C3-Radio
C3-Radio, das entwicklungspolitische Radio aus dem Centrum für Internationale Entwicklung. Unser Radio-Host Jakob Pallinger beleuchtet einmal monatlich aktuelle entwicklungspolitische Themen für die Hörer_innen. Mit Interviews, Berichten, Hintergrundinformationen sowie Ausschnitten aus dem umfangreichen Veranstaltungsprogramm im C3.
Das C3-Radio ist eine Initiative der fünf Organisationen ÖFSE, BAOBAB, frauensolidarität, Paulo Freire Zentrum und Mattersburger Kreis im C3.
(c) Alle Sendungen ausschließlich für private Zwecke. Unauthorisiertes Aufführen, Ausstrahlen, Präsentieren, Veröffentlichen etc. in jedweder Form ist verboten.
Website: https://www.centrum3.at/bestaende-medien/c3-radio/
C3-Radio
Der C3-Award 2026: Junge Stimmen für eine gerechtere Welt
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Was passiert, wenn junge Menschen nicht einfach nur für die Schule arbeiten, sondern sich mit den großen Fragen unserer Zeit auseinandersetzen?
Beim C3-Award werden junge Menschen ausgezeichnet, die globale und nachhaltige Entwicklung aus kritischer und kreativer Perspektive erforschen, hinterfragen und sichtbar machen. In dieser Folge des C3-Radio lernen wir die Preisträgerinnen des heurigen C3-Awards kennen - und drei Themen, die aktueller kaum sein könnten:
📱 Wie beeinflussen Algorithmen unsere politische Meinung? Greta Raich und Marie Reich beschäftigen sich mit Rechtspopulismus in sozialen Medien und der Frage, wie Plattformen unsere Wahrnehmung der Welt verändern.
🌱 Was hat Umweltverschmutzung mit Rassismus zu tun? Elisa Herget nimmt uns mit nach Louisiana und in die sogenannte „Cancer Alley“, wo sich industrielle Verschmutzung und soziale Ungleichheit auf besondere Weise zeigen.
👧 Warum wird ein Mädchen zum Jungen? Sumira Salim setzt sich mit der Tradition der Bacha Posh in Afghanistan auseinander und fragt, was Geschlechterrollen mit Bildung, gesellschaftlichem Druck und persönlichen Lebenswegen zu tun haben.
Mehr Informationen zum C3-Award und die Shortlist der heurigen Arbeiten finden Sie auf der Website vom C3 – Centrum für Internationale Entwicklung.
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C3-Radio Website
Willkommen beim C3-Radio, dem entwicklungspolitischen Radio aus dem Zentrum für internationale Entwicklung.
Hallo und herzlich willkommen.
Mein Name ist Jakob Pallinger und wir lassen heute ganz besondere junge Menschen zu Wort kommen, nämlich die Gewinnerinnen des jährlichen C3-Awards.
Zum zehnten Mal wurde dieser heuer vergeben und zwar an junge Menschen, die sich in Abschlussarbeiten an ihrer Schule und in Jugendprojekten kritisch, kreativ und zukunftsorientiert mit globaler, nachhaltiger Entwicklung auseinandersetzen und deren Arbeiten können sich sehen lassen.
Es ging unter anderem um Umweltrassismus, gesellschaftlich erzwungene Transidentitäten und Rechtspopulismus in den sozialen Medien.
Aber bevor wir mit den Gewinner innen über ihre Arbeiten sprechen, erklärt uns Hanna Reiner, die den C3-Award jedes Jahr mitorganisiert, worum es dabei genau geht und was dieses Jahr besonders war.
Hallo Hanna, kannst du uns erklären, worum geht es denn beim C3-Award genau?
Ja, hallo Jakob.
Der C3-Award ist ein Preis, den die C3-Organisationen ÖFSE, Baobab und Frauensolidarität seit 2016 schon jedes Frühjahr österreichweit ausschreiben.
Der Preis zeichnet also hat bis 2024 schulische Abschlussarbeiten von Jugendlichen an AHS und BHS, die sich mit globaler nachhaltiger Entwicklung beschäftigen, ausgezeichnet.
Und seit 2024 zeichnen wir auch Jugendprojekte im schulischen und außerschulischen Bereich aus.
Und es geht darum, dass wir jetzt schon seit 2016 jedes Frühjahr das Engagement von den Jugendlichen, das sie für globale, nachhaltige Entwicklung zeigen, in ihren schulischen Abschlussarbeiten erstens sichtbar machen wollen und zweitens natürlich auch würdigen wollen.
Seit letztem Jahr sind ja vorwissenschaftliche Arbeiten nicht mehr verpflichtend.
Was hat sich denn da mit den Einreichungen verändert?
Also mit der Freiwilligkeit von den vorwissenschaftlichen Arbeiten, die jetzt abschließende Arbeiten an den Schulen heißen, ist einhergegangen, dass die Schüler innen jetzt neben diesen forschenden Arbeiten auch künstlerisch gestaltende Arbeiten verfassen können für ihren Schulabschluss.
Und damit sind natürlich bei den Einreichungen für den C3-Award neue Kategorien entstanden.
Das heißt, wir mussten uns darauf vorbereiten.
Und es ist uns dann aber auch tatsächlich gelungen, dass wir gleich im ersten Jahr, also im Frühjahr 2025 hatten wir dann die Kategorien Diplomarbeit BHS, abschließende Arbeiten im forschenden Bereich und abschließende Arbeitet im künstlerisch gestaltenden Bereich und dann natürlich auch von uns mit diesen Veränderungen Neu eingeführte Jugendprojekte im schulischen und außerschulischen Bereich hatten wir mit diesen neuen Kategorien schön, war auch zu sehen.
Natürlich auch dann neben dieser Vielfalt, die die Themen auch beim C3-Award immer mitgebracht haben.
Von Anfang an auch auf einmal diese Vielfalt an Informaten.
Genau und es ist uns dann gelungen, auch tatsächlich im ersten Jahr schon, dass wir in allen Kategorien auch tatsächlich Einreichungen bekommen haben.
Du hast jetzt schon die Vielfalt der Themen angesprochen und das hat man auch bei der Nominierung jetzt gemerkt.
Es waren sehr unterschiedliche Themen dabei.
Es ging um Rechtspopulismus in sozialen Medien, um Rohstoffe, Umweltrassismus.
Was waren denn so die beliebtesten Themen bei den Einreichungen?
Was auf jeden Fall immer dabei war, waren Arbeiten mit feministischem Fokus, was ich sehr interessant finde, dass das einfach junge Menschen nach wie vor so beschäftigt.
Es waren immer Arbeiten dabei, auch zu Rohstoffen bzw.
Auch zu Mode, also Arbeiten zu Fair Fashion.
Und was sich auf jeden Fall durchzieht, ist auch, was man, also vielleicht was nicht unter beliebteste Arbeiten fällt, aber was auffällig ist, dass ganz viele Jugendliche aus persönliche Interesse, aus persönlichem Hintergrund schreiben.
Das heißt, sie beschäftigen sich da mit den Herkunftsländern der Eltern oder sie beschäftigen sich zum Beispiel auch mit Rassismus Erfahrungen oder mit Reisen, die sie gemacht haben und dann mit den Ländern, wo sie waren.
Was soll denn der C3-Award bewirken?
Also was wir mit unserem Projekt Junges Forschen und Engagement in das ja auch unsere Veranstaltungen, Workshops, die Bibliotheksarbeit Feld auf jeden Fall seit 2016 bewirken wollten und das glaube ich auch ganz gut geschafft haben, dass wir eine außerschulische Institution sind, die die Pädagoginnen als auch die Jugendlichen unterstützen in ihrer Auseinandersetzung, vor allem in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Themen im Bereich globale nachhaltige Entwicklung.
Das zum einen.
Und zum anderen möchten wir dann natürlich mit dem Preis, der so das Highlight ist von diesem ganzen Junges Forschen und Engagement Projekt, das ja das ganze Jahr überläuft, möchten wir bewirken, dass wir die Jugendlichen in ihrer Selbstwirksamkeit und in ihrem Interesse, in ihrer Motivation, ihrem Engagement stärken und auch sichtbar machen, dass wir zeigen können, weil das auch unsere Erfahrung ist in den Projekten und in den Workshops, die wir machen, dass die Jugendlichen durchaus sehr interessiert sind und sehr engagiert an politischen und globalen Themen und dass sie ganz oft einfach nur die Räume und Plattformen und Bühnen brauchen, um das auch zu zeigen, um ins Gespräch zu kommen mit Menschen.
Mit dem C3-Award möchten wir zeigen, dass es dieses Engagement, dieses Interesse österreichweit von den Jugendlichen gibt, zum einen.
Und zum anderen möchten wir neben der Sichtbarkeit auch die Jugendlichen bestärken.
Gibt es schon Pläne für den C3-Award nächstes Jahr?
Wie schaut es denn da aus?
Ja, auf jeden Fall.
Nächstes Frühjahr schreiben wir den C3-Award wieder aus.
Das heißt, ab Ende Jänner können sich alle Schulen und auch außerschulische Organisationen und natürlich auch alle Jugendgruppen auf unserer Website zentrum.at unter Junges Forschung und Engagement informieren zu den Einreichbedingungen.
Und dann ab Anfang Februar startet die Einreichfrist und wir laden alle Jugendlichen in allen Bundesländern herzlich ein, ihre Arbeiten und ihre Projekte zu globaler, nachhaltiger Entwicklung zum CEDREI 2027 einzureichen.
Als erstes hören wir jetzt Greta Raich und Marie Reich von der Ferrari Schule Innsbruck.
Sie haben in ihrer Diplomarbeit, die mit dem Hauptpreis ausgezeichnet wurde, über Rechtspopulismus in den sozialen Medien geschrieben und darüber, wie der Algorithmus unsere politische Meinung beeinflusst.
Ja, Greta, kannst du uns kurz erzählen, wie du auf das Thema gekommen bist, Rechtspopulismus in den sozialen Medien?
Was hat dich bewogen, zu dem Thema zu forschen und zu arbeiten?
Es war für uns nicht wirklich eine bewusste Entscheidung, okay, wir machen jetzt genau das Thema, sondern ich habe mich eigentlich persönlich schon längere Zeit für Politik interessiert und mir geht das immer persönlich sehr nahe, vor allem eben Rechtspopulismus, weil ich entschieden dagegen bin.
Und deswegen habe ich der Marie den Vorschlag gemacht, ob wir etwas zu dem Thema schreiben sollen.
Und die Marie hat dann eigentlich gleich Ja, sie ist dabei und mit unseren Frauen Professorinnen haben wir uns dann eben nur für die Spezialisierung in den sozialen Medien entschieden.
Und so sind wir dann darauf gekommen,.
Wie häufig begegnet euch dann selbst im Alltag Rechtspopulismus in den sozialen Medien auf Social Media bezogen?
Ich persönlich gar nicht mal so viel, weil da muss ich jetzt auch wieder auf den Algorithmus beziehen.
Ich habe einen relativ guten Algorithmus, mir wird das nur manchmal vorgeschlagen, aber ich habe sonst eher wenig Berührpunkte damit, weil ich bin auch da eher dagegen und deswegen beschäftige ich mich auch überhaupt nicht damit.
Deswegen bin ich froh, dass ich wenig Berührpunkte habe, aber ich bekomme es in meinem Fernsehen mit.
Und wenn man das dann alles nur.
Mal sieht, ist das schon meistens sehr erschreckend.
Warum ist es denn gerade bei sozialen Medien so wichtig, auf das Thema zu schauen?
Was macht soziale Medien so speziell im Vergleich zu anderen Medien, wenn es um Rechtspopulismus geht?
Also Rechtspopulismus ist wahnsinnig polarisierend und das fördert natürlich den Algorithmus.
Das bedeutet also, dass rechtspopulistische Inhalte den Nutzer-innen besonders häufig angezeigt.
Werden, weil sie eben viele Klicks und Likes bringen.
Und das unterstützt der Algorithmus.
Und das ist aber eben besonders gefährlich, weil eben in den sozialen Medien sehr viele Jugendliche sind, sogar auch Kinder, und diese dann eben leicht in diese rechtspopulistische Politik oder diese Meinung bis hin zu rechtsradikalen Kreisen hineingezogen werden können.
Und das ist eben sehr gefährlich, weil das auf Social Media eben für jeden zugänglich ist und es schneller geht, als man meinen mag.
Was waren denn so die Schwierigkeiten in eurer Arbeit?
Welche Hürden habt ihr vielleicht gehabt?
Wie ist es euch gegangen, die Arbeit dann im Endeffekt zu schreiben?
Ihr habt ja auch ein Magazin geschrieben.
Könnt ihr vielleicht kurz auch erzählen, wie dieser ganze Prozess des Schreibens und des Ausarbeitens war?
Es war jetzt nicht schwer, viele Quellen.
Zu finden, aber es war schwer, die.
Richtigen Quellen zu finden.
Das finde ich war schon eine Hürde, weil es gibt sehr viele unseriöse Quellen, wo man wirklich fünfmal drüber schauen Basti Quelle, überhaupt richtige Informationen, die ich da jetzt in meine Diplomarbeit reinschreibe?
Das finde ich war schon wirklich eine Hürde, was schon viel Zeit gekostet hat,.
Natürlich, weil der Informationsfluss ist riesig, aber es ist halt oft nichts Brauchbares dabei.
Und das war eben oft ein bisschen das Problem dahinter.
Bei meinem schriftlichen Teil der Arbeit war.
Es besonders schwierig, dass ich auch eine Analyse vom Parteiaccount der FPÖ in den sozialen Medien gemacht habe und da eigene Recherche betrieben habe.
Aufs Magazin bezogen war die Recherche eigentlich nicht mehr das Problem, weil wir haben im Magazin nur noch mal die Inhalte der Diplomarbeit aufgegriffen und eben nochmal anders aufgearbeitet.
Da war dann eher die Schwierigkeit, dass wir es visuell und grafisch so schön gestalten, dass die Leser innen auch lesen wollen und dass es interessant und verständlich rüberkommt.
Also im Magazin behandeln wir eigentlich das Thema Rechtspopulismus als Ganzes, besonders aber eben auch das Thema Rechtspopulismus in den sozialen Medien und den Algorithmus.
Also da haben wir beide Teile unserer.
Schriftlichen Arbeit nochmal aufgefasst.
Zuerst habe ich über Rechtspopulismus als Begriff und als Definition geschrieben und die Gefahren davon und Lösungsansätze.
Und die Marie hat dann eben über den Teil der sozialen Medien drüber geschrieben und wie der Algorithmus damit zusammenhängt.
Und zum Schluss, im dritten Teil vom Magazin wollten wir dann nochmal einen positiven Ausblick auf die Zukunft geben und haben dann nochmal auf Projekte bzw.
Meinungen gegen Rechts und Populismus aufmerksam gemacht.
Und die ist noch mal dargestellt.
Was gibt es denn für Lösungen für weniger Rechtspopulismus in sozialen Medien?
Was kann vielleicht auch jeder Einzelne machen dagegen?
Eine große Lösung würde natürlich spielen, wenn der Algorithmus nicht zu viel Einfluss auf unser Klickverhalten hätte.
Das würde natürlich einiges erleichtern, wodurch man es dann weniger oft angezeigt bekommen würde.
Aber einen größeren Einfluss haben auf jeden.
Fall die Nutzer und Nutzerinnen der Social.
Media Plattformen, indem man einfach, wenn man diese Sachen sieht, wirklich das kritisch anschaut und das dann einfach, weil es gibt.
Natürlich die Möglichkeiten zu sagen, das interessiert.
Mich nicht oder dass man es gar nicht mehr sehen will.
Und ich denke, durch das kann man auf jeden Fall schon viel erreichen, weil dadurch auch natürlich der Algorithmus verändert wird und es wird viel weniger angezeigt.
Die Plattformen bekommen viel weniger Aufmerksamkeit.
Natürlich muss eine große Menschenmasse da mitspielen,.
Aber ich denke, wenn man aufmerksam macht.
Darauf, auf dieses kleine oder auch große Problem, dann denke ich, dass man da sehr viel machen kann und dass es in Zukunft eine gute Lösung sein kann.
Die zweite Gewinnerin des C3-Awards war Elisa Herget.
Vom Bundesgymnasium Wasagasse in Wien.
Sie hat in ihrer Arbeit über Cancer Alley in Louisiana und dessen Verbindung zu Umweltrassismus in den USA geschrieben.
Hier erzählt sie uns gleich, worum es dabei genau geht und warum das Thema so wichtig ist.
Elisa, du hast ja ein Austauschsemester, glaube ich, gemacht in Louisiana.
Wie bist du durch das Austauschsemester auf dein Thema gekommen?
Deine Arbeit heißt ja Cancer Alley in Louisiana und dessen Verbindung zu Umweltrassismus in den USA.
Wie bist du auf das Thema gestoßen dort?
Also ich habe tatsächlich ein Jahr dort verbracht, was allein schon sehr verrückt ist, weil man eben das allererste Mal in Amerika und direkt im tiefsten Süden von Amerika ist.
Aber wie bin ich darauf gekommen?
Ich war in einem Kurs, der heißt Environmental Science und bei unseren Midterms, also in Amerika hat man eben zweimal Grossprüfungen, Midterms und Finals.
Und bei diesen Midterms mussten wir über Kansa Ali reden und uns darüber informieren, was das ist, welche Fabriken sich dort befinden und welche Schadstoffe sie ausstoßen und was das für Folgen hat für die Menschen, die dort leben.
Und ich bin dann vor allem auf den Begriff Umweltrassismus gestoßen und ich war so, OK, Umweltrassismus, das hört sich interessant an.
Was ist das überhaupt?
Vielleicht könntest du für unsere Hörerinnen und Hörer auch noch mal beschreiben, was das Cancer Alley genau ist.
Was ist das Problem dort und woher kommt diese Luftverschmutzung?
Genau?
Cancer Alley ist ein Landstrich zwischen den zwei Großstädten in Louisiana, also im tiefen Süden der USA, zwischen Baton Rouge und New Orleans.
Und Das sind ungefähr 200 Meilen und das ist vor allem entlang des Mississippi Flusses.
Entlang des Mississippi Flusses gab es vor der Emanzipation der Sklaven vor allem viele Plantagen und somit befinden sich auch viele Afroamerikaner, die Vorfahren haben, die emanzipierte Sklaven waren, noch immer in dieser Gegend.
Und Dann eben im 20.
Jahrhundert sind die Menschen auf Ölvorkommen vor allem in Louisiana, aber vor allem im Golf von Mexiko gestoßen und es haben sich sehr viele Raffinerien direkt am Mississippi Fluss angesiedelt, einfach weil es eine sehr gute ökonomische Lage hat.
Dann wurden halt diese Fabriken direkt neben diesen größtenteils afroamerikanischen und aber auch verarmten Gemeinden gebaut Und jetzt verpesten halt diese Fabriken regelmäßig und in großer Maße die Luft und somit auch die Atemwege dieser Bewohner.
Und die Menschen kommen dort rein, weil sie Krebs und es lässt sich auch nachweisen, dass sie aufgrund dieser Luftverschmutzung Krebs bekommen und nicht, weil sie vielleicht rauchen oder sich falsch ernähren.
Das große Ding ist eben halt, dass genau die Menschen, die schon verarmt sind und die schon seit Jahrhunderten an Diskriminierung leiden und Rassismus vor allem, dass genau diese jetzt unter dieser Umweltbelastung leiden und nicht deren weißen Nachbarn, die oft zugezogen sind aufgrund der wirtschaftlichen Vorteile des Auf Ecken.
Was kann man jetzt gegen diese Probleme unternehmen?
Du hast schon gesagt, viele Menschen leiden an der schlechten Luft dort.
Was kann man machen, um genau diese Bevölkerungsgruppen im Cancer Alley besser zu schützen.
Genau für das ist es eben essentiell, aus einer Position des Privilegs heraus genau diese Menschen zu unterstützen und nicht eben diesen Path of least Resistance, den ich sehr gerne erwähne, zu wählen, nämlich einen Weg, wo man am wenigsten so Gegendruck bekommt.
Weil wenn man sich das jetzt anschaut, die weißen Bevölkerungsgruppen haben wirklich auch Bewegungen gehabt wie Not in my backyard, wo sie sich explizit gegen diese Fabriken ausgesprochen haben und gesagt ja, das wird nicht in meinem Hintergarten gebaut.
Garantiert nicht.
Aber sie haben eben auch diese politischen und monetären Mittel, um eine laute Stimme zu haben, um zu Ja, nein, ganz sicher nicht.
Es wird hier nicht gebaut.
Etwas, was eben die Afroamerikaner in dem Gebiet nicht haben.
Und es ist auch sehr schön zu beobachten.
Dort haben sie auch dann eigene Organisationen gegründet, die nennt man Grassroots Organisations und haben tatsächlich angefangen, rechtlich gegen diese Permitting Practices vorzugehen.
Es reicht aber nicht, dass nur die für sich selber aufstehen, weil sie sind nicht schuld daran, dass ihnen das geschieht.
Sie sind nicht schuld daran, dass sie an Krebs sterben.
Und ja, sie können sich für sich selber einsetzen, aber es dauert, Es dauert Jahre.
Und was wir machen können, ist, dass wir einen bewussten Schritt gegen diesen Umweltrassismus machen und dass wir genau die Menschen, die diese Stimme nicht haben, unterstützen und schützen.
Was waren denn so deine Hürden oder Herausforderungen beim Recherchieren oder beim Schreiben auf der Arbeit?
Also zuerst dachte ich, dass ich keine Quellen finden würde, weil es ist schon sehr spitzenfisch, aber ich habe tatsächlich mehrere Quellen gefunden.
Was dann wichtig war, ist, dass man das auswertet und dann schaut, okay, was ist relevant für meine Arbeit?
Weil ich habe beispielsweise wirklich dann 3000 Zeichen löschen dürfen, weil ich größtenteils nur über die Geschichte geredet habe.
Man muss aussortieren können und erkennen können, okay, was ist jetzt relevant für meine Arbeit und was ist ein Nebendetail Und vor allem auch unpolitisch bleiben, weil ich habe ja eine persönliche Meinung zu dem Thema, Aber ich will vor allem, dass dieses wissenschaftliche Stück wissenschaftlich ist und halt auch wirklich auf Fakten basiert und nicht darauf, dass ich weiß, dass es falsch ist und dass ich andere davon überzeugen will, dass es falsch ist, sondern dass ich sage, okay, ich habe jetzt ein Thema und ich weiß, dass es nicht richtig ist, was da passiert, aber ich muss auf einer neutralen wissenschaftlichen Ebene argumentieren können, warum es nicht richtig ist.
Hast du vor, später auch was zu dem Thema zu machen?
Weißt du schon vielleicht, was du später machen wirst?
In welche Richtung wird sich vielleicht mal schwanken?
Genau dieses Thema hat mich jetzt ein Jahr lang begleitet, weil Klein Elisa wollte immer nach Oxford studieren und im internationalen Bereich arbeiten.
Und natürlich muss man dann sich zurücksetzen und zu reflektieren, okay, das ist jetzt nicht so realistisch und was kann ich wirklich machen, was zu verändern?
Was kann ich machen, was mir Spaß macht und wo ich wirklich einen Wunsch erfüllen kann?
Und zwar, dass ich verschiedene Kulturen und deren Perspektiven lernen kann und dass ich vor allem weiß, warum politische Akteure so agieren, wie sie agieren und das auf internationaler Ebene.
Ich weiß, in welche Richtung es mich treibt, aber ich wusste nie, okay, gibt es da jetzt einen spezifischen Job dafür, weil Diplomatie, Also es war ein langer Prozess und ich bin noch immer nicht ganz dran.
Ich werde jetzt wahrscheinlich internationales Recht studieren anfangen.
Aber vor allem genau dieses Event im C hat mir total geholfen zu sehen, dass es gibt Menschen, die genau das machen, was ich gerne machen würde, nämlich tagtäglich mit Menschen aus verschiedenen Situationen reden und mit ihnen Lösungsanzeigen zu finden für deren Probleme.
Ich will eine vielschichtige Perspektive auf die ganze Welt haben, was super realistisch Man kann nicht mit jedem Menschen auf der Welt reden, aber ich würde einfach gerne so so gerne wissen, wie unsere Gesellschaft funktioniert und agiert.
Und es ist einfach so schön, hier einen Raum gefunden zu haben, wo so viele diesen Traum teilen.
Zum Schluss sprechen wir noch mit Sumira Salim vom Gymnasium am Augarten Wien, die ebenfalls den C3-Award gewonnen hat, und zwar mit ihrer abschließenden Arbeit über Baccha Pos, eine Tradition in Afghanistan, bei der Familien eine Tochter wie einen Jungen kleiden und aufziehen.
Im Gespräch erzählt sie, warum es diese Tradition gibt und wie sie sich auf das Leben der betroffenen Mädchen auswirkt.
Kannst du uns unseren Hörerinnen und Hörern auch so ein bisschen erzählen, wie du auf das Thema deiner Arbeit gekommen bist und um was es dabei genau Es.
Geht um Mädels in Afghanistan, die von ihren Familien gezwungen werden, sich als Junge zu kleiden aus verschiedensten Gründen.
Zum einen ist es die Stigmatisierung von Müttern, die keine männlichen Nachkommen zeugen können.
Das ist sehr, sehr stark in Afghanistan eingebettet und aufgrund der sehr schlechten medizinischen Versorgung gibt es auch sehr viele Mythen, dass man mit bestimmten Medikamenten einen Sohn kriegen könnte oder mit bestimmten Ritualen, die die Frauen dann immer befolgen.
Und sie fühlen auch einen bestimmten Druck, dass sie einen Sohn haben müssen.
Und sie tun das dann eben meistens, nachdem sie vielleicht zwei, drei, vier Mädels haben.
Das letzte Mädchen wird dann als Junge gekleidet, wird gezwungen, sich als Junge zu kleiden im Kindesalter.
Erstens einmal, um eine wirtschaftliche Absicherung zu haben, weil die Frauen in Afghanistan haben keine öffentliche Mobilität, sage ich einmal, dürfen nicht arbeiten müssen, wenn sie einfach rausgehen, von Männern begleitet werden, eben einfach diese wirtschaftliche Absicherung zu haben, wenn man keine männlichen Nachkommen hat.
Aber sie machen das auch mit dem Glauben, dass das nächste Kind dann ein Sohn werden wird.
Also da steckt schon sehr, sehr viel Glaube dahinter und Mythen, die wirklich über Generationen weitergegeben werden.
Vor allem die Frauen verspüren auch einen Riesendruck, weil Frauen in Afghanistan leben nicht für ihre Individualität, sondern sie leben wirklich im Interesse der Familie.
Sie sind quasi dafür verantwortlich, dass die Ehre der Familie gewahrt wird.
Und wenn dieser Ruf dann geschädigt wird, ist dann immer in 99 Prozent der Fälle die Frau schuld.
Wie ich darauf gekommen bin, Ich wollte eigentlich ursprünglich ein ganz anderes Thema machen.
Ich bin in einem naturwissenschaftlichen Zweig, deswegen dachte ich mir, ich mache irgendwas über Mathe oder Biologie.
Dann habe ich aber eines Abends mit meiner Mama einen Film geschaut, wo es genau darum geht.
Und sie hat zu mir Samira, warum schreibst du nicht darüber eine VWA?
Sie meinte später wirst du sowieso einen naturwissenschaftlichen Weg einschlagen wollen.
Mach aus dieser letzten Arbeit, schulischen Arbeit quasi ein persönliches Herzensstück.
Und ich fand die Idee sehr toll, ich fand das Phänomen sehr toll, weil als Person mit afghanischen Ursprungs kannte ich es nicht.
Und da war mir klar, okay, dann wird es sicher kein anderer auch kennen.
Und dementsprechend wollte ich dem Ganzen eine Bühne bieten, auch wenn es nur eine kleine Bühne ist.
Dann habe ich den Regisseur von dem Film angeschrieben, den wir angeschaut haben, und gefragt, ob ich ein Interview mit ihm führen könnte.
Und er hat direkt zugesagt und dann war mir klar, okay, dann schreibe ich sicher darüber.
Du hast jetzt schon ein bisschen erzählt, wie du dann vorgegangen bist bei der Arbeit.
Welche Hürden, welche Schwierigkeiten hat es denn für dich gegeben bei der Recherche beim.
Schreiben dann die größte Hürde war auf jeden Fall die Dokumentation.
Dieses Phänomen ist, wie gesagt, noch nicht sehr breit bekannt und ich musste wirklich schon teilweise mit eigenen Hypothesen draufkommen.
Also ich musste sehr viele Hypothesen aufstellen und die mit sämtlichen Quellen abgleichen.
Aber diese Quellen waren nicht leicht zu finden, sage ich einmal.
Es gab sehr, sehr wenige und ich bin durch die Referenzen von anderen Quellen dann an diese Quellen gekommen.
Also ich glaube, ich habe die meiste Zeit meiner Arbeit wirklich in die Quellensuche gesteckt als in das eigentliche Schreiben, weil das war wirklich eines der schwierigsten Sachen überhaupt.
Und ich habe zwischendrin, glaube ich, mindestens 15 mal mein Inhaltsverzeichnis verändert, weil ich nach einem Monat auf einmal aus dem Nichts einen anderen wissenschaftlichen Artikel gefunden habe, der die andere Hypothese widerleg hat.
Also es war auf jeden Fall die Quellensuche.
Du hast schon gesagt, dass viele in Afghanistan jetzt gar nicht genau davon wissen, wie groß ist denn das Phänomen dort, wie viele Menschen betrifft das denn?
Hast du da irgendwelche Informationen dazu?
Ich muss sagen, die Leute in Afghanistan, als ich mit meiner Familie darüber geredet habe, auch die ein bisschen einen näheren Kontakt dazu haben, die kannten das alle und ich habe auch später erfahren, dass es anscheinend in meiner eigenen Familie so einen Fall gab.
Es ist es ist keine Rarität auf jeden Fall.
Es kommt öfter vor.
Es gibt leider, wie gesagt, weil es keine guten Quellen gibt, keine exakten Zahlen, Aber in einer Quelle wird immer Es sind nicht viele Mädels, aber jede Familie kennt zumindest ein Mädchen, das davon betroffen ist.
Welche Auswirkungen hat es denn auf diese jungen Mädchen in Afghanistan?
Es sind sehr unterschiedliche Auswirkungen.
Wenn wir auf die psychologischen Auswirkungen eingehen, sind Ich habe es ja auch mit einer erzwungenen Transidentität gleichgesetzt oder versucht zu beschreiben.
Es ist ein bisschen eine problematische Gleichstellung, weil vor allem eine Transidentität normalerweise eigentlich immer aus einer Freiwilligkeit kommt.
Und das ist in dem Fall eine erzwungene Form.
Das ist die Geschlechtsdysphorie, also diese Inkongruenz, dass die Identität und das biologische Geschlecht dann nicht mehr übereinstimmen bei den Mädchen.
Das heißt, manche fühlen sich dann irgendwann im Laufe dieser Praxis wirklich wie Junge, aber andere Quellen sagen auch, dass die Mädels sich nur so fühlen, weil sie bestimmte Freiheiten haben.
Viele leiden dann unter großen psychologischen Folgen.
Der erste psychologische Schock ist einmal, dass sie auf einmal so viele Freiheiten bekommen.
Und der zweite ist, dass ihnen von heute auf morgen wirklich diese Freiheiten genommen werden, wenn sie wieder gezwungen werden, als Mädchen zu agieren.
Du hast ja vorher auch bei der Veranstaltung noch darüber gesprochen, welche Lösungen es vielleicht auch geben kann, mit dem Phänomen umzugehen, vielleicht auch junge Mädchen besser davor zu schützen zum Teil.
Was gibt es denn da?
Was kann man da machen?
Ich muss sagen, ich bin in einer Familie aufgewachsen, die sehr gespalten war.
Meine Familie väterlicherseits war sehr traditionell afghanisch.
Das heißt, da hat man auch auf jeden Fall diesen Geschlechterunterschied gemerkt, den Unterschied zwischen der Rolle der Frau und der Rolle der Männer.
Und meine Familie mütterlicherseits war dann eher emanzipierter und open minded.
Und ich habe gemerkt, allein, dass ich den Teil der Familie hatte, habe ich mich ganz anders entwickelt als meine Familie väterlicherseits oder die Mädels in meiner Familie väterlicherseits.
Allein, dass ich immer eine Person hatte, die hinter mir stand, was meine Bildungschancen anging und was die Aufklärung anging und dass meine Mama vor allem immer sehr offen war und auch, obwohl es für sie vielleicht fremd war, einfach so westliche Konzepte mit mir besprochen hat und versucht hat, wirklich zu verstehen.
Ich hätte das Ganze nicht erfahren, hätte ich das nicht in der Schule gelernt.
Und ich denke auch, dass wenn man die Menschen von Grund auf anders bildet, vor allem in Afghanistan, dass das ganze Bild von den Personen ganz anders sein wird.
Das war auch das Erste, was ich erwähnt die Bildung für die Mädchen, aber nicht nur für die Mädchen, sondern auch für alle anderen, vor allem auch für Männer.
Ich glaube, Männer müssen da auch mitmachen.
Ich denke auch, dass Männer einen Riesenteil im Feminismus eigentlich tragen sollten, dass sie eigentlich Teil des Feminismus sein sollten, weil sie genauso davon profitieren könnten.
Also es sollte auf jeden Fall eine Umbildung von allen geben, finde ich.
Ich sehe das von mir oder von meiner Familie.
Ich bin einfach ganz anders aufgewachsen.
Meine Mama ist alleinerziehend, sie war immer die, die arbeiten war.
Sie hat immer alles gemacht.
Dementsprechend bin ich mit einem ganz anderen Bild aufgewachsen.
Aber es hat mir gezeigt, dass es auch genauso gut oder vielleicht sogar besser funktionieren kann.
Und das ist etwas, was ich promoten möchte.
Ich sage nicht, dass man keinen Mann braucht, aber es geht darum, dass beide die Fähigkeiten dazu haben und es möglich ist und dass man jetzt nicht die andere Person limitieren sollte, das andere Geschlecht limitieren sollte.
Das war, glaube ich, meine Hauptmessage und ich würde, das wäre auch mein Appell an die Politik, dass es ein bisschen weiter ausgearbeitet wird.
Ich hoffe, dass euch der Beitrag heute gefallen hat.
Das war das C3-Radio, das entwicklungspolitische Radio, Aktuelles aus dem Bereich der internationalen Entwicklung.