Matthias Zehnders Wochenkommentar
Matthias Zehnders Wochenkommentar
Die KI kann nicht schreiben, weil sie nicht küssen kann
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«Shy Girl» heisst ein Roman von Mia Ballard. Es ist ein Horror-Roman, der von einer verzweifelten jungen Frau handelt. Mittlerweile hat sich der Roman selbst zur Horror-Geschichte für seine Autorin entwickelt: Die Hachette Book Group hat das Buch diese Woche aus dem Handel zurückgezogen, weil die Autorin sich beim Schreiben zu sehr auf KI gestützt habe. In Grossbritannien war der Roman bereits im Handel, jetzt hätte er auch in den USA erscheinen sollen. Es ist meines Wissens der erste Fall dieser Art. Aufgeflogen ist der KI-Einsatz durch einen Beitrag auf Reddit. Die Frage ist, was das bedeutet. Ist der Fall «Shy Girl» der Beweis dafür, dass die KI nicht schreiben kann, oder hat Mia Ballard schlicht geschlampt? Kurz bevor Hachette das Buch zurückzog, veröffentlichte die amerikanische Journalistin Jasmine Sun im Magazin «The Atlantic» überzeugende Argumente für die erste Variante. Sie sagt sogar: Die neueren KI-Modelle schreiben schlechter, weil sie braver und nützlicher geworden sind. Der Titel ihres Textes lässt Autorinnen und Autoren auf der ganzen Welt neue Hoffnung schöpfen: «The Human Skill That Eludes AI» – «Die menschliche Fähigkeit, die der KI verwehrt bleibt». Schauen wir uns das genauer an. Kann es sein, dass die KI prinzipiell schlechter schreibt als Menschen? Warum ist das so? Und was bedeutet das für schreibende Menschen (wie mich)?
Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI.
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