Smartphone Sprechstunde

#14 Smartphone im Kinderwagen? Was Bildschirme mit Babys machen

Niki Löwenstein & Andrea Buhl-Aigner Season 1 Episode 14

Use Left/Right to seek, Home/End to jump to start or end. Hold shift to jump forward or backward.

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Ein Smartphone im Kinderwagen? Das ist längst keine Seltenheit mehr. Schon Babys und Kleinkinder wachsen heute mit Bildschirmen auf – zum Beruhigen, Beschäftigen oder einfach, damit Mama, Papa & Co. kurz durchschnaufen können.

Welche Rolle spielen Handy und Tablet beim Sprechen lernen und Gefühle-Aushalten? Sind Videocalls mit den Großeltern okay? Wie realistisch ist “Bildschirmfrei bis 3”? Und wie entspannen sich Eltern mit Kleinkind, wenn immer ein Handy in der Nähe ist?

Niki erzählt, in welcher Situation mit Baby das Tablet ihre Rettung war. Und wir decken auf, warum sich Eltern gerne am Klo verstecken…

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Das nimmst du aus dieser Episode mit:

  • Ist der Blick auf’s Handy beim Füttern oder Stillen schädlich für dein Baby und was macht das mit der Eltern-Kind-Beziehung?
  • Welche Apps eignen sich, um Babyfotos zu teilen? 
  • Mythos Handystrahlung: Sind Handystrahlen in der Schwangerschaft oder neben dem Babybett gefährlich?

Kapitel:
0:12 Einstieg in die Bildschirmfrage
3:33 Babys, Bindung und Sinneseindrücke 
6:07 Gehirnentwicklung in den ersten Jahren 
11:33 Bildschirmfrei bis drei 
18:31 Blickkontakt und das Stillface-Experiment 
24:52 Langeweile darf sein 
27:03 Sprache leidet unter Bildschirmen 
29:12 Hörspiele als gute Alternative 
30:29 Mythen über Strahlung 
33:34 Videoanrufe mit Oma und Opa 
36:06 Die drei wichtigsten Tipps

Links & Studien:

“Strahlung ist nicht gleich Strahlung. MAITHINK X klärt auf.”
5G, WLAN & CO - Wann ist Strahlung schädlich? 

Babyfotos teilen
Zeitarc Kinderalbum

Babys mit Bildschirmen beruhigen
Longitudinal Associations Between Use of Mobile Devices for Calming and Emotional Reactivity and Executive Functioning in Children Aged 3 to 5 Years

Still Face Experiment
Infants' response to a mobile phone modified still-face paradigm: Links to maternal behaviors and beliefs regarding technoference

Bildschirmzeit von Kindern im 1. COVID-19-Lockdown
Bergmann, C et al, Young children’s screen time during the first COVID-19 lockdown in 12 countries, Scientific Reports 2022

Lockdowns, Bildschirmzeit und Spracherwerb
COVID-19 first lockdown as a window into language acquisition: associations between caregiver-child activities and vocabulary gain, Language Development Research 


Eltern-Kind-Bindung
Technology interference in the parenting of young children: Implications for mothers’ perceptions of coparenting 

Phone use while parenting: An observational study to assess the association of maternal sensitivity and smartphone use in a playground setting. 

Maternal Mobile Device Use During a Structured Parent–Child Interaction Task


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Die Smartphone Sprechstunde erscheint jeden Donnerstag:
Raus aus der digitalen Überforderung. Rein in die digitale Selbstbestimmung. Wir helfen Familien dabei, den Alltag mit Handy & Co. souverän zu steuern.

Smartphonecoach Andrea Buhl-Aigner & Host Niki Löwenstein ergründen Mechanismen, Gefahren und Vorteile von smarten Geräten. Dabei stützen wir uns auf wissenschaftliche Erkenntnisse und persönliche Erfahrungen.

Ohne Panikmache oder Technik-Bashing: Bei uns gibt es unterhaltsame Gespräche mit alltagstauglichen Tipps, damit smarte Geräte in Familien wieder zu dem werden, was sie sein sollen: praktische Helfer statt Aufmerksamkeitsvampire.

Gefördert durch die Wirtschaftsagentur Wien. Ein Fonds der Stadt Wien, realisiert in redaktioneller Unabhängigkeit.

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Hallo, herzlich willkommen

Einstieg in die Bildschirmfrage

SPEAKER_02

Smartphone-Sprechstunde. Orientierung im digitalen Wahnsinn. Der Podcast für Familien, die im Bildschirmstress den Durchblick behalten. Ein Baby mit Schnuller? Ja. Ein Baby mit Kuscheltier? Sowieso. Ein Baby mit Smartphone? Tja. Auch das sieht man inzwischen erstaunlich oft in Kinderwegen. Ob das wirklich eine gute Entwicklung ist und warum Babys vor allem etwas ganz anderes brauchen als Bildschirme. Darum geht's heute. Ich bin Niki Löwenstein, euer Host und Mama von mittlerweile einem großen Kind, aber auch das war mal ein Baby. Und ich freue mich sehr auf unsere Expertin, Smartphone Coach Andrea Boleigner. Grüß dich!

SPEAKER_00

Hallo Niki und hallo an alle, die uns wieder zuhören. Niki, deine Tochter, ist heute schon zwölf Jahre alt. Kannst du dich erinnern, damals, als sie noch ein Baby war? Welche Rolle hat dein Smartphone damals gespielt? War das damals schon so ein Thema? Hattest du schon irgendein Bewusstsein dafür?

SPEAKER_02

Wahnsinn, vor zwölf Jahren. Ja, ja, da hatten wir alle Smartphones und ich habe ganz viel die ganze Zeit auch am Smartphone nachgelesen, was ist das jetzt für ein Ausschlag und wie oft soll sie trinken und so weiter. Aber ich habe tatsächlich eine starke Erfahrung, nicht mit dem Smartphone, sondern mit dem Tablet. Da war sie noch sehr jung. Wir reden von einem Alter, wo sie gerade so das Tablet irgendwie halten konnte. Also wie alt wird sie gewesen sein? Eins. Das ist wirklich noch sehr klein. Und bei uns war die Situation so, dass meine Tochter Autofahren gehasst hat. Ich dachte immer, alle Babys und Kleinkinder lieben Autofahren, weil die schlafen dann immer ein. Aber nein, meine Tochter hat es gehasst, hat zu schreien begonnen, hat zu heulen begonnen. Ich vorne am Fahrersitz habe immer einen halben Nervenzusammenbruch bekommen und konnte nichts tun, weil selbst wenn ich dann irgendwie nach hinten gegriffen habe, was dann irgendwann wirklich für den Straßenverkehr gefährlich ist, ich konnte sie nicht beruhigen, bis sie soweit war, um dieses Tablet zu halten. Und ich muss sagen, uns hat das wirklich die Autofahrten und auch viele Nerven von mir gerettet. Wir haben dann so eine Hülle gehabt aus Schaumstoff, wo wirklich so Haltegriffe dran waren. Und ich habe dann einfach bei jeder längeren Autofahrt irgendeine Kinderserie reingetan. Und so haben wir uns drüber gerettet bis zu einem Alter, wo sie das dann nicht mehr gebraucht hat.

SPEAKER_00

Ihr habt das so als Ablenkung verwendet und irgendwann war es aber dann auch wieder vorbei und sie hat sich ans Autofahren gewöhnt.

SPEAKER_02

Genau, es war eine reine Beruhigungsmaßnahme, nichts anderes hat gegriffen und ich habe wirklich alles andere probiert. Also stell dir eine Mutter vor, die am Rücksitz das Kind im Kindersitz stillt. Umgeschnall. Bin der done that. Ja, also uns hat es wirklich gerettet. Deshalb weiß ich, dass man auch das Smartphone in Verbindung mit kleinen Kindern mit einem gesunden Abstand und einer gesunden Gelassenheit betrachten muss. Weil jetzt einfach nur zu sagen, ist böse, tut es nicht, ist sicher zu kurz gegriffen. Manchmal geht es halt nicht anders. Ich denke mir ein bisschen, das ist auch wie beim Schnuller, auch wie bei Medizin. Manchmal tut es gut, aber so wenig, wie

Babys, Bindung und Sinneseindrücke

SPEAKER_02

es halt sein muss.

SPEAKER_00

Das ist der Blickwinkel, den wir heute einnehmen wollen. Es soll keine Verurteilung werden, es soll keine dogmatische Vorgabe werden. Und ich möchte einfach auch ganz viel aktuelle Information und Faktenwissen mitbringen, damit man weiß, was die exzessive oder unbegleitete Nutzung auch auslösen kann in der ganz frühen Kindheit bei Babys und bei Kleinkindern.

SPEAKER_02

Genau, wie immer wollen wir einen Denkanstoß bieten und aktuelle Informationen, damit ihr euch selber eure Meinung bilden könnt und dann danach handelt. Mal so, mal so. Liebe Andrea, wir sitzen übrigens im Garten, jeweils, falls ihr ein bisschen Vogelgezwitscher hört oder mal ein Auto vorbeifahren. Es ist Hochsommer und wir schwitzen beim Podcasten, deshalb haben wir uns heute rausbegeben. Und Andrea, du machst dir schon Workshops genau zu diesem Thema: Babys und digitale Medien. Jetzt würden viele sagen, das ist jetzt aber schon ein bisschen früh oder kann man sich da nicht mehr Zeit lassen. Was sagst du dazu?

SPEAKER_00

Naja, das Thema ist sehr, sehr beliebt. Ich mache schon seit mehreren Jahren zum Beispiel in Wien regelmäßig diesen Workshop in einem Zentrum für Schwangerschaft, Geburt und Leben mit Kindern. Da gibt es regelmäßig großes Interesse schon von schwangeren Mamis, die sich Gedanken machen, wie das wohl sein wird, oder ob es etwas gibt, was man beachten sollte. Und häufig kommen junge Eltern, hauptsächlich Mamas, dann auch ganz, ganz super in diesem Workshop. Die kommen mit ihren Babys gemeinsam. Von der Situation ist das mein Lieblingsworkshop, weil wir sitzen alle am Boden auf Matten und jede, die mag, darf ihr Baby oder ihr Kleinkind auch mitbringen. Das heißt, manchmal tuckern da gleich viele Kleinkinder herum, wie Erwachsene im Kurs anwesend sind. Und es wird auch schon mal ganz schön laut, weil da wird auch gefüttert und gewickelt und gespielt zwischendurch. Aber ich rede einfach dahin, das passt dann für alle, da sind alle entspannt. Alles ist erlaubt sozusagen. Und ja, es ist schon ein ganz wichtiges Thema in der frühen Kindheit, weil Kinder lernen ab dem Zeitpunkt, wo sie anfangen, ihre Umwelt wahrzunehmen, lernen sie, was das für Geräte sind, was die für eine Bedeutung haben, wie wichtig die sind, wo die uns unterbrechen dürfen und so weiter. Das bekommen sie alle mit. Das heißt ja, der Umgang der Eltern mit digitalen Medien im Umfeld von Kleinstkindern ist schon ein ganz, ganz relevantes Thema.

SPEAKER_02

Also kann ich dich so zusammenfassen, korrekt, man kann nicht früh genug beginnen, sich damit zu beschäftigen?

SPEAKER_00

Genau, man kann nicht früh genug beginnen. Es hat einfach einen Einfluss aufs Familienleben, auf die Kommunikation, auf die Entwicklung. Da gibt es ganz viele Studien schon dazu, da wissen wir echt schon einiges.

SPEAKER_02

Ja, was wissen wir denn? Was passiert denn zum Beispiel in den ersten Lebensjahren im Gehirn

Gehirnentwicklung in den ersten Jahren

SPEAKER_02

des Kindes?

SPEAKER_00

Für die kognitive Entwicklung und die emotionale Entwicklung, soziale Fähigkeiten und auch für die ersten motorischen Fähigkeiten sind die Lebensjahre von 0 bis 3 oder viele Ärztinnen und Ärzte sagen auch von 0 bis 5 Jahren ganz, ganz entscheidende Jahre für Babys und für Kleinkinder. Da werden sozusagen alle grundlegenden Funktionen für später angelegt. Und da ist es ganz besonders wichtig, dass wir da darauf aufpassen, dass da nichts schief geht.

SPEAKER_02

Übrigens, alle Studien und Daten, über die wir heute sprechen, verlinken wir euch wie immer in den Shownotes und die klingen bei uns so. Wie passen wir denn am besten auf, wenn wir ein Baby haben und ein Smartphone? Wie kombinieren wir das?

SPEAKER_00

Eine ganz grundlegende Sache is, dass Babys brauchen Bindung und sie brauchen Aufmerksamkeit und sie brauchen Reaktionen. Das heisst über die Interaktion mit der Umgebung and with den engsten Bezugspersonen. When a baby auf die Welt kommt, dann is es zuerst sozusagen wie eine Einheit mit der Mama. Also es fühlt sich an wie eins und es fängt erst ganz langsam an zu erkunden, wahrzunehmen. Es merkt erst nach einiger Zeit, dass da was ist in der Umgebung, dass es selbst Handlungen ausüben kann, dass es Reaktionen in seinem Umfeld auslösen kann. Das kommt erst mit der Zeit. Und um das zu lernen und um das mitzubekommen, dazu braucht es ein Gegenüber.

SPEAKER_02

Das ist natürlich häufig die Mama, genauso aber der Papa oder alle anderen Bezugspersonen in einer Familie. Sag Andrea, wie lernen denn Babys überhaupt unsere Welt kennen? Ich weiss als Mama, dass der Blick eines kleinen Kindes oft auf uns bickt. Für alle Menschen aus Deutschland, hallo, herzlich willkommen. Der klebt quasi auf uns. Also der Blickkontakt ist schon mal sehr, sehr wichtig. Wie sonst lernt das Baby die Welt kennen?

SPEAKER_00

Also Babys lernen mit allen Sinnen und mit allen Reizen, die sie aus ihrer Umgebung wahrnehmen. Da kommen sie drauf, dass sie einen eigenen Körper haben, da kommen sie drauf, dass sie selber was machen können. Und ich erkläre das, wenn ich einen Workshop mache, habe ich immer irgendein kleines Spielzeug mit. Meistens habe ich eine kleine Puppe, die innen was Raschelndes eingebaut hat oder so einen Softball, der außen weich ist und innen ist irgendwas Knatschiges, was lustig klingt, wenn man es zusammentrückt. Du musst dir vorstellen, alle Sinne sind beteiligt. Wenn ein Baby beginnt, sich mit seiner Umgebung oder mit dem eigenen Körper zu beschäftigen. Das Fühlen, das Tasten, das Sehen, nach einiger Zeit natürlich erst, aber Sehen ganz wichtig. Und da ist auch dein Blickkontakt, dass da jemand da ist für mich, der auf mich reagiert, der meine Bedürfnisse sozusagen annimmt und dann für mich etwas tut. Das Riechen, das Schmecken. Wenn ich das jetzt auf so ein Spielzeug übertrage, ich habe irgendwie so einen weichen Kuschelball in der Mitte, hat der was Knatschiges oder Raschelndes. Ich kann den angreifen mit den Händen, ich spüre mit meinen Fingern die Oberfläche, das ist weich, das fühlt sich schön an. Aber wenn ich zusammenquetsche, dann quiekt es oder raschelt es. Das ist interessant und lustig, das mache ich dann vielleicht öfter. Ich kann riechen. Meine Spielzeuge, die ich mit habe, die riechen meistens nach der Kiste im Garten, wo die drinnen liegen. Das Ablecken lasse ich meistens aus im Workshop, aber ist auch eine Erklärung. Also auch durchs in den Mund nehmen und mit dem Mund tasten und schmecken, habe ich einen Eindruck, der im Gehirn eine Spur hinterlässt. Und ja, wenn ich dann wirklich zu spielen anfange, ich kann den Ball nehmen und kann ihn wegwerfen. Und dann sitze ich immer noch hier und der Ball ist da drüben. Und entweder ich schleiere so lange, bis du ihn mir wiederbringst und irgendwie drauf reagierst, oder man kennt das auch, wenn man Babys beobachtet, die checken irgendwann, ich kann was runterwerfen und das wird dann mal zu einem lustigen Spiel. Oder vielleicht gar nicht so lustig.

SPEAKER_02

Über Stunden, Tage, ja.

SPEAKER_00

Über Stunden. Wenn du die bis aufhebt, genau.

SPEAKER_02

Aber das alles kann ich mit dem Smartphone nicht machen. Ich kann es abschlecken, es raschelt nicht. Es kann höchstens lustige Geräusche machen, wenn ich drauf tippe. Aber das ist ein anderes Erlebnis. Ich kann es nicht runterwerfen, ohne zumindest dass Mama oder Papa dann hysterisch werden. These Erfahrungen had this Gerät nicht in sich.

SPEAKER_00

Nicht in that form. Das ist sehr stark eingeschränkt. Also natürlich kann das Display was darstellen und es kann auch Geräusche machen oder mir irgendein Lied vorspielen. Aber die Bewegungen, die ich mache und die sinnlichen Eindrücke, die ich habe, es ist immer eine glatte Oberfläche, es ist immer tippen, es ist immer wischen. Das ist schon mal sehr eingeschränkt. Und die Darstellung auf einem Display ist natürlich auch was anderes, als wenn ich das Ding vor mir habe, in die Hand nehmen kann, damit spielen kann. Wenn es dreidimensional ist. Wenn es dreidimensional ist, wenn ich hinlaufen kann, wenn ich das irgendwie bewegen kann mit meinen eigenen Händen. Und jetzt stell dir auch mal vor, die Größenunterschiede, echte Welt und Smartphone-Bildschirm oder Tabletbildschirm, das ist immer gleich groß, ist jetzt eine Ente oder ein Auto oder ein Ball oder ein Flugzeug. Die Dimensionen und die Erfahrung ist schon, das ist schon natürlich in der realen Welt ganz was anderes. Und man weiß auch, das hinterlässt im Gehirn Lernspuren in einer anderen Tiefe. Also das, was man am Bildschirm macht und lernt, hinterlässt nicht so starke Lerneindrücke wie alles, was ich multisinnlich begreife. Das ist ein Unterschied.

SPEAKER_02

Und würdest du als Smartphone-Coach sagen, Handy wirklich lieber ganz weglassen oder kommt es auf die Dosis an? Mal zehn Minuten irgendwie zur Beruhigung in die Hand drücken, da kann man noch ein Auge zudrücken.

Bildschirmfrei bis drei

SPEAKER_02

Wie siehst du das?

SPEAKER_00

Das ist eben eine Entscheidung, die Eltern selbst treffen müssen zu Hause. Aber ich sagte die medizinische Einschätzung. Es gibt schon zahlreiche Initiativen. CEFA Internet hat jetzt zuletzt wieder eine neue Broschüre rausgebracht. Das läuft alles so unter dem Motto Bildschirm frei bis drei. Also da ist wirklich eine dringende Empfehlung, auf Bildschirmmedien so weit wie möglich zu verzichten. Wenn du jetzt sagst, okay, mal kurz zur Beruhigung, zehn Minuten, das ist immer so eine Sache, weil es funktioniert leider sehr, sehr gut. Es ist total angenehm. Das, was du vorher gesagt hast, wie die Augen vom Kind auf dir kleben als Mama, das funktioniert mit Bildschirmen fast noch besser. Also wenn du einen Bildschirm vorbeiträgst an einem kleinen Kind oder Babys, die sehen aus wie hypnotisiert, die folgen allem, was sich bewegt. Es ist einfach ein Reflex. Die können gar nicht anders, die können da nicht weg. Ich verstehe alle, die sagen, das hilft mir manchmal ungemein im stressigen Alltag oder wenn es gerade nicht anders geht oder wenn ich kurz eine Auszeit brauche. Aber ich würde euch ganz dringend empfehlen, schaut, dass das bei Ausnahmen bleibt und versucht es euch nicht daran zu gewöhnen, das regelmäßig einzusetzen. Es gibt da nämlich tatsächlich auch schon einen belegten Zusammenhang, was es später für Auswirkungen haben kann, wenn Babys oder kleine Kinder regelmäßig mit smarten Geräten beruhigt werden. Wenn du jetzt tatsächlich regelmäßig Videos am Handy oder kleine Spiele dazu einsetzt, am Tablet ein Kind zu beruhigen, wenn es gerade sehr aufgeregt ist oder abzulenken, wenn die Situation gerade stressig ist oder einen Wut- oder Heulanfall zu unterbrechen. Kennt jeder aus dem Alltag. Du bist irgendwo unterwegs und es ist gerade total unpassend oder du bist super gestresst und dann legt das Kind noch los und dann geht es ab. Ist natürlich verlockend. Einmal Bildschirm vor die Nase geschoben und es funktioniert wirklich. Es ist erschreckend, wie schnell da eine Beruhigung eintritt. Aber das Problem ist, die Bildschirme unterbrechen die Verarbeitung der Emotion. Also man weiß schon, dass Kinder dann nicht lernen, wie gehe ich mit meinen Emotionen um, was kann ich machen, wenn ich traurig bin, wie kann ich mir helfen, wenn ich wütend bin, wie komme ich wieder raus aus der Situation. Ideal wäre, wenn die Eltern dabei helfen, durch diese Situation durchzukommen und man über die Zeit lernt, mit Emotionen umzugehen. Und es gibt schon Studien dazu, die zeigen, dass Kinder, die häufig in der frühen Kindheit mit Smartphones oder Tablets beruhigt werden, dann im Volksschulalter, also in der Grundschule, Schwierigkeiten haben, die eigenen Emotionen zu regulieren, weil das einfach zu häufig unterbrochen wurde. Das Kind hat gelernt, wenn es mir schlecht geht, kriege ich ein Tablet. Wenn ich nicht umgehen kann, kriege ich das Handy. Und dann reguliere ich mich damit. Und dann sitzt du irgendwann in der Schule und da gibt es nicht immer ein Tablet, wenn irgendwas passiert, was sich komisch anfühlt oder was ich noch nicht hatte. Das macht Schwierigkeiten später.

SPEAKER_02

Jetzt muss ich als Mama aber schon ordentlich durchschnaufen, weil Bildschirmfrei bis drei Jahre wenn ich mir vorstelle, eben die berühmten Autofahrten bei uns, also ich wäre nicht mehr von A nach B gekommen, unmöglich. Und da reden wir ja auch von Fernsehserien oder Filmen am Fernseher schauen. Das gehört ja genauso dazu.

SPEAKER_00

Puh. Ist die Empfehlung tatsächlich, ja. Beim Videoschauen und beim Fernsehen wird zusätzlich empfohlen, falls du dich dazu entscheidest, was anzuschauen, dass man Kinder nicht alleine schauen lässt, dass man das Programm sehr sorgfältig auswählt und dass man auch am Anfang immer dabei ist und beim Einordnen hilft. Das heißt, wenn Geschichten geschaut werden, die einen bestimmten Inhalt haben, den das Kind vielleicht noch nicht versteht oder was dabei ist, was sich komisch anfühlt oder was Angst macht, dass jemand dabei ist und dann beim Einordnen hilft, was ist da passiert, ist das gut, kann mir das auch passieren, ist das schlecht und so weiter, ja.

SPEAKER_02

Und jetzt werden aber genau diese Medien oft eingesetzt, damit man eben ein bisschen Zeit hat, ein bisschen Luft hat, ein bisschen die Hände frei hat, um halt seine ganzen anderen Sachen getan zu bekommen. Vielleicht wäre ein guter Weg, zum Beispiel zu sagen, man sucht sich eine harmlose Serie aus, man sucht sich drei Folgen aus, die schaut man mit dem Kind und dann laufen die in Dauerschleife, wenn die mal gut begleitet sind. So was könnte ich mir vorstellen. Ich muss zugeben, vor zehn Jahren habe ich das auch noch ganz anders gemacht. Also ich glaube, meine Kleine hat sich die Eiskönigin angeschaut in einem Alter, wo das alles noch nicht adäquat war.

SPEAKER_01

Lalalala, let it go. Wir sparen auf dem Psychotherapeut. Let it go.

SPEAKER_00

Also, das ist genau der Tipp. Wenn du was aussuchst für dein Kind, einfach sorgfältig auswählen, weil du als Mutter oder du als Vater weißt am besten, was verträgt dein Kind gerade gut, was ist inhaltlich gerade geeignet. Ja, es gibt natürlich schon diese Einordnungen von der USK-Skontrolle für Spiele und von der FSK für Filme und Serien. Das ist mal so eine Hilfe zur Einordnung, aber du weißt selber besser, was geht gerade, wovor hat dein Kind gerade Angst, was sind gerade vielleicht Themen, die schwierig sind. Danach kannst du am besten auswählen. Und dann würde ich dir auf jeden Fall empfehlen, lass dein Kind auf keinen Fall ungesichert auf irgendeine Online-Plattform wie YouTube oder YouTube Shorts oder Streaming-Plattformen wie Twitch oder Streamingdienste wie Netflix oder Amazon Prime. Es gibt dort überall Vorschlagslogiken, die vom Algorithmus gesteuert werden und du weißt nie, was als nächstes Video kommt. Das heißt, du musst umfangreich schützen, du musst Autoplay deaktivieren, du musst wirklich aufpassen, dass das alles klappt. Nimm irgendein Gerät, das nicht ständig Internet verbunden ist, vielleicht gehst du wieder zurück zu DVDs oder lädst Sachen. Yeah! Oldschool, oldschool. Was, oh Gott! Oder lädst tatsächlich Dinge runter und lässt das Kind ohne Internetverbindung schauen. Oder tatsächlich in einer Fernsehumgebung, die nicht so interaktiv ist wie das Internet, wo nicht was vorgeschlagen wird, wo du wirklich unter Kontrolle hast, was suche ich aus, wie lange dauert das und es kommt nichts als nächstes, was dann überraschend sein kann.

SPEAKER_02

Können wir das so zusammenfassen, weil das ist ja eine der wichtigsten Fragen, glaube ich, die Eltern haben mit Kindern in diesem Alter, wo der Unterschied liegt zwischen einer gelegentlichen Notlösung, die wir alle kennen, so ist halt einfach das Leben, und wirklich einer Gewohnheit. Der Unterschied ist der, dass die Gewohnheit automatisiert ist. Also immer wenn A passiert, dann greife ich B zum Tablet.

SPEAKER_00

Ja, also die Hauptbotschaft ist, dein Kind braucht in dem Alter noch keine regelmäßige Bildschirmzeit. Das fragen ganz viele Eltern, wie viel Bildschirmzeit ist in dem Alter in Ordnung ist und die Antwort ist keine. Das heißt natürlich aber genau wie du gerade sagst, Niki, nicht, dass das Leben nicht so passiert, wie es das Leben halt spielt. Es kann immer Ausnahmen geben, es kann immer Situationen geben, wo man sagt, okay, jetzt aber schon und ich entscheide das jetzt und ich suche das jetzt aus, aber fang bitte nicht an, bei Kindern mit ein, zwei, drei Jahren dir fixe Bildschirmzeiten schon jeden Tag anzugewöhnen. Das ist schon zu viel.

SPEAKER_02

Also nicht, die Kinder brauchen Bildschirmzeit, manchmal tun es halt die Erwachsenen.

SPEAKER_00

Ja, oder manchmal macht man tatsächlich was gemeinsam, das ist aber dann auch in Ordnung und das ist dann auch begleitet und ausgewählt und in einer sicheren Umgebung, aber das als regelmäßige Freizeitaktivität schon so früh zu starten, ist wirklich nicht empfehlenswert.

Blickkontakt und das Stillface-Experiment

SPEAKER_02

Und du sagst, das Begleiten ist ganz wichtig, auch das Spiegeln von Emotionen, das Auffangen und Einordnen von Emotionen. Es gibt da ein total spannendes Experiment. Da ging es um wieder den Blickkontakt und da geht es um Gesichterlesen. Erklär uns mal, was ist da genau passiert und was ist rausgefunden worden?

SPEAKER_00

Das Experiment heißt das Still Face-Experiment. Das kommt ursprünglich schon aus den 70er Jahren. Das wurde von Dr. Edward Tronic entwickelt. Und damals ging es natürlich nicht um Bildschirmmedien und schon gar nicht um smarte Geräte, sondern es ging um Eltern, die emotional nicht für das Kind erreichbar sind. Zum Beispiel Mütter, die unter depressiven Episoden gelitten haben. Und das stellt sich dann folgendermaßen dar, dass die Mama mit starm Gesicht und wenig emotionalem Ausdruck neben dem Baby sitzt und nicht reagiert und nicht auf die Bedürfnisse des Kindes eingehen kann. Und das wird heute mit dem Smartphone nachgestellt, weil die Verhaltensweise so ähnlich ist. Das Verhalten, das wir an den Tag legen, wenn wir ein Smartphone bedienen. Wir sitzen da, bewegen uns nicht, sind stark fokussiert auf dem Bildschirm und zeigen da auch keine Gesichtsausdrücke und sind sehr stark abgelenkt. Das heißt, wir reagieren weniger auf unsere Umgebung als sonst. Und da lässt sich tatsächlich bei Babys messen, wenn sie auf sich aufmerksam machen und daneben sitzt die Mama oder der Papa am Smartphone, dann steigt bei denen der Stress. Das heißt, die Herzfrequenz wird deutlich höher, die merken, ich kriege nicht die Aufmerksamkeit, die ich möchte. Die Kinder werden dann aktiver, das heißt, zuerst bewegen die sich ein bisschen und dann mehr Geräusche, dann schreien, dann starkes Bewegen und so weiter. Das steigert sich. Und dann sieht man tatsächlich schon bei sehr kleinen Kindern, dass die merken, wenn sie keine Aufmerksamkeit bekommen, na dann höre ich jetzt auf. Die resignieren tatsächlich und hören auf, auf sich aufmerksam zu machen. Und das ist dann tatsächlich etwas, was zu Bindungsstörungen führen kann und was auch beim Einschlafen und beim Füttern zu Problemen führen kann.

SPEAKER_02

Das bedeutet, wir sollten uns nicht nur viele Gedanken darüber machen, wann wir einem Kind ein Tablet in die Hand drücken, sondern wann wir selber auf das Smartphone schauen. Auf jeden Fall. Wann ist die Kommunikation gestört? Beim Stillen, beim Füttern, beim Spazierengehen, beim Einschlafen.

SPEAKER_00

Das macht auch was mit den Kleinen. Genau. Das sind alles Momente, wo das Kind Zuwendung und Aufmerksamkeit braucht. Und das sind auch tatsächlich Fragen, die ich sehr häufig bekomme in dem Babys und digitalen Medien-Workshop. Wenn zum Beispiel Mamas da sind, die sagen, ja, ich habe Stress zu Hause mit meinem Partner, weil ich habe mich darüber beschwert, dass er immer am Handy Nachrichten liest, während er das Kind füttert und er sagt, nein, nein, das passt schon, das ist schon okay. Das Thema kommt tatsächlich relativ häufig. Ich habe so ein bisschen den Eindruck, wir sind in unserer stark Unterhaltungs- und Reizegetriebenen Beschäftigung dann vielleicht auch schnell mal selbst gelang, weil wenn so die Beschäftigung mit dem Kind länger dauert, als es gerade angenehm wäre, einfach Tagesgestaltung mit Kindern kann sein, dass Eltern das auch als nicht so spannend oder unterhaltsam wahrnehmen.

SPEAKER_02

Ja, absolut. Na hallo, hallo. Also in vielen Situationen hat man das Gefühl, jetzt stirbt einem ein bisschen das Hirn auf, wenn man ganz ehrlich ist. Ja, das gehört dazu, das kennen wir alle und das stimmt. Gerade wenn man dann viel alleine ist untertags, boah, das ist schon echt heftig. Man ist ja nicht immer mit Freunden, Freundinnen oder anderen Familienmitgliedern unterwegs. Man ist vor allem mit einem Baby sehr, sehr viel alleine und Die Unterhaltung mit dem Baby ist eingeschränkt, ja.

SPEAKER_00

Das muss man schon sagen. Ist auch vollverständlich. Dein Sozialleben ändert sich von einem Tag auf den anderen, wahrscheinlich auf eine ganz extreme Art. Und vor allem Mütter kurz nach der Geburt erzählen, sie betrachten ihr Smartphone dann als so etwas wie ein Tor in die Welt, weil so viel vom Sozialleben und von den normalen Abläufen geändert ist und sie da einfach gut Kontakt halten können, sich auch ablenken können. Sich ein bisschen normal fühlen. Sich ein bisschen normal fühlen oder wie du vorher gesagt hast, weil es da auch unwahrscheinlich viele Infos gibt, gerade auch zu Themen rund um Geburt, Schwangerschaftsstil, junge Familie, Do's and Don'ts. Es ist ein Tor in die Welt, dass sie sich offen halten. Aber das wirkt sich natürlich auch aus. Kannst du dich erinnern, wie müde du warst oder wie viel Zeit du für dich selbst hattest damals?

SPEAKER_02

Ich weiß, dass Duschen sehr in den Hintergrund getreten ist damals, vor zwölf Jahren. Und ich kann mich an eine Situation erinnern, wo mein Mann mir den Säugling gebracht hat, nachdem ich irgendwie kurz wieder so eingenickt bin um fünf in der Früh und aus mir nur so Laute rausgekommen sind, die klingonisch geklungen haben. Also ich war überhaupt nicht mehr fähig, überhaupt einen Satz zu bilden an einem bestimmten Punkt.

SPEAKER_00

Also müde, name it. Name it. Das ist nämlich auch ein ganz großer Punkt, wenn wir über die Ablenkung von Smartphones und über die Reizintensität reden. Wenn du jetzt als frisch gebackene Mutter in einem eigentlich dauerhaft sehr anstrengenden und fordernden Zustand bist. Du hast wenig Schlaf, du hast häufig unterbrochenen Schlaf, du hast eine kleine Person, die sehr viel von dir verlangt, du bist körperlich stark gefordert, weil du stillst, weil du fütterst, weil du herumträgst, Windeln wechselst und so weiter. Eigentlich bräuchtest du jede Sekunde Ruhe, die du kriegen kannst, damit es dir auch gut geht, ja, weil das ist die Grundvoraussetzung dafür, dass du da sein kannst für jemand anderen. Wenn du jetzt aber jede freie Zeit, die du da hast, nutzt, um selbst am Smartphone Sachen zu machen, dann füttest du dein Gehirn noch zusätzlich mit Reizen und das kann auch zu mehr Stress statt zu Entspannung führen. Und ich habe ein ganz spannendes Wort gelernt auch von einer Mama in meinem Workshop, die hat gesagt, sie ist dann in der Nap-Trap. Sagt ihr das was? Also immer so ein bisschen einicken. Die Naptrap oder die Einschlafffalle, wenn man es jetzt übersetzen würde, die hat mir erklärt, sie hat ein Baby, wenn sie stillt, schläft das Baby auf ihr ein und hat aber einen ganz leichten Schlaf und sie will es dann nicht wecken. Und dann ist sie in der Naptrap, also dann ist sie gefangen, weil das Kind auf ihr schläft. Und dann sitzt sie am Handy und beschäftigt sich halt, solange das Kind schläft, weil sie sich nicht bewegen traut.

SPEAKER_02

Das kenne ich. Ich hatte auch einen Tragling, also Körperkontakt war immens wichtig und ich habe sie dann tatsächlich immer umgeschnallt und alles mit umgeschnalltem Baby gemacht.

Langeweile darf sein

SPEAKER_02

Andrea, du hast jetzt auch gerade Langeweile angesprochen, dass das auch für uns Erwachsene nicht fein ist und wir damit irgendwie zurechtkommen müssen. Wie sieht das denn aus bei kleinen Kindern und Langeweile, wo das Smartphone sehr schnell zur Ablenkung genommen wird? Was sind da deine Erfahrungen? Und du sprichst ja auch sehr, sehr viel mit Kindergärtner, Kindergärtnerinnen, Pädagoginnen und so weiter. Was erzählen die dir?

SPEAKER_00

Aus den Erfahrungen, die ich höre, kriege ich das Gefühl, dass wir sowas wie Langeweile, aber auch Geduld zum Beispiel, dass es Zustände sind, die wir durch die Beschäftigung mit Handys oder Tablets schon fast komplett raus reduziert haben aus dem Alltag. Dabei wäre das so wichtig. Langeweile ist ja einer der wichtigsten Zustände für das Gehirn, für Entspannung, aber auch um kreativ zu sein, um gute Ideen zu haben, ja, oder um sich vielleicht auf eine Zeit vorzubereiten, wo das Gehirn etwas leisten muss. Da ist Langeweile ganz, ganz wichtig. Und ich verstehe auch bei Eltern, wenn Kindern langweilig ist und die dann irgendeine Art von Beschäftigung verlangen und das auf eine vielleicht, und das auf vielleicht eine etwas nervige Art, kann schon ganz schwierig sein, das durchzuhalten. Und da sind natürlich die Bildschirmmedien auch leider häufig eine willkommene Abwechslung, dass man sagt, ja, dann darfst du halt Tablet schauen oder ja, dann kannst du halt jetzt noch eine halbe Stunde, wenn es nervig wird. Aber eigentlich wäre es ganz, ganz wichtig, diesen Langeweile Zustand bei den Kindern zuzulassen. Also dass man sich da als Eltern darauf vorbereitet und sagt, okay, dann ist dir jetzt halt mal kurz langweilig. Das fördert die Kreativität, da muss man sich was einfallen lassen. Da muss man sich was einfallen lassen. Und es kann tatsächlich sein, dass das halt mal eine Weile dauert, wenn ich es gewöhnt bin, dass ich immer sofort abgelenkt werde und dass immer eine Unterhaltung auf mich wartet, wenn ich nur kurz schreie, dann kann das eine Weile dauern. Aber was dann im Gehirn passiert, tatsächlich, Kinder fangen wieder an, frei zu spielen, sie fangen an, Ideen zu haben, sie fangen an, auf was drauf zu kommen. Aber dazu muss man diesen nervigen, anstrengenden Langeweilezustand zulassen und auch kurz aushalten und den Kindern auch unmissverständlich sagen, ja, dann ist dir halt jetzt langweilig. Ich helfe dir da jetzt nicht raus, lass dir was einfallen.

SPEAKER_02

Und da können wir uns auch an der eigenen Nase nehmen, tralala.

Sprache leidet unter Bildschirmen

SPEAKER_02

Sag ein Thema, das mir auch sehr wichtig ist, weil ich ja im Zweitberuf Logopädin bin und mit Kindern auch arbeitet, die Sprach- und Sprechprobleme haben, welche Auswirkungen können denn Bildschirme auf die Sprachentwicklung haben?

SPEAKER_00

Also wir wissen aus Studien, dass alle Reize, von denen Kinder lernen und dazu gehören auch gesprochene Reize, dass die sinken, sobald in der Umgebung des Babys oder des Kleinkinds smarte Geräte verwendet werden. Alles, was da dazu gehört, alle Reize aus der Umgebung, also sowas wie Gestik und Mimik, Emotionen, dass wir Kindern was vorsagen, dass wir mit ihnen sprechen, dass wir auf das reagieren, was sie von sich geben. Und gar nicht zu wenig. Also zum Beispiel das gesprochene Wort sinkt um bis zu 20 Prozent in der Umgebung, wenn Eltern smarte Geräte verwenden oder wenn zum Beispiel auch der Fernseher immer im Hintergrund läuft, ja, wenn da irgendwas da ist, was immer ablenkt. Aber auch die nonverbale Kommunikation ganz, ganz massiv, bis zu fast 40 Prozent. Und man sieht auch, Eltern ermutigen Kinder dann weniger zum Sprechen oder zum Nachmachen oder Dinge selber auszuprobieren. Und in der Sprachentwicklung gibt es da schon wirklich viele Beobachtungen. Jetzt zuletzt während und nach der Corona-Pandemie. Da wurden Eltern in 13 Ländern gebeten, einen Online-Fragebogen auszufüllen oder zum Alter des Kindes, Kontakt mit verschiedenen Sprachen und so weiter. Und auch zur Entwicklung des Wortschatzes. Nach den Lockdowns wurden die Eltern erneut kontaktiert und befragt, wie die Zeit verbracht wurde, was es für Aktivitäten gab in der Familie. Und die haben auch einen standardisierten Wortschatz-Fragebogen ausgefüllt. Das heißt, es wurde gezählt, wie viele Wörter können die Kinder aktiv und was verstehen sie passiv. Und so konnte man dann berechnen, welche Aktivitäten sich wie auswirken. Und da sah man, dass Kinder, denen häufiger vorgelesen wurde, mehr Wörter als gleichaltrige kannten, denen weniger häufiger vorgelesen wurde. Also die Aktivitäten machen einen Unterschied. Mit mehr Bildschirmzeit wurden weniger Worte gelernt, mit, ich sage jetzt mal so Oldschool-Elternkind-Aktivitäten wie Vorlesen oder Geschichten anhören oder so, war der Wortschatz nachher größer.

Hörspiele als gute Alternative

SPEAKER_02

Wow! Seit gibt es irgendwelche Medien, irgendwelche Apps, die du positiv siehst? Ich kann mich erinnern, wir haben damals eben vor zehn bis zwölf Jahren zum Beispiel so Kleinkinder-Apps gehabt, wo dann Zirkustiere schlafen gelegt werden müssen und das Kind kann ein bisschen herumwischen. Das war entzückern, ich habe das geliebt, das war total süß.

SPEAKER_00

War es gar nicht so süß? Zu so Kleinkinderspiel-Apps kann ich dir im Detail tatsächlich ganz wenig sagen. Was ich auf jeden Fall empfehlen kann, sind so Medien wie Hörspiele zum Beispiel. Es gibt ja Podcasts für Kinder, es gibt Hörspiele. Früher bei uns waren das ja noch Kassetten, mit denen wo wir uns Geschichten angehört haben, wenn wir schon mal drüber gesprochen. Aber bei Hörspielen weiß man tatsächlich schon auch durch Studien belegt, dass die für Kinder eine lehrreiche Wirkung haben und auch gleichzeitig eine entspannungsfördernde Wirkung. Da müssen wir mal meinen Kollegen den Lars Eichen einladen für eine eigene Episode. Der hat dazu geforscht. Vielleicht laden wir den mal ein.

SPEAKER_02

Oh ja, schreibt uns doch, ob euch dieses Thema interessiert. Ich glaube, Hörspiele und Musik und Toni Boxen und was es da alles Tolles gibt, ist in vielen Wohn- und Kinderzimmern ein großes Thema. Interessiert euch das? Hinterlasst uns doch einen Kommentar dazu oder schreibt uns. Alle Infos findet ihr in den Shownotes.

Mythen über Strahlung

SPEAKER_02

Wenn wir jetzt mal ganz an den Anfang gehen, Andrea, nämlich in die Zeit der Schwangerschaft. Da machen sich auch viele werdende Mütter und auch andere Personen um sie herum Sorgen darüber, dass Handystrahlen einen negativen Einfluss auf die Schwangerschaft, auf den Embryo haben kann. Was sagst du dazu?

SPEAKER_00

Da gibt es wirklich eine ganze Menge Mythen im Internet über Handystrahlung, über Auswirkungen auf das ungeborene Kind im Babybauch, Strahlen am Nachttisch, Strahlen in der Nähe des Babys und so weiter. Und das merke ich schon. Das ist ein Thema, das vor allem Schwangere stark beschäftigt oder Mütter, die sich Sorgen machen, wenn viele Geräte im Umfeld des Babys liegen. Was macht die WLAN-Strahlung und so weiter. Dazu muss man wirklich sagen, es gibt dazu kein gesichertes Studienmaterial, das in irgendeiner Form sagt, dass Mobilfunkstrahlung, WLAN-Strahlung in irgendeiner Form was Schlechtes tut. Die einzige Studie, die ich kenne, ist, da wurde untersucht, Menschen, die viel telefonieren mit dem Handy am Ohr. Da hat man herausgefunden, das Gewebe erwärmt sich langsam darunter. Ja, das wird richtig heiß manchmal, stimmt. Da konnte man aber nicht rausfinden, ob das in irgendeiner Form eine schlechte Auswirkung hat. In Österreich kennen viele von früher vielleicht noch dieses Plakat aus Ärztewartezimmern, das von der Farbgebung und Textierung so ein bisschen an Anti-Atomkraftbewegung erinnert hat. Das war so gelb mit schwarzen Warnsignalen drauf. Da ging es tatsächlich um Handystrahlung. Dieses Plakat gibt es aber seit 2013 nicht mehr. Das wurde nicht mehr aktualisiert und die Ärztekammer hat auch keine neuen Informationen dazu herausgegeben. Der Hintergrund ist tatsächlich, es gibt keine Studien dazu. Aber es gibt eine ganze Menge Verschwörungstheorien im Internet, was 5G macht, was die Strahlung macht und so weiter. Und für alle, die das Thema Strahlung noch viel genauer interessiert, kann ich euch eine Episode von MySyncX empfehlen. Da gibt es ein 30-minütiges Video, das heißt 5G WLAN und Co. Wann ist Strahlung wirklich schädlich? Strahlung ist nicht gleich Strahlung, erklärt Mai und sie erklärt auch, was genau Strahlung überhaupt ist und welche Arten es gibt, welche harmlos und welche gefährlich sind. Wir verlinken euch das in den Shownotes. Schaut ihr das gerne an. Aber insgesamt kann ich zu dem Thema sagen, es gibt nichts, was das bestätigt. Es gibt eine Studie, die wird immer wieder falsch zitiert. Dazu gebe ich euch eine Info in die Shownotes, dann könnt ihr das nachlesen. Aber wir haben kein aktuelles Material, das belegt, dass es irgendeinen Grund zur Sorge gäbe. Falls du dir trotzdem Sorgen machst oder ein ungutes Gefühl hast, wenn ein Handy in deiner Nähe ist, dann schau doch beim Kaufen auf den SAR-Wert S-A-R. Der gibt die Strahlungsintensität des Geräts an. Und was man auch noch weiß, ist, ein Gerät hat den höchsten Strahlungswert, wenn der Rufaufbau gerade im Gang ist. Wenn du zum Beispiel jemanden anrufst, während das Gespräch aufgebaut wird. Wenn dir das trotzdem irgendwie Sorgen macht, dann leg einfach das Gerät aus dem Schlafzimmer raus, schau, dass Geräte nicht in der Nähe sind, wenn du dich dann besser fühlst oder kauf ein Gerät mit einem niedrigeren Wert. Wenn dir das selbst gut tut,

Videoanrufe mit Oma und Opa

SPEAKER_00

dann mach das einfach.

SPEAKER_02

Unser Podcast richtet sich an Familien und in vielen Familien spielen die Großeltern auch eine große Rolle. Und die sind ja nicht immer örtlich verfügbar, die wohnen manchmal weit weg und freuen sich dann, wenn sie Video telefonieren können, um die Enkel, die Urenkel zu sehen. Ist das für Babys eigentlich sinnvoll oder ist das nur etwas, worüber sich Oma und Opa freuen?

SPEAKER_00

Je nachdem, wie alt das Kind ist, ob es schon mitbekommt, dass da jemand sitzt oder nicht. Bei ganz kleinen Kindern ist das ja noch nicht der Fall. Aber ja, da geht es hauptsächlich um die Großeltern, dass die mitbekommen wollen, was passiert gerade, wie sieht das Enkelkind gerade aus? Die wollen einfach Kontakt, das ist schön und gut und das ist auch wichtig. Das ist auch eine soziale Interaktion. Das heißt, das gilt nicht als schlechte Bildschirmzeit. Ich würde dir einfach raten, schau auf die Reaktion deines Kindes. Verträgt diese Videotelefonate gut, machst das unruhig oder beobachtest du irgendwas Negatives und schau einfach, dass die Telefonate nicht zu lang werden. Also gegen Videotelefonieren mit den Großeltern ist nicht so einzuwenden. Schau, dass dein Kind nicht zu knapp vorm Bildschirm sitzt. Vielleicht hältst du dein Kind kurz in die Kamera und lässt es dann daneben spielen, während du weiter telefonierst. Was du nicht machen solltest, ist, das Kind vor dem Bildschirm mit den Großeltern zu parken. Das höre ich auch manchmal. Habe ich im letzten Workshop gehört. Mein Mann montiert das Tablet am Kinderbett und geht dann raus, während die Oma am Tablet beim Kind ist. Mach das nicht. Nein, mach eine familiäre, soziale Situation draus.

SPEAKER_02

Und viele wollen auch Fotos teilen. Hast du da Tipps, wie man das am besten machen kann und am sichersten?

SPEAKER_00

Das wird häufig gefragt. Wir wollen ja nicht, dass die Kinder und Babyfotos irgendwo landen, wo andere Menschen drauf Zugriff haben. Da habe ich mich in Reddit-Elternform herumgetrieben. Da wird einiges empfohlen. Da gibt es zum Beispiel die App ZeitArc-Kinderalbum für iOS und Android. Den Link geben wir in die Shownotes unten. Das hat umfangreichere Funktionen als nur Fotos teilen. Da kannst du tatsächlich so ein Fotobuch online anlegen, aber es ist auch eine sichere Art, um Fotos zu teilen. Und eine zweite Empfehlung, die ich ein paar Mal gelesen habe, schick den Großeltern einen digitalen Bilderrahmen, den man direkt mit einer App mit Fotos versorgen kann. Also einen physischen Bilderrahmen, den man sich überhaupt aufstellt? Ja, es gibt physische Bilderrahmen, die digitale Bilder abspielen. Und die kann man über eine App oder über eine Kabelverbindung mit Fotos füttern. Oh, das ist ja nett. Vielleicht kann man die Fotos auch tauschen, während die Großeltern das schon haben und dann gibt es überraschend neue Fotos, ja.

SPEAKER_02

Oh, sehr, sehr nett. Super Idee für, naja, Weihnachten ist jetzt im Hochsommer ein bisschen weit weg. Aber dann kommt es doch immer schneller, als man

Die drei wichtigsten Tipps

SPEAKER_02

denkt. Liebe Andrea, was sind deine drei Tipps aus dieser Folge, deine drei Learnings, die sich alle, die uns jetzt zugehört haben, mitnehmen dürfen.

SPEAKER_00

Keine fixe Bildschirmzeit für Kinder unter drei Jahren, besser noch bis fünf Jahre. Ausnahmen gibt es immer im Leben, aber versuch dich daran zu orientieren. Vorlesen und Geschichten anhören sind auch 2026 super wichtige und gute Eltern-Kind-Aktivitäten. Macht das weiterhin, das stärkt eure Bindung. Für junge Mamas nutzt die Ruhephasen, wenn möglich, ohne Handy. Du nimmst dir selbst Entspannung und Ruhe durch eine hohe Smartphone-Nutzung. Es wird dadurch anstrengender und stressiger für dich.

SPEAKER_02

Danke für diese Tipps, danke für die Unterhaltung. War wieder mal sehr spannend. Danke vor allem fürs Zuhören. Schreibt uns doch, wie es euch gefallen hat, welche Themen euch noch interessieren, worüber wir talken sollen. Wir freuen uns über euer Feedback und über eure Fünf-Sterne-Bewertung. Ihr könnt Kommentare direkt unter dieser Folge hinterlassen, wenn ihr uns zum Beispiel auf Spotify hört oder ihr schickt uns einfach eine Mail oder eine Nachricht auf Insta. Alle Informationen dazu findet ihr in den Shownotes.

SPEAKER_00

Das war's für heute zum Thema Babys und digitale Medien. Nächste Woche beschäftigen wir uns mit der nächsten Altersstufe. Wir schauen, was machen smarte Geräte und Bildschirmzeit im Kindergarten und im Grundschulalter. Ich freue mich schon drauf.

SPEAKER_02

Ja, Andrea, das war's wieder. Was für eine schöne Folge im Garten. Weißt du, das wollte ich dir übrigens noch erzählen, für mich war immer so ein Leo, das Klo, sich dort mal zu verstecken, ja, oft mit Handy die Tür zuzumachen, so mal ein paar Sekunden für sich zu haben. Hast du dich rausgesneakt? Und oft genug habe ich dann so kleine Kinderfinger unter der Tür durchkommen gesehen, die noch versucht haben, ja, wirklich unter dem Schlitz mich noch zu erwischeren.

SPEAKER_00

Das höre ich auch ganz oft. Ich höre das oft von der anderen Seite von den Mamas über die Papas. So, mein Partner verschwindet, zweimal täglich mit dem Handy eine Stunde aufs Klo. Das ist eigentlich nicht ausgemacht und der sneak sich der Zeit raus, die ja aus der Betreuung verschwindet, wie unfair.

SPEAKER_02

Ja, manchmal muss man auch aus dem Familienleben für eine kurze Zeit ausscheiden.