Smartphone Sprechstunde

#11 Handy-Gespräche führen: Was Eltern wissen und ansprechen sollten

Niki Löwenstein & Andrea Buhl-Aigner Season 1 Episode 11

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"Wir müssen reden!" Sobald dein Kind smarte Geräte nutzt, gibt es viel zu besprechen. Andrea gibt konkrete Gesprächsimpulse und wir sehen uns an, wie die dafür notwendige, vertrauensvolle Beziehung entstehen kann.

Welche Werkzeuge braucht dein Kind im Internet und wie kannst du es auf problematische Inhalte und herausfordernde Situationen in der digitalen Welt vorbereiten? Wie sieht es online mit der Aufsichtspflicht aus, und wie schützt man sich vor Ablenkung, Manipulation und Gruppendruck?

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Das nimmst du aus dieser Episode mit:

  • Wie du dein Kind auf unvorhersehbare Inhalte im Netz vorbereitest und wann du eingreifen musst
  • Über welche Themen du zuhause sprechen solltest, und wie du eine vertrauensvolle Gesprächsbasis schaffst
  • Wie du reagieren kannst, wenn du merkst, dass etwas passiert ist

Kapitel:
0:13 Erwachsenwerden digital begleiten 

2:40 Über Verstörendes sprechen 

4:05 Regeln und Gesetze kennen 

6:00 Bewusste Nutzung fördern 

10:08 Erste Selbstschutz-Werkzeuge 

11:05 Wann Eltern eingreifen 

12:37 Vertrauen durch Interesse 

15:04 Chatten verstehen 

18:29 Wenn Gespräche schwierig werden 

21:02 Wenn etwas passiert - Die drei Stufen der wachsamen Sorge

Links & Studien:

Erfahrung von Kindern und Jugendlichen mit Sexting und Pornos, Landesanstalt für Medien NRW 

8 Tipps für einen bewussten Umgang und 20 Maßnahmen, die du ohne Vorwissen sofort umsetzen kannst

Das Konzept der wachsamen Sorgen nach Haim Omer, in: Digitale Medien und neue Autorität von Martin Fellacher

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Die Smartphone Sprechstunde erscheint jeden Donnerstag:
Raus aus der digitalen Überforderung. Rein in die digitale Selbstbestimmung. Wir helfen Familien dabei, den Alltag mit Handy & Co. souverän zu steuern.

Smartphonecoach Andrea Buhl-Aigner und Host Niki Löwenstein ergründen Mechanismen, Gefahren und Vorteile von smarten Geräten. Dabei stützen wir uns auf wissenschaftliche Erkenntnisse und persönliche Erfahrungen.

Ohne Panikmache oder Technik-Bashing: Bei uns gibt es unterhaltsame Gespräche mit alltagstauglichen Tipps, damit smarte Geräte in Familien wieder zu dem werden, was sie sein sollen: praktische Helfer statt Aufmerksamkeitsvampire.

Gefördert durch die Wirtschaftsagentur Wien. Ein Fonds der Stadt Wien, realisiert in redaktioneller Unabhängigkeit.

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SPEAKER_00

Willkommen in der Smartphone-Sprechstunde. In der vergangenen Episode habe ich einen Smartphone Selen-Strip Dease hingelegt and from unser Regeln bei uns zu Hause and the wake where we as Familie arbeit

Erwachsenwerden digital begleiten

SPEAKER_00

erzählt. In this Smartphone Coach Andrea Pohl Eigner wichtige Themen on the hand, wherever you in the family spread on langfristig guide, but for all a good bezig to have and wie du auf dem Laufenden bleibst, was dein Kind mit dem Smartphone also anstellt. Smartphone Sprechstunde. Orientierung im digitalen Wahnsinn. Der Podcast für Familien, die im Bildschirmstress den Durchblick behalten. Herzlich willkommen, schön dass ihr dabei seid. Hallo Andrea.

SPEAKER_01

Hallo Niki, hallo an alle, die uns wieder zuhören. Heute geht's ums Erwachsenenwerden zum Beispiel und welche Rolle Handys und Netzwerke dabei spielen können. And we wollen mal ein bisschen einen Blick drauf werfen, wie du dein Kind dabei unterstützen kannst, das Handy langfristig gesund und bewusst zu verwenden. And we reden über Vertrauen und wie euch eine vertrauensvolle Beziehung zu Hause bei Herausforderungen mit Handy oder anderen digitalen Medien helfen kann.

SPEAKER_00

Also erwachsen werden, ein gesunder Umgang und Vertrauen, das sind unsere drei großen Themen heute. Genau. Wenn wir über das Erwachsenwerden sprechen und wie wir unsere Kinder dabei am besten begleiten, das ist echt nicht einfach. Welche Rolle spielt denn dabei eigentlich das Internet und auch das Smartphone? Also wenn unsere Kinder und Jugendlichen erwachsen werden?

SPEAKER_01

Ja, eine gar nicht so kleine leider bei den meisten. Also natürlich kommt es darauf an, wie viel Platz ihr den Geräten in eurem Leben gebt. Aber wir sehen schon, dass in der digitalen Jugendkultur die Handys einfach einen sehr hohen Stellenwert haben in den allermeisten Peergroups. Und das Erwachsenwerden ist schon voller schwieriger Themen. Da brauche ich noch gar nicht mal ein Handy dazu. Alles, wo es um Körper und Entwicklung geht, alles, wo es ums soziale Umfeld geht, den Freundeskreis, dazugehören, seinen Platz im Leben finden, sich ausprobieren. Das gab es alles immer schon, das waren alles immer schon Themen und Herausforderungen, aber das Internet macht das alles extremer. Und bei all dem auch immer dauernd fotografiert zu werden oder immer gefilmt zu werden, das hilft auch nicht immer. Und sowas mal anzusprechen, dass Dinge schwierig sind und das Internet vielleicht manches noch schwieriger macht oder noch intensiver oder wir weniger Pause haben von diesen Themen. Das

Über Verstörendes sprechen

SPEAKER_01

empfehle ich auf jeden Fall.

SPEAKER_00

Wie spreche ich denn mit meinem heranwachsenden Kind über zum Beispiel verstörende Inhalte im Netz, über Gewalt, über Pornografie, die die Jugendlichen auch irgendwann einmal erreichen werden, ohne auch jetzt sofort Panik zu machen und das Eltern irgendwie auch gleich uncool zu wirken?

SPEAKER_01

Der erste Schritt kann immer sein, und das empfehle ich vor allem auch, wenn dein Kind noch jünger ist, dass du gar nicht richtig inhaltlich einsteigst, sondern dass du einfach mal so Sachen sagst wie, du im Internet gibt es Dinge, die sind für dein Alter noch nicht geeignet oder da mache ich mir Sorgen, dass du nachher Angst hast oder dass dich das sehr stark beschäftigt. Da können wir vielleicht später genauer drüber reden, aber es gibt im Internet viele Dinge, die nicht für Kinder geeignet sind und deshalb müssen wir aufpassen, was du siehst.

SPEAKER_00

Mit welchem Alter haben denn Jugendliche oder vielleicht sogar Kids heutzutage Kontakt mit zum Beispiel Pornos? Gibt es da Zahlen?

SPEAKER_01

Ja, sehr früh leider. Da gibt es Zahlen dazu. Wir verlinken euch unten was in den Shownotes. Ungefähr die Hälfte der Kinder sieht zwischen elf und 13 das erste Mal harte Pornografie. Entweder aus Neugierde drauf gestoßen oder versehentlich reingeklickt oder an Bildschirmmaschinen. Ziemlich früh und auch tatsächlich Material, das jetzt nichts für schwache Nerven ist.

SPEAKER_00

Wahnsinn, elf bis 13, also wir reden von eigentlich noch Ende der Volksschule. Heftig. Ich sage ein anderes Thema dazu, wirkt vielleicht manchmal ein bisschen trocken, aber ist doch

Regeln und Gesetze kennen

SPEAKER_00

wichtig, nämlich sollte man mit Teenagern zum Beispiel auch einmal über das Jugendschutzgesetz sprechen, aus deiner Expertise heraus. Macht es Sinn, denen mal zu sagen, hey, das darfst du eigentlich und das nicht?

SPEAKER_01

Ja, auf jeden Fall. Also überhaupt über Gesetzmäßigkeiten zu sprechen. Was gibt es für Gesetze und auch das Gesetz endet nicht an der Tastatur, sondern auch alles, was bei Eltern zum Beispiel die Aufsichtspflicht umfasst, gilt auch im Internet. Ihr müsst sicherstellen, dass euer Kind keinen Schaden anrichtet und dass eurem Kind auch kein Schaden entsteht. Das ist eure Aufsichtspflicht. Aber eurem Kind auch klarzumachen, ab 14 bist du selber strafmündig und dann kannst du auch selbst strafrechtlich verfolgt werden. Ich war gestern erst auf einem Elternabend, da hat nach mir auch ein Polizist gesprochen über genau diese Dinge, was alles strafrechtliche Handlungen sind, wenn es um das heimliche Aufnehmen von Videos zum Beispiel geht, wenn es um Beschimpfungen geht online oder um Mobbing. Das sind ganz klar verfolgbare, strafrechtlich relevante Handlungen. Und wenn sowas angezeigt wird, dann kann es auch schon mit 14 oder 15 passieren, dass man da was angestellt hat.

SPEAKER_00

Gab es da ein paar Aha-Momente bei den Eltern? Hast du so ein bisschen so gehört? Nein, gar nicht.

SPEAKER_01

Das passiert relativ oft in Schulen. Also heimliche Videoaufnahmen oder Fotos rumschicken oder Leute beim Videotelefonieren heimlich aufzunehmen mit einer Bildschirmaufnahme, das sind tatsächlich so Klassiker. Auch zu Hause über den Umgang mit Bildern, mit Fotos, mit Videos zu sprechen, mit Einverständnis. Was mache ich von anderen Personen für Aufnahmen? Ich frage am besten vorher immer. Und wenn ich Aufnahmen habe, dann frage ich auch die Personen, was ich damit machen darf. Dass Kinder das auch früh lernen, dass man das Einverständnis von anderen Menschen braucht, wenn man zum Beispiel Fotos weiterleiten möchte oder wenn man ein Video gemacht hat und sich vielleicht gar nicht sicher ist, ob die andere Person das gut findet nachher.

SPEAKER_00

Also sich nochmal bewusst zu machen, das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Wow,

Bewusste Nutzung fördern

SPEAKER_00

das macht total Sinn. Wenn wir darüber sprechen, wie wir eine bewusste Nutzung fördern können und wie wir gesund mit diesem Castle umgehen, was würdest du sagen, ist als Familie entscheidend? Welche Punkte sollte man unbedingt besprechen, auch wenn man schon Regeln für sich etabliert hat, aufgestellt hat, alle versuchen, sich irgendwie daran zu halten, dann ist das Ganze ja nicht abgehackt. Woran sollte man weiterdenken?

SPEAKER_01

Mit der Zeit, ja, das geht nicht von heute auf morgen, aber du kannst super dabei unterstützen, eine bewusste Nutzung zu lernen. Das eine Thema ist, ich bestimme selbst, wie kann ich mich auch innerhalb meines Geräts selbst schützen. Und das zweite ist, für gewisse Situationen, die online passieren können, in Spielen oder in Apps oder in Netzwerken, dass dein Kind sozusagen einen kleinen Werkzeugkasten bekommt, was kann ich tun, wenn das und das passiert. Also das Erste, was du tun kannst, ist, deinem Kind zu lernen, als Familie entscheiden wir selbst, wann wir erreichbar sind und wann uns jemand unterbrechen darf. So wie du uns das erklärt hast, Niki, aus euren Gesprächen, die ihr geführt habt zum Thema erstes Handy zu Hause. Diese Dinge kann man einfach durchbesprechen. Wie wollen wir unser Leben zu Hause haben? Das habt ihr dann vielleicht schon gemacht bei euren Handyregeln, falls ihr welche habt. Aber auch deinem Kind klarzumachen, du hast ein Gerät und das kann man auf verschiedene Arten einstellen. Und ganz viele Funktionen sind dazu gedacht, dass du das selbst regulieren kannst. Wann bist du erreichbar, wann nicht? Wann brauche ich ungestörte Zeit, zum Beispiel bei den Schulaufgaben? Wie funktioniert das genau? Im gleichen Gespräch ist es auch ganz hilfreich zu sagen, warum man das tun muss, weil die Geräte sind so gebaut, dass sie uns stark ablenken. Die enthalten eine Menge Mechanismen, die uns reinziehen. Apps und Spiele werden so gebaut, dass wir dort viel Zeit verbringen sollen. Belohnungsmechanismen, wie das funktioniert im Gehirn mit Dopaminen. Jede kleine Belohnung macht so ein kleines Yeah im Gehirn. Und wir wollen immer mehr davon haben. Und dass wir das gar nicht so groß und so stark werden lassen, das sind wichtige Themen, auf die man auch mal gemeinsam schauen sollte.

SPEAKER_00

Weißt du, welches Bild mir gerade gekommen ist, so beim Sprechen? Ich habe gerade denken müssen an so ein riesiges Fußstücksbuffet, wenn man im Familienurlaub ist in irgendeinem tollen Hotel und dann kommt man da rein und ist erst einmal total überwältigt. Und wenn man sich jetzt vorstellt, das Smartphone ist wie so ein Fußstücksbuffet, nämlich mit einem unglaublichen Angebot fast schon überfordernd, dann heißt das ja noch lange nicht, dass man da wirklich sich alles auf den Teller packt. Das funktioniert ja gar nicht, das kann man gar nicht verdauen. Und sich bewusst auszuwählen und dann sich manchmal vielleicht auch bewusst dafür zu entscheiden, okay, heute neben der Melone hat auch mal ein Schokokronson-Platz, aber dann achte ich das nächste Mal wieder darauf. Genau darum geht es ja, sich den Teller so, dass er sich gut anfühlt und einem gut tut voll zu packen.

SPEAKER_01

Danke für die Essensmetapher, da in dem Zuge vielleicht auch noch gleich, welche Lebensmittel vertrage ich und welche vielleicht noch nicht.

SPEAKER_00

Du siehst, ich habe Hummel, wir nehmen gerade zum Mittag auf, mein Bauchknurrt.

SPEAKER_01

Auch deinem Kind auf jeden Fall klarzumachen, ich gehe jetzt weg von der Buffet-Metapher, aber deinem Kind auch klarzumachen, ja, es gibt natürlich witzige und spannende Ecken im Internet, die auch für Kinder total gut sind. Aber das Internet ist grundsätzlich einmal kein Spielplatz. Und ja, man kann mit Smartphones ganz viele nützliche und sinnvolle Dinge machen, aber die Geräte sind grundsätzlich kein Spielzeug. Man kann, je nachdem, was man macht, auch viel Schaden anrichten. Und wenn du solche Gespräche führst, dann wird das mit der Zeit dazu führen, dass dein Kind ein bisschen ein vollständigeres Bild von der Online-Welt bekommt. Dass nicht immer alles nur Roblox und Spielen und Musik und lustig ist und ich kann Nachrichten schreiben und bekommen und Emojis verschicken. Das ist so der grundsätzliche Spaß, den alle mögen. Aber dass da noch viel mehr dran hängt und dass es auch genug Ecken gibt, wo man einfach aufpassen muss. Ohne dass man jetzt irgendwie Schockerbilder herzeigen muss oder dem Kind gleich Angst mit ganz grusigen Sachen machen muss. Aber dass man einfach weiß, du bist hier in einer Welt, in der auch was passieren kann. Und damit nichts passiert, passen wir gemeinsam gut

Erste Selbstschutz-Werkzeuge

SPEAKER_01

auf. Hast du ein paar konkrete Werkzeuge für uns, wie sich das Kind selbst helfen kann? Ja, es ist ganz wichtig, dass du mit deinem Kind besprichst, was kann ich tun, wenn am Bildschirm plötzlich irgendwas auftaucht, was ich nicht sehen möchte oder was mir Angst macht oder was mir irgendwie komisch vorkommt. Kann alles Mögliche sein. Es gibt auf jedem Gerät einen Button, wenn du den drückst, wird der Bildschirm sofort schwarz. Man kann ein Handy sofort umdrehen, man kann ein Tablet sofort umdrehen, man kann ein Polster von der Couch drüberlegen. Aber gib deinem Kind irgendeine Handhabe, wie es sich selbst schützen kann, wenn irgendwas komisches am Bildschirm erscheint.

SPEAKER_00

Oder halt die Augen zu.

SPEAKER_01

Vielleicht ist das für manche leichter. Halt dir die Augen zu, lass es liegen und geh weg. Und dann komm zu mir und erzähl mir, was passiert ist und ich helfe dir dann. Dass dein Kind einfach eine ganz schnelle Handhabe hat, wenn was komisches passiert, ich kann mir helfen. Und das Gleiche auch für den Moment, wenn dich jemand fremder anspricht oder wenn du eine komische Nachricht bekommst. Am besten nicht antworten, am besten die App abdrehen und wir sprechen dann drüber

Wann Eltern eingreifen

SPEAKER_01

und ich helfe dir.

SPEAKER_00

Ab wann würdest du denn sagen, aus deiner Erfahrung als Smartphone-Coach heraus, sollten Eltern wirklich aktiv in der Nutzung eingreifen? Alle, sage ich jetzt einmal, behaupte ich, versuchen als Eltern eine Vertrauensbasis zu schaffen. Wir versuchen die Kinder bedürfnisorientiert zu erreichen. Aber wann sagst du, ab diesem Punkt müssen wir jetzt wirklich in einen anderen Modus switchen und Tachelis reden?

SPEAKER_01

Ich weiß, die bedürfnisorientierte Erziehung ist ein großes Ding, aber bei digitalen Tools muss man einfach extrem aufpassen. Also es gibt tatsächlich einen ganz großen Bereich, da geht es um Schutz und um Sicherheit. Und ab dem Zeitpunkt, wo dein Kind beginnt, ein smartes Gerät zu verwenden, musst du regulieren. Gib niemals einem Kind ein ungesichertes smartes Gerät mit Internetzugang in die Hand. Das ist auf jeden Fall ein Zeitpunkt, bei dem du mit Regulierungen einsteigst. Und die Vorbildwirkung, haben wir eh schon mal besprochen, glaube ich, beginnt auf jeden Fall vorher. Also sobald dein Kind seine Umgebung wahrnimmt, ist da auch eure Mediennutzung dabei als Familie. Die Eltern, alle engen Beziehungspersonen, die da in irgendeiner Form auch eine Rolle spielen. Die Kinder kriegen das einfach mit. Sie sehen, wie wichtig sind die Geräte, wo dürfen die überall hin, wie oft dürfen die uns unterbrechen. Das lernen sie über Jahre und dann kommt das erste Gerät. Das heißt, so früh wie möglich eine gute Vorbildwirkung vorzuleben, schon mal anfangen, über viele Dinge zu sprechen und dann mit den ersten Geräten muss man wirklich aktiv einsteigen.

SPEAKER_00

Du kannst keine Regeln aufstellen, ohne dass es eine vertrauensvolle Basis

Vertrauen durch Interesse

SPEAKER_00

dafür gibt. Wenn wir über diesen großen Punkt sprechen, was würdest du sagen, warum ist es auch so wichtig, als Eltern sich mal zu überwinden, sich in diese Kindersmartphone-Welt einzulassen, die, sagen mir Freundinnen und Freunde, sehr anstrengend sein kann für erwachsene Gehirne. Aber warum ist es so wichtig, auch da Interesse zu bekunden, diese Lieblings-App sich einmal anzuschauen, die schrecklichen YouTube-Shorts sich zu geben? Ja, warum muss das sein?

SPEAKER_01

Warum muss das sein? Die vertrauensvolle Beziehung wird natürlich dann ganz wichtig, wenn irgendwas passiert. Wenn irgendwas Schlimmes eintritt oder irgendwas, wo tatsächlich einen Schaden angerichtet wird und dann möchten wir, dass Kinder sich anvertrauen, dass sie vertrauensvoll selbst das Gespräch suchen, dass sie vielleicht sagen, ich habe das oder das gemacht oder mir ist das oder das passiert oder jemand ist nicht okay zu mir im Netz in irgendeiner Form. Kann ja vorkommen. Dann brauchen wir eine vertrauensvolle Beziehung. Und auch wenn die Kids älter werden und im Teenie-Alter sich anfangen zu entfernen und wir nicht mehr eine ganz, ganz enge Beziehung haben, dann wird dieses Vertrauensverhältnis noch relevanter. Wenn ich dann keine Basis habe, dann wird es echt schwierig. Und so ganz kleine Schritte und Dinge, die du jetzt vorher erwähnt hast. Zum Beispiel, man spielt eine Runde Roblox mit, obwohl man das Spiel ganz entbehrlich findet. Oder was ich ganz oft auf Elternabenden höre, Eltern nennen Snapchat Snapdap, weil sie die App einfach so deppert finden und sagen, das braucht genau niemand, was die sich da hin und her snappen, oh Gott, nur Blödsinn, kann es gar nicht aushalten, mein Gehirn stirbt dabei, während ich das machen muss. Egal. Vertrauensbildend ist es, weil du gibst deinem Kind das Signal, du findest das gut, dir ist das wichtig und deshalb bekommt das in unserem Leben einen Platz. Ich mache mit, ich schaue mir das an, mich interessiert, was dir gefällt. Das ist eine mega vertrauensbildende Maßnahme und ich bin mir ganz sicher, wenn ihr irgendwas davon ausprobiert zu Hause, egal ob du dich bei einer Runde Videospiel blamierst oder ob du heimlich in Gedanken einschläfst, während du ganz langweilige oder ganz verrückte Videos anschauen musst. Egal, mach's, du wirst auch da ein bisschen mehr Ahnung haben, was deinem Kind gefällt. Du bekommst wichtige Infos auch für eure Vereinbarungen und du bleibst im Gespräch und du bleibst in Kontakt und das fördert eure Beziehung.

Chatten verstehen

SPEAKER_00

Wenn wir über Beziehung sprechen, dann meinen wir ja nicht nur die Beziehung innerhalb von Familien, sondern auch soziale Beziehungen nach außen, die mit Smartphones auch sehr gefördert werden. Also wenn da Nachrichten hin und her geschickt werden, wenn man sich anruft, das kann ja auch viel Positives haben. Beim Thema Beziehungen, warum ist es so wichtig, als Eltern auch das im Blick zu haben? Stichwort Chats, SMS-Chats, Gruppendruck, Dynamiken in Chatgruppen. Was sind deine Erfahrungen dabei?

SPEAKER_01

Kommunikation und soziale Kontakte über digitale Medien, über Apps, über Netzwerke, das funktioniert anders als im realen Leben. Uns fehlen da immer ein paar Ebenen. Es ist ganz wichtig, dass du mit deinem Kind darüber sprichst, wie Kommunikation online funktioniert und was dabei alles nicht vorhanden ist. Zum Beispiel, wenn du eine WhatsApp bekommst, egal ob das eine Audiosprachnachricht ist oder ob das eine Textnachricht ist, du siehst die Person dabei nicht. Du liest einen Text, aber die Person ist dabei nicht anwesend. Das heißt, du interpretierst selber, was da steht, wie es dem Menschen geht, was das für eine Bedeutung hat. Du bist nicht direkt vor Ort und kannst auch nicht direkt nachfragen. Und andersrum, wenn du selbst eine Nachricht schreibst, dann schreibst du da genau nur das rein, was die Information sein soll. Und alle zusätzlichen Infos, die wir haben, wenn wir mit einem Menschen gleichzeitig im Raum sind, dass wir die Person sehen können, angreifen können, dass ich sehe, wenn Niki, du bei der Tür reinkommst und ich sehe, ah, du bist super ausgeschlafen, du bist happy. Das siehst du nicht, das siehst du selten. Siehst heute ein bisschen müde aus oder ich sehe vielleicht irgendeinen Blick, dass ich mir denke, okay, ist irgendwas passiert, alles klar heute soweit. Das sind alles Zusatzinfos, die habe ich nicht, wenn ich digital kommuniziere. Wir treten mit Menschen in Interaktion und wir gehen auch in Resonanz. Wir spüren das, wenn Menschen anwesend sind und da ist ganz viel Zusatzinfo im Raum, die mitschwingt. Das habe ich alles nicht, wenn ich chatte oder wenn ich Audios verschicke und auch, wenn ich vielleicht Sachen verschicke, die nicht so okay sind oder die ich vielleicht lustig meine. Ich sehe nicht, wie die andere Person drauf reagiert. Und wenn ich jemandem was Schlechtes antue, dann muss ich in der Situation das auch nicht direkt machen. Ich bin auch nicht dabei, wenn die Person das bekommt und ich muss es auch nicht aushalten, wenn es der schlecht geht. Das sind alles Mechanismen, die müssen junge Menschen erst lernen, weil da entstehen mitunter Räume, in denen ganz schön arge Dinge auch passieren können. Und das direkt anzusprechen, ist total wichtig, dass das auch eine Verantwortung ist, wenn man chattet und dass sich das nicht unterscheidet von einem Gespräch mit einer Person in einem Raum von der Auswirkung her, dass das eine ganz starke Wirkung haben kann.

SPEAKER_00

Ich glaube, das kennen wir als Erwachsene auch sehr gut, oder? So WhatsApp-Gruppen, wo man sich denkt, wow, that escalated quickly. Oh mein Gott.

SPEAKER_01

WhatsApp-Gruppe des Todes, wie ich es nenne.

SPEAKER_00

Oh ja. Generell mit Kindern zu schreiben ist wirklich sehr, sehr spannend. Ich habe mal eine Mutter sagen, hören, mit meinem pubertierenden Sohn zu SMS ist ein bisschen so wie ein Chat mit einem Online-Flirt, der nichts mehr von mir wissen möchte. So, okay, ja, nein, antworten. Einsilvig. Ja, das muss man auch einmal aushalten.

SPEAKER_01

Aber sie konnte viel zwischen den Zeilen lesen,

Wenn Gespräche schwierig werden

SPEAKER_01

merke ich.

SPEAKER_00

Andrea, was für einen Tipp kannst du denn geben, außer nicht auszuzucken? Wie schaffe ich es, als Mama, als Papa, als andere Bezugsperson in einem Familienverband ein verlässlicher Gesprächspartner für das Kind oder den Teenager zu bleiben, wenn er mit Problemen zu mir kommt oder wenn mal was schiefgelaufen ist?

SPEAKER_01

Es wird wahrscheinlich mal was schieflaufen. Das ist bei den meisten so, es wird nicht immer Sonnenschein am digitalen Medienfamilienhimmel sein sozusagen. Aber so ist das Leben einfach. Das passiert auch manchmal beim Regulieren, es läuft nicht immer alles glatt, es funktioniert nicht immer alles gut. Keine Sorge, das ist bei allen so. Man kommt vielleicht auch mal in eine Richtung, wo man diesen ganz neutralen Boden verlässt, es gibt mehr Konflikte, es ist anstrengend, es sind intensive Zeiten, es dreht sich viel um die Geräte selbst, es wird viel gestritten. Ja, kennst du vielleicht, manchmal ist einfach so eine Zeit, oder? Bei manchen ist leider auch oft diese Zeit. Da muss man ein bisschen aufpassen. Wenn dein Kind lernt, wenn ich erwischt werde, passiert mir was Schlimmes oder meine Geräte sind dann immer weg, dann kann es sein, dass sich auch ein Klima entwickelt, in dem Dinge nicht mehr erzählt werden. Wenn das Vertrauen fehlt, dann komme ich nicht mehr, dann sage ich nicht mehr, wenn was passiert ist. Und wenn dann richtig was passiert, dann ist das schlecht, weil dein Kind ist dann alleine und kann sich niemandem anvertrauen. Und das sollte natürlich nicht passieren. Dein Kind sollte sich immer sicher sein können, egal was mir online passiert oder egal, was ich gemacht habe, ich kann immer kommen und mit dir drüber reden. Und du sagst, ich helfe dir. Irgendwann kommt dann auch bei den Teenys die Zeit, wo sie sich entfernen und wo das auch gut und wichtig ist für die Entwicklung. Das hilft aber dann leider in manchen Konfliktsituationen gar nicht. Also würde ich auch empfehlen, schau mal in der Familie und im Freundeskreis, welche Personen gibt es da vielleicht noch, die gute GesprächspartnerInnen wären, wenn dein Kind gerade nicht mit dir reden will. Das kann auch passieren. Dann brauchst du irgendjemanden, auf den man ausweichen kann. Biete andere Gesprächspartner an.

SPEAKER_00

Ich glaube, an dieser Stelle muss ich meiner Mama danken. Vor vielen, vielen Jahren kann ich mich erinnern, wie sie mal mit unserer Telefonrechnung in mein Kinderzimmer gekommen. Kannst du dich erinnern, das war die Zeit, wo man sich ins Internet einwählen musste, wo das so ganz lange gedauert hat und sich die Website so langsam aufgebaut hat? Und da wurde noch mit der Telefonrechnung nach Minute, glaube ich, abgeschrieben.

SPEAKER_01

Das war noch teuer.

SPEAKER_00

Ja, da kam sie mit der Rechnung ins Zimmer und ich glaube, es waren einige tausend Schillingen. Und ich habe meinen Kopf heute noch dran. Danke dafür.

SPEAKER_01

Ups. Ja.

Drei Stufen der Sorge

SPEAKER_01

Damit du zu Hause den richtigen Moment findest, bei dem du eingreifen musst. Oder damit du ein bisschen eine Ahnung hast, was könnte alles sein oder wie komme ich drauf, wenn bei meinem Kind was passiert ist, kann ich dir noch ein Konzept ans Herz legen. Das heißt, die wachsame Sorge nach Heim o Meer. Das ist der Begründer der neuen Autorität. Wir verlinken euch das unten in den Shownotes. Da geht es darum, dass du im ersten Schritt zu Hause einfach eine Situation hast, wo es um offene Aufmerksamkeit geht. Das heißt, ihr habt eine Vereinbarung, es gibt eine vertrauensvolle Beziehung und du hast einfach ganz normal Interesse an Ereignissen und Entwicklungen. Du weißt, was deinem Kind wichtig ist, aber es ist jetzt keine Situation, in der irgendwas Besonderes passiert. Das sollte so der Normalzustand sein. Der zweite Schritt ist, du merkst vielleicht, irgendwas stimmt nicht oder es gibt irgendeinen Hinweis auf ein Problem. Dann gehst du zum zweiten Schritt über, der heißt fokussierte Aufmerksamkeit. Das heißt, du richtest ein bisschen mehr Aufmerksamkeit auf ein möglicherweise problematisches Verhalten oder auf irgendeine Situation, wo vielleicht was passieren könnte. Das heißt, du erhöhst die Präsenz im Leben deines Kindes. Du bist stärker da, du bist mehr verfügbar und du gehst vielleicht intensiver ins Gespräch rein. Wenn sich dann dieser Verdacht bestätigt, also es läuft tatsächlich irgendwas aus dem Ruder, irgendwas ist passiert oder es besteht tatsächlich irgendeine Gefahr oder ein schädigendes Verhalten, bestätigt sich irgendwie, dann gehst du zu Schritt 3 über. Schritt 3 ist Schutz und Intervention. Es hat sich einfach eine Gefahr bestätigt und du als erziehungsverantwortliche Person greifst ein und stellst Schutz her für dein Kind. Du machst eine Intervention, das ist auch einseitig. Das heißt, hier geht es nicht mehr um Konsens, hier geht es nicht mehr um das lockere Familiengespräch, wo sich alle was ausmachen und jede Meinung zählt. Nein, du bist Elternteil und du stellst Schutz her. Das ist sozusagen der dritte Punkt. Du erkennst, es passiert jetzt was und an diesem Punkt ist es notwendig, dass du eingreifst. Wenn du dich an diesen drei Schritten orientierst, dann kannst du so ein bisschen eine Ordnung reinbringen, was tue ich selbst, wenn.

SPEAKER_00

Ja, passistdemokratisch ist oft gut, aber in der Familie muss dann manchmal ein Machtwort gesprochen werden. Das gehört dazu, zur Rolle. Amen.

Danke und Feedback

SPEAKER_00

Ja, danke für deine Expertise, Andrea. Und danke an alle Mamas, Papas, Omas, Opas, Onkel, Tanten, alle aufmerksamen Menschen in Familien, die die Nerven bewahren, die Interesse zeigen und die Aufmerksamkeit schenken. Ein großes Danke, ihr könnt euch auf die Schultern klopfen und ihr könnt uns auch gerne eine Nachricht schreiben. Auf Spotify haben wir übrigens auch immer eine Frage unten eingeblendet. Da würde uns auch sehr interessieren, wie ihr abstimmt. Schreibt uns, besucht unsere Website, besucht uns gerne auf Instagram, gebt uns fünf Sterne, hinterlasst uns einen Kommentar, das hilft uns wahnsinnig dabei, sichtbar zu sein und damit es diesen Podcast möglichst lange gibt.

SPEAKER_01

Und falls du eine ganz tolle Erfahrung gemacht hast in einem Gespräch mit deinem Kind über irgendwas Digitales oder über irgendein Handythema, dann teil doch deine Erfahrung mit uns und lass uns wissen, warum das besonders gut gelaufen ist und warum das bei euch besonders gut geklappt hat.

SPEAKER_00

Und hör nächste Woche wieder rein. Am Donnerstag in der Früh erscheinen wir immer. Eine neue Episode ist auf dem Weg. Danke fürs Dabeisein. Wir begleiten euch durch den digitalen Wahnsinn. Bye, bye.

SPEAKER_01

Ciao. Tschüss. Passt gut.