expectations - geplant und ungeplant kinderfrei
Rahel (geplant kinderfrei) und Katrin (ungeplant kinderfrei) diskutieren zu zweit oder mit Gästen über den Alltag ohne Kinder. Die Freundinnen schlagen eine Brücke zwischen denen, die bewusst keine Kinder haben, und denen, die nicht geplant hatten, ohne Kinder zu leben. Die beiden Seiten haben mehr gemeinsam als der erste Blick vermuten lässt. expectations bricht Tabus, klärt auf und interviewt geplant und ungeplant Kinderfreie sowie Expert:innen. Expectations macht die leisen Geschichten lauter. Offen, inklusiv, gesellschaftspolitisch relevant.
expectations - geplant und ungeplant kinderfrei
#68 Zum Tag der ungewollt Kinderlosen
Use Left/Right to seek, Home/End to jump to start or end. Hold shift to jump forward or backward.
Sichtbarkeit ist kein Trost, aber ein Anfang
In der Schweiz ist rund jedes sechste Paar von einem unerfüllten Kinderwunsch betroffen. Dennoch sagen viele Betroffene, sie kennen niemanden mit ähnlichen Erfahrungen; statistisch gesehen ist das fast nicht möglich. Dieses Schweigen macht einsam, verstärkt Scham und nimmt genau das, was am meisten hilft: gesehen werden.
In dieser Folge sprechen wir über die unsichtbare Trauer, die sich kaum greifen lässt. Es fehlt nicht nur ein Kind – es zerbricht eine ganze Zukunftsvorstellung: die Fantasie eines Familienalltags, Rollenbilder und Lebenspläne. Eine Trauer, die oft einsam bleibt, ohne gesellschaftliche Anerkennung.
Wir sprechen auch über den Unterschied zwischen Mitleid und Mitgefühl, was Betroffene wirklich brauchen und warum gut gemeinte Tipps oft mehr schaden als helfen.
Wir wünschen uns für diesen Tag Mitgefühl, Offenheit und Sichtbarkeit. Sichtbarkeit ist zwar kein Trost, aber ein Anfang.
Shownotes
🎈 Sommerevent am Sa, 18. Juli 2026
👛 Werde Supporter:in, Freund:in oder BFF von Expectations 🙏
*****
Hat dir diese Folge gefallen? Dann kommentiere sie und abonniere den Podcast überall dort, wo du Podcasts hörst: Apple, Spotify, Deezer, Pocket Cast oder auch Youtube. Du findest uns auch auf Facebook und Instragram. Ein «Like» freut uns ungemein und hilft anderen, «Expectations – geplant und ungeplant kinderfrei» besser zu finden.
Gemeinsam mit dir machen wir die leisen Geschichten lauter und machen so den kinderfreien Alltag sichtbar! Expectations bricht Tabus, klärt auf und interviewt geplant und ungeplant Kinderfreie und Expert:innen. Offen und inklusiv, gesellschaftspolitisch relevant.
Welcome And How To Support
SPEAKER_01Expectations, plant und plant kindfrei.
SPEAKER_00Herzlich willkommen zur 68. Folge Expectations. Ich bin Katrin 46 und plant kindrei.
SPEAKER_01Und ich bin Rahel 41 Plant Kinderfrei. Wir sind ein unabhängiger Podcast in dem wir unsere Freie Zeit mit viel Herzblut für euch produzieren.
SPEAKER_00Um uns finanziell zu unterstützen, könnt ihr ab sofort Supporterin, Freundinnen oder PFF von Expectations werden. Als Freundin und PFF bekommt ihr Vergünstigungen auf diverse Events, die wir diese Art organisieren.
Two Awareness Days Explained
SPEAKER_01Alles zu den verschiedenen Arten, wie wir uns unterstützen könnt, das findet ihr auf expectations.ch.support oder via dem Link in den Shownotes. Merci vielme von Herzen.
SPEAKER_00Wir widmen die heutige Erfolge im Tag der ungewollten Kinderlosen. Das ist am 16. Mai. Ein Thema, das mir ganz besonders am Herzen liegt. Und Trahel und ich haben lange hin und her überlegt, ob ich diese Erfolgsell allein mache. Und wir sind zum Schluss näher.
SPEAKER_01Ich muss sagen, meine erste Aktion war zwar schon gesehen, ja, was ich als Plan kindrei ja schon zu dem Thema Unquote Kinder los sagen. Der Reflex kennen wahrscheinlich viele von euch bei ganz anderen Themen. Man denkt, ja, was kann ich zu etwas dazu beiträgen, was zählt schon meine Meinung? Wir bekommen das auch bei unseren Gästen, dass wenn wir sie für unseren Podcast anfragen, dass sie sagen, ja, meine Geschichte ist doch nicht so interessant, was kann ich da schon sagen. Aber eben, unser Podcast gibt es ja genau aus dem Grund, weil wir etwas bei unserem eigenen Gärtnere auch rauskommen.
SPEAKER_00Und wir haben ja damals, als wir lanciert haben, schon gewusst, von außen sieht man uns ja nicht da, ob wir plant oder unplant hinterfrei sind. Auch wenn wir unplant in der Freien eigentlich das Gefühl haben, dass uns das Mitst auf den Stirn geschrieben steht.
SPEAKER_01Wir haben definitiv mehr gemeinsam, als wir denken. Das ist schon in der Vorbereitung auf die Folge uns die letzten Woche wieder mal sehr, sehr klar worden. Darum sind wir heute beide da.
SPEAKER_00Und ich habe mir zu der Vorbereitung auf diese Folge recht viel Druck gemacht, weil mir das Thema so fest am Herzen liegt und es mir wichtig ist, dass ich etwas möglichst tiefsinniges sage. Und vielleicht ist genau hier das Problem. Wir suchen immer die richtigen Worte für etwas, das noch viel zu wenig darüber geredet wird. Also fangen wir einfach mal an.
SPEAKER_01Wir werden gerade am Anfang, zur Einordnung, schnell zwei Daten erklären. Und zwar gibt es zwei Tage, wo sich um die Kinderfreiheit und Kinderlosigkeit drehen. Wird vielleicht gerne ein bisschen verwechselt. Es geht am Ende der 1. August. Das ist zwar in der Schweiz in unser Nationalfertigung, aber das ist auch der Internationale Tag der Kinderfreien, International Child Free Day. Dort geht es vor allem um die Menschen, die sich bewusst gegen Kind entschieden haben. Und dann der 16. Mai, der Tag der Ungewollten Kinder hören, gehen die Menschen im Zentrum aus den unterschiedlichsten Gründen, kenne ich Kind bekommen, um sie geht es heute.
Peer Support For Fertility Struggles
SPEAKER_00Genau. Und für die, die zum ersten Mal in unserem Podcast hinein hören. Ich bin selber unplant kinderfrei und habe vor etwa einem Jahr den Verein Kinderwunsch Peer Support gegründet mit Madeleine Bernett zusammen. Wir zu ihrer und zu ihrer Forschung finden wir übrigens in der Folge 15 und 54. In diesem Verein bieten wir Menschen, die einen unerfüllten Kinderwunsch haben, ein Gespräch auf Augenhöhe an. Unsere Peerpersonen sind alles freiwillige Menschen. Sie sind nicht Expertinnen oder Coaches oder Psychologinnen, es sind einfach Menschen, die einen unerfüllten Kinderwunsch haben. Viele davon haben Reproduktionsmedizin in Anspruch genommen, aber nicht alle. Die Menschen, die Unterstützung suchen, können uns über unsere Webseite wxpectations.ch slash Kinderwunsch Peer Support melden. Über diesen Verein habe ich in den letzten Monaten sehr viele Gespräche mit Frauen geführt, die einen unerfüllten Kinderwunsch haben. Es kommt immer wieder das gleiche Thema auf, das mich doch recht schockiert. Und zwar fast jede Frau, mit der ich rede, kenne ich niemanden, der auch durch Infertilität geht oder eine Behandlung gemacht hat. Rein statistisch gesehen ist es fast nicht möglich. In der Schweiz sind rund jedes sechste Paar kinderlos oder von ungewollter Kinderlosigkeit betroffen. Das ist nicht einfach so eine Randnotiz. Das hätten wir eigentlich alle irgendjemanden im Umfeld kennen. Es sind Freundinnen, Nachbarinnen, Arbeitskolleginnen, Geschwister oder sonst irgendwelche Leute. Trotzdem wird einfach noch viel zu oft geschwiegen, weil es weh tut, weil wir uns leider immer noch zu fest dafür schämt. Und weil unsere Gesellschaft wahrscheinlich auch noch nicht wirklich einen guten Umgang damit gefunden hat.
SPEAKER_01Es fängt sich noch schwierig, wie sollen wir einen Umgang finden mit der Kinderlosigkeit, mit der ungewohnten Kinderlosigkeit, wenn wir ja nicht darüber reden sollen. Ich denke, wenn ihr nicht sichtbar ist. Es ist so unsichtbar. Wenn wir nicht darüber reden, ist ja etwas unsichtbar. Und die Unsichtbarkeit macht ja etwas auch mit uns Menschen. Das heisst, wir fühlen uns nicht wahrgenommen, wir fühlen uns nicht gesehen. Und umso mehr haben wir das Gefühl, wir können nicht darüber reden. Es ist ein A-Thematik.
SPEAKER_00Genau. Und durch das, dass wir uns nicht sehen gefühlt, haben wir ja auch das Gefühl, dass wir die einzigen sind, die das vielleicht durchmacht. Und das stimmt einfach nicht. Die Zahlen sagen etwas ganz anderes. Und da ist mir auch noch wichtig zu sagen, dass es nicht darum geht, dass jede Person, die durch das Durchgeht, über ihren Schmerz reden muss und dass man alle Betroffenen dazu zwingt, ihre Geschichte zu erzählen. Aus meiner Erfahrung gibt es vor allem bei den Frauen ein grosses Bedürfnis, sich mitzustellen, sich auszudauschen, Erfahrungen auszudauschen. Auch das gibt es schon Sichtbarkeit, wenn man das im Eis-zu-Eis-Austausch macht und wenn man zum Thema Raumgeht. Genau das werden wir heute machen, diesem Thema Raumgehen. Einerseits den Menschen, die in einer Fertilitätsbehandlung stecken, sagen, ihr seid im Fall nicht die einzigen, ihr seid nicht allein. Die Menschen, vor allem Frauen, die versuchen, das Kinderthema oder den Kinderwunsch loszuladen, sollen wissen, es gibt noch andere, die es geschafft haben. Und auch wenn ihr jetzt gerade noch nicht wüsst, wie es weitergeht, mir ist es genau so gegangen. Aber irgendein fühlt sich das Leben nicht so schwierig an. Irgendein wird der Kinderwunsch etwas leichter. Es tut irgendein nichts weh. Das braucht Zeit und wie viel Zeit braucht, das ist halt sehr, sehr individuell. Wir müssen auf jeden Fall trauen und wir dürfen auch trauen.
The Hidden Scale Of Infertility
SPEAKER_01Ich habe hier gerne einhaken zum Thema Trauer. Wenn wir sicher, was können wir von Angel lernen oder wo haben wir Gemeinsamkeiten? Mir ist das Thema Trauer sehr nahe, aus meiner eigenen Nicht-Kinderwunsch-Thematik. Wir könnten jetzt meinen, Trauer gehört nur zu den Ungewaltkindern hören. Ich würde aber sagen, aus meiner Erfahrung, Trauer gehört in jedes Leben und so gehört es auch in ein Leben, wenn man einen nicht Kinderwunsch hat. Mir war das so gewesen, dass ich vor allem Trauer gespürt habe, wo ich für mich wirklich eingerstehen kann, dass ich dort nicht Kinderwunsch habe. Ich habe darüber Trauer, dass die einen anderen Weg gehen als meine Freundinnen, die sich für eine Elternschaft entschieden haben. Da habe ich definitiv die Trauer gespürt. Es sehr koppelt auch so Lebensentwürfe an Iditätsfragen. Also es sehr koppelt auch mit, was bin ich? Und ich denke, die Identitätsfrage, das ist ein Schwierigeswort, werden wir sicher auch noch darüber reden, weil das sehr elementar bei dem Ganzen. Aber ja, die Trauer gehört uns allen, würde ich sagen, und gehört ja oben zum Leben.
SPEAKER_00Ja, genau. Und ich hatte gerade gestern wieder mit jemandem ein Gespräch, wo es auch um die Trauer gegangen ist. Und ich glaube, da haben wir beide, also du und ich, das Gefühl, dass jedes Mal, wenn jem ein Kind bekommt oder schwanger wird, aus unserem Club austritt oder unser verladt. Und dass wir, auch wenn wir unseren Club eigentlich recht gut finden, es hat sich aber jemand gleich wieder für das andere entschieden. Und das tut weh.
SPEAKER_01Aber es ist nicht so, wie wir es andere verurteilen oder unser Leben nicht gut finden, sondern es ist ja mehr, weil uns halt etwas näher damit gemacht. Also rein, die Person verändert sich, also unsere Beziehung verändert sich und es ist auf der Beziehsebene, wo sie weh tut, wo man halt Verlust wahrnimmt.
SPEAKER_00Ja, genau. Und betreffend Trauer würde ich gerne noch auf einen anderen Punkt eingehen. Und zwar habe ich vor kurzem einen Kurs gesucht an der Berner Fachhochschule besucht, in das um einen unerfüllter Kinderwunsch gegangen ist. In einem dieser Kurs gab die Psychologin und Sozialarbeiterin Petra Thorn, die sich auf das Thema Infertilität und unerfüllter Kinderwunsch spezialisiert hat, etwas gesagt hat, das mich recht mitgenommen hat. Und zwar gang es um ein Lebensereignis gegangen, das der Mensch als besonders einschneidend erlebt hat. Sie hat so wie ein Podest mit drei Positionen und an oberster Stelle, am eingeschneidendsten, auch ein schwieriges Wort. Gibt es die Verlust von einem Partner oder meinem Kind. An zweiter Stelle kommt eine Trennung oder eine Scheidung. Und an dritter Stelle kommt eine Unfruchtbarkeit. Das hat mich überrascht und er nähert. Ich habe die Unfruchtbarkeit an mir selber erlebt und weiss, wie extrem eingeschneidend war. Und gleichzeitig habe ich mir das, glaube ich, auch nicht so zugesprochen. Und das war eine schöne Art einer psychologischen und wissenschaftlichen Anerkennung. Ja, es ist schlimm. Ich bin nicht die Einzige, der das ganz schlimm findet. Die Wissenschaft sagt das. Überraste ich das.
SPEAKER_01Dass die das beruhigt oder dass es auf dritter Stelle ist. Weit es gerade. Zuerst kann ich das nicht nachvollziehen. Ja, es hilft immer, wenn man etwas so sagt, man ist nicht allein, aber man so schwarz auf weis hat. Also von dem man das kann ich nachvollziehen. Das andere, das an dritter Stelle ist, bin ich ein bisschen bei dir irgendwie überrascht, wieder was man vorhin gesagt hat, es ist nicht sichtbar. Obwohl es ja eigentlich sollten ja alle jemanden erkennen, weil sie so unsichtbar ist. Dann denke ich mir, ich kann, dass sie auch nicht so den Stellenwert haben oder schwere. Und gleichzeitig überrascht es mich aber auch nicht, weil ich jetzt in all diesen Jahren mitbekommen habe, wie krass, dass das Thema sein kann und wie weit die auch noch. Wir reden sehr viel von Frauen, weil sie halt die Behandlungen über sich lernen müssen. Wie weit Frauen gehen körperlich, mental um noch zu Kind zu bekommen. Und dass wenn das nicht klappen, dass das einfach wirklich mega, mega, mega schlimm ist. Also von dem her näher nicht so überraschend, muss ich sagen.
SPEAKER_00Auch so, dass schwarz auf weiß noch so.
SPEAKER_01Ja, und ich find es schön, dass du es sagst. Es anerkennt die Schwere. Platz 3. Und eigentlich, wenn man so weh, der erste Platz ist auch Verlust von Partner und King. Also wenn wir jetzt je nachdem, wie es betrachtet, zu welchem Zeitpunkt du das King verlierst, kannst du auch sagen, es ist eigentlich stört ja auch schon etwas das Unfruchtbare, oder dass etwas vorhanden gewisse Komponenten. Es ist ja wirklich, es ist sowohl etwas auf Platz 1 zu finden wie auf Platz 3, ganz klar. Es ist ein schweres Ereignis.
SPEAKER_00Und die Psychologin hat es dort so formuliert, wenn ich kein Kind bekomme, stirbt meine Zukunft. Und es geht ja eben nicht nur um das Kind, um das lebendige Kind oder um den Fötus, den man vielleicht bei einer Fellgeburt verliert. Aber es gibt auch ganz viele Frauen, die gar nicht schwanger werden. Aber auch für sie, es stirbt eine Vorstellung, eine Fantasie der Zukunft und die muss angepasst werden. Für das braucht es aber genau eine Trauerphase. Jeder, der mal einen Kinderwunsch hat, weiss, wir machen uns so tausend Gedanken um ein ungeborene Kind. Wie sieht das Familienleben aus? Wie sieht meine Jobsituation aus? Wie weiss ich schon, wer Gott, wie das Kind heißen sollen, wie sieht meine Ferien aus, und so weiter und so fort. Und dann kommt nichts oder ein Kund kurz mit einer Schwangerschaft und geht wieder mit einer Fallgeburt. Was ich auch noch verband gefunden habe, ist, in der Psychologie nennt man das, dass der unerfüllte Kinderwunsch ein Nicht-Thema. Unglaublich.
SPEAKER_01Ja, nicht das Thema. Falls ihr das noch Lust hättest zu nachhalten mit Folge 45, mit der Hebamme hast du Anna Margareta nehmen. Es ist die Rubegleiterin, aber hat sie gesagt, dass es mit Nicht-Thema gemeint hat, dass etwas von außen unsichtbar ist und das für die anderen halt nicht so greifbar ist. Aber wenn das Wort Nicht-Thema gehört, ist wirklich einfach, es ist so wie Weiss oder Schwarz. Also wir haben jetzt Lehrer. Es ist schlichtweg leer. Und es ist so brutal, wo sie schon so mehr ist schon so das Gegenteil von nichts. Wenn sie schon so viele Emotionen hat. Was du gesagt hast, Katrin, wir haben so eine Fantasie im Kopf, man hat ja Vorstellungen davon, man hat ja Erwartungen davon, wie ist das mein Leben mit dem Kind? Und das ist das, was ich meinte mit Identität oder die Identität, die ja da irgendwie verloren geht und man muss neu aufbauen. Und jetzt in einem Fall auch mit dieser Trauer die Identität von, hey, wie gesagt, mein künftiges Leben muss sich auch mit diesen Freunden in meinem Leben. Aber wenn die sich für die Elternschaft entscheiden muss, ist insofern meine Identität oder meine Zukunftsvision, mit dem ja auch tangiert. Das ist ja nicht so, dass die existiert ja in Kombination mit meinem Umfeld. Wenn sich das natürlich anders entscheidet als ich, dann muss ich meine Identität auch wieder anpassen. Auch da ist, ich glaube, wir kennen das alle, egal von welcher Seite, dass wir das angehen.
SPEAKER_00Ja, und vielleicht sogar auch die Identität der Beziehung. Was macht das mit uns als Paar? Passt das irgendwie noch zusammen, wenn wir das so auch dort hat man ja irgendwie eine gewisse Identität?
Grief Identity And Lost Futures
SPEAKER_01Also Barbeziehung, also die romantische Barbeziehung, genau. Die platonische Barbeziehung. Aber nochmals komme ich zurück zu dem Nicht-Thema, aber auch dass das so nicht sichtbar ist. Ist ja auch, wie sieht der Prozess, der inner ihrer Person abläuft, ja nicht. Aber es gibt ja auch im Vergleich zu schon, sagen Sie mal, Todesfälle. Wenn wir jetzt das klassische Beispiel nehmen von Trauer, es ist ein Todesfall. Da gibt es Beerdigung, je nachdem gibt es eine Auffarung, man kann die Person verabschieden, aber es gibt eine Beerdigung. Es gibt irgendwas Graves, was man ankommt, es wird ja irgendwo das Wort manifestieren. Es ist ja irgendwo physisch. Jetzt kann man da irgendwo teilnehmen. Und das andere ist aber ja, wenn du es früher verlierst, dann ist ja etwas wie von uns nicht gesehen. Das passiert ja in dir drinnen, in deinem Körper, es ist sehr privat, was viele gar nicht gewusst. Es ist so nicht sichtbar.
SPEAKER_00Und gleich wählen ja sehr viel Ritual, um sich von dem Kind verabschieden. Von vielen Chühren, die ein Bäumchen gepflanzt haben oder eine Blume oder so und dann wie auch ein gleich ein Ort haben oder so etwas haben, was sie sich daran erinnern. Ich habe auch ein Ritual gemacht, aber nicht mit Pflanzen, sondern wir haben einfach etwas wie Briefe geschrieben an die ungeborenen Kinder und dann die Logat, in dem, was wir es verbrönt haben, schau.
SPEAKER_01Aber es ist ja genau das, was man sagt, in der Trauerin, dass es ja irgendwo greifbar werden muss. Du kannst es ja nie nicht lagen, oder? Also kannst du sie nicht verarbeiten.
SPEAKER_00Ja, genau. Aber das sind wieder Rituale, wo man für sich selber oder vielleicht in der Partnerschaft macht, vielleicht im ganz, ganz engen Freundeskreis oder mit den Eltern noch. Aber ich glaube, für den breiteren Freundeskreis ist das alles nicht sichtbar. Es gibt kein gesellschaftliches Ritual für so etwas. Fennst du es sinnvoll, dass es gibt?
SPEAKER_01Grosse Frage.
SPEAKER_00Das weiss ich nicht, aber dass man in den spontanen Sinn kommt, zumindest ein paar Tagen krank geschrieben vom Arbeitgeber nach einer Fellgeburt. Die meisten ÄrzteInnen möchten das ja schreiben einem krank. Aber ich finde, dass man das auch offener kommunizieren kann und nicht wie ich das damals gemacht habe mit der Magadarbegriff. Es war in der gleichen Region im Buch.
SPEAKER_01Ja, fast das gleiche Organ, fast knapp daneben. Es ist etwas, wo du das sagst, ich finde das so beschämend. Ich finde es so beschämend, dass du eigentlich den Weg müssen wählen. Um zu sagen, ja, es ist ja ein Magendarm. Ich finde es mega schlimm.
SPEAKER_00Ich habe es ja nachher offen gesagt, aber dass das Frauen nicht machen, verstehe ich schon auch, weil es immer noch eine Gefahr damit verbunden ist. Dass nachher dieser Arbeitgeber weiss, aha, die versucht gerade eine Familie zu gründen. In diesem Fall fällt die spätestens in einem Jahr sowieso aus. Also geben wir diesen jetzt nicht nur irgendwie das Projekt, obwohl das sie eigentlich super wäre. Ich danke jeder Frau, die offen mit diesem Thema umgeht, auch in der Arbeitswelt als Hoffnung, dass es sich vielleicht irgendeinen ändert.
SPEAKER_01Wir empfangen recht traurig, so wieder auch recht von dem Ungeborenen oder eben vor V-Geburt, aber es beinhaltet ja noch viel mehr, also im Verborgenen, sag ich mal, unsichtbaren abläuft, gerade wenn du Reproduktionsmedizin ja in Anspruch nimmst.
SPEAKER_00Ja, genau. Zum Beispiel halt die Spritzen, die man sich jeden Abend oder jeden Morgen setzen muss, das macht man ja nicht im Zug oder im ÖV. Oder die ganze Wartezeit nach einem Geschlechtsverkehr oder nach einem Einsprung, so kommt es gut oder nicht gut. Oder ja, wenn man vielleicht mal auf dem Weg zur Arbeit brühle, weil die andere Arbeitskollegin schwanger. Oder wenn man einfach mal hässig und traurig ist, weil wieder mal der ganz busvollen Kinderwagen steht. Ich glaube, da geht ganz viele ab, wo andere nicht mitüben. Und so einen Trauerprozess ist mega individuell. Es gibt keine vorgeschriebene Länge. Die einen brauchen Monate, die anderen Jahre. Manchmal hat man das Gefühl, man ist jetzt über eine und dann kommt vielleicht irgendwie das Geburtskärtchen für ein Kind, das eine Dieadung für eine Geburtstagsparty für ein Kind, das ähnlich alt ist, wie das, was man selber bekommen hatte, und dann trifft es einem wieder genau gleich.
SPEAKER_01Es gibt ja die berühmten fünf Trauf-Phasen von Elisabeth Kübler-Ross, wo sagt, man tut zuerst Lügen, wir haben seine Hessung, gestern der Moment, wo man doch langsam fängt, einen Weg damit zu finden, es ging so verhandeln. Dann kann man nochmal in eine Depression kommen, beziehungsweise es ist sehr, sehr schwer, bis man dann irgendwo landet, dass man das eingestehen. Zu diesen fünf Phasen, die Kübel Ross, die Frau hat die Phase nicht aufgestellt, es geht um ein Eigentod, also um sein Eigentod. Es ist dort nicht um den Tod und jemanden stirbt und Pranger, sondern um den eigenen Umgang mit der eigenen Vergänglichkeit. Mittlerweile wird es aber angewendet, allgemein um Verlust geht, dass wir uns schnell klammern. Warum wir das auch noch etwas eingehen, ist, Trauerphasen, wie wir verarbeitet. Auch kann ich sagen, aus eigener Erfahrung, was meinen Nicht-Kinderwunsch anbelangt, aber auch wirklich von Todesfall meinen zwei Grossvätern, die recht in kurze Zeit hingehen. Die Phase ist nicht eine Reihenfolge, wo man schön eins nach dem anderen abarbeitet und dann ist man wieder selig, dann ist alles wieder gut. Nein, das sind verschiedene Phasen, die sich abwechseln und wieder von vorne anfangen und einfach manchmal schon miteinander zusammenkommen. Was eh so realisiert habe zu diesen Jahren, die ich doch mit der Trauer konfrontiert waren und gemerkt, da bin ich am Trauren. Das Wichtigste ist, dass ich das zugleich habe, dass sie sagen, es ist schlimm, es tut mir weh. Da ist die Traum herum, viel, viel besser, als sich wegstoßen, die unangenehmen Gefühle, wo der Baumrang, der kommt zurück. Definitiv, er wird zurückkommen. Und darum habe ich gesagt, bei meinem zweiten Grossvater, der gestorben ist, jetzt hätte ich etwas Angst, das kann ich von ihm vorher noch verabschieden können, also noch richtig gesehen, das er noch gelegt hat. Sehr bewusst gestaltet. Jetzt merken wir, dass ich viele Fotos von ihm umstehen und mein Speerbild auf dem Handy ist mein Grossvater und mit meinem Gross zusammen, wo ich als Klein bin. Sie sind auch visuell näher bei mir und hat es mehr zugelegt, dass das einfach das hier ist und dass sie auch immer sind. Und ich glaube, das kann sicher helfen, dass wir dieser Trauer herumgeben und es nicht einfach wegschieben. Würde ich sagen, ja. Es war sogar gespannt von Katrin. Ich bin vor der Woche bei meiner Mami gesehen. Und habe erzählt, dass wir eine Folge aufnehmen zum Thema Unterfüllt Kinderwunsch. Und zum Thema Trauer hat sie mir gesagt, sie habe ich gerade von letzter Zeit gelesen. Dass sie in einer Nachbargemeint, in der ich aufgewachsen bin, haben sie auf dem Friedhof einen Platz eingerichtet für sogenannte Sternenkins, also, die vor, während und kurz nach der Geburt verstorben sind. Also, dass sie wirklich an Ort visuell irgendwo einen Platz überkommen, wo die Leute angehen trauen können, das ich mega schön finden kann.
SPEAKER_00Ja, das finde ich mega schön, habe ich ja schon gehört. Was mir jetzt vor der noch durch den Kopf ist und das habe ich dich gar nie gefragt, hast du auch irgendein Ritual gehabt, um dich von deinem Nicht-Kinderwunsch um den irgendwie loszuladen und zu sagen, nein, es ist gut so.
SPEAKER_01Oh wow, wir machen keine grosse Augen. Jetzt hast du mich nie gefragt und die Frage ist definitiv jetzt spontan gekommen. Also hätte ich mich vorbereiten. Hey, nein, nicht. Vielleicht, jetzt habe ich ganz schnell ein bisschen wild denken, vielleicht war der Podcast mein Ritual. Oder ist mein Ritual. Beziehungsweise das äußeren am Telefon bei dir, dass wir das mega beschäftigt. Und dann hat die Idee mit dir zusammen, dass wir den Podcast machen, ist vielleicht mein Trauerritual. Würde ich jetzt mal so in Raum stellen.
SPEAKER_00Aber mir sicher auch in das Ritual oder in Verarbeitungsprozess.
SPEAKER_01Oder etwas muss sich hasse das Wort manifestieren, aber ich sage es jetzt wieder, aber es ist eigentlich das, was sie aussieht. Wenn etwas sich manifestiert, das bekommt eine Form. Und ich glaube, so ein Gefühl, wenn man sagt ja viele Jahren, die müssen zum Beispiel malen oder Musik machen. Es muss irgendwo von innen rauskommen und so in die materielle Welt irgendwie kommen. Das ist sehr spirituell, sorry, aber es ist am Ende von mir das. Oder dass es irgendeine Form bekommt, die greifbar wird und der Podcast ist halt etwas, das greifbar ist. Ich anlenke hören können. Und er ist für andere ja zugänglich. Also ist ja außerhalb von mir.
Rituals Work And Social Silence
SPEAKER_00Ja, genau. Wir lösen das Thema jetzt noch da, bis noch irgendwie tausend andere Fragen in Sinn. Ist gut, ist gut. Ja, es steht ja auch mit dem Tag der ungewollten Kinderlose. Also ein bisschen die Frage immer um, wie geht man mit diesen Leuten umgehen oder was wünschen wir uns für den Tag? Ich würde mir wünschen, dass wir anfangen, die Trauer ernst zu nehmen und dass es aber nicht um Mitleid geht, sondern um Mitgefühl zu zeigen. Den Unterschied ist, glaube ich, grösser als er tönt. Das Mitleid schaut sich von oben herab, wird trösten und auch weitergehen. Und das Mitgefühl stellt sich eher den Neben und kann auch aushalten. Und das finde ich eigentlich etwas mega Schönes.
SPEAKER_01Sehr, sehr. Und Mitleid haben immer eben auch noch so das Manko. Genau, genau. Eigentlich müsste sein. Man muss sich bemerken darum. Es tut mir leid, so dass du nicht bekommst. Und mitgefühlt ist einfach Anerkennung von dem, was ich ist. Und nicht werten von, was auch scheinbar nicht ist.
SPEAKER_00Ja, genau. Und es braucht man manchmal gar nicht so mega viel. Und das haben wir auch schon manchmal gesagt, es längert eigentlich oft. Es tut mir leid, ohne Schmerz, verzerrt, Gesicht, ohne Ratschlag, ohne Geschichte von jemandem, das man kennt, der vielleicht auch so etwas durchgemacht hat, sondern einfach mal zuhören und sagen, hey, ich höre dich, ich sehe dich, das längt.
SPEAKER_01Du hast auch eine Feine Grazie, wie es gesagt hat, nicht Mitleid. Oder dann sagen wir das Wort, es tut mir leid, hat ja wieder das Mitleid-Ding, aber ich glaube, dort macht es tonkeele Musik. Das ist ehrlich, wie du es sagst. Und einfach nicht Dinge so, so schlimm, es tut mir so leid, sondern einfach es tut weh auch.
SPEAKER_00Ja, wenn wir nochmal bei dieser Trauer ansetzen und auch zu der Sichtbarkeit. Was mir auffällt, ist, wenn man über das Thema reden oder auch wie die Medien darüber redet, geht es oft um extreme Schmerzensphase. Ich werde es diesen Menschen ja gar nicht absprechen. Ich weiss selber, wie schmerzhaft und wie traurig das so eine Phase ist. Aber ich glaube, es ist auch mega wichtig zu sagen, es gibt positive Entwicklungen rund um ein ungewohlt kindere Leben und auch die ihren Platz haben, um weitergehen können.
SPEAKER_01Ich meine, das ist ja genau die Lücken, die wir ja bei viel mit diesem Podcast und das, die dich ja sehr stark genervt, hat ja dazu gehabt, dass du dich nicht empfängst, die Geschichten. Dass wir zeigen, dass es dadurch ein Leben gibt, das gut ist. Du brauchst dann gesucht nach Perspektiven, nach Vorbilden, nach Menschen, die dir zeigen, ah, das könnte mir nicht auch noch gefallen. Das ist eigentlich etwas, das könnte mir für mich vorstellen. Aber ja, die Erfahrung gezeigt, sogar deiner Medienarbeit, wo du bist präsent war, dass dieser Fokus auf den Schmerz einfach irgendwie da musst du sofort entgegen haben, dass das nicht passiert. Ich frage mich, sind wir aus der Öffentlichkeit nicht parat, dass da noch etwas anderes sein ist. Ich weiß es auch nicht. Wir müssen doch vielleicht auch ein bisschen darauf Prozess durchmachen.
SPEAKER_00Ja, genau. Ich weiss es wirklich nicht. Ich bin auch jedes Mal ein bisschen irritiert und fast etwas beleidigt, wenn jemand so fest auf einen Schmerz konzentriert, den ich durchgemacht habe, weil ich strahle heute etwas anderes aus als noch vor sechs, sieben, acht Jahren.
SPEAKER_01Du siehst es ja aus dem, dass du so artikulierst, wenn du angefragt wirst und so, dann betonst du auch immer das. Dir ist das wichtig, dass das Positive, das Gute in deinem Leben ist.
SPEAKER_00Der Schmerz ist wie ein Song. Und ich weiss nicht, ob es manchmal so eine Art Unbeholfenheit ist der Medienschaffenden, dass man niemandem auf Füße trampen oder in ein Fettnerpflee länger und dass man darum nicht solche Fragen stellt, die richtige Zukunft gehen. Vielleicht hat es auch etwas, was juristisches weiss es nicht. Vielleicht funktioniert einfach Schmerz besser. Aber wer wird ein Portrait von jemandem lesen, das einfach von A bis Z nummer traurig ist, wo man das Gefühl hat, die Person stürzt sich demnächst irgendwie von Bau kannst du?
SPEAKER_01Ich kann mir so nicht so erklären, ich bin jetzt nicht überlegen, dass vielleicht auch da noch ist das, dass man ja diesen Schmerz anerkennen will. Also, ich glaube, im Versuch darin, dass man wirklich zeigt, dass das schmerzhaft ist, was wir jetzt auch sagen, dass wir das ja anerkennen, aber in dem Fall schon so ein bisschen darüber ausschießt, glaube ich, über das Ziel heraus. In dem, dass wir es ein Mega-Wott zeigen, dem den Raumgehen überboardet es. Und es ist nicht wirklich so ein Lös sich als, ja, wärst du, höchst suizidal.
SPEAKER_00Ja, genau. Und was mir im letzten Jahr auch wieder passiert ist, ich habe jemand an einem Apero kennengelernt, wo eine Diskussion ist gerade dort um Kinder- oder Kinderwunsch gegangen. Und dann hat mich eine Person sehr direkt gefragt, hast du Kind, also bist du ungewollt frei? Dann habe ich gesagt, ja. Und dann hat sie so, tut mir leid. Ui! Und meine spontane Reaktion war, einfach los zu lachen und zu sagen, hey, es geht mir im Fall gut im Moment.
SPEAKER_01Du hast dich gefragt, hast du gerade Schmerz? Also, hast du den gerade den Weg gemacht?
SPEAKER_00Also wir müssen nicht so vielleicht Zellen machen. Oh, sogar den Hexenschuss. Das schmerzverzehrte Gesicht. Ich habe gedacht, nein, aber die Grenze zwischen Mitgefühl und Mitleid ist so fein.
SPEAKER_01Aber in dieser Situation, du sagst, du hast schon Dinge so etwas entgegen. Hast du dir etwas Gefühl, dass du dich rechtfertigen für dein Glück, für deine Zufriedenheit in deinem Leben muss, irgendwie habe ich das immer wieder mal das Gefühl.
SPEAKER_00Ich weiss nicht, ob das jetzt einfach an mir liegt. Aber ja, ich habe öfter das Gefühl, dass die Leute mir das nicht so ganz abnehmen, dass ich glücklich bin mit dem, das ich jetzt habe. Vielleicht auch im speziellen Umfeld, aber dass ich meinen Kinderwunsch nicht erfüllen kann, das ist irgendwie wie so etwas Risikes, habe ich das Gefühl, für andere Menschen. Und ich habe öfter mal so das Gefühl, dass ich mich rechtfertigen muss, dass etwas Ungläubiges mitschwingt, dass ich jetzt trotzdem glücklich werden kann. Und wie, dass das überhaupt möglich ist und wie, dass das passiert ist.
SPEAKER_01Hast du das gut? Du wirst etwas oft reduziert. Also du bist einfach die, die kein King haben.
SPEAKER_00Ja, ich hoffe es nicht, aber ja, vielleicht ist das manchmal so. Und das, dass von mir ja diesen Podcast haben und ich noch den Kinderwunsch Peers-Upport habe, kann ich schon verstehen, wenn man von außen ein Gefühl hat, ich beschäftige mich mega intensiv mit dem Thema. Also was ja auch ist. Was ja auch ist, aber es tut eben nicht weh.
SPEAKER_01Das könntest du es ja gar nicht machen.
SPEAKER_00Ich könnte es nicht machen, ja.
SPEAKER_01Ich glaube, das ist ja auch ein Prozess, der passiert ist. War die Gespräche, die du jetzt all die Monate geführt hast mit diesen Frauen, waren sehr intensiv, sehr heftig in der Not und Geschichten.
SPEAKER_00Ja, genau.
SPEAKER_01Ich glaube, die hättest du vor ein paar Jahren nicht können machen. Das hätte ja nicht glaubst du.
SPEAKER_00Nein, das hat mich wahrscheinlich jedes Mal zu Tränen gebracht. Und vielleicht jedes Mal wieder irgendetwas aufgerissen.
Pity Vs Empathy In Real Life
SPEAKER_01Ja. Also du machst sofort gespräch mit diesen Leuten. Es ist nicht so, dass du eine Peer-Person für dich bist. Ich meine, das ist eine andere Qualität. Aber du hast ein bisschen von denen ab, was sie stehen und wer könnte vielleicht auch merken. Von dem hast du dort eine andere Rolle.
SPEAKER_00Ja, aber ich bin natürlich schon auch eine Peer-Person. Ja, ja, ja.
SPEAKER_01Aber ich würde sagen, dass du das in diesem Moment Kunst dort sehr viel abdeckt. Es ist natürlich sehr viel ungefiltert. Sie nehmen dich mehr so als klar, es bist du eine Peer-Person, aber sie nehmen dich mehr auch als Expertin oder außerstehende wahr, die wahrscheinlich auch noch mehr ungefiltert einfach kommt. Könnte man das noch vorstellen?
SPEAKER_00Ja, wobei ich muss schon sagen, die meisten Leute sind so überleid in diesem ganzen Prozess, das ich wirklich recht beeindruckt bin von vielen Leuten. Die meisten sind auch in einer psychologischen Behandlung. Ich bin nicht die erste Person, mit der sie über das Thema redet. Vielleicht bin ich die erste, die etwas Ähnliches erlebt hat. Von dem her, so mega ungefiltert, kommt es jetzt schon nicht daher. Aber ja, es sind schon Diskussionen, die zum Teil, wo man halt den Schmerz der anderen Person sehr, sehr fest gespürt wird.
SPEAKER_01Auch wenn man selber den Schmerz hat, kannst du es besser abfangen. Abgrenzung hat einfach bessere Möglichkeit. Emotionale Abgrenzung da.
SPEAKER_00In dieser ganzen ungewollten kinderfreien Thematik vergisst man auch immer wieder, wie viele Millionen Gründe es gibt, warum jemand keinen Kind hat.
SPEAKER_01Ja, definitiv. Ich glaube, das war mir als Nicht-Kinderwunsch, wo eigentlich das Thema sehr weit weg ist, bis zu unserem Podcast. Und nochmal sehr, sehr deutlich geworden. Es gibt nicht einfach einen Nicht Kinderwunsch oder es gibt einen Kinderwunsch, der nicht irgendwie Erfüllung ist gegangen, sondern wo noch ganz, ganz viele Schattierungen zwischendurch. Und ich glaube, dass wir auch das irgendwo anerkennen. Das ist nicht so das Schwarz-Weiß-Sender oder das andere, sondern ganz viel dazwischen. Und wichtig da auch zu sagen, ist, dass egal wie der Weg aussieht, egal was der Grund ist, wie man heute lebt, die Personen ist absolut vollkommen, es ist absolut wertvoll, um das Leben zu machen. Es ist gleichwertig, es ist nicht irgendwie steht über dem anderen oder so. Alles gleich wertvoll von diesen Lebensmodellen. Wir haben kurz ein paar Gründe aufzählen, die sein, und das habe ich an uns mal in der Erinnerung gegriffen, dass man kein Kind hat, ist schlichtweg keine Partner, keine Partnerin. Man ist in unterschiedlicher Meinung, aber was die Kinderfrage anbelangt in der Partnerschaft. Es kann medizinische Gründe haben, dass man als Frau zum Beispiel Hormonstörung ist, Endometriose. Oder man kann frühzeitig in eine Abänderung drinnen, die Menopause setzt frühzeitig ein. Medizinische Gründe bei den Männern, schlechte oder gar keine Sperremie. Es kann auch sein, ob bei den Männern, dass sie keine Partnerin finden kann. Das ist, glaube ich, noch weniger sichtbar, dass ein Mann sagt, er hätte gerne King, aber das mit der Partnerin klappt nicht. Ökonomische Gründe, also Behandlungen, Fertilitätsbehandlungen sind teuer. Leihmutterschaft ist teuer und die haben dem rechtlich nicht überall erlaubt. Es gibt Erbkrankheiten, medizinische Gründe, die sein, wo man sagt, man wollte es nicht weitergeben. Das wird man an einem künftigen Kind nicht zumuten. Es kann ökologischen Gründe geben, dass man sagt, wir sind schon genug auf diesem Planeten. Die ganze queeren Lebensrealität, ich komme immer sehr von der heteronormativen Bräu her, damit wir beide heterozisfrauen sind. Aber ja, die ganze queere Lebensrealität ist einfach auch eine Realität, die nicht so schnell schnell möglich ist, mit Kindern.
SPEAKER_00Und für all die unplante, ungewollt kinderfreien Realitäten, für all die Menschen da raus, würde ich gerne sagen, es ist im Fall okay, kein Kind zu haben. Das Leben ist gut. Ihr könnt euch das vielleicht im Moment nicht vorstellen, wo ich beschlossen habe, dass es mit Reproduktionsmedizin nicht weitergeht und dass ich das nicht weiter versuchen kann, habe ich mir das auch überhaupt nicht vorstellen. Ich habe nicht gewusst, wie mein Leben weitergeht. Ich habe einfach gefunden, dass es mit Versuchen geht es nicht weiter. Ich habe gerade in den letzten zwei Wochen im Rahmen des Kinderwunschpeer-Projekt ein Gespräch mit zwei Frauen, die sich gegen Reproduktionsmedizin entschieden haben und sich auch recht allein fühlen mit diesem Entscheidung, weil es vom Umfeld nicht so verstanden wird. Es gibt ja rein theoretisch eine Lösung und jetzt wäscht die nicht. Also wäre es gleich nicht so fest, das Kind. Da schwingt auch wieder ganz viel mit. Und ich würde sagen, es ist im Voll okay. Es müssen nicht alle Reproduktionsmedizin in Anspruch nehmen, nur weil es gibt. Da gibt es die unterschiedlichsten Gründe, warum man das nicht wettmachen oder nicht machen kann. Und löscht doch diese Entscheidung einfach bei diesen Menschen und der Trauerprozess erfolgt gleich. Es ist ja nicht nur, weil es diese Lösung nicht wendet, müssen Sie jetzt auch nicht trauen.
SPEAKER_01Es darf sie nicht Trauer sein. Sie haben so selber so wollen. Ja, genau. Es ist ja selber geschuldet.
SPEAKER_00Aber ja, die ungewollte Kinderlosigkeit ist ein Weg. Es gehört zum Leben und es ist ein gutes Leben. Wir werden immer wieder mit Situationen konfrontiert, die nicht so rauskommen, wie wir sie geplant haben. Und klar, Kind ist ein mega wichtiges Thema. Aber es ist nicht das einzige Happy End. Und sowieso Happy End. Es ist auch ein blödes Wort. Wenn etwas ein Kind bekommt, ist es nicht ein Andy, sondern der fährt es erst recht an. Und es ist happy und alles andere vielleicht auch noch. Und wenn wir kein Kind bekommt, ist es auch nicht ein Andy. Also ja, vielleicht eignet sich das Wort mehr für Romcoms oder Timassage. Ich habe noch so ein Bild im Kopf, wie sich der Kinderwunsch bei mir so entwickelt hat. Ich glaube, dann, als ich mega fest war, war das so ein bedrohliches, grosses Tier, das ich immer wieder versucht habe, festzuhalten und aber irgendwie davor gesackelt oder umgekehrt. Und jetzt hat sich das wie beruhigt. Es war mit der Zeit einfach immer noch ein grosses Tier, aber nicht bedrohlich und eher ruhig. Es war etwas vor mir gesessen. Ich war nicht hässlich und habe nicht würdig darauf reingeschlagen, sondern ich konnte einfach vor ihm sitzen, rundum laufen und mal schauen, wie das von allen Seiten aussieht. Und mit der Zeit war es immer kleiner. Vielleicht kann ich es sogar in die Hand nehmen und mit mir mitnehmen. Ganz weg geht es nie. Und das ist auch gut so. Es war eine Wunde und jetzt war es eine Narbe. Die Narbe dürfen bleiben. Es muss nicht alles wieder glatt wie ein Babypopo werden.
Many Paths To A Childfree Life
SPEAKER_01Baby Popo. Narben, ja, Narben sieht man ja. Und Narben bleichen immer wie mehr aus. Aber ja, sie sind da, wir setzen und sie erinnern uns an etwas und es ist schon okay. Also es ist ein Teil des Lebens. Tag der Ungewalt kinderlos. Jetzt haben wir hier eigentlich ein Tour-Dori so gemacht. Sie hoffen, dass viele von deinen Anliegen deutschen. Trotzdem nochmals zurück auf einen Punkt. Wir fragen viele von unseren Gästen am Schluss, was sie sich wünschen, von ihren Mitmenschen, der Gesellschaft wünschen. Du hast das ein bisschen angehört, was du dir wünscht für den heutigen Tag. Trotzdem noch mal etwas zusammengefasst. Was wünschst du dir? Was würdest du anderen aufwegen, wie wir mit dir und anderen Ungewaltkinderlosen so umgehen?
SPEAKER_00Ich fange zuerst mal mit dem negativen in Anführungszeichen und zum Schluss ein bisschen an, damit wir auf einer positiven Note aufhören. Also bitte keine Tipps. Frage nicht, ob das ungewollten Kinderlose gegenüber schon an Adoption oder Samenspendt hat. Ich lege meine Hand dafür ins Führer, dass sie das schon hundertmal überlebt haben. In der akuten Phase des unerfüllten Kinderwunsch überlebt man sich gefühlt jede Sekunde, wie man gleich noch zu seinem Wunsch kommt. Übersetzt heisst, dass offen sie reden darüber. Jede und jeder hat schon mal etwas Schwieriges erlebt im Leben. Und es gibt nichts Schlimmes, als sich alleine zu fühlen und nicht sehen zu werden. Und hört empathisch zu, nicht von anderen erzählen, die etwas Ähnliches erlebt haben, sondern einfach mal zuhören, ohne Vorurteile. Und einfach auch mal sagen, hey, es tut mir leid, musst du dort tun. Und das, was mich immer wieder berührt, an deiner Perspektive, wir sind ja beide Kinder los, aber wir sind mit mega unterschiedlichen Wegen dort hingekommen, wo wir jetzt sind. Und ich glaube, genau das ist die Stärke von unserem Podcast. Und vielleicht kann das ja auch die Stärke von euch oder der Gesellschaft sein, sondern einfach zu sagen, hey, wir haben kein Kind, das ist nicht ein monolithisches Thema. Es gibt nicht nur einen Grund, warum man das nicht wet oder kann haben. Und dass wir diese Leute ernst nehmen, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen und mit allen Zwischentönen, was es gibt. Und ich glaube, das haben wir mittlerweile beide recht festgelehrt.
SPEAKER_01Ich denke, es wichtig ist schon, dass wir geben uns rein ins Thema von jedem anderen. Und wir können uns ein bisschen nachvollziehen oder so etwas nachempfinden, aber ganz verstehen werden wir es ja schon nie. Also von an. Oder ich werde nie auch nicht vielleicht nicht. Genau. Aber es ist ja wie, ich kann es ja respektieren, den Weg, wo du gegangen bist. Das ist doch wichtig, was ich vielleicht sage, es ist, dass wir respektieren den Entscheidung von der anderen Person und den Weg, der sie gegangen ist. Ganz verstehen, können wir es nie. Das ist nicht nur böswürdig oder so, sondern es schlicht, ich können sie ja nicht, weil wir es ja nicht erlebt haben. Und darum umso wichtig, dass man Uniformteil und einfach mit Empathie am Gegenüber irgendwo begegnet.
Community Meetup And Closing
SPEAKER_00Von dem her merke ich euch da raus schon mal vielmal, dass ihr heute dabei seid. Wir wollen anerkennen, dass es diesen Tag der ungewollten Kinderlos gibt und dass der wehtun kann und es ist okay. Und die Sichtbarkeit ist zwar noch keine Trost, aber vielleicht ist es ein Anfang. Und für die, die andere Menschen kennenlernen und vielleicht in der gleichen Situation sind, vielleicht wäre ja unser Sommeranlass ein guter Anlass. Und zwar am 18. Juli organisieren wir ein Treffen der Expectations Community, geplant und unplant kinderfreie Menschen oder Menschen mit Kind, die uns zulassen. Wir sind da ganz offen.
SPEAKER_01Momentan ist es noch unplant, was wir im Sinn haben. Plant ist auf jeden Fall, es ist der 18. Juli, genau. Und es kristallisiert sich langsam raus, dass wir in der Region Zentralschweiz, also richtig Luzern, ideal die Heimat von Katrin nach Lotzern, werde irgendwo gehen. Schön, irgendwo in der Mitte der Schweiz, nein, nicht Zürich, nein, nicht Bern. Wir versprechen euch möglichst spalt nicht um den Köpfe, aber ja, ihr habt schon mal die Region, haben wir etwas enger gefasst und ab 18. Juli ist der Termin. Ich würde euch doch sehr gerne schon mal dafür registrieren und unser Interesse bekommen auf unserer Webseite www.expectations.ch.events.
SPEAKER_00Und merke euch fürs dabei sein heute. In zwei Wochen reden wir mit der Journalistin und Podcasterin Kerstin Hasse über die Ambivalenz der Kinderfrage und ob all die ältere Blogs und Mami-Instagram-Accounts unsere Lust auf Kind verdorben haben.
SPEAKER_01Und werde doch sehr, sehr gerne unsere Supporin, Freundin oder BFF. Alle Infos dazu auf unserer Webseite www.expectations.ch. Bis dann, tschüss zusammen. Tschüss, bis zum nächsten Mal.