Handy, Herz & Hirn - für stressfreie Mediennutzung in der Familie

#07 - Hochsensible Kinder, große Gefühle, kluger Medienumgang

Steven Pfeiffer und Viola Hoffmann Season 1 Episode 7

Use Left/Right to seek, Home/End to jump to start or end. Hold shift to jump forward or backward.

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Wir prüfen die verbreitete Empfehlung, hochsensible Kinder mit der Lieblingsserie zu beruhigen, und zeigen, warum kurzfristige Stille oft echte Selbstregulation ersetzt. Mit einfachen Körper- und Sinn-Tools, klarer Sprache und ehrlicher Reparatur stärken wir Sicherheit statt Vermeidung.

• Definition von Hochsensibilität und Reizüberflutung
• Schulalltag als Auslöser für Rückzug oder Explosion
• Unterschied zwischen Deckeln und Regulieren von Gefühlen
• Co-Regulation durch Präsenz, Atmung und klare Worte
• Körperbasierte Tools: Gleichmäßige Bewegung, Tapping, Nahsinne
• Stille Tätigkeiten statt Bildschirm als Standardstrategie
• Vorbildrolle und Verantwortung der Eltern nach Eskalation
• Medien als gezieltes Werkzeug, nicht als Dauerpflaster
• Kritischer Blick auf Social-Media-Ratschläge
• Leitfragen zur Entscheidung für oder gegen Medien

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Steven:

Viola:


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Liebe Grüße,

Steven und Viola

Ziel Und Versprechen Des Podcasts

SPEAKER_00

Weniger Stress und mehr Leichtigkeit im Umgang mit den digitalen Medien. Das wünschen sich so viele Eltern. Aber wie klappt das eigentlich im vollen Familienalltag und was gibt es da alles zu beachten? Genau darum geht's hier bei uns im Podcast Handy, Herz und Hirn. Deine beiden Experten im Gespräch. Ich bin Viola Hoffmann, Gründerin von Gesund Digital Aufwachsen.

SPEAKER_01

Und ich bin Steven Pfeiffer, Gründer des Bildungsunternehmens im Hopsterlauf. Jeden Donnerstag bekommst du hier eine neue Folge rund um die Welt der digitalen Medien. Wir bieten dir unser fundiertes Hintergrundwissen, erzählen aus unserem Arbeitsalltag mit Eltern und Kindern und teilen praktische Tipps für mehr Leichtigkeit, Klarheit und Freude im Umgang mit Bildschirmmedien. Ganz nach dem Motto: bewusst begleiten statt verbieten.

SPEAKER_00

Und das alles ganz authentisch und mit einer Prise Humor. Aus unserem Alltag, für deinen Alltag und für eine gesunde Zukunft unserer Kinder. Mach's dir jetzt bequem und lass dich inspirieren.

SPEAKER_01

Hallo und herzlich willkommen zu einer weiteren Podcast-Folge mit mir, Steven und der lieben Viola. Hallo Viola! Hallo! Viola, du strahlst. Was ist da los bei dir?

SPEAKER_00

Ah, wir haben, du hast mich vorhin gefragt, ah, hast du ein Thema? Und ich habe gedacht, oh nee, irgendwie im Moment fällt mir gerade nichts ein. Aber mir ist jetzt das eingefallen und da freue ich mich drüber, jetzt mit dir zu sprechen.

SPEAKER_01

Okay, also vielleicht sieht man es sich, meine Beine fangen an zu wackeln, ich werde langsam nervös. Hau das Thema raus. Was für ein Thema hast du heute mitgebracht?

SPEAKER_00

Also, ich habe vor ein paar Tagen wurde mir ein Beitrag zugespielt auf Instagram von einer Followerin, die gesagt hat, ey, guck mal, was hältst du davon? Und in dem Beitrag ging es um hochsensible Kinder und Medienkonsum.

SPEAKER_01

Okay, sehr spannend. Finde ich hochinteressant gerade. Ich freue mich auf deinen Input und bin gespannt, wie ich meinen Senf dazu gebe.

These: Bildschirm Zur Beruhigung

SPEAKER_00

Ich bin auch sehr gespannt auf deinen Input. Und zwar, ich sage mal ganz kurz, worum es ging. Also es war, ich glaube, es ist auch, ich habe nicht, hatte nicht so viel Zeit, um mir das genau anzugucken, aber es war eine Seite, wo es auch auf dem Kanal allgemein um hochsensible Kinder ging. Also eine Frau, die da auch Input für Eltern rausgegeben hat. Jetzt bin ich selber sehr in dieser Thematik auch drin. Also beruflich und familiär auch. Und habe diesen Beitrag dann gelesen, wo es eben um hochsensible Kinder und Medienkonsum ging. Und in diesem Beitrag ging es hauptsächlich darum, dass die Medien den Kindern helfen können, wenn ihnen alles zu viel ist. Also wenn alles too much is, wenn schon ganz viel, jetzt bin ich sehr gespannt gleich auf dein Statement, du guckst. Wenn dem Kind alles zu viel ist, ja, es gab schon zu viel Input, alles überreizt und so und überstimuliert, dass es den Kindern hilft, wenn sie dann ihre Lieblingsserie angucken können, zum Beispiel, um das Nervensystem wieder zu beruhigen. Ich sag erst nichts dazu. Shoot.

SPEAKER_01

Okay. Du hast gerade ein paar Sachen angesprochen. Einmal klar hochsensiv, Kinder sind überreizt und dann nochmal Mädchen, hört sich im ersten Punkt ja erstmal kontraproduktiv an. Weil es ja nochmal mehr Reize gibt. So. Dann hast du aber auch gesagt, Lieblingsfolge, Nervensystem regulieren. Und jetzt ist es ja so, wann regulieren wir unser Nervensystem, wenn wir irgendwas tun, was uns ja gut tut, was wir kennen, was uns wohlwollt ist. So, und wenn es die Lieblingsserie ist, kann ich es, also ich bin kein Experte auf diesem Gebiet, das muss ich jetzt auch ganz klar sagen, ich bin da nicht tief drin in dem Thema, aber ich weiß viel, wie unser Nervensystem funktioniert. Dazu kann ich eine Meinung äußern, eine fundierte Meinung äußern. Dass es ja darum geht, dass, wenn du, ja, du siehst was und du entspannst dich ja dabei. Ja, natürlich bist du Reizen ausgesetzt. Aber nicht jeder Reiz muss ja immer negativ für dein Nervensystem sein. Und dann kann ich mir vorstellen, dass das für das Kind erstmal ein positiver Reiz ist, weil es vertraut ist. Also der Lieblingscharakter ist da drin. Also ein gewohntes Setting in der Serie. Von daher kann ich es mir vorstellen, dass es funktioniert. Aber wenn es, ich kann mir auch vorstellen, dass es nicht funktioniert. Das ist ja jetzt als ein Mülllaber. Das nicht zusammenhängt, kann ja auch alles sein. Deswegen bin ich sehr gespannt, was du dazu sagst. Also, hol mich ab. Hol mich ab, bitte.

Nervensystem, Reize Und Vertrautheit

SPEAKER_00

Also mein Gott, naja, es ist, es hat verschiedene Ebenen. Also ich frage mich, warum gibt es diese Empfehlung? Es war ein sehr großer Kanal, also große Reichweite. Wir haben schon viel über Resilienz gesprochen, wir haben über Gefühle gesprochen, auch hier schon. Und meines Erachtens, also beziehungsweise ich weiß es aus eigener Erfahrung, ich kenne das im Alltag, dieses Phänomen. Was passiert, wenn alles schon zu viel ist, wenn schon zu viele Reize da waren, wenn das Nervenkostüm dünn ist? Ja, also bei hochsensiblen Kindern, wir müssen nochmal vielleicht kurz darüber sprechen, was da, was da ist. Also die Situation ist ja so, dass die Kinder, die hochsensibel sind, auch Erwachsene auch, Menschen nennen wir es mal, immer Menschen, die hochsensibel sind, die haben, denen fehlt oft dieser natürliche Schutzfilter. Also man muss sich vorstellen, dass alles um ein Rum ungefiltert in einen eindringt. Was die anderen um mich rum fühlen, Geräusche, Gerüche, Lärm, ja, also das ist alles unfassbar intensiv. Ja, dich schüttelt es schon.

SPEAKER_01

Ja, ich habe mich gerade abgeschüttelt, weil ich gemerkt habe, okay, das ist schon krass, es ist schon allein die Vorstellung, dass ich fühle und spüre.

SPEAKER_00

Und jetzt stell dir vor, ein solches Kind verbringt den Vormittag in einem Klassenzimmer, es ist laut, alle anderen Kinder haben Gefühle, es muss irgendwas erledigt werden, es sind Anforderungen an die Kinder da, es sind Konflikte vielleicht, die entstehen, die ausgehalten werden. Und dieses Kind nimmt das alles auf. Und hat nicht so einen guten Schutzmechanismus wie viele andere Kinder, Menschen.

SPEAKER_01

Lass bei Kindern bleiben, es ist ja vollkommen.

Alltag Hochsensibler Kinder In Der Schule

SPEAKER_00

Wir bleiben bei Kindern, aber ich will nur sagen, es gibt auch Erwachsene, denen es so geht. Und dieses Kind kommt jetzt nach Hause, wo es vielleicht ziemlich sicher ruhiger ist als im Klassenzimmer und in der Schule. Und wird jetzt dann und hat vielleicht ein Gefühlsausbruch. Also es gibt meistens so zwei Tendenzen. Entweder die Kinder werden dann, wenn es zu viel ist, ziehen die sich zurück in sich extrem und fressen es in sich rein, und das andere Extrem ist Boom, es explodiert. Und es explodiert meistens. Nicht dann an Ort und Stelle in der Schule, sondern wenn die Kinder dann zu Hause sind im Safe Space.

SPEAKER_01

Genau, wenn sie sich sicher fühlen.

SPEAKER_00

Und dann boom, ja, ich kenne das sehr gut nochmal. Und jetzt die Problematik, die ich sehe an der Stelle, ist einfach, also ich sehe, warum Eltern denken, das funktioniert, und ich nutze jetzt die Medien, damit mein Kind runterkommen kann. Das funktioniert im ersten Moment sicherlich auch. Und ich glaube, was dahinter steckt, ist, und jetzt sage ich das, weil wir viel über Gefühle gesprochen haben schon, ist, es geht ja darum, meine Gefühle zu fühlen und wahrzunehmen und zu lernen, was ich tun kann, auch damit es mir besser geht. So, jetzt stellen wir uns vor, dieses Kind wird erwachsen und es hat gelernt, wenn eigentlich alles in mir tobt und wenn mir alles zu viel ist, dann nehme ich einen Bildschirm her. So, dann lerne ich nicht, mich um meine Gefühle zu kümmern und dann lerne ich auch keine Selbstregulation. Dann lerne ich nicht, was kann mir denn helfen? Oder wie kann ich in den Situationen anders umgehen? Wie komme ich da wieder raus? Was brauche ich?

SPEAKER_01

Du lernst einfach keine Schutzstrategien.

Kurzfristige Ruhe Vs. Langfristige Regulation

SPEAKER_00

Richtig. Und jetzt nehmen wir noch die Eltern dazu. So, die Eltern sind zu Hause, das Kind kommt nach Hause und es macht erstmal BÄM! Alles explodiert. Du blöde Mama, ist alles blöd und alles Kacke. Und ich mag dich nicht. In die Ecke, ja, das ist noch alles milde, ne? Aber, und dann geht es erstmal richtig ab und du denkst dir, was ist jetzt, Moment, was ist jetzt los? Und dann kann ich es verstehen, dass man es.

SPEAKER_01

Wenn du es schaffst, wenn du es schaffst, ne? Sagen, wo, was ist jetzt los? Genau. Es gibt, aber es gibt ja leider auch Eltern, die dann sagen, so redest du nicht mit mir, ne? Und schießen halt nochmal weiter da.

SPEAKER_00

Kenne ich auch, aus persönlicher Erfahrung. Also, nobody's perfect und wir sind auch immer wieder, sowieso, ne? Dann kommst du nach Hause, bist schon angefüllt und überfordert und dann kommt noch sowas und du denkst dir so, what the fuck? Jetzt mal, also jetzt aber mal ruhig. Kenn ich auch, ja. Aber worauf ich hinaus will, ist, ich kann es auch total verstehen, dann als Eltern zu sagen, wow, Bildschirm an, damit hier wieder, Moment mal, kurz klarkommen alle, ja. Und es macht es auch einfach. Das macht es natürlich einfach, ja. Es ist natürlich, ey, Kind ist ruhig, wunderbar, Ding geklärt. Kann sein, wenn der Bildschirm ausgeht, dass es dann nochmal hoch geht, weil das Ding ist ja nicht zu Ende, es ist ja nur ein Deckel drauf gemacht, Kunst, ja. Aber das Ding geht ja trotzdem hoch. Und wenn wir jetzt gucken, und da bin ich auf, da glaube ich, kannst du gut einhaken ist auch, warum ist es so, dass wir als Eltern diese Gefühle gar nicht aushalten können? Also eigentlich würde es ja darum gehen, zu sagen, hey, da kommen mir krass starke Gefühle entgegen. Was brauche ich denn, um das als Eltern, was brauche ich, um das zu halten und zu begleiten und mein Kind dadurch zu begleiten?

SPEAKER_01

Okay, es ist die Frage an mich. Ich war noch das nicht, ich hab dich gesehen, du hast noch so. Okay, also jetzt.

SPEAKER_00

Ich habe gerade was zu zu sagen, aber ich will auch deine Meinung hören.

SPEAKER_01

Okay. Ja, also jetzt um konkret nochmal die Frage einzuzunehmen. Die Frage war, was können Eltern tun, um das zu halten, diese Gefühle?

SPEAKER_00

Ja, was brauchen wir? Also ich glaube einfach, dass wir als Eltern nicht gelernt haben, auch mit diesen starken Gefühlen umzugehen. Oder wir als Menschen überhaupt nicht meinen.

Warum Eltern Gefühlsstürme Schwer Aushalten

SPEAKER_01

Ja, doch kann ich so kann ich unterschreiben und kann ich auch verstehen, wo es herkommt.

SPEAKER_00

Es ist ja viel, ne? Dieses, du musst, du musst leise sein, du musst dich anpassen, du musst, sei nicht zu laut, ne, ne, ne, ne, ja, all diese Sachen sind ja tief auch in uns drin.

SPEAKER_01

Ja, natürlich. Also uns, also wir sind eine Generation, glaube ich, wo die Eltern halt noch viel wirklich gar nichts, also wir, die jetzigen Kinder, die jetzt auffaken, sind ja viel, viel bewusster. Oder ich nehme jetzt auch mal mich ein, ich nehme dich mit ein. Ich bin da mal vorsichtig, weil wir bewegen uns in einer gewissen Bubble. Wir bewegen uns in einer gewissen Bubble, logischerweise, ne? Und das weiß ich. Und eigentlich müssen wir so laut rumschreien, dass diese Bubble explodiert und alle anderen die gleiche Bewusstsein. Wird aber vielleicht, also hoffe ich, funktioniert irgendwann, aber.

SPEAKER_00

Das ist der Ripple-Effekt, ne? Man muss einfach immer weiter und irgendwie schwappen.

SPEAKER_01

Aber das, was du gesagt hast, sind ja Glaubenssätze, die sich bei uns irgendwann verfestigt haben. Die gar nicht mehr manchmal auf einer bewussten Ebene stattfinden, sondern auf der unterbewussten Ebene.

SPEAKER_00

Unterbewusst, ja.

Glaubenssätze, Trigger Und Vorbildrolle

SPEAKER_01

Genau, die spülen irgendwelche Muster ab, die wir irgendwann mal als dienlich erkannt haben. Okay, ich war nicht laut, hey, meine Mama war glücklich, überspitzt gesagt. Ich habe keinen Ärger bekommen. Also, wenn ich leise bin, ist es okay. So. Jetzt kommt mein Kind aber und schreit mich an und ich weiß ja gar nicht, okay, wie kann ich damit umgehen? Also ich habe ja auch da sind ja wieder bei Referenzen und Erfahrungswerte, habe ich ja keine Ahnung. Ich hatte ja nur die Erfahrung, wenn ich als, also ich als Steven als Kind laut war, ist jetzt nicht der Fall. Das möchte ich auch ganz klar sagen. Falls meine Mama jemals den Podcast hört, sage ich es mal ganz klar. Das ist ein fiktives Beispiel jetzt. So, ich, der kleine Steven, ich war laut und wurde angeschrien. Dann habe ich ja als kleiner Steven die Erfahrung gemacht, oh, wenn ich laut bin, kriege ich Ärger, also bin ich lieber leise. Aber ich habe ja nie gelernt, wie geht man denn damit um, wenn jemand laut wird. Und ja, jetzt, ich weiß es, ich habe es gelernt, weil ich habe eine pädagogische Ausbildung gemacht, logischerweise. Da weiß ich auch, wie man damit umgeht. Und ich kann allen nur sagen, legt euer Ego zur Seite, ihr seid die Eltern, seid euch euch selbst mal bewusst und guckt mal, okay, warum triggert mich das gerade so, wenn mein Kind mich anschreit? Probiert es nicht aus, euer Kind anzuschreien und guck mal, was passiert, sondern guckt mal, was passiert, wenn ihr einfach ruhig bleibt, aber in euch selbst ruhig bleibt. Und sagt, okay, hey, ich sehe gerade, du bist unfassbar wütend, was ist denn da gerade bei dir passiert?

SPEAKER_00

Wenn es passiert, dann darf man milde mit sich sein.

SPEAKER_01

Ja, genau. Ja, natürlich. Und so vielleicht aber auch einfach erstmal, wow, okay, du bist Hütten, ich sehst, lass die Wut einmal kurz raus. Meinetwegen schrei mich kurz an, aber eigentlich würde ich mir wünschen, dass du mich nicht hast.

SPEAKER_00

Also was können wir tun quasi? Wie können wir, so würde ich jetzt umgehen damit, was können wir tun, um die Gefühle zu kanalisieren quasi, ne? Dass es nichts Destruktives hat.

SPEAKER_01

Ja, genau. Würde ich sagen, ist von Kind zu Kind unterschiedlich.

SPEAKER_00

Ja, auf jeden Fall. Und das ist, das muss man rausfinden, was dem Kind damit tut.

SPEAKER_01

Also ich kann so globalgalaktisch immer sagen, was hilft, ist, wenn das Kind sich selbst wieder spürt. Weil dann kommt es erstmal von diesem Außen wieder nach dem Innen. Ich mache das Beispiel mal bei Reizüberflutung, ist auch ein Teil der Vorträge in Kitas, auf jeden Fall immer für Eltern. Entweder bringt das Kind wieder in Balance, und zwar wortwörtlich, auf einem Bein stehen, irgendwie, dass es irgendwie guckt, weil der Körper ist so doll damit Balanciert, also beschäftigt, sich auszubalancieren und nicht umzukippen, dass das Nervensystem erstmal wieder, wow, wow, was passiert denn gerade? Ich muss jetzt wieder schnell nach innen kommen, um das alles zu regulieren. Also, zweite Möglichkeit ist, keine Ahnung, ins Kissen schreien. Kannst du auch machen.

SPEAKER_00

Krambolin springen, körperlich rauslassen, alles, was eine gleichmäßige Bewegung ist.

SPEAKER_01

Alles, was eine gleichmäßige Bewegung ist. Weil was passiert bei einer gleichmäßigen Bewegung? Das Nervensystem reguliert sich wieder.

SPEAKER_00

Die Atmung auch, ne?

SPEAKER_01

Ja, genau, Atmung, genau. Also bewusstes Atmen. Hier an den Schultern, Tapping. Es ist nichts Spirituelles, das hat jetzt kein Esorokram hier, sondern wirklich dieses auf den Schulternklopfen, links und rechts überkreuzt. Wirklich einfach überkreuz, weil du hast den Bargusner, blablabla, brauche ich dir nicht erzählen.

SPEAKER_00

Wir nicht, aber die Warden hierzu.

Konkrete Co-Regulation: Körper Und Sinne

SPEAKER_01

Das kannst du so ganz oberflächlich erklären. Vielleicht kannst du es gleich ausführlicher machen, warum das funktioniert mit unserem Nervensystem. Genau, heißes Getränk. Zuckerfrei, logischerweise. Also einfach um die Schulanden, weil du spürst, ich glaube, habe ich wahrscheinlich auch schon mal gesagt, du spürst die Wärme des Getränks in deiner Hand. Ich habe zufällig einen Tee hier stehen, den nehme ich jetzt in die Hand und ich spüre die Wärme des Tees. Ich rieche, dass da Zitrone und Ingwer drin ist. Ich schmecke, okay, da sind sehr viel Zitrone drin, der ist sauer. Aber ich schmecke den Tee. Wir haben meine Geschmacksnerven und ich spüre, wie der warme Tee, wie die Wärme in meinem, also wie meine Speiseröhre, runterfließt. So. Da haben wir drei Reize, also, äh, nee, nicht drei Reize, drei Sinne, und zwar den Riechen schmecken, fühlen. Das sind unsere Nahsinne. Die sind sehr, sehr nah bei uns. Klar, Hör und Sehen sind unsere Fernsinne, das passiert also in der Ferne, worüber wir die meisten Sachen wahrnehmen. Aber wenn das passiert und wir wieder bei uns ankommen, sind wir automatisch, ich merke gerade, wie ich sogar ruhiger werde. Abgefahren. Wow. Auf jeden Fall auch da wird es wieder ruhiger, damit überhaupt erstmal das Kind in der Lage ist, wieder ein bisschen, also das Kind hat Dampf abgelassen.

SPEAKER_00

Das ist alles raus, was so eingeströmt ist am Bild.

SPEAKER_01

Genau, also und jetzt bin ich wieder in der Lage, ruhig weiterzumachen. Aber dazu braucht es, wie du gerade schon gesagt hast, Erwachsene, die das aushalten und nicht noch mehr Druck.

SPEAKER_00

Das ist halt wirklich das Schwierige, weil wir das in unserer Generation einfach, die allermeisten, würde ich mal sagen, und viele nicht gelernt haben, ja, weil es gehört, also das brave Kind, ja, also es gehört ja immer dazu, Kinder müssen brav sein, müssen sich anpassen und müssen möglichst ruhig sein, um die Erwachsenen nicht zu stören, alles überspitzt, aber das schlummert natürlich schon viel in uns. Und du hast jetzt gerade auch gesagt, wir müssen als Eltern ruhig sein, das ist nicht immer möglich, wie ich das nicht.

SPEAKER_01

Ja, natürlich nicht.

SPEAKER_00

Ich mache immer mit den Eltern, die zu mir in die Begleitung kommen, sage ich immer, das Schlimmste, was dir passieren kann, ist als Therapeutin Mutter zu werden. Weil, wie du auch sagst, du weißt alles in der Theorie und weißt, was passiert und so, ja, wenn ich dann laut werde und so weiter. Aber ich bin ja trotzdem in meinem System auch gefangen, ja. Also ich habe trotzdem meine Trigger, auch wenn ich das im Kopf alles bewusst habe und das aber dann in die Praxis zu kriegen, holy moly, das ist eine andere, eine andere Ebene, wenn da so ein Kind dann vor dir steht und dich persönlich angreift quasi, ne? Oder du dich angegriffen fühlst, mehr oder weniger. So ist es. Genau, da sind wir wieder mit dem Gefühl. Du fühlst ja einfach nur, wumm, irgendwas passiert und du kannst es ja in dem Moment gar nicht benennen. Und dann geht es nicht darum, auch perfekt zu sein, zu sagen, wow, jetzt muss ich immer erstmal atmen und jetzt erinnere ich mich daran zu atmen und mein Nervenkost ihm zu ruhigen, wenn du das schaffst, herzlichen Glückwunsch, mir gelingt es nicht immer.

SPEAKER_01

Mir auch nicht.

Präsenz, Sprache Und Verantwortung

SPEAKER_00

Und dann ist es aber, finde ich, das Wichtige, auch wenn wir explodiert sind. Also auch bei uns gehören Gefühle dazu. Bei uns Eltern, bei uns Erwachsenen, wir dürfen auch Gefühle fühlen, dass wir hinterher auch Verantwortung dafür übernehmen. Das macht, glaube ich, schon einen riesengroßen Unterschied auch zur vergangenen Elterngeneration, dass wir hier auch hingehen und sagen, hey, pass mal auf. Das war nicht okay von mir gerade. Es war nicht okay von mir, gerade so auszurasten, boah, mir ging es selber richtig mies gerade und mich hat es total überfordert. Und das hat nichts mit dir zu tun, das ist meins. Und ich kümmere mich darum, sodass man einfach von dem Kind wieder eine Last nimmt und sagt, ey, das ist mein Päckchen und also kindgerecht natürlich und ich nehme übernehme Verantwortung dafür, ja.

SPEAKER_01

Ja, es ist spannend, weil wir haben ja gerade ich unterbreche, weil wir haben ja in einer vorigen Folge schon über Verantwortung und Entscheidungen getroffen. Und was du aber so schön finde, ist einfach gerade auch vor allen Dingen in der Wortwahl, also wie du es kommuniziert hast, einfach diese Vorbildfunktion. Weil was lernt denn das Kind in dem Augenblick so? Eins, wow, okay, ich bin nicht schuld. Es ist unfassbar gut, also dass das Kind wirklich weiß, okay, wow, du agierst als Vorbild, wow, okay. Also wenn man wütend ist, kann man sich auch entschuldigen. Und vor allen Dingen auch, du begleitest sprachlich danach. Ganz wichtig.

SPEAKER_00

Und das ist egal, ob das Kind das schon intellektuell, kognitiv verstehen kann. Das ist ganz egal. Auch bei einem kleinen Kind kann man das machen. Ey, es tut mir leid, oder was, ja?

Medien Als Pflaster Oder Werkzeug

SPEAKER_01

Es ist mega spannend, weil jetzt würde ich diesen Bogen auch einmal nochmal spannen, weil du hast gerade was richtig Schönes gesagt, zu dem Bogen wird zu spannen zu Medien und hochsensible Kinder, um wieder runterzufahren. Before ihr entscheidet, das zu tun. Atmet einmal durch. Das ist, was du gerade gesagt haben, guck mal, ist das gerade gut? Hilft das langfristig meinem Kind oder nur im Hier und Jetzt? Und bin ich gerade das Vorbild für mein Kind, was eigentlich sein möchte, ne? Ja, mach doch. Oder nicht, wo wollte ich damit gerade hin? Ja, genau, atmet einfach kurz durch. Weil wirklich, ja, die Rei sind da, ne? Und überprüft auch wenn ihr so einen Beitrag seht, weil Social Media geht jetzt nicht mehr irgendwie meinetwegen um, du musst nicht tief in dem Thema drin sein, du musst der absolute Experte sein und kannst trotzdem unfassbar viel Reichweite haben. Weil es geht um, ist eine eigene Folge an sich, ich möchte jetzt gar nicht drauf eingehen. Warum.

SPEAKER_00

Aber überprüft es doch mal. Also wenn du sowas, also ich muss sagen, ich habe den Beitrag gelesen und mir hat es alles aufgestellt.

SPEAKER_01

Und ich dachte, warum es ist.

SPEAKER_00

Ich habe da, glaube ich, auch kommentiert und ich habe auch geguckt, ob es Kommentare gibt, die dann was anderes sagen. Also ganz viele Eltern haben kommentiert, oh ja, das kenne ich auch, uns geht es auch so, bei uns hilft es super und so. Und ja, für den Moment hilft es, aber langfristig, und das ist das, was ich eigentlich sagen wollte. Wir müssen einmal nochmal einen Schritt dahinter gucken. Und ich habe selber da super gute Erfahrungen gemacht, wenn man früh anfängt, Gefühle zu benennen, zu sagen, ey, dir war alles zu viel, ich sehe, du bist total überreizt und ich weiß, dir tut das jetzt gar nicht gut. Und dann auch, wenn dann Medienzeit eingefordert wird, zum Beispiel zu sagen, hey, ich war, und es kann auch ein Hörspiel sein, ne? Es muss nicht immer der Bildschirm sein. Also da ist auch Hörmedien ist auch zu viel dann, wenn schon too much ist und dann noch ein Hörbuch oder ein Hörspiel mit noch extra Geräuschen und Zeug und Dings, kann auch schon zu viel sein. Und manchmal geht es darum, einfach auch in eine gemeinsame Tätigkeit zu kommen. Ich habe mit meinem Kind hingesetzt und habe einfach angefangen, ich habe angefangen zu malen. Dann kommt mein Kind und setzt sich irgendwann auch hin und fängt an zu malen. Und dann kommt plötzlich ein Mama, das und das und das ist heute in der Schule passiert und so. Und dann habe ich nicht nachgefragt, ich habe keinen Druck ausgeübt auf das Kind, ich habe es wüten gelassen erstmal. Und wenn es ist, lass die Wut zu einfach. Lass es, du musst nichts sagen, lass dein Kind wüten.

SPEAKER_01

Es lernt selber. Es lernt selber mal mit der Wut umzugehen und sein zu.

Alternativen: Malen, Bewegung, Stille

SPEAKER_00

Es sei das Wichtigste ist, dass wir da sind und präsent sind. Und den, das haben wir auch schon gesagt, den Raum und den Rahmen halten. Und das ist einfach was, was wir oft nicht gelernt haben als Eltern, das auszuhalten, einfach mal nur zu halten. Ich muss nichts, wenn ein Kind wütend ist und alle Synapsen gerade gesprengt sind, dann kann es sowieso nichts annehmen, was ich dem sage, ja. Also dann einfach gucken, nicht selber verletzen irgendwie und einen Rahmen schaffen, wo es irgendwie rauskam. Und dann kann man auch in eine Lösung gehen oder einfach was gemeinsam tun. Nichts sagen, ich würde nie drüber sprechen. Ich würde nicht fragen, was war in der Schule oder irgendwas. Gar nichts sagen. Das Kind wird von alleine kommen, dann. Und es dauert meistens ein, zwei, drei Minuten. Und dann kannst du sagen, ja gut, das kann ich verstehen, dass es dir dann echt nicht gut geht jetzt damit. Mama, eigentlich bin ich gar nicht wütend, eigentlich bin ich traurig. Das und das hat mich traurig gemacht.

SPEAKER_01

Wüt und Trauer hängen so eng beieinander, das glaubst du gar nicht.

SPEAKER_00

Ja, und das kommt aber nur daher, wenn wir, wenn wir drüber sprechen und benennen, ja. Und dann hat irgendwann, also in solchen Momenten sitze ich da und denke, okay, da sind ein paar Dinge richtig gelaufen. Wenn das Kind dann schon sagen kann, nee, eigentlich bin ich total traurig da und da und da rüber. Und dann denke ich, hey cool, guck mal, du hast was gelernt für später, wenn du auch erwachsen bist, wie geht's dir, wie geht es dir in so einer Situation und wie kannst du damit umgehen? Und das ist, wir kommen zum Ende. Steam wird schon nervös.

SPEAKER_01

Ich bin entspannt, ich habe geatmet.

Fazit Und Reflexion Für Eltern

SPEAKER_00

Die Zeit rennt. Also ich würde sagen, einfach, ja, wie du gerade gesagt hast, schaut kritisch solche Beiträge auch an. Wenn es wirklich irgendwie, bevor ihr euch alle zerfleischt zu Hause, dann kann das vielleicht mal ein Pflaster sein. Aber es sollte nicht zur Regel werden. Und ich würde immer gucken, was steckt dahinter einfach? Warum geht es meinem Kind so? Warum geht es mir dann auch so? Und was kann ich meinem Kind mitgeben, dass es selber lernt, einfach diese Perspektive zu haben. Es geht ja ums gesunde Aufwachsen und auch gesund mit Medien umgehen können und die Medien gesund nutzen können, eben nicht, um zu, um abzulenken von meinen Gefühlen oder von dem, was ich erlebt habe.

SPEAKER_01

Ja, mega schön, also sehr schön zusammengefasst, auch mal am Ende. In meinen Worten hätte ich gesagt, guckt einfach, ob die Strategie Medien langfristig dem Kind dient, mit seinen Gefühlen umzugehen oder ob es einfach sie nur zur Seite schiebt.

SPEAKER_00

Pflaster drauf geklebt, ja.

SPEAKER_01

Ja, genau. Mega spannend, auch sehr schön bildlich mit dem Pflaster. Ja, vielen Dank für das Thema. Boah. Ich merke jedes Mal, wenn wir sprechen, was das für neue Themen öffnet. Und ich bin froh. Ich glaube, wir wären auch besser darin, dann Themen wirklich einfach einzugrenzen und nie den Rahmen zu halten, um in deinen Worten zu sprechen und nicht rüber zu schießen, weil ich glaube, das wäre auch für euch, alle Zuhörenden, ultra anstrengend, wenn immer wieder irgendein neuer Input aufkommt und da nochmal so ein bisschen, aber.

SPEAKER_00

Schreib es immer auf und nehm es für die nächste Folge mit.

Community-Aufruf Und Verabschiedung

SPEAKER_01

Ja, genau, das mache ich auch. Auch schreibt auf, schreibt euch mal, schreibt es euch auf, schreibt uns mal in die Kommentare, wie ihr bis jetzt zu den Folgen findet, was ihr aus den Folgen mitnehmt und vor allen Dingen, welche Themen ihr euch wünscht. Und in diesem Sinne, liebe Viola, vielen, vielen Dank für deine Zeit, für das spannende Thema. Und ich freue mich auf die nächste gemeinsame Folge.

SPEAKER_00

Und bis dann.

SPEAKER_01

Tschüss.