Die Racer Couch
Über alle Sorgen rund um´s Motorradfahren, die bisher total tabu waren.
Jeden Sonntag neu!
Als Ex-Racer und Mentaltrainerin kümmere ich mich hauptberuflich um Hobby- und Profi Motorradfahrer, da ich selbst in meinen mehr als 10 Jahren Rennsport mit einigen Dingen gekämpft habe. Der Kopf fährt Motorrad - das ist uns allen mittlerweile klar. Aber warum tun wir so, als müssten wir auf dem Motorrad einfach "funktionieren"? Dieser Sport ist so emotional und wir alle lieben ihn so sehr, also lasst uns über alle Facetten sprechen. Es gibt hier keine Tabu-Themen!
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Die Racer Couch
Ep. 54: "Du musst immer an dich glauben!"
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00:00 Vorstellung und Ziele im Rennsport
12:04 Der Einfluss von Mentaltraining
17:59 Erfahrungen und Erkenntnisse aus der Saison
26:03 Die Besonderheiten von Schleiz
29:00 Erwartungen und Leistungen im Rennsport
31:10 Fahrzeit und Vorbereitung auf die Rennen
33:57 Kopfarbeit und mentale Herausforderungen
37:36 Unterstützung im Fahrerlager und Gemeinschaftsgefühl
39:01 Die Flucht aus dem Alltag durch den Rennsport
41:28 Der Druck des Muss und der Spaß am Fahren
43:03 Die Bedeutung von Veranstaltungen und Gemeinschaft
45:23 Rennen und unerwartete Herausforderungen
50:39 Überwindung von Herausforderungen im Rennsport
56:10 Die Bedeutung von konstanten Rundenzeiten
01:02:58 Mentale Stärke und Visualisierung im Rennsport
01:08:53 Erfahrungen und Lektionen aus Stürzen
01:19:58 Ziele und Rückschläge im Rennsport
01:20:56 Der Weg zum Ziel: Geduld und Ausdauer
01:21:10 Umgang mit Enttäuschungen und Rückschlägen
01:22:10 Selbstreflexion und persönliche Entwicklung
01:23:59 Die Verantwortung in der Community
01:25:33 Trigger und emotionale Sensibilität
01:27:12 Dynamik in Beziehungen und Communities
01:28:37 Eigenverantwortung und Kommunikation
01:30:12 Lernen aus Rückschlägen
01:31:19 Perspektivwechsel und Aha-Momente
01:34:17 Kurventheorie und Physik des Motorradfahrens
01:36:45 Ziele setzen und Maßnahmen ergreifen
01:39:56 Die Bedeutung von Pausen und Reflexion
01:41:51 Augentraining und Informationsverarbeitung
01:43:15 Glaub an dich selbst: Das wichtigste Motto
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Die Racer Couch, der Motorrad-Podcast, Episode 54. Du musst immer an dich glauben. Mit Lukas Schäfer. Gut, mein lieber Lukas, herzlich willkommen auf der Racer Couch. Wir kennen uns jetzt mittlerweile seit ein paar Jahren schon, ne?
SPEAKER_05Ja.
SPEAKER_01Das ist schon, wir sind schon eine ganze Weile irgendwo gemeinsam am Arbeiten und kennen uns schon eine ganze Weile. Und deshalb freue ich mich, dass wir mal diese Aufnahme machen, weil du auch viel zu berichten hast und viel hart an dir gearbeitet hast. Und deswegen glaube ich, dass da ganz, ganz viele von profitieren können. Aber sag uns erstmal, welche Rennserie du momentan fährst, was du alles schon so gefahren bist und wo es hingehen soll in deiner Rennsportkarriere.
SPEAKER_00Ja, erstmal, hi Steffi. Danke, dass ich hier sein darf. Ich freue mich, ich bin auch ein bisschen aufgeregt, wenn ich ehrlich bin. Und ja, ich bin der Lukas, bin 33 Jahre und fahre seit letztem Jahr im Kawasaki ZX4RR Cup in der IDM, beziehungsweise dieses Jahr Euromoto. Und bin davor drei Jahre lang gar nicht gefahren. Einfach aus dem Grund, weil es mir psychisch und ich sag mal auch gesundheitlich nicht gut ging und ich das einfach nicht auf die Reihe bekommen habe. Und ja, da, ich sag mal, fängt auch so ein bisschen die Story an und bin gerade aus dem Konzept gekommen.
SPEAKER_01Wo soll es hingehen, wenn da die Story anfängt? Wo, was ist so dein Ziel im Rennsport?
SPEAKER_00Mein Ziel ist es, also ich will auf jeden Fall einfach mal aufs Podest. Das ist so, ich meine, ich war schon ab und zu mal auf dem Podest, so in der in der Vergangenheit, ich sag mal so, in anderen Rennserien oder Sprintserien, das hat ja auch damals alles in Belgien angefangen, mit einer Funzone Sprint Series heißt das, in Zolda. Da war das ganze Jahr über, es waren vier Veranstaltungen, A, zwei Rennen am Wochenende, war nur in Zolda. Da habe ich das ein oder andere Mal auf dem Podest gestanden und es hat sich aber, glaube ich, nie so richtig cool angefühlt, wenn ich so daran zurückdenke, war das immer so, ja, ist ja keine richtig krasse Rennenserie jetzt. Das ist so, irgendwie kennt es niemand und ja, das war dann immer so auch dieser Gedanke und dieses Gefühl dabei. Und ich konnte mich auch nie so richtig freuen, irgendwie. Also wenn man mich da auf dem Podest sieht, ich weiß gar nicht, irgendwo habe ich noch ein Bild, dann ist das so, ja, ich stehe jetzt hier, ne? Oder vielleicht durfte ich mich auch irgendwie nicht so richtig freuen, so war das irgendwie.
SPEAKER_06Ja.
SPEAKER_00Und dann war ich ja meine Germoto Masters, beziehungsweise ich habe es versucht, sagen wir es mal so. In dem einen Jahr war es so, dass ich mir das Karnwein gebrochen hatte. Eine Woche vor dem ersten Rennen, auf dem Pitbike habe ich mir das gebrochen. Und dann war die ganze Saison, war hinüber. So, weil das Karnwein dauert einfach ein bisschen. Also dieser Handknochen hier unten drin. Das hat alleine schon mal mit Gips acht Wochen und dann nochmal Schiene mit vier oder sechs Wochen und nochmal Physio. Und ja, das hat sich dann halt ewig gezogen und dann war die Saison einfach vorbei. Ich glaube. Nee, stimmt, da bin ich gar nicht mehr gefahren. Und dann im nächsten Jahr habe ich dann nochmal versucht mit Joy Motormasters und da hat es dann richtig angefangen mit Panikattacken, mit Angststörungen, mit tralala. Also einfach, dass ich mich gar nicht mehr getraut habe, auf die Rennstrecke zu fahren und überhaupt Motorrad zu fahren. Das war so krass, dass ich auch gesagt habe, ich habe eigentlich gar keinen Bock mehr zu leben. Und das war dann so mein Kampf, ja, überhaupt zu überleben und wieder Motorrad oder überhaupt wieder Spaß am Leben zu haben und auch wieder Motorrad fahren zu können. Das war so der Start, wo ich gesagt habe, ich brauche Hilfe und gut, hab mir vorher erstmal so hier, ich sage mal, so Regionalhilfe genommen oder gesucht. Und irgendwann bin ich ja dann, oder hast du dann angefangen? Ich meine, ich kannte dich ja schon vorher so ein bisschen durch das Internet, hab dich immer mal ein bisschen verfolgt und ja, bin dann auf dich gestoßen mit, oder beziehungsweise hast du angefangen mit Mentaltraining und hab mir gedacht, komm, versuchst du einfach mal. Ja, und so haben wir dann, sag ich mal, zusammengefunden. Ja, so hat das mit uns beiden schon mal angefangen, ja.
SPEAKER_01So hat das mit uns angefangen, absolut. Und ich kann mich auch erinnern, dass zwischen dem ersten Erstgespräch und dem zweiten Erstgespräch, ich glaube, über ein Jahr lag, oder? Also ich hatte so das Gefühl, dass du auch tatsächlich ein bisschen Schwierigkeiten hattest, wirklich loszugehen, das durchzuziehen, das wirklich zu machen. Und ich kann mich ja auch erinnern, als du dich dann wirklich für die mentale Saisonvorbereitung, für das Coaching entschieden hattest, dass du dann auch so ein bisschen wieder Angst verspürt hast, ne? Und diesen Druck, jetzt tatsächlich eine Änderung, eine Veränderung vornehmen zu müssen, oder?
SPEAKER_00Ja, das auf jeden Fall. Ich meine, also für mich ist dieses Wort Müssen immer so ein bisschen schwierig. Das ist so auch das, was ich so gelernt habe, wenn man das Wort, weil wenn man, ja, ich sag mal, wenn man dieses Wort müssen mal in ein Dürfen verändert, macht das was im Bauch mit mir auf jeden Fall. Das ist so, ich nehme immer ganz gerne einen Vergleich, wenn du jetzt zu deinem Kind sagst, oder zu einem Kind sagst, oder mal angenommen, du bist jetzt eine Mutter oder ich bin jetzt ein Vater und ich sage zu meinem Kind, ey, du musst mir jetzt mal helfen, keine Ahnung, das Bild aufzuhängen, einen Schrank aufzustellen oder was auch immer, dann ist das schon so, oh ja, jetzt muss ich dir wieder helfen und eigentlich gar keinen Bock. Aber wenn du dann einfach mal sagst, ey, guck mal, du darfst mir jetzt helfen, den Schrank hier aufzubauen. Und dann guckst du schon ganz anders dabei. Und irgendwie, also bei mir bewirkt das einfach was komplett anderes. Vielleicht wird mir das auch so ein bisschen eingetrichtert von der damaligen Trainerin, die ich mal vor ein paar Jahren hatte, oder vielleicht auch nicht, aber ich fand es gut. Das ist so das, was ich mitgenommen habe. Und das finde ich immer wieder schön, das auch mal so zu sagen und mal mitzuteilen. Weil, also bei mir jedenfalls macht das einfach was, wenn man von müssen und von dürfen redet.
SPEAKER_01Ja, absolut. Die Perspektive oder dieser Perspektivwechsel macht ganz, ganz viel mit uns mental. Auf jeden Fall. Ich glaube, damals war es so eine Art Müssen, weil du wusstest, ey, viel schlimmer darf es jetzt eigentlich auch nicht mehr werden. Von daher ist vielleicht so ein kleines bisschen Müssen dabei gewesen, aber schon irgendwie auch mit einer positiven Motivation. Weil ich meine, du standst ja auch irgendwo davor, den Rennsport aufgeben zu müssen, wenn ich mich richtig erinnere, weil ich meine, ich kenne das ja selbst, mit Panikattacken aufs Motorrad steigen ist keine gute Idee. Und das war dir natürlich auch klar. Und ja, deswegen war es vielleicht irgendwo doch ein bisschen ein Müssen, oder?
SPEAKER_00Ja, ja, also müssen natürlich, ne? Also müssen gehört auch mal zum Leben dazu, das ist einfach so. Weil es gibt ja auch immer so, keine Ahnung, wenn wir Essen auf dem Tisch stehen haben wollen, dann müssen wir arbeiten gehen oder irgendwie Geld verdienen, sagen wir es mal so. Von daher, das, ne, also müssen ist ja jetzt erstmal nichts Schlechtes, aber es ist so manchmal so situationsabhängig, macht's halt einfach was mit einem. Oder mit mir dann in dem Fall. Aber wenn du jetzt auch sagst, ich musste ja auch aufgeben, den Rennsport, ich hab's ja auch drei Jahre lang. Ich fahre ja auch erst seit letztem Jahr wieder Motorrad und bin ja dann drei Jahre lang gar kein Motorrad gefahren, weil es einfach nicht ging und weil ich mich gar nicht getraut habe. Ich war in der Zeit, ich glaube, einmal auf der Rennstrecke. Einfach mal, um das zu probieren und ja, um mal zu gucken, wie es sich so anfühlt. Aber ich hatte auch gar keinen Spaß, weil ich immer so sehr mit mir selbst beschäftigt war, mit meinem Kopf beschäftigt war und dass das gar nicht funktioniert hat. Dann ist mal nur Stuss zusammengefahren und permanent mit Gedanken irgendwo anders. Und ich habe, damals weiß ich noch, das ist aber auch schon sehr viel länger her. Aber da hatte ich auch mal angefangen, mitten auf der Rennstrecke beim Motorradfahren, auf dem Motorrad habe ich dann angefangen, irgendwie ein Lied im Kopf zu haben. Anstatt jetzt, sag ich mal, Kurveneingang, Scheitelpunkt, Ausgang. So, und dann kam auf einmal ein Lied und das hatte ich dann einem Freund erzählt, der da mit war. Dann sagte er, yo, also wenn man schon mittendrin anfängt, irgendwie ein Ohrwurm zu haben, kann man nicht mit dabei sein bei der Sache. Das hatte ich aber auch öfter mal dann noch irgendwie. Aber ich sag mal, seitdem wir zusammenarbeiten, ist das halt auch noch nicht zu 100% abgestellt, aber zu 95% ist es abgestellt.
SPEAKER_01Ja, stark. Das heißt, du hattest dann diese dreijährige Pause. In der Zeit hast du wahrscheinlich auch irgendwie immer mal geschaut, was kann man machen, was sollte ich machen und so weiter. Und dann erzähl uns mal so ein bisschen über die erste Rennsaison nach der Pause. Was war davor für dich wichtig? Wie verlief die Saison dann und welche Erkenntnisse hast du so in erster Linie aus der Saison gezogen?
SPEAKER_00Was war davor für mich wichtig? Also ich fange einfach mal so an. Ich wurde ja so ein bisschen da reingeschubst. Hauptsächlich auch von meinem Sponsor, dem Browni, den kennst du, mit dem bist du ja auch schon rennen gefahren. Der hat mir auch schon so ein bisschen was von dir und von ihm erzählt. Lausitz zum Beispiel, das war auch, fand ich sehr interessant. Und ja, da wurde ich dann einfach so, ich sag mal so, da reingeschubst. Der hat dann auf einmal gesagt, naja, wenn du willst, fahr rennen. Und sage ich, okay, ja, aber wie soll man das alles bezahlen? Also, ich kann jetzt nicht einfach hingehen und sagen, ich lege jetzt mal, keine Ahnung, also die erste Rennsaison 24.000 Euro auf den Tisch. Also, dann ist mein Konto halt einfach mal leer. Es ist dann, sagt er, ja, hier mach dir da jetzt erstmal keine Gedanken drum, weil er kennt meine Geschichte ja auch. Ich habe ja auch mal ein paar Jahre bei ihm gearbeitet und er hat das ja auch alles mitbekommen, wie es mir geht. Und er ist einfach ein herzensguter Mensch und für mich eine sehr, sehr wichtige Person in meinem Leben, den ich sehr ins Herz geschlossen habe. Und er hat mir einfach gesagt, ja komm, ey, fahr, seh dich als angemeldet und du wirst nächste Saison Spaß haben. Und wenn da, wenn du mal sagst, du kannst jetzt an dem Wochenende nicht fahren, ja mein Gott, ich kann doch auch Motorrad fahren, dann setze ich mich halt drauf. Und das war dann so für mich einfach schon mal ein Punkt, völlig unterbewusst für ihn auch, also oder unbewusst für ihn auch, glaube ich, dass das so ein bisschen Druck bei mir rausgenommen hat. Dass es so ein, ich sag mal so, diese Fluchtmöglichkeit gibt und dass dann eigentlich alles gut ist und wenn wirklich mal irgendwas passieren sollte, dann ist doch jemand, ja, komm, es geht irgendwie weiter. So, ne, das war dann, ist immer so ein bisschen im Hinterkopf mitgefahren, am Anfang der Saison ein bisschen mehr, aber umso weiter die Saison vorangeschritten ist, desto weniger war dieser Gedanke auch da, zu sagen, nee, boah, was ist, wenn ich das jetzt entfahren könnte. Ja, so hat das dann angefangen. Und für mich war einfach wichtig, dass ich Spaß habe, dass ich ehrlicherweise auch gesehen werde. Weil, klar, ich habe YouTube-Kanal und sowas und war bei Instagram auch mal ganz okay mit dabei und ich werde immer gern irgendwo gesehen oder vielleicht auch mal erkannt. Und für mich ist das dann immer so, ey krass, mich kennt jemand, ne? So mitten auf der Rennstrecke und das war, ist ehrlicherweise auch so ein bisschen mitgefahren, weil klar, IDM, ne, das ist ein riesen Fahrerlager, da laufen Leute oder Zuschauer rum. Das war auch so mit dabei. Und ja, dann, was mir aber, ich sag mal, was wichtiger war, dass ich halt einfach mental gut dastehe und körperlich mit der Fitness auch gut dastehe. Das ist so dieser Punkt, den ich dann habe, oder halt versucht habe, da irgendwie zu deichseln. Und dann hatten wir ja davor auch schon mal gesprochen, dann hast du, da war ich mir auch ehrlicherweise noch nicht so ganz sicher, ob ich dieses Paket bei dir jetzt buchen soll oder nicht. Und dann hast du ja auch gesagt, ey, guck mal, ich will dich hier gar nicht irgendwie drängen oder sowas. Mach es, wenn du dich dafür bereit fühlst. Und ich war halt einfach noch nicht bereit, noch eine krasse Veränderung zu machen. Weil das war mir dann in dem Moment einfach zu viel. Ich hatte da zu viel Angst vor. Und ich meine, wir hatten ja zwischendurch immer mal Kontakt. Wir hatten, glaube ich, auch mal ein, zwei Termine, wenn ich mich jetzt noch richtig dran erinnere. Und ja, so war dann schon mal die erste Saison mit dir. Und ich habe dann auf einmal gemerkt, dass es alles richtig viel Spaß macht und ich doch wieder gerne mehr Motorrad fahren würde, ja. Ja, das war so die erste Saison.
SPEAKER_01Ja, dass es doch wieder geht. Ich glaube wirklich, dieser Einstieg, den Broni dir da ermöglicht hat, diesen Notausgang, den er dir ja auch irgendwo gelassen hat, das ist, glaube ich, für jemanden mit Panikattacken, mit Angst, mit was auch immer, mit diesen Sorgen und Zweifeln, ist es, glaube ich, super wichtig, diesen Fluchtweg zu haben, wie du es ja auch genannt hast, glaube ich. Dass man weiß, okay, man hat irgendwie immer eine Fluchtmöglichkeit, weil sobald du die nicht hast, ist dein Nervensystem ja absolut overload. Also das funktioniert ja gar nicht. Also jemand mit einer Angststörung in irgendwas reinzudrängen oder da Druck auszuüben, das kann nur nach hinten losgehen. Deswegen ist für jemanden in der Position ein Notausgang immer unfassbar wichtig.
SPEAKER_00Ja. Aber das wird mir ehrlicherweise auch jetzt erst so richtig bewusst. Also ich habe das, das ist, wie ich eben gesagt habe, oft mitgefahren oder dieser Gedanke war oft mit dabei. Aber wenn man jetzt so darüber redet, ist mir das jetzt erst bewusst, wie krass mir das doch geholfen hat, ohne dass ich es vielleicht so krass wusste. Ja. Bin ich gerade etwas überrascht, wenn ich ehrlich bin.
SPEAKER_02Ja?
SPEAKER_00Ja. Weil, also wie bewusst einem das dann doch wird, wenn dann, wenn man darüber spricht. Ja, und so ist dann die Saison ja auch, ich sag mal so, nach und nach vorangeschritten und ich bin ja davor, ich weiß gar nicht, ich hatte zwei Trainings. Ich bin einmal nach Jeker gefahren mit meinem Vater, und dann bin ich ein oder zwei Wochen vor Schleiz war ich nochmal in Method, da war auch mit Brauni, der ist da schon seit Jahren mit dabei, auf der Veranstaltung immer als Instruktor und da war ich dann auch mit. Da bin ich dann auch gestürzt, auch sehr, sehr unsanft. Und es war auch so das erste Mal überhaupt in meinem Leben, dass ich oder in diesem Jahr, dass ich überhaupt eine Airbag-West anhatte. Und die hat mir mein Schlüsselbein auf jeden Fall gerettet, weil das wäre sonst gnadenlos durch gewesen wäre. Und das so zwei Wochen vorm ersten Rennen wäre die nächste Saison wahrscheinlich wieder irgendwie Folgen gegangen. Also man hätte es vielleicht irgendwie noch lösen können, aber das erste Rennen wäre auf jeden Fall auch wieder kaputt. Ja, und dann kam das erste Rennen, Schleits, und ich meine, Schleits ist ja jetzt keine Rennstrecke, die man einfach mal so irgendwie trainieren kann. Man muss schon so ein bisschen Glück haben, dass man da auch einen Platz bekommt irgendwo. Und ja, einfach jeder spricht darüber, irgendwie, boah, das ist, ey, das ist einfach nur eine Landstraße und die wurde so ein bisschen zur Rennstrecke umgemodelt und abgesperrt und im Endeffekt ist es ja auch so. Und das, das, das, ja, schürt auch nochmal so ein bisschen die Angst. Also, das ist dann nochmal so mit so einem Gefühl fährt man dann halt dahin, ach du Scheiße, was machst du jetzt eigentlich hier? Es ist nicht nur, dass du jetzt IDM fährst, auch wenn es, ich sag mal, nur in Anführungszeichen das Rahmenprogramm ist, aber wir sind halt trotzdem einfach Teil des Ganzen. Und das ist dann halt einfach noch, dass du dann auch nach Schleiz fährst. Also, und dann auch wieder auf eine unbekannte Strecke und das war alles neu und dann bin ich auch noch alleine dahin gefahren und hatte niemanden, der mir dann beim Aufbauen hilft, der mir beim Motorrad hilft und keine Ahnung, ich musste alles irgendwie selbst machen und was glaube ich aber im Endeffekt auch ganz gut war, weil der erste Tag der Anreise, also erstmal bin ich viel zu spät gekommen, weil ich hier daheim gesessen habe und hab mir gedacht, nee, nee, ich fahre nicht los, auf gar keinen Fall. Ja, bin dann, oder was heißt viel zu spät gekommen? Also ich hätte mir mehr Zeit nehmen können für den Aufbau, sagen wir es mal so. Aber habe mich einfach nicht getraut, loszufahren und musste dann halt alles vor Ort schnell, schnell machen. Was glaube ich aber dann im Endeffekt gut war, weil ich so im Stress war vor Ort, dass ich alles andere, oder dass das für nichts anderes Platz war in meinem Kopf, als ja, für diesen Stress. Und ich weiß, dass ich unter Stress mit am besten funktioniere. Von daher war das, glaube ich, alles richtig so. Und ja, auf einmal war das erste Training da, freitags morgens. Wetter war perfekt, wir wurden runter vom Fahrerlager 2 wurden an die Strecke gebracht, dass du halt weißt, wo du hin musst. Es ist ja nicht einfach mal so, ja, wir fahren jetzt hier durchs Fahrerlager und auf vorne geht's rein. Du musst da hundertmal abbiegen, gefühlt, durch den Kreiselfahren und bist dann auf einmal auf der Strecke, ja. Das war schon krass.
SPEAKER_01Schleits ist was Besonderes, ja, absolut.
SPEAKER_00Ja, und so war das erste Rennen dann irgendwie. Das war so alles, wow, krass. Aber was ich so ein bisschen schade fand in Schleits, wenn du dann zu Fuß drüber gehst, klar, siehst du Landschaft, siehst du die Bäume und die ganzen Häuser und du realisierst, dass du kurz vorm Ort unten einmal links abbiegst mit Macht 3 gefühlt, und wenn du dann aber so da drüber fährst mit dem Motorrad, bekommst du das alles nicht mit. Also, oder ich zumindest nicht, ne? Ich habe nicht realisiert, dass das keine Rennstrecke ist, sondern eine Landstraße. Das ist einfach so. Das finde ich irgendwo schade. Irgendwo ist es geil, dass du das so ausblenden kannst. Kann mit Sicherheit auch nicht jeder. Aber es ist irgendwo schade, dass du. Das ist eigentlich total doof, ne? Du denkst, es ist schade, dass du beim Rennenfahren die Landschaft nicht mitbekommst. Weil es so schön ist da. Also, ja, über sowas ärgert man sich dann im Nachhinein. Also, ich meine, wenn es nur das ist, geht's ja, ne? Ja.
SPEAKER_01Ja, nee, Schleiz ist absolut was Besonderes. Also ich glaube, da gibt es auch nur, entweder man liebt Schleiz oder man hasst Schleiz. Ich glaube, dazwischen gibt es halt nichts irgendwie.
SPEAKER_03Glaube ich auch, ja.
SPEAKER_01Das ist aber, ne, unter den Road Racing-Rennstrecken, jeder normal, also jeder richtige Roadracer in Anführungsstrichen würde sich tot lachen über Schleiz. Und die sind nochmal ganz, ganz was anderes gewohnt. Aber für uns, die nur normale Rennstrecken gewohnt sind, ist es halt schon richtig Road Racing.
SPEAKER_00Ja, also so ja und nein, weil es gibt ja Kiesbetten, es gibt Curbs oder angezeichnete Curbs, gut, gibt es auf der, sag mal, Isle of Man zum Beispiel ist ja auch hier und da mal was rot-weiß angemalt. Aber das nimmt diesen Druck so ein bisschen raus, dass man dann denkt, ach, hey, so schlimm ist es eigentlich gar nicht. Der Grip, also jetzt gerade für eine 400er, vollkommen in Ordnung. Gut, ich war jetzt nicht, ich bin, was bin ich gefahren, Top 10, sowas um den Dreh rum. War jetzt noch nicht ganz so schnell, aber dafür hat alles vollkommen ausgereicht. Die Seng runter. Ja, gut, unten in der Seng ist eine Bodenwelle, die fühlt sich an, als wenn du über den Bordstein fahren würdest mit 200. Und das Lustige ist auch, einer der Montanio hatte ein Video hochgeladen. Da war der Ariano und ich als. Wir haben zu dritt das erste Rennen oder das zweite Rennen, ich weiß gar nicht. Da haben wir alles gekämpft, als hin und her, und der hat mich manchmal von hinten gefilmt, und dann hat man erstmal gesehen, was man für einen Versatz macht in voller Schräglage mit 200, was das Hinterrad arbeitet. Und also du machst wirklich einmal so ein, als wenn du so nach rechts weg springen würdest beim Hinterrad. Also es ist schon, ich bin einfach nur froh, dass ich es während der Fahrt nicht gesehen habe.
SPEAKER_01Dann später erst auf dem Video.
SPEAKER_00Ja, das macht schon echt einen Satz da, ja.
SPEAKER_01Krass, okay. Aber du sagst gerade auch so in so einem Nebensatz, ja, Top Ten, also nicht besonders schnell, ne? Ich glaube, das sagt auch schon vieles irgendwo darüber, wo du gerne hin willst, was für Erwartungen du so an dich selber hast. Aber irgendwo auch, wo du, wo du ja irgendwo ein bisschen auch weißt, was du eigentlich leisten kannst, ne? Weil wenn du jetzt so sagst, ja, Top Ten, nachdem du drei Jahre Pause gemacht hast mit Panikattacken, Angststörungen und noch anderen Dingen gekämpft hast und dann mal eben erstes Rennen, Top Ten, ist jetzt nicht so schnell. Also an sich ist das schon eine krasse Leistung, irgendwo da das Ganze überhaupt alleine durchzuziehen und dann doch in die Top Ten zu fahren, oder nicht?
SPEAKER_00Danke. Wenn du es jetzt so aussprichst, ja, ist das ja, könnte man doch schon meinen, dass es eine gute Leistung ist. Ich meine, es ist für mich jeder, der da mitfährt, ist schon mal eine krasse Leistung. Das musst du dich erstmal trauen. Das muss man erstmal gemacht haben, weil es ist jetzt, es ist nicht einfach, ich sag mal, Journal Motomasters oder sowas. Journal Motomasters ist auch krass. Es ist ein geiles Niveau da. Aber es ist im Vergleich zu einer EDM, ist das ein Witz. Weil du einfach, also jetzt nicht, ich will jetzt nicht die Leistung irgendwie schlecht reden oder sowas, aber du hast in der Journal Motomaster zum Beispiel so viel Fahrzeit, du kannst, die haben ja drei Tage dann immer, ne, Freitag, Samstag, Sonntag, und du kannst jeden Turn fahren.
SPEAKER_06Ja.
SPEAKER_00Und die haben Fahrzeit ohne Ende. Das hast du in der EDM nicht. Setzt dich aufs Motorrad, funktioniere, friss oder stirb. Wenn du nicht funktionierst in diesen zwei Qualys und du hast zwei Trainings davor, dann hast du Pech gehabt. Wenn du eine scheiß Zeit gefahren bist im Quali, bist du eine scheiß Zeit gefahren. Du kannst nicht ewig einstellen oder sowas, du kannst dir nicht gerade Schleiz oder wenn du noch nie auf der Strecke warst, du hast keine Zeit, um dir die Strecke großartig einzuprägen und zu sagen, ja, jetzt da, das und da das, du musst von jetzt auf gleich alles machen können, sonst gehst du gnadenlos unter. Und das ist der Riesenunterschied zwischen IDM und, ich sag mal, allen Rennserien, die es da gibt, IBPM oder wie sie alle heißen. Da sind überall verdammt schnelle Fahrer dabei, aber es ist einfach was anderes, sowas zu fahren, als eine IDM zu fahren.
SPEAKER_01Absolut, absolut. Also die Menge an Fahrzeit, die man in der IDM oder im Rahmen der IDM hat, ist wirklich, also da kommt man, glaube ich, auf eine knappe Stunde, wenn man alles zusammenzählt oder so über drei Tage oder.
SPEAKER_0421.
SPEAKER_01Wieso? Irgendwie zwei Free Practices, A15 Minuten am Freitag, dann samstags irgendwie einen Quali und Race One und dann sonntags nochmal, weiß ich nicht, um 18 Uhr Race 2 oder so. Also die Fahrtzeit ist leider im Rahmen der IDM halt wirklich eine absolute Katastrophe. Aber es ist halt eine geile Bühne. Es ist einfach geil, dort zu sein. Das macht einfach unfassbar Spaß.
SPEAKER_00Ja, aber ich glaube, genau das ist es, was das ausmacht. Dass du, weil das ist ja das, was ich eben gesagt habe, du musst einfach von jetzt auf gleich funktionieren. Das ist, ich meine, jetzt, wenn du jetzt Supersport fährst oder sowas, hast du vor den Rennen einfach nochmal einen kleinen Vorteil, weil du nochmal ein Warm-up hast. Dann kannst du dich nochmal aufs Motorrad setzen und sagen, ich drehe jetzt und wenn es nur drei Runden sind, aber du bist an diesem Tag schon mal gefahren. Wenn wir jetzt, ich sag mal, der Samstag, hoch, der Samstag ist einfacher als der Sonntag, weil in dem Sonntag setzen wir uns wirklich komplett kalt aufs Motorrad. Da haben wir, also wir haben glücklicherweise meistens so um 12 Uhr oder um 1 Uhr die Rennen. Aber trotzdem bist du davor einfach kalt. Du hast eine Warm-Up-Lab. Das war's.
SPEAKER_01Ja, absolut. Und gerade wenn man dann so Rennstrecken wie Schleiz hat oder auch andere, weiß ich nicht, wenn ihr jetzt Nürburgring oder. Fahrt ihr Nürburkring? Nee.
SPEAKER_00Letztes Jahr sind wir gefahren. Ja, dieses Jahr mal Hockenheim.
SPEAKER_01Na, das ist ja auch mit Renntrainings jetzt auch nicht so wahnsinnig einfach, da nochmal was zu bekommen. Ihr habt, glaube ich, auch nochmal ein Trainingsverbot bis eine Woche vorher oder so. Nee, nee, nee. Das ist ja nur die IDM-Klassen, ne?
SPEAKER_00Ja, glaub, ja.
SPEAKER_01Ich glaube, da gibt es irgendwie auch nochmal ein Trainingsverbot oder so, was ist ja auch egal. Aber gerade dann, wenn du auch so Sachen wie Schleits oder so gar nicht vorher testen kannst, dann zumindest die Strecke zu kennen, das im Kopf abfahren zu können, die Strecke in Gedanken abfahren zu können, das ist halt unfassbar wichtig. Und dann hast du zumindest einen freien Kopf und musst dich nicht mit dem Layout beschäftigen und kannst wenigstens in dieser kurzen Fahrzeit dein Setting bestmöglich anpassen. Aber wenn du erstmal mit deinem Kopf kämpfst und erstmal auf Zeiten kommen musst, dann brauchst du ja gar nicht anfangen, mit dem Setting zu arbeiten, weil du ja dann doppelt Arbeit reinsteckst. Und wenn du erstmal dich noch eincreust, darauf das Setting abstimmst, dann bist du langsam warm und drin und im Rhythmus und da musst du dein Setting neu abstimmen. Das funktioniert ja auch nicht. Von daher ist gerade dann halt Kopfarbeit unfassbar wichtig.
SPEAKER_00Ja. Und das ist auch das, was mir halt viel geholfen hat, weil ich meine, in den drei Jahren davor habe ich ja auch viel gelernt, konnte mir schon mal viel aneignen und bin mit vielen Sachen, ich sag mal, zurechtgekommen. Es war schon mal zumindest nicht mehr so schlimm wie die Jahre davor. Ich meine, klar, sonst hätte ich mich auch nicht aufs Motorrad gesetzt. Aber hier und da war es schon, ich sag mal, kritisch, wo ich gedacht habe, boah, Kacke, jetzt geht gerade gar nichts mehr. Es war auch einmal in einem Rennen. Das war zum Beispiel an dem Rennwochenende danach in Oschersleben, um mal vielleicht mal eins weiter zu springen. Da bin ich ja sowieso, da haben wir uns auch gesehen, da habe ich dir ja erzählt, bei mir geht es gerade einfach nicht gut. Ich bin ja schon angereist mit, also ich glaube, Oschersleben kam nach Schleits, ne? Ich meine schon.
SPEAKER_01Ja.
SPEAKER_00Wenn mich jetzt nicht alles täuscht.
SPEAKER_01Ich habe auch danach kam dann Most.
SPEAKER_00Most, stimmt, Most, Assen überkriegen, ja. Ja. Und da bin ich ja schon angereist mit einem total schlechten Gefühl, also mir ging es einfach nicht gut. Also ich war dann auch schon mal so weit, dass ich dann erkennen konnte, ja, mir geht es gerade wirklich nicht gut. Also vom Bauch, das ist ja immer so das große Thema bei mir gewesen. Oder ist teilweise immer noch ein bisschen. Und mir wurde es als komisch warm auf der Hinreise schon und dann war es mir wieder schlecht und dann habe ich gedacht, boah, hier stimmt irgendwas nicht. So, aber trotzdem bin ich einfach hingefahren, habe es durchgezogen und musste sogar dann das erste Training ausfallen lassen, weil ich einfach, ich konnte an dem Donnerstag nichts essen, ich konnte freitags morgens nichts essen. Hab dann auch, ja, ich sag mal, den Donnerstagabend so ein bisschen auf dem Klo verbracht. Da war dann halt auch für mich klar, ja, da ist gerade wirklich irgendwas, was, vielleicht was Falsches gegessen, keine Ahnung. Also es war jetzt kein Infekt oder irgendwie sowas. Mir ging es einfach nur nicht gut. So hab dann das erste Training freitags ausfallen lassen und habe mich dann da auch wieder irgendwie aufs Motorrad gekämpft im zweiten Training, weil ich gedacht habe, ey, du musst jetzt, also glücklicherweise war ich da zwei Wochen vorher schon mal zum Trainieren, ein Wochenende und hab dann gedacht, komm, du musst jetzt irgendwie aufs Motorrad, du musst mal fahren, du musst mal hier ein bisschen reinkommen, weil jetzt gleich einfach ins erste Quali reinzufahren, ohne vorher irgendwas gemacht zu haben, ist auch wieder doof. Gut, dann konnte ich auch schon mal wieder ein bisschen essen und trinken, das war auch schon mal gut. Aber bin dann trotzdem eine relativ gute Startposition auch wieder rausgefahren. Also es war auch da wieder irgendwie so Top Ten. Also, oder was heißt Top Ten? Das war, ich glaube, der zehnte oder elfte Platz war es. Und ja, bin dann damit auch ins Rennen gefahren. Und ja, das war aber dann auch schon mal so für den Kopf bei mir sehr viel wert, weil ich einfach wusste, da ist wieder so eine Situation, die konnte ich super meistern. Und was mir auch geholfen hat, dass du da warst. Auch wenn du für die Lisa da warst, trotzdem wusste ich, ich bin nicht alleine. So, viele aus dem Cup haben immer nachgefragt, die haben das auch mitbekommen, ey, geht's dir gut, brauchst du irgendwas? Oder, oder, oder. Also es waren viele, die nach mir geguckt haben und es war auch einfach schön. Und man hat gemerkt, ja, man ist ja auch irgendwo willkommen hier und wird nicht einfach nur irgendwie als Nummer hier abgestempelt.
SPEAKER_01Absolut. Das macht ja für uns das Rennenfahren auch irgendwo aus. Dass wir uns da so ein bisschen zu Hause fühlen in unserem Fahrerlager, dass wir unsere Konkurrenten irgendwann auch gut kennen und so weiter. Den einen mag man, den anderen vielleicht nicht so sehr oder so.
SPEAKER_05Ja, gibt's auch.
SPEAKER_01Aber das macht es ja dann auch aus. Ich glaube, das haben wir jetzt mittlerweile in jeder Podcast-Episode mindestens einmal gesagt, dass wir den ganzen Quatsch ja nicht nur fürs Motorradfahren machen, sondern auch einfach, weil das nochmal so ein Paralleluniversum ist, wo die Welt irgendwie so ein kleines bisschen mehr in Ordnung ist oder so.
SPEAKER_00Ja, das ist so, wenn du auf die Rennstrecke fährst, das ist, wie du sagst, so ein Tor zur anderen Welt irgendwie. Da vielleicht nicht alle Probleme werden draußen gelassen, aber viele Probleme, die so aus dem Alltag sind, die schüttelt es einfach mal kurz ab und dann ist das so die schöne heile Welt, wo nicht über irgendwas Belangloses diskutiert wird oder keine Ahnung. Irgendwelche Themen aus dem Alltag, die da einfach keinen interessiert, weil mir doch irgendwo alle gleich ticken.
SPEAKER_01Ja, voll. Total. Und gerade dann, oder ich verab's damals so in Pfunden, ich weiß nicht, ob es dir ähnlich geht, aber gerade dann, wenn man das dann so, wenn das einem so weggerissen wird, wenn man selbst nicht mehr so richtig fähig ist, an dieser Welt teilzunehmen, durch, keine Ahnung, Panikattacken, durch eine Angststörung, durch irgendwas anderes, ne, Identitätskrise, was auch immer es dann am Ende des Tages ist, wenn aus irgendwelchem Grund wir nicht mehr Motorrad fahren können und nicht mehr da mitmachen können, dann werden wir fast irgendwie so in zwei Teile gerissen, so habe ich mich zumindest damals gefühlt.
SPEAKER_00Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht mehr so genau, wie ich mich gefühlt habe, aber ich, also auf der einen Seite war ich, das weiß ich noch, ich war relativ erleichtert, dass ich das einfach mal nicht mehr machen muss. So, weil das war ja bei mir auch immer, ich bin ja bei einem Veranstalter auch ein paar Jahre mitgefahren als Instruktor, als Coach. Das lief auch immer alles sehr gut und ich hatte teilweise so viele Kunden, dass ich die gar nicht alle bedienen konnte. Und das war aber dann auch irgendwann, ist man nicht mehr für sich selbst gefahren oder für den Spaß. Und das ist das, was mir auch den Spaß am Motorradfahren genommen hat. Und zusätzlich war ich ja auch noch im Verkauf tätig beim Brownie für Motorräder. Und das war dann davor auch noch beim MCA, aber es war dann halt trotzdem immer nur noch Motorrad. Motorrad, Motorrad, Motorrad, Motorrad, Motorrad. Und es war nicht immer alles mit irgendwas Gutem verknüpft, weil bei einem Kunden ist mal was falsch gelaufen oder keine Ahnung, das Motorrad kam nicht bei und dann hast du das überall mit hingenommen. Teilweise wurde man auf, ja, ich sag mal, während einer Veranstaltung oder irgendwo auf einem Parkplatz angesprochen, wo ist denn mein Motorrad? Wo sind denn meine Teile? Wo ist denn dies? Was ist denn damit? Und das hat einem so den Spaß genommen, dass ich dann irgendwann auch gar keinen Bock mehr hatte, Motorrad zu fahren und das dann auch irgendwo, sag ich mal, sehr erleichternd war, dass ich gar kein Motorrad fahren oder dass ich gar keinen Motorrad mehr fahren konnte.
SPEAKER_01Ja, krass, verstehe. Dann kommen wir wieder zu dem, du musst jetzt Motorrad fahren, was wir vorhin gesagt haben, ne? Wenn da so ein Müssen mit dabei ist, dann ist direkt schon mal so, ach, will ich überhaupt.
SPEAKER_00Das ist so, ja, und das ist auch, glaube ich, so, wenn du sehr viel, sehr oft hintereinander Motorrad fährst. So, gerade auf der Rennstrecke.
SPEAKER_06Ja.
SPEAKER_00Guck mal, ich war jetzt zum Beispiel? Ich war in Hockenheim dieses Jahr, also jetzt hier vor kurzem. Dann hast du mir geschrieben, ey, was machst du denn am 1. und am 2. Juni? Und dann denke ich mir schon, na je, irgendwas kommt jetzt. Du wirst definitiv nicht arbeiten gehen. Und das war ja dann ja eine knappe Woche später schon wieder, schon wieder auf Motorrad.
SPEAKER_06Ja.
SPEAKER_00Und dann habe ich mir so irgendwie kam mir auch so der Gedanke, hab ich überhaupt Bock, Motorrad zu fahren jetzt?
SPEAKER_06Ja.
SPEAKER_00Aber wenn du da mal drauf sitzt, ich glaube, da würden wir uns jetzt alle selbst belügen, wenn wir dann sagen wollen, es macht dann doch keinen Spaß.
SPEAKER_04Ja.
SPEAKER_00Dann ist es dann doch irgendwie wieder total geil und wieder eine neue Strecke kennenzulernen. Und also, so viel schon mal vorneweg, da können wir ja nachher nochmal drauf eingehen. Es war ein saugeiles Training.
SPEAKER_01Ja, freut mich total. Es war dann wirklich so, es war wie so ein Geistesblitz, den ich hatte und ich dachte mir so, lad doch Lukas ein, weil ich wusste, dass beim Würmchen, Würmchen. Leg dich mal hin, bitte. Quatschnase. Ganz halt hier die Hintergrundgeräusche. Ja, also, als ich dich da eingeladen habe zum Spreebeitring, lag eben daran, das war meine erste eigene Veranstaltung und ein paar Plätzchen hatte ich noch frei. Da hast du, frag doch Lukas, vielleicht will der Motorrad fahren. Und dann kam natürlich von dir direkt so die Frage, was muss ich dafür tun? Aber ich wollte wirklich einfach nur, dass du ein bisschen trainieren kannst, dass ich dich da vielleicht ein kleines bisschen unterstützen kann oder irgendwas. Weil wir haben ja einen Sponsoring-Deal in dem Sinne.
SPEAKER_05Ja.
SPEAKER_01Von daher dachte ich mir, passt doch. Und dass du dann da auch mit den Teilnehmern die Streckenbegehung gemacht hast und denen da auch nochmal ganz, ganz viel erklärt hast und sowas. Das fand ich natürlich total schön, dass du da von dir aus das gemacht hast und irgendwie vielleicht auch ein bisschen Spaß drin hattest. Und die Teilnehmer haben das auch alles sehr positiv aufgefasst. Also du warst echt eine Bereicherung für das Event.
SPEAKER_00Das ist schön, danke. Ich meine, ich wäre auch gerne nochmal abends mit dazugekommen bei der Verlosung zum Beispiel, aber gut, Mila war mit dabei, ne? Und das ist dann so, ich bring's dann einfach nicht übers Herz, sie dann abends nochmal allein zu lassen. Und weil dann habe ich, ich sag mal so, ganz ehrlich, lieber ein schlechtes Gewissen Menschen gegenüber, als meine treue Begleiterin, die noch nicht so lange da ist und das alles so super macht. Ja, weil das, das, ach, dann sitze ich da und denke mir, scheiße, was macht sie? Jetzt geht's ihr gut. Sie ist alleine, ne? Und das, ach nee.
SPEAKER_01Kann ich total verstehen. Du hast deine Chance auf eine Kanne Öl vertan.
SPEAKER_00Ja, aber das, äh, ich wollte, ich wollte den Teilnehmer nichts wegnehmen. Du hast mich eingeladen und ich hätte meinen Zettel auch nicht abgegeben. Wenn dann erst danach.
SPEAKER_01Es sind tatsächlich Gewinne übrig geblieben. Also wir haben von Liquid Molli einen riesen Schwung an Produkten gesponsert bekommen für unsere Teilnehmer, was wir es verlosen können. Und es sind ein paar Sachen übrig geblieben. Also du hättest tatsächlich niemandem was weggenommen. Aber ich kann den Gedanken auch total nachvollziehen. Alles gut.
SPEAKER_00Ja. Ja, vor allem im Oschersleben, ne?
SPEAKER_01Wir waren gerade noch im Oschersleben, genau.
SPEAKER_00Ja, da, vielleicht einfach nochmal zu dem Rennen, weil da ist mir dann halt auch einfach, ich glaube, das war im ersten Rennen. Hatte, also das erste Rennen war sowieso komplett komisch. Ich weiß nicht, der eine oder andere hat es vielleicht gesehen im Stream. Der Niklas hat ja den Felix so komplett radikal abgeräumt, hat sich ja verbremst in der Haser oder in die Hasseröder rein und ist ihm ja so einmal ins Heck gefahren. Und ich war relativ nah dahinter, weil starten kann ich gut. Vor allem im letzten Jahr war das immer so, dass einige vor mir nicht so gut starten konnten wie ich. Und da bin ich immer relativ weit nach vorne gekommen schon mal. Oftmals irgendwie so zwei, drei, vier Plätze gut gemacht. Und ich war, ja, weiß gar nicht, auf dem siebten Platz ungefähr, als ich das gesehen habe, wie die den abgeräumt haben. Oder der er ihn abgeräumt hat. Und ich habe dann die Brocken und die Motorräder fliegen sehen und Felix und Niklas und hab mir gedacht, ach du Scheiße, ey, so fängt jetzt das Rennen an. Gerade dritte Kurve, ne? Was machst du denn jetzt? So, du musst dich erstmal wieder sortieren und du musst dich ja schnell sortieren mit deinen Gedanken, dass du das Rennen weiterfahren kannst, weil sonst wirst du wieder gefressen von hinten. Vorne die kleinen, ich sage jetzt einfach mal, die kleinen Kiddies da, ne, die mit 14, 15, gerade Aaron und Luna und sowas, die waren ja noch näher dran, aber das richtige Merktdienst ist das scheißegal, die knallen jetzt weiter durch und da ist das alles, ich sag mal, vielleicht noch nicht so krass mit irgendwelchen negativen Erfahrungen verknüpft, wie jetzt, ne, ich bin doppelt so alt, überdoppelt so alt. Und ich denke da vielleicht einfach ein bisschen weiter schon, weil das, umso älter du wirst, desto klar, mehr Erfahrung hast du und da ist die Gefahr größer, dass man irgendwie das mit irgendeiner Situation verbindet. Ja, und da hast gemerkt, da war sofort eine Lücke von in der ersten Runde schon von zwei, drei Sekunden und die war dann erstmal weg. Ich hatte dann mir selbst Zeit gegeben bis zur Triple Links. Gut, ist dann direkt eine Kurve weiter, aber ich hab gesagt, boah, du musst jetzt, sonst, ne, da werden wir wieder bei den müssen, sonst geht's nicht, sonst wirst du gefressen und sonst landest du irgendwo, keine Ahnung, wo hinten. Wurde dann auch nochmal so ein bisschen überholt. Hab aber dann, es waren drei Leute, hab aber dann auch sehr schnell gemerkt, dass das, was die da fahren, in dem Moment nicht mein Niveau ist. Und dass ich da mir jetzt einfach gut vorne, ganz oder ganz vorne die, da komme ich eh nicht mehr dran, weil da muss schon irgendwas passieren. Und hab mir gedacht, gut, dann legst du dir jetzt die Leute da so nach und nach zurecht und guckst einfach mal, was da so machbar ist. Ja, das hat sich dann innerhalb von drei Runden auch relativ schnell gegeben. Dann bin ich an allen vorbeigefahren, die da so vor mir waren. Also wie gesagt, es waren drei oder vier Leute und war dann auf Platz 5. Ja. Bin dann auch sehr lang sehr viel alleine gefahren und habe dann irgendwann nochmal einen Felix Krammel und ich weiß nicht, da war noch irgendein Gaststarter mit dabei. Also regulär wäre ich eigentlich auf Platz 6 gewesen, aber abzüglich Gaststarter war ich auf Platz 5. Und da habe ich auch gemerkt, boah, ich komme denen jetzt immer näher und immer näher. Das war dann aber auch irgendwo so ein Druck, den ich hatte. Und ich meine, ich hatte dir ja zum Beispiel von dem Würgen auch immer mal erzählt, was ich so dann habe, gerade wenn ich aufgeregt war oder aufgeregt war. Das war dann einfach so die Situation auch, dass ich da doch mich selbst relativ viel gepusht habe, auch außer Atem war irgendwo, oder konditionell einfach, dass es ein bisschen schwieriger wurde. Und habe dann da wieder ja mitten im Rennen beim Fahren anfangen müssen zu wirken.
SPEAKER_02Krass, ja.
SPEAKER_00Und irgendwann habe ich mir gedacht, ey, das kann jetzt nicht sein, das muss jetzt aufhören, sonst verlierst du dann noch irgendwie Plätze deswegen oder sowas. Da hatte ich auch keinen Bock drauf. Und ich habe dann halt einfach zu viel Speichel im Mund gehabt. Und das ist jetzt vielleicht ein bisschen eklig, aber ich hab mir gedacht, ey, entweder spuckst du das jetzt alles in den Helm oder du verkackst das Rennen. Ja, dann habe ich mich halt für die erste Variante entschieden. Weil wir kommen, ey, das kann man sauber machen, scheißegal. Sind schon ganz andere Dinge passiert.
SPEAKER_01Ja, es gab schon Leute bei Langstreckenrennen, die in die Kombi gepinkelt haben, um nicht anhalten zu müssen und so. Also, alles schon erlebt.
SPEAKER_00Über sowas habe ich auch schon mal drüber nachgedacht, wie man das denn macht im Langstreckenrennen. Rennen, wenn man wirklich einfach mal sau trinken muss. Ich weiß nicht, ich glaube, ich würde auch einfach laufen lassen. Würde ich mir gut vorstellen. Also bevor ich, ich meine, wenn das jetzt irgendwie so zwei, drei Runden vom Stint Ende sind, jo klar, dann hältst du es noch irgendwie ein, aber wenn es jetzt so mittendrin ist, du kannst ja jetzt einfach sagen, jo, komm, ich fahre jetzt mal raus, ne?
SPEAKER_06Tja.
SPEAKER_00Auch doof. Also lass laufen, ne?
SPEAKER_01Würde ich jetzt behaupten. Wie gesagt, alles schon erlebt. Ich war es nicht, aber alles schon erlebt.
SPEAKER_00Kann man ja auch wieder sauer machen.
SPEAKER_01Ja, deshalb. So, wenn nicht, bestellt man sich halt eine neue, mein Gott.
SPEAKER_00Geht man mal schnell irgendwo hin und sagt, ey, ich schneide mir nochmal eine neue.
SPEAKER_01Einmal neu, bitte. Aber was ich auch total bewundernswert irgendwo finde und faszinierend finde, ist, dass auch wenn man wirklich teilweise schwerwiegende Probleme hat, keine Ahnung, Angststörung, Panikattacken, du natürlich auch mit deinen Verdauungsbeschwerden und mit dem Wirgen und so weiter, ne? Dass du auch teilweise gar nicht essen kannst. Das ist ja, also wenn, wo soll die Energie herkommen, wenn nicht durch das, was wir essen an der Rennstrecke, ne? Und trotzdem fährst du so krasse Rundenzeiten, holst dir so eine tollen Platzierungen und so weiter. Und wenn ich an damals denke, keine Ahnung, ich war jetzt nicht, bin jetzt nicht auf deinem Niveau gefahren oder so irgendwas, ne? Aber ich war auf meine Rundenzeiten auch relativ stolz und habe mir auch da den ein oder anderen Punkt mal irgendwie geholt und so weiter. Und hab aber in der Box trotzdem extrem gelitten. Und ich finde es immer wieder krass, wie wir trotzdem manchmal unsere Leistung abrufen können, obwohl es uns so schlecht geht. Und dann frage ich mich immer, was wäre möglich, wenn es uns perfekt gehen würde? Ja.
SPEAKER_00Das denke ich mir die ganze Zeit. Und das ist ja auch das, wo ich momentan dran arbeite, dass es mir gut geht und dass ich wirklich die Kraft dazu habe, ja, ich sag mal, das durchzustehen, hört sich jetzt irgendwie doof an, aber ich sag mal, diese Leistung abzurufen und das fahren zu können, wo ich weiß, was ich kann oder was ich könnte. Weil wenn ich mir jetzt so überlege, um nochmal auf den Spraewaldring jetzt hier zurückzuspringen, ich habe mir einfach mal gezielt zur Aufgabe gemacht, möglichst viel oder möglichst lang diesen Reifen zu fahren, der ja nicht mehr so gut ist. Ich meine, klar, mit der 400er ist jetzt, da reißt jetzt nicht unwahrscheinlich viel, die Reifen halten ziemlich lang. Und klar, es war auch irgendwo eine neue Strecke für mich. Ich war da jetzt meines Erachtens noch nicht so schnell. Aber ich habe mir einfach zur Aufgabe gemacht, jetzt einfach mit einem Reifen zu fahren, wo ich sage, ja, ich habe da jetzt nicht mehr so viel Vertrauen oder weiß nicht mehr so genau oder ich weiß überhaupt noch nicht so genau, wie viel dieser Reifen noch kann. Aber ich habe gesagt, ich mache das jetzt einfach mal, um mal zu gucken, was denn passiert. Also ich habe irgendwo, sag ich mal, auch so einen Sturz mit in Kauf genommen an dem Wochenende. Weil ich einfach gesagt habe, ja, ey, wenn es so ist, dann ist es so. Ich bin jetzt schon so oft gestürzt, mir ist zum Glück noch nie was passiert, außer dieses eine Mal auf dem Pitbike. Aber ich habe gesagt, ich mache das jetzt einfach mal. Und ich bin ja nicht doof. Ich weiß ja, dass ich es kann, wenn ein Hinterrad oder mal ein Vorderrad rutscht. Ich weiß ja, was ich zu tun habe. Und ich kann das ja unter Kontrolle halten. Und von daher habe ich gesagt, komm, hopp oder top, ne? Also wird schon gehen. Und in meinem letzten Turn, den ich gefahren bin, das war ja dann der vierte am zweiten Tag, hatte ich ja auch nochmal dick Minus auf dem Laptimer stehen. Ich bin da, die beste war ja 32,08 und hatte dann auch nochmal gut Minus auf dem Laptimer stehen und hab gesagt, komm, ich push jetzt und push und push. Und es wäre mindestens eine 31 Mitte gewesen. Also so 31,5 gehe ich von aus, dass es gewesen wäre. Hatte aber dann in der vorletzten Kurve, nee, aus dem Omega raus. Da war es, hatte ich dann einen Rutscher, der sich so lange gezogen hat, der dann immer weiter ausgebrochen ist und mich schon so ein bisschen hochgeschmissen hat dann wieder beim Fangen, dass ich gesagt habe, boah, geht scheinbar doch nicht mehr so viel mit dem Reifen. Aber und da denke ich mir dann halt auch, weil das war so mein Ziel, was geht mit einem Reifen, der besser ist oder sogar neu? Keine Ahnung. Wäre ich dann die 30 gefahren? Also zutrauen würde ich es mir, ne? Also habe ich eigentlich keine Bedenken dabei. Ich sage auch immer, Felix Kowertz zum Beispiel ist letztes Jahr in Hockenheim zum Beispiel eine 38 gefahren. Ich bin jetzt eine 40 gefahren. Warum soll ich die 38 nicht fahren können? Wer hindert mich daran? Also ich war jetzt das erste Mal in Hockenheim. Also dann werde ich jetzt noch ein, zweimal hinfahren und dann werde ich Ende des Jahres da alles geben und mir mein Traum erfüllen. Fertig. Und ich meine, wer zugehört hat und kennt meinen Traum, ne, von Anfang an. Und ich will es irgendwie nicht aussprechen, aber ich weiß, dass ich es kann und ich weiß, dass ich es schaffen werde. Und ich werde da an diesem Ziel festhalten. Ich werde dafür alles geben und komme, was wollte. Ist mir vollkommen egal, ich werde das machen.
SPEAKER_01Ja, voll. Also, ich habe gerade eine andere Sache im Kopf, die sage ich gleich, aber ich wollte nochmal auf das eingehen, was du gerade gesagt hast, weil wenn wir so an Trackdays denken, an Renfahren denken und so, dann ist natürlich der eine Kennwert, den wir dann direkt im Kopf haben, die Rundenzeit. Aber mittlerweile, also man kann das Motorradfahren und das Renfahren an sich aus so vielen verschiedenen Perspektiven betrachten, dass die Rundenzeit fast so ein bisschen egal wird. Also klar, am Ende des Tages, wenn wir Rennen fahren, muss auch die Rundenzeit stimmen. Und jeder Track oder fast jeder Trackday-Fahrer guckt irgendwie mal in die Zeitenliste und schaut, wie schnell war ich jetzt. Das ist irgendwie immer ein Thema, aber dann geht es ja eben los. Fährst du deine Rundenzeit nur einmal oder kannst du die konstant abrufen? Kannst du im Qualifying oder im Rennen deine Rundenzeiten fahren? Mach deinen Kopf mit oder nicht? Fährst du mit einem guten Reifen oder mit einem abgefahrenen Reifen? Kannst du über die Renddistanz deine Rundenzeiten durchhalten oder brichst du irgendwann ein? Da gibt es dann nochmal so viele Perspektiven, die da mit reinspielen. Hast du das richtige Setting? Hast du die richtige Übersetzung? Keine Ahnung, mach dein Fahrwerk, was es soll? Hast du den richtigen Fahrstil für das Motorrad, was du fährst, auf der Rennstrecke, auf der du fährst und so, ne? Und dann schwimmt diese Rundenzeit immer so ein bisschen mit, weil die am Ende des Tages ja wichtig ist. Aber es gibt so viele andere Faktoren, die damit einfließen, die man halt nicht sieht. Das sind so weiche Faktoren irgendwo. Und die Rundenzeit ist so die eine, der eine harte Faktor, der irgendwie über allem schwebt. Weißt du, wie ich das meine?
SPEAKER_00Ja. Du hast vielleicht eben gesehen, als du davon erzählt oder angefangen hast, davon zu erzählen, dass ich so ein bisschen grinsen musste. Weil genau das, du hast es schon mal irgendwo, irgendwann gesagt. Das war auch, glaube ich, in irgendeinem Podcast, bin ich der Meinung. Du hast so gesagt, ja, es ist geil, wenn du mal irgendwie, sag ich mal, eine schnelle Runde fahren kannst, aber es bringt dir auch nichts, wenn du die Rundenzeit nur einmal fahren kannst. Klar, das ist, ich sag mal, das ist jetzt so, als wenn du jetzt sagen würdest, du holst dir vielleicht irgendwie mal deine Maximalkraft raus, so beim Sport machen, dann weißt du, du kannst jetzt einmal 100 Kilobankdrücken machen. So, ne, dann sagst du, boah, ey, total krass, aber dieses Konstante dann da rauszuholen und zu sagen, ich, sag mal jetzt einfach mal, du fährst einmal eine 38 in Hockenheim, ja, bringt dir vielleicht eine gute Platzierung ein, aber im Rennen, wenn du die dann nicht fahren kannst und du bist dann irgendwo bei einer 41 oder sowas, weil du diese Kraft und die Kondition dafür nicht hast, ja, dann bist du halt auch wieder gefressen. Und das hattest du auch mal in einem Podcast gesagt, dass man halt eher lieber an den konstanten Zeiten arbeiten soll. Irgendwie so hast du es gesagt, ich weiß nicht mehr genau. Das bringt einem halt klar viel mehr. Weil, wie eben gesagt, diese eine schnelle Rundenzeit, ja, die ist dann mal da, die ist aber genauso schnell wieder weg. So, und da denke ich so oft auf dem Motorrad dran, ey, steigere dich lieber so Stück für Stück, und guck einfach mal, dass du konstant schnell fahren kannst oder diese eine Rundenzeit fahren kannst, anstatt jetzt alles auf eine Runde zu geben und zu sagen, yo, ich fahre jetzt eine 38, aber ansonsten fahre ich eine 41. Weil dann kannst du ins Fahrradlager gehen und sagen, ey geil, Alter, ich bin 38 im Bocken gefahren, ne? Ja, super, wow, ich stehe auf Platz 1, ja, super, wie lange? Wie lange stehst du da oben?
SPEAKER_06Ja.
SPEAKER_00Und das ist so, dass da denke ich so oft an dich und an diesen Satz auf dem Motorrad, wenn ich da gerade am Fahren bin und auf meinen Laptimer gucke, sieh zu, dass du einfach konstant lieber eine 40 fährst, anstatt einmal eine 38. So, weil das bringt einem im Endeffekt einfach viel mehr. Und dass ich konstant fahren kann, das weiß ich. Das ist eine, das ist eine Stärke von mir, würde ich jetzt behaupten. Weil gerade seitdem ich einen Laptimer habe, gucke ich so oft auf einen Laptimer, wo Plus oder Minus 0,0 steht. Ja, oder mal 0,01 auf Plus oder Minus. Wenn da ein Plus davor ist, da denke ich mir schon wieder, boah, bist langsamer als eben, ey, oder als deine beste Zeit, ist doch voll kacke. Da denke ich aber einfach nochmal ein Stück weiter und denke mir, ja, das ist verdammt konstant, was du hier gerade machst. Also wer macht das, wer kann das so gut? Das sind jetzt nicht so viele, die das so gut können.
SPEAKER_06Ja.
SPEAKER_00Und da denke ich mir halt einfach, du hast hier eine richtig gute Basis, die du dir ausgearbeitet hast und dass du das auch vom Kopf her so gut kannst. Wenn ich das mitneh und das alles noch verfeinere und immer so ein Stück abarbeite und das dann immer halte, ey, dann dauert es nicht mehr lang, dann knallt es richtig und dann bin ich da, wo ich sein will.
SPEAKER_01Ja, total. Also ich glaube, gerade mit den Rundenzeiten ist es super wichtig, dass wir zwar unsere Bestzeit abrufen können, irgendwo mit Ansage, weil im Rahmen der IDM hat man nicht viel Zeit, da muss man das so ein bisschen können. Und dann bin ich aber auch der Meinung, dass dieses aktive Anetwasarbeiten immer irgendwo damit einhergeht, dass wir mal eine Sekunde oder zwei langsamer fahren. Und dann finden wir da wieder so eine Art Plateau, so eine Art Sicherheit, dass sich die neue, also die, ne, diese eine Bestzeit wieder irgendwie langweilig anfühlt, gefühlt. Also nicht langweilig, aber normal, machbar. Und dann können wir wieder den nächsten Sprung machen, ne, auf die nächste beste Rundenzeit und dann daraus wieder ein neues Normal machen. Weil, ne, so der normale Trackday-Fahrer fährt raus mit der Erwartungshaltung, ich bin jetzt zwei Sekunden schneller, kommt rein, ist vielleicht sogar schneller und fährt dann im nächsten Turn wieder mit der Erwartungshaltung raus, zwei Sekunden schneller zu sein. Oder ne, und so funktioniert es halt in der Regel nicht, außer man hat noch ein bisschen Puffer zu den schnellen Zeiten. Am Anfang macht man immer große Schritte, aber umso schneller man wird, desto kleinere Schritte macht man, gar keine Frage. Und desto andere Maßnahmen muss man ergreifen, sodass man sich dann halt auch zwischen den Turns hinsetzt und Videos analysiert und die Linie nochmal anguckt und kleinere Fehler irgendwie ausmerzt und so. Was wir ja dann am Spree weiterhin auch nochmal zusammen gemacht haben.
SPEAKER_00Ja, ich sag mal, diese Erwartungshaltung zermürbt dich, glaube ich, auch irgendwann. Oder weiß ich, dass sie dich irgendwann zermirbt. Wenn du jetzt permanent sagst, boah, der Turn lief jetzt brutal gut. Spanien hier zum Beispiel, zwischen den Jahren, Almeria. Ich kam mit der Strecke nicht so gut klar. Ich kam, meine Rundenzeiten waren nicht so geil. Und die Wetterverhältnisse waren einfach komplett kacke. Es hat mal geregnet, dann hat es aufgehört zu regnen, dann hat es aber wieder einen halben Tag gedauert, um abzutrocknen und dann war es kalt und dann war mal die Sonne draußen. Also es war ein Hin und Her von diesen neun Tagen effektiv gefahren, vielleicht vier. Das hat dann auch zermürbt. Und also immer diese permanente Erwartungshaltung, vor allem an so einem Trackday an sich selbst, ist, glaube ich, schwierig. Oder weiß ich. Ich meine, ich habe jetzt hier zwar letztens auch in die Community-Gruppe reingeschrieben, dass ich mich immer selbst pushe. Ja, wenn ich so drüber nachdenke, glaube ich, können das auch viele falsch verstehen. Weil ich glaube, pushen heißt, pushen ist ja nicht immer nur, ich werde jetzt permanent die Bestzeit fahren und nochmal eine und nochmal eine und nochmal eine. Pushen heißt ja auch für mich jetzt irgendwo, sind wir wieder bei dem Thema von eben, wenn ich jetzt sage, ich fahre eine 40, so als Bestzeit, ja, dann sehe ich zu, dass ich die permanent fahren kann. So, das ist dann für mich auch pushen, dass ich jetzt auf dem Motorrad sitze und sage, und nochmal und nochmal und nochmal und nochmal. Dass das nicht immer funktioniert, weil es sind auch einfach andere Motorradfahrer noch mit auf der Strecke, vollkommen normal, du wirst mal überholt, du musst mal überholen, das ist halt einfach so. Dann ist schon ruckzuck die Rundenzeit mal wieder versaut. Aber dennoch muss es ja weitergehen. Und auf so einem Track Day, da jetzt irgendwie über eine Konstante zu reden, ist schwierig, weil einfach gerade mit einer 400er, wenn du dann mit 600er oder mit 1000er draußen bist, bist du froh, wenn du zwei, drei Runden am Stück konstant fahren kannst, ohne dass du gestört wirst oder jemanden störst. Aber dennoch, dann auch danach wieder, wenn er oder du vorbei bist, da wieder so weiterzumachen, das ist das halt auch, und das ist für mich auch irgendwo ein Pushen. Dass du immer sagen kannst, ich rufe nicht das Maximale ab, aber ich rufe ein Niveau ab, was gut ist und was du ja einfach erstmal halten musst oder willst.
SPEAKER_06Ja.
SPEAKER_00Und da dann halt im Kopf zu sagen, ja, es funktioniert. Und das macht einen, gibt einem ein so viel stärkeres und so viel besseres Gefühl fürs Motorradfahren, für das schnellere Fahr. Also ja, um das dann halt abzurufen.
SPEAKER_01Absolut. Wenn du jetzt auch von Spanien erzählst, du warst jetzt im Winter, irgendwie zwischen Weihnachten, Silvester, irgendwie Anfang des Jahres, warst du ja ein paar Mal in Spanien. Und ich weiß gar nicht mehr genau, ob es Almeria war, aber du hattest mir dann geschrieben, dass du auch irgendwie da mit dem einen Sturz gekämpft hast und so, dass das noch so ein bisschen im Kopf war. Dann haben wir so ein bisschen über Visualisierungen gesprochen. Und dann kam eine Nachricht von dir, wo ich mir dachte, oh, ich glaube, der ist ganz schön geknickt irgendwie, ne? Da läuft es gerade nicht so. Und dann kam die nächste Nachricht und ich war so, wow, okay, anscheinend geholfen. Das ist so eine völlig andere Energie, die da in der Nachricht rüberkam. Erzähl da nochmal ganz kurz so, was da sich in der kurzen Zeit verändert hat.
SPEAKER_00Ich war ja einmal, um Spanien richtig aufzugreifen, waren wir letztes Jahr Ende Oktober in Barcelona mit dem spanischen ZX4-Cup. Da sind wir ja Rennen gefahren und das war so das krasseste und auch irgendwo so das Banalste, was ich bis jetzt jemals gemacht habe, weil wir sind für ganze vier Sessions runtergefahren nach Barcelona. Also viermal 20 Minuten fahren. Ein freies Training, zwei Qualys und ein Rennen. Ja, das ging alles so ungefähr A 20 Minuten. Ja. Und im ersten Training bin ich in der, also ich kannte die Strecke von der Moto von der MotoGP, klar, also vom PC von der MotoGP spielen. Und konnte mir die Strecke dadurch schon mal etwas besser einprägen und auch vorstellen. Und bin dann die erste fliegende Runde raus, die erste, ja, sag mal, die Outlap raus. In Lab, Outlap, ich weiß es nie.
SPEAKER_01Also die Outlap ist rausfahren und Inlab ist wieder reinfahren.
SPEAKER_00Macht Sinn, ja. Ja, bin die Runde rausgefahren und hab schon gedacht, boah, kennst du, kennste, kennst du, geil, kennst du, ja, check, check. Bin die Strecke abgefahren, als ob ich da schon mal gefahren wäre. Denke ich mir so, irgendwas ist hier komisch. Gut, dann kam noch dazu, es war arschkalt. Wir hatten 6, 7 Grad.
SPEAKER_01Boah.
SPEAKER_00Ja. Asphalt war ein bisschen kühler. Oder, nee, es war glaube ich andersrum. Asphalt war ein bisschen wärmer. Asphalt hält sich ja immer ein bisschen. Asphalt war ein bisschen wärmer als die Außentemperatur. Also es war alles so plus, minus 7, 8, 9 Grad rum. Ja. Barcelona hat das Phänomen, viele Rechtskurven zu haben, aber wenige Linkskurven. Erste Kurve ist ja rechts, dann geht's links, also die Chikane nach der Stadt Ziel. Ich habe die Linie nicht richtig getroffen, bin in der ersten fliegenden Runde abgeflogen. Ja. War aber dennoch eines, oder es war eigentlich der geilste Sturz, den ich hatte. Also hört sich auch doof an, ne? Aber in Spanien ist halt einfach alles ein bisschen anders und es war ja auch irgendwo in einem Rahmen der spanischen Meisterschaft. In Spanien haben ja verschiedene Meisterschaften, aber du hast halt auch gemerkt, es ist schon, also es war sowas, ja, das haben wir im Vergleich mit der IDM ungefähr. Ich habe gar nicht mehr so den ESP heißen die da unten, glaube ich. Oder EPS, irgendwie sowas. Ja, ist ja egal. Gestürzt und ich habe noch nicht richtig gestanden, da sind schon fünf oder sechs Leute auf meinem Motorrad zugerannt, haben das aufgehoben. Ich bin hinter die Leitplanke. Ich habe mich gefühlt wie Marc Marquess, wirklich. Ich hab gedacht, ich wäre Marc Marquez. Mein Motorrad war fast genauso schnell hinter der Leitplanke wie ich selbst. Wie gesagt, da sind ein paar Leute aus dem Motorrad zugerannt gekommen und ich bin hinter die Leitplanke und hab mir gedacht, naja, keine Ahnung, was machst du denn jetzt hier? Musst du ja jetzt erstmal warten, bis hier jemand kommt. Ja, dreh mich um, Motorrad steht hinter mir, denke ich, hä? Ich bin doch selbst gerade erst hier hingekommen. Dreh mich nochmal um, hab halt vorher schon gesehen, da steht ein Stuhl, da kann ich mich einfach mal hinsetzen. Dreh mich nochmal in die andere Richtung um und auf einmal steht schon jemand da mit einem Roller, der mir zeigen wollte, falls ich auf Motorrad wieder zurückfahren kann, wie ich zur Box komme. Oder der mich halt mitgenommen hätte und die Schandkarre war auch schon da. Das findest du nirgendwo in Deutschland, nicht auf der IDM, nicht irgendwo in einem anderen Land. Keine Ahnung, dann fragen die mich: ja, willst du mal gucken, was das Motorrad angeht? Dann kannst du selbst zurückfahren. Oder wir laden es halt auf und dann bringen wir dich zurück. So, wenn du, wenn das Motorrad angeht und du kannst zurückfahren, brauchst du nicht nochmal eine technische Abnahme. Wenn wir es zurückbringen, musst du halt alles nochmal abnehmen lassen. Sag ich, ja gut, also sieht ja jetzt nicht schlimm aus, klar, Verkleidung war komplett kaputt auf der einen Seite, aber Motorrad angemacht, sag ich, ja, mal ein bisschen dran gerüttelt überall, sag ich, ja, fährt, ne? Ja, bin ich zurückgefahren und wurde zurückgebracht. Also der Typ mit dem Roller hat gesagt, ey, ich bring dich zu deiner Box, wo bist du? Sag ich, ja, hier bei dem Vierercup halt, ne? Ah, ja, gut. Müssen wir jetzt da, fahren wir einfach hinterher. Okay. Okay, krass. So macht Stürzen dann irgendwie auf einmal Spaß. Also, keine Ahnung, war total verrückt. Ja, mit dem Sturz ist auch das Vertrauen dann alles so ein bisschen weggegangen. Das Wochenende war dann schon relativ schwierig. Es war im Endeffekt auch ein gutes Wochenende. Ich bin dann, ja, im zweiten Training hat mal wieder alles so zusammengebastelt, dass es geht und dass es fahrbar ist. Bin dann auch eine relativ gute Zeit gefahren. Dafür, dass ich den ersten Turn dann mal so richtig fahren konnte, bin eine 2-0-2 gefahren. Und da haben schon die Leute, die mitgefahren sind aus Deutschland, haben schon gesagt, Alter, krass, okay, so schnell. Und das war der Guido Nitke, der ist normalerweise immer schneller als ich. Sagt er, okay. Also ich bin jetzt im zweiten Turnier gefahren und du bist schon, ich glaube, er hat nur noch eine Sekunde auf ihn gefehlt. Da habe ich gesagt, Alter, wo hast du denn das hergeholt? Keine Ahnung, bin einfach gefahren. Ja, und dann war das Quali. Nee, es war ja stimmt, das war ja das Quali. Wir hatten ja nur ein Training, zwei Qualies. Und jeder wusste, das zweite Quali war am Sonntag morgens und es sollte noch kälter sein. Wir Deutschen haben gesagt, ja, wir müssen rausfahren, wir brauchen Fahrzeit, vor allem ich. Bin dann im zweiten Quali auch nochmal rausgefahren. Zeit war unmöglich zu verbessern, ging nicht. Also sind wir so ins Rennen gefahren, gestartet. Ich bin, glaube ich, auch wieder von Platz 7, 8 irgendwie sowas gestartet. Ja. Und bin dann auch im Rennen, ich weiß nicht, ob wir eine 59 oder eine 58 gefahren. Also hätte fast auch die Pace für ganz vorne mitgehabt. Habe leider ein bisschen den Anschluss verloren. Weil sonst, wenn ich da noch so ein bisschen mehr, ich sag mal, die Eier gehabt hätte, da mitzuhalten, wäre ich vorne um Platz 1, 2, 3 mitgefahren. So musste ich leider ein bisschen abreißen lassen, weil ich einfach ein bisschen Angst hatte, auch von der linken Flanke, dass wieder irgendwas passiert. Und bin dann ja so ab Hälfte des Rennens bin ich immer weiter nach vorne gekommen oder beziehungsweise auf meinen Vordermann habe ich aufgeholt. Das war, also ich war Platz 5 dann und habe dann auf Platz 4 immer weiter aufgeholt. Die anderen hatte ich mir am Start schon holen können. Und ja, bin dann in der letzten Runde war ich so nah an ihm dran und er hat halt auch den Fehler gemacht, dass er sich umgedreht hat, immer öfter, weil er gesehen hat, ich komme näher und da habe ich gemerkt, boah geil, der wird nervös. Das ist so ein geiles Gefühl, wenn du merkst, da dreht sich jemand um, der wird nervös gerade, der hat Angst. Wenn du das schon, wenn du das spürst und doof gesagt riechen kannst, das ist so ein geiles Gefühl, wenn du da merkst, da ist jemand, der wird nervös wegen dir, weil du gerade so krass näher kommst und ist mal scheißegal, ob das jetzt vorne ist oder hinten irgendwo ist. Ich glaube, das ist überall ein geiles Gefühl, wenn du mit deinem Gegner da am Kämpfen bist. Und ich hatte ihn auf der Gegend geraden oben, war auch wieder nach links beim Anbremsen, ich war vorbei. Aber er hat einfach nochmal die Bremse aufgemahnt. Ich hätte sie auch nochmal aufmachen können, aber ich habe mich nicht getraut, weil es wieder die linke Flanke war. Ich habe mir gesagt, komm, ey, du bist hier als Gast, du musst den jetzt nicht irgendwie abräumen. Wäre scheiße. Nimm lieber den fünften Platz an, statt gar keinen. Oder da nochmal jemand abzuräumen. Ja. Und im Nachhinein hat er mir dann auch gesagt, yo, Alter, ich hatte echt, ich war nervös, ne? Also das, was wir halt zu uns verständigen konnten, weil die können ja auch nicht alle so gut Englisch, ich kann auch nicht gut Englisch und das war schon lustig. Und das Schönste an dem Wochenende war, oder mit das Schönste, ganz zum Schluss haben sie dann nochmal zu uns gesagt, Alter, ihr wisst schon, dass ihr hier in Spanien seid, dass die meisten hier sehr, sehr gut Motorrad fahren können und da waren auch, vorne waren auch Namen dabei, die, also die in Spanien einen Namen haben und schnell sind. Und die haben gesagt, Alter, ihr seid schnell. Also, der Guido ist auf dem zweiten oder dritten Platz gefahren, ich weiß nicht mehr. Und ja, ich wäre fast auf dem vierten gefahren, ne? Also. Da habe ich dann auch gedacht, boah, du bist eigentlich gar nicht so langsam. Ja.
SPEAKER_06Ja.
SPEAKER_00Und das war dann, das war so, dass dieser Moment, wo ich eigentlich nach Almeria dann komme. Den ich halt so mitgenommen habe in Almeria, dass ich dann da permanent Sturzangst hatte. Oder das Gefühl, es muss jetzt passieren. Ich habe so oft in der Kurve, ich meine, wir sind ja auch die Bilder mal durchgegangen. Du hast ja zum Beispiel die Bilder aus Cremona von mir gesehen und dann die Bilder aus Almeria. Also da fehlt sau viel an Schräglage, da fehlt sau viel an Kurvengeschwindigkeit. Und das war so, ich will jetzt nicht sagen Horrortrip, aber es war ein sehr gequälter Trip. Es hat mir alles Spaß gemacht da unten. Es war eine schöne Zeit, aber es war einfach schwierig. Weil immer, jetzt, jetzt, aber jetzt, jetzt passiert's. So, ne, so hänge ich unter mir. Aber jetzt, jetzt gleich. Aber jetzt stürzt Mama.
SPEAKER_01Ja. Ja, wenn das Nervensystem da die ganze Zeit, ne, wenn da die ganze Zeit die Alarmglocken schrillen, dann macht das überhaupt gar keinen Spaß, ne? Weil du hast permanent das Gefühl, jetzt, jetzt stürzt du gleich und so weiter. Das ist wirklich ganz, ganz grauenhaft. Aber auch in dem Zusammenhang, ne, das Ziel, was du ja hast, nach wie vor hast, aufs Podest zu fahren und dir da deinen Pokal abzuholen, ne? Ich denke mal, in Barcelona hast du gemerkt, okay, du kannst das schaffen. Ich meine, unabhängig davon, dass du schon auf einigen Podesten standest, aber dieses spezielle Podest, das ist, was du willst momentan, ne? Im Vierer Cup. Und dass du es kannst, weißt du. Und wir haben ja auch zum Beispiel drüber gesprochen gehabt, ne, Anfang dieser Saison war Sachsenring das erste Rennen, was ihr gefahren seid. Und da hatten wir auch viel drüber gesprochen, ne, da aufs Podest fahren, wie wird das und so weiter. Das war ja auch mit das Ziel in dem Sinne nach wie vor. Dass es nicht geklappt hat, ist erstmal natürlich sehr, sehr schade.
SPEAKER_03Ja.
SPEAKER_01Aber ich gerade daraus können wir denen die beste Schlussfolgerung überhaupt ziehen, weil du hast vorhin schon Marc Marquess angesprochen, wenn wir ihn mal betrachten als Fahrer, ja, und ich glaube, Pedro Acosta hat es in irgendeinem Podcast auch gesagt gehabt, kürzlich, ist er der beste Motorradfahrer auf der Welt, den es jemals gab? Meint er, wenn wir den, wenn wir uns das Motorradfahren an sich angucken, ja. Weil das eine ist natürlich, irgendwie ein Ziel zu haben, das zu erreichen und dann nach einem Rückschlag irgendwo nach hinten zu fallen. Aber das Schwierigste überhaupt ist, weiter an diesem Ziel, weiter dieses Ziel zu verfolgen und zu sagen, okay, es ist jetzt noch nicht da, ich habe es noch nicht erreicht. Das heißt aber nicht, dass es nicht passieren wird. Auch wenn es mehrere Rennen dauert, auch wenn es mehrere Saisons dauert. Das bedeutet nicht, dass man dieses Ziel nicht erreichen kann, nur weil man es beim ersten Versuch nicht erreicht hat. Es ist dieser Prozess, dieses sich dahin arbeiten und immer neue Erkenntnisse sammeln, immer neue Maßnahmen ergreifen und so weiter. Wie ging es dir da mit dem Sachsenring, dass du gesagt hast, ich habe dieses Ziel, ich habe es da nicht erreicht? War es dann so, dass du gesagt hast, ich habe es noch nicht erreicht? Oder warst du irgendwo auch enttäuscht, dass es jetzt noch nicht passiert ist?
SPEAKER_00Enttäuscht, jetzt nicht unbedingt. Also ich war, ich weiß es nicht, also so wirklich traurig, ich war jetzt nicht besonders sonderlich überrascht, sagen wir es mal so. Weil ja, es sind ja auch ein paar neue dazugekommen, gerade aus Holland, die jungen Kerle da, die da vorne um Platz 1, 2, 3 fahren. Aber es ist immer noch so, es hat das Verlangen, glaube ich, einfach nur noch mehr verstärkt. Und einfach nochmal so diesen nötigen Kick vielleicht auch gegeben, dass ich gesagt habe, ich muss, ja, es ist immer wieder beim müssen, ich muss dann einfach dafür mehr an mir arbeiten. Egal wo oder egal wie, ob es jetzt auf dem Fahrrad ist, ob es auf dem Motorrad ist, ob es mit den Gewichten ist oder ob es beim Essen ist, Gesundheit. Es muss einfach alles zusammen harmonieren und passen, dass damit dieser Erfolg kommen darf und kann. Und das ist das, was mich dann nochmal so, ja, was, was dieses Denken nochmal verstärkt hat oder dieses Handeln auch nochmal verstärkt hat, dass ich einfach was an mir verändern muss, um dieses Ziel erreichen zu können. Und deswegen habe ich auch, um nochmal auf den Spreewald zurückzukommen, habe ich auch gedacht, boah, weil so viel Lust hatte ich auf einmal gar nicht, Motorrad zu fahren. Dann ging es mir sowieso ein bisschen komisch an dem Tag, so vom Kopf her auch wieder, als ich, also am Tag der Anreise an dem Sonntag, dann war ich auch so ein bisschen damit überfordert, weil du hast ja da eine Community-Gruppe da aufgemacht, war ich irgendwie dann auf einmal doch wieder so ein bisschen überfordert damit, weil ich ja einfach so bin und überall irgendwie so, ich sag mal so, auf gut Deutsch meinen Senf dazu gibt und meine Erfahrungen dann, weil ich einfach den Leuten helfen will und weil ich mir denke, ey, wenn ihm das jetzt weiterhilft oder ihr, dann war das gut. Und wenn nicht, ja, dann denkt, was ihr wollt, ist mir scheißegal, ihr könnt es ja einfach ignorieren. Vielleicht, ja, wie gesagt, hilft es ja jemandem. So, und dann war aber auch wieder dieses andere Thema. Man bekommt ja auch nicht immer nur Positives damit, sondern auch mal Negatives. Der eine hat Probleme mit dem Anhänger, der andere hat Probleme, weil sein Kumpel gerade irgendwie übelst krank ist mit irgendeiner Magen-Darm-Geschichte. Und da habe ich mir gedacht, Alter, ey, die Story kannst du jetzt so zehnmal gar nicht gebrauchen. Und da bin ich, weil da hat ja irgendwas vom Dixie-Klo auch erzählt. Da habe ich dann überall auf den Autobahnen die Dixies gesehen, denke ich mir, ey, da hätte ich dieser Person am liebsten in Hals umgedreht und gesagt, das ist so eine Scheiße. Aber weiß er ja nicht. Für ihn ist das vielleicht gar nicht so schlimm. Aber für mich zum Beispiel war das, für mich war das grausam. Und da denke ich mir halt immer, ey, ich muss nicht immer irgendwie alles so, alles Negative irgendwo preisgeben. Sondern einfach, vielleicht einfach sagen, ey, guck mal, ich habe ein Problem, ich kann nicht kommen, weil mir ist da jemand ausgefallen. So, ja, da gibt es tausend Gründe für, warum jemand ausfällt, ne? Hat sich das Bein gebrochen, hat keine Ahnung was. Da bin, also das habe ich so für mich gelernt, dass man einfach da, also ich will ihm jetzt gar keinen Vorwurf machen, aber da habe ich für mich einfach so ein bisschen gemerkt, dass man bei so Themen vielleicht ein bisschen sensibler mit umgeht, weil du weißt nie, wer in dieser ganzen Menschenmenge damit vielleicht gar nicht umgehen kann. Das ist so ich könnte jetzt auch davon erzählen, ey, boah, ich habe mir bei dem Sturz das und das gebrochen, das war übelst krass, boah, ich würde mir jetzt überlegen, ob ich nochmal am Motorrad fahre. So, dann ist da jetzt gerade eine Anfängerin oder ein Anfänger dabei, der sich denkt, ach du Scheiße, ich glaube ich komplett.
SPEAKER_01Ja, total. Das ist immer irgendwo Fluch und Segen zugleich. Also die WhatsApp-Community, das war erstmal nur so eine Idee und ich bin ja ständig so, dass ich mir denke, mal gucken, was passiert.
SPEAKER_00Ja, ist auch okay so.
SPEAKER_01Und dass es dann wirklich da so rund ging in der Community, in der WhatsApp-Community, hat mich natürlich zum einen gefreut, aber ich bin natürlich auch immer, ich habe immer ein wachsames Auge auf alle Chatverläufe in der Community, dass ich immer schaue, wo ich vielleicht so ein kleines bisschen eingreifen muss oder ein bisschen was lenken muss oder so. Weil du bist dann irgendwo zwischen lass die Leute ihr Ding machen und manche Sachen gehen halt nicht klar. Und ich meine, in manchen WhatsApp-Gruppen, da hackt dann der eine direkt verbal auf den anderen ein und so weiter. Und gerade in der Community will ich genau das eben nicht, das ist nicht dafür da, dass alle irgendwie ihr Ego ausleben können oder so und sich irgendwie das nächste emotionale Opfer suchen, sondern ich möchte, dass da, dass wir da respektvoll und liebevoll miteinander umgehen und das wird auch so gehandhabt. Und darüber freue ich mich total. Und es hat auch ganz, ganz, ganz extrem positiv zu dem Track, der ja im Spreewaldring beigetragen, dass ihr euch alle irgendwo vorher aus der Community schon kannt. Aber auch das, was du erzählt hast, ich kann das total nachvollziehen. Und das ist dieser schmale Grad zwischen Eigenverantwortung für die eigenen Trigger und Verantwortung, die bei den anderen liegt, irgendwo niemanden zu triggern. Und klar, wenn man sich gut kennt, dann weiß man, okay, gewisse Dinge sage ich dir jetzt nicht so, sondern vielleicht irgendwie so ein bisschen anders, dass ich dich nicht triggere und so weiter. Aber auf der anderen Seite sind unsere eigenen Trigger natürlich auch immer unsere Verantwortung. Das ist dieser schmale Grad zwischen wir wollen niemanden belasten, aber wenn jemand von etwas belastet ist, muss derjenige halt schauen, warum das so ist und wie er damit umgeht. Das ist so ein ganz doll zweiseitiges Ding. Das ist immer irgendwo eine Dynamik, genau wie in einer Beziehung. Da kann nicht der eine sein Ding machen und sagen, ja, musst du halt mit klarkommen oder nicht. Eine Beziehung ist auch immer eine Dynamik, da geht es immer hin und her. Wir haben immer irgendwo eine emotionale Abhängigkeit. Und genauso ist es halt in solchen Communities auch oder generell im zwischenmenschlichen Bereich. Ja, aber ich finde es dann auch immer total wichtig, sich dann mitzuteilen. Oder ja, wenn wir so einen Trigger haben, dann erst, wenn es getriggert ist, können wir ja auch erst die Verantwortung dafür übernehmen und sagen, okay, was passiert da gerade wieder in mir, was kann ich da über mich selber lernen oder was auch immer. Aber du hast natürlich trotzdem immer das Recht zu sagen, ey Leute, damit geht es mir gar nicht gut. Und die Situation hatten wir in der Community ja auch schon, dass es eben um Stürze ging und jemand gesagt hat, ey, boah, das hat, also sag mir das zumindest nicht so, weil es eine direkte Konversation zwischen zwei war. Von daher, man hat immer, man hat immer das Recht, sich mitzuteilen und dafür soll die Community halt auch da sein.
SPEAKER_00Ja. Also ich fand es auch oder finde es immer noch gut, dass die Gruppe entstanden ist und auch immer noch da ist. Weil, also es war halt, also das war so eigentlich so die einzige Situation, wo ich mir gedacht habe, boah, das hätte ich jetzt am liebsten nicht gelesen. Aber, also wie gesagt, man kann ihm ja auch gar keinen Vorwurf machen, weil, woher soll er es wissen? Also es ist halt so. Und ich bin aber auch daran wieder irgendwo ein Stück weit gewachsen, weil ich mir gesagt habe, ey, das hat nichts mit mir zu tun. Und diese Krankheit, weil der hat ja auch hingeschrieben, boah, das ist hoch ansteckend und tralala, dann denke ich mir so, oh Mann, ey, es wird immer besser. Und da habe ich mir auch so gedacht, yo, das wird nicht irgendwo jetzt von, keine Ahnung, woher herkommen, vielleicht Hannover oder sowas, auf einmal einen Sprung, quer durch Deutschland machen und zu mir kommen. Also.
SPEAKER_05Ja.
SPEAKER_00Da habe ich mir dann auch so gedacht, ja, komm, das hat nichts mit mir zu tun, es ist alles gut. Mach dein Ding und fertig.
SPEAKER_01Ja. Sich dann da auch abgrenzen zu können, ist halt super wichtig, das irgendwo auch zu lernen.
SPEAKER_00Ja, weil du wirst im Leben immer wieder mit irgendetwas konfrontiert werden, was negativ ist, was dich triggert oder keine Ahnung, was auch immer mit dir macht. Weil du kannst nicht alles abschirmen. Und das ist auch, finde ich, auch nicht gesund, wenn man versucht, immer permanent alles abzuschirmen, weil du musst einfach mal im Leben irgendwo gegen die Wand laufen oder mal irgendwo einen Rückschlag haben, dass du wieder einen Schritt weitermachen kannst. Also zwei, ne, wie sagt man, einen Schritt zurück, zwei nach vorne oder irgendwie so, ne? Oder zwei zurück, ein nach vorne. Aber du musst halt einfach mal einen Schritt zurückgehen, um mal zu sehen, ey, so und so ist es. Was mir gerade zum Beispiel auch einfällt mit dem Trackwalk, wo wir dann abends nochmal drüber gegangen sind, das habe ich zum Beispiel im Vierer Cup gelernt, dass zu uns gesagt wird, ja, wenn wir jetzt hier über die Strecke gehen, guckt euch die Kurve mal von hinten an. Trägt euch mal um. Was passiert da überhaupt? Und ich meine, ich hatte ja dann auch so ein paar Leute um mich rum. Und dann habe ich gesagt, ja, trägt euch mal um. Das war gerade hinten gegengerade, was ist diese, die Südkurve ist das, ne? Wo du die Gegengerade hinkommst und dann die 180 Grad rechts.
SPEAKER_06Ja.
SPEAKER_00Und da ist man ja, ich sag mal, der Scheitel ist ja vermeintlich relativ spät, den man da setzt. Jedenfalls ist, also, er ist jetzt nicht in der Mitte, aber er ist auch nicht so krass spät, wie man eigentlich denkt, wenn man von der richtigen Seite aus ankommt und wenn man dann an der Kurve mal vorbei ist und sich mal umdreht und mal guckt, wo das Hütchen überhaupt steht, es ist nicht so krass spät, wie man das meint. Das Hütchen steht schon sehr nah der Mitte der Kurve. So, und das waren dann auch für viele, wo sie gesagt haben: Oh, krass, ja, so habe ich mir noch nie eine Rennstrecke angeguckt. Ja, aber warum nicht? Ich meine, klar, es hat ja niemand gesagt, aber warum ändern wir nicht einfach mal in gewissen Situationen unsere Perspektive, um mal einfach einen Schritt weiter nach vorne gehen zu können? So, und das ist das, ich meine, für mich war das in dem Moment auch so ein Aha-Effekt, weil ich meine, auf der IDM oder wenn du jetzt auf anderen Rennstrecken bist, steht jetzt einfach mal ein Hütchen mitten in der Kurve. Es ist sehr, sehr selten. Beim Doc Scholl zum Beispiel in Kalafat ist es immer so, dass da ein paar Hütchen stehen. Aber das war es dann auch, ne? Also ansonsten ist dann irgendwo mal so ein Scheitelpunkt angezeichnet oder angedeutet. Ja, und dann haben sie sich umgedreht und haben gesagt, boah, ja, krass. So schlimm, dann haben sie auch gesagt, so schlimm ist die Kurve ja gar nicht.
SPEAKER_01Ja, deswegen liebe ich Kurventheorie so, weil das immer Sinn ergibt, wenn man es aus der richtigen Perspektive betrachtet. Und klar, wenn wir eine 180 Grad rechts haben, wonach wir dann ein Stück gerade haben und rausbeschleunigen wollen und ganz viel Speed mitnehmen wollen, klar müssen wir die dann die Kurve eigentlich von hinten betrachten, weil ja der Kurvenausgang das Wichtige ist. Den Kurveneingang opfern wir irgendwie so ein bisschen, damit der Kurvenausgang perfekt ist, möglichst perfekt ist. Deswegen liebe ich Kurventheorie so, weil man halt, sobald man verschiedene Dinge begriffen hat, die das, die, die genau das betreffen, bestimmte Arten von Kurven irgendwie raus hat und eben auch den Radius, also den Radius versus Kurvenspeed irgendwie diese Theorie ein bisschen raus hat, dann kannst du dir jeden Streckenplan angucken und sagen, aha, okay, alles klar, so, so, so, so, so. Klar hat jede Strecke nochmal Besonderheiten, die man auf dem Streckenplan nicht sieht. Gefälle, Steigung, Bodenwellen, was weiß ich, ne? Aber deswegen liebe ich Kurventheorie so, weil man wirklich die Kurve in ganz bestimmte Abschnitte zerlegen kann, die irgendwie Sinn machen. Das ist reine Physik am Ende des Tages und das ist voll geil.
SPEAKER_00Ja, das ist auch, also Physik ist auch immer so dieses Wort, was ich sehr gerne benutze, weil manche fragen dann auch, ja, wie machst du denn das und das oder was mache ich denn am besten auf Motorrad? Ey, im Endeffekt ist das alles nur die einfachste Physik, die es gibt. Motorradfahren ist eins plus eins. Mehr ist das nicht. Es ist immer nur, ich man hört sich im Endeffekt erstmal sau einfach an, aber es ist im Endeffekt alles nur eins plus eins, weil du kannst ja immer erstmal nur eine Sache machen. Es ist ja nicht so, dass du jetzt auf dem Motorrad sagst, ja, ich mache jetzt das, das, das und das gleichzeitig. Das funktioniert nicht. So. Klar, du bremst an, du gehst in Schräglage, lässt die Bremse Stück für Stück auf bis zum Scheitelpunkt oder keine Ahnung bis zum Punkt da, wo du es hinhaben willst und gehst dann wieder ans Gas. Aber trotzdem hast du erstmal eine Sache gemacht, plus die nächste, plus die nächste, plus die nächste. Und das ist ja das, was Motorradfahren auf der einen Seite so einfach macht, aber auf der anderen Seite so verdammt schwer.
SPEAKER_01Total. Weil wenn dann die Reihenfolge mal nicht passt, oder eine Handlung nicht ganz richtig war, dann kriegen wir direkt die Quittung in der Regel. Je nachdem, wie nah am Limit wir uns oder an unserem eigenen Limit wir uns halt bewegen. Aber gerade deswegen sind halt diese Trainingsvisualisierungen auch so krass effektvoll, dass wir wirklich eine Abfolge haben, eine Reihenfolge von bestimmten Handlungen, die wir an einem bestimmten Punkt abspielen müssen. Und die Kunst dabei ist natürlich zu wissen, wann welche Handlung am sinnvollsten ist, um eins plus eins zusammenzuzählen. Weil eins und eins sind ja dann Unbekannte, die wir irgendwo in eine Gleichung bringen müssen. Und wenn man dann, finde ich, das Motorradfahren auch aus so einem Theorieblickwinkel angeht, dann eröffnen sich dann nochmal ganz neue Dimensionen irgendwo. Aber ich glaube, darüber sollten wir nochmal eine ganz eigene Podcast-Episode machen, weil wenn wir jetzt damit anfangen, dann quatschen wir hier die nächsten drei Stunden noch weiter. Aber sag mir mal noch zum Abschluss, wie planst du den Rest deiner Saison? Für wie möglich hältst du es aktuell, dein Ziel aufs Podest zu fahren im Vierercup dieses Jahr noch zu schaffen? Und welche Maßnahmen ergreifst du ganz aktiv momentan, um dahin zu kommen?
SPEAKER_00Also ganz aktiv Maßnahmen, momentan Sport, so oft wie es nur geht. Ob es Fahrradfahren ist, ob es Gewichttraining ist, ob es vor allem auch Mobilitätstraining, ganz, ganz wichtig, weil du musst beweglich bleiben auf Motorrad, sonst bist du irgendwann an einem gewissen Punkt einfach eingeschränkt und es geht nicht mehr weiter. Und umso schneller du wirst, desto mehr brauchst du von all dem. Weil dann hört irgendwann das 1 plus 1 auf und es geht ein Minus 1 und dann bist du bei 0 und du liegst. Dann natürlich, was am absolut naheliegendsten ist, du musst Motorrad fahren, um schneller zu werden. Und ich versuche mir halt immer auch, so viel wie es geht, ich sag mal, jetzt auf einer Veranstaltung, aufzuschreiben. Sei es Veränderung Fahrwerk, sei es, wie viel Sprit habe ich im Tank, sei es, keine Ahnung, war ich 0,5 Bar mehr oder weniger in den Reifen. Das sind alles so Merkmale, die, wenn du jetzt zum Beispiel irgendwo am Trainieren bist, ich weiß zum Beispiel in Hockenheim war ich einfach nur da, um zu gucken, was kann ich mir für Daten für Hockenheim aufschreiben, die ich in Hockenheim am Rennen verwenden kann, damit ich es so einfach wie möglich habe, um mein Ziel dort zu erreichen. Ja, dann habe ich mir gut, jetzt, mein Pitbike ist dann endlich da. Also ich versuche einfach so viel wie möglich auf einem zweirädrigen Gefährt zu sitzen und da so viel Kraft und so viel Energie reinzugeben, wie es nur geht. Aber ganz, ganz wichtig, das habe ich jetzt hier die Woche auch gemerkt, Pause machen. Es ist sehr wichtig, eine Pause zu machen. Ich war jetzt zum Beispiel letzte Woche, letztes Wochenende, war ich auf einer Hochzeit, viel getanzt, viel rumgesprungen, gemacht, getan und habe am nächsten Tag, am Sonntag, abends wieder auf der Terrasse, schön die Sonne genossen und hab trainiert. Mit Gewichten und hab dann aber auch gemerkt, boah, eigentlich hast du gerade gar nicht so die Motivation und dein Körper sagt auch, ist jetzt nicht so gut. Und die Quittung habe ich hier die Woche auch bekommen, mir ging es nicht gut. Es war ein ständiges Auf- und Ab hier die Woche. Und da ist mir dann auch wieder sehr in den Sinn gekommen, dass du einfach auch Pause dafür brauchst und auch mal Abstand nehmen musst, um zu reflektieren, um klar denken zu können und um handeln zu können. Ja. Und ganz, ganz wichtig, ich meine, da reden wir ja schon die ganze Zeit drüber, mit dir zu arbeiten und schlauer zu werden in dem mentalen Spiel. Und das permanent den ganzen Tag über anzuwenden. Egal bei was, egal wie, egal wo. Und das ist auch zum Beispiel das, was ich dann nochmal nach dem Spreewaldring in die Gruppe reingeschrieben habe. Arbeitet immer an eurer Blickführung. Egal wo, egal bei was. Ob es jetzt beim Spazieren gehen ist, oder sagen wir mal, Augentraining zum Beispiel, nah, fern, ganz schnell hin und her abwechselndes, periphere Sehen und sowas. Das ist alles super wichtig, um das alles so schnell wie möglich zu verarbeiten, weil wenn du schneller wirst, musst du schneller verarbeiten können. Guck dir mal ein Onboard von Marc Marquezern oder sowas. Du kommst ja teilweise gar nicht hinterher. Nicolo Canepa zum Beispiel, wenn du, da siehst du es richtig geil. Da kannst du richtig schön die ganzen Onboards mit aufnehmen, weil das eine saugeile Qualität ist. Und da siehst du erstmal, wie schnell das alles ist. Und wie schnell du reagieren musst und wie schnell du wahrnehmen musst. Und da kannst du deine Augen trainieren, da kannst du deine Gedanken trainieren. Du kannst. Es ist alles permanentes Training. Egal bei was.
SPEAKER_01Informationsverarbeitung. Absolut. Absolut. Gerade die Augen. Schnelle Bewegungen, weil wir gucken den ganzen Tag auf irgendeinen Bildschirm. Unsere Augenmuskulatur wird wirklich richtig schwach. Und dann Augenbewegungen und das Fokussieren nach der Bewegung, das zu trainieren, ist auch ganz, ganz, ganz, ganz wichtig. Absolut. Bin ich voll bei dir.
SPEAKER_00Und ich trainiere auch, vielleicht ist das auch nochmal so ein kleiner Tipp für den einen oder anderen, wenn, weil ich habe jetzt meine Sehstärke, ist jetzt nicht so krass geschwächt. Also ich habe irgendwie 0,7 auf dem einen Auge ein bisschen mehr als auf dem anderen. Und ich fahre immer ohne Brille Motorrad, weil die Brille stört. Du guckst immer jetzt, ich gucke immer irgendwo gegen den Bügel, bei jeder Brille geht's. Aber auf Motorrad, wenn ich jetzt, ich gucke immer permanent drüber oder halt oben gegen den Rand. Und das ist dann halt saudof. Von daher trainiere ich auch einfach ab und zu mal die Brille abzulassen, mal an Tag, mal zwei Tage vielleicht auch, am Wochenende meistens. Und ja, ohne Brille klar zu kommen. Weil ich muss ja jetzt auf dem Motorrad nicht irgendwas lesen können. Ich habe Brille, um gut lesen zu können, um auf dem Bildschirm gut zocken zu können, zum Beispiel. Das ist dann halt auch so ein Ding. Das sind so Kleinigkeiten, die dich am Ende des Tages nach vorne bringen, besser machen und ja, um das vielleicht einfach mal so zu sagen, einfach mal das Hirn einschalten und zu überlegen, was kann ich besser machen, damit ich besser werde. Also permanent an einem selbst arbeiten. Ich könnte stundenlang weiter reden.
SPEAKER_01Ja, ich merke schon. Ich merke schon. Wir könnten auf jeden Fall noch drei Episoden füllen. Aber ich glaube, wir müssen langsam zum Schluss kommen.
SPEAKER_00Wir können ja Teil 2 machen, wenn du willst.
SPEAKER_01Wir können sehr gerne einen Teil 2 machen. Auf jeden Fall freue ich mich total drüber. Weil wir werden ja auch diese Saison weiter zusammenarbeiten. Das nächste Rennen steht ja dann in ein paar Wochen auch schon wieder an.
unknownJa.
SPEAKER_01Weil das ist auch schon wieder so weit.
SPEAKER_00Ja, 14 Tage.
SPEAKER_01Ja. Deshalb, es wird neue Erkenntnisse geben und vor allem aller Spätestens dann, wenn du dein Ziel erreicht hast, wollen wir dich natürlich nochmal anhören und hören, was du zu erzählen hast. Ich bin mir auch ganz sicher, dass ganz viele Spreewaldring-Teilnehmer sich riesig darüber freuen, mal mehr von dir hören zu können, weil die waren alle sehr begeistert von dir, wie gesagt.
SPEAKER_00Ich kann mir das, sorry, aber ich kann mir das gar nicht so vorstellen, dass dann die Leute dann so begeistert so davon sind.
SPEAKER_01Ich kann dir Screenshots schicken.
unknownEcht?
SPEAKER_00Oh ja, bitte.
SPEAKER_01Ich kann dir Screenshots schicken. Ja, nee, das holen wir dann nochmal nach, aber ich glaube, jetzt haben wir schon mal eine ganze Menge coole Infos. Ist ja auch immer spannend, sag ich mal, das direkt von dem Rennfahrer zu hören. Genau. Aber gibt es noch eine Sache, wo du sagst, das ist die eine Sache gewesen, die dir über die letzten Jahre geholfen hat? Oder gibt's, oder ist es wirklich die Kombination aus ganz vielen kleinen Dingen?
SPEAKER_00Glaub an dich selbst. Das ist das Wichtigste. Und wenn ich das gerade so sage, ich bin gerade kurz davor zu heulen, also ich glaub immer an dich selbst. Du bist die treibende Kraft und du bist der einzige Mensch in deinem Leben, der gut, es gibt viele Menschen in deinem Leben oder hoffentlich, die dir was Gutes wollen, aber du bist derjenige, der für dich das Beste rausholen kann. Klar, mit Hilfe, aber du musst an dich glauben, du musst sagen, es geht weiter. Wenn du aufgegeben hast, wird keiner zu dir kommen und sagen, mach weiter, mach weiter. Es wird niemand jeden Morgen aufstehen und zu dir sagen, mach bitte weiter. Irgendwann geben die anderen Leute dich nämlich auch auf, weil wenn du selbst aufgibst, hast du verloren. Also glaub an dich. Das ist das, was mich immer weitermachen lässt, weil ich immer permanent an mich glaube und ich weiß, dass ich meine Ziele erreichen kann, auch wenn es noch so lange dauert. Das ist mir komplett egal. Natürlich, umso schnell, schneller, umso wenn es schneller geht, desto besser ist es. So. Keine Ahnung, aber umso schneller, desto besser. So rum. Aber nimm dir deine Zeit und glaub einfach an dich. Und bekomm den Arsch hoch.
SPEAKER_01Ja.
SPEAKER_00Ja.
SPEAKER_01Das ist ein perfektes Schlusswort. Absolut. Perfekt. Ich freue mich drauf, die nächste Episode mit dir zu machen und dann die neuen Erkenntnisse zu hören. Und ich freue mich natürlich auch auf unseren nächsten Coaching-Termin. Müssen wir gucken, ob wir das in den nächsten zwei Wochen nochmal unterkriegen.
SPEAKER_05Ja.
SPEAKER_01Dass wir uns nochmal sehen. Ansonsten vielen, vielen, vielen Dank, dass du die Zeit genommen hast und das alles erzählt hast und so weiter. Und natürlich auch vielen, vielen Dank fürs Zuhören.
SPEAKER_00Sehr gerne. Und danke, dass ich dabei sein durfte.
SPEAKER_01Ja, sehr gerne. Also bis zur nächsten Episode. Ciao.
SPEAKER_00Ciao.