Smartphone Sprechstunde

#16 Bildschirm statt Spielplatz? Was Kinder heute nicht mehr lernen

Niki Löwenstein & Andrea Buhl-Aigner Season 1 Episode 16

Use Left/Right to seek, Home/End to jump to start or end. Hold shift to jump forward or backward.

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Bildschirme bedienen – kein Problem. Schnürsenkel zubinden – geht nicht.
Flache Atmung, Stress und Handynacken: Welche Auswirkungen hat intensive Bildschirmnutzung auf den Körper von Kindergarten- und Grundschulkindern? 
Wie viele 9-Jährige haben eine Alexa? Wie hält man Langeweile aus? Was hat Squid Game im Kindergarten zu suchen und warum müssen wir (trotz Alterserkennung) immer noch über Roblox sprechen?

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Das nimmst du aus dieser Episode mit:

  • Wie beeinflusst eine hohe Mediennutzung das Erlernen von Fähigkeiten bei Kindern?
  • Warum sind Bewegung und Langeweile so wichtig?
  • Welche Alternativen gibt es zum Smartphone, wenn du dir Sorgen machst oder dein Kind erreichbar sein soll?
  • Wie kannst du durch sorgfältige Medienauswahl Einfluss nehmen und wie wählst du Spiele und Serien altersgerecht aus?

    Kapitel:
    0:08 Spieltelefone und Wählscheiben 
    0:59 Digitale Kindheit heute 
    2:03 Was Kinder heute weniger können 
    3:22 Smartphones in der Grundschule 
    4:07 Erstes Handy ohne Internet 
    5:14 Spielen statt Bildschirm 
    6:53 Elternsorgen und Erreichbarkeit 
    9:31 Langeweile wieder lernen 
    12:29 Games und reale Folgen 
    14:39 Roblox unter der Lupe 
    17:06 Eltern unterschätzen Risiken 
    18:36 Früh digital, aber richtig 
    21:16 Gemeinsam Medien entdecken 
    22:18 Keine Spiele-Liste 
    23:29 Erstes Smartphone hinauszögern
    24:25 Körperfolgen durch Bildschirmzeit 
    28:20 Atemstress im Alltag 
    29:45 Drei Tipps für Eltern 
    30:54 Atemübungen zum Schluss

Links & Studien:

Episode #10: Familienkonferenz Smartphone – welche Regeln bei uns funktionieren

USK.de

FSK.de

Eltern-Initiative für eine Smartphone Freie Kindheit

Buchtipp: Jonathan Haidt - Generation Angst

Zusammenhänge von steigender Kurzsichtigkeit bei Kindern und Handynutzung. “The association between smartphone use and myopia progression in children: a prospective cohort study”

Zusammenhänge von steigender Kurzsichtigkeit bei Kindern und Nutzung digitaler Medien: “Global prevalence of myopia in children using digital devices: a systematic review and meta-analysis”

KFV-Studie zu Unfällen auf Spielplätzen

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Die Smartphone Sprechstunde erscheint jeden Donnerstag: Raus aus der digitalen Überforderung. Rein in die digitale Selbstbestimmung. Wir helfen Familien dabei, den Alltag mit Handy & Co. souverän zu steuern.

Smartphonecoach Andrea Buhl-Aigner und Host Niki Löwenstein ergründen Mechanismen, Gefahren und Vorteile von smarten Geräten. Dabei stützen wir uns auf wissenschaftliche Erkenntnisse und persönliche Erfahrungen.

Ohne Panikmache oder Technik-Bashing: Bei uns gibt es unterhaltsame Gespräche mit alltagstauglichen Tipps, damit smarte Geräte in Familien wieder zu dem werden, was sie sein sollen: praktische Helfer statt Aufmerksamkeitsvampire.

Gefördert durch die Wirtschaftsagentur Wien. Ein Fonds der Stadt Wien, realisiert in redaktioneller Unabhängigkeit.

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SPEAKER_00

Unsere Kindheit, unsere eigene schon so lange her. Da gab es Spieltelefone, oder? Mit so Kabel dran, mit diesem geringelten Kabel.

Spieltelefone und Wählscheiben

SPEAKER_01

Spieltelefone. Bei meiner Oma hing eins an der Wand in der Küche und bei meinen Eltern im Vorzimmer ist es auf einem Telefonkastel, hieß das damals, gestanden.

SPEAKER_00

Richtig, da muss jemand hingehen. Da ist man dann gestanden, wenn man mit den Freunden telefonieren wollte.

SPEAKER_01

Da lag auch das Telefonbuch, genau. Da lag auch die Liste, wo wir aufschreiben mussten, wer hat so viel telefoniert, dass es so teuer geworden ist.

SPEAKER_00

Und Wählscheibe. Ich bin ein großer Wählscheiben-Fan. Da muss man auch seine Geduld ein bisschen trainieren. Klick-s, klick, s. Smartphone-Sprechstunde. Orientierung im digitalen Wahnsinn. Der Podcast für Familien, die im Bildschirmstress den Durchblick behalten.

Digitale Kindheit heute

SPEAKER_00

Viele Kinder können heute schon ein Tablet bedienen, noch bevor sie ihre Schubänder zubinden können. Ein Vierjähriger, der sich durch Menüs wischt und die Lieblingsserie findet? Das überrascht heute niemanden mehr. Aber wie sieht es eigentlich mit Balancieren, Konzentration oder auch einfach mal Langeweile aus? Was brauchen Kinder wirklich, um gut aufzuwachsen und welche Rolle spielen dabei Bildschirme? Genau darum geht's heute. Herzlich willkommen! Ja, schön, dass ihr wieder mit dabei seid. Mein Name ist Niki Löwenstein. Ich bin euer Host und Mama und bringe diese Perspektive in den Podcast mit ein. Und ich talke wie immer mit unserer Expertin Smartphone Coach Andrea Bulleigner. Grüß dich, Andrea, sitzt du auch wieder im Garten?

SPEAKER_01

Hallo Niki, ich sitze in meinem Büro, aber bei offenem Fenster und es zwitschert so ein bisschen herein manchmal.

SPEAKER_00

Oh ja, wir lassen es gerne zwitschern. Sag mal, Andrea, du bist ja immer wieder in Schulen, in Kindergärten, in Kinderbetreuungseinrichtungen unterwegs, sprichst dort mit Pädagogen und Pädagoginnen. Was erzählen die dir denn über die Kinder und die Entwicklung heute und wie unterscheidet sich's zu früher?

Was Kinder heute weniger können

SPEAKER_01

Ich merke ganz häufig, vor allem in Gesprächen mit Pädagoginnen aus der Grundschule, dass sich die Fähigkeiten verringert haben, mit denen Kinder in der Grundschule beginnen. Die beobachten, dass Kinder immer weniger können. Das heißt zum Beispiel so Dinge wie, du hast es gerade vorher gesagt, Schuhe zubinden oder ganz einfache motorische Fähigkeiten, wie zum Beispiel rückwärts gehen oder im Turnsaal über eine Bank balancieren. Da kenne ich ganz viele Geschichten von Lehrerinnen, die sagen, heute geht fast nichts mehr von den Übungen, die früher gingen. Die Kinder verletzen sich viel schneller und sie können das auch nicht mehr so gut.

SPEAKER_00

Und jetzt ist ja die Frage, worauf kann man das zurückführen? Man könnte auch sagen, das Körpergewicht hat zugenommen, wir ernähren uns anders, wir machen alle weniger Sport. Du wirst wahrscheinlich sagen, das Smartphone spielt eine Rolle.

SPEAKER_01

Das Lernen von allen Fähigkeiten ist natürlich ein bisschen komplexer als nur jetzt die Mediennutzung zu betrachten, aber wir haben schon gemerkt, dass sich in der Kindheit, von der frühen Kindheit und auch im Kindergartenalter sehr viel verändert hat in der Art, wie Medien genutzt werden. Und viele Menschen denken, es hat einen Einfluss drauf, was Kinder können in der Volksschule. Stifte halten zum Beispiel. Wenn man schreiben lernt, kannst du schon einen Stift richtig halten. Es war früher anders offenbar. Dinge ausschneiden, die Schere halten. Schere halten und ausschneiden, genau, das ist auch was, was

Smartphones in der Volksschule

SPEAKER_01

erzählt wird.

SPEAKER_00

Wenn du in Volksschulen unterwegs bist, wie viele Kinder haben dort schon ein eigenes Smartphone?

SPEAKER_01

Ich gehe mit meinem Workshop in die vierte Klasse, Volksschule oder Grundschule. Und da erlebe ich ganz häufig, dass ein Großteil der Klasse bereits mit Smartphones ausgestattet ist. Da sind auch immer mehrere Kinder dabei, die zusätzlich eine Smartwatch haben, also irgendeine smarte Uhr am Handgelenk. Und letztens war ich in mehreren Klassen von einer privaten Volksschule im Umkreis von Wien und da hatten tatsächlich auch ungefähr 30 Prozent der Kinder eine eigene Alexa im Kinderzimmer. Also zusätzlich zum Smartphone noch den eigenen Sprachassistenten. Ja, voll ausgestattet.

SPEAKER_00

Also wir sprechen so von der Altersgruppe Zehnjährige, Neunjährige, Zehnjährige,

Erstes Handy ohne Internet

SPEAKER_00

ja. Was würdest du denn sagen, ab wann braucht man denn wirklich als Kind ein smartes Gerät? Weil vielen Eltern, das kenne ich selbst, geht es ja darum, dass man selbst erreichbar ist, wenn was ist und auch das Kind erreichbar ist.

SPEAKER_01

Ja, also wenn es um Notfälle geht oder um Situationen, wo etwas Unerwartetes passiert, empfehle ich immer, das nicht als Grund zu nehmen, um ein Smartphone zu kaufen und auch keine Smartwatch, sondern Kinder mit Dumpfones auszustatten. Das heißt, Tastenhandy, das telefonieren kann und mit dem man SMS schicken kann, aber dass sonst keinen Internetzugang oder keine Apps zur Verfügung stehen.

SPEAKER_00

Da kann man dann auch das Tippen, die motorischen Fähigkeiten nochmal ein bisschen üben, oder? Wenn man wirklich versucht, ein SMS zu schreiben.

SPEAKER_01

Das dauert. Das dauert und das Nachrichtenaufkommen ist bei solchen Handys auch eingeschränkt, weil es tatsächlich den Kindern zu anstrengend ist, da häufig lange Nachrichten zu schicken. Das ist auf WhatsApp viel einfacher. Audio-Nachricht, Videonachricht geht alles viel schneller, viel lustiger, emojis dicker. Da kommt gleich die Bilderflut sozusagen. Auch der beschränkte Umfang beim Gerät hilft am Anfang auch mal einfach mit diesen Medien umgehen zu lernen.

SPEAKER_00

Oh ja, das Diktieren

Spielen statt Bildschirm

SPEAKER_00

bei Nachrichten, das sehe ich oft. Du sprichst von einer spielbasierten und einer medienbasierten Kindheit. Worum geht es da genau und was lernen denn Kinder beim freien Spielen, dass sie vor einem Bildschirm gar nicht lernen können?

SPEAKER_01

Da geht es darum, was Kinder durch die Erfahrung mit dem eigenen Körper in der Realität lernen. Also ich bin draußen unterwegs, ich bin mit Freundinnen und Freunden im freien Spiel, ich bin in der Schule, in einem sozialen Raum und ich sammle Erfahrungen, indem ich dort Dinge erlebe, ausprobiere und ja, genau, mich beschäftige oder auch irgendwie vielleicht Aufgaben erfüllen muss, wenn ich jetzt an die Schule denke oder wenn es um Spiele im Kindergarten geht. Der Begriff von der medienbasierten Kindheit, der kommt von Jonathan Hayde, der hat eines der meistbesprochenen Bücher 2024 zu diesem Thema rausgegeben.

SPEAKER_00

Das verlinken wir euch natürlich in den Shownotes, die klingen bei uns übrigens immer so.

SPEAKER_01

Das Buch heißt Auf Deutsch Generation Angst oder auf Englisch The Anxious Generation. Einer von seinen Hauptpunkten, den er beschreibt, ist, was Kindern im Alltag an Erfahrungen und an Lernreizen verloren geht, wenn sie sehr viel Zeit auf Smartphones, an Tablets, bei Computerspielen oder beim Fernsehen verbringen. Also es geht gar nicht so sehr darum, was tue ich am Smartphone und ist das was Gutes, pädagogisch Wertvolles oder ist das einfach Ablenkung und Unterhaltung, sondern es geht darum, was geht dir als Kind in deinem Tag verloren, wenn du zwei, drei, vier, fünf, sechs oder acht Stunden nicht unterwegs bist, nicht draußen bist, nicht in sozialen Situationen bist.

Elternsorgen und Erreichbarkeit

SPEAKER_00

Würdest du sagen, werden auch Erwachsene, werden auch Eltern und Familienmitglieder ängstlicher? Weil ich kenne das bei mir schon, wenn ich daran denke, dass meine Mama stundenlang nicht wusste, ob ich jetzt wirklich zu Hause gelandet bin oder was genau mit mir ist. Das würde ich, glaube ich, nicht aushalten. Also ich muss dann schon irgendwie manchmal schauen, wo treibt sich das Kind rum und hier und da anrufen und einmal checken. Wahrscheinlich öfter, als es wirklich notwendig ist. Das muss ich schon zugeben. Wie siehst du das?

SPEAKER_01

Das ist auch eine Sache, die Eltern lernen müssen, dass die Kinder selbstständig werden und sich alleine bewegen und dass die diesen Raum auch ganz dringend brauchen, um sich zu entwickeln. Das ist ja eine Sache, die häufig passiert mit Smartphones, mit Kontakt zu den Eltern, mit der Smartwatch am Handgelenk. Das wird ja häufig sowieso ein Notfallknopf verwendet. Es passiert irgendwas, ich weiß gerade was nicht, mir fehlt was, ich habe was zu Hause vergessen, ich rufe mal schnell an, ich hole mir mal schnell Hilfe, ich frage mal schnell die Mama oder den Papa, ich lasse mich sofort abholen und so weiter. Das ist natürlich ganz praktisch und auf jeden Fall sehr, sehr angenehm, aber es hält das Kind davon ab, selbst eine Lösung zu finden, sich selbst in einer Situation zu helfen zu wissen oder einfach auch rauszufinden, was könnte ich jetzt eigentlich tun? Wie könnte ich da jetzt weitermachen?

SPEAKER_00

Diese Situation kenne ich. Bei uns kann man ja, wenn man gegen Handyregeln verstößt, so Punkte sammeln. Und wenn man genug Punkte hat, dann hat man einen handyfreien Tag gewonnen. Übrigens, diese Folge gibt es auch zum Nachhören, verlinken wir euch genauso. Und ich merke das schon, wenn dann mal ein handyfreier Tag dabei ist, und das bedeutet halt wirklich handyfrei, dann stehen wir genau vor dieser Situation. Ja, aber ich bin nicht erreichbar. Ja, genau. Heute bist du nicht erreichbar. Ich sage euch nur, es fühlt sich komisch an, aber es ist aushaltbar und irgendwie ist es tatsächlich auch cool. Weil man hat ja dieses Kind lange genug begleitet und ich habe Vertrauen in meine Tochter, dass sie sich schon irgendwie in den Situationen zurechtfinden wird. Aber ja, es ist irgendwie spooky, wie alles, was man neu erfahren muss.

SPEAKER_01

Verstehe ich voll. Und was bei den Eltern sicher auch noch mitspielt, ist, dass unsere Art, Medien zu konsumieren, die Intensität, auch mit der wir schlechte Nachrichten konsumieren, sehr viel höher ist als früher. Also wenn du überlegst, wie häufig du untertags auf eine Nachrichtenseite einsteigst, durch einen Feed scrollst, Nachrichten von anderen liest, einen Status-Update liest und so weiter. Die Frequenz, mit der Eltern auch Nachrichten teilen, die die Kinder betreffen oder die vielleicht irgendeine Sorge berühren, die man hat im Alltag, die ist auch höher geworden. Das heißt, es ist präsenter im Leben und ich könnte mir vorstellen, dass das bei manchen Eltern dazu führt, dass man sich dann auch mehr Sorgen macht.

Langeweile wieder lernen

SPEAKER_00

Was ich auch so feststelle, wenn ich mir die Kinder in meinem Umfeld anschaue, wenn ich mit anderen Eltern spreche, ist, dass viele Kids so eine Art Entertainment-Sucht haben, jetzt mal ein bisschen überspitzt formuliert. Die wollen immer, dass irgendwas los ist. Und wenn mal nichts los ist, dann wird wohin gegriffen? Dreimal darfst du raten? Ja, natürlich irgendwie zum Smartphone. Also die Fähigkeit, Langeweile auszuhalten, die wird immer schlechter. Auch in der letzten Folge, als wir über Babys und Kleinkinder gesprochen haben, ist es darum gegangen. Was sagst du zum Thema Langeweile und jetzt ein bisschen ältere Kinder? Müssen die das aushalten? Und warum überhaupt?

SPEAKER_01

Langeweile aushalten ist was ganz, ganz Wichtiges fürs Gehirn. Das hilft uns dabei, kreativ zu sein. Das hilft uns dabei, gute Ideen zu haben. Und Langeweile ist auch der allerbeste Erholungszustand, den du haben kannst für dein Gehirn. Wenn es anstrengend war, wenn du gerade was gelernt hast, wenn gerade eine intensive Zeit war, dann ist das im wachen Zustand einer der wertvollsten Zustände, den unser Gehirn einnehmen kann. Und ich unterstütze alles, was totale Langeweile bringt, zu 100 Prozent. Und du kannst sie auch gezielt einsetzen, wenn du Ideen brauchst, wenn du dich konzentrieren willst, wenn du irgendeine große Leistung vor dir hast oder wenn die Kinder irgendwas vorhaben, wo sie Ideen brauchen.

SPEAKER_00

Ich hoffe, du lebst das nicht in diesem Podcast aus. Langeweile.

SPEAKER_01

Aber weißt du, wie man absichtlich Langeweile hat, man setzt sich einfach irgendwo hin und tut nichts. Du schaust in den Himmel, du setzt dich auf der Straße auf eine Bank, schaust den Leuten zu und dann, wenn es so richtig zart wird, wenn du dir so denkst, so ich halte es überhaupt gar nicht mehr aus, dann bist du im perfekten Zustand. Dann geht's los.

SPEAKER_00

Also bei manchen nach zwölfeinhalb Sekunden oder irgendwie so.

SPEAKER_01

Ja, so ungefähr hat man das Gefühl, oder? 21, 22. Mir ist langweilig.

SPEAKER_00

Das ist eine super Challenge. Lass uns das machen. Wir werden nach dieser Podcastaufnahme probieren. Wir setzen uns vorhin. Wann wird uns langweilig? Wir zählen mit, wir machen ein Video, wir stellen das Ganze auf Instagram. Hey, und probiert das doch auch mal aus. Setzt euch irgendwo hin, start auf die Wand, start in den Himmel oder was sonst gerade zur Verfügung steht und schaut mal, wann ihr unruhig werdet, wie lange das dauert oder wie kurz wahrscheinlich. Und schreibt uns, wie es euch gegangen ist. The Boring Challenge ist hiermit eröffnet.

SPEAKER_01

Ja, aber weißt du, die Auswirkungen davon. Also bei manchen von meinen Studis an der FH sehe ich das schon, wenn die mir Sachen sagen wie, sie haben das Gefühl, sie müssen immer irgendwas leisten, sie müssen immer irgendwas tun. Da gibt es welche, die sagen mir, sie haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie mal untertags eine halbe Stunde nichts machen. Die haben so einen Performancedruck schon entwickelt, die fühlen sich ganz unwohl, wenn gerade nichts passiert, wenn gerade keine Medien an sind. Eine Studentin hat sogar mal gesagt, sie geht nicht ohne Kopfhörer auf die Straße, weil sie hält es nicht aus, wenn sie ihre eigene Stimme und Gedanken hört.

SPEAKER_00

Redet ihr laut mit sich? Denke ich jetzt gerade nicht.

SPEAKER_01

Ich glaube, sie meint ihre eigenen Gedanken als Stimme

Games und reale Folgen

SPEAKER_01

in ihrem Kopf.

SPEAKER_00

Verstehe. Wobei es sicher gar nicht langweilig wird, sind diverse Spiele, die man am Smartphone und auf Konsolen und so weiter spielen kann. Du hast mir mal berichtet, dass Pädagogen Pädagoginnen, die erzählt haben, dass diese Spiele wirklich Auswirkungen haben, die bis ins reale Leben reichen, nämlich in welcher Form?

SPEAKER_01

Im Februar auf einer Fachtagung haben mir Elementarpädagoginnen erzählt, dass Kinder in ihrem Kindergarten Szenen aus der Serie Squid Game in der Kindergartengruppe nachspielen und dass es einzelne Kinder gibt, die sozusagen im Squid Game-Modus den ganzen Vormittag verbringen.

SPEAKER_00

Ich habe selber Squid Game nicht gesehen, aber ich weiß, das ist echt brutal. Da geht es um Menschen, die auf verschiedene Arten ganz heftig ums Leben kommen.

SPEAKER_01

Squid Game ist eine südkoreanische Serie und der Haupthandlungsstrang ist, dass über 400 Personen, die Geldschwierigkeiten haben, eingeladen werden, Spiele zu spielen, um einen großen Geldhauptpreis zu gewinnen. Die spielen auf eine ganz gewalttätige, freakige Art Kinderspiele und wenn du verlierst, stirbst du. Das ist die Haupthandlung von Squid Game.

SPEAKER_00

Also da geht es um Leben und Tod und das wird nachgespielt dann.

SPEAKER_01

Es wird am Pausenhof nachgespielt und es gibt auch Kinder, die sich dann tatsächlich so verhalten wie in den Spielen, wie in dieser Serie. Und die Serie hat auf Netflix die Altersfreigabe ab 16. Und was ein bisschen bedenklich ist, von der FSK, also von der freiwilligen Selbstkontrolle für Unterhaltungsmedien, gibt es gar keine Einschätzung für diese Serie. Das heißt, die Leute, die das gemacht haben, haben da keine Einschätzung treffen lassen über die Altersfreigabe. Ich habe so die Vermutung, weil ich das regulativ von der FSK ganz gut kenne, dass die Serie dort vielleicht erst ab 18 eingestuft werden würde.

SPEAKER_00

Wahnsinn. Das heißt, da muss man wirklich ein Auge darauf haben, was die Kinder konsumieren und was das mit denen macht. Wie sie es nachspielen, ist wahrscheinlich ein guter Hinweis darauf.

SPEAKER_01

Ja, und nicht nur, was sie selbst konsumieren, sondern auch, was im Haushalt angeschaut wird und ob Kinder dann da zum Beispiel mitschauen können oder ob die was mitkriegen, wenn ältere Geschwister oder vielleicht die Eltern sich solche Sachen ansehen.

Roblox unter der Lupe

SPEAKER_00

Ein Spiel, das, glaube ich, auch schon in alle Volksschulen eingezogen ist, ist Roblox. Was ist denn das? Was sollte man als Elternteil oder als Familienmitglied darüber wissen?

SPEAKER_01

Roblox spielen gerade alle. Egal in welche Klasse ich reingehe und nicht nur vierte Klasse Grundschule, sondern auch in der Unterstufe, Sekundarstufe 1, Roblox spielen gerade alle Kinder. Das, was man darüber wissen muss, ist, dass es ein Onlinespiel ist, das man mit Fremden zusammenspielen kann. Das heißt, Roblox ist eines der Spiele, wo man selbst Welten gestalten kann. Sie ist bekannt für diese ganz viereckige Art an Spielfiguren und Bausteinen, die man auf sehr kreative Art kombinieren kann. Es macht viel, ganz viel Spaß. Aber so wie alle Spiele ab null Jahren im Internet, ist es auch bei Roblox so. Wenn ein Spiel ab null Jahren ist, dann spielen Erwachsene mit. Und überall, wo man Welten gestalten kann, bedeutet das, es werden auch Welten gestaltet, die Themen für Erwachsene enthalten. Es gibt ganz radikale politische, religiöse Welten, es gibt Inhalte, die sexualisiert sind. Und es gibt auch verschiedene Kommunikationsoptionen in Roblox. Das heißt, wenn man nicht aufpasst und das Spiel nicht richtig einstellt, kann das Kind auch von Fremden kontaktiert werden.

SPEAKER_00

Man kann tatsächlich miteinander reden. Also es gibt Sprachchats. Es geht um Geld, weil man sich Robux, das ist die Währung in diesem Spiel, kaufen muss, um sich dann irgendwelche tollen Waffen oder Holzbeine tatsächlich zu kaufen. Spooky teilweise.

SPEAKER_01

Ja, auf jeden Fall. Kann sich noch erinnern, als wir mit dem Oliver Scheibenbogen über Sucht gesprochen haben, hat er erzählt, dass er mit seiner Tochter gemeinsam Roblox spielt. Das fand ich ganz, ganz großartig. Also er verbietet ihr das Spiel nicht komplett, aber er sucht die Welten aus und spielt mit der Tochter dann gemeinsam Dressed for Success oder sie nehmen sich gemeinsam Zeit, um was zu spielen und er passt auf, dass nichts passiert.

SPEAKER_00

Und er hat auch gesagt, er muss sich echt überwinden.

SPEAKER_01

Spaß macht das keinen. Verstehe ich vollkommen. Und Roblox hat ein bisschen nachgerüstet, nachdem das Spiel ganz viel Kritik bekommen hat, haben die jetzt eine Gesichtskontrolle eingeführt. Das heißt, die App sagt, sie erkennt automatisch, wie alt die Kinder sind anhand eines kurzen Videos und ordnet dann sozusagen Gruppen von Gleichaltrigen zusammen. Das heißt, Erwachsene können dann nicht mehr jüngere Kinder anchatten oder jüngere Kinder können nicht mit Teenagern kommunizieren in dem Spiel. Aber ich weiß auch schon aus den Volksschulklassen, diese Gesichtserkennung funktioniert so, naja, bei einzelnen Kindern hat die das richtige Alter angezeigt, aber ich hatte da auch Neunjährige sitzen, die wurden als 15 oder 17

Eltern unterschätzen Risiken

SPEAKER_01

eingestuft.

SPEAKER_00

Du bist ja viel auf Elternabenden unterwegs. Würdest du sagen, unterschätzen viele Eltern immer noch diese Risiken bei Onlinespielen?

SPEAKER_01

Es gibt einfach noch ganz viele Eltern, die sich Spiele nicht im Detail ansehen. Also auf meinen Elternabenden treffe ich tendenziell schon eher Leute, die sich sehr stark für das Thema interessieren, die aktiv nach Informationen suchen und die das wissen wollen. Aber selbst bei dieser Gruppe, die sich schon aktiv beschäftigt und die auch Zeit investiert, um zu solchen Veranstaltungen zu gehen, sind immer noch viele dabei, die sich das Spiel einfach nicht ansehen und die vielleicht denken, naja, wenn das gerade alle Kinder spielen und wenn das gerade beliebt ist, okay, dann spiel das.

SPEAKER_00

Was würdest du sagen, woran erkennen Eltern denn, ob bestimmte Inhalte für ihr Kind schon geeignet sind?

SPEAKER_01

Es gibt bei Filmen, bei Serien und bei Videospielen gibt es mal diese Kategorisierungen von der USK und von der FSK. Das sind diese bunten Symbole, die auf den Spielhüllen oder bei den Serien angegeben sind, wo man dann sieht, ab null Jahren, ab sechs Jahren, ab zwölf Jahren und so weiter. Das kann man mal so als grobe Orientierung nehmen. Dann würde ich auch empfehlen, auf jeden Fall selbst einen Blick in das Spiel oder in die Serie reinzuwerfen, sich ein bisschen die Inhalte genauer anzusehen und dann eine Einschätzung zu treffen. Das ist einfach eine Einschätzung, die auch selbst vorgenommen wird von den Spieleherstellern. Die kennen ja dein Kind nicht. Die wissen nicht, was ist gerade gruselig ist, welche Themen sind gerade beliebt, welche Themen sorgen gerade eher für Stress vielleicht. Das weißt du als Mama oder als Papa am besten. Und deshalb braucht es da auch immer deine ganz persönliche Einschätzung.

Früh digital, aber richtig

SPEAKER_00

Und jetzt glauben aber auch viele Eltern, dass es viele Vorteile mit sich bringt, wenn man früh genug in Kontakt kommt mit dieser digitalen Welt, weil wir ja einfach darin leben und sie wegzusperren und auszublenden, entspricht einfach auch nicht unserer Wirklichkeit. Was würdest du sagen zu dem Satz, je früher mein Kind digitale Geräte nützt, desto besser ist es dann auch für die Zukunft gerüstet.

SPEAKER_01

Ja, das ist ganz beliebt, das Digitale, das ist ja die Zukunft. Wir müssen alles möglichst früh, möglichst viel lernen. Ja, nein, ich unterschreibe das nicht so. Also es gibt tatsächlich ein paar Fähigkeiten, bei denen jetzt gerade vorausgesagt wird, die sollten wir fördern, damit Kinder zukünftig in dieser digitalisierten Welt gut mithalten können und gut vorbereitet sind. Ich weiß nicht, was ihr jetzt im Kopf habt für Fähigkeiten, aber die haben nicht in erster Linie was mit Bildschirmtätigkeiten zu tun, sondern das sind so Fähigkeiten wie zum Beispiel Problemlösungskompetenzen, selbst nachdenken und kreativ Lösungswege finden. Nicht mit der KI vom ersten Schritt an, sondern selber draufkommen, durch Ausprobieren, durchs Fehlermachen, durchs Erfolgreichse, Problemlösung. Oder zum Beispiel gut ausgebildete soziale Kompetenzen. Das heißt, das Agieren und das Leben in einer Gruppe mit mehreren Individuen. Das ist ein Blickwinkel, den haben interessanterweise ganz viele Menschen noch nicht eingenommen, aber vielleicht gibt dir das eine neue Idee ab heute. Kindergärten und Schulen sind solche Übungsräume, in denen wir in sozialen Gruppen, die wir uns nicht selber ausgesucht haben, unter kontrollierten Bedingungen und fachlich, professionell betreut, durch zum Beispiel Lehrkräfte oder Elementarpädagoginnen, wo wir lernen, in sozialen Gruppen zu leben und da klarzukommen und auch Herausforderungen zu meistern. Das ist ganz wichtig. Weitere Fähigkeiten, die auch noch als wichtig genannt werden, sind zum Beispiel dann auch durch die sozialen Kompetenzen auch die Zusammenarbeit oder algorithmisches Denken, das heißt logisch denken, analytisch denken. In Übungen lässt sich das übersetzen in Aufgaben wie Folgen und Reihen zum Beispiel oder Mustererkennung. Mathematik. Das wird als auch sehr wichtig eingestuft zukünftig.

SPEAKER_00

Und wenn wir über soziale Kompetenzen sprechen, dann meinen wir nicht, sich in WhatsApp-Gruppen rumzutreiben und dort irgendwie zu bestehen. Ist schwer genug.

SPEAKER_01

Auch schwer, aber ich sage immer, die WhatsApp-Gruppe funktioniert viel besser, wenn Kinder schon vorher soziale Fähigkeiten in einem bestimmten Ausmaß erlernt haben. Häufig passiert das so früh, dass die WhatsApp-Gruppe nur eskaliert und eigentlich überhaupt keinen Sinn hat. Wenn wir das vorher lernen, dann funktionieren später die WhatsApp-Gruppen auch

Gemeinsam Medien entdecken

SPEAKER_01

ein bisschen besser.

SPEAKER_00

Was würdest du Eltern raten, die ihr Kind ganz gezielt fördern möchten, damit es fit für eine digitale Zukunft wird? Eben das Wegsperren und so tun, als ob es das nicht gäbe und dann bis 15 oder was weiß ich warten, kann es nicht sein.

SPEAKER_01

Nein, das kann es nicht sein. Ich rate immer dazu, erstens fangt es ganz früh in der Familie an, euch über alle diese Themen zu unterhalten. Tauscht euch einfach aus, was gibt es alles, was hast du gesehen, was verwendest du selber? Was kommt dir komisch vor? Was findest du gut? Probiert gemeinsam Spiele aus, probiert gemeinsam Apps aus. Jetzt gibt es eine ganze Menge KI-Tools, mit denen man spannende Dinge machen kann. Lasst dein Kind dann nicht allein hin, sondern macht das gemeinsam, erkundet diese Welt gemeinsam und dann fallen euch sicher auch. Ein paar witzige oder spannende Dinge ein, die man so als Freizeitaktivität damit machen kann. Aber es ist ein ganz, ganz großer Unterschied, ob man eine gemeinsame Beschäftigung hat oder ein gemeinsames Spielerlebnis oder ob man alleine an einem Gerät hängt und da doomscrollt, endlos spielt. Das ist ein großer

Keine Spiele-Liste

SPEAKER_01

Unterschied.

SPEAKER_00

Gibt es bestimmte Spiele oder Videos, die im Volksschulalter überhaupt sinnvoll sind? Hast du da Tipps an der Hand?

SPEAKER_01

Ich empfehle nie einzelne Spiele, wenn ich beim Elternabend bin, egal ob im Kindergarten oder in der Volksschule oder in der Sekundarstufe, weil das einfach so unterschiedlich ist von der Interessenslage her. Ich weiß, die Eltern hätten da immer gerne eine Liste, wo man sagt, das ist Proof, ja, hier zehn Spiele, die jedes Kind spielen soll und kann und hier die Videos sind gut und hier die Serien. Na geh, sowas hast du nicht. Nein. Nein, die habe ich nicht. Also erstens, mal gibt es spezialisierte Plattformen, die das empfehlen. Der andere Punkt ist, Kinder sind einfach auch so unterschiedlich. Also du musst auch selber schauen, was interessiert dein Kind, was passt gerade fürs Alter, was passt zu den Interessen. Tut mir leid, aber ja, das ist Arbeit, aber man muss selber schauen. Sorry. Aber du kannst natürlich für deine Entscheidung dann diese Plattformen nutzen, die es schon gibt: uskde, fskde, die machen Einschätzungen zu Spielen. Du kannst ja auf YouTube oder auf Twitch kurze Videos anschauen, was in einem Spiel passiert, wie so der Spielverlauf ist. Ja, da gibt es ganz viel hilfreiches Material, das dir die Entscheidung erleichtert. Und wir verlinken dir die Plattformen auch unten in den Shownotes.

Erstes Smartphone hinauszögern

SPEAKER_00

Für alle, die uns jetzt zugehört haben und ganz wachsam geworden sind, die aber trotzdem ein Kind in eben diesem Volksschul-Grundschulalter haben, das bald einmal ein eigenes Smartphone haben möchte. Mit welchen Argumenten kannst du diese Menschen ausstatten, dass das Kind nicht gleich Zugang zu allem, was es gerne hätte, bekommt?

SPEAKER_01

Lass dir keinen Druck vom Umfeld machen und denk dran, du triffst diese Entscheidung. Und wenn du gute Gründe hast, um deinem Kind noch kein Smartphone zu erlauben, dann mach das bitte. Ich empfehle hier auch die zwei Elterninitiativen. In Deutschland Smarter Start ab 14 und in Österreich die Smartphone Freie Kindheit. Die unterstützen und connecten Eltern, die sich dazu entschlossen haben, mit dem ersten Smarten-Gerät noch länger zu warten. Und da triffst du auch in Gruppen anderer Eltern, die die gleiche Entscheidung treffen. Und vielleicht kannst du noch ein paar in deinem Umfeld überreden, dann seid ihr mehr und dann wird es für euch alle einfacher.

Körperfolgen durch Bildschirmzeit

SPEAKER_00

Wenn wir uns noch einmal die körperliche Entwicklungsebene anschauen, welche Fähigkeiten entwickeln Kinder denn durch Klettern, Balancieren, Rennen, einfach mal herumtoben? Und was passiert, wenn das alles nicht mehr stattfindet, weil viele zusammengesunken, mit einem krummen Rücken, mit dem Blick nach unten gerichtet, auf den Bildschirm schauen in ihrer Freizeit?

SPEAKER_01

Also das Ausprobieren mit dem eigenen Körper in der Realität, das schult ganz, ganz unterschiedliche Fähigkeiten, Grobmotorik, Feinmotorik, auch im Selbstbewusstsein und in der Wirkung, die ich selber in der Welt habe. Wenn ich Dinge ausprobiere und ich scheitere oder ich bin erfolgreich, ich schaffe etwas, ich lerne eine neue Fähigkeit, ich verbessere mich. Das sind alles im Aufwachsen und dann später im Erwachsenen werden ganz, ganz wichtige Erfahrungen, die persönlichkeitsbildend sind und das Selbstvertrauen auch stärken können. Und abgesehen davon weiß man mittlerweile auch schon, dass das lange Sitzen vor allem in nicht förderlichen Körperhaltungen auf Dauer Auswirkungen hat. Also hier sind wir tatsächlich jetzt bei Langzeitwirkungen. Das passiert natürlich nicht über Nacht oder in wenigen Wochen, sondern über viele Monate und Jahre hinweg. Es gibt im Krankenhaus tatsächlich schon eine Diagnose, die hat den Beinamen der Handynacken. Häufig schon Kinder und Jugendliche, die in ärztliche Behandlung kommen mit starken Schultern oder Nackenschmerzen und mit einer verformten Halswirbelsäule. Man kriegt so einen kleinen Knubbel da hinten am Hals. Ja, jetzt greifst du auch gerade nach hinten. Das ist genau der Effekt, den ich sehe. Ich habe also ein kleines Video, es dauert zweieinhalb Minuten, da wird unter anderem der Handynacken erklärt von einem Arzt. Und wenn ich das in einer Schulklasse herzeige, greifen sich alle nach hinten an den Nacken und ich sage dann immer keine Panik, du spürst da hinten immer was. Da ist deine Wirbelsäule und dein Hals. Aber man würde das tatsächlich spüren, erstens durch Schmerzen und Verspannungen und zweitens wächst da hinten dann wie so eine Art Knubbel raus. Also es ist tatsächlich eine Verformung von der Wirbelsäule, der Handynacken. Und zur Atmung kann ich dir auch noch was sagen. Das zusammengesunkene Sitzen mit runden Rücken und runden Schultern und diese vorgeneigte Körperhaltung hat auch eine Langzeitauswirkung. Wir verkleinern durch diese Körperhaltung künstlich den Brustkorb. Du kannst das ausprobieren, wenn du dich zu Hause hinsetzt und mal wirklich mach mal so einen runden Rücken, Kopf nach vorne und runter und halt deine Hände, so als würdest du ein Gerät halten und versuch tief einzuatmen. Die zweite Übung ist, du setzt dich ganz gerade hin, gibst die Schultern zurück, Kopf rauf, machst dich möglichst groß und atmest dann einmal tief ein. Und die meisten merken dann einen großen Unterschied, weil die Körperhaltung verkleinert den Brustkorb, es passt weniger Luft in die Lunge rein. Auch wenn ich das beim Atmen nicht direkt spüre, du atmest dadurch schneller und flacher. Und das signalisiert dem Körper eigentlich Stress. Das heißt, du sitzt eigentlich vielleicht ganz gechillt am Schreibtisch als Erwachsene oder als Schüler oder Schülerin oder zocktst gerade am Handy oder bist auf Social Media. Eigentlich ist es gerade eine chillige Situation und du hast nichts Anstrengendes, aber dein Körper empfindet Stress. Und da sagen Ärztinnen und Ärzte auch, das kann auf Dauer stressassoziierte Erkrankungen, alles, was zusammenhängt mit Blutdruck, mit zu wenig Bewegung auch, kann das alles auch fördern.

SPEAKER_00

Und das betrifft natürlich auch alle Erwachsenen, also alle, die uns jetzt zuhören, dürfen selber mal schauen, wo die Schultern eigentlich gerade sind und wie aufrecht wir tatsächlich da sitzen. Nehme ich mich auch in der eigenen Nase.

SPEAKER_01

Ja, das ist eine Langzeitwirkung und das entsteht auch in Kombination natürlich mit zusätzlich nicht so guten Gewohnheiten wie eine Arbeit, die häufig im Sitzen stattfindet. Kinder sitzen ja auch in der Schule schon relativ viel. Das heißt, wenn das noch dazu kommt in der Mediennutzung, da müssen wir noch viel stärker darauf achten, dass es genug Ausgleich gibt. Nicht nur für den Körper, übrigens auch für die Augen. Es werden immer mehr Kinder kurzsichtig durch zu intensive Gerätenutzung auf eine zu kurze Distanz für das Auge.

SPEAKER_00

Wir werden mal eine eigene kindermedizinische Folge machen. Laden wir mal eine Kinderärztin

Atemstress im Alltag

SPEAKER_00

oder einen Kinderarzt. Das machen wir. Du, und apropos Atmung, da habe ich auch noch eine spannende Geschichte, die vor allem die Erwachsenen betrifft. Es gibt die sogenannte E-Mail-Apnoe. Hast du das schon mal gehört? Nein, was ist das? Also wenn man sich mit gesunder physiologischer Atmung beschäftigt, dann kommt man halt auch schnell zu ungesunder pathologischer Atmung. Und die wird unter anderem davon beeinflusst, when man E-Mails bekommt und dieses Ding Klingeln, die Notification aufpoppt, dann tendieren wir Erwachsenen dazu, kurz den Atem anzuhalten, weil es ein kurzer Stressmoment ist. Und jetzt bekommen wir ja nicht eine E-Mail am Tag, sondern denkt mal selber darüber nach, wie voll die Inbox ist. Und jedes Mal halten wir kurz den Atem an. Das macht was.

SPEAKER_01

Oh Gott, ich denke gerade an meinen letzten Job, als ich noch nicht selbstständig war, wo ich so E-Mail-Quoten von 120 E-Mails pro Tag hatte.

SPEAKER_00

Ja.

SPEAKER_01

Stressst mich gerade.

SPEAKER_00

Ja, schau, alleine der Gedanke dran stresst dich. Und wenn du jedes Mal nur kurz so einen Atemaussetzer hast, das merkst du ja nicht. Das macht auch nichts. Aber was es schon beeinflusst, ist generell deinen Atemrhythmus. Und wenn du da mal rauskommst, das geht schneller mal, dass du es nicht merkst und dann plötzlich in einem ungesunden Modus drinnen bist.

SPEAKER_01

Wir wechseln jetzt gleich nachher in die Smartphone-Yoga-Sprechstunde und werden ein paar Atemübungen einlegen, damit wir wieder ordentlich weiteratmen.

Drei Tipps für Eltern

SPEAKER_01

So geht das nicht.

SPEAKER_00

Das machen wir. Aber davor bitte ich dich, Andrea, noch um die drei Tipps, die drei wichtigen Dinge, die uns alle, die uns jetzt zugehört haben, mitnehmen können aus dieser Folge.

SPEAKER_01

Gut, also Videos und Spiele bitte immer sorgfältig auswählen. Am besten gemeinsam ansehen und auch inhaltlich einordnen helfen, vor allem bei younger Kindern. And when deine Kinder älter werden, zumindest in gleichen Raum oder in der Nähe sein or wissen, was sie gerade ansehen. Lass sie keine Geräte mit Internetzugang alleine andreguliert nutzen. Besser Familiengeräte, die im Wohnzimmer wohnen oder parken and am besten immer auch gemeinsame Spielerlebnisse fördern. And ganz wichtig, bitte keine sozialen Netzwerke für jüngere Kinder und Achtung mit Streaming-Plattformen wie YouTube, YouTube Shorts, Twitch, Netflix, Amazon Prime und so weiter. Die Vorschlagslogiken zeigen Kindern auch immer Material, das nicht geeignet ist.

SPEAKER_00

Danke für diese Tipps. Danke vor allem fürs Zuhören. Schreibt uns doch, wie es euch gefallen hat, welche Themen euch noch interessieren, worüber wir talken sollen. Wir freuen uns über euer Feedback und über eure Fünf-Sterne-Bewertung.

Atemübungen zum Schluss

SPEAKER_00

Weißt du, was eine meiner Lieblingsatemübungen ist? Die Bienenübung, weil ich gerade draußen im Garten sitze, das passt so gut. Einatmen durch die Nase, ganz ruhig, tief in den Bauch runter und dann beim Ausatmen in ein Summen in einer Tonhöhe, die dir taugt gehen. Das klingt dann so. Das ist herrlich. Das beruhigt auch total das Nervensystem. Und auch ganz toll ist der physiologische Seufzer. Nase. Und dann wirklich so aus vollem Herz einfach mal. Das habt ihr euch verdient. Viel Spaß beim Seufzen. Andrea, danke für deine Tipps, danke für das Gespräch.

SPEAKER_01

Heute aus der Smartphone-Seufzestunde. Herrlich. Wunderbar. Mir geht's schon viel besser.