C3-Radio
C3-Radio, das entwicklungspolitische Radio aus dem Centrum für Internationale Entwicklung. Unser Radio-Host Klemens Lobnig beleuchtet einmal monatlich aktuelle entwicklungspolitische Themen für die Hörer_innen. Mit Interviews, Berichten, Hintergrundinformationen sowie Ausschnitten aus dem umfangreichen Veranstaltungsprogramm im C3.
Das C3-Radio ist eine Initiative der fünf Organisationen ÖFSE, BAOBAB, frauensolidarität, Paulo Freire Zentrum und Mattersburger Kreis im C3.
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Die Entwicklungstagung 2025: Frieden, Gerechtigkeit & starke Institutionen
01.12.2025
C3-Radio
Die Entwicklungstagung 2025: Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen
In dieser Ausgabe des C3-Radios widmen wir uns der Entwicklungstagung 2025, die Ende November unter dem Titel „Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen“ in Innsbruck stattfand. SDG 16, „Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen“, steht als Thema im Mittelpunkt der diesjährigen Entwicklungstagung und verbindet globale Konflikte, demokratische Entwicklungen und Fragen sozialer wie ökologischer Gerechtigkeit.
Seit mehr als 20 Jahren bringt die Tagung Menschen aus Wissenschaft, Praxis und Zivilgesellschaft zusammen, um aktuelle globale Herausforderungen zu diskutieren. Koordiniert wird die Tagung vom Paulo Freire Zentrum in Wien, getragen wird sie von einer breiten Allianz verschiedener entwicklungspolitischer Organisationen in Österreich.
Für das C3-Radio haben wir mit dem Organisationsteam, den Referent*innen und den Teilnehmenden gesprochen und geben euch spannende Eindrücke von der Tagung, die aktueller nicht sein könnte.
In dieser Episode sprechen wir u.a. mit:
Gerald Faschingeder, Organisator der Entwicklungstagung (Paulo Freire Zentrum)
Rina Alluri, UNESCO-Lehrstuhlinhaberin und Assistenzprofessorin für Friedensforschung (Universität Innsbruck)
Patrick Bond, Politischer Ökonom und politischer Ökologe (Universität Johannesburg)
Ana María Suárez Franco, Juristin und Generalsekretärin FIAN International
·Teilnehmenden der Tagung
Mehr Informationen zur Entwicklungstagung finden Sie unter: https://entwicklungstagung.at/
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Klemens Lobnig
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe vom C3-Radio. Ich bin Klemens Lobnig und ich freue mich, dass Sie wieder mit dabei sind. Eines wenn ihr euch über meine Stimme wundert, ich bin ein bisschen verkühlt und das hört man wahrscheinlich. Die internationale Entwicklungspolitik steht aktuell unter besonderem Druck. Geberländer ziehen sich zurück oder sparen bei ihren Entwicklungsbudgets. Gleichzeitig kommt es zu einer Versicherheitlichung der Debatte und geopolitische Interessen werden wieder bedeutsamer. Aktuell herrscht also eher die Stimmung eines Gegeneinanders statt eines Miteinanders, was sich auch an den zahlreichen geopolitischen Konflikten zeigt, die im Moment auf der Welt toben. Die Frage Wie kommen wir aus dieser Situation wieder heraus? Wie können wir wieder an einem gemeinsamen Ziel von Frieden und Gerechtigkeit arbeiten? Diese Fragen standen auch im Zentrum der Entwicklungstagung 2025 die von 21. Bis 23. November unter dem Titel Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen in Innsbruck stattgefunden hat. Koordiniert wird die Tagung vom Paolo Freire Zentrum in Wien. Getragen wird sie von einem breiten Bündnis verschiedener entwicklungspolitischer Organisationen aus ganz Österreich. Und um diese Tagung, die die österreichweit größte Veranstaltung zur Entwicklungspolitik ist, dreht sich auch unsere heutige Sendung. Für das C Radio haben wir mit dem Organisationsteam und den Referent*innen gesprochen und wollen euch ein paar spannende Einblicke in die aktuelle entwicklungspolitische Debatte geben. Um einen Überblick über die Veranstaltung zu bekommen, habe ich mit Gerald Faschingeder gesprochen. Er ist Direktor des Paulo Freire Zentrums und koordiniert die Entwicklungstagung. Was ist die Entwicklungstagung und worum geht es dabei eigentlich?
Gerald Faschingeder
Die Entwicklungstagung gibt es jetzt seit 2001 also schon über 20 Jahre in Österreich als regelmäßige Veranstaltung. Wir haben es zunächst alle zwei, dann alle drei Jahre gemacht, wo wir uns Grundfragen der internationalen Entwicklung zuwenden und die diskutieren ein bisschen so die aktuellen heißen Eisen in den letzten Durchgängen, die Sustainable Development Goals. Es geht darum, einen Raum zu schaffen für Reflexion. Also es kommen sehr viele Multiplikatorinnen, Multiplikatoren, Leute, die in der Lehre an der Uni stehen, selber studieren und später mal in NGOs arbeiten und auch NGO Mitarbeiterinnen. Und wir glauben, es braucht Weltwissen und Orientierung in diesem komplexen Weltgeschehen Die Welt verändert sich rasant schnell, wir haben starke geopolitische Veränderungen und die einzuordnen, dafür bleibt normalerweise nicht Zeit und oft fehlen auch die richtigen Inputs aus anderen Perspektiven. Das versuchen wir auf der Entwicklungstagung zusammenzubringen, dass Leute aus verschiedenen Winkeln dieser Erde, also auch aus dem globalen Süden, aus dem globalen Norden, aber auch aus unterschiedlichen sozialen Situationen, Genderdimensionen einen Blick werfen, in dem Fall auf unser Thema Friede, Gerechtigkeit, starke Institutionen.
Klemens Lobnig
OK, damit nimmst du mir schon einen Teil meiner nächsten Frage vorweg. Was war denn heuer das übergeordnete Thema und warum ist dieses Thema so wichtig, dass man das behandeln muss auf einer Tagung?
Gerald Faschingeder
Ich hatte im Zuge der Tagung das Gefühl, es gibt kaum ein Thema, das wichtiger ist als Friede, Gerechtigkeit und starke Institutionen? Es ist das 16. von den 17 Sustainable Development Goals. Und es ist so ein Angelpunkt, weil ohne Friede keine Entwicklung oder im Krieg wird vieles zunichte gemacht, was schon erreicht wurde. Ob das jetzt Gaza meint oder Sudan oder Ukraine oder andere Krisenherde dieser Welt, da sieht man überall unglaubliche Rückschritte aufgrund kriegerischer Auseinandersetzungen. Und die Frage der Gerechtigkeit ist natürlich zentral für Entwicklungsfragen, weil uns geht es ja um eine faire, gerechte Welt, die für alle gleiche Chancen bietet, Überlebenschancen bis hin zu Lebenserwartung, Möglichkeiten, soziale, wirtschaftliche, kulturelle Rechte zu verwirklichen. Thema ist daher dieses ER Ziel gewesen. Aber man muss dazu sagen, eigentlich in den internationalen Debatten, als das formuliert wurde, wäre es um Demokratie gegangen. Also Demokratie ist quasi der Elefant im Raum, der nicht benannt werden durfte, weil bei der Vereinbarung der Sustainable Development Goals viele antidemokratische, also autokratische Regierungen einfach auch involviert waren, die das nicht akzeptiert hätten. Und daher ist das so ein bisschen verklausuliert unter starke Institutionen, weil da können sich auch Autokraten gut das meint meine Durchgriffsrechte, was es aus menschenrechtlicher Perspektive natürlich nicht ist.
Klemens Lobnig
Damit sind wir auch schon mitten im Thema der diesjährigen SDG 6 Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen. Das klingt auf den ersten Blick sehr breit, aber genau darin liegt seine Kraft. Es verbindet globale Konflikte, demokratische Entwicklungen und Fragen der Umwelt und Klimagerechtigkeit. Diese drei Dimensionen sind auch die Leitthemen der Tagung und ziehen sich durch die diversen Beiträge der internationalen Referent Innen die in den verschiedensten Bereichen, zum Beispiel der Forschung oder dem Aktivismus tätig sind. Wenn wir über Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen sprechen, dann brauchen wir Stimmen, die diese Themen aus globalen und persönlichen Perspektiven denken. Eine dieser Stimmen ist Rina Alluri. Sie ist UNESCO Lehrstuhlinhaberin und Assistenzprofessorin für Friedensforschung an der Universität Innsbruck und ihre Arbeit widmet sich der Dekolonisierung der Friedens- und Konfliktforschung. Als transnationale Migrantin, die auf vier Kontinenten zu Hause war, bringt sie Erfahrungen aus ganz unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Kontexten mit. Und über genau diesen Erfahrungsschatz sowie mögliche Erfolgsfaktoren für Friedensprojekte haben wir mit ihr während der Tagung gesprochen.
Moderation
Thank you for your time. The first question How does your experience as a transnational citizen influence your research on peace?
Rina Alluri
So I think that one's identity and positionality is always part of our research, our teaching, our praxis. Something that I engage with in my own research and teaching is being aware of how who we are also has an influence on how we engage with particular issues of peace and conflict, but also the lenses in which we're able to even grasp or analyze or understand particular issues. So having been raised in Africa by Asian parents, migrated to Canada and now standing at the foothills of the Alps, I think that this definitely influences the way that I see the world, but also my own biases when engaging with particular global issues.
Moderation
What makes peace projects successful in your eyes?
Rina Alluri
Unfortunately I think it's quite challenging actually to speak about success, but I do acknowledge let's say change and transformation. So I think that with any official peace process, whether it's negotiation or an interpersonal conflict that takes place the ability to experience forms of change, shifting of ideas and mindsets, but also putting into practice and practice, policies and mechanisms to ensure that that change is not just minimal or that it also is more long term and sustainable. These are the challenges that we face in terms of understanding how to engage in peace, peace building, peace praxis. But I think that the most important element is being aware that peace is not like an end game or an end goal, but part of what we do in our everyday lives. It's an ongoing daily practice, which it's not something just for folks in a conflict zone, but in all parts of the world peace looks differently and we need to also make the efforts to contribute to it.
Klemens Lobnig
Ein Weiterer Blick auf SDG 16 führt uns zu den globalen Machtverhältnissen und den Fragen von sozialer und ökologischer Gerechtigkeit. Tief in dieser Debatte verankert ist Patrick Bond. Er ist politischer Ökonom und politischer Ökologe, Professor an der Universität Johannesburg und seit vielen Jahren engagiert in afrikanischen Gemeinschaften und internationalen Gerechtigkeitsbewegungen. Seine Forschung zeigt, wie sehr neoliberale Politik soziale Ungleichheiten und Umweltzerstörung verschärft und welche Rolle soziale Bewegungen im Kampf für Veränderungen spielen können. Er spricht im Interview darüber, was die globale Politik derzeit prägt und welche Wege zu mehr Gerechtigkeit führen können. Hören wir rein.
Moderation
What is currently most concerning you in global politics?
Patrick Bond
Donald Trump. Because we have an ideology in the United States that is called paleo conservative, It's racist and protectionist, it's xenophobic, it's islamophobic and it is imposing the sanctions, the tariffs all over the world in a completely destructive way. In addition to withdrawing from the climate summits and the United Nations and the World Health Organization and withdrawing aid funding, especially emergency food aid and humanitarian assistance to places like Sudan and removing AIDS medicines, the PEPFARM plus all climate finance, this is a destructive regime. And unfortunately, the European neoliberal and neoconservative governments, one of which Italy is aligned and of course Saudi Arabia, Argentina, Turkey, they're aligned with the United States to do sabotage which we've just seen in the G20. So we've not. Seen the countervailing multipolar forces of the BRICS come up to fight Donald Trump. They've also been split, many of them being co-opted, especially from the Middle East. But even Brazil is now moving towards the US again as the tariffs are being released on coffee. For example, that's the failure to have a broader global movement against Donald Trump. Therefore we're going to need the popular forces, the social movements to rise up and to teach their governments how to fight Donald Trump.
Moderation
What should the world do to support plural countries in addressing climate change?
Batrick Bond
Well, the main thing about the rich countries, and here we mean the G one, the US and the other G7 countries, they are in unity with the BRICS. And we're seeing that in the G twenty held in Johannesburg, we saw it the prior week in Brazil, where basically we have the richest countries, the Developed Countries, that have an historic climate debt and the new major emitters, especially China, Brazil, Russia, India and South Africa as well the BRICS, the G7, of course the BRICS also include Iran, Saudi Arabia, UAE, Egypt, some other big emitters. And when you put them together, they have unity against everyone else, the people on the planet. Therefore I think getting away from global north, global South and finding the nuance against climate imperialism of the West and the sub imperialism. So that's the first conceptual step. Then we go with the regular three demands that are most important, cut the emissions, so we don't have a catastrophe. Second acknowledge polluter pace that is the simple climate debt. Every liberal democracy has a polluter pays law for their own pollution, but they're ignoring it internationally. And the third stop the privatization of the air that is the carbon markets, especially in Europe. They are chaotic, they go up and down by measures of fifty percent at a time. If you take those three as some of the Central Parts of Climate Justice Politics a Renewed. And that's what we've been seeing in the COP. We saw it last year in Baku, when African countries and small Island states walked out. So I think solidarity between the maßes of the climate movements, climate justice especially and some of the smaller governments that have no money and are being forced into bankruptcy because of a climate crisis, they're not responsible for That's the alliance. It's going to have to be an alliance against both the G7 and the BRICS. And as the G20 moves to the United States next year, it's pretty obvious that they have to be discredited and we have to actually start boycotting some of these big countries that are causing the world's worst problem.
Klemens Lobnig
Wenn wir über Frieden und Gerechtigkeit sprechen, dann dürfen wir eine Dimension nicht Ernährungssicherheit. Ohne Zugang zu Nahrung, ohne Schutz von Landrechten und ohne starke Institutionen, die diese Rechte durchsetzen, ist nachhaltiger Frieden kaum denkbar. Eine Expertin, die diese Zusammenhänge wie kaum eine andere untersucht, ist Ana Maria Suárez Franco. Sie ist Juristin, frisch ernannte Generalsekretärin von FION International und seit vielen Jahren in Gemeinden weltweit unterwegs, die von Verletzungen ihres Rechts auf Nahrung betroffen sind. Mit ihr haben wir darüber gesprochen, was sie motiviert, wo sie Hoffnung sieht und welche Verantwortung wir gegenüber kommenden Generationen tragen.
Moderation
Was motiviert sie besonders, sich für Menschenrechte und das Recht auf Nahrung einzusetzen?
Ana Maria Suarez Franco
Was mich am meisten motiviert, ist, dass man wirklich für die Menschen und die Natur arbeitet und besonders für Gerechtigkeit in einer Welt, wo es viel Ungleichheit gibt, in einer Welt, wo jeden Tag unsere Natur, unsere Mutter Erde zerstört wird, brauchen wir viele Menschen, die sich dafür einsetzen. Und was ich auch genieße an dieser Arbeit ist das es nicht eine einzelne Arbeit ist oder einsame Arbeit. Es ist eine Arbeit, die mit vielen Menschen gemacht wird in solidarische Beziehung, nicht nur globalen Süden und globalen Norden, aber auch mit den Menschen, die historisch, geschichtlich marginalisiert worden sind oder unterrepräsentiert worden sind. Bei vielen haben wir eine emanzipatorische Ansicht von Menschenrecht. Das heißt, die Menschen sprechen für sich selbst, weil die auch Experten in ihren Realitäten sind. Wir ersetzen sie nicht. Aber wir benutzen die ganze Türe, die wir geöffnet haben, die Beziehungen, die wir haben, um den Menschen Gelegenheiten zu geben, ihre Rechte zu verteidigen.
Moderation
Welche Fortschritte oder positiven Entwicklungen geben Ihnen Hoffnung für eine gerechtere Zukunft?
Ana Maria Suarez Franco
Ich versuche sie oft Leute auf der lokalen Ebene, natürlich sieht man viele Menschenrechtsverletzungen, Ungerechtigkeiten, aber ich sehe, wie die Frauen sich organisieren. Ich habe zum Beispiel mit rurale Frauennetzwerke in Ecuador, in Kolumbien, in Honduras, in Uganda gearbeitet und ich sehe, wie Sie sich die Zukunft anders vorstellen, wie die anderen zukünftigen Generationen denken, auf sehr kreative und kollaborative Art und Weise, die ganz anders zu dem Patriarchat sind, die uns auch zusammen mit anderen Unterdrückungsart und Weise zu den sehr vielen Krisen, die wir heute erleben, gebracht haben.
Moderation
Sehr starke Punkte. Dankeschön. Und zuletzt wollte ich Sie Welche Botschaft möchten Sie den Teilnehmenden zu globaler Gerechtigkeit und den Rechten zukünftiger Generationen weitergeben oder mitgeben?
Ana Maria Suarez Franco
Ich möchte sehr gerne den Teilnehmern eine Frage stellen und das Was machen Sie heute, damit Ihre Kinder, Ihre Nichte oder die Kinder Ihrer Kinder auch ein schönes Leben haben, wie wir hier in Europa tatsächlich haben? Es ist schlimmer geworden, aber wir sind immer noch sehr privilegiert und ich glaube, das sollte uns eine Motivation geben, damit wir uns für soziale Gerechtigkeit einsetzen, damit wir unserer Regierung zurecht verlangen, damit wir auch für die Natur und für die Menschen neue Forderungen haben und neue Organisationen haben. Die Menschenrechte sind auf Menschenrechts passiert heutzutage ein bisschen in Verbindung mit der Natur und das ist sehr wichtig. Das ist der Grundsatz Gerechtigkeit, aber auch Pflichten für die Regierungen und internationale Regierungen und Rechte für die Menschen. Ich würde Ihnen sagen, denken Sie mal, wie wir diese Rechte verteidigen können auf eine Art und Weise, die von Liebe informiert ist und nicht immer Rache und eine negative Energie. Ich glaube, wir sollen die Energie von dieser Welt einfach ändern und ich glaube, Menschenrechte sind ein sehr, sehr gutes Instrument dazu.
Klemens Lobnig
Eine der Zielgruppen, an die sich die Entwicklungstagung gerichtet hat, sind Studierende verschiedener Fachrichtungen, die an das Thema der Konferenz anknüpfen. Zwei von ihnen haben wir am Rande der Tagung gefragt, was sie studieren, welche Eindrücke sie haben und mit welchen Themen sie sich gerade intensiv auseinandersetzen.
Student 1
My name is Steven Akudike. What is happening in the world today whereby the court of US fund, the court of funding and also the conflict between right regions. It's making in practice it's making developmental mindset not to actually achieve its aim. But with this conference I really see that there's going to be hope in terms of the policies, in terms of How the NGO's are trying to make it more liberal, in terms of also even transnational corporations, how they want to try to fix in the system in terms of government, in terms of human participants and most especially in terms of gender and climate. So I feel yes, it's actually interconnected, actually going a long way for the society both in Europe and also in Africa at large.
Student 2
Hello, my name is Anna Felis Machlewski. Ich studiere Staatswissenschaften an der Universität Passau mit dem Schwerpunkt Völkerrecht und globale Ethik. Auf globaler Ebene beschäftigt mich aktuell besonders das Thema Klimagerechtigkeit und Mikro und auf lokaler Ebene insbesondere, wie man demokratische Teilhabe organisieren kann. Durch den Austausch erhoffe ich mir noch mehr, einfach neue Perspektiven kennenzulernen, vielleicht auch wie andere solche Themen angehen. Das fand ich jetzt auch ganz schön in der Studi-Konferenz. Da hat man einfach gesehen, im Endeffekt, wir haben alle das gleiche Ziel, aber unterschiedliche Wege dorthin zu kommen. Und das ist sehr schön zu sehen, was alles so möglich ist.
Klemens Lobnig
Wir haben jetzt schon sehr unterschiedliche Perspektiven auf Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen gehört, wissenschaftliche, politische und zivilgesellschaftliche. Und eines wird dabei sehr Die Herausforderungen sind global, aber sie greifen tief in lokale Lebensrealitäten ein. Genau diese Vielschichtigkeit spiegelt auch die Entwicklungstagung selbst wider. Wie sich diese Veranstaltung über die Jahre verändert hat und welche Eindrücke das heurige Event hinterlassen hat, erzählte mir Gerald Faschingeder, den wir schon am Anfang der Sendung gehört haben. Die Entwicklungstagung fand ja heuer schon zum neunten Mal statt. Wenn du jetzt über einen längeren Zeitraum schaust, was hat sich im Laufe der Zeit geändert?
Gerald Faschingeder
Die Entwicklungstagungen haben sich ziemlich weiterentwickelt. Wir waren ja 2008 schon einmal in Innsbruck und ich habe mir das jetzt immer wieder durch den Kopf gehen lassen. Was war das für eine Welt damals? Wir hatten noch nicht einmal einen Facebook Account, geschweige den Instagram Account. Und ich habe jetzt gelesen, Steve Jobs hat 2007 erst sein iPhone präsentiert. Das heißt, das war de facto eine Smartphone freie Tagung 2008. Und das ändert schon sehr vieles. Also gar nicht zu reden von künstlicher Intelligenz und anderen Tools, an die wir heute gewohnt sind. Es war viel mehr handgebastelt, mehr ausgeschnittene bunte Papiere. Aber die Grunddynamik, einen doppelten Dialog zu führen, nämlich zwischen globalem Norden, globalen Süden und zum anderen zwischen der Welt der Wissenschaft und der Welt der Praxis, die ist gleich geblieben. Also das war schon damals unser Anliegen, das wollten wir immer realisieren und das lässt sich durch technologische Entwicklung auch nicht beseitigen.
Klemens Lobnig
OK, wenn du auf die heurige Entwicklungstagung jetzt zurückblickst, was ist dein Resümee von dieser Tagung?
Gerald Faschingeder
Es war eine sehr spezielle Tagung, eine von der Stimmung sehr schöne und positive. Und das Erstaunliche war der Prozess, den die ganze Teilnehmergruppe durchgemacht hat. Ich meine, das sind 250 Leute. Es ist jetzt keine Gruppendynamik auf kleinteiliger Ebene, sondern ich habe am Beginn der Tagung gefragt, wer denkt Denn, dass in 5 Jahren, also 2030 wenn die SDGs zum Ende kommen, es besser steht, um bestimmte Formulierungen aus diesem Ziel zu Friede, zu Gerechtigkeit, zu starke Institutionen. Bei allen drei Fragen ist niemand aufgestanden. Also bei den ersten zwei Leuten, die haben sich dann nachher nicht mehr getraut. Das heißt, es war eigentlich eine sehr resignative Atmosphäre. Und die NGOs und auch die Entwicklungsforschung, wir sind massiv in der Defensive. Generell demokratischer Ansatz, der partizipative, der offene, der sozusagen das alte Projekt der Aufklärung, das Versprechen, dass die Zukunft besser wird als die Vergangenheit, das weiterträgt, fühlt sich massiv unter Druck. Und am Ende der Tagung wurde die Frage noch einmal gestellt und da war doch eine ganz andere Antwort. Es ist tatsächlich gelungen, so etwas wie Hoffnung wieder zu wecken. Nicht Optimismus im Sinne von einer naiven Annahme, es wird eh wieder besser werden, weil früher auch so war, sondern es gibt soziale Kämpfe und Auseinandersetzungen, die Sinn machen, die gut sind, die fallweise auch erfolgreich sind, nicht in dem Ausmaß, wie wir uns das wünschen. Aber es gibt Grund zur Hoffnung und dranzubleiben am Engagement für eine gerechtere, für eine friedlichere Welt, in der starke Institutionen auch demokratisch sind, partizipativ, solidarisch und wirklich geöffnet für alle Menschen auf dieser Erde.
Klemens Lobnig
Vielen Dank. Das sind ja auch eigentlich ganz positive Ansätze, die da entstanden sind. Wenn du jetzt einen Punkt herauspicken kannst oder möchtest, was würdest du uns als Zukunftsausblick mitgeben?
Gerald Faschingeder
Naja, also wir haben am Schluss ein bisschen überlegt. Es gab so Rapporteurinnen, die geschaut okay, was ist hier gelaufen und was gilt es zu reflektieren? Die haben gemeint, das Thema Technologieentwicklung wäre recht zentral, weil das ja auch sehr demokratierelevante Dimensionen in sich birgt. Also wer kontrolliert wie die künstliche Intelligenz, wer geht wie damit um, Wie gehen wir damit um, dass immer weniger Bücher gelesen werden und mehr Bildschirmzeit praktiziert wird, die von Big Tech Konzernen kontrollierbar ist oder auslesbar. Das wäre ein Zukunftsausblick für die inhaltliche Ausrichtung der Entwicklungstagung. Aber das muss noch in der ARGE Entwicklungstagung besprochen werden und noch in der Reflexion Teilnehmerinnen Feedback einbeziehen. Mit Blick auf den Globus kann ich nur hoffen, dass es eine Trendwende auch wieder gibt. Ich denke, es gibt jetzt aktuell doch zarte Ansätze, dass sowohl der Krieg in Gaza als auch der in der Ukraine vielleicht am Verhandlungsweg mal gestoppt werden zumindest. Ich hoffe, das ist nicht überholt und peinlich, wenn in einem, zwei, drei Monaten diese Sendungen gehört werden, weil da tut sich sehr viel. Aber ich sehe es jetzt schon noch mal grundsätzlich als Anlass, auch geopolitische Verhältnisse nicht nur deprimierend zu sehen, sondern vielleicht auch das positive Potenzial. Und generell haben wir einfach eine Veränderung im Nord Süd Verhältnis. Also 2008 gab es schon BRIC Staaten, aber das war irgendwie sowas Exotisches, was einmal kommen wird. Und jetzt haben wir doch eine geopolitische Realität, die massiv auch geprägt wird von Interessen Chinas, Brasiliens, Südafrikas. Die bringen sich da ganz stark ein. Und das muss ich aus Sicht der Entwicklungsforschung grundsätzlich mal positiv sehen, ist ja auch eine Chance für den globalen Norden, anders zu reflektieren über das, was wir tun, unsere Verantwortung anders einzuordnen und Partnerinnen im globalen Süden tatsächlich ernst zu nehmen, also als Staatengemeinschaft oder im internationalen Verbund und nicht paternalistisch, besserwisserisch sozusagen zu erzählen, was ist die richtige Entwicklungserzählung, sondern gemeinsam eine zu entfalten. Ein schönes, gutes, inklusives Narrativ der internationalen Entwicklung. Das wünsche ich mir.
Klemens Lobnig
„Ein schönes, gutes, inklusives Narrativ der internationalen Entwicklung.“ Das sind doch wunderbare Schlussworte für unsere Sendung, denn wir sind leider schon wieder am Ende unserer heutigen Ausgabe angelangt, die gleichzeitig auch die letzte Ausgabe im Jahr 2025 ist. Das nächste C3-Radio gibt es dann am 5. Jänner wieder. Ich bedanke mich fürs Zuhören über das Jahr hinweg und wünsche einen guten und gesunden Jahreswechsel. Und wenn ihr 2026 wieder einschaltet, dann freuen wir uns. Danke und bis bald.