Handy, Herz & Hirn - für stressfreie Mediennutzung in der Familie
Zocken, scrollen, streamen – die Medienwelt unserer Kinder ist überall. Du möchtest dein Kind sicher durch den digitalen Dschungel begleiten, doch im stressigen Alltag fehlt dir oft die Zeit? Dann ist „Handy, Herz & Hirn“ genau richtig für dich.
Wir, Viola Hoffmann (Gesund digital aufwachsen) und Steven Pfeiffer (Im Hopserlauf), arbeiten seit über 20 Jahren mit Kindern, Eltern und Fachkräften. Ab Februar 2026 sprechen wir jeden Donnerstag darüber, wie du im Familienalltag gelassen mit Smartphone, Tablets & Co. umgehen kannst.
Wir nehmen dich mit in Themen wie erstes Handy, Klassenchat, Cybe
Handy, Herz & Hirn - für stressfreie Mediennutzung in der Familie
#02 - Handy auf Klassenfahrt - ja oder nein?
Use Left/Right to seek, Home/End to jump to start or end. Hold shift to jump forward or backward.
Wir ringen um eine klare Haltung zu Smartphones auf Klassenfahrten und zeigen, warum Sinn, Sicherheit und Selbstständigkeit in klugen Regeln zusammenfinden. Elternsorgen, Gaming-Druck und echte Erreichbarkeit treffen auf Gemeinschaft, Präsenz und Resilienz.
• Zweck der Klassenfahrt: Gemeinschaft, Selbstständigkeit, Präsenz
• Wessen Bedürfnis ist es: Elternsorge, Kinderwunsch, Gruppendruck
• Empfehlung: bis 6./7. Klasse ohne private Smartphones
• Erreichbarkeit über Lehrkräfte und klare Kontaktzeiten
• Gaming-Druck und Suchtmechaniken entlasten durch klare Regeln
• Kognition: nachhaltiges Lernen ohne ständige Abkürzungen
• Schulweite Standards statt Einzelfallentscheidungen
• Externe Beratung durch Medienkompetenzzentren nutzen
• Verantwortung der Erwachsenen, Vorbild sein
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Steven:
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Liebe Grüße,
Steven und Viola
Weniger Stress und mehr Leichtigkeit im Umgang mit den digitalen Medien. Das wünschen sich so viele Eltern. Aber wie klappt das eigentlich im vollen Familienalltag und was gibt es da alles zu beachten? Genau darum geht es hier bei uns im Podcast Handy, Herz und Hirn. Deine beiden Experten im Gespräch. Ich bin Viola Hoffmann, Gründerin von Gesund Digital Aufwachsen.
SPEAKER_02Und ich bin Steven Pfeiffer, Gründer des Bildungsunternehmens im Hauptsauch. Jeden Donnerstag bekommst du hier eine neue Folge rund um die Welt der digitalen Medien. Wir bieten dir unser fundiertes Hintergrundwissen, erzählen aus unserem Arbeitsalltag mit Eltern und Kindern und teilen praktische Tipps für mehr Leichtigkeit, Klarheit und Freude im Umgang mit Bildschirmmedien. Ganz nach dem Motto: bewusst begleiten statt verbieten.
Thema: Handy auf Klassenfahrt
SPEAKER_00Und das alles ganz authentisch und mit einer Prise Humor. Aus unserem Alltag, für deinen Alltag und für eine gesunde Zukunft unserer Kinder. Mach's dir jetzt bequem und lass dich inspirieren. Herzlich willkommen zu einer neuen Folge mit dem lieben Steven und mir. Und ich bin sehr gespannt. Der Steven hat heute ein Thema vorbereitet. Ich weiß es noch nicht. Und ich bin sehr gespannt, was du uns heute mitgebracht hast und worüber wir heute quatschen.
SPEAKER_02Ja, hallo. Ich freue mich auf jeden Fall. Denn es ist ein Thema, was mich vor dem Sommer schon so ein bisschen begleitet hat und immer wieder auf mich zukam. Und es kam auch aus meiner Community die Frage: Wie ab wann sollten Kinder oder ich mach's mal nochmal, ich fange mal von vorne an. Nicht die Frage, sondern einfach, sollten Handys, also sollten Kinder Handys auf Klassenfahrt mitnehmen, ja oder nein?
SPEAKER_00Ja, sehr spannend.
SPEAKER_02Und ich habe viel darüber nachgedacht, ich habe mich auch mit Eltern darüber unterhalten und wirklich dann überlegt, was ist eigentlich meine Haltung dazu? Und ich bin dann irgendwann drauf gekommen, wo ich für mich so gesagt habe, wer möchte eigentlich, dass die Kinder Handys auf der Klassenfahrt haben? Weil ich konnte so mehrere Lager raushören in meinen Gesprächen. Auf der einen Seite sind es die Eltern, ja, so manche Eltern, die sagen, ja, aber ich muss doch wissen, wie es meinem Kind geht. Auf der anderen Seite sind es halt die Kinder, die dann aber auch sagen, ja, ich muss ja meinen Eltern Bescheid sagen, wo ich auch dachte, warte mal, das sind gar nicht zwei Lager. Das ist so ein Lager. Also wenn wir von jüngeren Kindern sprechen, ne?
SPEAKER_00Ja, genau, jetzt wäre noch meine Frage, welches Alter sprechen wir?
Altersrahmen und Schulmodelle
SPEAKER_02Ja, also das ist eher noch so, ja, ich würde sagen, Grundschule. Und ich kann, weil ich, gut, wenn ich jetzt sage Grundschule, muss ich dafür einfangen. Ich bin ja in Berlin und in Berlin und Brandenburg geht Grundschule bis zur sechsten Klasse.
SPEAKER_00Ich weiß, in allen anderen Baden-Württemberg ist das.
SPEAKER_02In allen anderen Bundesländern, in Deutschland ist ja die Grundschule von der ersten bis zur vierten. Und dann geht es auch die weiterführende Schule.
SPEAKER_00Genau. Ja, deswegen, ich bin schon gestolpert und habe gedacht, uh, warte mal, so früh gehen die gar nicht auf Klassenfahrten meines Wissens.
SPEAKER_02Nein, genau. Und das ist wirklich für mich.
SPEAKER_00Also sechste Klasse, sagen wir mal ungefähr, oder?
Wessen Bedürfnis ist es wirklich
SPEAKER_02Sechste Klasse. Und selbst da haben ja wirklich aus meiner Erfahrung schon 99% ein Handy. Es gibt wirklich noch sehr selten vereinzelte Klassen, wo ich reingehe, wo dann halt kein Handy am Start ist, bei manchen. Und selbst da höre ich mittlerweile raus, dass es auch da dann tatsächlich nicht die Eltern sind, wo gesagt wird, ja, ich muss ja meine Eltern Bescheid sagen, sondern so, ich muss in meinem Clan spielen. Ich denke, was für ein Clan musst du spielen? Und jetzt für die ganzen Zuhörerinnen und Zügerinnen, ein Clan ist eine Gruppe in einem Spiel, wie zum Beispiel Brawl Stars, wo man kontinuierlich irgendwelche Aufgaben machen muss, damit man da weiter im Clan drin bleiben kann. Also es gibt so Richtlinien, damit du da reinkommst. Und habe ich mir auch den krass, ist die Klassenfahrt nicht einfach dafür da, um die Klassengemeinschaft zu stärken? Ist die Klassenfahrt nicht dazu da, einfach mal raus aus der Schule zu kommen, weg von den Eltern und so ein bisschen die Kinder an so ein bisschen Freiheit in Anführungszeichen ranzuführen, wirklich mal wieder diese Selbstständigkeit ein bisschen zu fördern.
SPEAKER_00Ja.
SPEAKER_02Als Gemeinschaft.
SPEAKER_00Das Miteinander, ne?
SPEAKER_02Ja, genau. Und natürlich ist aus meiner Sicht Grundschule, also bis zur sechsten Klasse, sag ich mir. Bis zur sechsten Klasse. Nee, da sollten keine Handys auf der Klassenfahrt sein. Zumindest nicht von Kindern. So, jetzt kommt wieder ja früher, ne, hier, bei mir, ich hatte auch kein Handy auf Klassenfahrt. Und ich bezweifle, dass du eins hattest auf Klassenfahrt.
SPEAKER_01Ich werde es immer ein bisschen nostalgisch.
SPEAKER_02Und ich bin mir ziemlich sicher, dass der eine oder die andere, die jetzt hier zuhört, es vielleicht auch kennt. Da musste man noch an so irgendwo so hingehen, ja, und dann so einen Hörer abnehmen. Da musste man dann noch so Geld reinschmeißen und da muss dann noch so eine Nummer wählen. Und die Nummer kannte man doch noch auswendig damals, ja.
Zweck der Klassenfahrt und Gemeinschaft
SPEAKER_00Neulich mit meiner Tochter haben wir eine Telefonzelle gesehen und sie hat war völlig, was ist das? Und dann habe ich gesagt, komm, wir gehen mal rein, wir gucken es uns mal an. Und dann, das ist völlig außen wie. Und dann, hä? Und dann musst du, aber dann muss man ja, kann man ja nicht einfach jemanden anrufen, dann muss man ja erstmal so eine Telefonzelle suchen. Ja, genau, erstmal suchen. Und telefonzelle ist. Also mir fällt dazu gerade auch eine Geschichte ein, ich glaube, also wir, wir sind ja in Süddeutschland, also ich bin in Süddeutschland meiner Familie. Und ich bin auch hier zur Schule gegangen und wir sind nach wo sind wir hingefahren? Achte Klasse meine ich, war das. Mecklenburgische Seenplatte. Kanu fahren. Sehr schön.
SPEAKER_02War ich neulich.
SPEAKER_00Zum, ich weiß nicht mehr, wie lang, Kanu fahren auf jeden Fall, ganze Klasse. Und ich weiß noch, wie das vorher ein Riesenthema war in der Elternschaft und gab es Elternabende und auch mit uns Schülern dann Gespräche, weil wir auch Schüler mit Migrationshintergrund, wie sagt man es korrekt?
SPEAKER_01Ja, Migrationshintergrund.
SPEAKER_00Hatte, hatten in der Klasse und auch einen dunkelhäutigen Mitschüler und die Mutter hatte dann riesengroße Bedenken, weil man ja jetzt so in so sich in rechtsextreme Gefilde begibt dann so, ja. Und dann sind wir da auch, ich glaube, wir haben gekämpft dann auch, weil wir dann eben im Kanu da immer gefahren sind. Und es war ein Riesenthema vorher und dann ging es auch eben um das Thema Erreichbarkeit, Handys und so weiter. Also so Nokia 32.10 gab es das.
SPEAKER_02Ja, ich wollte gerade fragen, Handys, 8. Klasse, aber ja, doch, natürlich. Selbstverständlich.
Gaming-Druck und Clans
Erreichbarkeit früher vs. heute
SPEAKER_00Also, oder so diese Knochen gab es dann schon, ja. Also und eben so, es hatte nicht jeder von uns ein Handy, das auf gar keinen Fall, aber so geben die Eltern da mal dem Kind dann eben so ein Tastenhandy mit, weil es eben um diese Angst ging, dass man da eben nicht in Sicherheit ist, dann wenn man dann da irgendwo kämmt in diesen Gefilden. Und im Nachhinein denke ich, war es alles völlig unbegründet. Also es war eine wunderschöne Klassenfahrt, in meiner Erinnerung zumindest. Aber diese Diskussion, was macht man mit der Erreichbarkeit und die Lösung, war dann auf jeden Fall der Klassenlehrer nimmt das Handy mit und wenn irgendwas ist, dann kann man da regelmäßig und dann kann man auch seine Kinder mal erreichen, wenn das sein muss. Das fiel mir jetzt direkt zu deiner Story ein und ich frage mich eben, was du jetzt auch gerade schon gesagt hast, ist es inzwischen so ein mehrschichtiges Thema geworden, weil damals ging es ja tatsächlich nur um Erreichbarkeit, ja, also oder diese Sorge der Eltern. Das war ja noch nicht mal die Schüler, die gesagt haben: Hallo, wir brauchen jetzt ein Handy auf Klassenfahrt, sondern es war ja begründet aus der Sorge der Eltern. Und jetzt, was du gerade gesagt hast, es kommen ja noch mehrere Ebenen dazu, nämlich gerade dieses, dass es schon Smartphone-Abhängigkeiten in Richtung Gaming zum Beispiel gibt. Also was ist, wenn ich da jetzt eine Woche raus bin aus dem Game. Dann verliere ich hier irgendwelche Levels und so und dann bin ich da raus. Und das ist, da sind wir ja schon beim Thema Gaming-Sucht auf jeden Fall. Ja, auch ein Stück weit. Das ist ja nochmal eine andere Ebene. Und dann auch das zweite ist dann, ich als Eltern muss wissen, wie es meinem Kind geht, zu jeder Zeit. Das hat sich auch geändert, finde ich. Also ich glaube, ich kann für uns beide sprechen, in unserer Kindheit haben die Eltern nicht immer gewusst, was wir machen und wo wir sind. Und zum Glück.
SPEAKER_02Kann ich da nur sagen.
SPEAKER_00Und es war auch fein. Und ich finde, das ist auch wichtig. Das ist auch wichtig für Kinder, diese Erfahrung zu machen, dass ich mal vielleicht auch an gewisse Grenzen komme oder in Situationen komme, wo ich vielleicht auch eine Lösung finden muss für mich und wo nicht gleich Mama und Papa dastehen. Das ist für die Entwicklung einfach unheimlich wichtig, für die eigene Selbstständigkeit und die, wie es ist gerade auch schön gesagt, auch die eigene Resilienz eigentlich. Mal Komfortzonen zu erweitern auch. Das wäre so die andere Ebene. Und dann ist die Frage, hat das, wäre meine Frage, hat das Kind das Bedürfnis, sich bei seinen Eltern zu melden in dieser Zeit, ja oder nein?
SPEAKER_02Ja, also ich würde schon sagen, wenn du irgendwie an sich eine Klassenfahrt, ist ja eigentlich aus meiner Sicht gut strukturiert.
SPEAKER_01Ja.
SPEAKER_02Also ich kann mich daran erinnern, ich wusste immer, wann was passiert. Also wir hatten unseren Freiraum, also ich war, ich war auf Skifahrt. Also das war dann Oberschule, also ab der siebten Klasse, Skifahrt, ich war in London. Also alles, siebte, achte Klasse muss es gewesen sein. Also, ja, da gab es Tastenhandys, aber wir haben nie irgendwie, wir haben auf unseren Zimmern irgendwie rumgehangen, wir haben Karten gespielt, wir haben die Stadt erkundet. Vielleicht haben wir heimlich Sachen gemacht, die wir nicht machen durften. Aber auch das gehört dazu. Auch das gehört dazu. Ja, gut. Und wenn man erwisch war, hat man halt den Ärgerkassier und sagt, ja, okay, gut.
SPEAKER_00Und dann haben die Eltern hinterher davon erfahren. Also es wurde vor Ort geklärt und gelöst, dort, wo es hingehört. Natürlich sind Dinge vorgefallen und es gehört auch in das Alter dazu. Die Kids wollen ausprobieren und auch Grenzen testen und so weiter. Das ist ja normal. Und das wissen die Lehrer genauso gut. Ja. Und dafür ist ja dieser Rahmen auch da. Und die Eltern erfahren hinterher in der Regel dann von, hey, was war los, was ist passiert?
Sicherheitsängste und Lehrerregelungen
SPEAKER_02Ja, und ich finde, das ist auch, wo wir gerade Handys Klasse waren, ja oder nein. Also bis zur 6. Klasse soll ich sagen, nein, meinetwegen auch in der siebten Klasse noch nicht. Also ab der 9., nehmt ab der 9. meinetwegen die Handys mit und lasst vorher mal raus. Einfach mal wirklich, um da auch mal wieder rauszukommen aus diesem ständig auss Handy gucken. Soll einfach mal sagen, wirklich, apropos aufs Handy gucken. Oh, nee, ich habe gestern eine Werbung ausgespielt bekommen. Und ich mache jetzt keine Werbung für irgendwas, aber diese App wurde mir ausgespielt. Sie heißt, ich nenne es jetzt einfach mal Be present. Jetzt komme ich, mache ich den Bogen ja zu dem, was ich eigentlich möchte, be present, sei im Moment. Einfach mal wieder bei sich ankommen und ich merke, dass das so ein Thema ist, was wenn ich auf Elternabenden bin oder so oder selbst vorträge, egal wo, ich immer wieder jetzt sage: Raus aus diesem vom Außen, was passiert hier im Außen, sondern ey, was passiert gerade in mir drin? Also bin ich gerade irgendwie in der Vergangenheit, ach man, ey, dieser Streit letztens war voll blöd, ne? Oder bin ich schon wieder in der Zukunft, ach ja, oh nee, da, wenn wir wiederkommen, da stehen ja noch irgendwelche Arbeiten an oder so, die geschrieben werden müssen. Oder bin ich einfach, ey nee, ich bin jetzt einfach hier auf Klassenfahrt, ich bin hier mit meinen Freunden und ich genieße das jetzt. Weil meistens sind Klassenfahrten ja auch eher irgendwie eine Natur. Also irgendwo, wo es grün ist. Da gibt es einen Park, da gibt es gar einen See, was auch immer.
SPEAKER_00Ja, oder es sind später dann auch so Kunstfahrten oder sowas. Also es ist ja immer mit Kultur oder irgendwas auch verbunden meistens. Mir fällt dazu gerade, also es ist eigentlich wieder so eine Folge für den Perspektivenwechsel.
SPEAKER_02Eine kurze Perspektivwechsel.
SPEAKER_00Gehört in die Rubrik Perspektivenwechsel. Ich glaube, es ist keine Rubrik, weil das machen wir ständig. Naja, bei so einer Frage tendiere ich immer direkt dazu zu fragen, drehen wir es doch mal um, wessen Bedürfnis ist es denn? Ja, also Handys auf Klassenfahrten ja oder nein, steht jetzt im Raum. Wessen Bedürfnis ist es denn, dass die Kids ein Handy dabei haben? Also sind es die Kids selber oder sind es die Eltern, die wollen, dass ihre Kinder erreichbar sind. Also wessen Bedürfnis ist es denn? Mal rauszoomen aus der Situation und mal gucken, mal die andere Seite betrachten, ja.
Selbstständigkeit, Resilienz, Komfortzone
SPEAKER_02Oh, darf ich eine Behauptung aufstellen? Ich behaupte jetzt mal, dass auf der einen Seite es viel von den Eltern ausgeht. Auf der anderen Seite glaube ich aber auch, dass die Kinder es mittlerweile verlernt haben, sich selbst zu vertrauen. Selbst Lösungen zu finden. Und daher, jetzt aufgrund der Behauptung, würde ich sagen, es sind beide Seiten. Ich wollte noch die Lehrkraft mit reinbringen, aber da ist mir nichts eingefallen. Die Lehrkraft hat nicht mehr.
SPEAKER_00Ich glaube, die würden sagen, weg damit. Aber das ist tatsächlich spannend, weil ich vielerorts auch schon eine andere Tendenz erlebe bei den Kids. Und zum Beispiel, wenn man jetzt nicht nur Klassenfahrt nimmt, sondern mal ganz kurz, das wäre auch eine Folge für sich, aber so das Thema Smartphone-Verbot an Schulen generell wird ja viel diskutiert aktuell auch. Da ist es oft so, wenn man reinguckt, wenn man die Schüler fragt, die fänden es nämlich total cool, weil die merken, wenn alle, wenn es einfach klar geregelt ist und alle kein Smartphone haben, egal ob es jetzt in der Schulzeit oder auf Klassenfahrt ist, dann nimmt das unheimlich den Druck raus für die. Und ganz oft erlebe ich, wenn das, also ich war schon bei einigen solchen Diskussionen dabei, auch in Schulen, erlebe ich, dass es die Eltern sind, die sagen, das ist ein Eingriff in die Privatsphäre zum Beispiel, das darf man nicht vorschreiben. Das ist doch, das ist doch mein Gerät oder das Gerät von dem Kind, darüber darf niemand anders sonst.
SPEAKER_02Es gibt ein Jugendschutzgesetz, ne? Wollte ich nur mal sagen, es gibt ein Jugendschutzgesetz, ne? Also Privatsphäre, ja, auch kontroverses Thema.
Empfehlung: Bis 7./8. ohne Handy
SPEAKER_00Genau, es ist ein, aber was ich sagen will, ich habe neulich, die Freundin meiner Tochter hat noch eine ältere Schwester, die ist in der Neunte, glaube ich, oder Zehnte inzwischen. Und da ging es auch, der habe ich mich ein bisschen unterhalten und da ging es zufällig eben auch um dieses Thema, Handy, Klassenfahrt, ja oder nein. Und da haben sich die Schüler dagegen entschieden. Als Klassengemeinschaft. Also ich müsste sie jetzt nochmal genau fragen, aber wir haben uns eben auch darüber unterhalten und ich fand es mega spannend, weil das einfach zeigt, wenn die einfach auch, also das sind jetzt ältere Schüler dann schon, aber wenn die mit einbezogen werden, auch in die Entscheidung, wenn man einfach sagt, hey Leute, guck mal, da und da fahren wir hin, dass das passiert, wie wollen wir es machen? Wir schlagen vor, das kann man ja auch machen, ja, weil wir wollen gemeinsam sein. Und die haben sich alle entschieden, die Handys zu Hause zu lassen.
SPEAKER_02Ja, da kann man noch so coole Sachen draus machen, was mir sofort wieder einfällt, weil wir greifen ja meistens, also ich nehme jetzt mal behauptet, dass die meisten Menschen tatsächlich, wenn sie was nicht wissen, sofort zum Handy greifen und es kann googeln oder mittlerweile in Chat-GPT reingeben, irgendeine KI oder so. Und was man da für coole Lernerfahrungen schaffen kann für die Schülerinnen, einfach mal nicht sofort alles zu wissen. Ja.
SPEAKER_00Herausfinden, einfach dauert manchmal länger, bis man eine Antwort findet.
Be Present: Im Moment sein
SPEAKER_02Wie kann ich denn jetzt das, was ich wissen möchte, herausfinden, ohne dass ich jetzt sofort irgendwie mein Handy zur Verfügung habe? Also auch da wieder mal lernen, dieses, wow, eigentlich, es dauert ganz schön lange, um eine Information irgendwo rauszufinden. Also das ist nicht mal so, wie es jetzt, also es hat seine Vorteile. Aber es kann dann auch mal wieder wirklich lernen, an einer Sache dran zu bleiben. Und auch zu merken, wie wichtig ist mir diese Information überhaupt? Also, keine Ahnung, Second Screen, ne, hier, du guckst einen Film und dann irgendwann immer, oh, warte mal, den Schauspieler, wo kenne ich den? Wo hat der noch mitgespielt?
SPEAKER_00Zack, das ist Handy.
SPEAKER_02Wie wichtig ist denn diese Information wirklich?
SPEAKER_00Jetzt, ja.
SPEAKER_02Also brauche ich das wirklich jetzt oder vielleicht, wenn ich mir ein bisschen Zeit gebe, dass es mir wieder einfällt. Und da sind wir auch wieder so beim Gehirn, ne? Also wir haben ja die ganzen Informationen irgendwo abgespeichert. Und es gab eine Studie, ich glaube Harvard hat die gemacht oder so, die Auswirkungen von dem Nutzen von ChatGPT, um irgendeine Textschrift, ein Essay. Ein Essay zu erstellen, heißt es auf Deutsch auch Essay.
SPEAKER_00Aufsatz.
Perspektivwechsel und Bedürfnisklärung
SPEAKER_02Aufsatz, ja, genau, Dankeschön. Ein Aufsatz zu schreiben, einmal mit Hilfe von Chat-GPT und einmal ohne. Und die Gruppe, die ChatGPT benutzt hat, ja, die hatte eine kognitive, also weniger kognitive Belastung, logischerweise, aber auch, die konnten sich danach gar nicht mehr so an alles dran erinnern, was in diesem Aufsatz eigentlich vorkam. Und die Gruppe, die es wirklich selbst geschrieben hat, ja, da war die kognitive Belastung wesentlich höher, aber es war nachhaltiger. Sie wussten natürlich noch, was da drin vorkam, was sie geschrieben haben, weil sie es selbst geschrieben haben. Und dieses Selbstmachen, diese Erfahrung, wenn man sie selbst macht, ist so viel. Wichtiger und nachhaltiger für die Entwicklung, also jetzt auch für das Gehirn, als wenn man technische Hilfsmittel nutzt.
SPEAKER_00Jetzt kommt wieder pass auf Steam. Ich habe wieder den passenden Satz dafür.
SPEAKER_02Oh nein, mein Gehirn explodiert gleich wieder. Ich mache dich bereit.
SPEAKER_00Nein, nein, so krass ist es nicht. Sondern begreifen kommt von Greifen. Das ist ganz simpel, ja? Also.
SPEAKER_02Ja, okay. Nein.
SPEAKER_00Nicht so ein Boom-Bang, wie. Aber ich sage immer so, einmal durch die Hand ins Gehirn ist einfach nachhaltiger als ich lasse es mir nur irgendwie, lass mich davon berieseln.
SPEAKER_02Ja, wir machen das tatsächlich sehr ähnlich, weil in meinen Kita-Vor, also in den Kita-Vorträgen, wenn ich in Kitas drin bin und dann Eltern halt darüber, mit Eltern darüber spreche, wie man, also gehe ich kurz aufs Lernen ein, wie Kinder lernen vom Begreifen. Ja, genau. Die Greifen-Sache, ne? Mit allen Sinnen halt. Ja, und deshalb, ja, spannend. Also.
SPEAKER_00Ich würde sagen, pass mal auf, ich würde gerne dazu nochmal eine extra Folge machen zum Thema Begreifen und ChatGPT und Lernen und Gehirntraining und so weiter. Können wir das nicht mehr sehen?
SPEAKER_02Okay, das kommt direkt in den Redaktionsplan mit ein Folge.
SPEAKER_00Mich würde jetzt interessieren, achso, das war eine Frage, die bei dir auf Insta reinkam.
SPEAKER_02Ja, aber ich begegne dieser Frage immer wieder. Ja, genau.
Schülermeinungen zu Handyverboten
SPEAKER_00Das wäre meine Frage noch gewesen, wie wurde es konkret gelöst, aber das wissen wir ja nicht in dem Fall dann jetzt, ob das, weil ich dachte, du warst zu an der Schule, warst du ja nicht. Nee. In diesem Fall. Ja, ich, also ich finde einfach spannend, diese Ebenen sich zu überlegen, einmal, wessen Bedürfnis ist es tatsächlich? Und wenn, wie du jetzt am Anfang in dem Beispiel gesagt hast, dass das eine Kind dann sagt, boah, ich was war's, Brawl Stars. So dieses, das ist ja einfach dieser Suchtfaktor. Also was macht man in diesem Fall? Auch was macht, wie geht es diesem Kind auf Klassenfahrt dann auch, ja? Wenn, ich weiß es nicht, es wird sicherlich nicht die ganze Klasse sein, die dann irgendwie Brawl Stars spielt, also gehe ich mal schwer davon aus.
SPEAKER_02Ich hoffe es auch nicht.
SPEAKER_00Aber das ist ja auch noch eine Ebene, ne? Dieses Kind wird sich isolieren dann von der Gruppe, möglicherweise. Also ich denke nicht, dass, wenn dann da ein Programm ist, ja, der ist dann, oder der weiß ich nicht, dieses Kind wird mit seiner Aufmerksamkeit abgezogen sein und möglicherweise sich einfach immer wieder isolieren, auch von der Gruppe. Also er nimmt sich oder das Kind nimmt sich ja ganz viel auch an Erlebnissen dann.
SPEAKER_02Ich würde jetzt mal das sehr Provokatives sagen, nicht das Kind an sich nimmt sich diese Erfahrung, das Handy.
Ohne Handy lernen und dranbleiben
SPEAKER_00Richtig, genau, nochmal dann, es ist jetzt nicht die Schuld des Kindes, sondern warum es da an diesem Punkt gelandet ist, ist, sei mal dahingestellt jetzt. Das können wir jetzt nicht bewerten oder wissen. Aber wichtig wäre mir, eben als Anregung mitzugeben, wenn es um solche Diskussionen geht. Vielleicht erlebt ihr das ja auch an euren Schulen mit euren Kindern, einfach mal diese Frage zu stellen, wessen Bedürfnis ist es tatsächlich? Was ist Sinn und Zweck dieser Klassenfahrt auch? Also worum geht es, worum soll es gehen? Geht es jetzt um ein Handyverbot auf Klassenfahrt oder geht es darum, hey, wir wollen gemeinsam eine Erfahrung machen, wo wir auch als Klasse, als Gemeinschaft dran wachsen können und sich dann die Frage zu stellen, sind die Handys dann in diesem Falle hilfreich, ja oder nein? Oder auch jetzt wie das Beispiel, was ich mitgebracht habe, geht es irgendwo in möglicherweise gefährliche Gefilde, wie auch immer das zu bewerten ist, braucht man dann wirklich aus Sicherheitsgefühl oder zur Sicherheit, wenn irgendwas ist, tatsächlich ein Handy ist, wie kann man es dann vielleicht einfach anders lösen, dass die Lehrkräfte Handys dabei haben für Notfälle oder wo die Kinder auch rüber zu erreichen sind, wo ich als Eltern mal anfragen kann, wie geht's. Oder oder. Also diese Fragen würde ich mitnehmen, dann in entsprechend einen Elternabend oder wo auch immer das dann da auch diskutiert wird.
SPEAKER_02Ja, also ich bin komplett voll bei dir, bei wessen Bedürfnis ist es. Oder ladet euch einfach einen Medienexperten ein. Also in Berlin, wir haben hier Medien. Nein, also jetzt kann ich Werbung für uns machen tatsächlich.
SPEAKER_00Egal wer. Ich bin da auch immer voll kollegial, weil ich will, meine Vision ist, dass die Kinder gesund bleiben, egal ob ich jetzt mit auf dem Weg bin oder nicht, aber mir ist wirklich die Zukunft unserer Kinder, legt mir sehr vorher auf. Ja, genau.
SPEAKER_02Also ich wollte tatsächlich die Medienkompetenzzentren einfach auch mal mit ins Spiel bringen. Ich weiß nicht, ob ihr welche bei euch habt, aber in Berlin hat jeder Bezirk ein Medienkompetenzzentrum. Die sind da staatlich gefördert, auch da einfach mal anfragen. Dann, hey, wir planen Eltern, wir wollen eine Klassefahrt machen. Oder generell, wenn es ums Thema Medien geht. Da kann man sich halt immer Hilfe holen.
SPEAKER_00Holt euch Leute dazu vom Außen, es geht so viel leichter.
SPEAKER_02Ja, weil es gibt eine komplett neutrale Perspektive. Also ich hoffe, dass sie Menschen neutral sind. Und wie neutral können wir wirklich sein. Aber auch da wieder. Ja, vielen Dank, dass du auf jeden Fall diese Frage mit mir so schön ausdiskutiert hast.
SPEAKER_00Danke, dass du sie mitgebracht hast, Dima.
SPEAKER_02Würdest du sagen, wir haben eine Lösung gefunden?
Kognition: Selbst schreiben vs. KI
SPEAKER_00Ich würde sagen, wir haben Anregungen dazu gegeben, wie man Lösungen finden kann, weil ich denke, es ist immer eine, oder wie wir jetzt ja im Gespräch auch rausgefiltert haben, es wird wahrscheinlich eine individuelle Entscheidung sein. Im Moment noch, solange es keine generellen Handyverbote an Schulen in Deutschland gibt oder wie sagt man dann Schulveranstaltungen, was ja eine Klassenfahrt dann auch wäre. Solange es da keine allgemeingültigen Regeln gibt. Und was ich anregen kann auch, ist, wenn es derartige Regeln generell noch nicht an der Schule gibt, auch das anzuregen an der Schule, dass da allgemeine Regeln zum Beispiel erstellt werden dafür. Und auch dafür ist es meiner Erfahrung nach gut, wenn man sich da eine Beratung von außen mit dazu holt. Weil, also ich war auch schon mit Vorträgen an Schulen unterwegs, die ein Smartphone-Verbot haben an der Schule, aber dennoch gibt es riesige Probleme. Du nix heftig, das kennst du auch. Weil einfach nur mit dem, wir machen jetzt hier ein Smartphone-Verbot, ist das Thema halt nicht vom Tisch, sondern es müssen einfach auch ganz klare Regeln geben und Thema Klassenchats und so weiter und so weiter. Da brauchen wir es nicht im Detail drauf eingehen, aber geht doch mal auf die Schulleitung zu und sagt, hey, können wir hier mal allgemeine Regeln festlegen, was passiert auf Klassenfahrten, dass es nicht auch jedes Mal neu diskutiert werden muss? Und dafür kann es hilfreich sein, einfach sich jemanden von außen dazu zu nehmen, der das Thema einfach auch nochmal aus einem anderen Blickwinkel betrachtet und man nochmal alle Facetten mit dazustellt, bis es halt einfach eine gemeinsame Entscheidung geben kann an der Schule zum Beispiel. Das wäre noch meine Anregung zum Schluss.
SPEAKER_02Ja, mega cool. Also, wessen Bedürfnis ist es, ne, klärt die Frage, wessen Bedürfnis ist es, dass die Handys mit auf Klassenfahrt kommen, geht ins Gespräch mit der Schulleitung und habt allgemeine Regeln. Einheitlich, dieser gemeinsame Konsens.
Begreifen kommt von Greifen
SPEAKER_00Weil das macht, das nimmt erfahrungsgemäß einfach den Druck von allen Schultern runter. Also sowohl von den Kids als auch von den Eltern und den Lehrkräften. Das macht es einfach insgesamt erfahrungsgemäß tatsächlich leichter. Und da sind wir wieder an dem Punkt, den haben wir hier auch schon oft gesprochen, Verantwortung übernehmen. Also es gibt einfach immer noch sehr, sehr, sehr, sehr, sehr viel zu tun in diesem Bereich und wir als Eltern, als Begleitende sind angehalten, einfach in diesen Bereichen mit Verantwortung für unsere Kids zu übernehmen.
SPEAKER_02Ja, und weißt du noch, wie es ging? VSV. Ja, ein Ü irgendwo, VSHÖ, Vorbild sein Verantwortung übernehmen.
SPEAKER_00Genau.
SPEAKER_02Und mit diesen Worten, lass uns rausgehen, Vorbild.
SPEAKER_00Lass uns raus. Vielen Dank für diese coole Frage. Ich fand es mega und ich freue mich aufs nächste Mal. Danke, Steven.
SPEAKER_02Yeah, danke Viola. Bis zum nächsten Mal.