Smartphone Sprechstunde

#4 Handy-Experiment, Teil 1: Warum wir uns komplett verschätzt haben

Niki Löwenstein & Andrea Buhl-Aigner Season 1 Episode 4

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Wie ist das Leben eigentlich ganz ohne Smartphone? 

Zehntausende Kinder in Österreich haben genau das ausprobiert und ihr Handy für 21 Tage abgegeben. Wir waren neugierig und haben mitgemacht. 

In dieser Folge begleiten wir drei Kinder auf ihrem Weg voller Überraschungen und Hürden. Wie schwer ist der Verzicht wirklich? Was fehlt? Und was überraschend gar nicht? Und wo bekommt man eigentlich Brieftauben her?

Die Chance hat Niki auch gleich ergriffen und parallel 3 Wochen auf Instagram verzichtet. Das Ergebnis hat sie staunen lassen. 

Das nimmst du aus dieser Episode mit:

  • Wie Handy-Detox im Berufs- und Familienalltag bei Kindern und Erwachsenen funktioniert.
  • Welche einfachen Schritte helfen, die Bildschirmzeit zu reduzieren. Und welche Maßnahmen etwas Vorbereitung oder Umgewöhnung brauchen.  
  • Wie du deine Gewohnheiten erkundest, Muster erkennst und sie veränderst.
  • Wie dir ein starkes “Wofür?” hilft, konsequent zu bleiben und durchzuhalten. 

Kapitel

1:05 Was ist das Handy-Experiment?

3:00 Die Regeln

6:30 Lotti und Milli checken ihre Bildschirmzeit und erzählen, warum sie bei der Handy-Challenge mitmachen wollen

10:30 Lotti und Milli überlegen, was ihnen alles fehlen wird

13:37 Analyse zum Einstieg

14:00 Gar nicht leicht: die eigenen Gewohnheiten einschätzen

18:40 Die Handys wandern in den Tresor

19:18 Zwischenstand nach zehn Tagen ohne Smartphone

22:16 Ausblick auf Teil 2 der Challenge

Links & Studien aus der Episode:

Das Handy-Experiment - 3 Wochen ohne Smartphone. Alle Infos, falls du das Experiment zuhause oder in der Schule nachmachen willst:  https://www.handyexperiment.at/ 

ORF Dok1 “3 Wochen Handy-Entzug: Das Experiment” - Die Dokumentation zum ersten Handy-Experiment 2025
https://on.orf.at/video/14290303/dok-1-drei-wochen-handy-entzug-das-experiment 

ORF Public Value-Studie “3 Wochen ohne Smartphone - Das TV-Experiment”
https://zukunft.orf.at/show_content.php?sid=147&pvi_id=2532&pvi_medientyp=t&oti_tag=Studie

In 3 Schritten zu fokussierter Handy-Nutzung (kostenloses Download) - Mit diesen Fragen analysierst du deine Gewohnheiten. Was ist positiv und hilfreich? Und welche nervigen oder zeitraubenden Angewohnheiten würdest du gerne wieder loswerden? https://www.smartphonecoach.org/3schritte

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Was ist Smartphone Sprechstunde:
Raus aus der digitalen Überforderung. Rein in die digitale Selbstbestimmung. Wir helfen Familien dabei, den Alltag mit Handy & Co. souverän zu steuern.

Smartphonecoach Andrea Buhl-Aigner und Host Niki Löwenstein ergründen Mechanismen, Gefahren und Vorteile von smarten Geräten. Dabei stützen wir uns auf wissenschaftliche Erkenntnisse und persönliche Erfahrungen.

Ohne Panikmache oder Technik-Bashing: Bei uns gibt es unterhaltsame Gespräche mit alltagstauglichen Tipps, damit smarte Geräte in Familien wieder zu dem werden, was sie sein sollen: praktische Helfer statt Aufmerksamkeitsvampire.





SPEAKER_02

Ich glaube, ich beginne zu merken, was ich brauche wirklich und was ich nicht brauche. Ich glaube auch, dass ich am Anfang vielleicht so ein kleines Entzugsgefühl haben werde. Du hast gerade vermutet, eine Stunde warst du im Handy. Wie viel genauer die Stunde? Ich finde ich hab's nicht ganz gut geschafft. Ja, mein Handy verändert irgendwie mein Leben.

SPEAKER_04

Wie ist das Leben eigentlich so ganz ohne Smartphone? Tausende Kinder in ganz Österreich wissen das jetzt. Sie haben das Experiment gewagt und im März 21 Tage lang ihr Smartphone abgegeben. And when we Handy-Experiment hören, na dann sind wir natürlich dabei. Ganz klar, die Smartphone-Sprechstunde hat mitgemacht. Willkommen dazu. Smartphone-Sprechstunde. Orientierung im digitalen Wahnsinn. Der Podcast für Familien, die im Bildschirmstress den Durchblick behalten. Handy weg, Mikrofon an. Uns erzählen in dieser Folge drei Kinder im Unterstufenalter, wie es ihnen dabei ergangen ist. Und zwar bevor es losgeht, mittendrin und am Tag, als sie ihr Handy zurückbekommen haben. Und spoiler alert, auch ich habe gleich die Chance genutzt und drei Wochen lang Social Media Entzug gemacht mit zwei überraschenden Erkenntnissen. Ich bin Niki Löwenstein, euer Host, Interviewerin und Mami. Und ich begrüße die beste Begleitung für dieses Experiment weit und breit. Smartphone Coach Andrea Bohleigner. Hi!

SPEAKER_01

Hallo, schön, dass du uns wieder zuhörst.

SPEAKER_04

Liebe Andrea, erzähl uns doch mal die wichtigsten Eckdaten des Handy-Experiments. Das fand ja jetzt schon zum zweiten Mal statt. Was wissen wir darüber?

SPEAKER_01

Das erste Mal war 2025 eine kleine Gruppe in einem Gymnasium in Gensendorf. Der Fabian Scheck, ein Biolehrer, hat es erfunden. Und es war so erfolgreich, dass ganz viele Schulen sich gewünscht haben, das nachzumachen. Das ganze Experiment wurde wieder vom ORF begleitet und das Anton Brocksch-Institut hat eine Studie gemacht. Das bedeutet, alle, die mitmachen und alle, die sich angemeldet haben, werden dreimal befragt und nachher bekommen wir Zahlen, was passiert ist, wie es den Leuten gegangen ist, was es tatsächlich für Auswirkungen gehabt hat. Also es wird wirklich gut wissenschaftlich betreut und es wird eine richtige Studie geben nachher. Was wir heute schon wissen, ist, es gab für die Wiederholung des Handy-Experiments heuer insgesamt 72.000 Anmeldungen. Eine ganz fantastische, großartige Zahl. Wir wissen nicht genau, ob die tatsächlich alle mitgemacht haben, wie viele es tatsächlich am Ende waren, werden wir noch erfahren. Und es waren heuer nicht nur Schulen aus Österreich dabei, sondern auch aus Deutschland, aus der Schweiz, aus Italien und aus Liechtenstein. Also es hat richtig große Kreise gezogen. Es waren richtig viele Schulen angemeldet. Und ja, die Eckdaten sehen so aus. Es geht darum, drei Wochen aufs Smartphone zu verzichten. Das bedeutet, andere Geräte, so wie Laptops oder der Fernseher oder das Tablet sind davon nicht betroffen. Es geht wirklich ums Smartphone.

SPEAKER_04

Wer wollte, konnte ja auch auf ein Tastenhandy zurückgreifen und umsteigen. Das ist wichtig, weil für viele geht es ja nicht, gar nicht mehr erreichbar zu sein.

SPEAKER_01

Genau. Also telefonieren war weiterhin erlaubt und auch SMS-Schreiben, damit ein halbwegs normaler Alltag auch möglich sein konnte. Aber es ging darum, das Smartphone tatsächlich runterzufahren. Was heuer auch anders war als letztes Jahr, es gab so eine Art Leitversion. Weil man bei der ersten Gruppe gemerkt hat, es war einfach von manchen Alltagssituationen her schwierig, das durchzuhalten oder es gibt vielleicht Funktionen, die gar nicht so einfach ersetzt werden können. Deshalb war es heuer auch möglich, als Leitversion teilzunehmen, also trotzdem das Smartphone zu behalten, aber mit eingeschränkten Funktionen und mit voreingestellter Bildschirmzeit zu nutzen.

SPEAKER_04

An dieser Stelle ein großes Shoutout an Millie, Julius und Lotti. Das sind nämlich unsere Testimonials. Drei Elfjährige aus Wien, die sich freiwillig dazu entschieden haben, bei diesem Experiment mitzumachen und auch zu uns ins Interview zu kommen. Was erwartest du denn? Was werden die größten Herausforderungen für die drei sein?

SPEAKER_01

Wir wissen ja aus Studiendaten, dass die Bildschirmzeit bei den meisten Jugendlichen ab 12 oder 13 Jahren ganz massiv ansteigt und dass die Teenager da relativ schnell auch sehr starke Gewohnheiten entwickeln. Die extremsten Zeiten sehen wir dann bei den 15- bis 16-Jährigen. Die drei sind ja jetzt noch etwas jünger und verwenden ihre Handys noch nicht so lange. Mal sehen, vielleicht hilft ihnen das. Ich bin auch schon gespannt.

SPEAKER_04

Also du sagst, das sind quasi die Beginner in der Handynutzung und ein paar Jährchen später, da werden sie schon viel angefixter.

SPEAKER_01

Ja, genau, die sind gerade in dem Alter, wo die Handynutzung bei vielen ganz stark zu steigen beginnt. Und wenn die vor diesem Alter vielleicht schon so ein Experiment machen, dann steigen die Chancen, dass die daraus noch ganz andere Kenntnisse mitnehmen können und dass die dann noch davor erwischt werden, dass sie noch gar nicht so starke Gewohnheiten haben und dass sie das vielleicht gar nicht so sehr stört. Deine Tochter ist jetzt zwölf.

SPEAKER_00

Das kann man schon sagen, ist heute ein eher späterer Zeitpunkt für das erste Smartphone. Wenn wir uns ansehen, wann die meisten Kids das erste Handy bekommen, ist das bei vielen schon in der Volksschule. Sie ist jetzt zwölf, aber bald ist sie ein Teenager und dann wird sie auch irgendwann anfangen, sich in der Entwicklung von euch zu entfernen. Das heißt, euer Zusammenleben wird sich verändern und da werden auch noch ganz andere Themen dazukommen. Was glaubst du, werden sie am meisten vermissen? Puh, die Spiele.

SPEAKER_04

Ich glaube, ich tippe auf die Spiele. Ja, da muss man plötzlich wieder zum Mensch, ärgere dich nicht greifen, oder? Oder die UNO-Karten abstauben. Ich habe mich ja gleich dran gehängt und habe drei Wochen lang, sogar ein bisschen länger, auf Instagram und Facebook komplett verzichtet. Das sind meine Social Media Apps, die doch immer wieder laufen, und zwar stundenlang teilweise. Und ich habe ganz schön gestaunt, was dabei rausgekommen ist. Darüber sprechen wir aber noch etwas später. Ich würde sagen, lassen wir doch zuallererst mal die Kinder zu Wort kommen, oder? Ja, hören wir rein. Eine kurze Erklärung. Die Lotti, die ihr gleich hört, das ist meine Tochter, die ganz Feuer und Flamme war, als sie gehört hat, das Experiment wird wiederholt. Sie wollte unbedingt mitmachen. Deshalb habe ich das Ganze auch aus aller nächster Nähe mitbekommen. Und bevor die Handys in der Schule weggesperrt wurden, haben sie im ersten Interview gleich mal für eine Überraschung gesorgt. Die Handys, da waren sie nämlich noch mit dabei. Hört mal selbst rein. Mädels, Lotti, Millie, heute ist ein Samstag. Nächste Woche geht's dann los. Da startet die Handy Challenge. Wie lange seid ihr heute denn schon, seid's ehrlich, am Handy gehangen? Lotti.

SPEAKER_03

Ich vermute eine Stunde. Also ich kann theoretisch auch nachschauen, soll ich nachschauen? Ja, schau mal nach. Schau nach.

SPEAKER_04

Ihr müsst das Handy jetzt holen, gell?

SPEAKER_02

Ich habe meine so hoch.

SPEAKER_04

So, komm her. Lotti, du hast gerade vermutet, eine Stunde warst du am Handy. Ich war fünf Stunden am Handy. Nein.

SPEAKER_02

Wie viel genau, Lotti? Fünf Stunden und 42 Minuten.

SPEAKER_04

Du warst fast sechs Stunden heute am Handy und dein Zeitgefühl hat gesagt, eine Stunde, was ist passiert?

SPEAKER_03

Tatsächlich, ich weiß nicht genau, also wir haben wieder gehört damit ein Hörspiel. Die Emilie und ich haben auch ein bisschen Roblox gespielt. Und ich vermute, das ging dann in meinem Zeitgefühl eigentlich viel so kürzer. Aber es ist jetzt einfach.

SPEAKER_02

Millis. Wie lange warst du heute am Handy? Ich war 5 Stunden und 26 Minuten online. Ich schaue gerade direkt genau nach, was in welchen Spielen ich wie viel online war. Ich bin so ein bisschen später aufgestanden, also so um 10. Und da habe ich eigentlich schon direkt angefangen, so Shorts zu schauen. Das ist so ungefähr dreieinhalb Stunden.

SPEAKER_04

Lotti, erzähl mal, warum hast du dich denn dazu entschieden, bei der Handy-Challenge mitzumachen? Ihr seid ja alle gefragt worden in eurer Klasse und das war komplett freiwillig. Warum machst du mit?

SPEAKER_03

Ich wollte es unbedingt mal ausprobieren, wie ich so schaffe ohne Handy. Und ob ich vielleicht danach schaffe, weniger Sachen heimlich am Handy zu machen, dass ich einfach mehr Freizeit noch habe, weil ich habe ziemlich wenig Freizeit. Aber ob das auch am Handy liegt, dass ich denke, dass ich wenig Freizeit habe.

SPEAKER_04

Du hast gerade gesagt, heimlich am Handy was machen. Was machst du denn so heimlich und warum?

SPEAKER_03

Während ich am Klo bin, spiele ich zum Beispiel manchmal. Warum machst du das heimlich? Ich sag's euch dann eigentlich fast immer danach. Aber ich mach's heimlich, weil würde ich zum Beispiel jetzt fragen, hey Mama, Papa, darf ich jetzt ein bisschen Roblox spielen? Kann sein, dass ihr nicht Nein gesagt hättet, aber während ich am Klo bin, dann so sitzen oder mache ich lalalal.

SPEAKER_04

Wird sehr langweilig sein für mich. Was würdet ihr sagen im Alltag, wer von euch beiden benutzt das Handy länger? Milly. Ja, ich.

SPEAKER_02

Milly, warum hast du dich dann dafür entschieden, bei der Handy-Challenge mitzumachen? Am Anfang habe ich mir gedacht, das ist richtig dumm und ich möchte es überhaupt nicht machen. Aber als dann ein paar von meinen Freundinnen angefangen haben, ja zu sagen, habe ich mir richtig darüber Gedanken gemacht und dann bin ich halt zu dem Entschluss gekommen, dass es vielleicht cool wäre, mal zu schauen, wie ich das schaffen könnte und so mir selbst eine Challenge zu stellen.

SPEAKER_04

Würdet ihr sagen, kennt ihr Menschen, es müssen jetzt gar keine Kinder sein, auch Erwachsene, die ihr als handysüchtig bezeichnen würdet?

SPEAKER_03

Ja, sehr, sehr viele. Sehr viele, wow. Also aus meiner Familie ein paar, von Freunden, von Mitschülern. Ja, da sind schon ein paar Handysuchdis dabei.

SPEAKER_02

Ich kenne auch ein paar von meinen Freundinnen, die einfach selber kein Handy haben. Aber wenn sie ein Handy hätten, wären sie 24,7 auf diesem Handy. Da kenne ich eine Person und sie fragt ihr jedes Mal, wenn wir gemeinsam in der U-Bahn fahren, ob sie mein Handy benutzen kann. Und dafür bekomme ich, keine Ahnung, Kaugummis oder sowas. Bestechung. Da ist sie richtig großzügig, sie kriegen ja richtig viele Kaugummis, aber dafür ist sie halt auch die ganze Zeit in der U-Bahn auf meinem Handy und das richtig abgelenkt. Was glaubt ihr, wird sich ändern, wenn ihr jetzt drei Wochen lang kein Smartphone habt?

SPEAKER_03

Ich glaube, ich beginne zu merken, was ich brauche wirklich und was ich nicht brauche. Zum Beispiel, ich glaube, Musik und Nachrichten brauche ich auf jeden Fall, ChatGPT und Safari auch. Aber ich glaube, ich merke auch, wie gut ich ohne Roblox auskomme.

SPEAKER_02

Also ich glaube, was mir am meisten fehlen wird, wäre wirklich Telefon und Nachrichten, weil ich mache es ja ganz ohne Handy. Also ich glaube, am meisten werden mir fehlen Nachrichten oder telefonieren. Aber ich glaube auch, dass ich am Anfang vielleicht so ein kleines Entzugsgefühl haben werde wegen meinen Videospielen oder Online-Plattformen oder sowas. Aber ich glaube, dass es dann nachher besser sein wird und ich nicht mehr so ein Suchtgefühl habe manchmal.

SPEAKER_04

Was glaubt ihr, wenn ihr jetzt nur ein Wort als Antwort nennen dürft, wird euch am meisten abgehen, wenn das Smartphone Futsch ist? Roblox.

SPEAKER_02

Das ist das Einzige, was ich nicht spielen kann. Shorts. Ich bin nämlich in der letzten Zeit irgendwie in einer kleinen Sucht für Shorts. Meine Eltern finden das auch nicht gut.

SPEAKER_04

Würdest du dir wünschen, dass deine Eltern und deine Mutter führt dir gerade dieses Interview, also ich lausche ganz gut. Würdest du dir wünschen, dass wir auch mitmachen?

SPEAKER_03

Ich weiß nicht. Einerseits finde ich es auch relativ cool, weil du liegst manchmal im Bett und beginnst einfach Instagram zu schauen.

SPEAKER_04

Man kann sich ja eine eigene Version basteln. Vielleicht können wir sagen, ich darf das Handy nur an einem bestimmten Ort verwenden. Und das Bett gehört definitiv nicht dazu. Da geht man immer auf den Ort. Ihr quatscht ja immer total viel, ihr telefoniert viel miteinander, gell? Wie macht ihr das denn?

SPEAKER_02

Meine Eltern hatten heute eine Idee, dass wir vielleicht über Festnetz ein bisschen reden können. Wir haben überhaupt kein Festnetzt-Telefon. Die Lotti macht es ja mit Klapp-Handy und da könnten wir das irgendwie so verbinden wahrscheinlich. Oder ihr beginnt euch so Postkarten hin und her zu schicken.

SPEAKER_04

Ja, bitte mir auch. Die letzte Frage für heute, bevor die Handy-Challenge startet, vervollständigt bitte folgenden Satz.

SPEAKER_03

Mein Smartphone bedeutet für mich Ablenkung, wenn ich gerade langweilig ist und ich nur kurze Zeit habe.

SPEAKER_02

Für mich bedeutet es eigentlich ein Zeitvertreiber. Auch eine große Ablenkung. Also ich kann nicht einen normalen Alltag, den ich gerne hätte führen, ohne dass mein Handy irgendwo bei mir ist. Und ja, mein Handy verändert irgendwie mein Leben.

SPEAKER_04

Ich bin sehr gespannt, was ihr mir erzählt, wenn wir uns in ein paar Tagen wieder treffen. Und zwar dann ohne Handy.

SPEAKER_01

Das war der erste Einblick davor, noch bevor die Handys abgedreht wurden. Mein Handy verändert mein Leben. Ich kann meinen Alltag gar nicht so führen, wie ich möchte. Das sind ja schon ganz schön intensive Aussagen. Echte Brummer. Wir merken da schon. Also ganz am Anfang, sie schauen ihre Zeiten nach im Handy und schätzen gleich mal ihre eigene Zeit massiv zu niedrig ein. Das ist übrigens was, was uns Erwachsenen auch passiert. Die meisten Menschen schätzen ihre Handyzeit zu niedrig ein, wenn man sie fragt. Ich denke mir immer, ist es jetzt eine sozial erwünschte Antwort? Klingt das gut, wenn ich jetzt der Mama über dem Interview sage, ich war heute eine Stunde am Handy, oder hat sie es tatsächlich viel zu niedrig eingeschätzt?

SPEAKER_04

Ich glaube, sie waren wirklich überrascht, so wie ich das mitbekommen habe. Und auch wenn ich meine eigene Handyzeit immer wieder überprüfe, bin ich eigentlich jedes Mal wieder überrascht und merke dann, ich rechne im Kopf irgendwie die Zeit, die ich so für Organisationszeug brauche, wenn ich im Kalender bin oder ein Mail checke oder so. Das rechne ich irgendwie raus, weil das ist Zeit, die ich tatsächlich nütze. Weißt du, damit arbeite ich. Und irgendwie so nur dieses Verlorene und Herumscrollen, das ist für mich die Zeit, die im Bewusstsein ist. Und das eine übersteigt das andere natürlich dann doch massiv.

SPEAKER_01

Ja, ich kann meine Zeit relativ gut schätzen, aber auch nur, weil ich sehr, sehr lange so ein Tool hatte, das mir wirklich jeden Abend eine Benachrichtigung geschickt hat mit so einer Auflistung. Das war heute deine Handyzeit, du hast so viele Minuten in WhatsApp verbracht, du warst so lange auf Instagram und dann lernt man das so über die Zeit. Aber es ist sonst wirklich tatsächlich relativ schwer, das genau zu schätzen. Ah, das ist aber cool.

SPEAKER_04

Quasi andere Check-in-Börsenkurse und du hast am Ende des Tages dann noch einmal deine Handy auflistet.

SPEAKER_01

Mein spannendes Hobby ist, ich sehe mir meine Handyzeit an. Mit Action Dash habe ich das gemacht. Ganz praktische App dafür übrigens. Ja, die haben sich mal zuerst falsch eingeschätzt. Was haben wir noch gehört in dieser Vorausschau auf das Experiment? Die Lotti hat gemeint, sie vermutet, sie wird dann einige Sachen, die sie sonst heimlich macht, gar nicht mehr machen. Das fand ich interessant.

SPEAKER_04

Ich auch.

SPEAKER_01

Ja, war das neu für dich?

SPEAKER_04

Also ich habe mir schon manchmal gedacht, dass diverse Türen sehr lange verschlossen sind und ich nicht sicher bin, was dahinter genau passiert. Hab es aber dann eigentlich noch viel cooler gefunden, dass sie mir das einfach so gesagt hat. Also mir ist lieber, sie macht was heimlich und erzähl es mir dann, als sie erzählt es mir nicht. Das ist nicht die Mega-Kenntnis.

SPEAKER_01

Dann haben sie ja auch vermutet, vielleicht haben wir überhaupt mehr Freizeit, wenn wir das Handy nicht dauernd verwenden. Weil als du sie gefragt hast, was bedeutet das Handy jetzt gerade für dich im Leben, was ist das jetzt gerade für ein Gerät für dich, haben sie ja beide gesagt, ja, das verwende ich, um mich abzulenken und das verwende ich, wenn mir langweilig ist. Also das finde ich schon ganz spannend. Sie haben durchaus da schon Einschätzungen, wo wir vermutlich drauf kommen werden, dass ein Teil davon zutrifft. Sehe ich in Schulklassen auch ganz, ganz häufig, dass die Kinder sich total richtig einschätzen und dass die genau wissen, was Sache ist und dass die auch ihr Verhalten mit einem Blick von außen auch richtig beurteilen in der Regel.

SPEAKER_04

Was ich auch spannend gefunden habe, das ist so zwischen den Zeilen eigentlich durchgekommen, weil die Millie hat ja gemeint, sie hat das am Anfang ganz komisch gefunden und sie hatte überhaupt nicht vor, da irgendwie mitzumachen. Und dann haben aber die Freundinnen mitgemacht, huch, war der Gruppendruck da und war sie doch plötzlich mit von der Partie. In dem Fall ja hin zu etwas Gutem, nämlich eben zu diesem Experiment. Aber diese Peergroups und der Gruppendruck und das Vormachen innerhalb der Freundeskreise ist auch da ein großes Thema und schwingt immer mit.

SPEAKER_01

Auf jeden Fall. Die Gruppendynamik ist ein ganz, ganz wesentliches Element von dem Handy-Experiment. Das höre ich auch aus vielen Schulen, mit denen ich dazu gesprochen habe, die sagen, ja, es beginnt immer so, dass entweder eine Lehrkraft oder eine kleine Anzahl Schülerinnen sagt, wir möchten gerne dieses Experiment ausprobieren und können wir das auch nachmachen. Und dann gibt es am Anfang mal Diskussionen, dann gibt es ganz viele, die sagen, na, überhaupt keine Lust, so wie die Millie auch gesagt hat, na, am Anfang fand ich es eigentlich dumm, aber dann, je mehr Leute mitmachen und je mehr von meinen Freundinnen oder Freunden dann mitmachen, desto wahrscheinlicher entschließe ich mich dann selbst auch mitzumachen bei dem Experiment. Ja, ganz wichtiger Faktor, Gruppendynamik.

SPEAKER_04

Und gerade die Millie, die am meisten am Handy eigentlich gehangen ist, war dann am radikalsten und hat gesagt, naja, aber dann so richtig. Ganz ohne Klapphandy. Und wie mache ich das eigentlich? Wie erreiche ich die Menschen?

SPEAKER_00

Genau. Wenn schon, denn schon. Bei der Millie geht es von einem Extrem ins andere. Aber Achtung, es gibt, wenn man das Handy ganz radikal aufgibt, schon ein paar Dinge im Alltag, die man vorausplanen muss, damit es dann keine Überraschungen gibt. Die Geräte sind tief in unseren Gewohnheiten verankert. Es ist gar nicht so leicht, das einfach so zu ersetzen. Da muss man sich schon richtig Gedanken machen, damit das dann reibungslos klappt.

SPEAKER_04

Ich spoiler mal, es ist keine Brieftaube geworden. Ich habe nämlich gewusst, wer da den Dreck wegmachen muss. Wollen wir mal weiter reinhören? Wir springen zu dem Zeitpunkt, als das Handy abgegeben wurde. Das ist in der Schule passiert. Es gab da so einen kleinen Tresor oder eine Kiste. Da sind die Handys reingesperrt worden und an dem Tag sind die Mädels dann und auch die Burschen aus der Klasse, die mitmachen wollten, ohne Handy wieder nach Hause geschickt worden. Und zehn Tage later habe ich sie geschnappt und we have uns wieder hingesetzt. Emilie hat mir eine Sprachnachricht geschickt. Natürlich nicht mit ihrem Handy, sondern mit dem von ihrer Mama. And dafür kommt jetzt ein neuer Teilnehmer ins Spiel, nämlich der Julius. Der hat das auf seine ganz eigene Weise gemacht. Lass uns reinhören.

SPEAKER_02

Hallo, ich bin Emily und ich wollte nur Bescheid sagen, wie es mir so im Handyxperiment geht. Ja, eigentlich geht es mir sehr, sehr gut. Aber was mir halt ein bisschen fehlt, ist halt das Telefonieren und die Nachrichten schreiben. Aber so etwas wie Roblox, YouTube oder andere Spiele vermisse ich überhaupt nicht. Also da geht es mir sehr, sehr gut. Und ja. Tschüss!

SPEAKER_04

Zehn Tage ohne Smartphone sind vorbei. Wir sitzen wieder zusammen. Lotti, wie geht's dir denn? Wie war die Zeit für dich?

SPEAKER_03

Eigentlich ging es bis jetzt ziemlich leicht. Ich habe ein bisschen YouTube vermisst, aber sonst war es voll okay für mich.

SPEAKER_04

Und heute sitzt die Millie gar nicht bei uns, sondern ein anderer Schulkollege, nämlich Hallo, wer bist denn du? Hallo, ich bin der Julius. Und du machst auch mit. Allerdings hat sich bei dir was geändert in den letzten Tagen. Erzähl mal.

SPEAKER_02

Ich finde, ich hab's nicht ganz gut geschafft mit dem das Handy gar nicht haben, weil es war schwer, andere Leute zu kontaktieren, Dinge auszumachen, wie Treffen oder so. Deswegen musste ich jetzt doch auf die Version wechseln, wo ich jetzt Nachrichten und Telefon machen kann.

SPEAKER_04

Was hat sich denn positiv für euch verändert, seitdem das Smartphone keine Rolle mehr im Alltag spielt?

SPEAKER_03

Also bei mir hat sich sehr positiv verändert, dass ich gemerkt habe, was ich brauche und was ich nicht brauche. Ich brauche Musik, ich brauche Nachrichten. Aber ich brauche Roblox zum Beispiel brauche ich nicht, YouTube bräuchte ich auch nicht, ich vermisse es aber schon.

SPEAKER_04

Julius, was ist an deinem Leben besser, seitdem das Handy nur mit zum Telefonieren und zum Nachrichtenschreiben da ist?

SPEAKER_02

Ich finde, ich habe besser Zeit, mich mit Freunden zu treffen und mehr Sport und andere Aktivitäten draußen zu machen.

SPEAKER_04

Wir sind jetzt bei der Halbzeit angekommen. Einige Tage liegen noch vor euch. Was erwartet ihr?

SPEAKER_02

Ich glaube, dass es schon noch schwer wird, das zu überstehen, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass das jetzt mit dieser Lite-Version, also nur telefonierende Nachrichten, sehr gut schaffen wird. Gibt es ja gar keine Verlockung, dass das Handy sagt, Julius, spiel mit mir. Ja, schon ein bisschen, aber ich glaube, ich werde das schaffen, zu überwinden.

SPEAKER_04

Bitte vervollständigt wieder den Satz vom ersten Interview. Mein Smartphone bedeutet jetzt gerade für mich eigentlich nichts.

SPEAKER_02

Ja, für mich auch ziemlich wenig. Momentan gerade eigentlich, ja.

unknown

Cool.

SPEAKER_04

Dann wünsche ich euch noch gutes Gelingen, dass das Smartphone möglichst in der Lade bleibt, oder? Ja. Oder in der Schultasche weggepackt. Ja, liebe Andrea, das waren die ersten zehn Tage ohne Smartphone. Die Kinder haben uns mitgenommen in ihren doch neuen, ungefähr Gewohnten Alltag und da waren einige spannende Erkenntnisse dabei, oder? Was ist dir aufgefallen?

SPEAKER_01

Und das fand ich schon ganz interessant, weil da hat man schon nach einigen Tagen gehört, die Bedeutung von dem Gerät ist relativ rasch gesunken. Sie haben auch schon gemerkt gehabt, sie haben mehr Zeit für ihre Freundinnen und Freunde. Und ja, sie haben gesagt, manches ist komplizierter, aber es waren jetzt tatsächlich keine Themen dabei, die nicht irgendwie lösbar waren. Sie hatten schon ein paar Apps identifiziert, wo sie gemerkt haben, das stiehlt mir sonst sehr viel Zeit. Und eigentlich vermisse ich das gar nicht so richtig oder viel weniger, als ich gedacht hätte. Das waren so Apps wie Roblox oder YouTube. Ganz am Anfang vor dem Experiment war, glaube ich, auch mal von ChatGPT die Rede. Davon habe ich jetzt gar nichts mehr gehört, dass das irgendwie fehlen würde im Alltag. Das ist gar nicht mehr vorgekommen. Und ja, sie konnten schon relativ gut formulieren, dass sie spüren, was sie wirklich brauchen. Und eigentlich Nachrichten und Musik hören, die wichtigeren Dinge waren. Und die Spiele und die Apps waren gar nicht mehr so im Vordergrund. Und keine Entzugserscheinungen. Das fand ich auch sehr positiv. Keiner der beiden hat gesagt, dass sie irgendwie Kopfschmerzen oder Schlafstörungen oder irgendwelche nervösen Zustände gehabt hätte, weil das Handy nicht da war. Das ist sehr positiv.

SPEAKER_04

Stimmt, körperlich ist den Mädels bis jetzt gar nichts aufgefallen. Aber wird das so bleiben? Wir verraten es gleich im zweiten Teil des Handy-Experiments in der Smartphone-Sprechstunde. Dann kommen die Kinder zu Wort, nachdem sie ihre Smartphones wieder zurückbekommen haben. Diese Folge könnt ihr übrigens direkt weiterhören. Sie ist nämlich auch schon online. Und wenn ihr dabei seid, dann gebt uns doch sehr gerne fünf Sterne. Hinterlasst eine Rezension, hinterlasst uns einen Kommentar, schaut auf unserer Website www.smartphone-sprechstunde.at oder schreibt uns auf Insta. Eure Nachrichten erreichen uns, euer Feedback ist uns wichtig. Und jetzt klickt ihr am besten gleich weiter zur nächsten Folge, denn wir begleiten euch durch den digitalen Wahnsinn.

SPEAKER_00

Ja, danke an Lotti, Millie und Julius fürs Mitnehmen ins Handy-Experiment. Ich bin auch schon sehr gespannt, wie das Fazit der Kinder nachher ausfällt. Und vor allem auch, Niki, wie es dir gegangen ist, ohne Insta und Co. Es bleibt spannend. Wir hören uns gleich in Teil 2.