Smartphone Sprechstunde

#9 Das 1. Handy für dein Kind - Regeln, Timing & Tipps für Familien

Niki Löwenstein & Andrea Buhl-Aigner Season 1 Episode 9

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Dieses Mal wird es sehr persönlich: Niki lässt uns bei der Familienbesprechung rund ums erste Smartphone für ihre Tochter mithören. Dabei wird besprochen, warum Regeln immer ein gemeinsames "Warum" brauchen und Handyzeit sowas von relativ ist.

In dieser Folge geht es darum, wie man sich als Familie an die ersten smarten Geräte herantastet: Wann ist der beste Zeitpunkt für das erste Smartphone? Smartwatch für Kids – genial oder fatal? Und welche Regeln machen Sinn, bevor das erste smarte Ding einzieht?

Spoiler Alert! Andrea empfiehlt in der Episode: Gib deinem Kind auf keinen Fall eine Smartwatch (außer, es wandert allein durch Australien). 

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Das nimmst du aus dieser Episode mit:

  • Der beste Zeitpunkt für ein Smartphone
  • Fragen, die du vorher klären solltest
  • Regeln, die Sinn machen
  • 3 wirklich gute Gründe für eine Smartwatch

Kapitel
1:48 Andreas erstes Handy, das auch ihrer Schwester gehörte 

3:15 Wann ist der beste Zeitpunkt für das erste eigene Smartphone?

3:50 Eltern, die Eltern Druck machen

5:14 Alternativen zum Smartphone und “Wenn was passiert”

7:42 Smartwatch für Kinder als “einfacher Einstieg”?

10:36 Was besprichst du, BEVOR das Handy kommt?

13:54 Handy-Talk beim Frühstück

17:17 Vertrauen als Basis für Gespräche

18:15 Die zwei wichtigsten Fragen

23:50 Die Regeln

30:59 Wo endet dein Handlungsspielraum?

34:33 Soforthilfe bei Schockinhalten

35:19 Die wichtigsten Ratschläge für den Handystart und 3 Tipps zum Mitnehmen

Links & Studien aus der Episode:

Wieviel Handyzeit ist okay? Das empfehlen Expertinnen:
Bis zum 9. Lebensjahr maximal eine halbe Stunde Handyzeit pro Tag und für 10- bis 14-Jährige maximal eine Stunde pro Tag. 

Bildschirmzeitempfehlung von Klicksafe.de

Für alle älteren Kinder und auch für Erwachsenen empfehlen  Medizinerinnen und Psychiaterinnen maximal zwei Stunden am Tag im Durchschnitt.

Empfehlung von Klicksafe.de für 12-16-Jährige

Checkliste “Erstes Handy für dein Kind”
smartphonecoach.org/ersteshandy 

Checkliste “Smartwatch für Kinder - Fluch oder Segen?”https://www.smartphonecoach.org/smartwatch-fuer-kinder-fluch-oder-segen/ 

Lass von dir hören!
Was möchtest du wissen? Welche Erfahrung kannst du teilen? Welche Themen sollen wir als nächstes besprechen?
Schreib uns gerne direkt auf www.smartphone-sprechstunde.at oder über Instagram https://www.instagram.com/smartphonesprechstunde/

Was ist Smartphone Sprechstunde:
Unser Podcast erscheint jeden Donnerstag: Raus aus der digitalen Überforderung. Rein in die digitale Selbstbestimmung. Wir helfen Familien dabei, den Alltag mit Handy & Co. souverän zu steuern.

Smartphonecoach Andrea Buhl-Aigner und Host Niki Löwenstein ergründen Mechanismen, Gefahren und Vorteile von smarten Geräten. Dabei stützen wir uns auf wissenschaftliche Erkenntnisse und persönliche Erfahrungen.

Ohne Panikmache oder Technik-Bashing: Bei uns gibt es unterhaltsame Gespräche mit alltagstauglichen Tipps, damit smarte Geräte in Familien wieder zu dem werden, was sie sein sollen: praktische Helfer statt Aufmerksamkeitsvampire.

Schick uns eine Nachricht!

SPEAKER_01

Da alle mal leise.

SPEAKER_00

Hallo meine lieben Leute. Herzlich willkommen zu meinem YouTube-Kanal. Heute machen wir meine Handyregeln.

SPEAKER_01

Ich weiß nichts von dem YouTube-Kanal.

SPEAKER_00

Okay.

SPEAKER_02

Smartphone Sprechstunde. Orientierung im digitalen Wahnsinn. Der Podcast für Familien, die im Bildschirmstress den Durchblick behalten. Du bist bereit? Ich bin bereit. Weißt du was?

SPEAKER_03

Das Handy könnte ich noch auf lautlos drehen. Meins liegt so außerhalb vom Blickwinkel, aber es ist in der Nähe.

SPEAKER_02

Streber, Streber. Okay. Dann sage ich: Das erste eigene Handy. Für Kinder oft ein inniger Wunsch, für Eltern ein ziemlicher Spagat. Damit das Smartphone nicht seine guten Freunde, Kontrollverlust und Dauerstreit mit in euer Zuhause bringt, sprechen wir heute drüber. Welche Fragen solltest du vor dem ersten Handy stellen und welche Regeln machen den Staat leichter? Ja, genau das frage ich mich auch selbst gerade als Mami. Meine Tochter ist nämlich gerade zwölf Jahre alt geworden und hat ihr erstes Handy zum Geburtstag bekommen. Ich bin euer Host Niki Löwenstein und ich freue mich sehr, dass Smartphone Coach Andrea Bohleigner an meiner und eurer Seite steht. Hallo Andrea!

SPEAKER_03

Hallo Niki, jetzt geht's los bei euch zu Hause, oder?

SPEAKER_02

Und hallo an alle, die uns zuhören. Zum Glück begleitest du uns und auch die Hörerinnen und Hörer. Aber sag mal, Andrea, zu Beginn, kannst du dich an dein erstes Handy erinnern?

SPEAKER_03

Mein erstes Handy war nicht mein erstes Handy, sondern war unser erstes Handy, weil ich habe eine Zwillingsschwester. And meine Eltern haben, glaube ich, ich glaube mein Vater hat über irgendeinen Arbeitskontext irgendwo ein Handy geschenkt bekommen. Das war ein Quietsch, Limettengrünes, Alcatel, One Touch, Easy Dual-Band-Handy, falls sich jemand an die Werbung erinnert. Und ich glaube, unsere ganzen Klassenkolleginnen und Kollegen hatten schon Handys, die waren eher so Nokia 3210 mit viel Snake und so. Und mein Vater hat dann beschlossen, ja, das Handy könnt ihr mal haben. Aber ich muss euch, glaube ich, nicht sagen, dass ein Handy zu zweit zu besitzen nicht unbedingt Freiheit bedeutet und neue Möglichkeiten, sondern eher gerade bei Zwillingen, die gerade Teenys sind, möglicherweise ein paar Konflikte heraufbeschwört.

SPEAKER_02

Das ist eine totale Foltermethode. Stell dir das heutzutage vor. Zwei Kinder, ein Handy, viel Spaß. Wer überlebt? Mein erstes Handy, weil du jetzt gerade gesagt hast, Nokia, ich habe mir bis jetzt eingebildet, es war ein Motorola, aber es war natürlich ein Nokia und zwar in einem Silbergrau. Und ich weiß noch, als ich das bekommen habe im Jahr, das muss so gewesen sein, 98, glaube ich. Ja, noch in der Unterstufe, habe ich mir gedacht: naja, okay, wozu brauche ich das? Also ganz anders als die Kinder heute, die ja wirklich ein Craving haben, oft schon ab einem ganz frühen Zeitpunkt. Apropos Zeitpunkt, wann ist denn eigentlich der richtige Zeitpunkt für das erste eigene Smartphone?

SPEAKER_03

Ja, danke, dass du Smartphone sagst. Weil wenn wir sagen, wann kommt das erste Handy, ist es vielleicht nicht ganz klar, weil Handy kann ja auch noch was anderes sein, wenn es nur um Anrufen geht oder SMS schreiben oder sich im Notfall melden. Beim ersten Smartphone würde ich mittlerweile sagen, warte solange du kannst. Es gibt tatsächlich bei Kindern, die in der Volksschule sind und bis zu einem gewissen Alter auch in der Unterstufe gibt es eigentlich im Alltag nicht besonders viele Gründe, warum dein Kind jetzt unbedingt ein Smartphone braucht. Die Gründe, die Eltern meistens zu dieser Entscheidung bringen letztendlich, finden häufig im Umfeld statt von dem Kind. Und ganz häufig ist das der Grund, die anderen. Die anderen haben schon alle eins, ich bin ausgeschlossen, ich will auch mitmachen. Man entscheidet sich dann praktisch dafür, weil man muss, weil man nicht möchte, dass das Kind ausgeschlossen ist, dass es mitmachen kann, dass es nicht zu der zentralen Kommunikation im Freundeskreis dann vielleicht keinen Zugriff mehr hat. Das sind bei den allermeisten Eltern die Hauptgründe.

SPEAKER_02

Ich glaube, das kennen viele Eltern, auch die, die wirklich den Druck nicht an sich rankommen lassen und lange warten wollen, diesen Spruch, ja, aber alle haben schon ein klassischer Gruppenzwang.

SPEAKER_03

Klassischer Gruppenzwang. Und auch, muss ich auch dazu sagen, aus der Elternberatung und den Elternabenden und Workshops, weiß ich auch, das ist nicht nur Gruppenzwang bei den Kindern, es gibt auch den Elterngruppenzwang. Also ich höre schon ganz, ganz früh, manchmal bei Babys und digitalen Medien, sein Format für junge Eltern, das ich mache, die noch gerade Kleinkinder zu Hause haben, hat meine Mutter erzählt, in ihrem Freundeskreis wird sie schon fast getisst, weil ihre Tochter mit vier Jahren noch kein eigenes Tablet hat. Und im Freundeskreis hört sie Sachen wie, warum enthältst du ihr das vor? Und das ist so wichtig fürs Lernen und kauft deiner Tochter endlich auch ein Tablet, dann hat sie auch ein, so wie alle hier. Die hat sich total unter Druck gesetzt gefühlt, verständlicherweise.

SPEAKER_02

Was gibt es denn leicht für Alternativen zum Smartphone, wenn man doch irgendwie kommunizieren möchte mit dem Kind?

SPEAKER_03

Also die wichtigste Frage am Anfang ist mal, wozu ist es gedacht? Warum willst du ein Handy oder ein Smartphone anschaffen? Und die meisten sind da bei Fragestellungen rund um Sicherheit oder so diese große Wolke, wenn was passiert. Wenn was passiert, dann wäre es gut, wenn das Kind erreichbar ist. Das kann jetzt alles Mögliche sein im Alltag. Aber es geht uns meistens darum, dass die Kinder irgendeine Möglichkeit haben, sich selber zu melden in einer Ausnahmesituation zum Beispiel.

SPEAKER_02

Aber das ist ja wirklich ganz relevant. Also Freunde haben mir schon erzählt, das Kind steigt einfach einmal in die falsche Straßmannlinie ein und meldet sich dann aus dem Nirgendwo.

SPEAKER_03

Etwas aufgelöst. Genau. Aber dafür brauche ich ja jetzt noch kein Smartphone. Das geht dann eigentlich auch mit einem Tastenhandy, wo vielleicht die wichtigsten drei oder fünf Nummern eingespeichert sind. Und da kann ich SMS schreiben, wenn der Notfall nicht ganz so groß ist und wenn es gerade wirklich dringend ist, kann ich anrufen.

SPEAKER_02

Aber was ich nicht machen kann mit dem Tastenhandy, zumindest wahnsinnig eingeschränkt, ist lustiges Spiele spielen. Entertainment, Ablenkung, Spielen.

SPEAKER_03

Gutes Thema für die erste Entscheidung, Handy oder nicht. Wenn euer Hauptthema Handyspiele ist, also wenn eure Richtung ist, das Handy wird jetzt mal hauptsächlich als Spielzeug betrachtet, dann würde ich euch raten, überlegt es nochmal, ob ihr nicht noch ein bisschen bei tatsächlichem Spielzeug bleiben wollt. Ja, gibt es echt viele Möglichkeiten. Muss man nicht gleich ein smartes, internetfähig Gerät anschaffen, auf dem auch Spiele laufen. Und wenn es tatsächlich um die Bedienung von so einem Gerät geht, dass ihr sagt, ich möchte, dass mein Kind langsam Kontakt kriegt mit smarten Geräten, dann bitte überleg dir, ob du nicht ein Gerät anschaffst ohne Sim-Karte, ohne dauernd verfügbaren Internetzugang. Das Gerät wohnt dann nicht im Kinderzimmer, sondern im Wohnzimmer. Das ist vielleicht nicht gleich das eigene Gerät von deinem Kind, sondern das heißt dann Familienhandy oder Familientablet. Das können alle verwenden und das liegt immer an diesem einen Ort angesteckt. Das sind Möglichkeiten, wie man sich herantasten kann, ohne dass man dem Kind gleich ein komplett funktionsfähiges Gerät in die Hand drückt.

SPEAKER_02

Es gibt ja noch eine Alternative zum Smartphone. Du warst auch in der Schule meiner Tochter zu Gast und hast dort einen Vortrag gehalten. Ich habe dem natürlich begeistert gelauscht. Und als dieses Thema aufgekommen ist, hat der Vater neben mir Schnappatmung bekommen. Das habe ich ganz genau gespürt. Kann mich erinnern, ja. Das Thema Smart Watch. Also so eine Art kleines, gescheites, smartes Kastel, aber halt am Handgelenk. Warum ist das nicht eigentlich total genial? Weil da kannst du das Kind dann noch easier erreichen, wenn sie in der falschen BIM sitzt. Bim für alle Menschen aus Deutschland, die uns zuhören. Hallo an dieser Stelle, das ist die Straßenbahn, die Tram.

SPEAKER_03

Ja, ich bin kein Fan von Smartwatches. Ich sage es euch gleich ganz direkt, ich werde euch niemals eine Smartwatch als langsamen, easy Einstieg in die digitale Welt empfehlen. Ich sage euch auch warum. Aus meiner Sicht ist die Erfahrung mit einer Smartwatch noch um einiges intensiver als mit einem smarten Handy. Wenn wir jetzt zu älteren Jugendlichen schauen, wo wir bei den Gewohnheiten ganz große Schwierigkeiten haben, weil die Geräte einfach immer in der Hosentasche sind und wir uns richtig Impulshandlungen angewöhnt haben, bei Langeweile oder when an ungenehmer situation herrscht, dann ist das bei der Smartwatch noch viel unmittelbarer. This is a Gerät, das trägst du direkt am Körper. Du schnallst sie dir ans Handgelenk. Das heißt, wenn du mit einer Smartwatch unterwegs bist, is sie immer da anderer sichtbar. That is vom Ablenkungsfaktor her fast noch ein bisschen mehr als bei der Smartwatch. Das Smartphone kann ich wenigstens einstecken oder in einer zugezippten Tasche verschwinden lassen oder ich kann sie in einen anderen Raum legen. Aber dass ich untertags mehrmals daran denke, dass ich meine Smartwatch abnehme, weil ich gerade nicht gestört werden will oder weil die mich einfach viel ablenkt, das passiert dann eher nicht. Ich empfehle Smartwatches nur in ganz, ganz bestimmten Situationen. Zum Beispiel, wenn jemand eine medizinische Konstitution hat, wo es notwendig ist, dass man eine Dauerüberwachung trägt. Zum Beispiel Menschen mit Diabetes, Kindern mit Diabetes. Genau. Wo das zum Beispiel dann mit einer App verknüpft ist und das durchaus Sinn macht, weil da Daten überwacht werden, die für den körperlichen Zustand wichtig sind. Oder wenn du ein Mensch bist, der gerne Extremsport an abgelegenen Orten macht und du dabei allein bist, dann ist es sinnvoll, dass du eine Smartwatch trägst, weil falls dir was passiert, kann man dich finden. Oder wenn du vielleicht in fortgeschrittenem Alter, und es gibt so Notfallknöpfe fürs Handgelenk, ja, die Smartwatch könnte noch ein bisschen mehr. Da könnte ich zum Beispiel auch, wenn ich stürze im Liegen, telefonieren damit. Das wäre auch eine Art Notrufmöglichkeit. Aber bitte kauft Kindern keine Smartwatches. Das ist möglicherweise eine viel intensivere technische Prägung, als du im ersten Moment merkst. Ich würde wirklich empfehlen, vor dem ersten Handy, wenn du einen softeren Einstieg willst, dann kauf ein Tastenhandy oder nimm ein altes Tastenhandy, wenn du eines zu Hause hast. Es liegen eh noch so viele von diesen Geräten herum irgendwo. Ist für Kinder auch mal wichtig, mit so einem beschränkten Funktionsumfang umgehen zu lernen. Das sind wertvolle Entwicklungsschritte, unterschätz das nicht.

SPEAKER_02

Okay, und wenn es dann soweit ist und die Entscheidung ist gefallen, das Kind bekommt das erste Smartphone.

SPEAKER_03

Da-da-da-da.

SPEAKER_02

Trommel, Wirbel, Engelsgesang oder Untergangstimmung, wie auch immer. Was ist denn, bevor ich in welchen Laden auch immer gehe, um das zu besorgen, wichtig? Worüber soll ich mir als Mutter, als Vater, als Tante, als Oma, alle, die in diesem Familienverband mitdenken und was zu sagen haben, worüber sollen sich die Gedanken machen? Bei mir persönlich war das gerade der Fall, zwölfter Geburtstag. Und man merkt schon, da zieht irgendwie noch so ein neues Familienmitglied mit ein, ob man möchte oder nicht. Ja.

SPEAKER_03

Das ist tatsächlich so. Das rate ich wirklich, macht euch gut Gedanken und nehmt euch bitte Zeit dafür. Führt vorher ein Gespräch gemeinsam und setzt dich auch mal vielleicht allein hin zu Hause und lasst dir so die wichtigsten Fragen, die ich dir jetzt mitgebracht habe und die wir euch auch in den Shownotes nachher verlinken. Lasst ihr die durch den Kopf gehen, macht ihr vielleicht Notizen, lasst es mal ein bisschen liegen und dann besprecht das gemeinsam. Das ist schon ein Prozess, das sollte man einfach nicht zu schnell machen. Ja, ich habe vor dem ersten Smartphone fürs Kind einfach einen Podcast gestartet zu dem Thema. Ja, gute Idee, ja. Das ist eine ausführliche Vorbereitung. Also, nehmen wir an, ihr habt euch jetzt schon für ein Smartphone entschieden. Das heißt, du hast die ersten Fragen, welchen Zweck soll dieses Smartphone erfüllen für dein Kind? Warum ist es dir wichtig, dass dein Kind ein Smartphone bekommt? Das habt ihr schon geklärt. Und ihr habt euch auch schon überlegt, was macht dir Sorgen, wenn du daran denkst, dass dein Kind so ein Gerät besitzt und bei welchen Themen ist es dir wichtig, dein Kind zu begleiten? Ja, das sind so die ersten Schritte hinein, wo ich mich mal nicht mit dem Gerät an sich beschäftige, sondern wo es tatsächlich um Themen aus dem Alltag geht, wo das Handy zwar eine Rolle spielt, aber es geht jetzt eigentlich um euren Umgang miteinander in der Familie, um Kommunikation, wie sieht unser Leben gemeinsam aus, was ist mir im Familienalltag zu Hause wichtig? Und ganz, ganz wichtige Frage, wie viel Platz willst du diesem neuen Smartphone im Leben eigentlich geben? Du merkst jetzt wahrscheinlich schon, wenn du mit solchen Fragen anfängst, hast du dir eigentlich diese Fragen schon mal für dich selbst überlegt, für dein eigenes Handy und vielleicht dein Partner oder deine Partnerin oder andere Familienmitglieder, die da wohnen, die auch solche Geräte nutzen. Da kommen ganz viele drauf, ups, über die Jahre haben sich die Geräte angehäuft im Familienumfeld, die sind überall im ganzen Wohnraum, die dürfen in jedes Zimmer rein, vielleicht sogar. Und man hat sich nie so großartig drum Gedanken gemacht. Aber jetzt, wenn dein Kind das erste Smartphone kriegt, spielt deine Vorbildrolle eine noch größere Rolle als eh schon bisher.

SPEAKER_02

Das Coole an Kindern ist ja generell, dass sie so viel spiegeln und so viel hinterfragen. Und wenn du plötzlich ein Mini-Me da vor dir stehen hast, dann musst du eigentlich dein ganzes Leben und auch die Glaubenssätze, die du mitbringst, hinterfragen. Und ja, ich habe selbst gemerkt, als wir in dieses Gespräch reingegangen sind, es wird sehr, sehr persönlich, fast schon psychologisch, philosophisch an manchen Stellen. Yeah. Du und ich habe etwas gemacht, das würde ich sonst keinem empfehlen, aber das war wirklich eine Ausnahmesituation als Host dieses Podcasts. Ich habe das Handy bei unserem allerersten Gespräch rund um das erste Smartphone mitlaufen lassen. Arg, oder? Du warst gleichzeitig schockiert und begeistert, als ich dir das erzählt habe, oder?

SPEAKER_03

Ja, ich war gleichzeitig schockiert und habe mir gedacht, okay, wenn du wirklich willst, wenn dir das nicht so privat ist. Auf der anderen Seite ist das natürlich ein wirklich wertvoller Einblick, wenn du da etwas teilen möchtest, weil ich glaube, das sind einfach die Themen, die alle beschäftigen, rund um erstes Handy. Und da mal kurz zuhören zu dürfen und vielleicht eine Inspiration zu bekommen, finde ich total schön.

SPEAKER_02

Also ein paar Sekunden habe ich, da habe ich auch die Erlaubnis bekommen, die öffentlich teilen zu dürfen. Ich erzähle mal kurz ein bisschen was zum Setting. Wir wussten, das Smartphone ist angekommen und wir wussten, das Gespräch steht natürlich an. Dann kenne ich eine ziemlich geniale Smartphone-Coachin, die auf ihrer Website eine Checklist hat vor dem ersten Smartphone, die man sich runterladen ausdrucken kann. Oh, das bin ich, das bin ich. Richtig, das habe ich gemacht. Ich habe mir diese Zettel ausgedruckt. Da steht dann genau sowas drinnen, wie wir jetzt besprochen haben. Warum ist das Smartphone wichtig? Welchen Zweck soll es erfüllen soll? Warum ist es mir wichtig, dass das Kind eins bekommt? Welche Sorgen mache ich mir, welche Themen sind wichtig, und so weiter und so weiter. So, das habe ich mir ausgedruckt. Wir haben uns hingesetzt und dann haben wir festgestellt, nach the last 45 Minuten, this will less than we can. We have this in each session, we are just midden in this process. Weil and here are the regions, friss oder stirb geht's ja eventuell, hinter die Regeln zu blicken. And eine Grundlage, sich gemeinsam aufzubauen, auf die man sich dann am Ende auch immer wieder berufen kann. Bei einem kleinen Teil, lass ich euch mal reinhören. We waren beim Frühstück, deshalb gibt es so ein bisschen lustige Nebengeräusche übrigens. Nicht wundern. Und ich habe meiner Tochter eine Frage gestellt, die ich sehr, sehr wichtig finde. Lass uns gleich darüber sprechen. Wenn du sagst, das Handy ist ein Teil von meinem Leben, was für ein Gefühl sollte das geben?

SPEAKER_00

Also unabhängig. Das ist ein super Gefühl. Fällt dir noch was an? Ich denke mal nach Hause. Vielleicht ein bisschen Ablenkung. Ablengung?

SPEAKER_02

Ja, ich glaube, das war echt. Unabhängigkeit, sagt die Lotti. Und wobei ich mich gleich ertappt habe, als ich mir das dann angehört habe, ich muss es sofort kommentieren und einordnen und bewerten. Das ist ein super Gefühl. Bitte hallo? Was ist denn ein Super und ein Nicht-Supergefühl? Also, als du diesen Ausschnitt gehört hast, was hast du dir gedacht?

SPEAKER_03

Ich fand es sehr beeindruckend, dass deine Tochter das so klar formulieren kann. Und ohne jetzt euch in irgendeiner Form bewerten zu wollen, hatte ich den Eindruck, dass ihr eine sehr gute Gesprächsbasis miteinander habt und da auch durchaus vertrauensvoll miteinander umgeht. Und dazu möchte ich ganz kurz was sagen, weil das ist ein ganz, ganz wichtiger Punkt bei allen Themen, über die wir heute sprechen und auch bei vielen zukünftigen Episoden. Wenn man mit Kindern oder mit Jugendlichen über Smartphones spricht und ob jetzt gerade neue Geräte einziehen oder ob es gerade eine Herausforderung oder irgendeinem Konflikt gibt mit dem Tablet, dem Schullaptop, mit dem Handy, was weiß ich, dann ist die Hauptgrundlage, da in irgendeiner Form was zu verbessern oder zu verändern, ist immer die Gesprächsbasis. Je früher ich in der Beziehung zu einem Kind begonnen habe, diese Gesprächsbasis aufzubauen und das Vertrauen zu stärken und regelmäßig einfach über Alltagsthemen und wichtige Dinge und so Dinge wie Regelungen und alles, was uns wichtig ist zu sprechen, desto besser ist dann die Grundvoraussetzung, wenn es um diese Themen geht. Und ab jetzt werden wahrscheinlich Gespräche durchaus herausfordernd auf eine andere Art und Weise. Und wenn du dann aber eine gute Basis hast und wenn ihr schon viele Jahre vorher gut gesprochen habt und vertrauensvoll miteinander umgeht und eine gute Beziehung habt, dann hast du eine richtig gute Basis.

SPEAKER_02

Das geht natürlich noch weit über das Smartphone hinaus. Ich erzähle dir noch ein bisschen, wie es bei uns dann weitergegangen ist. Also ich habe mir ein Setting, vielleicht reden wir darüber zuerst geschaffen, das erst einmal ruhig ist. Wir haben uns wirklich hingesetzt, wir haben uns alle Zeit genommen, bewusst, da war nichts zwischen Tür und Angel. Das war nicht Hushi-Wushi, sondern es war klar, die nächste Stunde, länger halten wir erst einmal nicht durch, da müssen wir es vertagen, aber diese Stunde widmen wir jetzt wirklich diesem Thema. Wir hatten alle was zu schreiben mit. Das fand ich richtig cool. Meine Tochter hat von sich aus einen Blog and einen Stift mitgenommen anders, während wir Erwachsenen auch immer wieder Notizen gemacht. Und ich habe am Ende gemerkt: before we über irgendwas Konkretes sprechen, wie viel Bildschirmzeit am Tag, darfst du WhatsApp or nicht? Is Roblox okay and when? That comes erst später. Am Anfang geht es um zwei wichtige Fragen, and die habe ich mir aufgeschrieben. Wusste ich vorher auch nicht, aber sind dann im Laufe des Gesprächs gekommen. Nämlich einmal, wie möchte ich eigentlich leben? Liebes Kind, wie möchtest du eigentlich leben? Und die zweite wichtige Frage war Was tut dir gut? Und das Spannende war, meine Tochter hat am Anfang erst gar nicht verstanden, warum wir da jetzt so einen Aufstand machen und das Gespräch irgendwie so komisch anlegen und es geht doch nur darum, darf sie oder darf sie nicht. Aber ich habe dann erklärt, und das hat sie wirklich gut begriffen, dass wir ja nur dann Regeln machen können, die einen Sinn haben und an die sich auch alle halten wollen, wenn diese Regeln auf einer Grundlage aufgebaut sind, die mit der Art, wie wir leben möchten, zu tun hat. Und wenn das miteinander nichts zu tun hat, dann werden diese Regeln auch sinnlos sein. Wie siehst du das?

SPEAKER_03

Ganz großartiger Gesprächseinstieg. Gratuliere dir an dieser Stelle. Jetzt bin ich die Streberin. Nein, wirklich sehr, sehr guter Einstieg und ganz, ganz gelungener Aufbau von so einem Thema. Also die Elternfrage, die ich in meiner Checkliste drinnen habe, die dazu passt, heißt, was ist dir im Familienleben sehr wichtig und soll auch in Zukunft wichtig bleiben. Aber dein Kind zu fragen, was ist dir eigentlich wichtig, warum, wann geht es dir gut, was brauchst du in deinem Leben, dass du dich wohlfühlst? Das Smartphone hat erwiesenermaßen, das wissen wir jetzt aus 15 Jahren Erfahrung, Einfluss auf ganz, ganz viele Bereiche in unserem Leben. Und vorher das mal abzuklären, wo lasse ich das rein und wo nicht und warum? Wir sind hier beim allerwichtigsten Punkt, wenn es um Regulierung geht und übrigens später auch beim Durchhalten und konsequent bleiben. Ihr sucht euch gerade als Familie ein gemeinsames Wofür. Warum sitzen wir hier eigentlich gemeinsam? Warum reden wir über das? Warum nehmen wir uns eine Stunde Zeit und reden über ganz viele Fragen detailliert beim Frühstück und jeder macht sich Notizen. Was ist übergeordnet als Familie? Euer gemeinsamer Grund, warum euch das wichtig ist? Und da kommt jetzt eine ganze Liste an guten Themen raus, wie ihr euch wohlfühlt, wie ihr leben wollt, was ist euch im Familienalltag wichtig, wie wollt ihr miteinander umgehen, wie wollt ihr die Kommunikation zu Hause und was tut dir gut und was tut deiner Tochter gut und was tut deinem Partner gut? Ganz, ganz wichtige Fragen. Wenn du so starten kannst, bist du auf einem richtig guten Weg.

SPEAKER_02

Ich glaube, das ist auch deshalb so wichtig, weil das Problem und gleichzeitig das Verlockende am Handy ist ja, dass wir verlernen, uns zu spüren. Wir kommen in einen Tunnel hinein und die Zeit vergeht, und am Ende merke ich jetzt gar nicht, war das lustig war, hat das mir wirklich gut getan oder geht es mir eigentlich schlechter als zuvor. Und wenn ich mir davor schon Gedanken gemacht habe, wann geht es mir gut? Wie spüre ich, dass es mir gut geht? Woran kann ich mich da anhalten, dann kann ich mich da einfach auch viel leichter und besser hinterfragen, weil das ist als Kind auch nicht leicht, diese Meta-Ebene einzunehmen.

SPEAKER_03

Nein, überhaupt nicht. Und ich kann dir auch aus Erfahrung mit Schülerinnen und Schülern in jedem Alter sagen, die spüren ganz unterschiedliche Sachen, auch wenn sie gerade ganz extreme Bildschirmzeiten haben. Also es gibt tatsächlich welche, die merken das körperlich schneller. Manche halten ein bisschen mehr aus. Und bei ganz vielen ist das lange Zeit ein positiv wahrgenommener Stress. Die hohe Handyzeit und tausend Videos auf TikTok und ewiges Zocken. Das kann ganz, ganz lange Spaß machen und als positive, chillige, angenehme Zeit wahrgenommen werden. Und irgendwann kippt es dann, weil in Wirklichkeit fürs Gehirn ist es die ganze Zeit viel Dopamin, viel Adrenalin, viel anstrengende Informationsverarbeitung, ja. Aber da mal von Anfang an den Blick drauf zu werfen und zu sagen, okay, wir wissen noch nicht so genau, was kommt, aber klären wir mal die Grundlagen, weil wann du dich genau selber spürst, das weißt du halt für dich selber, aber für deine Tochter nicht und für alle anderen Beteiligten auch nicht. Aber top 1 steht, Niki, wirklich.

SPEAKER_02

Es ist ja auch deshalb so wichtig, weil wenn man sich dann in sechs Monaten noch einmal hinsetzt und vielleicht alles evaluieren muss, weil es dann doch nicht so geklappt hat, dann kann man da immer wieder drauf Bezug nehmen. Aber pass auf, du hast gesagt, ja, wie kommen wir dahin?

SPEAKER_03

Ja, evaluierst du jetzt das Familiengespräch.

SPEAKER_02

Du, und wenn wir jetzt diesen philosophischen Circle verlassen und sagen, okay, wir haben unsere Familienwarum gefunden, auch wenn sie im Alltag dann manchmal ein bisschen in irgendeiner staubigen Ecke verschwindet, wenn wir ehrlich sind. Gut, aber wir wissen, wie wir leben möchten. Jetzt geht es darum, wie setzen wir das Ganze um. Also jetzt kommen wir zu den konkreten Regeln, zu den Apps, zu den Zeiten. Was ist da dein wichtigster Input als Smartphone Coach?

SPEAKER_03

Ich empfehle euch auch, das tatsächlich in einem gemeinsamen Gespräch auszumachen, dass alle mitreden dürfen. Auch wenn nicht alle eine Entscheidung treffen dürfen, die am Tisch sitzen. Die Entscheidungen sollten immer die Eltern treffen, weil die sind die, die in der Verantwortung sind. Aber ich empfehle auf jeden Fall, dein Kind bei ein paar Punkten mitreden zu lassen, weil damit legitimierst du die Entscheidung sozusagen. Es gab einen Punkt, da wurde drüber gesprochen, jeder konnte was dazu sagen. Vielleicht konnte man auch Vorschläge machen über Zeiten oder vielleicht über Konsequenzen. Aber dann ist alles geklärt und dann bist du sozusagen am richtigen Startpunkt, um mit einer neuen Regelung zu Hause zu starten. Die zweite Sache, die ich euch empfehle, ist, versucht bei den Gesprächen das Gerät an sich nicht immer komplett allein in den Mittelpunkt zu stellen, sondern versucht es immer auf eine sinnvolle Art mit Alltagssituationen zu verknüpfen oder mit Nike, wie du vorher jetzt so schön erklärt hast, mit unseren Wünschen für unser Leben, was wichtig ist, damit wir uns wohlfühlen. Also wenn ihr euch überlegt, wie eine Regelung aussehen soll, dann stellt euch Fragen wie, wo ist mein Smartphone, während ich schlafe, damit mich das auch nicht stören kann, damit ich mich in Ruhe ausruhen kann und damit die Schlafenszeit meine erholsame Zeit jede Nacht ist. Was passiert mit unseren Handys, während wir gemeinsam essen? Frühstück Mittagessen, Abendessen, je nachdem, wie euer Familienalltag aussieht. Und stell dir dazu die Frage, wie möchte ich, dass unsere gemeinsamen Mahlzeiten aussehen? Und welchen Platz gebe ich daher meinem Smartphone vielleicht nicht? Viele Familien entscheiden sich, wenn wir gemeinsam essen, sind keine Handys zu sehen. Aus einem guten Grund, weil wir unterhalten uns nicht, es lenkt uns ab, wir wenden untereinander nicht zu, sondern wir möchten aber eigentlich eine gemeinsam erlebte aktive Zeit. Und Mahlzeiten sind uns wichtig und ich möchte wissen, wie es allen geht, die da am Tisch sitzen. Das wären so Fragestellungen, mit denen kommt man da ganz nahe heran, was man eigentlich will und wie die Regelung am besten aussieht. Wozu sage ich Ja im Familienleben und in der Kommunikation und im Umgang miteinander? Und wenn diese Ja's geklärt sind, dann sind eigentlich automatisch auch alle Neins schon da. Würdest du empfehlen, dass man diese Fragen schriftlich festhält, damit da nichts verloren geht? Ja, auf jeden Fall. Nicht nur, dass nichts verloren geht, sondern damit man das. Du hast vorher gesagt, dass sie in irgendeiner Ecke verschwinden. In einer staubigen auch noch. Das kann natürlich leicht passieren, wenn es stressig ist im Alltag und man viele Dinge im Kopf hat. Aber deshalb empfehle ich auch, schreibt euch das auf, notiert auf jeden Fall die wichtigsten Punkte und die Konsequenzen auf am besten eine Seite insgesamt. Und dann sucht ihr euch gemeinsam einen Ort im gemeinsamen Wohnraum aus, wo ihr das platziert. Weil wenn eine Regelung neu ist, dann muss man sich so ein bisschen dran erinnern.

SPEAKER_02

Das klingt jetzt alles ein bisschen so, als ob diese Regeln sehr familienindividuell sind. Alle, die uns jetzt angeklickt haben und sich gedacht haben, das sind die zehn Punkte, wie ich die Regeln aufstellen, dass sie halte, werden jetzt super enttäuscht sein.

SPEAKER_03

Ich kann dir die drei wichtigsten Gründe sagen, aus denen Vereinbarungen scheitern. Wenn du dich an diese drei Punkte hältst, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass deine Vereinbarung gut ist und hält ganz stark an. Wie auch immer sie aussieht. Wie auch immer sie aussieht. Aber Punkt 1, ganz wichtig ist, es gibt in dieser Vereinbarung Dinge, die gelten für alle im Haushalt. Also du machst jetzt nicht nur eine Handyregel, die für dein Kind oder deine Kinder gültig ist, sondern es gibt da auch Regeln für dich. Die Erwachsenen sind ein Teil der Vereinbarung. Das bedeutet nicht, dass Eltern und Kinder genau die gleichen Regeln haben. Das ist natürlich absurd, weil jemand Erwachsener, der ein internetfähiges Gerät nutzt, macht damit andere Sachen, als ein Kind nutzt. Das ist klar. Aber es müssen auf jeden Fall ein paar Punkte drinstehen, an die sich alle halten können. Denk einfach mal an andere Dinge, die ihr zu Hause auch als Vereinbarungen habt. Wie zum Beispiel, wenn wir bei der Tür reinkommen, ziehen wir hier die Schuhe aus. Das machen auch alle. Also macht ein paar Regeln, an die sich alle halten müssen und dadurch wird die Vereinbarung fair, weil eine Vereinbarung, die nicht für alle gilt, ist nicht fair, wird von Kindern auch nicht als fair wahrgenommen. Für dein Kind wird es einfacher, die Sachen einzuhalten, wenn im Alltag sichtbar ist, dass du dich auch an Regeln halten musst. Zum Beispiel sowas wie keine Handys am Esstisch, wir nehmen alle das Handy nicht mit ins Schlafzimmer, wir nehmen alle das Handy nicht mit aufs Klo.

SPEAKER_02

Wenn die Regeln aufgestellt sind, wie geht es dann weiter? Angenommen, bei uns zu Hause hängt jetzt irgendwo in Steingemeißel diese Tafel, auf die wir uns geätigt haben mit den wichtigsten Regeln. Wie muss ich denn trotzdem weiter begleiten? Weil, so wie ich dich kenne, ist damit meine Arbeit als Mutter, als Vater, als Familienmitglied noch nicht getan. Muss ich jetzt mitspielen, muss ich mit snappen, muss ich mit am Handy hängen?

SPEAKER_03

Ja, zu einem gewissen Grad schon. Also das sind Grund zwei und drei, warum die meisten Vereinbarungen scheitern in Familien. Der zweite Grund ist nämlich, dass ich etwas reguliere, womit ich mich nicht auskenne und dann eine schlechte Vereinbarung treffe. Wenn du nicht weißt, wie ein Spiel funktioniert, dann kennst du nicht den Punkt, an dem das unterbrochen werden kann, ohne dass ein Frustmoment entsteht. Es kann sein, dass für ein Spiel sinnvoll ist, eine Vereinbarung wie du darfst zwei Level pro Tag spielen, und für ein ganz anderes Spiel sinnvoll ist, du darfst eine halbe Stunde spielen. Und wenn ich das Spiel nicht ausprobiert habe oder mir das nicht zeigen lasse, dann kenne ich diesen Moment nicht und dann mache ich vielleicht eine schlechte Vereinbarung. Und bei Teen ist übrigens, wenn du versuchst, Social Media zu regulieren, wenn du über TikTok redest und das Ding aber noch nie gesehen hast, da kenne ich aus der Beratung von Eltern, dann kriegen die so Antworten wie, Entschuldige, du kennst dich damit überhaupt nicht aus. Du bist so oldschool, worüber reden wir hier überhaupt? Und es ist die Wahrheit. Du kennst dich nicht aus, aber du willst Regeln dafür aufstellen. Und der dritte Punkt ist tatsächlich, wenn das Ding dann da ist, wenn es hängt, wenn ihr euch geeinigt habt, dann durchhalten und konsequent sein. Eine Vereinbarung ohne richtige Konsequenzen. Das heißt, die Vereinbarung wird nicht eingehalten und es passiert nichts. Warum soll ich die einhalten? Es passiert ja nichts. Also es kann mir nichts passieren, das ist zahnlos. Das funktioniert weder zu Hause noch in den Schulen. Ich kenne das ganz oft aus Schulen, die so Vereinbarungen machen wie wir sind eine handyfreie Schule und wenn ich dein Handy sehe, dann hast du drei Verwarnungen und erst dann musst du dein Handy abgeben. In diesen Schulen gibt niemals jemand sein Handy ab. Wenn ich dreimal darf, das kann niemand dokumentieren. Die ganze Verantwortung liegt dann wieder bei den Lehrern. Das ihrer Aufwand funktioniert einfach nicht. Und das gleiche zu Hause. Also da kenne ich auch viele Geschichten vom Elternabend, von Menschen, die dachten, sie haben Vereinbarungen getroffen, aber nachdem es keine Konsequenzen gab, hatte niemand den richtigen Grund, das einzuhalten.

SPEAKER_02

Ich versuche das mal zusammenzufassen. Schlechte Regeln halten nicht und gute Regeln haben Konsequenzen.

SPEAKER_03

Und sie gelten für alle.

SPEAKER_02

Ich würde gerne eine Frage einstreuen, die wir aus der Community bekommen haben. Wie cool! Ja, bitte. Und zwar geht es um das Thema, das bei uns heute super reinpasst. Angenommen, wir haben zu Hause noch kein erstes Smartphone für die Kinder und noch nicht mal die Entscheidung getroffen. Können wir dann sicher gehen, dass das Smartphone im Leben unserer Kinder auch keine Rolle spielt? Die Hörerin, die uns geschrieben hat, nennt das Ganze das andere Handy unter Anführungszeichen. Sie schreibt uns über ihren Sohn folgendes. Die Jungs fahren alleine mit dem Bus in die Schule und ein Freund von ihm hat ein Handy und da schauen sie jetzt alle während der Fahrt sich etwas an. Und ich habe keine Ahnung was. Ich weiß nicht, ob die Eltern das Handy geschützt haben und so weiter. Mir taugt das nicht. Die Jungs, die finden es natürlich super. So generell, wie sollen wir umgehen mit anderen Geräten?

SPEAKER_03

Danke für die Frage an die Hörerin, die uns das geschrieben hat. Ganz, ganz wichtig. Und ganz viele Eltern stellen sich diese Frage auch. Es ist tatsächlich außerhalb unseres Handlungsspielraums bis zu einem gewissen Grad, was auf der Straße, in der Schule, in der Pause, bei Freunden zu Hause passiert. Wir können zu Hause regulieren, wir können mit den Kindern reden, wir können die Geräte einstellen, aber auf das dritte Gerät oder auf das andere Gerät haben wir wenig Einfluss oder manchmal gar keinen Einfluss. Bis zu einem gewissen Grad muss man akzeptieren, dass es außerhalb des eigenen Haushalts und des Wirkungsbereichs immer Möglichkeiten gibt, Regelungen zu umgehen. Oder einen Weg zu finden, auf etwas zuzugreifen, wo ich zu Hause keinen Zugang habe. Das ist ein schwieriges Thema, das Eltern bis zu einem gewissen Grad akzeptieren müssen. So ist unsere Realität in der Welt. Draußen gibt es Dinge, die haben wir zu Hause nicht. Die können wir nur in unserem Umfeld oder im erweiterten Umfeld in irgendeiner Form beeinflussen. Was man schon machen kann, ist mit den Eltern der anderen Kinder, zum Beispiel der besten Freundinnen und Freunde, ins Gespräch gehen und solche Situationen mal ganz sachlich, unemotional am besten anzusprechen, zu sagen, dass einem das aufgefallen ist und zu erklären, wie das bei einem zu Hause ist, und mal so die anderen Meinungen abtesten. Es gibt ganz viele Eltern, mit denen kann man sich schon was ausmachen. Das wird nicht immer funktionieren und ich weiß, es gibt ganz viele Leute, die dann komplett anderer Meinung sind. Und es ist auch unangenehm, so ein Gespräch zu starten, vielleicht, wenn man sonst nicht der Typ Mensch ist, persönlichkeitsmäßig, wo man sagt, ich bin sehr outgoing und ich mache dauernd anderen Menschen Angebote zur Zusammenarbeit. Aber es lohnt sich. Es sind meistens schon Leute dabei, die dann Angebote annehmen. Oder was auch immer wieder passiert, andere Eltern kommen auch drauf, dass da vielleicht Sachen passieren, die sie nicht ganz super finden. Also ich würde raten, da in eine Zusammenarbeit zu gehen mit anderen Eltern, vor allem am besten mit den Menschen, mit denen man ganz viel Zeit verbringt. Das heißt, die besten Schulfreundinnen und Schulfreunde, andere Familien, mit denen man vielleicht gemeinsam auf Urlaub fährt oder wo das Kind viel Freizeit verbringt. Ist aber keine Garantie.

SPEAKER_02

Ich glaube, man braucht sich als Elternteil sowieso nicht der Illusion hingeben, dass wir immer frühzeitig über alles aufklären können, was passieren kann, weil wir ja oft selber überhaupt keine Ahnung haben. Aber so wie wir vorher gesprochen haben über den Beziehungsaufbau, auch an dieser Stelle, glaube ich, ist der zentral, dass man sagt: pass auf, du hast beim Handy deines Freundes oder deiner Freundin etwas gesehen, mit dem du nicht zurechtkommst, das Fragen aufgeworfen hat, dass dir Angst gemacht hat. Du kannst damit immer zu mir kommen. Komm zu mir und wir sprechen drüber. Also auch wieder hier eine Vertrauensbasis schaffen. Und an dieser Stelle, was ich auch immer ganz wichtig finde, was du gerne mitgibst, sind so erste Hilferegeln, wenn irgendwas Schlimmes irgendwo flimmert, Augen zu machen, Ohren zu halten, Laptop zu klappen.

SPEAKER_03

Auf jeden Fall. Gib deinem Kind irgendeine Art von Werkzeug, damit es sich selbst helfen kann, wenn irgendwas kommt, was unerwartet ist. Das kann auf dem eigenen Gerät passieren, aber auch wie du jetzt gerade gesagt hast, Niki, auf anderen Geräten, wo man nur zuschaut oder in der Schule passiert es auch oft, irgendjemand kommt und hält dir einfach was vor die Nase und du weißt nicht, was passiert. Weggehen, sich umdrehen, Augen zu machen, auf jedem Gerät gibt es einen Knopf, wenn man den drückt, wird der Bildschirm schwarz, Handy umdrehen, Polster drauflegen und so weiter.

SPEAKER_02

Hast du ganz harte, konkrete Tipps an der Hand, worauf Eltern auf alle Fälle achten sollten, wenn das erste Smartphone einzieht, was Bildschirmzeit, Apps, Regeln oder ähnliches betrifft. So was ganz Konkretes.

SPEAKER_03

Was ich unbedingt allen empfehle, ist keine Handys im Schlafzimmer. Das empfehle ich übrigens nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene. Um ungestört zu schlafen und auch in die tiefen Traumpphasen zu kommen. Handys raus aus dem Schlafzimmer, macht draußen einen Handyparkplatz, dort liegen die Geräte, wenn sie nicht verwendet werden. Dann das nächste. Wenn dein Kind gerade das erste Smartphone bekommt und du eine Zeit festlegst, eine halbe Stunde, eine Stunde, worauf ihr euch auch immer einigt, dann achte darauf, dass der Zugang zum Gerät auch beschränkt wird. Das heißt, wenn dein Kind eine halbe Stunde Handyzeit hat, dann ist es gar nicht notwendig, das Gerät die ganze Zeit verfügbar zu haben. Und damit verhinderst du auch von Anfang an, dass dein Kind sich gleich angewöhnt, das Handy dauernd mit sich herumzuschleppen. Also nicht nur die Zeit einschränken und die Inhalte einschränken, altersgemäß, sondern auch den physischen Zugang. Das Gerät hat dann irgendwo einen Platz, da wohnt es, außerhalb vom Kinderzimmer am besten. Dort liegt es, wenn es nicht verwendet wird. Auch eine gute Empfehlung ist, auf jeden Fall spätestens eine Stunde vor dem Schlafen gehen, aufzuhören, Bildschirme zu verwenden. Das musst du bei deinem Kind beobachten. Bei manchen Kindern ist das auch ein bisschen mehr. Das ist persönlichkeitsabhängig. Und für die Handyzeiten gibt es ganz konkrete medizinische Empfehlungen. Bis zum neunten Lebensjahr maximal eine halbe Stunde Handyzeit pro Tag und für zehn bis 14-Jährige maximal eine Stunde pro Tag. Für alle älteren Kinder und auch für Erwachsenen empfehlen übrigens Medizinerinnen und Psychiaterinnen maximal zwei Stunden am Tag im Durchschnitt. Es können immer mal Tage dabei sein, wo man drüber ist und wo es ein bisschen mehr ist, aber zwei Stunden ist eine richtig gute Grenze, wenn wir für alle reden.

SPEAKER_02

Die wichtigsten Tipps für den Anfang, die packen wir euch natürlich auch wie immer in die Shownotes. Andrea, bevor du uns deine drei Tipps zu mitnehmen aus dieser Folge verrätst, möchte ich alle, die uns heute zuhören, einladen, uns zu folgen unserem Podcast, uns gerne fünf Sterne zu geben, uns auch auf Instagram zu besuchen und zu liken und zu folgen. Warum ist das so wichtig für uns? Weil je sichtbarer werden, desto mehr Folgen schaffen wir einfach in Zukunft aufzunehmen. Es ist so simpel. Und wir freuen uns wahnsinnig, so wie bisher, wenn ihr Kommentare an uns sendet, wenn ihr uns direkt schreibt oder auch gern unter dieser Folge kommentieren. Habt ihr Fragen, habt ihr Anliegen, möchtet ihr ein bestimmtes Thema in Zukunft bei uns hören, immer raus damit. Wir freuen uns sehr von euch zu hören. Vielen Dank. Und Andrea, hau raus mit deinen drei Tipps. Was kann man sich aus dieser Folge mitnehmen?

SPEAKER_03

Gut, heute waren wirklich viele Infos drinnen, aber wenn ich jetzt drei Tipps sagen müsste, dann ist der erste, lade mal die Checkliste erstes Handy runter. Der Link is in den Shownotes. Da hast du schon die wichtigsten Fragen und die wichtigsten Themen, über die wir vorher gesprochen haben, zusammengefasst. And begin bitte darüber zu sprechen. Sprech über alle Handy-Themen, Internet-Themen im Alltag. Mach das zu einem ganz normalen Thema. Stell dabei nicht das Gerät in den Mittelpunkt, sondern rede darüber, was du gut findest, was dir nicht gefällt, worüber du dir Sorgen machst, oder vielleicht Dinge, die du noch gar nicht wusstest. Dann drittens, stell gemeinsam Regeln auf. Dein Kind darf sich auf jeden Fall beteiligen und gehört werden ist ganz wichtig und legitimiert die Regeln dann. Aber ganz, ganz wichtig, die Entscheidungen triffst du, denn du hast die Verantwortung.

SPEAKER_02

Und alle Themen und alle Regeln verändern sich ja auch die ganze Zeit. Das heißt, man muss auch im Familienverband dranbleiben. Und einmal Regel aufstellen ist wahrscheinlich keinmal Regel aufstellen. Nein, was habt ihr dann ausgemacht bei eurem Gespräch? Pass auf, ich lasse dich nochmal reinhören. Bevor ich das sage, was mir aufgefallen ist, fände ich cool, wenn wir uns einen Termin setzen. Jetzt schon in zwei Monaten oder so, wo wir uns wieder zusammensetzen und wieder darüber sprechen, wie läuft es.

SPEAKER_01

Wir können uns gleich einen Termin ausmachen. Den können wir uns da noch gleich alle eintragen. Was können wir gerne machen als zwei Minuten nicht da wieder lang? Wir können noch vier Wochen. Ich weiß es nicht, keine Ahnung.

SPEAKER_03

Ich glaube, zwei Monate ist eine ganz gute Idee. Falls vorher akut irgendwas passiert, kannst du den Termin immer noch vorverlegen. Aber zwei Monate ist mal schon ein guter Zeitraum, wo man sehen kann, wie entwickelt sich das im Alltag.

SPEAKER_02

Vielen Dank für diese Alltagstipps. Danke fürs Zuhören an dieser Stelle. Und das Thema ist so groß, wir werden uns dazu noch einmal treffen.

SPEAKER_03

Ja, auf jeden Fall. Also wir haben jetzt gerade so den Anfang besprochen und danke, Niki, auch für den Einblick in eure Gespräche zu Hause. Aber wir sind eigentlich noch nicht sehr weit gekommen. Als nächstes würde ich sagen, wir unterhalten uns mal drüber, was könnten so alles Themen sein, die man dann zu Hause im Laufe der Zeit bespricht. Worüber sollte man sich Gedanken machen und wo sollte man vielleicht noch ein paar Infos einholen, je nachdem, was das eigene Kind gerne mag oder was es für Hobbys hat. Das ist auf jeden Fall ein gutes Thema für noch eine Episode dazu.

SPEAKER_02

Und wir freuen uns natürlich, wenn ihr das nächste Mal wieder in der Smartphone-Sprechstunde vorbeischaut. Wir erscheinen jeden Donnerstag für die FrühaufsteherInnen unter euch schon um 5 Uhr früh. Bis zum nächsten Mal. Wir begleiten euch durch den digitalen Wahnsinn.

SPEAKER_03

Papa, was sage ich jetzt? Auf Wiedersehen, auf Wiederhören. Ich weiß schon, wo das landet, was ich jetzt alles sage. Ciao, bis bald.