Sachlich richtig
Einmal in der Woche schauen die vier etablierten Redakteure Annekatrin Mücke, Alexander Teske, Ole Skambraks und Peter Welchering auf einen aktuellen Aufreger in der Medienbranche und fragen, was sich aus dem Einzelfall lernen lässt und was dahinter steckt.
Die Medien-Insider berichten Internas aus dem Maschinenraum des Journalismus - egal ob Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk, Privat-TV oder Alternativmedien.
Sachlich richtig
Kommt die DDR zurück? Wirtschaft im Stillstand, Freiheit bedroht
Use Left/Right to seek, Home/End to jump to start or end. Hold shift to jump forward or backward.
Gerd Dehnel gehört zu der Generation, die beide Seiten der deutschen Geschichte hautnah erlebt hat. 1959 im Erzgebirge geboren, studierte er Journalistik am Roten Kloster in Leipzig, schrieb anschließend drei Jahre für die National‑Zeitung der DDR und erlebte dann die Wende.
Als Wirtschaftsredakteur begleitete Gerd Dehnel die rasante Transformation des Ostens, widmete dann beim RBB Inforadio seine letzten Sendungen dem brennenden Thema Meinungsvielfalt und Debattenfreiheit.
In dieser Episode fragen wir ihn, wie er die Coronazeit als Journalist erlebt hat und inwiefern er sich heute an die DDR und die Wendezeit erinnert fühlt. Außerdem haben wir ihn gefragt, warum es die Wirtschaftsberichterstattung so schwer in den Medien hat und weshalb Ostrock - Dehnels Leidenschaft - von der gesamtdeutschen Medienlandschaft mehr oder weniger ignoriert wird.
IN EIGENER SACHE
Am Abend des 4. Mai ist "Sachlich richtig" erstmals live zu erleben. In Berlin in der König Galerie (Alexandrinenstr. 118–121). Kommen Sie gerne vorbei, wir freuen uns auf Sie! https://www.koeniggalerie.com/collections/events/products/live-podcast
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2023 gab es, glaube ich, noch 58 Kohlekraftwerke in Deutschland und China baut jedes Jahr, zwischen, die Angaben schwanken, zwischen 95 und 150 Kohlekraftwerke neu. Also auch wenn wir alle unsere Kohlekraftwerke abgestaltet haben, kommen in China doppelt so viele neu ans Netz.
SPEAKER_03Aber wie ist es denn mit diesem Vergleich, der insbesondere auch von Kollegen aus Ostdeutschland des Öfteren kam, die dann sagen, naja, Tagesschau und heute werden auch die aktuelle Kamera und irgendwann geht es den beiden ähnlich. Übertrieben?
SPEAKER_02Ist zweifellos übertrieben. Aus meiner Sicht. Die aktuelle Kamera war nun wirklich von vorne bis hinten erstunken und erlogen und an der Realität komplett vorbei. Alleine, dass wir den Begriff Ostrock verwenden, ist ja putzig genug. Es gibt ja auch keinen Westrock, oder? Also es gibt Rockmusik. Aber irgendwie ist das halt so drin und es ist very special interest halt, sich immer noch damit zu beschäftigen. Oder wie ich das mal mit einem Co-Autoren oder mehreren Co-Autoren gemacht habe, ein Buch über Osteuroparock und dessen Einfluss auf den DDR-Rock zu schreiben. Das ist dann schon sehr, sehr speziell.
SPEAKER_00Sachlich richtig, der Medienpodcast der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung. Mücke Scambrax-Teske Welchering sprechen über Meinungsfreiheit, Rundfunkbeitrag, Social Media.
SPEAKER_04Herzlich willkommen bei Sachlich Richtig, dem Medienpodcast der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung. Wieder mit dabei, frisch und frei, Anne Mücke. Hallo, hallo. Und ein Garant für Substanz Peter Welchering. Moin. Außerdem haben wir einen Gast, einen Studiogast, der zu einer aussterbenden Spezies gehört. Geboren 1959 im Erzgebirge im schönen Schlemer, heute Bad Schlemer, hat er Journalistik am Roten Kloster in Leipzig studiert und dann auch noch drei Jahre in der DDR bei der Nationalzeitung gearbeitet.
SPEAKER_00Ja, ich duze dich mal auch, Gerd, Gerd Denel, weil wir haben beide am Roten Kloster studiert, ich ein paar Jahre später, und haben beide auch bei DT64, diesem berüchtigt berühmten Jugendradio der DDR, gearbeitet. Danach hast du bei Radio Brandenburg gearbeitet, bei Radio 1, da war ich auch, und zum Schluss beim RBB Inforadio. Du hast also auch ähnlich wie ich beide Systeme kennengelernt, das eine nur kurz anders länger. And hast die Transformation des Ostens vor allem als Wirtschaftsredakteur begleitet, was ja ein besonders interessantes Thema dabei war. And we wollen mal gleich darüber sprechen, welche Parallelen und Unterschiede es gibt. Herzlich willkommen.
SPEAKER_02Ich freue mich hier zu sein, bin gespannt und ein bisschen aufgeregt. Das ist eine völlig neue Perspektive. Ich war es gewöhnt, Fragen zu stellen. Das ist ganz anders jetzt.
SPEAKER_03Ja, und wir siezen uns. Das hat damit zu tun, dass ich aus dem Westen komme. Ich habe das Rote Kloster einmal besucht, 1986. Da hat der Deutsche Journalistenverband da so eine Art Austausch gemacht und da war ich ziemlich beeindruckt damals. Jetzt habe ich natürlich auch, weil wir so einen Gast haben, extra das entsprechende Buch mitgebracht zum Roten Kloster. Aber das hat natürlich auch noch ein paar andere Ansatzpunkte. Nämlich, wenn man sich jetzt mal die Situation aktuell anschaut: Stellenabbau, Probleme mit der Energie, wachsende Unzufriedenheit, natürlich auch schwingende Glaubwürdigkeit der Medien. Da wird ja das ein oder andere Mal unsere Situation jetzt hier verglichen mit der Situation der DDR so eben in den 1988er, 89er Jahren. Wie nah sind wir da denn dran?
SPEAKER_02Das ist jetzt gleich mal ein richtiges Brett zum Auftakt. Ja, völlig verständlich, dass so Assoziationen auftauchen. Also das höre ich immer wieder und schießt einem selber auch ab und zu mal durch den Kopf, dass man gesagt hat, das kennst du doch irgendwie, das ist doch schräg. Es gibt trotzdem gewaltige Unterschiede. Also die DDR war tatsächlich in den Azigern in einem litargischen Endstadium angekommen, wo überall spürbar war, das geht so gar nicht mehr. Da muss ein richtiger, totaler harter Bruch kommen. Wir haben heute eine andere Situation. Auch eine hochkrisenhafte, keine Frage. Sowohl im Sozialen als auch ganz handfest im wirtschaftlichen, im kommunikativen, im medialen Bereich gibt es krisenhafte Zeichen, aber das scheint durchaus noch lösbar, wenn man die Probleme wirklich analysiert, die Realität zur Kenntnis nimmt und nach wegen sucht. Also es scheint sowohl im Miteinander sprechen machbar zu sein, dass man wieder aufeinander zugeht. Es scheint auch wirtschaftlich einiges machbar zu sein. Man muss nur Realitäten zur Kenntnis nehmen. Also einfach gesund beten oder lügen. Die Energiewende kostet die Kugel Eis, die Berühmte. Das geht schief. Und auch irgendwie was herbeibeten oder herbei wünschen, wie wir kriegen ein neues grünes Wirtschaftswunder, wie er in Kurzzeitkanzler mal behauptet hat. Das wird nicht reichen, da kommen wir nicht weiter.
SPEAKER_00Aber wir haben ja nun gerade in der Ex-DR im Osten des heutigen Deutschlands diese Phase der Deindustrialisierung erlebt. Also wo wirklich in einem sehr, sehr kurzen Zeitabstand im Grunde genommen ganz, ganz, ganz viele Arbeitsplätze kaputt gegangen sind. Und so ein bisschen fühlt sich so an, als wären wir wieder am Anfang von so einem Prozess, der sehr, sehr viel Geschwindigkeit bekommen könnte in nächster Zeit. Und man könnte ja eigentlich sagen, wir haben im Osten ja vieles in life erlebt sozusagen. Es war ja ein Experiment sozusagen am offenen Herzen. Und ich habe aber so den Eindruck, dass die Entscheider von heute nicht gewillt sind, darauf zu gucken und zu sagen, oh, da sollten wir vielleicht die Finger davon lassen. Wir haben ja dann gesehen, dass sich das so und so entwickelt hat. Wie siehst du das?
SPEAKER_02Es gibt jede Menge Realitätsverweigerung. Das ist ganz sicher so. Also es wird ganz oft so getan, als ob sich die Dinge schon lösen werden. Notfalls legt man ein neues großes Investitionsprogramm auf, schuldenbasiert, auch wenn man es Sondervermögen nennt, und dann wird das schon irgendwie werden. Die Wirtschaft kommt schon wieder in die Gänge, die berabbelt sich schon wieder. Ein sehr deutlicher Unterschied ist zweifellos oder aus meiner Sicht ein sehr deutlicher Unterschied, dass die DDR 40 Jahre lang wirklich volle Kanne auf Verschleiß gefahren ist. Es ist wirklich alles runtergerockt worden. Der Wohnungsbestand, abgesehen von ein paar wenigen Neubauten, zu wenigen Neubauten im Vergleich in Marzahn und Hellersdorf und Hohenschönerhausen, ansonsten ist der Wohnungsbestand dramatisch verfallen. Manche Städte bis Großstädte Leipzig dutzen Stadtviertel zusammen, nicht ganz Stadtviertel, aber dort sind erste Häuser zusammengebrochen. Das hätte sich so fortgesetzt. In den Betrieben sah es ähnlich aus. I have as Schüler in Kunstzeitenwerk in Heidenau gearbeitet anders lifehaft gesehen. The machine stammen von 1870-71. That's eingewies are so much. But twice that in a manga verschleized to spuren is. Da gibt es Parallelen, klar.
SPEAKER_04Apropos Nachrichtensendungen, bilden unsere Medien, also ich meine jetzt die großen, die Massenmedien, bilden die zu Genüge diesen Transformationsprozess, deiner Meinung nach, ab, in dem wir uns befinden?
SPEAKER_02Der Hagen ist das Wirtchen zur Genüge. Es taucht schon auf in den Nachrichtensendungen, in den großen Fernsehsendungen und in Magazinen und in Spezialsendungen, und manchmal gibt es sogar eine Gesprächssendung dazu, wo Bürger zu Wort kommen, wo das durchaus thematisiert wird. Ob es zur Genüge abgebildet wird und wirklich in aller Schärfe und in aller Härte? Ich glaube nein. Da ist viel Luft nach oben.
SPEAKER_03Also da könnte nachgelegt werden, mit anderen Worten. Aber wie ist es denn mit diesem Vergleich, der insbesondere auch von Kollegen aus Ostdeutschland des Öfteren kam, die dann sagen: naja, Tagesschau und heute werden auch die aktuelle Kamera und irgendwann geht es den beiden ähnlich. Übertrieben?
SPEAKER_02Ist zweifellos übertrieben. Aus meiner Sicht. Die aktuelle Kamera war nun wirklich von vorne bis hinten erstunken und erlogen und an der Realität komplett vorbei. Und bestand aus Protokollmeldungen und Geschönten und Parteitagsbeschlüssen und wirklich jede Menge Gedöns. Das Problem bei Tagesschau und heute und Co. ist allerdings auch, dass zum Teil zu viel Protokoll stattfindet und zu wenig wirklich ins Leben geguckt wird.
SPEAKER_03Protokoll heißt du hier und Renaheberichterstellung zumindest, oder?
SPEAKER_02Ganz klar, wenn in Davos mehr aufschlägt, dann ist das natürlich ein großes Thema und dann wird drumherum berichtet, ganz klar. Und wenn der Kanzler in eine Bundestagsrede redet, dann wird auch auszügen erklärt, was der Kanzler gesagt hat. Nicht, dass das sinnlos wäre, das da auch darzustellen, aber das wirkliche, das echte Leben kommt wahrscheinlich ein bisschen zu kurz darüber, über all diesen politiknahen Berichten.
SPEAKER_00Jetzt haben wir aber ja interessanterweise beide einen ganz krassen Transformationsprozess der Medien zu Wendezeiten erlebt. Und die aktuelle Kamera hat sich ja binnen zwei, drei Wochen von dieser Protokollsendung umgewandelt, mit denselben Leuten ja größtenteils in eine wirklich relevante und gerne oft gesehene Nachrichtensendung. Genauso wie DT64, gut, das wurde vorher auch schon gehört und war ja gegen den Strich gebürste. Für mich war klar, ich kann nur dort arbeiten, nirgendwo anders, wenn ich das Studium fertig kriegen sollte. Aber auch das war ja dann nach der Wende unglaublich beliebt. Die Leute sind zu 10.000 auf die Straßen gegangen, um ihr Jugendradio zu behalten. Ich glaube, das hat ein westdeutsches Medium noch nie erlebt. Und könntest du dir denn vorstellen, dass jetzt, wenn gewisse Dinge sich ändern würden, also nicht nur beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk, sondern auch bei Spiegel, Süddeutsche, also we sagen mal bei den angeblichen Qualitätsmedien, glaubst du that auch noch from Handwerk her genug da werden, die so einen Switch schnell hinkriegen wollen?
SPEAKER_02Naja, wir haben es ja erlebt, wir haben es ja genau tatsächlich bei der aktuellen Kamera oder bei F99, dem Jugendradio, oder bei DT64 in dieser überaus anarchistischen geradezu Zeit, wo Sachen möglich wurden und nicht nur erlaubt wurden, sondern gefördert wurden, wo die Chefs auch gesagt haben: mach, du hast eine Idee, geh los, mach. Das traf ja eigentlich auf Leute, die in diesen vier Jahren am Roden Kloster, ich gehöre, wirklich lauter Stuss gelernt haben, die notwendig handwerk gelernt haben, even the health of the time with philosophy geimpft, with Marxismus and Leninism. In wisdom, also so rich doll good handwork had we damaged not, sagen wir mal, von der journalistischen Lehre her.
SPEAKER_03Die andere Hälfte, Stilistik und Methodik, die wir konzentrieren.
SPEAKER_00Also ich denke auch, es gab schon gute handwerkliche.
SPEAKER_02Ich will das jetzt auch nicht in Bausch und Bogen verdammen und für uns erklären, es gab auch genug Journalistiklehrer, Lehrende, die ihr Handwerk verstanden haben anders wirklich was beigebracht haben. Das ist schon richtig. Trotzdem hatten wir ja nicht wirklich die Praxis in einer freien Art and Weise, ohne große Umlaubnis zu fragen, loszurennen, Geschichten zu erzählen. And it hat trotzdem funktioniert. Und zwar wie verrückt. Also plötzlich wurde DDR-Fernsehen geguckt. Die DFF-Länderkette war im Osten wahrscheinlich wirklich, ich kenne die Quoten von damals nicht mehr, aber wahrscheinlich das beliebteste Medium. Ich glaube, wir lagen weit vor, vor ARD und ZDF.
SPEAKER_04Und diese Zeit, die du gerade beschrieben hast, also der Herbst der Umbrüche 1989, Michael Meinen beschreibt es auch in einem anderen Buch, Das Erbe sind wir, dass diese Erfahrungen von damals, auch das Scheitern und die Ideen, die diskutiert wurden, dass man viel zu wenig heute darauf zurückgreift und dass da eigentlich ein Schlüssel liegt, um diesen Transformationsprozess heute to meistern.
SPEAKER_02I think that in a schlüssel or a stuff fundament damage tatsächlich medienpolitic geleid is. It would say, obviously, this DFF Länderkette ost installed as an artist standpoint next to ARD and CDF. That is not upgeleened. This is also from the people of ARD and CDF in Bouch and Bogen for unsigned and ernsthaft. The idea is not gesturing. Ja, ganz sicher, ganz sicher. Relativ viel Einfluss and natürlich hatte das auch was mit den politischen Gegebenheiten zu tun. Sachsen und Thüringen waren super stabil, Schwarz regiert, in Anhalt zu Anfang auch zumindest. In Brandenburg waren die Sozialdemokraten ganz sicher schon, da gab es Befindlichkeiten und man hat damals einfach diese Möglichkeit wirklich sehr schnell beerdigt, sehr schnell begraben. Und im Prinzip eine Art Ausdehnung der ARD in den Osten, so wie das in vielen anderen Bereichen auch passierte, der gewachsenen Strukturen, der gewachsenen Hierarchien, der politischen Einflussnahme, denn zweifellos wird im öffentlich-rechtlichen Rundfunk politisch Einfluss genommen. ARD und ZDF seien Staatsfern, selbst der Deutschlandfunk, der irrt. Natürlich wird dort Einfluss genommen. Und das hätte man damals sicherlich. Man hatte die Chance, was Neues auszuprobieren. Das ist ausgeschlagen worden.
SPEAKER_04Und siehst du da eine Chance für das heute, für das Here und Just, dass sich die Dinge da bewegen?
SPEAKER_02Auch das ist eine extrem schwierige Frage. Ich bin ja nur kleiner Wirtschaftsredakteur gewesen und habe ein paar Interviews gemacht. Aus meiner Sicht, ich glaube, wenn man in die Redaktionen reingeht und reinguckt, sind ganz viele Leute zumindest leise, unterschwellig der Ansicht, dass da was geändert werden muss. Dass die Anstalten breiter aufgestellt werden müssen, dass sie in einer größeren, breite Offenheit debattieren müssen, verschiedene Standpunkte zu Wort kommen lassen müssen. Ein ehemaliger Chefredakteur von mir hat mal tatsächlich gesagt, wir müssen die paar wenigen Leute, die konservative oder libertäre positionen haben, hegen und pflegen, weil die sind viel zu wenig. Wann war das? Das ist gar nicht so lange her. Bis in die Chefetagen hinein, dass es da eine Lehrstelle gibt, eine deutliche Lehrstelle gibt. By Nigemeyer, was glaube ich? By Stefan Niggemeyer. The ARD is an unsinkbar shift, unkaputtbar. And she kaum reformieren lassen. While she so a tanker is so a fester, stability, verwurzel, in their political best angebunden tanker. It's just not since you have not gonna be. Had man iron geared? Yeah, they have a bericht vorgelegt.
SPEAKER_03Wobei my Wahrnehmung is da noch ein bisschen anders. I never wahr that auch in der Politik stärker tatsächlich der Reformwillen betont wird. Sehr zurückhaltend, aber immerhin, auch die Bundestagspräsidentin hat jetzt nochmal gesagt, ja, ihr müsst da ein bisschen stärker auch reflektieren und drüber nachdenken. Oder die CDU-Fraktionen in Sachsen-Sachsen-Anhalt haben gesagt, ALD und CDF zusammenlegen. Es gibt selbst in der SPD inzwischen, die haben sich vor kurzem programmatisch auch zu den öffentlich-rechtlichen geäußert, allmählich doch so ein paar Anstoße. Ist das nicht doch so ein kleiner Trend, der sich da allmählich andeutet?
SPEAKER_02Wenn es ein Trend wird, wäre es erfreulich, weil es wäre dringend nötig, ob es wirklich schon ein Trend ist oder ob das nicht einfach ganz viel taktisches Verhalten mit dabei ist und vielleicht auch parteipolitisches, taktisches Verhalten. Ich kann mir vorstellen, dass die CDU den Wunsch hat, dass sich im Öffentlich-Rechtlichen ein bisschen was bewegt, weil konservative Positionen kommen ja im öffentlich-rechtlichen nicht sonderlich prominent vor. Und wenn Sie mal vorkommen, gibt es Stress und Ärger, wie Julia Ruhes erleben konnte. Also von daher Trendumkehr.
SPEAKER_03Aber brauchen wir denn wirklich konservative Positionen? Also manchmal habe ich so einen Eindruck, da sollen dann zu den grünen und roten Punkten dann einfach nur nochmal ein paar schwarz oder dazukommen. Das ist ja nicht unvorangenommener Journalismus.
SPEAKER_02Das ist ein wunderpunkt, das ist Fakt. Wenn ich von konservativen oder libertären Positionen rede, meine ich erstmal nur, die fehlen im Augenblick ganz deutlich sichtbar. Dass es damit alleine nicht getan ist, dass einfach auch noch ein, frag mich, was weiß ich, Frau Schröder von der Republik 21 sozusagen noch ein eigenes Talkformat bekommt, um sozusagen einen konservativen Think Tank auch eine Chance zu geben, auch im Fernsehen vorzukommen, das würde erstmal gar nichts nützen, weil dann wird ja immer noch nebeneinander her agiert und geredet und nicht miteinander gesprochen. Also ja klar, das wäre nur so ein, das wäre das, was im Augenblick erstmal am sichtbarsten wäre, sozusagen. Erledigt ist es damit nicht.
SPEAKER_04Du bist Wirtschaftsredakteur, hast aber vor allem in deinen letzten Sendungen vor dem Ausscheiden dich mit Meinungsfreiheit beschäftigt. Wo kam das her, dass du das als das wichtigste, das immanenteste Thema der Zeit identifiziert hast?
SPEAKER_02Hat mich im Prinzip immer schon. Es gibt ja Inforadio eine sehr schöne Rubrik, die nennt sich Vis-a-V. Da hat man einen Gast, maximal mal zwei. Jetzt kann man passieren, dass man mal zwei Leute im Studio hat und hat zwölf Minuten Zeit mit denen zu reden. Also wesentlich mehr Zeit, als man normalerweise in dem durchformatierten Inforadio und in vielen anderen formatierten Radios E-Mails bekommen kann. Und ich habe eigentlich relativ früh angefangen, eher über wirtschaftspolitische Themen zu reden and auch kulturell, ich habe auch ein bisschen kulturellen Hintergrund, aber auch da hat mich immer schon interessiert, warum jemand, zum Beispiel ein Wirtschaftswissenschaftler, ganz stark für das Grundeinkommen wirbt. Was ich nicht wirklich nachvollziehen kann, oder was nicht meine Position ist, sagen wir so, nachvollziehen kann ich alles. Aber es wäre nicht meine Position, hat mich aber interessiert, warum er sozusagen gegen den Mainstream in der Ökonomie, die meisten Ökonomen sagen, funktioniert nicht. Funktioniert nationalstaatlich nicht. Dazu müsste man das Gebilde nach außen komplett abschließen, du kannst keine Freizügigkeit mehr zulassen, wenn du Grundeinkommen zahlst. Geht also nicht. Warum sagt also XY trotzdem, doch, kann man versuchen. Und mit der Zeit hat sich der Focus dann einfach so ein bisschen verschoben, weil ich immer mehr gemerkt habe, dass das nicht nur ein Problem in der Wirtschafts- oder Kulturpolitik is, sondern in der gesamten öffentlichen Debatte, dass bestimmte Positionen kaum vorkommen, dass bestimmte Widersprüche kaum ausgehalten werden, geschweige dann ausgesprochen werden. Und dass es immer mehr, immer mal wieder den Versuch gibt, selbst da, wo man das noch findet, dann eigentlich zu sagen, nee, das wollen wir eigentlich nicht. Das ist uns zu viel, das ist uns zu radikal, zu mainstream, zu was auch immer, nicht behutsam genug.
SPEAKER_00Oder wir können Ärger bekommen.
SPEAKER_02Oder wir können Ärger bekommen, ist auch noch durchaus ein Argument, was kommen kann. Ist mir nie begegnet tatsächlich. Also ich habe die Gesprächspartner, mit denen ich reden wollte, immer durchbekommen. Es gab eigentlich nie wirklich ernsthaften Stress, auch wenn ich einen Christian Zeller eingeladen habe oder einen Vince Ebert. Die durchaus ihren Ärger haben in der öffentlichen Wahrnehmung. Das stand nie in Frage. Das hat nie Anna gesagt, mit dem geht's aber nicht.
SPEAKER_00Das erstaunt mich, ehrlich gesagt. Du warst ja eigentlich Zeit deines Lebens, fast Zeit deines Lebens, beim RBB. Ich habe auch 30 Jahre lang beim RBB gearbeitet anders anders erlebt. Vielleicht auch, weil ich lange Zeit auch über Produktionsfirmen gearbeitet habe. Aber ich kann mich zum Beispiel entsinnen, das ist schon über 20 Jahre her. Da war Harald Martenstein noch Kommentator der Zeit and we hatten so eine Sendung, so eine Kooperation mit der Zeit, auch fragwürdig. And da hat er immer seine Kommentare eingelesen. Und da ging es auch mal wieder um den, damals noch um die GEZ-Gebühren. And then came the Wortchefin des Senders and sagte, das könnt ihr jetzt nicht bringen. And so natürlich, gerade deshalb. We müssen doch Offenheit zeigen. Die Moderatorin and ich haben das dann durchgesetzt, aber gegen sehr viel Widerstand. Die Moderatorin war dann ehrlich gesagt auch nicht mehr so lange bei dem Sender. Also das ist ja auch noch die Frage, kann ich etwas durchsetzen jetzt in dem Moment, was passiert dann mit mir? Aber du sagst, du hattest kein Problem. Also gibt es tatsächlich beim Inforadio diese Diskursfreiheit innerhalb der Redaktion. Wir haben ja festgestellt bei Meinungsvielfalt jetzt, dass viele Kollegen gesagt haben: Nee, also auch hinter den Kulissen kann man das eigentlich nicht mehr offen und frei diskutieren.
SPEAKER_02Ich kann ja logischerweise nur aus meiner Erfahrung berichten, was Inforadio anbelangt. Ich habe Inforadio tatsächlich immer so erlebt, dass dort viel Debatte möglich war. Dass man dann mit einer dezidiert rechten Position oft sehr einsam dasteht, is fact, dass der Widerstand dann groß ist. Das hängt mit der Zusammensetzung der Redaktionen logischerweise zusammen, mit der Herkunft der Leute. Darüber gibt es ja ganz viele schlaue theoretische Erörterungen, dass die Leute aus denselben sozialen Bezügen kommen, dass sie dieselben Schulen besucht haben, dieselben Lehrer gehört haben, dieselben Uni-Dozenten hatten, etc. Und sich dann im Prinzip in einem ziemlich, ja, in einem Korridor schlicht und einfach befinden. Mal ein bisschen breiter, mal ein bisschen enger. Und wenn man da von der Seitenlinie immer mal wieder sagt, Leute, ist das wirklich automatisch so? Also ist die Energiewende nur, weil wir beschlossen haben, dass die toll ist, funktioniert die wirklich gut? Oder haben wir ein Problem mit unseren Strompreisen? Dann wird man streckenweise ein bisschen komisch angeguckt, so wie, was denn wir jetzt? Klimawandel, schon angekommen. Aber es gab da nie irgendeinen Orden. Also ich habe nie einen einen Ort angefangen.
SPEAKER_04Okay, aber werden wir mal ganz konkret und schauen nochmal auf die Corona-Zeit, weil ich habe da aus dem RBB gehört, dass man wirklich nur noch geflüstert hat und man darf ja eigentlich nicht mehr. Und wie hast du diese Zeit erlebt?
SPEAKER_02Das war tatsächlich ein Katalysator für alle Bauchschmerzen, die man so jemals haben konnte in Sachen innerbetrieblicher Demokratie tatsächlich und Debattenkultur. Da wurde es richtig schwierig, weil es gab so ein paar sakrosankte Ansichten, wie das Virus ist so wahnsinnig gefährlich, dass man tatsächlich alles runterfahren muss. Dagegen anzustecken und zu sagen, Leute, stimmt das? Haben wir alle Blickwinkel geprüft? Haben wir über das Virus geredet? Ja, haben wir. Haben wir über Folgekosten, über Ökonomie geredet? Haben wir nicht. Haben wir über Kindererziehung, Kinderbetreuung, Schulbildung geredet? Nee, haben wir auch nicht.
SPEAKER_00Über Zweifel an den Regularien haben wir darüber geredet?
SPEAKER_02Genau. Das war alles im Prinzip funktionierte schlecht. Trotzdem, auch da wieder Inforadio, ist immerhin immer wieder mal was gelungen. Also bei einer der ersten großen Demos in Leipzig wurde hinterher natürlich auch in unserer Redaktion heftig debattiert, marschieren dort die ganzen Rechten auf anders jetzt Corona, um den Nazis den Weg to bereiden. I counted in Leipzig, who had tatsächlich the Burger Protestant, who was new forum and had to deny Leuten, who had telephonnum intern veröffentlies. When jemand verschwindet or jemanden knast landet, dort anrufen, die kümmern sich. Der war wirklich richtig involviert in die friedliche Revolution. Ich wusste von dem, der hat teilgenommen, der war bei dieser Demo. I have the telephonnum besorgen, ruft ihn an, fragt ihn, holt ihn auf den Sender. Dann habe ich ihn angerufen und gesagt, würdest du tun? Und rief mich auch ein paar Minuten später zurück und sagte, meine Frau hat mich gerade rund gemacht und hat gesagt, du kannst immer noch mal meckern, du musst jetzt auch reden. Also hat er ja gesagt, and this interview gab's. This interview lie imforadio. Das war ungekannt. Dieses Mal passiert es. Ja, soweit ich weiß, ist es so wie aufgezeichnet, gesendet worden. It's nichts maßgebliches rausgerissen worden. Das passierte nicht wahnsinnig oft, aber es passierte. Andererseits, es gibt auch die absolut gegensätzlichen Beispiele. Mir selber ist passiert, als der RBB vor Weihnachten 2021 2G einführte. Also bis am Nachmittag des 23. unmittelbar vor Heiligabend ist das rumgeschickt worden, im Intranet veröffentlicht, ab morgen kommt niemand mehr rein, der nicht geimpft oder genesen ist. Gar niemand. Davor musste der, der nicht geimpft war, sowieso schon jeden Tag sein Test vorzeigen, wurde sozusagen an extra, nicht eingegangen, aber an extra Tresen gelenkt, um dort vorzuzeigen, dass er trotzdem rein darf, obwohl er nicht geimpft and genesen is. Ich habe umgehend, as this UK veröffentlicht wurde, habe ich umgehend namentlich, ich, Gadden, gezeichnet, reingesetzt, halte ich für Irrsinn, was ist denn hier los? It's very schnell reaktionen, anonym. Was suchst du eigentlich noch im öffentlich-rechtlichen? Willst du nicht bei Russia to day anfangen? Wo ich auch dachte, alter Falter. Mein Name steht da. Wir wissen wie wir uns im RBB erreichen. Get.del.de und du kannst mir selber sagen, was ich von Arsch bin. Aber du setzt anonym rein, dass ich ein Arsch bin? Schwierig.
SPEAKER_00Da fällt mir ganz kurz ein, sind zwar so ein bisschen intern, aber es ist ja ganz gut, vielleicht mal drüber zu sprechen. David Biesinger, der ja auch lange Chef des Inforadios war und dann Chefredakteur beim RBB war, bis es zur Causa Gelbhaar kam, jetzt immer noch in einer hohen Position beim RBB beschäftigt ist, warum auch immer, den habe ich mal gefragt bei so einer Podiumsdiskussion, warum es zu dieser Anordnung kam, des RBB kam. Das hat ja kein Gesetzgeber vorgeschrieben. Das war ja faktisch dann eine Impfpflicht. Und wenn man, wie ich, als Freier darauf angewiesen ist anders macht and nicht von zu Hause was machen kann, sondern man macht Beiträge, man muss vor Ort arbeiten. Dann war ich ja letztendlich gezwungen, mich entweder anzustecken oder mir die Impfung zu holen. And that was in der Chefredaktion haben wir das so gelöst, dass jeder zu Hause bleiben konnte, der nicht kommen wollte. Und dann sage ich, aber Herr Biesinger, das ist doch jetzt nicht ernsthaft Ihre Antwort als Chefredakteur des RBB auf meine Frage. Ja, doch was anderes könnte er dazu nicht sagen. Also da muss ich sagen, da war ich wirklich für einen Moment sprachlos. Und wie erklärst du dir, dass solche Menschen offensichtlich in diesem System erstmal immer weiter nach oben gespült werden und dann offensichtlich auch nicht mehr ausgespuckt?
SPEAKER_02Das ist ein ARD-weites und ich nehme an, im ZDF, Deutschlandfunk und wo auch immer, ist das ganz ähnlich ein Phänomen, dass sobald man in diesem System eine bestimmte Führungsposition erreicht hat, gibt es keinen Rücksturz mehr. Es passiert nicht mehr, dass man irgendwie. Peter-Prinzip. Da kann ich noch so scheitern. Wenn ich als Wellenchefin scheitere und offenkundig scheitere, dann wird seitletzt was Neues erfunden. Dann gibt es, weiß ich nicht, einen Koordinationsposten für die ARD-Artezusammenarbeit. Beauftragte oder sowas. Ja, Beauftragte für was weiß ich was. Oder ein neues Querschnittsressort wird dann gebildet zu den schon existierenden Chefs. Dazu gibt es dann halt noch einen dritten, der das irgendwie verbindet. Das ist natürlich ein irres System, woran eine solche Organisation auch mit der Zeit zu ersticken droht. Weil es geht ja niemand mehr weg. Es gibt immer weitere Seitwärtsbeförderungen sozusagen. Ja, irgendwann hat man jemand das Rentenrad erreicht, ist schon richtig, aber normalerweise müsste man, wenn man in der freien Wirtschaft scheitert, als was weiß, Betriebschef or what, dann kann ich entweder zurück in die Planungsabteilung, die ich gut geleitet habe, or I get rause. Irgendwo anders in while jemand sagt, nee, this was in order, what was it gonna have? Dot has not passed by us, what's we have, we all are. But in a half of the systems, the light words are with these new jobs, the next verwaltungsjobs to show, but they had done a report of a referent, an assistant or what, or a redaktionsassistent zusatzig, or what are we doing. And that finds not this Häuptlingse stuff. And that the Beiträge gemacht werden, die Moderation verfasst, etc. Dort gibt es ja keinen Aufwuchs. The Aufwuchs is immer noch da.
SPEAKER_00No, and that gets out higher and fire, and zwar eiskalt.
SPEAKER_02Logic. That is a weird system that in the doppeltein exists, the fest angestelled and the frying. And when the sender that they can from the arbeits, the thoughts that are not a problem. Selfly are the income needrial. Da muss noch gar kein neuer Tarifvertrag her. Das passiert einfach automatisch alle zwei Jahre. Der freie bleibt bis dann seines Lebensende auf dem Honorarniveau, was er hat. Auch kleine Erhöhungen mit den Tarifverträgen, klar schon richtig. Aber ob ich 40 oder 30 Jahre im Haus bin oder zwei, das Honorar für denselben Job ist das gleiche. Das könnten die Sender, glaube ich, gar nicht finanzieren. Von den Pensionsverpflichtungen, die dann noch dazu kämen, von den Betriebsräten will ich gar nicht erstreten.
SPEAKER_04Ja, ja. Jetzt hast du diesen Kommentar von Russia Today erwähnt, der anonym abgegeben wurde. Wie sehr schauen denn die Kolleginnen und Kollegen auf die alternativen Medien, auf die, nennen wir sie mal freien Medien.
SPEAKER_02Ich vermute ganz stark, nicht so besonders stark. Ich glaube, das ist, also Russia Today ist wohl das, was dem jemand einfach so als besonders fies oder was auch immer eingefallen als erstes ist. Ich vermute nicht, dass sie jemals oder sie Russia Today geguckt hat. Weiß ich nicht, kann ich nur vermuten, aber ich tippe eher auf nicht so dolle.
SPEAKER_04Aber wird das wahrgenommen als Konkurrenz oder wird das komplett weggeschoben, Schwurbelecke und brauchen wir uns nicht mit beschäftigen?
SPEAKER_02Es wird wahrgenommen, schon alleine als Bedrohung, weil das ein Teil des Publikums abwandert, in die neuen Medien, das ist ja überhaupt nicht zu leugnen, dass vor allem das jüngere Publikum abwandert und die Älteren noch dabei bleiben, das sieht man an jeder Höre und Zuschauerbefragung. Ja, bemerkt wird es schon, das heißt aber noch lange nicht, dass man sich wirklich damit beschäftigt. Also dass sich wirklich mal jemand in einem Podcast auch einen solchen Podcast hier wirklich anschaut, die stunde lang durchguckt und versucht dahinter zu kommen, was machen die denn wie, warum machen sie es so, warum laden sie die und die ein, die sind oder jenen und was passiert da? Was wird vielleicht anders gemacht, vielleicht auch besser? Das findet ja nicht so wirklich statt. Also das ist tatsächlich, ja, Bedrohung und zum Teil auch harter Abwehr, weil die reden ja mit den Falschen. Also wie kann man mit jemand reden, der schon mal mit Martin Sellner geredet hat? Oh, schwierig. Ja, das eine tiefere Beschäftigung fürchte ich ist, bei vielen nicht wirklich vorhanden.
SPEAKER_03Nee, das soll erstmal diffamieren, ne?
SPEAKER_02Ja, unbedingt. Also dieser Abwehrreflex ist sehr stark ausgeprägt. Übrigens auch schon bei klassischen Medien. Also wenn in einer Redaktionskonferenz mal darüber geredet werden muss, dass gerade in der Springer Presse ein Thema is, then the bemerkung, Springer macht a campagne. Also this is einfach a gifte entdeckt had, and this is penetrated, what normal is.
SPEAKER_03That's what the Business Insider then to Schlesinger gemacht had was erstmal Campagne in the internal Darstellung?
SPEAKER_02In the Führungsspitze, yeah, this is time so this is A Kampagne, B Verleumdung and C, müssen we den Maulwurf finden, der aus dem House the Unterlagen rausgegeben hat.
SPEAKER_00Gerade wird drogen durch vor Schlesinger.
SPEAKER_02Genau, das war mehrere Tage lang die eisenharte Linie der Führung. Hat allerdings in dem Falle bei den Beschäftigten nicht gut verfangen, weil da, also dass in der Ära Schlesinger ein paar Dinge irgendwie sehr außen ruder gelaufen sind, das konnte man sehr gut bemerken.
SPEAKER_00Das interessiert mich jetzt auch mal. Also der RBB hat sich ja leider Gottes in den letzten Jahren mit noch weniger Ruhm bekleckert als die anderen ARD-Anstalten und das ZDF. Also es ist, ich mag es immer nicht Schlesinger Skandal nennen, weil es ist natürlich der Name für eine tiefer gehende strukturelle Problematik, die ja alle Sender letztendlich haben, die aber dann irgendwie unter Frau Schlesinger nochmal kulmoniert ist, warum auch immer. Aber es gab ja dann auch noch genau vor einem Jahr die sogenannte Causa-Gelbhaar. Ich habe das ja auch alles noch relativ nah mitbekommen. Also zumindest die Schlesinger-Zeit. Da gab es so ein Aufbäumen. Jörg Wagner, unser Kollege, sagte, ja, es fühlt sich so ein bisschen an wie eben zur Wende, es könnte wirklich ein Befreiungsschlag passieren. Und dann habe ich gesagt, Jörg, irre dich da mal nicht. Ich glaube das nicht. Ich glaube nicht, dass es ein Befreiungsschlag werden wird, sondern es wird jetzt kurz aufkochen, dann werden so ein paar Leute, es wurde ja auch nur die oberste Führungsebene entfernt, die mittlere Führungsebene, die genauso verantwortlich ist, ist nach wie vor da, ist nach oben gerückt teilweise. Das wird nicht passieren. Und genau das ist auch eingetreten. Trotzdem habe ich aus dem RBB ja auch viel Gegenwind bekommen, soweit ich überhaupt Reaktionen bekommen habe. Wie hast du das wahrgenommen? Wie geht man denn im RBB damit um? Das ist doch völlig anachronistisch, was da in den letzten Jahren passiert ist.
SPEAKER_02Da gibt es im RBB, wahrscheinlich gibt es das überall, aber im RBB, ich kann nur mit RBB reden, offensichtlich ganz offenkundig zwei Wahrheiten. Also die eine Wahrheit ist, wir haben alles wieder im Griff, das wird jetzt alles. Wir haben die schlimmsten Zeiten hinter uns. Wir schaffen es jetzt auch, ohne betriebsbedingte Kündigungen durchzukommen, dank unserer großartigen Führungsarbeit. Alles ist wieder schön und im Lot und das war nur ein Ausreißer. Das hat auch keine systemischen Gründe. Das war einfach ganz schlechte Führung und das ist jetzt erledigten vorbei. Die andere Wahrheit ist, es wird alles genauso weitergemacht wie vorher. Das ist jetzt vielleicht zu hart gesagt, weil natürlich gibt es punktuelle Veränderungen, natürlich gibt es neue Zuständigkeiten und ganz integre Menschen wahrscheinlich, die da jetzt am Tun und machen sind, die auch das Beste und Schönste wollen, ganz aus tiefsten reinen Herzen. But the apparat, these art Führungsapparat, these starken Hierarchien, die Eindruck, beim RBB jetzt sogar nochmal verstärkt werden, sind jetzt ein Haufen neue Führungsjobs ausgeschrieben worden andere, weil man die ja für die Führungsjobs auch wieder braucht. Man had not den Eindruck, als ob dort wirklich kurze Moment, den Jürg da meint, zu verspüren, kann ich gut nachvollziehen, weil ich hatte auch so ein kurzes Zucken anders ist jetzt eine Möglichkeit, möglichst viel andre Mitarbeiterbeteiligung zu erreichen, möglichst viel und breite Kommissionen oder was auch immer, die sich finden aus dem ganzen Haus, um wirklich jeden Stein umzudrehen und zu gucken, wo ist und warum dieses Ding so aus dem Ruder gelaufen. Warum gab es an keiner Stelle irgendeine Bremse, die irgendjemand hätte betätigen können? Warum haben die sich gegenseitig Verträge genehmigt, die nach meinem Dafürhalten wirklich komplett sittenwidrig sind, auch wenn die Gerichte das alles durchwicken, weil es waren halt Verträge und die waren, wie auch immer, egal. Ich würde sie für hochgradig sittenwidrig halten, noch dazu, wenn ich von dem Geld der Leute lebe, die jeder Haushalt seine Abgabe entrichten muss. Aber genau darüber soll eben bitte lieber nicht geredet werden. Jetzt arbeitet man wieder schön. Wir haben es im Griff.
SPEAKER_03Hat das nämlich nicht auch zu tun, dass tatsächlich die Leute dann auf so Parkpositionen geschoben werden, dass die Positionen erweitert werden und dadurch dann nicht auch letztlich so eine Art Verantwortungsdiffusion zustande kommt? Also Programmdirektion 1 zeigt auf Programmdirektion 2 und sagt, die sind doch eigentlich und die anderen sagen, die sind doch eigentlich und dann interessiert sich eigentlich keiner mehr fürs Programm und für den Journalismus, oder?
SPEAKER_02Die Strukturen kenne ich zu wenig, um das wirklich beantworten zu können, aber der Verdacht liegt sehr nahe, dass es genau damit zu tun hat, dass es keine klaren Verantwortlichkeiten gibt, dass es keine klaren Zuständigkeiten gibt und dass auch niemand mehr Verantwortung übernehmen muss. Das ist ja die absolute Ausnahme, wenn wirklich mal jemand aus der Führungsposition sozusagen zur Verantwortung gezogen wird, nach außen hin zumindest, und dann seidwärts befördert wird. Aber das überhaupt vorkommt, ist ja eigentlich, findet ja eigentlich nicht statt.
SPEAKER_03Aber eigentlich wäre doch dann die Stunde der Journalisten aus dem Maschinenraum. Also die müssten doch doch eigentlich sagen, okay, jetzt komme ich auch mit meiner Geschichte and jetzt setze ich mal bestimmte Forderungen um, and then we den Laden hier auch ein bisschen auf links drain. Da passiert aber auch nichts, ne?
SPEAKER_02Nee, passiert auch nichts. Da ist glaube ich, keine Ahnung, was da alles zusammen kommt. It was a kurzed debut as the new Intendant nominated and claimed, the new RBB intendant. It gave a cool debate in under freedom, which is not under fest, yeah. But I think it's not under freedom, that this sounds not. Was dann immer ganz schnell eine Rolle spielt in all solchen Debatten, ist tatsächlich dieses We dürfen uns jetzt nicht auseinander dividieren lassen. We stehen doch so unter Druck. Die draußen warten doch nur drauf, dass wir solche im Inneren zerfleischen. Da reiben die sich doch bloß die Hände von AfD bis Business Insider or what. That can we just need machen. We're not a Blick behalten, yeah. And when das blöd ist, dann müssen wir was. Aber jetzt erstmal.
SPEAKER_04So eine Sauerstoffblase, wo relativ viel ging, hast du erlebt. Und zwar war das nach der Wende. Bei Radio Brandenburg hast du das erste Wirtschaftsmagazin gestartet. Und damals war ja auch eine Tee-Aktie. Also Wirtschaft hat ein ganz anderen Stellenwert bekommen in der Berichterstattung, wurde plötzlich ernst genommen. Kannst du uns nochmal dahin mitnehmen? Und warum, du kommst ja eigentlich aus dem Kulturjournalismus. Warum hast du damals gesagt, so Wirtschaft ist ein Steckenpferd?
SPEAKER_02Weil Kultur, was Zauberhaftes ist, was toll ist, was vielleicht das Einzige, was von der Menschheit übrig bleiben wird, sind wahrscheinlich kulturelle Zeugnisse. Aber das, was Kultur möglich macht, sind die Leute, die die materielle Basis erarbeiten. Die Leute, die Häuser bauen und Erze schürfen und Stahl schmelzen und Kühlschränke bauen und Tische herstellen. Auf die kommt es ganz doll an. Und in diesem Transformationsprozess nach 1990, Treuhandanstalt, in dieser Überführung der Volkswirtschaft der DDR in eine Marktwirtschaft, ist A wahnsinnig viel Porzellan zu schlagen worden, es sind wahnsinnig viele Biografien gebrochen worden, die man nicht hätte brechen müssen. Es sind Betriebe geschlossen worden, die überlebensfähig gewesen wären, wenn man es versucht hätte. Wenn der Westinor, das klingt jetzt wie ein Klischee, aber ich habe das halt häufig in der Berichterstellung erlebt, wenn der Westinvestor kam and sagte, diese Brandenburger Bude nehme ich, dann hat er einen Marktvertrag bekommen, musste sich pro Foma verpflichten, für 24 Monate 50 Prozent der Belegschaft nicht zu entlassen. Und das war's. Wenn die Belegschaft desselben Brandenburger Betriebs oder des Nachbarbetriebs gesagt hat, wir selber übernehmen den Laden. Wir, die Belegschaft, überführen den jetzt sozusagen in unser Eigentum und in die Marktwirtschaft. Dann wurde denen ganz genau aufgerechnet, was jeder Nagel, jeder Schraube in dem Werk wert ist, and that sollten die bezahlen. Das konnte fast niemand, weil den Kredit hast du nicht gekriegt. Lauded so eine Sache, auf die man damals gestoßen ist, die ich für so spannend gehalten habe that ich die Kultur zur Seite gelegt habe. Ich habe trotzdem immer mal wieder was kulturelles gemacht, aber mich dann halt wirklich komplett auf Wirtschaft konzentriert haben.
SPEAKER_00Das finde ich jetzt mal interessant. Also es gab diese kurze Zeit in den 90er Jahren, als Wirtschaft eine große Rolle spielte, weil in den neuen ungebrauchten Ländern, in den fünf da, spielte das natürlich eine große Rolle, weil das komplett wegbrach. In der, weiß ich nicht, in den gebrauchten Bundesländern mag das ein bisschen anders gewesen sein, but ich habe generell so eine Wandlung in den 2000 gespürt that the Berichterstattung über Wirtschaft irgendwie zurückgegangen is, auch immer weniger fussbar. Es gibt ja diese wunderschöne Persiflage in the heute show from Martina Hill.
SPEAKER_04Switch for loaded.
SPEAKER_00And there is a verstand in the wireschaftsred, was it fast vermute, Peter? I don't know if you that ähnliches, or will man that, but the wireschaftsberichterstattung had quantitative and qualitativ extrem abgenommen in the letzten 10, 20 Jahren. Und frage mich, ist das Absicht? Denn das, was daraus wird, das erleben wir ja jetzt, wenn Leute immer noch sagen, ja, grüne Energie und wir brauchen Elektroautos und so, und die einfachsten Dinge einfach ausblenden.
SPEAKER_02Kann ich fürs Inforadio so nicht bestätigen. Also im Inforadio ist dieses Wirtschaftsresort immer unangetastet, stabil mit seinen Sendeplätzen und sogar zu Teil ausgeweitet worden. Also speziell im Inforadio ist es nicht so. Da gab es und gibt es relativ viel Wirtschaftsberichterstattung und die ist auch immer sehr hochgeschätzt worden. Also gerade so in krisenhaften Zeiten und wann hatten wir keine Krisen, ist wirklich sehr immer wieder wertgeschätzt worden, dass die Wirtschaftsredaktion das Ressort dazu beiträgt, dass man Dinge versteht und viel Programm weggeschleppt wird. Was weiß ich, Finanzkrise 2008, 7 bis 9 quasi ganz massiv, Griechenland-Krise, etc. But insgesamt ist da wahrscheinlich was dran. I vermute tatsächlich that Wirtschaftsberichterstattung zum Teil ausgedünnt worden. Personell, vielleicht gibt es auch nicht so furchtbar viele Leute, die sich wirklich als Journalisten für Wirtschaft interessieren und are rein wollen. This can also spielen. The rote teppich finded in the virtual not. And obendrein is a version. I have shown for I was not very much with Wolf Lottermeyer in vis-à-vis gone, in which he bitter and to report that virtues that are absolute killer in each display. Fang an about virtue to read, when it's not acute, sichtbare problems are. Das gibt es nicht. Das existiert nicht. Länder, in denen die Energie sehr teuer ist, sind nicht hochentwickelt. That is an eher fact. That is all logic. Under the Kostenfaktor aus dem Ruder läuft, kannst du nicht mehr mit denen konkurrieren, die mit billiger Energie the same cogs bauen, weil die können dann billiger produzieren. Damit is to work from the market. That is by ganz vielen Leuten einfach nicht da. While it's eaten not gesagt, that is just henne and eye. Berichterstattung da? That bedingt einander.
SPEAKER_03Hat die Situation des Wirtschaftsjournalismus auch damit zu tun, dass ja so generell, vor allen Dingen im öffentlich-rechtlichen, auch Fachjournalismus abgebaut wurde über die Jahre? Und da hat es nach Marminafürhalten die Wirtschaftsjournalisten besonders erwischt, wobei tatsächlich, meine Erfahrung oder meine Wahrnehmung ist auch, so Inforadios, da haben die noch überlebt, weil das tatsächlich immer so eine feste Sendestrecke war.
SPEAKER_02Ja, stimmt. Die feste Sendestrecke ist wahrscheinlich immer eine großartige Begründung dafür, dass man solche Anker braucht, gewissermaßen. Sport, Wirtschaft, Kultur war es bei Inforadio. Bei anderen ist es ähnlich, beim MDR-Inforadio höre ich das auch ähnlich. Ja, aber vermutlich ist tatsächlich Fachjournalismus schon in der Ausbildung stiefmütterlich behandelt. Stecke ich nicht drin, aber das könnt ihr mir vorstellen. Um unbedingt ins Wirtschaftsressort wechseln zu wollen.
SPEAKER_00Das ist das Ding. Also ich glaube, das Wissen fehlt ja vor allem auch schon in den Redaktionen. Nicht nur sozusagen bei denen, für die die Redaktionen produzieren, sondern in den Redaktionen selber fehlt dieses Wissen. Aber um mal noch ein anderes Thema anzuschneiden, das interessiert mich natürlich sehr. Du bist ja auch ein Spezialist für die Ostrock-Szene. Und ich war letztes Jahr das erste Mal bei dem, oder es gab jetzt das erste Mal das Klassentreffen der Ostrock-Musik in Europin. Ich weiß nicht, ob du da auch gewesen bist. Und bin auch mit der Musik groß geworden, weil mein Bruder selber in Bands gespielt hat und Bands gegründet hat. Und war sehr erfreut darüber, dass da nicht nur der RBB berichtet hat, sondern sogar auch die Tagesschau vor Ort gewesen ist und da einen kleinen Schnipsel gebracht hat darüber. Aber generell, also this is auch so ein kleiner Wandel, der jetzt stattfindet, der vor allem durch so eine Band wie Silly angestoßen wurde. But 20 Jahre nach der Wende, 20, 25 Jahre, war das ein absolutes No-Go-Thema in der bundesdeutschen Berichterstattung. Das gab es wirklich nur beim MDR and beim RBB und auch da eher verschämt, also bei Radio 1 hatte es Ostmusik unglaublich schwer. Wie erklärst du dir das? Warum ist man nicht in der Lage, einfach zu sagen, da sind ein paar Millionen Menschen mit ihrer Tradition gekommen und da gehört ja populäre Musik auch mit dazu. Warum hat es dieses Thema auch so schwer?
SPEAKER_02Das ist auch ein richtig weites Feld. Ich glaube, einen ersten Fehler haben, wenn man das so sagen möchte, haben wir Ossis selber gemacht, nämlich dass wir uns ein paar Jahre lang überhaupt nicht mehr dafür interessiert haben, was Panko oder sonst irgendjemand an Musik macht, weil wir waren erstmal so hungrig auf alles das, was jetzt richtig im Original zu sehen gewesen ist, wir konnten die Stones sehen. Dass Ele ein perfekter Riffmaster a la Keith Richards ist. So ist es, der Gitarrist von Panko hat dann nicht mehr so wahnsinnig interessiert. Wir konnten Keith Richards sehen. Das war sicherlich ein erster Genickschlag. Dann gab es ganz viele kulturwirtschaftliche Fehlentscheidungen, wie mit dem Amiga-Erbe umgegangen worden ist. Das war eine höllische Sauerei. Später wurde das so ein bisschen von Westjournalisten, sage ich mal, irgendwie so ins exotische Eckchen gestellt. Da wurde extra der Begriff Ostalgie erfunden. Das ging dann so um die 2000er oder noch ein bisschen eher ging das los, dass so, ah, die haben ja auch stimmt, die haben ja auch Musik, die interessieren sich jetzt für ihre Musik komisch. Aber es blieb immer im Prinzip ein bisschen so im Kästchen. Und ich meine, seien wir mal ehrlich, was wissen wir denn zum Beispiel in der Breite vom Westrock? Ja, man kennt Westernhagen, man kennt Grönemeyer, man kennt Bab, vielleicht die Hosen und die Ärzte noch oder sowas. Aber in der Breite und der Tiefe wissen wir über den Westrock auch nicht so wahnsinnig viel. Und so ist es wahrscheinlich ähnlich im Ostrock. Eine gewisse Arroganz spielt definitiv auch eine Rolle. Ich meine, alleine, dass wir den Begriff Ostrock verwenden, ist ja putzig genug. Es gibt ja auch keinen Westrock, oder? Also es gibt Rockmusik. Aber irgendwie ist das halt so drin. Und es ist very special interest halt, sich immer noch damit zu beschäftigen. Oder wie ich das mal mit einem Co-Autoren oder mehreren Co-Autoren gemacht habe, ein Buch über Osteuroparock und dessen Einfluss auf den DDR-Rock zu schreiben. Das ist dann schon sehr speziell.
SPEAKER_00Gibst du dem eine Chance, dass sich das noch weiter verändert und irgendwie jetzt so ein bisschen befreiter auch, dadurch, dass viel Zeit vergangen ist?
SPEAKER_02Ich habe keine Ahnung. Also die großen Alten, sage ich mal, despiktierlich, treten ja peu à peu ab. Ich habe mit Ele und Herzberg den beiden Panko-Leuten zu ihrer letzten Tour auch noch ein vis-a-vis-Interview gemacht. Für die hat es keinen großen Sinn mehr. Es ist nie darüber hinausgekommen, eine wahnsinnig populäre Band in den neuen Bundesländern zu sein. Im Radio finden sie nicht statt. Irgendwann fehlt dann auch die Kraft, da weiterzumachen und sich wirklich immer wieder zusammenzusetzen, in den Probenraum zu gehen, neue Songs zu schreiben, etc. Irgendwann ist der Ofen aus und Luft raus. Es gibt trotzdem immer wieder Bands, die nachwachsen, aber ich glaube, die großen Zeiten von Rockstars oder so sind eher vorbei. Das verwischt und verwächst sich.
SPEAKER_04Du kanntest noch deine Urgroßmutter.
SPEAKER_02Das stimmt.
SPEAKER_041885 geboren, 1980 gestorben. Das war ja eine Zeit, in der unheimlich viel Veränderung passiert ist. Also von der bäuerlichen Gesellschaft hin in die Moderne. Glaubst du, wir stehen jetzt vor ähnlichen Veränderungen mit KI?
SPEAKER_02Großer Bogen. Auf die U-Großmutter zurückzukommen, über die habe ich mit Axel Bojanowski geredet, der ein spannendes Buch geschrieben hat und viel dazu veröffentlicht, dass wir auf das, was wir geschafft haben, eigentlich auch ziemlich stolz sein können und ziemlich beeindruckt sein dürfen, sozusagen als Menschheit, wie weit wir es geschafft haben, dass es alleine keine Hungersnöte in Europa mehr gibt, die zur Zeit meiner Urgroßmutter noch normal waren. Da ist alle paar Jahre der Sommermau gewesen und dann gab es im nächsten Jahr eine Hungersnot. Das war normal. Und Mangelernährung. Gibt es alles nicht mehr. Aber zurück zu KI, ich vermute, da kommt wirklich gewaltig was auf uns zu. Also alleine für unseren Job, recherchieren mit Hilfe von KI, sich mal eben zu erkundigen, wie viele Kohlekraftwerke gibt es denn eigentlich in Deutschland noch ander jedes Jahr in China ans Netz. Um bei dem Beispiel zu bleiben, das habe ich heute gerade nachgeguckt. 2023 gab es glaube ich noch 58 Kohlekraftwerke in Deutschland und China baut jedes Jahr, zwischen die Angaben schwanken, zwischen 95 und 150 Kohlekraftwerke neu. Also auch wenn wir alle unsere Kohlekraftwerke abgestaltet haben, kommen in China doppelt so viele neu ans Netz. Das sind auch so Zusammenmenge, die man braucht. Sowas geht inzwischen raßend schnell. Da hast du früher statistische Jahrbücher durchgucken müssen und dann wahrscheinlich sogar nochmal den Cory sicherheitshalber anfragen, weil die Angaben variieren und China auch nicht unbedingt ausweist, wie viele Kraftwerke sie bauen, sondern die weisen nur die Megawattzahlen aus. Das muss man dann sozusagen wieder ein bisschen zurechtrechnen, wie groß ist denn so ein Kraftwerk üblicherweise, was da hingesetzt wird. Das geht rasend schnell. Du kannst rasend schnell, selbst wenn dir bloß ein ungefaires Zitat von irgendjemand einfällt, der irgendwas mal gesagt hat zu Kontaktschuld, findet die KI ziemlich schnell, vermutliche Quellen. Dann kannst du dir von der KI auch sagen, give me mal die genaue Quelle and nochmal selber nachgucken, weil ich würde mich nicht zwingend darauf verlassen, dass die KI das exakt zitiert. Das würde ich schon nochmal checken. Aber das geht inzwischen irgendwie schnell. And die legendären großen Recherche-Abteilungen, auf die der Spiegel zum Beispiel früher wahnsinnig stolz gewesen ist, die jede einzelne Spiegelgeschichte, das muss heute anders sein, jede einzelne Spiegelgeschichte wirklich haargenau in jedem klitzekleinen Detail unterfüttert haben, die wird man es so nicht mehr brauchen.
SPEAKER_04Ja, was den Journalismus angeht, werden sich da auch die Wege trennen. Also wir sehen ja schon jetzt, es gibt Medien, die fast komplett auf KI setzen und es gibt die, die sagen, wir schätzen noch das Menschgemachte und werden das irgendwie mit so einem Stempel versehen. So, bei uns wird noch Handmade gearbeitet. Genau. Brainmade. Also da steht wahrscheinlich auch unsere Branche noch vor sehr großen Herausforderungen und das Mediensterben setzt jetzt erst an.
SPEAKER_02Ja, sicherlich, ich habe heute ein lustiges Bon Mont gelesen, weiß nicht mehr genau, von wem es geht, auch nur ungefähr so. Ich möchte, dass die KI meine Wäsche erledigt und meinen Abwaschen, damit ich schreiben kann und nicht, dass sie für mich schreibt, damit ich waschen und abwaschen kann. Ich glaube, da werden wir nicht hinkommen. Ich glaube, die KI wird nie wirklich Wäsche waschen, im classischen Sinne. Aber da wird es wirklich viel umräumen und neu ordnen. Und da den Weg zu finden, der darauf hinausläuft, dass man die Möglichkeiten der KI nutzt, zum Beispiel für Recherche, zum Beispiel für Formulierungsfragen, zum Beispiel bei der Suche nach einem gescheiten Synonym, weil ich nicht zum siebten Mal ein bestimmtes Wort verwenden möchte, wird es eine wahnsinnig große Hilfe, eine wahnsinnig schnelle Hilfe sein. This is irre, wie wenn man dazu guckt, wenn man eine Frage eintippt, dann siehst du ganz kurz rödeln und zack, eine complexer Antwort. This is irre. But sozusagen these middle to nut to scheme, to send the wake, glaube ich, der gescheitere ist. Weil sie uns vermutlich nie abnehmen wird können, die KI is Debatte, is offene Debatte, is Streit, is Widerspruch, ist Kompromissfindung. Ich glaube, das kann keine KI.
SPEAKER_03Nicht wenige Journalisten haben ja so eine Mathe-Phobie und sagen, will ich ja nichts mit zu tun haben, deshalb bin ich ja Journalist geworden. Schaffen die es dann mit, KI wirklich umzugehen und kommen die dann tatsächlich in eine Situation, dass sie auch wissen, was ein Algorithmus wann für sie wie macht?
SPEAKER_02Da wird es schwierig, aber ich glaube, die Anwenderfreundlichkeit von KI wird sehr schnell sehr viel besser werden. Das ist jetzt schon gut zu beobachten, du musst eigentlich nur halbwegs präzise wissen, was du genau wissen willst. Wenn du der KI ungefähre Fragen stellst, wird es diffus. Wenn du sehr genau wissen willst, wenn du sehr genau weißt, was du wissen willst und diese Frage sehr präzise stellst, kommt die KI sehr schnell. Und wie gesagt, sie liefert auch sehr schnell die Urquellen und die Belege und die wörtlichen Zitate und die Fundstellen etc. Da musst du dann halt nochmal nachgucken, wenn du sicher gehen willst, wenn du nicht einfach dich komplett drauf verlassen willst, sie wird es schon richten.
SPEAKER_00Zum Abschluss würde ich gerne noch eine Frage oder stelle ich gerne noch eine Frage. Du bist ja jetzt beim RBB raus, ne? Und könntest jetzt theoretisch in Rente gehen, wirst du wahrscheinlich nicht machen. Aber wie lautet deine Antwort, wenn jetzt ein junger Mensch zu dir kommt, also mir ist das schon passiert und sagt, ich finde es toll, ich möchte Journalist oder Content Creator, wie das heute heißt, werden. Wie ist deine Antwort?
SPEAKER_02Zu Content Creator könnte ich gar nichts sagen. Ich habe mich dann mit all diesen Begrifflichkeiten und auch selbst mit den Inhalten wirklich immer schwer getan. Ich wollte immer Radio machen. Mir ist klar, dass das aussturbt, dieses reine, ich will nur Radio machen, das wird sich ändern. Ansonsten kann die Frage geradezu konkret beantworten. Mein Sohn hat mich das gefragt oder hat mir vor längeren Jahren schon gesagt oder vor etlichen Jahren schon gesagt, interessiert ihn wahnsinnig, würde er wahnsinnig gerne machen. Da wurden zwei Herzen in meiner Post. Also zum einen kann es was unglaublich Befriedigendes sein, journalistisch arbeiten zu können. Und es kann wahnsinnig frustrierend sein. Weil im Augenblick haben wir ein Stadium, wo die Offenheit zu wünschen übrig lässt, um das mal sehr diplomatisch zu formulieren. Wo Querdenken plötzlich ein Label ist für Bekloppte. Querdenken war bis vor kurzem noch, hallo, das gehört dazu. Bitte von der side gucken und von der anderen anders von einer, nicht nur den zweiten, sondern auch den dritten und den vierten Blick wagen. Da ist gerade, da entscheidet sich gerade was, wo es hingeht. Sagen wir mal so. Ob diese Blockadehaltung noch verstärkt wird oder ob man den Blick wieder zu weiten in der Lage ist. Das wird sich jetzt irgendwie demnächst entscheiden müssen. Und wie man sich selbst dann persönlich entscheidet, das muss dann halt jeder, auch mein Sohn, selber wissen.
SPEAKER_04Vielen Dank, Herr Tele, dass du zu uns gekommen bist.
SPEAKER_02Ich war gerne hier.
SPEAKER_04Das war sachlich richtig, der Medienpodcast der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung. Wenn es euch gefallen hat, wenn es Ihnen gefallen hat, hinterlasst gerne ein Like oder abonniert uns gleich die Glocke bei YouTube und natürlich auch bei allen anderen Podcast-Plattformen wie Spotify, Apple Podcasts oder auch die freien Podcast-Plattformen, seien wir auch mal erwähnt. Und ja, uns gibt es nächste Woche wieder. Vielen Dank und bis dann.