Smartphone Sprechstunde
Orientierung im digitalen Wahnsinn.
Der Podcast für Familien, die im Bildschirmstress den Durchblick behalten wollen.
Unser Podcast hilft Eltern dabei, den Alltag mit Handy & Co. souverän zu steuern.
„Smartphone Sprechstunde“ ist ein journalistisch recherchierter Podcast von Host
Niki Löwenstein in Kooperation mit Smartphone-Coach Andrea Buhl-Aigner.
Smartphone Sprechstunde
#12 3 Wochen offline: Was hinter den Kameras des Handy-Experiments passierte – und bis heute wirkt
Use Left/Right to seek, Home/End to jump to start or end. Hold shift to jump forward or backward.
Von Gänserndorf bis in die New York-Times: Der Bio-Lehrer Fabian Scheck hat 2025 ein verrücktes Schulprojekt gestartet, das zum internationalen Phänomen wurde und Zehntausende Kids dazu inspirierte, ihr Smartphone einmal ganz bewusst wegzulegen.
Wir erfahren, wie das kleine Experiment zu einer großen Bewegung wuchs und einen Kulturwandel anstieß. Fabian erzählt, was passierte, als die Kameras ausgeschaltet waren – und wir stellen ihm Fragen, die noch niemand gestellt hat.
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Das nimmst du aus dieser Episode mit:
- 3 Wochen ohne Smartphone verändern mehr, als viele erwarten
- Das Ziel ist nicht Verzicht, sondern bewusste Nutzung
- Aus einem Schulprojekt wurde eine Bewegung
Kapitel:
2:18 Fabians Handy-Gewohnheiten
4:58 “Mein Kind ist wieder in meinem Leben zurück” - Wie alles begann
5:45 Beobachtungen in der Schule
7:35 Ein kleines Experiment schlägt große Wellen
11:10 Wie geht es der Klasse ein Jahr später?
14:45 Jugendliche Vorbilder für 72.000 Kids
16:05 Was passierte, bevor die Kameras angingen
18:00 Was Fabian und Niki im Experiment über sich gelernt haben
20:00 Handyverzicht - wie ein Neujahrsvorsatz?
21:20 Es passiert ein Kulturwandel
26:27 Studienergebnisse von 45.000 Schüler:innen
28:50 Wohlbefinden, Schlaf und psychische Gesundheit - wie geht es den Kids?
33:56 Experimente für Erwachsene
34:00 Die Frage, die noch niemand gestellt hat
36:20 Andreas Tipps für zu Hause
Links & Studien:
Episode #4 “Handy-Experiment Teil 1 - Warum wir uns komplett verschätzt haben”
Episode #5 “Handy-Experiment Teil 2 - Zurück zum Handy, aber anders”
Handy-Experiment - Alle Infos & Unterlagen
Link zur ORF Dok1 zum großen Handy-Experiment 2026
Link zur ORF Dok1 “3 Wochen Handy-Entzug - Das Experiment” (Handy-Experiment 2025)
Psychische Gesundheit von österreichischen Jugendlichen HBSC Factsheet 01 aus Erhebung 2021/22
Hol dir deine Zeit zurück - In 3 Schritten zu fokussierter Handynutzung
Lass von dir hören!
Was möchtest du wissen? Welche Erfahrung kannst du teilen? Welche Themen sollen wir als nächstes besprechen?
Schreib uns gerne direkt auf www.smartphone-sprechstunde.at oder über Instagram https://www.instagram.com/smartphonesprechstunde/
Die Smartphone Sprechstunde erscheint jeden Donnerstag:
Raus aus der digitalen Überforderung. Rein in die digitale Selbstbestimmung. Wir helfen Familien dabei, den Alltag mit Handy & Co. souverän zu steuern.
Smartphonecoach Andrea Buhl-Aigner und Host Niki Löwenstein ergründen Mechanismen, Gefahren und Vorteile von smarten Geräten. Dabei stützen wir uns auf wissenschaftliche Erkenntnisse und persönliche Erfahrungen.
Ohne Panikmache oder Technik-Bashing: Bei uns gibt es unterhaltsame Gespräche mit alltagstauglichen Tipps, damit smarte Geräte in Familien wieder zu dem werden, was sie sein sollen: praktische Helfer statt Aufmerksamkeitsvampire.
Gefördert durch die Wirtschaftsagentur Wien. Ein Fonds der Stadt Wien, realisiert in redaktioneller Unabhängigkeit.
Okay, super. Dann würde ich mal mit der Anmoderation starten und dann schauen wir, was passiert. Smartphone Sprechstunde. Orientierung im digitalen Wahnsinn. Der Podcast für Familien, die im Bildschirmstress den Durchblick behalten. Hallo, herzlich willkommen in der Smartphone-Sprechstunde. Vor einem Jahr startete ein Schulprojekt, das große Wellen geschlagen hat. Das Handy-Experiment. 69 Schülerinnen und Schüler eines Gymnasiums legten für drei Wochen ihr Smartphone weg. Begleitet wurde das Experiment vom ORF und wissenschaftlich vom Anton Brocksch-Institut. 2026, also gerade aktuell, wurde das Experiment dann wiederholt. Wir haben dazu übrigens Episoden aufgenommen und verlinken sie euch in den Shownotes. Aus dem ursprünglich kleinen Experiment wurde eine der größten Untersuchungen rund um Smartphone-Konsum von Kindern und Jugendlichen im deutschsprachigen Raum. Teilgenommen haben mittlerweile zehntausende Kids. Darunter auch meine Tochter. Mein Name ist Niki Löwenstein. Hallo, ich bin euer Host.
SPEAKER_00Hallo und ich heiße Andrea Buh-Eigner und ich begleite Familien als Smartphone Coach. Die Idee zum Handy-Experiment, die kommt übrigens ursprünglich von ihm, Fabian Scheck, Biologielehrer, Geolehrer und Lehrer für digitale Grundbildung am Konrad-Lorenz-Gymnasium in Gensandorf in Niederösterreich. Wir wollen heute von ihm wissen, was ist eigentlich auch hinter den Kameras passiert? Welche überraschenden Erfahrungen gab es auch aus den mittlerweile riesigen Datensätzen von der Untersuchung und was ist von den positiven Veränderungen ein Jahr später tatsächlich geblieben? Herzlich willkommen, Fabian.
SPEAKER_02Hallo, Grüße, es freut mich, dass ich da erzählen darf. Hallo.
SPEAKER_01Ja, hallo, schön, dass du dir Zeit nimmst. Das ist ja bei einem Familienvater und Lehrer jetzt auch nicht so einfach, dass du dir da nochmal ein Stündchen aus der Hüfte schneidest.
SPEAKER_02Aber gern, für solche Themen immer super gern. Und ich denke mir, es ist so eine tolle Geschichte, euer Podcast. Und wenn wir da jetzt mit dabei das Handyexperiment noch ein bisschen raustragen, dann freut es mich einfach sehr.
SPEAKER_01Oh, fein. Wir starten bei unseren Gästen immer mit einem kleinen WordRap rund ums Smartphone. Ich bitte um kurze, intuitive Antworten. Welche Rolle spielt denn dein eigenes Smartphone in deinem Leben?
SPEAKER_02Ich würde sagen, seit dem Handy-Experiment eine kleinere, aber es ist trotzdem so, dass ich das Handy, also das Smartphone prinzipiell als cooles Gerät mit habe, weil es meinen Alltag erleichtert. Aber ich habe einfach in den letzten, naja, mittlerweile eineinhalb Jahren gelernt, dass man es sinnvoll einsetzen muss. Und ich versuche das jeden Tag besser zu machen, smarter zu machen und so, dass es mir tatsächlich hilft und nicht mich irgendwo hineinzieht.
SPEAKER_01Die nächste Frage ist ein bisschen gemein, weil wir gerade Remote aufnehmen. Wo ist denn aktuell dein Handy jetzt gerade?
SPEAKER_02Es liegt gerade direkt vor mir, unterstützt bei der Aufnahme. Aber ansonsten wäre es jetzt so, also in so Besprechungen mache ich es eigentlich immer so, dass ich schaue, dass es aus dem Raum hinauswandert, dass es mir nicht irgendwie ablenkt.
SPEAKER_01Das ist natürlich schon auch das Geniale am Handy. Als André und ich Journalismus studiert haben, da konnte man nicht einfach irgendeine Sendung aufnehmen. Da musste man ein Studio dazu haben. Jetzt reicht das Handy und man kann, zack, seine Sprache aufnehmen. Wie lange war denn deine Bildschirmzeit gestern? Es reicht doch eine Schätzung.
SPEAKER_02Gestern war meine Bildschirmzeit auf jeden Fall unter zwei Stunden. Ich kann es dir jetzt gar nicht genau sagen, aber für mich ist es jetzt so in den letzten Monaten habe ich mir für mich so die Regel gesetzt, ich möchte gern unter zwei Stunden Bildschirmzeit schaffen. Und für mich ist es immer so ein bisschen Erfolgserlebnis, wenn ich am Abend, bevor ich es weggehe, drauf schaue und mir denke, cool, unter zwei Stunden oder na, ich war wieder drüber und gestern weiß ich, war ich drunter.
SPEAKER_01Respekt, das ist echt eine gute Zeit. Was ist denn am Smartphone genial?
SPEAKER_02Ich finde, es ist ein super Tool, um sich auszutauschen, es ist ein super Tool, um sich Informationen zu holen. Und da verwende ich es wirklich gern, dass ich über Dinge, wo ich jetzt nicht genau Bescheid weiß, dass ich einfach geschwind nachschauen kann. Und aber auch, wenn man jetzt irgendwie sich kontaktieren will, oder auch das wissen wir ja, wenn wir irgendwie geschwind was Tolles aufnehmen oder filmen wollen oder Foto machen, da ist es schon wirklich cool.
SPEAKER_01Und welche Angewohnheit möchtest du lieber wieder loswerden?
SPEAKER_02Ich würde gerne loswerden, dass es mich trotzdem immer wieder in den Band zieht. Das ist manchmal schon passiert, aber mir, obwohl ich jetzt seit anderthalb Jahren einfach mit dem Thema wirklich viel drinnen bin, passiert es auch da, dass ich mir denke, war das jetzt notwendig, dass wir da jetzt wieder, weiß ich nicht, 20 Minuten einfach im Internet unterwegs war, was eigentlich gar nicht wichtig gewesen wäre, ich hätte es doch weglegen können und zum Beispiel einfach mit meinen Kids im Garten sein. Es passiert eh weniger, aber es passiert trotzdem immer noch und es zeigt mir halt, welche Macht oder welche Algorithmen auch auf mich immer noch wirken.
SPEAKER_01Super, danke für diese erste schnelle Fragerunde. Andrea, übernimmst du?
SPEAKER_00Sag uns doch nochmal zum Einstieg ins Handy-Experiment. Was war damals in deiner Klasse der ausschlaggebende Moment für den Start?
SPEAKER_02Also prinzipiell ganz ausschlaggebend war für mich, ich habe immer wieder so von Handy-Dietox mitbekommen und habe ein Interview gelesen oder gesehen von einem Papa, der berichtet hat von so einem Detox und hat gesagt, mein Kind ist wieder in meinem Leben zurück gewesen. Und ich habe das gesehen und dachte mir, das gibt es ja nicht, dass das Smartphone jetzt schon so ins Familienleben greift. Also wir haben zwei kleine Kinder, vier und sechs Jahre, da ist das noch nicht so ein Thema. Und ich dachte mir dann, es wäre schon ziemlich interessant herauszufinden, ob das bei meinen Schülerinnen und Schülern auch so ist, ob die auch so in der Abhängigkeit drin hängen. Und ich habe dann in meiner Schule noch dazu ein paar Beobachtungen gemacht, eben dass vor allem in den Pausen in der Oberstufe, wo ja das Smartphone bei uns nicht wirklich reguliert ist, dass wir sie da kaum am Gang sehen, dass sie da in den Klassen sitzen, dass es leise ist. Und totaler Kontrast zur Unterstufe, wo das Smartphone einfach am Vormittag in der Schultasche ist oder im Spind, die in der Pause unterwegs sind, wo es wurdelt, da tut sie was, die sind an den Tischtennistischen unterwegs. Und das habe ich beobachtet in der Schule und ich habe mir gedacht, das gibt es ja nicht. Nur weil ich jetzt statt in die vierte, in die fünfte komme, vergesse ich alle soziale Interaktion. Und die jungen Menschen haben dann gesagt, nein, aber wir machen eh gemeinsam. Wir schicken uns ja Snapchat-Fotos oder wir spielen digital. Und wer die Doc gesehen hat, hat, oder diese erste Doc letztes Jahr, der hat gesehen, dass wir ein ganz neues Schulhaus haben, dass es ein cooles Schulhaus ist. Wir können wirklich Outdoor-Unterricht machen, wir haben viel Freiräume. Unsere Schülerinnen und Schüler können in den Pausen wirklich draußen spielen, sie bewegen. Und das ist für mich einfach echt rätselhaft, warum ein junger Mensch sich dann entscheidet, das nicht zu nutzen und stattdessen in der Pause einfach 10 Minuten, 15 Minuten am Handy zu sein. Und dann dachte ich mir, ich würde es einfach gern vorschlagen, dass wir einfach einmal eine Zeit lang aufs Smartphone verzichten, gemeinsam als Klassengruppe. Und das war dann meine sechste Klasse eben zum Thema Sucht, Drogenabhängigkeit. Und wir haben einfach gemeinsam überlegt, wollen wir das nicht probieren. So 21 Tage total aufs Smartphone zu verzichten. Und es ging dann von 100% Ablehnung zu fast kompletter Zustimmung. Und das war eigentlich schon ein cooler Prozess.
SPEAKER_01Wer sich die ORF-Dokumentation dazu noch einmal nachschauen möchte, wir verlinken natürlich alles in den Shownotes. Wir wissen, dass wir auch viele Zuhörer und Zuhörerinnen aus Deutschland haben. Schaut's rein. Das ist wirklich sehenswert. Sag, und Fabian, ich habe ja in der Anmoderation schon gesagt, es hat große Wellen geschlagen. Das bedeutet, von der New York Times bis zur Bild-Zeitung wurde darüber berichtet. Hast du dir das gedacht am Anfang bei deiner ersten Idee, dass das so ein Riesenthema ist?
SPEAKER_02Gar nicht. Ich habe wirklich überhaupt nicht gedacht, dass es überhaupt Thema ist, weil ich dachte mir, wir machen einfach in Gänsendorf mit meinen sechsten Klassen an Selbstversuch im Biounterricht. Und irgendwie so aus den Erfahrungen, die ich dann hatte, haben wir gedacht, okay, vielleicht ist es ja irgendwo medial auch interessant, das aufzugreifen. Und wir hatten halt dann tatsächlich das Glück, dass da den Kontakt zu Lisa Gardenstedter, dass sie das einfach ergeben hat. Und wo sie dann gesagt hat, sie möchte es gerne aufgreifen, sie möchte darüber berichten, dachte ich mir, okay, vielleicht ist es doch spannender, als wir hier in Gensendorf dachten. Vielleicht ist es doch für ein paar mehr Menschen interessant. Aber wie du gerade gesagt hast, es ist mittlerweile tatsächlich international nachgefragt. Wir haben in Österreich de facto jedes Medium, das darüber berichtet hat. Und ich muss sagen, wir konnten damit jetzt so viele Menschen begeistern. Und ich glaube auch für so viele Menschen einfach da vor Ostern eine coole Zeit hinkriegen, dass ich mir schon denke, also aus dieser Erfahrung heraus oder mit diesen Ergebnissen hätte einfach gar niemand gerechnet. Niemals haben wir das am Schirm gehabt. Und ich sage auch immer, so witzig gerade Elisa Gartenstädter und ich, wenn wir gewusst hätten, wie groß das wird, hätten wir unsere E-Mail-Adressen wahrscheinlich nicht auf die Homepage geschrieben.
SPEAKER_01Lisa Gartenstätter ist der Host, die Moderatorin dieser Sendung. Habt ihr auch so eine Art Hate-Mail bekommen? Habt ihr ganz fiese E-Mails bekommen? Wegen dir darf ich jetzt mein Handy nicht mehr haben?
SPEAKER_02Da war ich tatsächlich verwundert, das gab es kaum. Und ich würde sagen, gar nicht von jungen Menschen, eher von den Erwachsenen, von den Eltern. Da gab es schon, dass Erwachsene gesagt haben, sie verstehen das nicht ganz, dass man in einer Zeit der Digitalisierung so ein Handy-Experiment startet, weil da wäre es doch besser, wenn man setzt vermehrt auf KI und integriert Digitalität noch mehr in den Alltag. Da habe ich dann immer gesagt, okay, das wäre schön, das einfach nochmal erklären zu können, weil es ging uns ja nie um entzudigitalisieren, sondern es war einfach immer dieser bewusste Konsum. Und von jungen Menschen haben wir eigentlich, also ich habe keine negativen Rückmeldungen bekommen, aber wir haben uns schon davor gefürchtet, das muss ich ehrlich sagen. Auch meine Schülerinnen und Schüler waren ein bisschen so, naja, wie wird denn das? Werden wir jetzt da quasi die Feindbilder Österreichs, zumindest bei den Jungen. Und es war genau das Gegenteil. Wir waren wirklich in vielen Schulen und ich habe auch meine Schülerinnen und Schüler immer mitgenommen, oder immer nicht, aber auf viele Termine mitgenommen. Und wir sind teilweise empfangen worden wie Superstars.
SPEAKER_00Großartig.
SPEAKER_02Ich war dann echt, ja, ich war verwundert und habe auch dann in den Schulen gesagt, es ist wirklich erstaunlich, wir kommen daher, ihr empfangt uns mit Applaus und man könnte ja glauben, wir sind die, die euch das Handy wegnehmen wollen. Aber ich glaube, die jungen Menschen haben schon verstanden, was unser Hintergrundintention war, dass es eben nie darum ging, irgendwem irgendwas wegzunehmen, sondern dass man selber seine Erfahrungen sammelt und dass man eben selber Medienkompetenz erwirbt. Und ich muss sagen, das ist ja fast dann das Paradebeispiel hier, was wir da hatten, dass für junge Menschen auch auch ihre eigenen Erfahrungen gesammelt haben.
SPEAKER_00Das habe ich auch schon gemerkt, dass man bei solchen Aktionen heute immer auch ganz groß drüber schreiben muss, wir sind nicht digitalisierungsfeindlich, weil genau wegen dieser Reaktionen, von denen du gerade erzählt hast, aber freue mich sehr, dass es mehr positiv war und dass sich das ganz stark in Grenzen gehalten hat, diese Kommentare. Du und deine Klasse vom Experiment 2025, die wurden ja nicht nur damals wissenschaftlich begleitet, sondern die wurden auch heuer ein Jahr später nochmal mitgetestet. Wie geht es denen ein Jahr danach? Ich habe in der neuen Doc das Interview mit der Nova gesehen, wo er in dem Kino gesessen seid. Und der hat in der Doc gesagt, sie ist auf acht Stunden Handyzeit runter, von früher über 17, glaube ich einmal. Gab es auch bei den anderen positive Langzeitwirkungen? Wie geht es denen heute?
SPEAKER_02Ja, also ich muss sagen, sie würden jetzt sagen, naja, ich habe es ja, wir sind jetzt nicht repariert. Es ist nicht, dass unsere Bildschirmzeit jetzt auf zwei Stunden runter reduziert wurde. Also sie nutzen das schon noch sehr viel. Und wahrscheinlich auch in Bildschirmzeiten, wo man sich manchmal denkt, okay, weiß nicht, ob das so gesund ist. Aber ich sage immer, sie haben ja den größten Endgegner gegen sich, den man haben kann. Das heißt, nur weil du mal drei Wochen auf ein Handy verzichtet hast, dann weißt du vielleicht, wie es auf dich wirkt, aber du wirst natürlich sofort wieder eingefangen von diesen ganzen Algorithmen und diesen Apps, die dafür programmiert sind. Aber sehr viele, und das finde ich einfach schon toll, berichten, dass sie viel bewusster damit jetzt umgehen. Dass sie jetzt gelernt haben im letzten Jahr oder eineinhalb Jahren, einfach, wie funktionieren Algorithmen, wie ist das überhaupt, wieso greife ich so häufig zum Handy, wieso lenkt es mich so ab? Fast alle beobachten ihre Bildschirmzeiten, das war vorher gar nichts. Sehr viele haben sie App-Timer gesetzt, dass sie halt einfach verhindern, dieses endlos scrollen auf TikTok. Sehr viele haben auch die Bildschirme auf Schwarz-Weiß gestellt, dass man halt nicht so hineinfällt in diese, ah, ich sehe TikTok und klicke einfach drauf, ob ich will oder nicht. Ich würde schon sagen, dass es etliche Jugendliche gibt, die auch nachhaltig schon ihren Umgang reduziert haben damit. Also die einfach sagen, hey, ich habe keinen Bock mehr auf Social Media. Wobei, ich sage immer, ich weiß gar nicht, ob man auf Social Media sagen kann, weil für mich ist es kein soziales Medium mehr. Wenn man so bewusst einfach Kinder krank oder kaputt macht, finde ich, es ist ein asoziales Medium. Und das checken auch die jungen Menschen immer mehr und verschüssen sie dann von diesen Plattformen wieder. Und nutzen dann vielleicht andere Dinge. Ob das jetzt dann so viel besser ist, wenn ich dann statt Klassenchat dann KI-Chat führe, das wisst ihr eh besser noch und das sind wieder andere Themen, die wir aufmachen. Aber ich merke schon, sie sind halt einfach bewusst in dem Ganzen, sie haben ganz viel mitgenommen und sie sind verdammt stolz auf ihre Geschichte, die sie da hatten. Sie sind richtig stolz, was sie losgetreten haben. Und wenn man so überlegt, was dieser Jahrgang einfach gelernt hat im letzten Jahr, in den letzten anderthalb Jahren, dann muss man sagen, das gab es wahrscheinlich vorher noch gar nicht. Und das ist wirklich schon cool zu sehen. Wir haben sie, Andrea, du hast recht, wir haben sie jetzt letzte Woche nochmal mit diesen Fragebögen mit dazugenommen. Wir werden das auswerten, wir werden sehen, was irgendwie die Langzeitwirkung ist. Der Oliver Scheinbogen sagt immer, einmal so eine Interventionsstudie oder so ein Interventionsprojekt wird wahrscheinlich nicht reichen. Im Suchtenzug braucht es manchmal bis zu zehn Anläufe. Zehn. Aber es ist zumindest der erste Schritt, ja, bis zu zehn. Und ich denke mir, okay, vielleicht brauchen wir nächstes Jahr wieder ein Handy-Experiment. Vielleicht ist es einfach dann unser alljährliches Osterhandy-Fasten. Wer weiß. Und wenn wir das regelmäßig haben, naja, wird es jedes Jahr mehr Menschen einfach mit ins Boot holen, wird es jedes Jahr mehr Menschen dazu bringen, dass man einfach drüber nachdenkt. Und das ist ja eigentlich das Ziel dahinter.
SPEAKER_01Ich finde es schon besonders cool, wenn man als junger Mensch, als Jugendliche zu einem Role-Model wird für andere junge Menschen, noch jüngere Kids. Ich habe das an meiner Tochter festgestellt, die dieses Jahr eben auch mitgemacht hat beim Handy-Experiment. Wir haben vergangenes Jahr die Dokumentation zusammen angeschaut und als sie dann gehört hat, es gibt die Gelegenheit und ihre Schule macht auch mit, da ist ein Strahlen gekommen in das Gesicht. Also das war überhaupt keine Überredung, die ich da irgendwie anwenden musste. Ganz im Gegenteil, die war von Anfang an enthusiastisch mit dabei und sowas mal initiiert zu haben, boah, da könnt ihr euch wirklich auf beide Schultern klopfen. Das ist schon was ganz Besonderes.
SPEAKER_02Ich klopfe jetzt. Ja, ich klopfe.
SPEAKER_01So weißt du auch. Schön.
SPEAKER_02Ja, also es ist schon verrückt, wenn man, wenn man jetzt irgendwie auch so das sieht, wie das rausmultipliziert hat. Und wenn ich mir denke, okay, wir haben das in Gensendorf gestartet, vielleicht ist es aus meiner Idee oder zumindest zu dieser Umsetzung aus unserer Idee in Gensendorf jetzt was Großes geworden. Also das macht mich schon demütig, wenn man jetzt sieht, wie viele Menschen quasi von unserer Idee sich da was abschneiden konnten, auch mit dabei sein konnten. Und ich würde sagen, wir haben auch ganz viel Wertschätzung erlebt, weil wir die aber auch rausgetragen haben. Und auch Lisa Gardenstedter mit ihrer Talk 1 ist, finde ich, total gelungen. Die hat es einfach auch Wertschätzung drüber gebracht und das war sicher ein Glücksmoment oder ein Glückspuzzlstein, könnte man sagen.
SPEAKER_01Gab es eine Szene in diesen drei Wochen, die dir bis heute wirklich noch im Gedächtnis geblieben ist, die Teil deiner Erinnerung ist, weil sie dich so berührt hat? Vielleicht auch, als die Kameras gar nicht dabei waren.
SPEAKER_02Ja, es waren die Kameras, aber sie haben nicht aufgenommen. Das ist die Szene, die sieht man auch in der Doc ganz am Schluss, wo wir wieder gemeinsam aufdrehen. Wir sitzen da wieder auf den Sitzstiegen. Und bevor da die Kameras angingen, hat die, ich glaube Lisa Gannstetter tatsächlich was, hat gefragt, jetzt mal ehrlich, wer von euch freut sich denn jetzt wieder auf sein Smartphone? Und wir sind da, 48 Schülerinnen und Schüler noch gesessen, plus die Lehrkräfte, und es hat eine einzige Schülerin aufgezeigt und hat gesagt, ich freue mich wirklich ehrlich, wenn ich heute wieder auf TikTok gehen kann. Und alle anderen waren so, hä, ich weiß nicht genau, ich weiß jetzt nicht, ob das jetzt toll ist, wenn wir wieder aufdrehen. Inklusive mir, ich war wirklich sehr im Weg-Woggel, ob ich das jetzt toll finde oder nicht. Und das hat so gezeigt und so gespiegelt. Man ist nämlich drauf gekommen, dass in den drei Wochen das eigentlich eine richtig coole Zeit war. Man ist wieder zusammengerutscht, wir haben ganz viele Dinge gemeinsam gemacht, wir sind in einem total engen Boot gesessen. Wir waren einfach da gemeinsam und haben was Verrücktes ausprobiert. Und wir haben gewusst, wenn wir jetzt wieder auftreten, dann stürzen wir uns wieder in diese Smartphone-Welt. Es wird uns wieder reinziehen. Aber eigentlich bräuchten wir es gar nicht. Nur gegen die Sozialgruppe dann zu sagen, okay, wir nutzen es jetzt gar nicht mehr. Wir melden jetzt einfach TikTok, Instagram, Snapchat und Co. alles ab. Das ist halt auch für junge Menschen und auch für Erwachsene, finde ich, schwer, dass man sie wirklich gegen die Gruppe stört und sagt, du, ich habe jetzt erlebt, das ist besser, ich mache es nicht. Und das wussten wir, dass es vermutlich in diese Richtung wieder gehen wird. Und man sieht das dann selber bei mir, ich hatte über 200 WhatsApp-Benachrichtigungen, obwohl alle wussten, dass ich abgedreht habe. Und mir hat das so überfordert, also ich habe das auftragen, habe die Nachrichten gesehen und habe direkt das Handy wieder auf Flugmodus geschaltet, weil man gedacht habe, ich möchte so nicht weitermachen. Also damals wusste nicht, was ich jetzt ändern soll, aber so mag ich nicht. Ich habe das in Flugmodus geschalten, bin heimgefahren und habe mir dann überlegt, wie nutze ich denn das jetzt so, dass mir das nicht mehr so stressen kann.
SPEAKER_00Niki, erinnert dich das auch an was? Du hast ja auch die Lightversion mitgemacht beim Handy-Experiment mit Instagram-Verzicht.
SPEAKER_01Mir ist es ganz ähnlich gegangen, Fabian. Ich habe insofern eine Lightversion gemacht, als dass ich auf Social Media verzichtet habe. Ich habe das Smartphone zwar benutzt, aber bin halt auf keine sozialen oder wie du sagst asozialen Netzwerke mehr gegangen und habe das genauso wie du erlebt, als ich nach den drei Wochen da wieder reingeschaut habe und die Nachrichten haben sich zwar in Grenzen gehalten, aber trotzdem schaust halt in irgendwie fünf, sechs, sieben Nachrichten da mal rein und beantwortest ein bisschen was. Und ich habe dann auch sofort wieder die App zumachen müssen, weil ich körperlich eine Stressreaktion bemerkt habe. Also ich habe gemerkt, ich werde unruhig, ich halte das irgendwie nicht aus, ich bin nervös und habe das wirklich wie so von mir wegschieben müssen. Also ich glaube, da ist es uns ganz ähnlich gegangen. Und ich habe aber letztens erst, vor ein paar Tagen, bin ich da gesessen und dann habe ich wieder so vor mich hingescrawt, richtig wie vor dem Experiment, so bap bab bab bap bap bap bap bap bap. Und da habe ich mir zum ersten Mal gedacht, und das hat jetzt ein paar Wochen angehalten, aber da habe ich mir gedacht, oh, das kenne ich, jetzt bin ich wieder drinnen. Und ich weiß ja schon, dass es mir gar nicht gut tut, aber jetzt habe ich mich schon wieder so daran gewöhnt, an das Nicht-Guttun.
SPEAKER_02Ja.
SPEAKER_00Okay, bist wieder dabei.
SPEAKER_02Man fällt wieder in diese alten Muster rein. Bei uns in Gänsendorf war es ja dann so, wir haben das eben vor einem Jahr mit diesen 69 Schülerinnen und Schülern gemacht. Dann gab es das Feedback so gut an unserer Schule, dann haben wir das im November nochmal ausprobiert. Und jetzt nochmal, also rein theoretisch könnten unsere Schülerinnen und Schüler schon den dritten Anlauf haben und ich glaube, es braucht immer wieder so Refresh. Es war large Refresh, wo wir dann die Doc zur Ausstrahlung im September angeschaut haben. Weil es waren dann Schülerinnen und Schüler, die über den Sommer Social Media Tools wieder aktiviert haben und dann nach der Ausstrahlung gern wieder gelöscht haben. Also für mich passt es so zusammen mit diesem Neujahrsvorsatz, oder? Weil da ist doch auch als Erwachsener, denkt man sich, ah cool, jetzt ist der Erste Erste, ab heute mache ich wieder Sport. Oder mehr Sport oder verzichte jetzt ein bisschen auf Zucker oder ich weiß nicht, was auch immer. Und wir brauchen jedes Jahr wieder unsere Neujahrsvorsätze, damit wir wieder ein bisschen gesunder oder bewusster im Leben unterwegs sind. Wir haben genau das gleiche mit dem Smartphone.
SPEAKER_01Und ich habe das sehr schön gefunden, als du am Anfang auch gesagt hast, das ist auch ein cooles Teil, das man mitnehmen kann. Damit kann man lässige Sachen machen. Und es ist nicht nur ein Teufelswerkzeug. Also da die Balance zu finden zwischen, wie nutze ich es eben smart, wo tut es mir gut und wo ist es aber zu viel, das ist natürlich die große Frage, die wir uns immer stellen, deshalb gibt es überhaupt unseren Podcast. Aber mir gefällt der Ansatz sehr gut, zu sagen, wir verzichten nicht komplett, weil ist in unserer Welt halt auch nicht machbar und sinnvoll oft. Aber wir schauen, wie unser persönlicher Umgang am gescheitesten gestaltet werden kann, einfach einen realistischen Umgang zu finden.
SPEAKER_00Du, Fabian, hast du den Eindruck, jetzt auch nach diesen zwei Handy-Experimenten und den Sendungen und dieser hohen Aufmerksamkeit und diesem häufigen Besprechen in eurer Schule, gibt es schon sowas wie einen Kulturwandel bei euch? Hast du gemerkt, hat sich irgendwas grundlegend verändert? Gehen die Lehrerinnen, SchülerInnen, die Eltern irgendwie anders mit dem Thema um heute?
SPEAKER_02Also bei uns in Gänsendorf bin ich überzeugt davon, dass das so ist. Ob es uns jetzt so ganz auffällt, weil es war jetzt einfach ein Prozess über ein Jahr. Es ist nichts, was jetzt sofort dann wegschaltet, sondern es wird einfach immer bewusster. Für mich ist ein gutes Beispiel. Wir haben überlegt, okay, was ist unser Auftrag jetzt schulisch? Was können wir da weitermachen? Und wir haben einfach bei uns in der Schule dann beschlossen, wir haben gesagt, du, mit diesen ganzen Ergebnissen können wir einfach so nicht weitermachen. Wir müssen das irgendwie in der Schule, in den Schulalltag mitnehmen. Und wir haben uns dann auch zusammengesetzt mit den Elternvertretungen, mit der Schülerinnen und Schülervertretung und den Lehrkräften, also die Vertretung daraus, und haben gesagt, wie ist das eigentlich, wenn wir bei uns in der Schule am Vormittag smartphone frei sind? Können wir das machen, können wir das nicht machen? Und es gab ganz schnell einen Konsens darüber, dass wir gesagt haben, oh ja, das wollen wir, das können wir machen. Und es war in allen drei Gruppen eigentlich überhaupt kein Thema. Natürlich, die Schülerinnen und Schüler haben schon mehr gestruggelt. Also wir hatten, wir haben das Glück, dass unsere Schulsprecherin, die Valentina, dass die am Handy-Experiment selber mitgemacht hat. Und die hat immer gesagt, naja, die Valentina, die am Handy-Experiment mitgemacht hat, die weiß, dass wir da jetzt was tun wollen. Die Valentina, die jetzt hier tausend Schülerinnen und Schüler vertritt, der fällt es halt schwer, das jetzt zu entscheiden, weil natürlich, also da war großer Druck auf ihr. Und das ist auch verständlich. Und wir haben gesagt, es muss ein gemeinsamer Prozess sein. Wir wollen gemeinsam überlegen, wie steuern wir das. Und es kam dann aber auch von den Schülerinnen und Schülern super Vorschläge von den Eltern und von den Lehrkräften. Und wir haben uns jetzt einfach committed und das auch im Schulgemeinschaftsausschuss so beschlossen, dass wir ab September einfach eine smartphone-freie Lernumgebung anbieten wollen und das auch in unser Hausordnung so verankern.
SPEAKER_01Was bedeutet das Anbieten? Es kann sein, aber es muss nicht.
SPEAKER_02Ja, du hast recht, Anbieten heißt prinzipiell so, dass wir am Vormittag das schon in der Hausordnung geregelt haben, dass wir da keine Handys sehen wollen. Das heißt, wenn wir es pädagogisch im Unterricht brauchen, natürlich. Aber die private Nutzung. Und ich habe viele Schulklassen gefragt, gibt es einen Grund für euch, warum ich am Vormittag das Smartphone privat nutzen muss? Es gibt eigentlich keinen Grund. Warum anbieten? Weil wir gesagt haben, der Nachmittagsunterricht, der ja unsere Oberstufen betrifft, da sind oft Freistunden mit dabei, da haben sie vielleicht Lehrphasen und da lassen es wir ihnen offen. Da sagen wir, schau mal, wenn du dann, du bist ja schon zumindest über die Sekundarstufe 1 drüber hinaus, also du bist zumindest 14 oder 15 Jahre, du solltest selber schön langsam einen Umgang damit finden. Wenn du das in der Freistunde verwenden möchtest, wenn du das am Nachmittag in einer Pause verwenden möchtest, dann tu es. Aber denk dran, wir wollen eher smartphone-freie Schule sein, wir werden am Nachmittag das offen lassen. Am Vormittag, wenn auch die jungen Schülerinnen und Schüler da sind, da wollen wir es nicht, dann nehmen wir es raus. Und somit haben wir so ein bisschen, ja, ich würde sagen, einfach alle Stimmen mitgehört. Für uns entschieden, am Vormittag ist es einfach wichtig, dass wir uns konzentrieren können, dass wir ordentlich arbeiten können. Und wenn unsere Oberstufen am Nachmittag eben in Lehrphasen das Smartphone verwenden wollen, weil sie sie auch selber organisieren, was ja auch verständlich ist, dann können sie das tun, aber eben am Vormittag nicht.
SPEAKER_01Ganz ein wichtiger Faktor beim Umgang mit dem Smartphone ist ja auch das Lernen am Modell. Nicht nur im Sinne von, wir orientieren uns an den eigenen Eltern und wie die damit umgehen, sondern eben auch an den Peergroups. Wie machen das meine Kolleginnen, meine Freunde in der Klasse? Und ich denke, wenn ihr da ein Klima schafft, in dem das Smartphone einfach ganz bewusst betrachtet und eingesetzt wird, dann beeinflussen sich die Kinder auch gegenseitig. Wenn mein Freund es gerade nicht zur Hand hat, na, dann lege ich es vielleicht auch eher weg.
SPEAKER_02Ja, auch das haben wir beobachtet, auch nach dem Handy-Experiment. Sie machen es eigentlich teilweise schon selbstverständlich, dass sie sagen, okay, wir sind da jetzt als Gruppe, geben wir die Handys weg. Leg man es weg als bewusste Entscheidung. Beobachte ich übrigens auch bei sehr vielen Freunden aus meiner Umgebung, die da jetzt sagen, wir haben das gesehen, wir haben die Talk gesehen, wir denken drüber nach. Und ich habe das auch, wir haben so eine Freundes-Stammtischgruppe, wenn wir uns treffen, wir geben einfach die Handys weg. Und natürlich passiert es immer mal wieder, das sind jetzt viele mit Jungfamilien, okay, muss man kurz drauf schauen, kurz checken, aber ich beobachte einfach viel mehr diesen bewussteren Umgang. Und das auch bei uns in der Schule. Dass man halt sagt, okay, wir nehmen es weniger, natürlich gibt es junge Menschen, die das noch sehr viel verwenden, auch in den Pausen. Aber immer mehr höre ich das nach, aber wir geben es weg, weil es ist eigentlich ja uncool und es ist eigentlich voll wertschätzend, wenn man jetzt wirklich miteinander redet und wenn man nicht noch das Smartphone irgendwo mit dabei hat. Und da, das finde ich einfach einen tollen Ansatz, auch dass junge Menschen zu reflektieren.
SPEAKER_00Ja, mein Gefühl ist, es steht uns wirklich ein Kulturwandel bevor. Fabian, ein bisschen machen wir noch weiter, aber ich glaube, wir sind auf dem richtigen Weg, dann werden wir das hinkriegen. So eine Gegenbewegung, oder? Kommt, so der Gegentrend. Gegenbewegung, ja. Und vor allem jetzt auch mit den Daten, die wir jetzt hier aus dieser riesigen Studie am Tisch liegen haben. 2026, das ist ja, Niki, du hast es vorher schon gesagt, wirklich die umfangreichste Studie in der Hinsicht im deutschsprachigen Raum bisher. Wir wissen auch, die Auswertung ist noch nicht ganz fertig. Ich habe vorgestern mit dem Oliver Scheibenbogen gemält, ob er schon was rausrücken kann von den Daten, hat gesagt, er braucht noch ein bisschen, bis er was schicken kann. Ein paar Dinge wissen wir aber schon. Was sind jetzt ganz konkret die Ergebnisse, die schon auf dem Tisch liegen?
SPEAKER_02Zusammenfassend kann man sagen, unsere 69 letztes Jahr in Gensendorf, da haben wir ja fast die gleiche wissenschaftliche Studie mitgemacht. Die Ergebnisse decken sich ja. Und das war schon in Gensendorf erstaunlich zu sehen. Wir haben ja abgefragt nach dem psychischen Wohlbefinden. Wir haben da international standardisierte Fragebögen aus der Psychologie verwendet. Und wir haben schon in Gensendorf gesehen, dass das Wohlbefinden extrem angestiegen ist nach drei Wochen ohne Smartphone. Also wir waren ja damals 69, jetzt hatten wir über 45.000 in dieser Studie und dieser Wert ist ähnlich in dieser Auswertung. Das heißt, auch da kann man sagen, nicht nur 69 Gensendorferinnen und Gänsendorfer, sondern auch alle anderen, die da jetzt mitgemacht haben, haben sich im psychischen Wohlbefinden nach drei Wochen deutlich verbessert.
SPEAKER_00Ich muss das kurz verstärken. 46.000 Teilnehmerinnen in der Studie. Ich muss ganz kurz sagen, was das bedeutet. Weil wir haben ja in Österreich so Befragungen jedes Jahr wie den Jugendinternet-Monitor zum Beispiel. Bei den Standardstudien, die wir haben und die auch schon aussagekräftig sind, von der Datenlage her, werden in der Regel zwischen 500 und 1000 Menschen befragt. Das ist das, was in der Forschung Standard ist. Und jetzt haben wir eine Studie mit über 45.000 Teilnehmerinnen.
SPEAKER_01Eine davon ist meine Tochter.
SPEAKER_00Eine davon ist deine Tochter.
SPEAKER_01Und wir verlinken natürlich alle Informationen in den Shownotes. Und wenn tatsächlich die Daten alle ausgewertet sind, dann machen wir kurz mal ein Shoutout, oder? Im Podcast.
SPEAKER_02Können wir gerne, ich kann auch gerne nochmal berichten dann darüber. Aber danke, Andrea, dass du es nochmal so konkretisierst, weil es ist tatsächlich so. Also ich denke mir, wir wissen schlussendlich gar nicht, wie viele Menschen dann jetzt am Handy-Experiment mitgemacht haben, weil es eben auch international war. Wir wissen, wie viele sich angemeldet haben. Wir wissen eben, dass die 45.656, glaube ich, waren schlussendlich an dieser wissenschaftlichen Studie teilgenommen haben. Und diese Ergebnisse eben, da sehen wir, psychisches Wohlbefinden steigt. Auf der anderen Seite, das, was ich ja immer sage, bei uns in der Schule, ich bin da ein Vertrauenslehrer und wir haben in den letzten Jahren beobachtet, dass es jungen Menschen einfach schlechter geht. Nicht allen, aber tendenziell sind einfach auffallend mehr Kinder mit Essstörungen, mit Depressionen, mit Selbstverletzungen. Und wir haben das immer so ein bisschen auf die Pandemie geschoben, haben gesagt, okay, das war Covid, Corona hat da einfach die Kinder geschädigt und wir waren unsicher. Und deswegen haben wir dann einen Fragebogen mit reingenommen, wo es nach depressiver Symptomatik geht. Das heißt, wie schläfst du, wie gut geht es dir? Und haben das ausgewertet und wir sind draufgekommen in Gänsendorf schon, dass da die Score-Punkte nach drei Wochen ohne Handy um 30% gesunken sind.
SPEAKER_0030.
SPEAKER_0230, ja. Und wir haben österreichweit ähnliche Tendenz, auch da starker Abfall. Das heißt, wenn ich jetzt hergehe und sage, okay, warum geht es den Menschen, den jungen Menschen einfach nicht gut, dann muss ich sagen, es liegt nicht an Corona. Die Pandemie hat es wahrscheinlich verstärkt, dass sie digitale Inhalte nutzen, aber schlussendlich muss ich sagen, das Internet und die Dinge, die dort passieren, machen einfach junge Menschen kaputt.
SPEAKER_01Und wie wir aus unserer Folge zur Handysucht gelernt haben, Andrea, es sind sehr, sehr viele Menschen, nicht nur junge, auch Erwachsene betroffen, nämlich in Österreich jeder, jede Dritte, die ein problematisches Verhalten rund um Smartphone.
SPEAKER_02Ja, und das ist aber, also das, da haben wir es jetzt quasi in dieser großen Studie mit reingepackt. Das heißt, auf der einen Seite psychisches Wohlbefinden steigt, depressive Symptomatik geht zurück und dann auch, und ich komme gerade bei uns aus der Ortschaft aus der Mittelschule, haben dort über das Handyxperiment geredet. Andrea, du wirst das auch so erleben, wenn ich in Klassen gehe und frage, wer denn, und das ist wirklich von Seg 1 bis Säck 2, also von 10 bis 18 durchgehend, wenn ich frage, wer von euch hat denn die letzte Nacht wegen dem Smartphone oder wegen Internetdiensten nicht oder wenig geschlafen, dann habe ich eigentlich in jeder Klasse vier bis fünf Hände oben. Und wir haben auch da abgefragt, wie ist denn euer Schlaf? Und sehr viele junge Menschen berichten, dass sie können schlechter schlafen, sie schlafen nicht durch, sie können nicht ordentlich einschlafen. Und wir haben auch da in Gensendorf und jetzt auch österreichweit gesehen, da haben junge Menschen einfach zum Schlafverhalten deutliche Verbesserungen erlebt, wenn sie drei Wochen auf ihr Handy verzichten. Auf der anderen Seite können wir sagen, alle, die da in dem Thema drinnen sind, ja eh klar, wenn ich einfach bis zum Schluss mit diesem Licht arbeite, ist es schwer einzuschlafen. Wenn ich diese Inhalte vor die Nase kriege, ist es schwer einzuschlafen. Weil das muss ich auch mal emotional alles verarbeiten. Aber jetzt haben wir es halt auch in der Studie. Das zeigt schon, dass es einfach ganz wichtig ist, dass man in Elternaufklärung geht, weil Smartphone im Kinderzimmer ist einfach gang und gäbe.
SPEAKER_00Weil du die Corona-Pandemie vorher erwähnt hast, das stimmt sicher, dass die einige Dinge verstärkt hat und auch das Wohlbefinden beeinflusst hat. Ich verwende auf Elternabenden zum Beispiel auch eine Befragung, die das Gesundheitsministerium alle paar Jahre macht bei Kindern und Jugendlichen. Da werden österreichische Schülerinnen und Schüler befragt, eben auch zu Schlafgewohnheiten, Gereiztheit im Alltag, Wohlbefinden, solche Dinge. Und da sieht man seit ungefähr 2010 eine Verschlechterung der psychischen Gesundheit bei den österreichischen Jugendlichen. Also Corona hat es noch tatsächlich verstärkt, aber die Tendenz war schon vorher sichtbar.
SPEAKER_01Es ist halt auch leicht, zu der Begründung zu greifen und zu tendieren, wo man wenig Einfluss hat. Weil eine Pandemie, ja, kann ich als Elternteil halt nicht wirklich beeinflussen. Das eigene Nutzungsverhalten und das Smartphone-Nutzungsverhalten meiner Kinder, da bin ich halt doch sehr viel mehr verantwortlich.
SPEAKER_00Es war natürlich auch so ein intensiver Einschnitt, das war so spürbar für alle. Wenn ich mir die gesundheitliche Betrachtung seit 2010 ansehe, das stimmt schon mit den Zeiträumen überein, wo sich auch smarte Geräte stark verbreitet haben. Das ist jetzt nicht der einzige Einfluss auf das Wohlbefinden. Unser Alltag ist viel komplexer. Aber das kommt natürlich nicht spürbar ins Leben, sondern das kommt nach und nach, Schritt für Schritt und wird größer und ist auf jeden Fall, glaube ich, ein wichtiger Baustein beim Wohlbefinden im Alltag.
SPEAKER_02Eine Sache wollte ich noch merken, es ist natürlich nicht monokausal, das Smartphone oder die Internetdienste, dass es jetzt jungen Menschen schlechter geht. Also ich denke mir, wir haben jetzt viele Themen von Klimawandel angefangen, die in der Schule einfach präsent sind von diesen ganzen Konflikten. Aber vieles muss ich schon sagen, warum ist das in den Köpfen der jungen Menschen? Weil sie über Digitalität Zugang zu diesen Themen haben, weil sie es direkt vors abgeklatscht bekommen, ob sie wollen oder nicht. Und auf der einen Seite finde ich es gut, wenn jetzt Themen wie Klimawandel in den Köpfen drinnen ist. Aber auf der anderen Seite muss ich halt auch sagen, wenn sich ein junger Mensch innerhalb von Sekunden in den Ukraine-Krieg zuschalten kann, das finde ich halt dann wieder nicht so toll. Und da muss man sagen, das verstärkt halt dieser digitale Austausch schon sehr.
SPEAKER_00Die Intensität ist viel höher. Also man kann sich einfach diese ganzen Themen Stunden pro Tag reinziehen. Das Gefühl habe ich auch.
SPEAKER_01Lieber Fabian, welche Frage rund ums Handy-Experiment hat dir denn noch niemand gestellt, obwohl sie vielleicht auch wichtig wäre?
SPEAKER_02Spannend wäre, wie schaffen wir das, dass wir 70.000 Erwachsene am Handy-Experiment teilnehmen lassen. Wir haben das zwar schon mit dem Golli von den Mental Health Days überlegt, wie kann man das schaffen oder braucht man als Erwachsener auch was, aber das wäre tatsächlich interessant herauszufinden, ob auch das möglich wäre, dass wir Erwachsene, ja, und Niki, du hast es ja ausprobiert, auch klappt das im Erwachsenenleben, drei Wochen aufs Smartphone zu verzichten oder nicht? Und ich kann sagen, es klappt. Man muss es halt gut kommunizieren, man muss es gut vorbereiten. Aber auch das war eine verdammt spannende Erfahrung für mich selber.
SPEAKER_01Also wir wären dabei, Andrea, oder?
SPEAKER_00Ja, wir wären dabei. Ich habe hier auch schon mein Dampfon in der Lade liegen. Das ist für den Fall, wenn ich wieder mal mein Handy im Wasser versenke oder es kaputt geht, aber ich würde es auch für ein Experiment nehmen. Ich kann noch Karten lesen, glaube ich.
SPEAKER_02Aber es wäre schon spannend. Es wäre auch spannend, also ich möchte jetzt euch überhaupt nicht unter Druck setzen, aber für euren Podcast.
SPEAKER_00No pressure, no pressure.
SPEAKER_02Ein Selbstversuch und dann berichtet man live davon. Ich kann es gern unterstützen, ich kann euch gern beraten, ich kann auch gern mitmachen. Aber es wäre auf jeden Fall spannend.
SPEAKER_01Sehr, sehr cool. Na bitte, da haben wir was vor. Gutes Angebot. Wir werden uns auf alle Fälle wiedersehen. Lieber Fabian, danke für deine Insights in das Hexiperiment, auch nicht schlecht. Lieber Fabian, danke für deine Inseits in das Handy-Experiment. Danke auch, dass du uns erzählt hast, was wir in der Dokumentation nicht gesehen haben, was hinter den Kulissen ein bisschen passiert ist und vor allem was geblieben ist. Und wenn wir schon mal einen Herrn Fessor, also einen Lehrer bei uns haben, dann haben wir natürlich auch noch viele andere Fragen rund um das Smartphone und seine Rolle in der Schule. Und dazu nehmen wir eine ganz eigene Folge auf, die in der letzten Schulwoche dann ausgestrahlt wird. Also spätestens dann wieder reinklicken, am allerbesten aber jeden Donnerstag. Da kommt nämlich eine neue Episode von uns. Gebt uns gerne auch fünf Sterne auf euren Plattformen, hinterlasst einen Kommentar, schreibt uns, wie ihr uns findet, was wir besser machen können. Wir freuen uns wahnsinnig von euch zu hören. Und wir wünschen uns ja immer, dass ihr konkrete Tipps aus unserem Podcast mitnehmt. Andrea, welche drei Sachen nimmst du denn aus unserem Gespräch heute mit?
SPEAKER_00Ich habe da schon was vorbereitet. Wenn die Schule von deinem Kind das Handy-Experiment plant, unterstütze das Vorhaben bitte und lass dich drauf ein. Das hilft deinem Kind nämlich beim Durchhalten. Und vielleicht macht ihr zu Hause auch gemeinsam eine schöne neue Erfahrung, wenn du mitmachst oder zumindest dein Kind dabei unterstützt. Macht vielleicht auch mal in der Familie Experimente mit eurer Handynutzung. Was passiert, wenn ihr alle eure Geräte für einen Tag wegräumt? Oder macht ein Handyfreien Sonntag. Probiert mal ab 18 Uhr alle kein Handy mehr zu nutzen. Und dann beobachtet euch, wie es euch dabei geht. Oder macht mal das Benachrichtigungsexperiment. Alle Handys auf laut und einen Tag lang mitschreiben, wie viele Nachrichten auf welchem Handy kommen. Ich kann euch verraten, das bringt euch auf jeden Fall ordentlich Gesprächsstoff und kann auch viel Spaß machen.
SPEAKER_01Das könnte auch ein lustiges Partyspiel sein, bei jedem Klinging ein Shot. Aber bitte nur für die Erwachsenen.
SPEAKER_02Ich wollte gerade sagen, ich werde es meinen Schülerinnen und Schülern in der Form nicht vorschlagen, sondern sagen, sie dürfen es nur mit Orangensaft ausprobieren.
SPEAKER_00Mit Orangensaft und Niki, da gibt es einen Film dazu, oder? Wo Leute an einem Tisch sitzen und dann sagen sie, alle Handys auf laut und sie lesen sich gegenseitig die Nachrichten vor. So beginnt doch irgendwas Gruseliges. Ja, ja, ja, und dann werden natürlich alle Skandale da offen gelegt.
SPEAKER_01Wobei, das ist bei uns Fahrt, oder? Wir sind so brav. Ich kann dazu nichts sagen.
SPEAKER_02Also skandallös, skandallos.
SPEAKER_01Das ist ein schönes Schlusswort. Wie ihr seht, wir begleiten euch durch den Wahnsinn, vor allem den Digitalen.
SPEAKER_00Lieber Fabian, vielen Dank, dass du gekommen bist und mit uns über das Handy-Experiment gesprochen hast. Und für die nächste Episode plaudern wir noch ein bisschen weiter. Aber danke schon mal fürs Kommen.
SPEAKER_02Ja, ich sage wirklich vielen Dank für die Einladung. Es ist so ein Herzensthema geworden für mich und ich rede und plaudere einfach gern drüber, weil wir da das auch raustragen können. Und ich finde einfach euren Podcast wunderbar und es freut mich, ein Puzzlestück dieses Podcasts zu sein. Sie schicken mir gerade Herzen, ich schicke eins zurück, weil es wirklich toll ist, was da gemeinsam entsteht. Deswegen vielen Dank, vielen Dank an alle, die zuhören.