Sachlich richtig

Ohne Brandmauer: Freie Rede in Dänemark - mit Jonathan Ries

Alexander Teske, Annekathrin Mücke, Ole Skambraks, Peter Welchering

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Wir wollen einmal über den Tellerrand schauen. Diesmal in den Norden, nach Dänemark. Dort gibt es keine Brandmauer. Jeder spricht mit jedem. In der Politik. Aber auch in den Medien. Der Meinungskorridor ist dadurch breiter.

Das wollten wir uns genauer erklären lassen und haben uns Jonathan Ries eingeladen. In Hamburg geboren, lebt er seit 16 Jahren in Kopenhagen. Er ist Politiker für die Alternative, eine kleine Partei im Parlament mit eher grün-linker-liberaler Ausrichtung.

Wir haben ihn auch nach der großen Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gefragt, die 2018 in Dänemark stattfand. Der Rundfunkbeitrag wurde abgeschafft, das Programm gekürzt. 

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SPEAKER_03

Wenn ich mir das in Deutschland jetzt vorstelle, da sitzt dann Friedrich Merz und trinkt einen Kaffee mit Heidi Reichenek und mit Frau Weidel und sie reden. Einfach die Tatsache, dass sie ganz normal miteinander reden, wäre ja in Deutschland schon eine Sensation, das gibt es ja nicht. Und ich weiß nicht, ob das nicht auch ein gesellschaftliches Signal ist, dass man einfach am Tisch miteinander sitzt und miteinander redet, trotz aller wahrscheinlich auch in Dänemark höchst politisch unterschiedlichen Sichtweisen.

SPEAKER_00

Ohne Brandmauer, wie die heißt hier, ne? Ohne Brandmauer.

SPEAKER_04

Ja, also ich denke, dass man miteinander spricht und Sachen diskutiert. Dazu tragen die Formate sicherlich dazu bei, aber das ist eigentlich auch meine Erfahrung generell, dass man sich treffen kann und miteinander sprechen kann.

SPEAKER_01

Sachlich richtig dumm. Apologies for this interruption, but we have some breaking news. Mückes Gambrax Test Gewälchering sprechen über Meinungsfreiheit, Rundfunkbeitrag, Social Media.

SPEAKER_03

Wer sich deinen Will nach Dänemark gehen, bescheed einmal der legendäre Fußballtrainer Eduard Geier, seine Critiker, whereum sein Team auf die neumodische Aufwärmung verzichtete. Also tun wir das heute mal. We wollen heute mal in den Norden schauen und uns fragen, was wir uns von dort möglicherweise abschauen. Und dazu haben wir uns einen Deutschen eingeladen, der seit längerem in Dänemark zu Hause ist und uns hoffentlich helfen wird. Herzlich willkommen, Jonathan Ries.

SPEAKER_00

Ja, und Jonathan Ries ist Politiker, Geschäftsführer nach Partei. Dazu kommen wir gleich noch, aber lassen Sie uns, Herr Ries, erstmal in unser Thema einsteigen, die Medien. Das sind ja ein Medienpodcast. Sie kennen nun die deutschen Medien, die kenne ich auch, aber Sie kennen auch die dänischen Medien gut, die kenne ich nicht. Was sind denn so die größten Unterschiede aus Ihrer Sicht oder anders gefragt, als Sie nach Dänemark gekommen sind? Was hat Sie denn überrascht an den dänischen Medien?

SPEAKER_04

Ja, es ist eine richtig gute Frage. Also ich bin 2010 nach Dänemark gezogen für mein Studium und dann sozusagen hier hängen geblieben. Das, was mich an Dänemark generell gereizt hatte, war, dass es nicht so formell zuging wie in Deutschland. Und da würde ich auch sagen, dass von der Medienseite, dass das ein unformellerer Zugang zu Medien ist, aber auch zu generell der Medienkommunikation, dass man offener ist, verschiedene Formate auszuprobieren und ja auch deshalb auch sich mehr fließend im Medienkonsum, aber auch in der Ausbreitung.

SPEAKER_02

Hat das auch was mit einer Ansprechhaltung zu tun? Also ich vergleiche so immer gerne Nachrichtenformate und da sind die Deutschen ja Führer im Steifsein. Also wenn man schon nach Frankreich guckt, dann geht es deutlich lockerer zu. Es ist einfach ein anderer Zungenschlag und wie ist das in Dänemark?

SPEAKER_04

Ja, also es ist ja schon so die generelle Umgangsform. Also in Dänemark duzt man ja auch generell und spricht einander mit Vornamen an. Und das bedeutet natürlich auch, dass man sich dadurch auch näher kommt, wo es in Deutschland ja dann schon noch für einige wichtig ist, dass man immer noch den Doktor- und Professorentitel nennt, bevor man in ein Gespräch miteinander gehen kann. Und das war auf jeden Fall, also das fing schon auch bei mir in einer Universität an, wo man tatsächlich gefragt hat, ob man auch Feedback zum Unterricht, zu den Vorlesungen geben könnte. Das war zwar institutionalisiert, also dass man als die Studierenden mit dabei sein konnte, den Unterricht zu bewerten und auch mit Verbesserungsforschungen zu kommen. Das muss ich sagen, habe ich in meinem Bachelor in Deutschland nicht erlebt.

SPEAKER_03

Hat sicherlich auch was ein bisschen damit zu tun, dass das Land kleiner ist und man sich etwas näher ist, aber trotzdem auch mit einer anderen Grundhaltung, oder? Also man auch ein Politiker nicht so abgeschirmt wie in Deutschland. Sie sind ja selber oder du bist ja selber Politiker. Täuschter Eindruck, oder stimmt das?

SPEAKER_04

Ja, also ich denke, dass man generell in Dänemark und sicherlich auch mit der Größe, das erlebe ich auch immer wieder, dass irgendjemand wegen kennt, den man selbst kennt. Das geht nicht über viele Ecken, von daher ist man sich ja schon näher. Aber auch generell die Arbeitskultur ist auch anders. Also das, was ich erlebe, ist, dass man zum einen duzt, aber auch schneller kritisieren kann oder auch Verantwortung übernehmen muss für die Beschlüsse, die man getroffen hat, sodass man sich nicht einfach hinstellen kann, nun, nun habe ich, ich bin der Chef und ich habe beschlossen und jetzt lauft er nach links oder jetzt lauft er nach rechts, sondern es ist dann auch normal, dass das kritisch hinterfragt wird, warum man denn jetzt nach links oder nach rechts laufen soll. Und das ist ja schon so eine, weiß nicht, auf gut Deutsch, wie es heißt, eine offene Feedback-Kultur, aber das bedeutet ja auch, dass man sich dann mehr Gedanken macht, was man so selbst auch kommuniziert und wie man kommuniziert.

SPEAKER_00

Gilt das auch für einen Journalismus? Also gibt es da auch direkteres Feedback und auf der anderen Seite kann sowas ja auch schädlich sein. Wenn ich weiß, alle kennen sich um irgendwelche Ecken herum, werde ich dann nicht auch als Journalist vorsichtiger, weil ich weiß, da gibt es demnächst verbal was auf die Nase und ich halte mich dann doch ein bisschen stärker zurück, weil die kennen meine Bekannten eben auch.

SPEAKER_04

Also ich glaube, es ist nicht so auf dem persönlichen Niveau, sondern ich würde eher sagen, dass es so ist, dadurch, dass man offen über Sachen sprechen kann, dass man dann auch in dem Sinne auch direkter mit der Kritik sein kann, ohne dass es persönlich wird.

SPEAKER_02

Es gab sogar eine relativ große Zeitung, dänische Zeitung, die sich für ihre Corona-Berichterstattung entschuldigt hat und gesagt hat, wir haben da was falsch gemacht. Das hat man in Deutschland noch nicht gesehen, wird vielleicht auch gar nicht kommen. Aber da dachte ich schon, okay, ja, in dem Land geht es anders zu. Und damals in Schweden wissen wir auch, da ging es eh anders zu. Also in den nordischen Ländern scheint das in der Gesellschaft mehr Gang und gäbe zu sein, tatsächlich auch Kritik äußern zu können und aber auch eben entsprechend offen sich entschuldigen zu können.

SPEAKER_04

Also was ich da ja interessant finde, ist sich auch zu überlegen, würde ich auch gerne mal hören, wie ihr das so seht, wo eigentlich der Journalist muss herkommen oder inwieweit man auch Medien ist. Also zum einen kann man ja selbst eine Tagesordnung setzen mit den Themen, die man aufbringt, aber wenn man so historisch zurück war ja auf frühe Journalisten, die so lokale Probleme versucht haben zu untersuchen und hervorzubringen und damit auch eine Kritik über den Entscheidern zu sein und damit ja auch, man nennt das ja auch so eine vierte Macht im Stade. Wie seht das ihr von eurer Seite, inwieweit sich die Medien auch Journalisten so verändert haben in deren Rolle?

SPEAKER_00

Ja, das mit der vierten Gewalt, da haben wir zunehmend Probleme bekommen und die sind, glaube ich, in der Corona-Zeit noch härter geworden, weil in der Corona-Zeit dann die Parole ausgegeben wurde, es muss sich alles um die Flagge sammeln, wir können nur dann diesen gemeinsamen Feind Pandemie bekämpfen, wenn wir auch zu den Maßnahmen stehen. Also es war durchaus noch möglich, auch für mich etwa zu bestimmten Corona-Apps oder ähnlichen Dingen auch kritisch zu berichten. Aber es war mühseliger, weil man musste sehr viel stärker argumentieren. Man musste vor allen Dingen gegen das Argument antreten, ja, aber damit wird ja dann insgesamt die Akzeptanz für Anti-Corona-Maßnahmen herabgesetzt. Also da war schon so eine gewisse Gleichförmigkeit zu beobachten.

SPEAKER_03

Ich habe, ich bin ja mittlerweile auch schon über drei Jahrzehnte im Job so ein bisschen beobachtet, eine Veränderung dahingehend, dass man unkritischer den Mächtigen wird oder geworden ist. Und ich kann aber nicht erklären, wie diese Entwicklung zustande gekommen ist. Also es war eigentlich ein Berufsverständnis, eine Selbstverständlichkeit, dass man diejenigen, die nun gerade vorübergehend an den Hebeln der Macht sitzt, kritisiert. Und da ist so ein, ich will nicht böse sagen, Kuschelkurs, aber so doch eine recht unkritische Haltung entstanden im Laufe der letzten Jahre und so ein bisschen auch, manche missverstehen sich selber als Akteure im Politikbetrieb, als Teil des Ganzen. Und das ist was relativ Neues, da weiß ich aber nicht, wie das zum Beispiel in Dänemark ist.

SPEAKER_04

Ja, es ist auf jeden Fall auch eine Diskussion, also inwieweit verschiedene Medien eine Rolle spielen und inwieweit man auch kritisch demgegenbesteht. Also ich glaube, dass vielleicht auch, dass es die Debatte ein bisschen schwieriger macht, ist ja auch dadurch, dass alles, was auch in sozialen Medien hochgebracht wird, wird plötzlich zu einer Neuheitswert, wohingegen ja auch so die Lokalpresse und die lokalen Themen dann weniger eine Rolle spielen, weil wir so zentriert sind auf Meta-Konzerne, YouTube, sozialen Medien, aber dann auch die nationalen, die nationalen Medien. Das ist auf jeden Fall so eine Sache, die wir auch von unserer Partei gucken, dass wenn man guckt, wo die Leute eigentlich jetzt aktiv sind und auch ihre Energie herholen, dann sind die Bürgerinnen und Bürger, die gucken eigentlich darauf, was können sie im Lokalen verändern. Also was können sie direkt sozusagen vor der Tür, desto näher, desto besser verändern. Aber gleichzeitig sind, und dann organisiert man sich halt auch irgendwie in lokalen Facebook-Gruppen oder so weiter. Und dann ist man da ja auf der Plattform und kriegt da Nachrichten her, aber man ist dann und dann gleichzeitig ist das nationale Medienbild. Von daher ist da auch irgendwie eine Diskrepanz, die schwierig ist, weil man die Veränderung, die man dann lokal schaffen kann, die ist weniger. Einen Einsatz, den man lokal macht, kann man schwerer sehen, weil man zum Beispiel nicht dann in der Presse repräsentiert wird.

SPEAKER_03

In Dänemark gibt es ja, das wissen vielleicht viele in Deutschland nicht, zum Beispiel keinen Amazon. Also es gibt schon Dinge, die anders laufen. Aber Social Media hat den gleichen großen Einfluss, also da gibt es keine Unterschiede.

SPEAKER_04

Ich kenne jetzt die Zahlen nicht für Deutschen, aber so im Metakonzern, auch YouTube hat schon einen bedeutenden Faktor in Dänemark. Und dann auch, wenn man sagt, X ist Blue Sky, hat man auch benutzt, so um diesen Kontakt zwischen Journalisten, Politikern und verschiedenen Meinungsakteuren, ob das jetzt Lobbyisten und so weiter sind, als Forum benutzt.

SPEAKER_02

Bleiben wir beim Vergleich. Wir schauen ja auch immer gerne auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Der ist in Deutschland sehr stark, hat 50% plus Marktanteil, 21 Fernsehkanäle, 69 Hörfunkprogramme, über 1000 Podcasts und 2000 Social Media Auftritte. Schwergewicht. Ist das in Dänemark ähnlich? Der dänische öffentlich-rechtliche?

SPEAKER_04

Ja, das ist schon ähnlich. Also in Dänemark ist es so, dass Dänemarks Radio als öffentlicher Sender auch sehr stark präsent ist, sowohl im Fernsehbereich wie auch im Radiobereich und auch im Streaming-Bereich. Und dann gibt es noch auch einen öffentlich rechten Send2 heißt der. Da ist das so, dass es eine Aktiengesellschaft ist, aber staatlich Staatenbesitz, die ja neuere Formate ausprobiert und auch mehr mit Werbung und Abonnements arbeitet, um eine Selbstfinanzierung zu haben. Aber der Marktanteil liegt auch bei 50, 60 Prozent beim Fernsehen und 70% beim Radio. Aber dann ist ja auch die Frage, also dass dann hoher Markt auch immer noch ein Ort, wo sich die Gesellschaft sammeln kann. Aber es ist auch so, dass, also ich habe jetzt mal gestern auch nach Zahlen geguckt, also Facebook, der tägliche Facebook-Verbrauch ist bei über 60%, tägliche Verbrauch von Instagram ist bei fast 40%, Snapchat sind 30% und TikTok und LinkedIn liegen so 12, 13 Prozent. Und da werden ja auch Nachrichten konsumiert. So, von daher ist dann ja auch eher so die Frage: wo verbringt man seine Zeit? Also ein Teil ist der Marktanteil, die andere Frage ist dann ja, wo verbringt man eigentlich seine Zeit? Und da ist sozusagen das lineare Fernsehen nur noch bei 26 Prozent, aber dann on Demand ist dann bei 20 Prozent. Also da hat sich dann ja auch schon viel aufs Internet dann wieder verschoben, wo dann ja auch Formate anders gesehen werden.

SPEAKER_03

Wer sind denn die Meinungsführer in Dänemark? Also wer setzt denn da so die Themen, wenn es so Kampagnen gibt oder wenn mal wieder, wir sagen, dann gerne eine Sau durchs Dorf getrieben wird, thematisch. Das kommt ja häufig, sag mal, von bestimmten Meinungsführern. In Deutschland war das früher mal der Spiegel und die Süddeutsche. Mittlerweile ist es deutlich differenzierter. Wie ist das in Dänemark?

SPEAKER_04

Also ich würde auch sagen, dass es differenzierter ist. Zum einen der Zeitungsmarkt, das sind dann auch Konzerne oder auch meist im Stiftungsbesitz. Die können zum einen Themen setzen, aber auch, da ich das die sozialen Medien haben, ist es ja auch möglich, auch für NGOs oder auch für Politiker Themen zu setzen. Und Themen zu setzen kann ja zum einen sagen, also welche Themen man zum Beispiel im Wahlkampf dann wichtig sind, aber kann ja auch, wenn wir uns in die sogenannte Shitstorm-Richtung bewegen, dann kann das ja auch für Einzelpersonen möglich sein, Themen zu setzen, mit denen man sich dann auseinandersetzen muss.

SPEAKER_00

Aber das sind dann Themen, die werden eher über Social Media Kanäle gesetzt. Das ist ja was anderes, als wenn ich die Möglichkeit habe, mit meinem Thema dann stärker beispielsweise bei den öffentlich-rechtlichen auch zu landen, weil die sagen, wir müssen hier auch bestimmte Minderheitenpositionen sehr viel deutlicher abbilden.

SPEAKER_04

Also das stimmt, aber ich würde sagen, dass es jetzt differenzierter ist, inwieweit man also diese Meinungsführung, also wer dafür steht, also wo es nicht mehr so die unbedingt die Medienhäuser sind, die das machen können.

SPEAKER_03

Wie ist denn das mit der Akzeptanz des Öffentlich-Rechtlichen in Dänemark? Der ist ja in Deutschland regelmäßig umstritten. Wie ist das in Dänemark? Ist die Akzeptanz da höher?

SPEAKER_04

Also mich würde mal interessieren, wie eigentlich so die Akzeptanz in Deutschland ist. Also wie ist die Akzeptanz und inwieweit ein Thema, was man diskutiert?

SPEAKER_02

Einfach an, wo man fragt, im Osten Deutschlands oder im Westen sind die Akzeptanzwerte sehr unterschiedlich, also im Osten durchaus unter 40 Prozent.

SPEAKER_04

Okay, in Dänemark ist auch, also sowohl Dänemarks Radio und auch T2 immer noch als die Medienplattform gesehen. Ich sehe es nicht als Fernsehkanal, sondern mehr Medienplattformen, haben eine sehr hohe Akzeptanz zwischen 17 und 80 Prozent. Dann darunter rangieren auch die Medienhäuser, aber die sind dann so bei 50, 60 Prozent Leute, habe ich jetzt nicht so die Zahlen, aber das ist generell noch hoch.

SPEAKER_00

Also die Akzeptanz hierzulande ist sehr stark zurückgegangen und das hat auch damit zu tun, dass sich die öffentlich-rechtlichen Kanäle sehr viele Fehler erlaubt haben. Insbesondere seit der Corona-Zeit wurde das stärker thematisiert. So ein Vergleich. Ich habe die Tagesschau eine Zeit lang daraufhin begutachtet für ein Seminar, das ich als Einführungsseminar in Journalismus gebe, wie viele Fehler machen die. Und da wollte ich dann so immer meine gute Fehlersammlung, mit der ich ein viertägiges Seminar auch bestreiten kann, die wir dann eben besprechen und auch analysieren haben. Und da habe ich etwa im Jahr 2022 noch gut drei, vier Tage gebraucht. Im Jahr 2024 war ich nach weniger als zwei Tagen schon mit der ausreichenden und auch harten Fehlerzahl bedient. Also offensichtlich arbeiten unsere öffentlich-rechtlichen Medien auch tatsächlich fehlerbelasteter, machen mehr Fehler. Was man auch feststellen kann, die Berichterstattung ist über die Jahre ein Stück politisch einseitiger geworden und auch ein Stück einseitiger, was die Narrative angeht. Also herrschende Narrative werden stärker bedient, Narrative, die von den Rändern kommen, werden versucht, eben außen vor zu lassen.

SPEAKER_04

Aber es ist, also ich habe das auch Gefühl, wenn man, nun hat man gerade einen Wahlkampf angeguckt, also ich habe den ja auch in Deutschland verfolgt, es wird ja einfach so viel Informationen produziert, dass die Medien auch verarbeiten müssen, dass es auch ja ein, also ich würde zumindest sagen, ein schwieriger Job ist, da auszuwählen, weil da dieser Druck drauf ist, ständig auf den verschiedenen Plattformen irgendwas zu posten und wo Journalisten dann ja auch dafür bezahlt werden, wie viele Artikel man in möglichst kurze Zeit herausbringen kann. Also da ist ja auch ein Druck entstanden, so diese Schnelligkeit, die es ja auch schwieriger macht, dann Qualität zu liefern. Und da sind wir ja auch irgendwie alle daran beteiligt, weil es so eine extreme Nachrichtenflut auch haben. Also das meinte es eben, wer es eigentlich Meinungsführer? Also das früher waren das so dann so die Medienhäuser oder Redaktionen, die sagen, Filter waren und dadurch ja eine extreme Macht hatten. Jetzt ist das ja möglich, für mehrere Leute rauszukommen, aber es ist auch schwieriger, dann da zu filtern. Also wie seht ihr das?

SPEAKER_00

Also der Zeitdruck ist größer geworden, keine Frage. Auch das Angebot an Nachrichten an Informationen ist durch soziale Medien ausgedienter geworden. Aber ich stelle gleichzeitig fest, vor allen Dingen in Seminaren, die ich dann für Kollegen mache, die eben auch schon eine Zeit lang im Job sind, dass die Recherchefähigkeit abgenommen hat. Und das hat mehrere Gründe. Zum einen, gerade bei den öffentlich-rechtlichen ist die Recherchefähigkeit in der Fläche abgebaut worden, weil Mittel umgelagert wurden, also raus aus den recherchierenden Bereichen, aus den Nachrichtenbereichen, aus den informierenden Bereichen hin zur Unterhaltung und hin zu bestimmten digitalen Medien. Aber auch Auch was die persönliche Kompetenz der Kollegen angeht, dann bestimmte Recherchemethoden, digitalforensische Methoden beispielsweise oder ähnliches, einzusetzen, das hat sich eher gegenläufig rückwärtig entwickelt. Das wird weniger gekonnt als früher.

SPEAKER_04

Aber das ist ja ein strukturelles Problem, nicht? Also dass dann da auch die Ressourcen für fehlen oder dass man mehr auf Unterhaltung umgelagert ist. Also das ist ja auch, dass man, das ist ja auch irgendwie die Kritik, die ist ja auch in Dänemark, dass man ja in gewisser Weise auch die öffentlichen Rechtlichen zu viel umfassen und zu viel auf Unterhaltung setzen, aber wenn die Formate dann zu langweilig sind, dann gibt es auch wieder Kritik dafür. Also das ist, ich finde, da sind die Medien generell auch in einer schwierigen Situation, weil man zum einen die Quote oder die Klicks liefern muss. Und da sind wir extrem inzwischen über die sozialen Medien gesteuert als Gesellschaft und gleichzeitig will man gern Qualität haben.

SPEAKER_02

Ich erinnere mich an einen TV-Spot von TW2, der weltweit viral gegangen ist. Das müssen jetzt so acht, neun Jahre gewesen sein. Der hieß All That We Share. Und da sah man eine Gruppe Dänen wirklich unterschiedlichster Herkunft, Leute vom Lande, also Bauern, Menschen mit Kopftüchern und so weiter. Und dann wurden so Fragen gestellt. Und je nachdem, ob man diese Frage beantworten konnte, mit Ja, sollte man dann in die Mitte gehen. Und dann gab es halt so Fragen, warst du schon mal Opfer von Mobbing? Ja, und dann standen da plötzlich irgendwie die dicken dänischen Treckerfahrer mit irgendwelchen Einwandererkindern und so weiter. Und ich kann mir den immer wieder geben, diesen Clip, und finde den total berührend. Weil genau das ist eigentlich die Botschaft, worum es geht, was der öffentlich-rechtliche Rundfunk leisten sollte. In Deutschland tut er das schon lange nicht mehr. Das ist eben auch die Kritik, vor allem aus dem Osten, dass eben gewisse Schichten und Gruppen oder auch Wählerschichten nicht mehr abgebildet werden. Wie ist das in Dänemark? Könnte man diesen Spot heute noch so im dänischen Fernsehen laufen lassen und alle würden Herzklopfen kriegen und das unterschreiben oder hat sich da auch was geändert?

SPEAKER_04

Also bezüglich der Vielfältigkeit, nun bin ich ja selbst auch Einwanderer hier im Land und damit auch Gegenstand von Debatten, würde ich schon sagen, dass diese Vielfaltdebatte, die hört nie auf, sollte auch immer weitergeführt werden. Also die Debatten können schnell zu einer Debatte führen, dass es verschiedene Schichten gibt, die herausgestellt werden, ob es zum Beispiel Ausländer sind, ob es Muslime sind. Was ich ja interessant finde, auch mit dem Perspektive, ob man sich in Ostdeutschland durch die öffentlich-Rechtlinien repräsentiert, ist ja auch die Frage, inwieweit hat sich die wirtschaftliche Entwicklung und Fortschritt auf die Ballungszentren konzentriert, wo die ländlichen Regionen immer mehr zurückfallen. Und das ist eine Diskussion, die, was ich so mitbekommen habe, in Deutschland immer mal irgendwie so hochkommt, aber nicht so verankert wird. Ich würde sagen, dass es jetzt in Dänemark beginnt die Debatte jetzt, inwieweit man auch ein Land schaffen kann, wo man auch irgendwie in allen Bereichen des Landes Möglichkeiten hat, weil man ja auch in Dänemark, wie auch, also ja auch in Deutschland hat, zentralisiert hat und zum Beispiel Bildungsstädten zugemacht hat und die in größere Städte verlagert hat, wenn man sich auch die Landwirtschaft anguckt, die inzwischen ja sehr industrialisiert ist, wo es weniger Jobs gibt, dann war da ja in den letzten 30 Jahren eine große Fokus auf Zentralisierung und das in die Ballung steht zu verlagern. Das ist ja auch das Gleiche in Deutschland, aber es ist jetzt auch so, dass man sagt, dass es zum Beispiel viel zu, also es ist inzwischen zu teuer, in Kopenhagen mit einem durchschnittlichen Einkommen zu leben oder auch in Aarhus, wo man sagt, wir müssen auch wieder gucken, wie wir das Ganze breiter verteilen können. Und das bedeutet dann ja auch, dass man nicht nur guckt, wo man mehr Wohnungen baut, sondern man muss dann ja auch sehen, wie schafft man Jobs in der Nähe und wie schafft man Bildungseinrichtungen in der Nähe. Da habe ich auch, zumindest was ich noch in Kontakten in Deutschland habe, auch das Gefühl, dass das etwas, was beginnt, sich auch jetzt zu entwickeln, so Städte wie Berlin, die ja für viele lange preiswert waren, auch zu teuer sind und wo sich da Sachen außerhalb von Berlin entwickeln. Und in Hamburg ist es ja auch so, dass sich in den breiteren Umkreisen um Hamburg Sachen entwickeln. Von daher glaube ich, es da eine so ganz interessante Entwicklung zu sehen, inwieweit man den ländlichen Bereich wieder attraktiver machen kann. Aber ich glaube nicht, dass wir da die eine Lösung jetzt haben, sondern dass die Debatte jetzt anfängt, die ganz interessant ist.

SPEAKER_02

Ich komme nochmal zurück auf meine Frage, weil mich interessiert die Antwort, die ich noch nicht von dir gehört habe. Also der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Dänemark repräsentiert der deiner Meinung gesellschaftlichen Schichten.

SPEAKER_04

Ja, also das würde ich sagen, ja. Also das würde ich ja auch sagen, bezüglich der Akzeptanz von Dänmarks Radio und TW2 würde ich sagen, ja, das ist es immer noch, ich bringe das nur rüber auf die auch gesellschaftliche Entwicklung in meiner Antwort, weil ich die eine Sache ist zu sehen, ob man sich weiterhin repräsentiert fühlt. Das andere ist auch, wie war die Entwicklung in den letzten Jahren, da wo man wohnt, zum Beispiel in Bundesländern.

SPEAKER_03

Zur Akzeptanz trägt, glaube ich, also rede ja wie ein bisschen wieder blinder von der Farbe, aber was ich so mitbekomme auch dazu bei, es gab eben gerade Wahlkampf in Dänemark und da gab es ein Format, was ich mir in Deutschland eben so nicht vorstellen kann, auch schon gar nicht im öffentlich-rechtlichen Format. So ein Reality-Format, in dem die Speziellenkandidaten aller Parteien für 24 Stunden zusammen eingesperrt in einem Haus waren und dann von Kameras beobachtet wurden und die Gespräche quasi, die sie geführt haben, ohne Moderator mit beobachtet wurden und aufgezeichnet. Können Sie ein bisschen was davon erzählen, so eine Art Politik, Big Brother?

SPEAKER_04

Ja, das war ja sozusagen das Format, und natürlich ist es interessant, dass man so viele, also die Spitzen aller Parteien so einem Haus sammeln kann. Das Format an sich fand ich fand es weniger relevant, weil es interessiert mich ja nicht, wie die verschiedenen Parteispitzen ihre Pasta Bolognese zubereiten und oben zur Soße mit dazugehören oder nicht. Und mit welchen Gewürzen man dann die Bolognese mischt. Da finde ich, wird es, also zum einen schafft man ein Format, man hat das ja auch dann zum einen diese Kochszenen oder so gehabt oder auch gleichzeitig hat man das mit Interviews der einzelnen Parteispitzen gemischt, aber es ist so ein, und das ist ja nicht nur in Dänemark, es ist ja auch in anderen Ländern so, dass man eine Zuspitzung zu Parteispitzen guckt und dann kommt darüber eine Abstimmung, inwieweit die einzelnen Parteispitzen likable sind. Und damit wird dann ja Politik auch austauschbar, weil die Spitzen sind natürlich auch austauschbar und das glaube ich schadet auf Sicht der politischen Debatte, weil man diskutiert, wer jetzt wie seine Pasta Bolognese zubereitet und wie viel Fleisch man reinmacht, statt zu diskutieren, wie man zum Beispiel unsere Landwirtschaft umstellt oder so. Also ich glaube nicht, dass diese Reality-Formate unbedingt dazu beitragen, dass das Ansehen von Politikern, die wir trotz alledem in einer Demokratie wählen, dass die durch diese Formate steigt.

SPEAKER_03

Also die Kritik mit dieser Fokussierung auf die Spitzenkandidaten, das kann ich total nachvollziehen. Das ist ja ein generelles Problem auch in der Berichterstattung, dass eben gerne so Personenkonflikte erzählt werden, weil das viel einfacher ist, als in die Sachtthemen einzusteigen. Aber was ich an dem Format reizvoll finde, ohne es eben gesehen zu haben, dass man überhaupt an einem Tisch miteinander setzt. Und also wenn ich mir das so auf Deutschland übertragen vorstelle, es ist ja so, da war dann auch die amtierende Ministerpräsidentin mit der Frederiksen mit dabei. Wenn ich mir das in Deutschland jetzt vorstelle, da sitzt dann Friedrich Merz und trinkt einen Kaffee mit Heidi Reichenek und mit Frau Weidel und sie reden. Einfach die Tatsache, dass sie ganz normal miteinander reden, wäre ja in Deutschland schon eine Sensation, das gibt es ja nicht. Also es ist entweder ein Moderator dabei oder es ist ein Moderatgespräch oder man haut sich so die üblichen Floskeln um die Ohren. Die werden ja dann aber in so einem Format nach ein paar Stunden aufgebraucht, beziehungsweise durch die Situation und durch das Fehlen auch des Moderators ja irgendwie ist es eine ganz andere Situation und ich weiß nicht, ob das nicht auch ein gesellschaftliches Signal ist, dass man einfach am Tisch miteinander sitzt und miteinander redet, trotz aller wahrscheinlich auch in Dänemark höchst politisch unterschiedlichen Sichtweisen.

SPEAKER_00

Ohne Brandmauer, wie die heißt hier, ne? Ohne Brandmauer.

SPEAKER_04

Ja, also ich denke, dass man miteinander spricht und Sachen diskutiert. Dazu tragen die Formate sicherlich dazu bei, aber das ist eigentlich auch meine Erfahrung generell, dass man sich treffen kann und miteinander sprechen kann. Das weiß ich nicht, ob das nicht auch in Deutschland, also auch, also ob die Gespräche sind ja wahrscheinlich da. Sie werden dann aber nicht öffentlich gefühlt. Man trifft sich ja auch im Wahlkampf wird man ja auch Podiumsdiskussionen haben, wo man sich mit politischen, mit Kandidaten von anderen Parteien trifft. Und das, denke ich, da ist es ja auch wichtig, ordentlich miteinander zu sprechen, weil wenn man nicht ordentlich miteinander spricht, kann man auch, wird es schwierig, in bestimmte Themen auch reinzukommen, die wichtig für Leute ja sind. Und das sind wir eventuell dann hier in Dänemark auch, haben weniger Berührungsangst, Themen aufzugreifen. Und da finde ich, also so jetzt diese ganze Debatte, um wie weit sich der ländliche Raum entwickeln soll, finde ich eine ganz spannende Debatte, weil es geht dann weniger um Prioritäten in einer Gesellschaft, sondern wie man sich insgesamt als Gesellschaft, welche Entwicklung die Gesellschaft nehmen soll und inwieweit alle daran teilhaben können. Weil wenn man das, wenn man sich jetzt das anguckt, dann geht es ja auch um, wie stellt man eine industrielle Landwirtschaft um, wie verbessert man die Natur, aber inwieweit schafft man auch wieder Arbeitsplätze in den ländlichen Räumen, sodass es attraktiv ist, dort zu wohnen.

SPEAKER_00

Was ist denn da dann die Aufgabe der Medien, insbesondere der öffentlich-rechtlichen Medien? Moderieren die das? Moderieren die die das? Gehen Sie sehr stark auch in diese Diskussion mit eigenen Vorstellungen, mit Positionen? Sind da unterschiedliche Positionen auch mit besetzt? Wie sieht das aus?

SPEAKER_04

Zum einen ist es ja eine Moderation, aber ja auch von den Zeitungen und den Stiftungen, die haben schon so verschiedene, also nicht offen verschiedene Zugehörigkeit zu Parteien, aber sie haben schon politisch eine andere Richtung. Das wird man ja auch in Deutschland sagen, ob man jetzt Spiegel, Süddeutsche oder Frankfurter Allgemeine liest. Und die haben dann ja natürlich auch ihre Meinung und auch Meinungsführer, die sich dann ja auch klar positionieren, ob man jetzt zum Beispiel eine Vermögenssteuer haben möchte oder nicht. Also da kann man dann auch deutlich sehen, sowohl welche Zeitung das ist oder auch welche so politische Richtung da unterstützt wird.

SPEAKER_03

Gibt es denn, wir waren jetzt immer nur die Rede von den Leitmedien und so den Altmedien, die neueren, die alternativen Medien haben ja an Bedeutung in Deutschland gewonnen. Ist es in Dänemark ähnlich? Gibt es auch sowas wie, keine Ahnung, Nachdenkseiten oder News oder was auch immer oder Podcaster, die sagen mal, dann gibt es ja das Hotel Matze oder den Ben Bern, die einfach dann auch, sag mal, richtig schon Einfluss dann auch haben durch ihre Reichweite?

SPEAKER_04

Ja, also so Podcasts gibt es ja auch viele und es ist ja auch gerade ein Format, was ausprobiert wird und auch von verschiedenen Plattformen gepusht wird und die gibt es dann ja in verschiedenen Formaten. Es gibt aber auch jetzt zum Beispiel ein Medium, was jetzt vor zehn Jahren heißt Z Land, was sich darauf, oder wo der Ausgangspunkt war, als man das startete vor zehn Jahren, dass man eigentlich nicht mehr so viel wie möglich herausgeben möchte, sondern dass man lieber Qualität herausbringen möchte. Und das ist bezahlt mit Abonnementen. Und da ist es so, dass dort ein Überblick am Morgen herausgegeben wird und einer am Abend. Und dann gibt es zwei Artikel am Tag, die länger sind. Und dadurch, wo die ja auch viel Erfolg hatten, war, dass sie von Anfang an das sowohl als Leseversion wie auch als Hörversion herausgebracht haben. Aber genauso wie beim Podcast, so das Nall, das man nicht kennt, das ist so aufgebaut, dass man Teil des, man ist sozusagen Mitglied und kann auch hören, wie sich die sich das Medium Zettlern verändert und welche Überlegungen die haben. Also man versucht, das so ein Format zu schaffen, wo man mit dabei ist und mit dabei mitzuschaffen. Also so eine Community darum herumzubauen. Und ich finde, womit sie gelingen, ist auch, dass man, es werden dann ja nur zwei Artikel am Tag herausgebracht, aber dass man dann auch die Artikel direkt kommentieren kann auf deren eigenen Plattform und dass die, die zum Beispiel dann im Artikel mitgewirkt haben, auch Fragen beantworten, die noch dort sein könnten von den Hörern. Dadurch schafft man ja auch, also das apropos die Frage der Qualität, in der wir drin waren, das zu beleuchten, aber auch dann sozusagen die Mitgliederzuhörer dazu einzubinden, dass man mit Kommentaren kommen kann und dass die Kommentare dann tatsächlich auch relativ sind zum selben Artikel und nicht wie auf Facebook, wo man dann ja oft sieht, dass irgendwie entweder sind es verschiedene Gruppen, Gruppierungen oder auch einfach nur Bots, die Kommentare zu den Artikeln posten. So, von daher finde ich das auch ein interessantes Format, wie man auch ja, apropos Qualität auch mal mit Themen mehr so in die Tiefe gehen kann.

SPEAKER_02

Interessant fand ich auch vor zehn Jahren oder elf Jahren kam ein Impuls aus Dänemark, der nannte sich Konstruktiver Journalismus. Da gab es ein Buch von Ulrich Hagerup, der damals auch irgendwie Nachrichtenchef war oder auf jeden Fall beim dänischen Fernsehen gearbeitet hat. Ja, das ist ziemlich, zumindest in der Branche, ziemlich positiv aufgenommen worden. Ich erinnere mich noch, war damals bei WDR-Funk aus Europa, dass wir das diskutiert haben und da resultierte dann auch ein Format, was es heute noch gibt. Daily Good News heißt das. Wie ist das in Dänemark? Also war das eine Eintagsfliege oder hat sich dieses konstruktive Element, also dass man eben nicht immer nur draufhaut und Bad News is good news sozusagen, sondern dass man auch lösungsorientiert denkt und schaut, was funktioniert. Gibt es das in Dänemark in den Medien? Ist das präsent?

SPEAKER_04

Ja, und da würde ich auch sagen, dass gerade Zettel da also wirklich ein Medium ist, was da auch eine Führungsrolle unternimmt, weil die Artikel so aufgebaut sind, dass man natürlich auch Probleme beleuchtet, aber auch dann guckt, was können die Lösungsansätze eigentlich dazu sein. Und das würde ich schon auch sagen, generell, dass man guckt, also wer schafft eigentlich gute Lösungen, wo liegen konkrete Lösungen, die man eventuell dann auch von einem Pilotniveau auf ein größeres Niveau bringen kann. Und das würde ich auch sagen, dass man das im, also auch aus politisch, man macht ja auch dann jedes Jahr von den Haushalten, heißt es ja auf deutschen Haushalten, den man auch parteienübergreifend macht, wo man dann häufig auch kleinere Beträge reserviert für Pilotprojekte, die dann sozusagen zeigen können, dass sie auch in einem kleinen Scalern was anderes machen können, die man dann eventuell auch in einem größeren Format ausprobieren kann. So, von daher würde ich schon sagen, dass das ein genereller Ansatz hier in Dänemark ist, so zu gucken, okay, wo sind da Lösungen, die eigentlich funktionieren und kann man die kann man die in einem breiteren Scalar sozusagen implementieren.

SPEAKER_00

Ich habe ja mit diesem Ansatz des konstruktiven Journalismus zwei Probleme. Ein Problem wird in Deutschland häufig mit dem Konstruktivismus, also einer bestimmten Erkenntnistheorie, verwechselt. Und das zweite Problem, es gab da, ich sag mal, so etwas radikalisiertere konstruktive Journalisten, die dann auch affirmativen Journalismus gemacht haben. Also wir dürfen nicht mehr zu stark über Skandale, über Fehlentwicklungen berichten und wenn wir über eine Fehlentwicklung berichten, nur zurückhaltend, aber dann auch nur über solche, für die es eben auch schon Lösungen geben kann. Das hindert natürlich sehr stark die Aufgabe, vierte Gewalt tatsächlich zu sein und sowas wie Kontrolle auszuüben. Sind diese Fehlentwicklungen bei Ihnen in Dänemark da eher vermieden worden, die ich da so festgestellt habe, oder sind die da ähnlich gelaufen?

SPEAKER_04

Also das weiß nicht, also das ist für mich nicht so eine Frage, ob das eine oder das andere, sondern irgendwie könnte das ja auch. Natürlich soll man die Skandale aufdecken, die da sind und ja auch gerade auch hoffentlich Ressourcen haben von den verschiedenen Medienhäusern. Und gleichzeitig glaube ich aber auch, dass es helfen kann, Lösungsansätze zu zeigen, dass das eine konstruktivere Debatte geben kann. Also ich glaube, dass es eher so abhängig davon, welche Themen man jetzt anspricht.

SPEAKER_03

Ich würde gerne nochmal auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Dänemark schauen, weil da gab es, ich glaube, 2018 eine radikale Reform, wovon man in Deutschland derzeit eigentlich nur träumen kann. Mich würde mal interessieren, wie es dazu gekommen ist. Es gab ja auch in Dänemark eine Rundfunkgebühr oder einen Beitrag, der hat umgerechnet so ungefähr 340 Euro im Jahr betragen. Da wurde dann schrittweise gesenkt, wenn ich es richtig weiß, auf 105 Euro und dann abgeschafft. Und heute wird der, also das, was der öffentlich-rechtliche braucht, der Haushalt wird aus Steuergeldern bezahlt, wie so vieles übrigens in skandinavischen Ländern eigentlich fast alles. Sie haben ja auch gar keine, ja, kennen ja gar keine Rentenversicherung oder Arbeitslosenversicherung, wird ja, glaube ich, alles aus Sternen bezahlt. Und man macht das in Deutschland nicht, weil man sagt, es gibt dann eine politische Abhängigkeit. Also die Politiker könnten dann, wenn ihnen der öffentlich-rechtliche nicht mehr gefällt, eben einfach den Beitrag kürzen. Und jetzt haben wir ja die Situation, dass die Kommission zur Ermittlung des Rundfunkbeitrags da die Höhe festsetzt. Und die ist ja, sagen die zumindest so, unabhängig. Und das wäre dann eben nicht mehr unabhängig. Sind denn diese Befürchtungen berechtigt? Also hat es dann in Dänemark irgendwie Einflussnahmen gegeben aus der Politik, was die Höhe des Beitrags betrifft?

SPEAKER_04

Also das, was man 2018 durchführt, war ja ein politischer Beschluss von der Regierung damals. Von daher war das ja schon ein politischer Beschluss. Ja, und gleichzeitig hat man dann ja auch, also statt eine Lizenz zu bezahlen, hat man das auf die Steuern gelegt. Also früher war das ja eine Lizenz, die man bezahlt hat. Bis jetzt hat das nicht zu weiteren Einschränkungen geführt, aber es ist natürlich dadurch, dass man auch den Haushalt dann jedes Jahr in Dänemark diskutiert, auch politisch diskutiert, kann das dann ja auch je nach Regierung ein Thema sein, dass man dann den öffentlichen öffentlich-rechtlichen Rundfunk weiterkürzt. Und das dann kann man ja sagen, ja, solange sich der öffentliche rechtliche Rundfunk seine Relevanz behält, wird man das ja von der Bevölkerung aus nicht akzeptieren oder das könnte Probleme geben, aber ich sehe schon, dass das ein Problem werden kann, je nachdem, welche politische Stimmung da ist.

SPEAKER_03

Aber war die Reform denn damals akzeptiert, also in der Gesellschaft oder war das umstritten? Also man hat ja, glaube ich, wenn ich jetzt richtig weiß, ich glaube, zwei Drittel der Radiosender und Fernsehsender abgeschafft, ja auch im Zuge dieser Reform.

SPEAKER_04

Ja, also DR, also Den Max Radio musste dann einen Fernsehkanal schließen, was dann mehr ins Streaming überlagert wurde. Und es waren auch verschiedene Radiosender zur Debatte. Von daher ist das ja schon richtig. Und ja, gleichzeitig, aber wenn man sie auch anguckt, also inwieweit die verschiedenen Radiosender oder ja auch Fernsehsender, was die an Marktanteil haben, kann es ja auch sehr schwierig sein, dann auch in so einem kleineren Land wie Dänemark tatsächlich dann auch noch ausreihend Qualität zu produzieren. Also das weiß ich, wie man zum Beispiel das dann in der Schweiz auch in einem kleineren Land löst. Also da ist auf jeden Fall was, wo man, denke ich, auch drauf aufmerksam kann, aufmerksam sein muss, wo man zum einen durch Medienstütze, die man ja in Dänemark verteilt, verschiedene Formate auch unterstützen kann, um Innovationen zu schaffen, ja auch als private Lösung. Gleichzeitig ist aber, glaube ich, immer noch wichtig, dass man auch guckt, inwieweit man einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk schafft und bewahrt, der nicht abhängig davon ist, wie viele Klicks und Zuschauerzahlen und Werbeeinnahmen man hat.

SPEAKER_02

Habe ich das richtig verstanden? Es gibt sowas wie eine Medienstütze. Also als dänischer Bürger kriegt man sowas wie einen Gutschein oder so und kann dann entscheiden, welches Medium diese Stütze bekommt oder wie geht das?

SPEAKER_04

Nein, da weiß ich jetzt nicht genau, wie das verteilt wird, aber das sind dann verschiedene Medienangebote auf Deutsch. Die können dann sich bewerben, um die Gelder dann verteilt werden.

SPEAKER_02

Das ist dann eine politische Instanz, die entscheidet, wer wie viel Geld bekommt.

SPEAKER_04

Ja, das weiß ich jetzt nicht genau, wie das verteilt wird. Da gab es auch früher Diskussionen darüber. Deshalb kann ich mich nicht gerade festlegen, wie das verteilt wird.

SPEAKER_02

Ja, weil gerade dieses Mediengutscheinmodell finde ich total spannend. Das wurde mal in ein paar Staaten in den USA getestet vom Pointer-Institute. Und das, denke ich, ist doch eine sehr moderne Form, so etwas wie ein Rundfunkbeitrag von der Bevölkerung zu Medien zu garantieren, eben was auch ein unabhängiges und vielfältiges Medienspektrum dann garantieren könnte, aber eben staatsfern.

SPEAKER_04

Genau, und ja auch eine, weil das Medienformate unterstützen kann, also das kann ja auch zur Innovation beitragen, nicht, dass man sich überlegt, wie kann man an die Bürger herankommen, ob es über Print oder Podcast oder Mischform oder was es jetzt auch ist, rankommen kann? Von daher ist es bestimmt interessant, um das möglich zu machen und damit ja auch eine gewisse Konkurrenz zu schaffen.

SPEAKER_00

Gibt es denn aktuell Forderungen nach weiteren Kürzungen im öffentlich-rechtlichen Bereich oder ist diese Diskussion inzwischen weitgehend einfach zur Ruhe gekommen?

SPEAKER_04

Die gibt es immer noch von einigen Parteien, ja. Das glaube ich auch nicht, dass das aufhören wird, weil da auch noch ein bisschen Ideologie mit stimmt.

SPEAKER_03

Und das ist das ist wie in Deutschland dann eher aus der Ecke der dänischen Volkspartei, die jetzt mit der Alternative für Deutschland vergleichbar ist oder was ist gemeint mit politischer Ecke?

SPEAKER_04

Ja, also das kommt eher von denen den Parteien. Und in Deutschland ist es ja dann so die AfD, aber es sind auch, wir haben eine sehr liberale Partei, für die ja auch eine größere Privatisierung einfach wünschenswert ist.

SPEAKER_02

Das heißt aber dann auch im Umkehrschluss, dass die Vertreter der dänischen Volkspartei sich nicht unbedingt so gut vertreten fühlen vom Programm des dänischen öffentlich-rechtlichen oder ist das jetzt von mir eine Fehlinterpretation?

SPEAKER_04

Das weiß ich ja nicht. Also das muss ja jeder selbst dann sozusagen beurteilen, inwieweit er oder sie repräsentiert wird. Also ich finde es generell schwer, auch Formate zu schaffen, jetzt wäre auch eine kleine Partei, zwölf Parteien, inwieweit gibt man allen Parteien Platz und inwieweit diskutiert man Themen und inwieweit macht man es dann trotzdem noch interessant, für Bürger auch zuzuhören und gleichzeitig auch eine gemeinsame Plattform zu schaffen. Also das sind das ist schwierig. Und ich glaube auch, dass es generell, ja auch mit den sozialen Medien, wo wir in verschiedene Algorithmen abdriften, ohne eigentlich, dass wir wissen, wie das gesteuert wird, dass wir in sehr viele verschiedenen Nischen abdriften können. Wobei ich glaube, die auch gerade die öffentlich-rechtlichen haben eine wichtige Aufgabe, auch irgendwie so ein gemeinsames, immer noch ein gemeinsames Thema zu finden.

SPEAKER_03

Vielleicht sollten wir das.

SPEAKER_02

Einfach ist, schon Strichliste zu führen in den größten Talkshows und zu gucken, welche Parteien sind wie oft zugegen und deckt sich das mit den Wahlergebnissen. Und in Deutschland sieht man da ganz klar ein Ungleichgewicht zu Ungunsten der Blauen Partei, also der AfD, die einfach ordentlich weniger eingeladen wird. Die Grünen hingegen sind überrepräsentiert.

SPEAKER_04

Das weiß ich nicht, das habe ich nicht in Dänemark gehört über die Repräsentation. Also da kenne ich keine Zahlen dazu.

SPEAKER_03

Vielleicht sollte man das doch nochmal an dieser Stelle mal sagen. Du bist Geschäftsführer der Alternative, also der Partei, was in Deutschland zu Missverständnissen führen kann. Die Ausrichtung ist eher, korrigier mich gerne, links-grün proeuropäisch. Und bei der Parlamentswahl, die gerade zu Ende gegangen ist, habt ihr es über die 2%-Klausel. Es gibt keine 5%, sondern eine 2%-Klausel geschafft, mit 2,6% wieder eingezogen ins Parlament. Allerdings das schlechteste Ergebnis seit Bestehen der Partei. Wie fühlt ihr euch denn vertreten in den Medien? Wie ist der Umgang? Schafft ihr das da überhaupt euch, gerade schon angedeutet, zwölf Parteien Gehör zu verschaffen, so als kleiner Player?

SPEAKER_04

Also ich bin Vorsitzender des Hauptverstands, also nicht Geschäftsführer, aber von unserer Seite ist es schon schwer, in die Medien zu kommen, aber ich finde, es ist zu einfach, das zu kritisieren. Also ich glaube auch, man muss sich dann überlegen, inwieweit man mit seiner Politik, zum einen kann man ja ein Parteiprogramm haben und Meinung, wo man sich politisch, wo politisch die Gesellschaft sich hin entwickeln soll. Aber dann ist es ja auch die Aufgabe für einen selbst, das relevant zu machen. Und deshalb würde ich sagen, da haben wir als Partei auch eine Aufgabe zu sehen, wie können wir relevant sein und dann ja auch damit unsere Zustimmung in den kommenden Jahren vergrößern. Also ich denke, von unserer Seite ist es auf jeden Fall so, dass wir seit länger richtig stark keine Daten haben und wir müssen ja jetzt sehen, wie können wir uns weiter, wie können wir weiter relevant sein, wo wir auch sagen, Themen, die wir früher in den Medien und ja auch in die gesellschaftliche Debatte geführt haben, also die ganze Klimadebatte, das hat uns viel Zuspruch gegeben, wurde ja aber auch von den anderen Parteien jetzt übernommen. Dieses Jahr im Wahlkampf haben wir von Anfang an den Fokus auf unsere Landwirtschaft und aufs sauberer Trinkwasser gelenkt, was ein zentrales Thema im Wahlkampf wurde, was aber viel schneller als früher von den anderen Parteien dann auch übernommen wurde. Und wo wir dann ja eine Aufgabe haben, zu sagen, inwieweit nimmt die Bevölkerung dann auch unsere, also dass wir das sozusagen als Team setzen, aber dass sich nicht in Wahlergebnis widerspielt, das würde ich zuerst sagen, dass wir es auf uns selbst schauen sollen, bevor wir den Finger auf andere zeigen.

SPEAKER_00

Ja, mit Blick auf die Zeit würde ich, auch wenn wir als Podcast natürlich nicht an so strenge Zeitvorgaben gebunden sind, aber so eine Stunde haben wir ja mal als Zeitvorgabe uns mal gesetzt, würde ich ganz gerne zum Ende kommen. Es sei denn, es gibt auch wesentliche Punktfragen.

SPEAKER_03

Das war doch auch ein schönes Schlusswort, dem ich hinterhergelauscht habe. Ich sage ganz herzlichen Dank an Jonathan Ries in Kopenhagen für den Blick ins Nachbarland.

SPEAKER_00

Vielen Dank für das Gespräch. Ja, danke schön.

SPEAKER_03

Und ich bin gespannt auf die Kommentare. Da wird es bestimmt einige geben. Schreibt uns gerne, abonniert den Kanal. Und live sind wir zu sehen am 4. Mai in der König Galerie in Berlin. Da ist das Thema Kirche und Medien. Ich freue mich auf alle, die vorbeischauen. Tschüss, Infos dazu gibt es in den Folgenotizen. Tschüss.