Smartphone Sprechstunde
Orientierung im digitalen Wahnsinn.
Der Podcast für Familien, die im Bildschirmstress den Durchblick behalten wollen.
Unser Podcast hilft Eltern dabei, den Alltag mit Handy & Co. souverän zu steuern.
„Smartphone Sprechstunde“ ist ein journalistisch recherchierter Podcast von Host
Niki Löwenstein in Kooperation mit Smartphone-Coach Andrea Buhl-Aigner.
Smartphone Sprechstunde
#17 Handy in der Schule: Was Eltern nicht mitbekommen – Ein Lehrer berichtet aus dem Klassenzimmer
Use Left/Right to seek, Home/End to jump to start or end. Hold shift to jump forward or backward.
Handy in der Schultasche – Was im Klassenzimmer wirklich passiert:
TikTok-Klopapier-Challenges, Schummel-App, heimlich gemachte Fotos und WhatsApp-Konflikte – Welche Schwächen haben Handyregeln in den Schulen, was funktioniert gut und wo eskalieren Konflikte?
Bio-Lehrer Fabian Scheck erzählt uns aus dem Schulalltag, wie kurze Videos und schnelle digitale Inhalte die Aufmerksamkeit verändern und Unterrichten schwieriger machen. Und wir erfahren, wie KI in der Schule genutzt wird, aber nicht immer Vorteile bringt.
Abonniere unseren Podcast und gib uns gerne 5 Sterne, um sichtbar zu sein und viele weitere Episoden produzieren zu können. Danke für deine Unterstützung.
Das nimmst du aus dieser Episode mit:
- Wie stark beeinflussen Smartphones und Inhalte aus dem Netz den Schulalltag, obwohl viele Schulen schon stark regulieren?
- Was machen Handys mit der Konzentration in der Schule und dem Miteinander in der Klasse?
- Wie oft wird heimlich auf’s Handy geschaut?
- Welche Fähigkeiten der Schüler:innen leiden durch die Smartphonenutzung?
Kapitel:
3:35 Regeln und Konsequenzen
5:32 TikTok-Challenges im Schulalltag
8:50 Konzentration im Wandel
11:44 Lehreralltag mit Digitaltools
12:28 Welche Dinge Fabian im Unterricht wieder analog macht
13:31 Klassenchats und Konflikte
14:20 Gewalt und Unfalltod im Feed - Wo Lehrer eingreifen können
15:50 Konflikte ohne Ende: Chatgruppen bei Nacht
17:00 Kinder kommunizieren anders
19:33 Mobbing in Klassenchat
20:57 Eltern zwischen Schutz und Begleitung
26:36 Wann Smartphones sinnvoll sind
28:52 Schummeln mit Smartwatch & Bluetooth-Kopfhörern
32:24 Digitale Grundbildung ausbauen und stärken
33:38 Das Netzwerk handyfreier Schulen
35:37 Das Smartphone in der Schultasche
Links & Studien:
Episode #6: Ist mein Kind handysüchtig? Die wichtigsten Warnzeichen, erklärt vom Suchtexperten
https://open.spotify.com/episode/43PD6huJY2XdsZadDLgWQU?si=357f89b20ea94eb4
Episode #7: Handysucht bei Kindern: Welche Inhalte wirklich problematisch sind, und wie du gut begleitest
https://open.spotify.com/episode/7GAARu8egblHOYbRvosf2I?si=ET6qQo6NSFu73JUxwJmgvQ
Netzwerk handyfreie Schulen
https://handyfreieschule.org/
Smartphone Freie Kindheit Österreich
https://smartphone-freie-kindheit.at/
Smarter Start ab 14
https://smarterstart.org/
Lass von dir hören!
Was möchtest du wissen? Welche Erfahrung kannst du teilen? Welche Themen sollen wir als nächstes besprechen?
Schreib uns gerne direkt auf www.smartphone-sprechstunde.at oder über Instagram https://www.instagram.com/smartphonesprechstunde.
Die Smartphone Sprechstunde erscheint immer donnerstags: Raus aus der digitalen Überforderung. Rein in die digitale Selbstbestimmung. Wir helfen Familien dabei, den Alltag mit Handy & Co. souverän zu steuern.
Smartphonecoach Andrea Buhl-Aigner und Host Niki Löwenstein ergründen Mechanismen, Gefahren und Vorteile von smarten Geräten. Dabei stützen wir uns auf wissenschaftliche Erkenntnisse und persönliche Erfahrungen.
Ohne Panikmache oder Technik-Bashing: Bei uns gibt es unterhaltsame Gespräche mit alltagstauglichen Tipps, damit smarte Geräte in Familien wieder zu dem werden, was sie sein sollen: praktische Helfer statt Aufmerksamkeitsvampire.
Gefördert durch die Wirtschaftsagentur Wien. Ein Fonds der Stadt Wien, realisiert in redaktioneller Unabhängigkeit.
Tempo: 120.0
SPEAKER_02Lieber Fabian, magst du uns die Ehre erweisen und magst du mal sagen, willkommen in der Smartphone-Sprechstunde?
SPEAKER_00Sehr gern mache ich das. Herzlich willkommen in der Smartphone-Sprechstunde. Wir freuen uns, dass ihr heute wieder mit da seid.
SPEAKER_02Smartphone Sprechstunde. Orientierung im digitalen Wahnsinn. Der Podcast für Familien, die im Bildschirmstress den Durchblick behalten. Smartphones sind ja in vielen Schulen offiziell verboten, aber trotzdem sind sie ständig da. Sie stecken in den Schultaschen, wandern heimlich unter den Tisch, blinken in den Pausen und begleiten unsere Kinder durch den gesamten Schultag. Was macht das eigentlich mit der Konzentration, mit dem Lernen und dem Miteinander in der Klasse? Wie oft wird wirklich heimlich aufs Handy geschaut? Und welche Rolle spielen Klassenchats, Social Media und KI inzwischen im Unterricht? Mein Name ist Niki Löwenstein, ich bin euer Host und Mama einer Schülerin, deshalb ganz besonders Ohr.
SPEAKER_03Und ich bin Andrea Wohl-Eignner und als Smartphone-Coach regelmäßig in Schulen zu Gast. Heute sprechen wir mit jemandem, der den Schulalltag seit vielen Jahren aus nächster Nähe erlebt und uns heute auch verraten kann, ob die Schummelzettel von früher heute alle digital funktionieren. Biologie- und Geografielehrer und auch Lehrer für digitale Grundbildung, Fabian Scheck vom Konrad-Lorenz-Gymnasium in Niederösterreich. Herzlich willkommen, Fabian.
SPEAKER_02Hallo Fabian.
SPEAKER_00Hallo zu euch. Freut mich, dass ich wieder dabei sein darf bei euch. Und ich freue mich, ja, ein bisschen aus dem Nähkästchen zu plaudern. Jetzt kriegt ihr alle Tricks und Tipps aus der Schule.
SPEAKER_02Ah, sehr gut. Sehr gut. Die Eltern, die uns heute hören, die wissen dann ganz genau, Bescheid, wie es so abläuft. Unsere Episode erscheint in der letzten Schulwoche hier in Österreich. Bald starten die Sommerferien. Wenn du jetzt gerade noch so durch die Schule gehst, welche Rolle spielt denn das Smartphone mittlerweile im Alltag der Kids und Jugendlichen?
SPEAKER_00In der Schule würde ich sagen, gar nicht so viel, wie man denkt, weil wir haben bei uns in der Schule, zumindest in der Unterstufe, seit Jahren mittlerweile diese Regelung, dass wir am Vormittag oder im Unterricht in den Pausen kein Smartphone haben. Das heißt, wir haben, ich glaube mittlerweile seit acht Jahren das in der Hausordnung und das ist in der Unterstufe überhaupt kein Thema. Überhaupt kein Musiker wieder relativieren, weil natürlich gibt es die paar Strizis, die dann doch aufs Klo gehen und das mitnehmen und dann in irgendwelche Snapchat-Gruppen vom Klo posten. Natürlich gibt es die Stritzis, die dann im Unterricht irgendwo Fotos machen oder Dinge aufnehmen, aber das wäre ja auch Fahrt, wenn nicht.
SPEAKER_02Strizi für alle Menschen, die uns aus Deutschland zuhören, das ist so ein liebevolles Wort für jemanden, der die Regeln nicht ganz genau nimmt, oder?
SPEAKER_00Genau so kann man es sagen. Vielleicht ein Schlitzohr, ein Schlingel oder einfach ein junger Mensch, weil das gehört ja auch dazu, dass man sich nicht immer hundertprozentig an alle Regeln hält. Ich würde trotzdem sagen, dass der große Konsens schon da ist, dass wir sagen, okay, in der Unterstufe und auch in der Oberstufe, wenn wir uns am Gang draußen treffen, gibt es eigentlich keine Handys. Und das ist ganz cool zu sehen. Aber wenn du jetzt die Sommerferien ansprichst, da ist es natürlich schon toll. Viele junge Menschen berichten dann und sagen: Wow, da darf ich dann auch viel mehr am Handy sein, meine Eltern regulieren weniger mit. Und ich freue mich drauf, ich kann den ganzen Tag auf TikTok sein, im Bett liegen. Ist auch okay. Aber es wäre vielleicht schon zu überlegen, ob ich das zwei Monate lang machen möchte.
SPEAKER_02Jetzt muss ich kurz nachfragen, weil ich habe von der Andrea schon gelernt in den vergangenen Episoden, die wir zusammen aufnehmen durften, dass wenn etwas in der Hausordnung steht oder man eine Regel aufgestellt hat, das ja gut und schön ist, aber solange es keine Konsequenz gibt, wenn man dagegen verstößt, dann hilft es nicht viel. Was passiert denn, wenn man bei euch dann doch erwischt wird mit dem Smartphone?
SPEAKER_00Ja, aktuell ist es so, dass man bei uns in der Schule hat man quasi drei Chancen, das zu verbocken. Die erste ist, erstes Mal erwischt werden, weil ich das Handy irgendwo mit hatte, wo ich es nicht darf. Dann ist es so, dass wir gemeinsam ins Sekretariat gehen, dort gibt es ein Vermerk in eine Liste und das Smartphone parkt bis zum Unterrichtsende im Sekretariat, kann danach abgeholt werden. Zweites Vergehen, zweiter Eintrag, gleicher Ablauf. Drittes Vergehen, und jetzt wird es kritisch für unsere Schülerinnen und Schüler, weil dann wird die Frau Direktor informiert, dann werden oftmals die Eltern informiert und das finden unsere Schülerinnen und Schüler ganz schön blöd. Das heißt, aus dem Alltag berichtet, erstes Vergehen, zweites Vergehen ist quasi eh egal. Das ist nicht ganz so tragisch, beim dritten Mal ist es ein Problem. Und wir haben auch gelernt, wir werden ja bei uns in der Schule ab September ein bisschen die Spielregeln ändern, dass wir da vielleicht ein bisschen nachschärfen müssen, weil wenn ich irgendwo zum Beispiel im Straßenverkehr zweimal zu schnell fahren darf und erst beim dritten Mal bestraft werde, dann werde ich diese zweimal ausprobieren. Beim dritten Mal muss ich halt mir dann mit den, also muss ich mit den Konsequenzen leben, muss ich dann vielleicht Strafe zahlen, muss ich vielleicht meinen Führerschein abgeben. Das finde ich ja dann eher blöd.
SPEAKER_03Ich finde es jetzt gut, dass ihr zumindest beim ersten und beim zweiten Mal die Regelung habt, dass man schon ins Sekretariat gehen muss, um sich auf eine Liste einzutragen. Weil ich kenne es von anderen Schulen auch, dass die sagen, ja, zweimal Verwarnung und um diese Verwarnung müssen sich aber dann meistens die Lehrenden kümmern, dass die irgendwo landet, dass die aufgeschrieben wird und so weiter. Finde ich schon mal gut, dass man bei euch schon mal in die Direktion latschen muss. Aber würdest du dann sagen, wenn ihr das schon relativ gut im Griff habt mit den Handys, gibt es eigentlich noch richtige Probleme während der Unterrichtszeit, die irgendwie aus der Smartphone-Nutzung entstehen? Gibt es da noch Konflikte oder ist das alles schon erledigt?
SPEAKER_00Ich würde sagen, wenn wir Probleme bei uns in der Schule haben, und das muss ich schon sagen, ich finde, das Schulklima bei uns ist in Ordnung, wir kriegen das ganz gut hin. Aber alle Dinge, die wir hatten, und wir haben auch immer wieder TikTok-Challenges, wir haben schon auch immer wieder verunreinigte Kloss, wir haben Jugendliche, die einfach richtig Quatsch machen. Wenn man dann fragt, wo kommt das her, dann ist halt häufig der Motivator das Internet, irgendwelche Challenges, dann haben wir es, dass weiß ich nicht, Schülerinnen und Schüler fotografiert werden, dass Lehrkräfte aufgenommen werden. Also das Gerät, es ist ja trotzdem im Schulhaus. Es ist ja nicht weg. Und das macht uns schon immer wieder Probleme. Da wäre es besser, wenn wir es einfach gar nicht mitnehmen würden.
SPEAKER_02Entschuldigung, ich glaube, ich bin sehr naiv. Es gibt verunreinigte Klos wegen TikTok-Challenges.
SPEAKER_00Ja, also es gibt so Challenges, wo man dann schaut, wie viel Toilettenpapier man ins Klo hineinstopft, bis es übergeht. Aktuell immer wieder passiert, dass die Handtücher, also die Papierhandtücher zum Trocknen der Hände, dass die dann nass gemacht werden und an Wände geschossen werden. Und das sind alles Challenges, die aus TikTok oder von TikTok-Trends kommen.
SPEAKER_02Als Mutter, als Elternteil kann man da irgendwie echt nur die Hände überm Kopf zusammenschlagen, oder? Sich denken, na bitte, das gibt's nicht.
SPEAKER_03Ich war in Wien in einer Schule mit meinem Workshop. Also da gab es anscheinend gerade irgendwelche Vorfälle, weil als ich dort war, mussten die Kids tatsächlich, wenn sie aufs Klo gegangen sind, sich extra Klopapier abholen, weil das wurde dort gerade für einen gewissen Zeitraum rationiert und nur bestimmt ausgegeben bei Bedarf, weil anscheinend einige Vorfälle waren. Auch von TikTok-Challenges inspiriert. Habe ich auch schon gehört. Oh shit, sage ich dann nur.
SPEAKER_00Und da gibt es halt wirklich ganz blöde TikTok-Challenges, wie aus dem Fenster zu springen und sich dabei zu filmen, sich bewusstlos zu drücken und dabei zu filmen.
SPEAKER_03Blackout Challenge.
SPEAKER_00Und das passiert in ganz, ganz richtig, in ganz, ganz vielen Schulen. Und das geht wirklich von bis, also das ist nicht so, dass man jetzt sagt, das passiert nur in Brennpunktschulen, das passiert auch in Gymnasien und ich würde lügen, wenn ich sage, dass es in Gänsendorf noch nicht passiert.
SPEAKER_03Okay, das heißt, die Handys sind eigentlich weg, die meiste Zeit im Unterricht, aber die Inspiration ist schon da und die kommt mit rein in den Schulalltag. Okay, verstehe ich.
SPEAKER_00Ja, und man muss ja einfach sagen, wir können es am Vormittag schon regulieren im Schulalltag. Da kann man ja jetzt auch zum Glück die gesetzliche Grundlage dazu, das hilft uns schon einmal sehr. Aber was dann zu Hause passiert, wenn die Kinder das Schulgebäude verlassen oder bevor sie kommen, das ist ja damit noch nicht erledigt. Und ich beobachte es bei uns schon, das SchulwLAN reicht bis kurz vor die Hausmauer. Also wenn man an der Mauer quasi irgendwo dort lehnt, dann geht es schon. Und wir haben in der Früh jeden Tag junge Menschen, die dann vor der Schule sitzen, gerade so im Internet-WLAN-Empfang von der Schule und dann nochmal die letzten zehn Minuten, bevor es läutet, alle Internetdienste über das Schul WLAN nutzen.
SPEAKER_02Also sich noch einmal voll ballern quasi, kurz bevor die Schule startet.
SPEAKER_00Genau. Und dann geht es los. Dann haben wir sechs Stunden Pause und dann geht man raus. Und das Erste, was ich schon bei sehr vielen jungen Menschen beobachtet, ist der Griff zum Handy, einfach zu schauen, was ist denn jetzt passiert, sechs Stunden lang.
SPEAKER_02Gibt es Fähigkeiten, kognitive Fähigkeiten oder vielleicht auch soziale, bei denen du das Gefühl hast, durch die Smartphone-Nutzung hat sich das definitiv geändert in den letzten Jahren?
SPEAKER_00Ich kann es ganz plakativ machen. Ich würde sagen, wo ich Schüler war, da gab es noch diesen Fernsehwagen. Wenn jemand mit unseren Film geschaut hat, kam das Fernsehwaagl und alle waren, war super, wir schauen eine Doku.
SPEAKER_02Das war immer schön, wenn das Fernsehwahl gekommen ist, hast du ein bisschen durchgeatmet, gewusst, heute wird es chillig.
SPEAKER_00Richtig. Ja. Und jetzt sage ich euch was, wenn ich im Unterricht, ich habe ein paar Filme, es sind eh nicht viele, aber die ich einfach pädagogisch wertvoll finde. Wenn ich die einsetze, dann gibt es kein Jubelschreiben mehr. Dann ist es einfach so, ah, okay. Und dann denke ich, ihr drüber nachgedacht und mir gedacht, das gibt es ja nicht, weil wieso? Früher war das ganz anders. Und ich bin ja jetzt auch nicht so ewig, ewig schon Lehrkraft. Aber man beobachtet einfach, mit Videos catchst du keine jungen Menschen mehr. Weil die sehen den ganzen Tag oder sehr viel. Ja, Bildschirmzeit sind Videos, sind Kurzvideos und dann kommst du daher mit einem 40-Minuten-Universum. Das ist ja langweilig. Möchte keiner mehr sehen. Es tut mir leid, jetzt spreche ich gegen euer Format, aber einen Podcast mit einer Klasse anhören, die erste Rückmeldung, die ich bekommen habe, Herr Professor, können Sie bitte auf doppelte Geschwindigkeit stellen?
SPEAKER_03Wie meine Studis, ja.
SPEAKER_00Ja, und das ist was, also diese Konzentrationsspanne oder dieses, ich mache eine Sache und auf die konzentriere mich tatsächlich, das ist schwer geworden für die jungen Menschen. Und wenn man dann denkt, das war für uns schon schwer, dieser 50-Minuten-Rhythmus, diese Taktung im Unterricht, das ist halt wirklich schwierig, dass du die jungen Menschen, aber auch die älteren Menschen, dass man die tatsächlich im Boot halten kann, da musst du schon sehr viel Schuhe bieten. Und klar, das ist auch nicht immer so einfach. Und wir merken es jetzt einfach, pädagogische Muster, die wir hatten, oder ausgearbeitete Dinge, zum Beispiel Gruppenarbeiten, wo man sagt, man lässt sie ein bisschen recherchieren, das kann man heutzutage fast schon wieder in den Mistkübel klopfen, weil ein Rechercheauftrag, und ich sage, der mich vor fünf Jahren einfach meine Klasse zwei Stunden beschäftigt hätte, ist heute innerhalb von fünf Minuten erledigt, weil das KI-Tool gibt ja eine Auswertung, die teilweise gar nicht so schlecht ist und wir sind fertig damit. Das ist schon etwas, wo der Schulprozess einfach sich verändert und wo wir auch merken, dass die jungen Menschen ein anderes Verhalten, ein anderes Verhalten im Klassenraum zeigen. Und du hast vorher gefragt, wie ist das sozial? Das beobachten wir eben auch, dass einfach das soziale Miteinander, vor allem in den Pausen, bei den älteren Schülerinnen und Schülern, die halt auch in der Schule das Handy verwenden dürfen, dass sich das verändert hat. Das geht weg vom persönlichen Kontakt hin zu, okay, wir tauschen uns digital aus, obwohl wir im gleichen Raum sitzen, obwohl wir miteinander rausgehen könnten, ah nein, wir machen es digital.
SPEAKER_03Und wie würdest du sagen, hat sich dein Alltag als Lehrer verändert? Brauchst du da fixe ein Smartphone? Was läuft in der Schule alles über das Handy oder über Geräte? Wie intensiv ist das geworden?
SPEAKER_00Ich würde sagen, ich war ein Fan der Digitalisierung, wo das angefangen hat nach der Pandemie und ich dachte mir, war super, weil unsere Schülerinnen und Schüler haben einfach total schwere Schultaschen, weil sie alle die Schulbücher und die Hefte tragen. Und ich dachte mir, cool, jetzt kriegt jeder ein Tablet. Das heißt, wir könnten digital einsteigen in die Schulbücher. Wir könnten uns sparen, in Hefte zu schreiben. Also in der Schule haben wir jetzt das Office-Paket, nutzen da Teams, nutzen OneDrive, nutzen OneNote. Ich habe das angefangen und habe das ganz schnell wieder aufgehört, weil dadurch einfach ganz viele andere Probleme aufpoppen. Und ich muss sagen, mittlerweile ist es wieder so, dass ich gerne hätte, dass man mitschreibt im Heft, weil man einfach dieses Schreiben besser trainiert. Und mir ist wichtig, dass sie nach Möglichkeit einfach das Schulbuch verwenden und nicht digital einsteigen, weil es einfach für Kinder was ganz was anderes ist, wenn sie ein Buch vor Augen haben, wie wenn sie wieder in einen Bildschirm schauen. Weil du gefragt hast, Andrea, wie ist das für uns als Lehrkräfte? Wir nutzen diese Tools schon. Also wir haben auch jetzt Teams als Austauschmedium. Wir haben auch natürlich über den digitalen Weg sehr viel Austausch mit Eltern, über diverse Plattformen, was manchmal ein bisschen schwierig ist für uns, auch wie ich höre, für Eltern, aber da kann die Niki vielleicht ein bisschen mehr berichten. Und wir nutzen es aber auch organisatorisch. Das heißt, ein Klassenbuch, so wie wir das früher kennen, wo man eingeschrieben hat, wer fehlt, das geht alles über digitale Lösungen. Das kann man mit dem Smartphone machen, damit geht es natürlich schneller, aber wir haben natürlich auch in jeder Klasse einen Computer stehen. Das heißt, ich muss das Smartphone eigentlich nicht mehr Bier haben, aber es erleichtert oftmals gerade so organisatorische Dinge.
SPEAKER_02Das, was ich besonders gut kenne, sind Klassenchats, Eltern, WhatsApp-Gruppen, wo dann irgendwelche Geschenke organisiert werden, Sachen besprochen werden und so weiter, wo sich immer die gleichen melden und die gleichen nicht melden und andere in den Wahnsinn treiben. Welche Rolle spielen denn so Klassenchats und WhatsApp-Gruppen im Schulalltag bei euch?
SPEAKER_00Ja, auch das ist ein Thema, das wir natürlich fast täglich an der Tagesordnung haben. Jetzt könnte man sagen, okay, WhatsApp-Nutzung ist in der Schule, zumindest in der Unterstufe, kein schulisches Thema, weil das kommitten die Eltern, das machen sie die Familien aus. Aber es passieren natürlich Dinge in diesen Chatgruppen, Dinge, die einfach für junge Menschen belastend sind. Und ich möchte es nur an einem plakativen Beispiel bringen. Es sind letztes Jahr oder ich glaube vorletztes Jahr zwei junge Menschen auf einer Wiener U-Bahn gestorben. Beim U-Bahn-Surfen wurde mitgefilmt, live übertragen. Und ich habe das gelesen am Abend und gehe am nächsten Tag in meine Klasse und die Schülerinnen und Schüler sagen, Herr Professor, haben Sie das mitbekommen? Da sind gestern zwei junge Menschen gestorben. Und ich habe gesagt, ja, ich habe es gelesen, wollte es drüber reden. Und sie haben gesagt, ja, bitte, weil wir haben das Video gesehen, es wurde in die Klassen-WhatsApp-Gruppe gepostet. Das heißt, sie haben alle oder fast alle diesen zwei jungen Menschen zugeschaut bei diesem Verunfallen. Und dann kann ich als Lehrkraft, also so interpretiere ich meine Rolle, dann mag ich nicht wegschauen. Dann mag ich einfach hergehen und sagen, okay, arbeiten wir das auf, redet mal drüber, was habt ihr da gesehen. Es ist schlimm genug, dass sie es gesehen haben. Aber ich sehe es halt dann als meine Aufgabe, dass wir auch schulisch überlegen, wie können wir das abfangen, wie können wir das abpuffern, zumindest drüber reden. Weil viele junge Menschen reden das nicht mit den Eltern aus, weil was ist die Elternreaktion? Aha, da ist was Schlimmes passiert auf deinem Smartphone. Also meine Reaktion, ich nehme dir das weg oder ich erlaube dir diesen Dienst nicht mehr. Und ganz viele junge Menschen sagen, das kann ich mit meinen Eltern nicht besprechen, weil dann ist gleich Verbot. Dann kommt es weg. Deswegen erzählen sie es nicht. Und da glaube ich, ist schon Schule wichtig, dass wir das abpuffern können. Aber oftmals höre ich auch von Schülerinnen und Schülern, die sagen, auch den Lehrern erzählen wir es besser gar nicht, weil vielleicht passiert dann auch irgendwas, was wir nicht haben wollen. Was wir schon immer wieder haben, oder eigentlich tagtäglich, sind Konflikte, die aus dem Klassenraum über Klassen-WhatsApp-Gruppe dann ins Privatleben übertragen werden. Und da muss ich schon sagen, das ist echt belastend für Kinder, wenn sie die Konflikte mit nach Hause nehmen, wenn das ganze Wochenende dort weitergefaltet wird. Das entsetzt dann oft die Eltern, aber man glaubt, man hat mit seinen Kindern eine gute Vereinbarung. Am Abend ist das Handy eh abgedreht. Und ich weiß gar nicht, von wie vielen Geschichten mir berichtet wird, dass diese Konflikte in der Nacht ausgetragen werden. Mama, Papa glauben, mein Handy wartet eh bei der Tür oder liegt abgedreht am Nachtkastel. Und das tut es ganz oft nicht. Und das ist schon was, wo ich sage, Kinder tragen Konflikte mittlerweile einfach dauerhaft aus. Und bei uns war es so oder bei mir war es so, ich wusste, wenn ich diese Sozialgruppe Klassenraum verlasse, bin in einer anderen Sozialgruppe, aber ich lasse mal dieses Thema für den Schultag dann in der Schule. Und das ist halt, das machen uns Klassen-WhatsApp-Gruppen, Teams-Gruppen oder whatever einfach richtig schwer.
SPEAKER_02Was ich auch beobachten kann, ist, dass die schriftliche Kommunikation bei jungen Menschen ganz anders abläuft als noch bei uns. Und ich glaube, dass wenn wir SMS schreiben mit Hallo und Danke und Bitte, das ganz anders ausschaut, als wenn ich mir die SMS-Verläufe von jungen Menschen anschaue. Da wird teilweise in einem Ton kommuniziert, dass mir die Luft wegbleibt. Die Kinder um mich herum erklären mir, aber das ist aber ganz normal, die finden da überhaupt nichts dabei. Also diese Kommunikation ohne die persönliche Ebene, ohne die Körpersprache, ohne dass sich in die Augen schauen, ohne den Tonfall, all das, was uns ja auch ganz, ganz vielen noch mit transportiert, zu erleben und zu lernen, das ist wirklich schwierig, stelle ich fest. Wie seht ihr das?
SPEAKER_03Wenn ich versuche, mich in diese Frequenz reinzudenken, dass den ganzen Tag gesnappt wird, den ganzen Tag gechattet wird, immer was geschickt wird, dann verstehe ich auch, wenn da Hallo und Tschüss wegfällt, weil es läuft dauernd, ja. Und Fabian, so wie du gesagt hast, auch bei den Sachen, die nicht gut sind, auch bei den Sachen, die sehr belastend sind, man trägt sie einfach immer mit sich herum. Ich glaube, das ist eine Sache, die wir immer wieder ansehen müssen, um da einfach den Kontakt nicht zu verlieren. Wie kommunizieren junge Menschen da und wie unterscheidet sich das von unseren eigenen Gewohnheiten, damit wir nicht von uns auf die Kinder und Jugendlichen schließen, sondern dass wir überhaupt eine Ahnung davon haben, wie das passiert. Und dass es in der Nacht weitergeht, ist was, das ich auch ganz häufig in den Klassen von den Kids höre. Also so Aussagen wie, ja, solange ich leise bin, darf ich solange ich will. Zum Beispiel zocken in der Nacht. Oder ich warte, bis meine Eltern schlafen und dann drehe ich wieder auf, weil ich habe eh alles in meinem Zimmer drinnen. Komplett ausgestattete Medienkinderzimmer, ja, ist ja keine Seltenheit heutzutage und auch große schwedische Möbelhäuser haben in der Ausstellung bereits so vorgefertigte Vorschläge drin für das Zimmer, wo die ganzen Bildschirme cool blau beleuchtet sind und am besten noch Sessel mit eingebauten Lautsprechern und so weiter. Ich sage mal, es wird ja auch schon viel zur Verfügung gestellt, dass das auch so klappen kann.
SPEAKER_00Und wir haben das tatsächlich regelmäßig, dass uns das Schülerinnen und Schüler berichten, dass sie das belastet. Eine Klassen-WhatsApp-Gruppe, wenn man Klassen fragt und sagt, ist das positiv, dass ihr eine Klassen-WhatsApp-Gruppe habt, kommt fast immer nein, das finden wir eigentlich nicht. Sehr viele Schülerinnen und Schüler werden aus diesen Gruppen regelmäßig rausgekickt. Und da braucht man nur überlegen, wenn man aus einer Sozialgruppe ausgeschlossen wird. Ich denke mal, früher gab es die Bestrafung, dass man junge Menschen aus dem Klassenraum verband hat und gesagt hat, so, du musst draußen stehen bleiben. Das war die Höchststrafe und das passiert einfach regelmäßig die ganze Zeit, ohne Kommentator oder ohne Mediation von Erwachsenen, die das irgendwie begleiten können. Das heißt, das ist an der Tagesordnung für junge Menschen und das ist echt belastend.
SPEAKER_02Das ist teilweise, nennen wir die Sache beim Namen auch Mobbing. Also da können Schülerinnen und Schüler wirklich auch fertig gemacht werden.
SPEAKER_00Und wir haben nicht nur Mobbing, sondern es ist auch, das geht dann in Grooming oder sonst irgendwas, wo sich dann Erwachsene in so Gruppen hineinhacken. Also wir hatten das beim Elternabend hat mir jetzt eine Mutter erzählt, da hat sich wer in diese Gruppe hineingehackt und hat einfach umgefragt, sofort Bilder geschickt, die wir jetzt nicht weiter besprechen müssen. Und auch das ist natürlich schwer, weil die Kinder sehen ja, dass ob sie es dann blöd finden oder nicht, aber gesehen habe ich es schon. Und da denke ich, wir reden immer über Kinderschutz, über Jugendschutzkonzepte, wir haben Jugendschutzgesetze, die funktionieren alle wunderbar in der Offline-Welt. Und sobald wir online sind, vergessen wir solche Dinge. Und da denke ich schon, Eltern, du hast es vorher kurz angesprochen, man macht sich es vielleicht leicht oder man möchte es nicht direkt sehen. Aber das ist schon, finde ich, Aufgabe der Eltern, dass die dann sagen, hey, das geht einfach nicht, wir brauchen irgendwelche Schutzmechanismen, die mein Kind schützen. Und natürlich ist es überhaupt mal zu hinterfragen, wieso ist das möglich? Wieso kann ein Kind solche Dinge überhaupt sehen? Aber diese Frage muss man an Erwachsene weitergeben, weil ich denke mir, diese Apps sind programmiert, um Kinderabhängig zu machen. Das haben Erwachsene designt und wir haben die Kinder da drinnen mit erwachsenen Geräten im Kinderzimmer und dort kehren es nicht hin.
SPEAKER_02Was würdest du jetzt Eltern sagen, die uns zuhören und die einen Reflex in sich spüren, der da heißt, na dann verbieten, dann muss diese App weg, dann gibt es keine WhatsApp zum Beispiel. Ist das der richtige Weg oder was würdest du als Lehrkraft denen mitgeben?
SPEAKER_00Also ich denke mal, man muss mal unterscheiden, wenn du Klassen hast, wo das schon Alltag ist, dass es einfach solche Gruppen gibt, wo es einen Austausch gibt, wo sich Schülerinnen und Schüler oder junge Menschen auch organisieren. Das kann ja auch sehr positiv sein. Also ich denke da an Schülerinnen und Schüler, wenn sie Dinge verpasst haben, Inhalte verpasst haben, dann kriegen sie das häufig über WhatsApp-Gruppen oder Teams-Gruppen nachgeschickt. Das heißt, du bist krank zu Hause, aber kriegst trotzdem deine Materialien mit. Das finde ich ja sinnvoll. Ich finde es allerdings schwierig, wenn halt in solchen Chaträumen dann alle Regeln vergessen werden. Das heißt, ich denke mir, wenn mein Kind da jetzt schon drinnen ist, dann ist es einfach ganz wichtig, dass ich da mit dabei bin, dass ich das mitbegleite. Ich höre immer wieder von meinen Schülerinnen, ja, ich wäre überwacht von meinen Eltern und ich finde, dieses Überwachen, diesen Begriff sollte man rauskriegen, ich erkläre dann immer, du, es ist keine Überwachung, es ist eine Mitbegleitung. Du lernst, das anzuwenden. Es fängt ja auch keiner mit sieben Jahren Autofahren an, sondern wir lernen einmal Kompetenzen im Straßenverkehr. Und da glaube ich schon, dass junge Menschen einfach Kompetenz im Mediendschungel lernen müssen. Und da gehört halt die Begleitung der Eltern dazu. Und ich glaube schon, dass es einfach wichtig ist, dass wenn Kinder digitale Tools nutzen, dass Eltern Bescheid wissen, was denn da passieren kann. Das ist manchmal schwer, das ist mir klar, weil einfach diese Welt so schnelllebig ist. Aber ich finde, es ist wichtig, dass man es mit begleitet und dass man nicht sagt, da hast du, mach einfach und super, ich kann durchschnaufen, weil mein Kind ist zwei Stunden im Kinderzimmer und ich höre nichts davon. Das mag manchmal reizvoll sein und vielleicht ist es auch wichtig, weil wir Erwachsene natürlich auch alle einen schnellen Alter haben. Aber ich glaube, da wäre es wichtig, dass wir wieder mehr in die Verantwortung gehen. Und dann ist halt einfach wichtig, auch schulisch, dass wir das mitbegleiten können über digitale Grundbildung. Und dort immer aktuell schwer, weil ich kann nur berichten, ich habe eine Klasse, erste Klasse, Sekundarstufe 1, das heißt zehnjährige, elfjährige Kinder und davon kamen 23 bereits mit dem Smartphone zu uns in die Schule. Wenn man dort nachfragt, der Großteil von denen ist eingestiegen in der dritten Klasse Volksschule. Und mittlerweile beobachte ich, dass das noch ein Jahr zurückgegangen ist. Das heißt, wir können davon ausgehen, junge Menschen steigen mit sieben Jahren in der zweiten Klasse Volksschule in die Smartphone-Welt ein. Und das finde ich tatsächlich einen Umstand, der müsste nicht sein. Aber das große Problem ist, und das höre ich von Eltern, die sagen, naja, was soll ich denn machen? Alle machen das so. Und ich finde den Spruch ganz nett. Es gibt keine Eltern oder niemanden der Eltern, der dann sagt, ich fand es toll, dass mein Kind endlich ein Smartphone hat. Sondern es bringt immer nur Probleme. Und ich glaube, man müsste die Eltern bestärken und denen sagen, hey, schaut, dass ihr den Smartphone-Konsum eurer Kinder oder dass wenn Kinder ein Smartphone bekommen, dass man das möglichst nach hinten wieder rausschiebt. Nicht Volksschule, irgendwann in der Sekundarstufe, da bekommen sie es. Und das klappt aber nur, wenn sich Eltern organisieren. Wenn man sagt, ach zu, wir machen uns aus, unsere Kinder kriegen in der Volksschule kein Smartphone. Dann klappt das.
SPEAKER_03Diese Dynamiken, die du erzählt hast von WhatsApp-Gruppen, die starten übrigens auch schon in der Volksschule. Ich gehe ja mit meinen Workshops auch unter anderem in vierte Klasse Volksschule und das ist ganz häufig so, dass schon fast die gesamte Klasse mit Smartphones ausgestattet ist. Meistens sind so einzelne, ein, zwei, drei Kinder manchmal drinnen, die Tastenhandys haben oder noch gar kein Handy. Und ich mache mit diesen Klassen in der vierten Stufe, wir spielen dann das WhatsApp-Spiel. Da können alle Kinder mitspielen, auch wenn sie noch kein Handy haben. Das ist so theaterpädagogische Maßnahme. Wir setzen uns in den Sitzkreis und spielen praktisch mit Karten und mit Bildern eine WhatsApp-Gruppe nach. Und ich schicke dann große Nachrichten rein und die Kinder reagieren dann und sie machen ihre Geräusche, die das Handy macht und so weiter. Und ich schwöre es euch, egal wo ich bin und egal, wie viele Kinder schon aktiv Smartphones nutzen, diese gespielte WhatsApp-Gruppe eskaliert innerhalb von ein paar Minuten genauso wie reale WhatsApp-Gruppen. Also es kommen unendlich Nachrichten, die Kinder fangen an zu schreien, alles klingelt. Wir verteilen Rollen, damit wir sehen, wer wird gerade gestört, wer ist gerade aufgewacht und so weiter. Also es ist einerseits erschreckend, andererseits ein Riesenspaß und es wird ziemlich laut. Nicht alle Lehrer mögen das Spiel. Aber ja, ab dem Zeitpunkt, wo man in so einer Gruppe ist, geht die Post ab und ich konnte noch nie in einer Klasse irgendeinen richtigen Grund erfahren, warum man diese Gruppen unbedingt braucht.
SPEAKER_00Ich meine ganz gern, wir haben bei uns in der Schule ja auch als Lehrkräfte eine Aufsichtspflicht. Das heißt, unsere Schülerinnen und Schüler werden in fünf-Minuten-Pausen nicht beaufsichtigt, sonst den ganzen Vormittag. Und dann stellen wir vor, ich würde diese Gruppe jetzt einfach mal fünf Stunden alleine im Klassenraum einsperren. Wir hätten genauso Chaos, wir hätten Streiterei, wir hätten Schimpferei, das machen wir ja nicht. Aber in einer WhatsApp-Gruppe, da machen wir es ohne Probleme, ohne nachzudenken. Viel Spaß, keiner moderiert es mit, alle Konflikte sind dort. Es gibt keine Regeln, jeder wird ausgeschmissen, wieder reingeholt, Dinge werden geschickt, Dinge werden geschrieben. Das passiert. In der Offline-Welt nicht. In der Online-Welt ganz andere Regelung.
SPEAKER_02Und bei Erwachsenen auch, oder? Hand hoch, wer schon mal in einer WhatsApp-Gruppe war, wo sich dann manche im echten Leben nicht mehr in die Augen geschaut haben danach.
SPEAKER_00Tatsächlich. Die meiste Hate Speech ist auf den Plattformen der Erwachsenen.
SPEAKER_02Apropos Alter, in der Episode rund um das Thema Handysucht haben wir mit dem Psychologen Oliver Scheibenbogen über das Thema Ab wann ist denn ein Smartphone in Ordnung gesprochen. Und seine Empfehlung ist nicht vor 13. Auch das soll an dieser Stelle noch einmal gesagt sein.
SPEAKER_03Ja, die Episode verlinken wir euch auch nochmal in den Shownotes, falls ihr sie anhören möchtet. Und Fabian, jetzt haben wir ganz viel darüber gesprochen, was mit den Geräten alles passiert, wo sie stören, was sie für schlechte Ideen auch oft mitbringen in den Schulalltag. Vorher hast du aber auch schon gesagt, natürlich kann man die Smartphones auch sinnvoll verwenden. Und ihr könnt sie natürlich auch, wenn handyfreie Schule ist, trotzdem im Unterricht einsetzen. Findest du das überhaupt noch sinnvoll, das Handy im Unterricht zu verwenden? Eine Kollegin von uns hat kürzlich gesagt bei einem gemeinsamen Gespräch, sie findet, das ist das letztbeste Gerät für die Arbeit im Unterricht. Was ist deine Meinung dazu?
SPEAKER_00Ich kann diese Meinung von unserer Kollegin Theresia aus Glücks-Neuburg nur unterstreichen. Es ist so. Natürlich gibt es manche Dinge, wo es geschickt ist. Und meine Kolleginnen und Kollegen würden sagen, naja, Kahoot ist schon super über das Smartphone. Aber viel mehr fällt mir dann dazu auch schon immer ein, weil es ist ja jetzt auch so, dass wir aufgrund der Digitalisierung Tablets in den Schulen haben. Dann kann ich auch das verwenden. Und wenn ich aber jetzt Schülerinnen und Schüler frage, die sagen mir, naja, das SchulwLAN ist zu schlecht, also nehme ich meinen Hotspot, dann muss ich sagen, das ist ein Systemproblem. Es kann nicht sein, dass man dann Privatgeräte dafür braucht. Dann kommen Schülerinnen und Schüler sagen, naja, aber ich sehe nicht, wann ich denn Vertretungsstunden habe. Das schaue ich auch immer am Handy. Auch das könnten wir schulisch anders lösen. Das heißt, wenn man junge Menschen fragt, brauchst du das Smartphone am Vormittag, seht ihr im Unterricht einen unglaublichen Nutzen und einen Gewinn darin, dann gibt es eh nicht viele Argumente, weil auch Kahoot kann man am Tablet spielen. Also auch das funktioniert. Was natürlich cool ist, wir haben schon öfter über Word Clouds, über Mentimeter geredet. Das ist natürlich schon ein geschicktes, wenn man das schnell einsetzen kann, wenn man schnelle Rückmeldungen kriegt. Aber es gibt dazu auch Offline-Lösungen. Also auch das ist möglich. Aber wir haben uns heute an dieses Digitale, an dieses Schnelllebige, an diese schnelle Verfügbarkeit einfach gewöhnt. Und ich glaube, da müssen wir ein bisschen wieder umdenken. Also ich würde es mir wünschen.
SPEAKER_02Fabian, du hast ganz am Anfang angekündigt, du wirst jetzt ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern und die Tricks verraten. Wo begegnet dir denn das Smartphone in der Schule beim Cheaten, beim Schummeln?
SPEAKER_00Ich muss sagen, da haben wir tatsächlich so, dass wir, also aller Fokus ist von den Lehrkräften auf die Smartphones. Das heißt, die Smartphones werden teilweise bei Schularbeiten, bei Tests gesammelt und am Fensterbrett gelagert, dass jeder sieht, okay, da liegt es. Anders schaut es aus mit Smartwatches. Auch da beobachte ich immer wieder oder erzählen mir junge Menschen, dass sie da Schumler drauf haben, die man ruckzuck auflösen kann. Es gibt ja auch andere digitale Geräte, wo man sie dann austauscht mit Kopfhörern im Ohr, also solche Dinge mit langen Haaren. Naja, wir haben auch damals an Schumlern gearbeitet, genauso tut es jetzt die junge Generation. Die nutzen halt digitale Tools dazu. Und schlussendlich muss ich aber sagen, was wir schon beobachten, weil wir haben natürlich viel weniger Fokus auf Offline-Schumler, deswegen setzen junge Menschen auch dort an und haben dann tatsächlich wieder das geschriebene Zettel im Federpenal drinnen.
SPEAKER_03Ah! Die Vintage-Spickzettel. Habt ihr schon Probleme mit Google Glasses? Smarte Brillen, sind die schon ein Thema bei euch?
SPEAKER_00Ich sage jetzt nein. Vielleicht sagen unsere Schülerinnen und Schüler, oh ja, aber die Lehrer merken es nicht, also haben die kein Problem, sondern die freuen sich drüber. Aber das wird was sein, wo wir mehr Fokus drauf brauchen, weil man ja das auch teilweise von außen gar nicht erkennt. Also da kriegt man das gar nicht mit. Ich habe es jetzt tatsächlich in meinem Unterricht noch gar nicht gemerkt, aber ja, wir werden sehen. Technologie bleibt nicht stehen.
SPEAKER_02Merkst du, wenn dir eine KI-Hausübung oder ein Referat untergeschoben werden soll?
SPEAKER_00Ich glaube teilweise, aber ich glaube ganz oft auch nicht, weil natürlich die jungen Menschen mittlerweile auch in die KI fragen, wie kann denn KI ausgeben, dass man nicht merkt, dass es KI ist. Und ich denke mir, wir überlegen uns alle, wie können wir damit umgehen. Die Jungen überlegen sich, wie kann ich es einsetzen, ohne dass jemand merkt. Auch die Erwachsenen überlegen das, das heißt, das wird immer besser werden. Und ich denke mir jetzt auf der einen Seite, ja, ist halt so. Ich kann mich erinnern, damals, wo ich in der Schule war, war Wikipedia so ein ganz böses Teil. Das heißt, da durften wir auf keinen Fall auf Wikipedia schauen. Mittlerweile empfehlen wir teilweise im Unterricht sogar auf Wikipedia zu recherchieren. Das hat sich einfach geändert. Und da denkt man, die jungen Menschen finden Wege, das zu nutzen. Die finden auch Wege, dass denen ihr Unterricht, der ihr Lernen erleichtert. Und ich glaube, wir haben einfach noch keinen Umgang damit. Wir wissen noch gar nicht, wie wir das am besten in der Schule umsetzen, was wir da machen. Ja, ich sage immer, da vor der Zug an uns vorbei, der ist schon da ist und wir wissen nicht, wo wir aufspringen, was wir damit machen sollen, wie wir es am besten einsetzen, aber das sieht man wieder, diese Schnelllebigkeit. Und das ist halt für uns in der Schule ganz schwer, dass wir da auf alles, was da auf uns zufährt, eingehen, dass wir das alles sinnvoll einsetzen. Weil natürlich haben wir früher auch schon die Mathehausübung abgeschrieben, aber wenn da jetzt die Mathe-Hausübung ChatGPT in 20 Sekunden erledigt, du gar nicht mehr drüber nachdenkst und das dann aber in deinen Alltag so integrierst, dann kann natürlich der Lernerfolg nicht entsprechend sein. Aber ich glaube, auf der anderen Seite ist es natürlich auch cool und das berichten wir schon Schülerinnen und Schüler auch, die sagen, ich möchte die Mathe Hausübung machen, ich verstehe sie nicht, ChatGPT erklärt mir das, danach verstehe ich. Das ist ja wieder ein smarter Umgang. Es kommt wie immer und es bleibt mein Motto, dass wir haben, sei selber smart, setz die Digitalität smart ein, dann hilft es dir.
SPEAKER_03Ja, jetzt aus deiner Sicht als Lehrer für digitale Grundbildung, glaubst du, wir machen in DGB schon genug?
SPEAKER_00Ne, das glaube ich gar nicht. Also digitale Grundbildung ist ein superfach. Ich finde es wirklich wertvoll, dass wir das haben. Aber das kam aus der Digitalisierungsoffensive nach der Pandemie. Das ist sehr schnell ausgerollt worden, genauso wie die Tablets in den Schulen sehr schnell ausgerollt wurden. Und wir mussten uns da erst hineindenken. Wir haben sehr wenig noch ausgebildete Lehrkräfte dafür. Das heißt, die meisten unterrichten das aus Interesse heraus. Und jetzt erwartet man von einem Digi-Lehrer, dass er drei oder sie drei, vier Schritte vor den Schülerinnen und Schülern ist. Und das muss ich für mich selber beantworten, das ist total schwer. Und dann muss ich sagen, eine Word-Anwendung, eine Excel-Anwendung, das kann ich mal durchlesen, da kann ich mich einarbeiten, das kriege ich hin. Aber wenn wir jetzt über digitale Themen reden sollen, wie setze ich das ein, wie funktioniert der Algorithmus, was ist denn TikTok? Das ist schwierig. Und das ist einfach eine richtige Herausforderung. Und ich glaube, da muss man einfach viel mehr reingehen, dass man sagt, okay, die Digilehrer, die brauchen einfach Up-to-Date-Schulungen, da gehen wir rein, denen helfen wir, weil für dies ist es natürlich schwer im Klassenraum.
SPEAKER_03Und aus unserer Zusammenarbeit weiß ich auch, du bist Teil der Arbeitsgruppe und des Netzwerks Handyfreie Schulen, wo es auch eine Website gibt, handyfreieschule.org. Kannst du uns erklären, was das ist? Und für alle Eltern, die uns zuhören, welchen Vorteil hat es dann aus deiner Sicht, wenn man sein Kind auf so eine handyfreie Schule schickt?
SPEAKER_00Das ist aus dem Handy-Experiment ein bisschen gewachsen, weil wir gesagt haben, wenn wir jetzt feststellen, dass es jungen Menschen einfach im Schulalltag, dass es ihnen schwerer fällt, sich zu konzentrieren, dass wir digitale Probleme in die Schule tragen, da wäre es doch super, dass wir einfach schulisch eine Lernumgebung anbieten, die zumindest am Vormittag smartphonefrei ist oder handyfrei. Wir haben einfach beobachtet, und ich war ja jetzt sehr viel in Vernetzung mit unterschiedlichsten Schulen, dass es österreichweit schon ganz schön viele Schulen gibt, die auch in der Oberstufe, in der Sekundarstufe 2 solche Lösungen schon anbieten, die schon sagen, wir haben Konzepte, wir versuchen Digitalität zu integrieren, ohne dass es uns kaputt macht. Und wir haben gesagt, wir wollen das vernetzen, wir wollen Schulen vernetzen, wir wollen Schulen bestärken auf diesem Weg. Wir haben da FAQs, wir haben Hilfestellungen auf der Homepage angeboten und wir haben auch gesagt, wenn ihr Unterstützung braucht, dann meldet euch. Wir helfen mit bei dem Prozess, wir wollen unterstützen, dass wir da einfach österreichweit immer mehr Schulen finden, die sagen, hey, wir brauchen einfach einen handyfreien Schulalltag. Und das war die Idee hinter diesem Netzwerk. Und ich glaube, damit kann man einfach die Schule bestärken. Und weil du fragst, was ist das auch für Eltern? Ein Vorteil, ist sicher einfach diese Peergroup. Wenn bei vielen jungen Menschen das einfach am Radar ist, dass das besser ist, wenn ich in der Schule, also dass das mir das Gewinn bringt, wenn ich in der Schule einfach aufs Smartphone verzichte, dann profitieren natürlich die Eltern auch davon. Weil dann habe ich zumindest am Vormittag oder am Schulalltag ein bisschen entspanntere Kinder, ein bisschen konzentriertere junge Menschen. Und dadurch profitieren schlussendlich dann alle.
SPEAKER_02Lieber Fabian, wenn ich an Eltern und an Menschen denke, die Kinder betreuen, dann müssen die, wenn die Kinder in die Schule gehen, oft eine Jausenbox packen. Die soll ausgewogen sein, gut schmecken, Vitamine beinhalten. Wir kennen das alle, oft verschimmelt es dann eh, aber egal. Und neben der Jausenbox wird aber auch oft das Smartphone in die Schultasche gepackt. Was möchtest du denn rund um dieses Gerät unbedingt mitgeben, was Eltern und andere Familienmitglieder sich durch den Kopf gehen lassen sollen?
SPEAKER_00Ja, ich denke mir, es ist ja jetzt prinzipiell nichts Schlechtes, wenn Kinder ein Tool mithaben, das ihnen Erreichbarkeit ermöglicht. Also ich finde es gut, wenn sie Familien austauschen können, wenn sich Familien über das Endgerät organisieren können. Ich möchte als Alternative vielleicht anbieten. Es gibt auch Handys für Kinder, das heißt Tastenhandy oder auch ein Kids-Fone, dass man sagt, das muss vielleicht nicht immer das Smartphone sein. Über das kann ich mich auch organisieren, über das können sie auch junge Menschen organisieren. Aber wenn ich das mitgebe in der Schule, dann finde ich es einfach wichtig, dass ich mir bewusst bin, was gebe ich denn da mit. Es ist wichtig, dass man es zum Thema macht, dass man es in der Familie zum Thema macht, dass man sie überlegt und dass man als Familie überlegt, brauche ich das? Ich brauche mehr Bewusstsein dazu, ich brauche einfach meine Spielregeln dazu. Und dann glaube ich, kann das schon klappen. Aber einfach nur das mitzugeben, unreflektiert, das macht es dann schwierig und das ist sicher nicht Teil der gesunden Jause.
SPEAKER_02Ach, wie schön. Das war ein toller Bogen, lieber Fabian. Vielen, vielen Dank. Andrea, da war wieder so viel Inhalt drinnen. Welche drei Punkte sollen sich alle, die uns jetzt zugehört haben, auf alle Fälle mitnehmen? Was ist hängen geblieben?
SPEAKER_03Da war heute ganz schön viel dabei für den Schulalltag und auch für den Familienalltag, denke ich. Aber ganz kurz zusammengefasst, würde ich euch für heute noch mitgeben. Traut euch bitte zu Hause, Apps wie WhatsApp auch zu regulieren. Das geht. Und je mehr von euch mitmachen, desto besser funktioniert das für alle. Macht euch im Freundeskreis was aus über die Nutzung, über die Uhrzeiten und überlegt ganz genau, ob WhatsApp-Gruppen vielleicht schon eine gute Idee sind oder ob man die vielleicht doch nicht braucht. Und zum Thema Elternzusammenarbeit. Es gibt in Österreich und Deutschland zwei mittlerweile sehr große Elterninitiativen, die dich dabei unterstützen, mit dem ersten Smartphone für dein Kind vielleicht noch ein bisschen zu warten. Wir verlinken die euch in den Shownotes. Das ist Smarter Start ab 14 und Smartphonefreie Kindheit. Bei denen findest du Infos. Die vernetzen dich mit Eltern, die das Gleiche vorhaben und damit sinkt der Druck für euch alle. Schau dort mal rein.
SPEAKER_02Aber wenn du das Smartphone schon hast, dann gib uns doch auch gerne gleich fünf Sterne auf unseren Podcast. Das hilft uns bei der Sichtbarkeit und dass noch viele weitere Folgen produziert werden können. Hinterlass uns einen Kommentar oder schreib uns über Instagram oder unsere Website. Wir freuen uns wahnsinnig über eure Kommentare und euer Feedback. Und wir haben uns so sehr gefreut, lieber Fabian Schack, dass du dir Zeit für uns genommen hast und aus deinem Lehreralter geblaudert hast. Vielen, vielen Dank für diese wertvollen Insights. Ja, danke, Fabian. Super.
SPEAKER_00Voll gern, voll gern. Ich sage nur den Leitspruchname zum Schluss bei uns in der Schule hängt er, seid selber smart, dann helfen uns die Smartphones und machen uns nicht kaputt. In dem Sinne, nutzt eure Geräte so, dass sie euch helfen und gewinnbringen sind.
SPEAKER_02Und jetzt geht in die Sommerferien. Du auch, Fabian. Ja, schöne Ferien. Genau.
SPEAKER_00Schöne Sommerferien uns allen.
SPEAKER_03Schöne Ferien, danke fürs Zuhören. Genieß es, danke fürs Dabeisein und Zuhören. Hast du es gemerkt, Niki? Ich habe heute gar nicht reingeschrien. Ich habe ganz normal gesprochen.
SPEAKER_02Manchmal wird die Andres so emotional. Super.