000
Wir befinden uns im 17.

00:07:09.000 --> 00:07:10.000
Jahrhundert.

00:07:10.000 --> 00:07:14.000
Die Reformation und die Gegenreformation spalten die Gesellschaft.

00:07:14.000 --> 00:07:17.000
und in Europa tobt der Dreißigjährige Krieg.

00:07:17.000 --> 00:07:20.000
Der Tod war damals kein ferner Gedanke.

00:07:20.000 --> 00:07:22.000
Er war ein ständiger Begleiter.

00:07:22.000 --> 00:07:25.000
Und das spiegelt sich so in den Bildern wider.

00:07:25.000 --> 00:07:34.000
Der Tod tritt hier nicht als schreckliches Ungeheuer auf, sondern schleicht sich schon fast elegant und heimtückisch in den Alltag ein.

00:07:34.000 --> 00:07:41.000
Die Tafeln selbst sind etwa 90 Zentimeter hoch und 160 Zentimeter breit, gefasst in einen flachen, schwarzen Rahmen.

00:07:41.000 --> 00:07:43.000
Sie sind paarweise,

00:07:43.000 --> 00:07:47.000
also Rücken an Rücken, im Dreieck zwischen Querbalken und Streben befestigt.

00:07:47.000 --> 00:07:51.000
In den unteren Ecken findet man auch immer die Wappen der Stifter.

00:07:51.000 --> 00:07:57.000
2 Bilder wurden von der Obrigkeit finanziert, der Rest von wohlhabenden Privatpersonen.

00:07:57.000 --> 00:08:03.000
Und auf der unteren Rahmenleiste erklärt jeweils ein Vierzeiler den Inhalt der Bilder.

00:08:03.000 --> 00:08:05.000
Als gegen Ende des 18.

00:08:05.000 --> 00:08:12.000
Jahrhunderts die Spreuerbrücke auf der Seite des Mühlenplatzes verkürzt wurde, mussten einige Bilder weichen.

00:08:12.000 --> 00:08:15.000
Deshalb sieht man heute nur noch 45 Bilder auf der Brücke.

00:08:15.000 --> 00:08:22.000
Weil die Bilder der Feuchtigkeit direkt über dem Fluss ausgesetzt sind, wurden sie immer wieder renoviert.

00:08:22.000 --> 00:08:27.000
Dabei wurden zwar Details verändert, die Bildinhalte sind aber bis heute erhalten.

00:08:27.000 --> 00:08:34.000
Die Bilder erzählen also auch noch heute von Begegnungen der Lebenden mit den Toten.

00:08:34.000 --> 00:08:41.000
Eingeleitet wird dieser monumentale Zyklus durch einen dreiteiligen Prolog, der auf der Seite der Kornschütte beginnt.

00:08:41.000 --> 00:08:50.000
Zuerst sehen wir die Symbole der weltlichen Macht, gefolgt von einer dramatischen Szene, in der ein Schiff der Toten das Schiff der Lebenden angreift.

00:08:50.000 --> 00:08:54.000
Das dritte Bild zeigt schließlich eine Geschichte aus der Familie des Stifters.

00:08:54.000 --> 00:08:58.000
Erst danach eröffnet der eigentliche Totentanz den Zyklus.

00:08:58.000 --> 00:09:06.000
Danach folgt die Geschichte von Adam und Eva, die aus dem Paradies vertrieben werden und damit erst den Tod in die Welt bringen.

00:09:06.000 --> 00:09:11.000
Bis zur Tafel 27 schreitet der Tod die soziale Leiter der Mächtigen ab.

00:09:11.000 --> 00:09:21.000
Es beginnt beim Papst, dessen Tafel wir zu Beginn dieser Folge gehört haben, und er führt uns weiter über Kaiser, König und Herzog bis hin zum hohen Adel.

00:09:21.000 --> 00:09:25.000
Ein besonders eindrückliches Bild ist die Tafel 18.

00:09:25.000 --> 00:09:28.000
Hier sehen wir eine Gräfin in ihrer Kutsche.

00:09:28.000 --> 00:09:40.000
Der Tod hat sich als Kutscher verkleidet, schwingt in seinem roten Gewand die Peitschen über den Pferden und führt die ahnungslose Dame im rasanten Tempo über das Land, direkt ihrem Ende entgegen.

00:09:40.000 --> 00:09:46.000
Dieser Teil des Zyklus endet schließlich bei den Ratsherren und den stolzen Rittern.

00:09:46.000 --> 00:09:49.000
Bis Tafel 49 begegnen wir den bürgerlichen Ständen.

00:09:49.000 --> 00:09:52.000
Hier zeigt sich der Tod als listiger Betrüger.

00:09:52.000 --> 00:09:56.000
Schauen wir uns zum Beispiel das Bild des Richters an.

00:09:56.000 --> 00:10:02.000
Während das Gericht über einen Angeklagten urteilt, hat sich ein Toter unbemerkt unter die Richter gemischt.

00:10:02.000 --> 00:10:08.000
Ein zweites Skelett stillt dem Vorsitzenden den Richterstab, während ein drittes den Angeklagten packt.

00:10:08.000 --> 00:10:12.000
dessen Bettelstab bricht in diesem Moment entzwei.

00:10:12.000 --> 00:10:19.000
Der Weg führt uns weiter, vorbei an Philosophen, Kaufleuten und Malern bis hin zum einfachen Bauern.

00:10:19.000 --> 00:10:27.000
In dieser Szene stützt sich der Tod auf seine Sense und reicht dem Bauern einen Krug, damit dieser ihn mit frischer Milch füllt.

00:10:27.000 --> 00:10:35.000
Den Abschluss dieser Reihe bildet der sogenannte Weltsmann, also ein Aristokrat.

00:10:35.000 --> 00:10:39.000
Besonders berührend sind die Tafeln 50 bis 57.

00:10:39.000 --> 00:10:44.000
Sie zeigen nämlich die verschiedenen Lebensalter.

00:10:44.000 --> 00:10:46.000
Es beginnt beim Unschuldigsten.

00:10:46.000 --> 00:10:53.000
Ein nacktes Kind steigt fröhlich aus seiner Wiege, ein Apfel in der Hand und folgt dem Tod fast spielerisch.

00:10:53.000 --> 00:10:57.000
Daneben steht die hilflose Mutter.

00:10:57.000 --> 00:11:00.000
Doch der Tod macht vor niemandem Halt.

00:11:00.000 --> 00:11:05.000
Wir sehen den Kampf zwischen Amor und dem Tod, bei dem die Liebe gegen das Ende antritt.

00:11:05.000 --> 00:11:09.000
ein Kampf, dessen Ende wir alle erahnen können.

00:11:09.000 --> 00:11:16.000
Sogar ein frisch vermähltes Brautpaar ist an seinem eigenen Hochzeitstag nicht sicher vor dem ungebetenen Gast.

00:11:16.000 --> 00:11:24.000
Diese Reihe endet schließlich bei den Greisen, für die der Tod schon fast wie eine Erlösung wirkt.

00:11:24.000 --> 00:11:31.000
Auf den nächsten Tafeln wird die Reihe der Stände fortgesetzt, bevor dann die letzten 3 Tafeln den Zyklus abschließen.

00:11:31.000 --> 00:11:34.000
Hier sehen wir den aussichtslosen Krieg der Menschen gegen den Tod,

00:11:34.000 --> 00:11:38.000
die Auferstehung der Toten und schließlich das Jüngste Gericht.

00:11:38.000 --> 00:11:44.000
Christus erscheint am Himmel, während die Menschen der Erde entsteigen, um gerichtet zu werden.

00:11:44.000 --> 00:11:49.000
Die Guten schweben gen Himmel, die Verdammten fahren zur Hölle.

00:11:49.000 --> 00:11:55.000
Es ist genau dieses letzte Bild, das der Maler Kaspar Meglinger mit seinem Namen signierte.

00:11:55.000 --> 00:12:00.000
Inspiriert wurde dieses gewaltige Bilderwerk wohl vom biblischen Buch des Predigers.

00:12:00.000 --> 00:12:04.000
Es beschreibt Menschen, die im Überfluss leben,

00:12:04.000 --> 00:12:12.000
Genau das sehen wir hier auf der Brücke, Menschen, die trotz des Sensemann an ihrer Seite Stolz, Hochmut und pure Lebenslust ausstrahlen.

00:12:12.000 --> 00:12:19.000
Sie verdrängen das Unausweichliche, bis der Tod sie schließlich zum letzten Tanz auffordert.

00:12:19.000 --> 00:12:22.000
Im Zyklus sieht man übrigens auch die Luzerner Gesellschaft.

00:12:22.000 --> 00:12:26.000
So sind zum Beispiel viele Patrizierfamilien porträtiert.

00:12:26.000 --> 00:12:31.000
Weil auf den Bildern der Spreuerbrücke eben der Tod omnipräsent ist, wurde die Brücke im 19.

00:12:31.000 --> 00:12:34.000
Jahrhundert auch Totenbrücke genannt.

00:12:34.000 --> 00:12:39.000
Der Name setzt sich allerdings nicht durch.

00:12:39.000 --> 00:12:46.000
Heute hat die Spreuerbrücke ihren strategischen Wert zur Stadtverteidigung verloren und auch die Stadtmühlen existieren nicht mehr.

00:12:46.000 --> 00:12:57.000
Dennoch ist sie wichtiger denn je, denn als zentrale Fußgängerverbindung zwischen dem Mühlenplatz und dem historischen Museum überqueren täglich rund 8400 Menschen die Reuss.

00:12:57.000 --> 00:13:03.000
Dabei werden wohl die wenigsten bemerken, welche düsteren Geschichten direkt über ihren Köpfen erzählt werden.

00:13:03.000 --> 00:13:06.000
Und damit endet unsere heutige Folge zur Spreuerbrücke.

00:13:06.000 --> 00:13:09.000
Weitere Infos findet ihr wie immer unten in den Shownotes.

00:13:09.000 --> 00:13:26.000
Ich bin Tamara von Luzern Tourismus und das ist der Podcast 'Bergrufe und Stadtgeflüster'.

00:13:26.000 --> 00:13:27.000
Bergrufe und Stadtgeflüster, der Podcast aus dem Herzen der Schweiz.