Sachlich richtig
Einmal in der Woche schauen die vier etablierten Redakteure Annekatrin Mücke, Alexander Teske, Ole Skambraks und Peter Welchering auf einen aktuellen Aufreger in der Medienbranche und fragen, was sich aus dem Einzelfall lernen lässt und was dahinter steckt.
Die Medien-Insider berichten Internas aus dem Maschinenraum des Journalismus - egal ob Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk, Privat-TV oder Alternativmedien.
Sachlich richtig
Snicklink: „Ich verachte Journalisten“
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Snicklink, bürgerlich Willy Kramer, ist der Mann hinter dem viralen Trump-Disco-Clip „Blockade, Blockade“ mit über 50 Millionen Views. Der Berliner KI-Künstler sagt: Wir leben mitten im Informationskrieg. Jeder, der Inhalte erstellt, sei Teil dieses Konflikts.
Den etablierten Journalismus erklärt er für tot. Journalisten seien nur noch auf emotionale Trigger und schnelle Klicks aus. Snicklink sieht die Zukunft nicht in zentralen „Wahrheitswächtern", sondern in einer Gesellschaft, die ihre Medienkompetenz stärkt und authentisch bleibt. Eigenes Recherchieren und der Umgang mit KI-Werkzeugen sind dabei unumgänglich. Zum Schluss der Folge gibt er Tipps, welche KI-Tools nützlich sind.
„Blockade, Blockade“ von Snicklink
https://www.youtube.com/watch?v=HLsP5Tjf_hE&list=RDHLsP5Tjf_hE&start_radio=1
„MC Fidi - Keiner mag mich“ von Snicklink
https://www.youtube.com/watch?v=wonr6zY_0N8
„Ranicki hat die Schnauze VOLL!“ von Snicklink
https://www.youtube.com/watch?v=2ANCZzRWbm8
Website: https://snicklink.de/
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Also erstmal, falls jemand vom Spiegel zuguckt, I will never give you up. Straight of Hormuz must be shut. Blockad, Blockad. Die Welt braucht keine Journalisten mehr. Genauso wenig wie die Welt Künstler braucht oder Lehrer. Das alles kann artificiell emuliert werden. Aber vielleicht Leute mit einer Menschlichkeit, mit einem gewissen Talent, mit einem gewissen Wohlwollen, ja, die braucht es halt noch. Ich kann es total nachvollziehen, dass man einfach eine Prüfungsstelle für die Echtheit von digitalem Bildmaterial haben möchte.
SPEAKER_05Ich muss gestehen, ich hätte es nicht drauf, zu sagen, ich kann nur das umsetzen, ist mir egal, ob das jemand erreicht. Ich möchte tatsächlich gelesen werden oder gesehen werden.
SPEAKER_02Ich möchte auch gesehen werden.
SPEAKER_05Und da geht man ja aber immer auch Kompromisse ein. Wie löst du das für dich?
SPEAKER_03Null, ich gehe kein Kompromiss ein.
SPEAKER_08Sachlich richtig dumm. Mücke Scambrax-Tesgewelchering sprechen über Meinungsfreiheit, Rundfunkbeitrag, Social Media.
SPEAKER_06Poet, Prolet, Prophet. So steht es auf deinem YouTube-Profil. Arbeitstitel Memelord. Du machst KI-Kunst, und vor kurzem ist ein Clip von dir um den Globus gegangen. Darin sah man Donald Trump im 80s Disco-Pop-Look singend Blockad, Blockat auf die Melodie von Voyage, Voyage. Ich hab's immer noch im Ohr und so geht es bestimmt vielen. Ja, daraufhin wurdest du von vielen, vielen Medien angefragt. Du hast fast allen abgesagt, uns nicht. Deswegen sind wir unglaublich dankbar und freuen uns auf dieses Gespräch. Herzlich willkommen bei sachlich richtig. Snickling, alias Widikramer.
SPEAKER_08Hallo, freue mich hier zu sein. Ja, sehr schön. Dieser Trump-Clip von dir bekam über 50 Millionen Views. Neid, neid, neid. Wenn man dann noch die Uploads auf anderen Accounts mit dazu zählt, allein die iranische Botschaft von Südafrika sorgte für 9 Millionen Views. Damit bist du im Grunde Teil der hybriden Kriegsführung, würde ich mal sagen. Dem Propagandakrieg um Köpfe und Meinungen. Oder wie stehst du dazu? Willst du das oder nimmst du es nur lediglich in Kauf?
SPEAKER_03Ich erhöhe auf, wir alle sind Teil der hybriden Kriegsführung, ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht. Dann stimmt die Aussage, ja. Aber ich auf jeden Fall. Mir ist das völlig egal. A, ob ich Teil von irgendeiner Kriegsführung bin, ob mit meinen Daten irgendwelche Maschinen gefüttert werden, die dann gegen mich verwendet werden. Es gibt im Prinzip, also um das Interview schön sachlich zu starten, eigentlich kein Ausweg. Wir sind alle inzwischen Soldaten in einem Informationskrieg. Also jeder, der postet, jeder, der Videos oder Sprache oder Text oder irgendwas produziert, wird automatisch Teil davon. Manchmal ist es lustiger, manchmal ist es trauriger, manchmal ist es ernster, aber damit sollten wir uns, das ist ground level.
SPEAKER_08Das heißt, du warnst im Grunde genommen jeden davor, so naiv zu sein und zu denken, das sind nur so ein paar Leute, so ein paar Journalisten und ich habe damit gar nichts zu tun, weil es gibt ja fast niemanden wahrscheinlich, der nicht irgendwas postet.
SPEAKER_03Nee, ich warne gar nicht. Ich sage einfach, so ist das. Und sonst, also wenn man das nicht weiß, ist es auch okay. Vielleicht lebt man sogar ein besseres Leben. Und ich glaube, die Naivität ist einfach die, dass viele von uns noch in einer Welt, äh aus einer Welt heraus argumentieren, die es längst nicht mehr gibt, also die es seit 10 oder 20 Jahren gar nicht mehr gibt, die nicht mehr existiert, aber die Gedanken, die wir geformt haben zu bestimmten Themen, noch aus dieser Zeit existieren und rübergestülpt werden über eine Realität, die jetzt ist, die sich sekündlich weiterentwickelt. Und eine dieser Sachen, die bestimmt vor 30, 40 Jahren noch nicht so stark war, wenn aber auch schon trotzdem existent, ist, dass wir eben alle Soldaten in diesem Informationskrieg sind. Und das kriegen viele mit ihrem alten Weltbild nicht so d'accord, aber es ist de facto so, wenn man sich das mal genau anguckt, was da eigentlich abgeht. Und dieser Iran-Amerika-Israel-Krieg ist natürlich echt so ein perfektes Beispiel. Wir hatten in den 90ern zum ersten Mal diesen Live-TV War, den Irakkrieg, den zweiten, den ersten. Und da war das so ein Novum, ne? Es war so, auf einmal sind da Kameras und Embedded Journalists und wir kriegen den Krieg jetzt in unser Wohnzimmer.
SPEAKER_08Ich ganz kurz, ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, also 9091, wir waren als Studenten eigentlich gerade auf Protestzug, weil die Journalistikabteilung bei der Uni in Leipzig abgewickelt wurde als erstes und wir haben dagegen protestiert und mittendrin kam auf einmal aber dieses Kriegsthema und dann war uns das gar nicht mehr so wichtig. Und dann saßen wir am Ende an diesem kalten Januar bei mir zu Hause alle und haben da tatsächlich zugeguckt. Das hat sich bei mir echt eingebrannt. Das ist so ein Big Brother-Moment, absolut.
SPEAKER_03Ja, jeder erinnert sich daran, wie dann 9-11. Wir wissen Bescheid. Also es gibt pro Jahrzehnt, pro Kapitel auch immer eine neue Technologie, die damit einhergeht. Oder eine neue Psychologie, sagen wir so. Und dieser neue Krieg, der ist jetzt seit ein paar Monaten heiß, jetzt gerade kalt, aber im Prinzip noch warm, wie so ein Kaffee. Und da sehen wir zum ersten Mal wirklich eine ganz bestimmte Facette von Informationskrieg, nämlich dass der eigentliche Krieg, das eigentliche Schlachtfeld, der eigentliche Schaden auch, enhanced wird, verstärkt wird, durch KI betriebene Videos. Im ganz Speziellen. Nicht nur Bilder und nicht nur Memes, das hatten wir auch schon im Zweiten Irakkrieg. Ich habe darüber auch meine Diplomarbeit geschrieben, übrigens vor vielen Jahren. Sondern wirklich KI-Videos, die von allen möglichen Akteuren hergestellt werden. Manche zum Zwecken der direkten Propaganda, wie zum Beispiel diese iranischen Seiten oder die Seiten vom Weißen Haus. Manche indirekt, wie meine Videos, die das Ganze satirisch kommentieren, aber auf einer Meta-Ebene auch direkt Teil dieser Kriegsführung werden. So. Das ist die kurze Antwort auf das, was gerade passiert.
SPEAKER_05Stichwort Naivität, das hast du genannt, da komme ich ins Spiel. Ich sage immer, ich bin gerne naiv. Und tatsächlich hätte ich das alles, was du jetzt gesagt hast, vor zwei Jahren vehement abgestritten und dich irgendwie ins Verschwörungslager gesteckt. Und so nach und nach habe ich das Gefühl, ich wäre langsam wach und du hast selber gerade gesagt, es lebt sich möglicherweise ohne diese Erkenntnis eigentlich ganz gut. Wie war das denn bei dir? Also, war der das immer schon bewusst oder gab es für dich auch so einen Aufwachmoment? War das ein Moment oder war das eine lange Entwicklung?
SPEAKER_03Ich kann es an ein paar Punkten, glaube ich, irgendwie retrospektiv gut nachlesen. Also allgemein meine Familiensituation, die Art, wie ich erzogen wurde, was für meine Eltern gesagt haben, da war immer schon sehr viel, also teils lustiger, teils auch ernster Zweifel. Also, nimm nicht alles so ernst, was der Mann da im Anzug im Fernsehen sagt. Der geht danach in seine Küche, trinkt eine Cola und ist plötzlich ein ganz normaler Mensch wie du und ich. Auch was Autoritäten dir sagen, also das habe ich mit in die Wiege mitbekommen. Aber so konkret war es ein paar Jahre nach 9-11, dass ich mich doch mit Sachen beschäftigt habe, wo ich gesehen habe, aha, also diese Zweifel waren lange vor den Informationen dazu da, nur jetzt werden Sachen deckungsgleich. Dann viele Jahre später, während der Covid-Show, war es halt so, dass das Ganze noch intensiviert wurde. Also weniger das Virus oder der Impfstoff, sondern das, was gesellschaftlich eigentlich da vor sich ging. Das fand ich schon sehr spannend. Also so Nachbar-zu-Nachbar-Geschichten, Protagonisten in einer Welt, die sich plötzlich ändert. Also sagen wir, ich bin seit seit mindestens 25 Jahren auf diesem Trip und behandle das halt manchmal philosophisch, manchmal ernst, manchmal total gaganonsenshaft. Das sind diese zwei Welten, in denen ich mich bewege und die manchmal überschneiden die sich auch. Und ich habe das Gefühl, dass allgemein, diese beiden Pfade sich gerade kollektiv auch sehr stark beginnen zu überschneiden. Also Realität, Nonsens, KI, Verschwörung, offizielle Narrative, das wird langsam so ein so ein Hyperbrei, irgendwas Neues.
SPEAKER_06Du hast jetzt dein Elternhaus gerade ganz kurz angeschnitten. Ich habe irgendwo aufgeschnappt, dass du in Israel geboren bist und Eltern hast, die aus Russland kommen, zumindest teilweise. Ehemalige Sowjetunion, ja.
SPEAKER_03Ja, nee, das prägt natürlich. Da sind viele Linien, da sind viele Konflikte, Kriege, Religionen, Kulturen und ja, so gesehen, zumindest väterlicherseits war das eine wirklich eine ziemlich tragische Familienlinie, so gerade was so Sowjetunion angeht, Gulag und solche Sachen, wo dann wirklich ein ganzer Teil weggefallen ist. Mein Vater aber überlebt aufgrund von Jugend, aufgrund von Frischer, aber natürlich irgendwie geschädigt war fürs ganze Leben, aber auch was sein Vertrauen in Institutionen, in Systeme, in Staaten angeht. Das hat er eigentlich, genau wie ich, auf eine lustige Weise verarbeitet. Aber natürlich habe ich gemerkt, dass dahinter was sehr Ernstes, was sehr Trauriges und was auch sehr Verletztes ist. Und ich trage das weiter, ohne jemals davon Opfer zu sein. Nur in der zweiten Generation. Ich glaube, das hat mir alles, das hat mir alles einen gewissen Blick erleichtert auf die Welt. Also immer von vielen verschiedenen Perspektiven, wenn ich das mal so beschreiben kann. Aus der Deutschen, aus der jüdischen, aus der sowjetischen, aus der auch amerikanischen, weil ich da auch stark geprägt wurde, aus der lustigen, aus der ernsten. Und das sind immer so viele kleine Agenten, die da rumtanzen und sich immer so ihres rauspicken, wenn man das mal so erklären will.
SPEAKER_08Das sieht man ja auch ein bisschen an eben gerade an diesem Trump-Clip, der ja irgendwie so diese klassischen Blasen, die wir kennen, in denen wir uns ja auch oft bewegen, irgendwie gesprengt hat.
SPEAKER_01Blocker, blockad.
SPEAKER_08I thought this was easy peasy. Also da war ja, ob man jetzt pro oder contra Trump ist oder Iran sympathisiert oder ablehnt oder so, da bist du ja einfach total frech drüber weggegangen. Und wenn man jetzt deinen Hintergrund, wenn man sich das anhört, ist das dann ja wirklich in die Wiege gelegt? Also bist du so groß geworden oder ist es wirklich eine bewusste Intention vielleicht inzwischen auch zu sagen, schaut mal her, man muss sich an diesen ganzen Unsinn gar nicht halten, an diese Lager.
SPEAKER_03Also ich gebe zu, da ist nie besonders viel Intention dabei. Ich glaube, sonst würde ich den Spaß verlieren. Ich glaube, wenn man Journalist ist, Autor, was auch immer, Ingenieur, dann geht man da bewusst ran. Ich spiele, ich spiele mit Frequenzen, ich spiele mit gechannelten Personen, mit Inspiration, mit auch wo bin ich gerade. Jeder Tag ist für mich ein offenes Feld und ich muss mir das auch bewahren, sonst werde ich zum Beamten der Kunst, wenn man das mal so sagen kann. Das heißt, ich, da kommt irgendeine Information in meinen Kopf, die wird von hunderten Agenten bearbeitet auf Viralität, auf Spaß, auf das hatte ich schon mal, das würde ich gerne mal machen, das passt jetzt. Und dann kriege ich so ein geliefertes Menü. Wie in so einem Sterner-Restaurant. Das ist der Look, das ist die Musik, das ist der Witz, das ist die tiefere Ebene, das ist die Kritik. Let's do it. So, dann bin ich da dran, fünf Minuten oder fünf Tage, je nachdem wie lange das dauert. Dann ist es fertig und dann geht's raus und während die Welt das so langsam wahrnimmt, bin ich schon fünf Sachen weiter.
SPEAKER_06Wobei in deinem Buch, du hast ja ein Buch geschrieben über dieses Trump-Meme, diesen Clip, ja. Meme Wars, heißt es, kann man auf deiner Seite einsehen, beziehungsweise kaufen. Und da schreibst du ja, dass du das Ding erstmal hast liegen lassen und auch eine Nacht drüber geschlafen hast und dich dann irgendwie gefragt hast, ja, schafft das Frieden, wenn ich das jetzt rausbringe?
SPEAKER_03Ja, das ist so ein Gedanke, der immer mitschwingt. Das stimmt, das nicht nur Frieden, sondern ist das eine Sache, die ich für den kurzen Kick mache, um irgendwie Reaktion zu bekommen und gefeiert werde. Aber ist das auch eine Sache, die, wenn meine Tochter sie in zehn Jahren sieht, dass ich so gesehen werden will? Oder ist es eine Sache, die vielleicht gerade mit dem Schicksal von einer einzelnen Person spielt? Donald Trump ist eine öffentliche Person, kein Problem. Aber werden da Leute von oben herab, ich mache wirklich eine moralische Prüfung. Jeder Sache, auch wenn das niemand jemals, wenn es niemand interessieren würde, es muss sich rein anfühlen für mich. Das stimmt schon. Und mit dem Buch war natürlich auch interessant. Ich habe die Gelegenheit genutzt, einfach diese eine Woche, die sehr spannend und aufregend war, einfach den Moment festzuhalten und dabei mit einer KI natürlich, also die hat mir Fragen gestellt. Ich habe meine authentischen, ehrlichen, momentan Gedanken geteilt und das wurde dann mehr oder weniger in Form gebracht. Das ist jetzt nicht mein Magnum Opus natürlich, das ist ein Bestandsbericht. Aber ja, es muss sich gut anfühlen, weil ich mache ja auch viele von den Dingern. Ich mache das ja seit fast 25 Jahren im Prinzip. Seit dem frühen Internet auch. Und wenn man dann tausende Dinge hat, muss man sich irgendeine Form von, wie soll ich sagen, ja, durchgängiger Validierung bewahren. Dass man nicht einfach ins Leere schießt die ganze Zeit, sondern weiß, okay, klar, die Sachen, die ich vor 20 Jahren gemacht habe, für die muss ich mich nicht mehr rechtfertigen. Aber jetzt kann ich das machen. Jetzt in diesem Moment kann ich mir sagen, hey, vielleicht lässt du das. Vielleicht ist das nicht gut für die Welt. In dem Fall hat der Clip gewonnen.
SPEAKER_05Diese Prüfung kann man ja eigentlich, finde ich, großartig allen empfehlen, die, bevor sie posten, mal in Nacht drüber schlafen. Allen Medien auch. Und das wäre auch der Übergang zur Frage, die Medien fingen an zu berichten, als der Clip viral ging. Und da war recht wenig Wohlwollen dir gegenüber zu verspüren. Der wurde da auch so Propaganda vorgeworfen und der Spiegel schrieb sogar, es sei zu hören, dass ja kein Gesangsprofi am Werk war, was wirklich eine Frechheit ist, weil du ja ausgebildeter Sänger bist. Was hat dich denn an der Berichterstattung am meisten getroffen oder gestört?
SPEAKER_03Also erstmal, falls jemand vom Spiegel zuguckt, I will never give you up. Straight of Hormuz must be shut. Blockard, Block Hard. Ich kann schon singen, aber natürlich sind da viele Filter drüber. Ich bin auch teilweise ausgebildeter Sänger, aber ich bin jetzt nicht der beste Sänger der Welt, darum geht es nicht. Es geht darum, das, was du gerade gesagt hast, ist sehr interessant. Nicht nur Leute, die irgendwas posten, sondern auch Journalisten sollten sich fragen, warum sie das machen. Weil die Welt braucht keine Journalisten mehr. Genauso wenig wie die Welt Künstler braucht oder Lehrer, das alles kann artificiell emuliert werden. Aber vielleicht Leute mit einer Menschlichkeit, mit einem gewissen Talent, mit einem gewissen Wohlwollen, ja, die braucht es halt noch. Und ich merke halt immer mehr, dass dieser Mainstream-Journus, abgesehen jetzt vom Quatsch, den er schreibt, dass es das Mindset genauso ist wie bei einem 14-jährigen TikToker. Also mit Ansage. Ich glaube, die kriegen das als Manifest. Bitte keine Zeit verschwenden an Recherche, Background-Checks oder überhaupt Zeit, sondern einfach ganz viel, ganz schnell raushauen und bitte, bitte, bitte sorgt für Empörung. Bitte sorgt dafür, dass Leute negativ darüber reden, weil das gibt uns Engagement gibt. Das ist das ganze Modell. Das ist eine vollige Absurdisierung, eine völlige Pervertierung vom Journalismus. Also es geht einfach nur noch um Reaktion, irgendeine Reaktion. Obwohl alle wissen, dass ob das jetzt im Spiegel, in der Zeit, in der FAZ, im Fokus, Stern oder 500 anderen Dingen läuft, niemand interessiert es mehr, was für ein Logo da ist, was für ein Journalist, was für eine Qualität ist, es ist einfach nur irgendein Brei, der völlig seine Relevanz verloren hat. Komplett.
SPEAKER_06Damit provozierst du natürlich jetzt auch. Und vielleicht liegt es ein bisschen anders, weil ich habe jetzt eher rausgehört, dass es diese Form des Journalismus, also die wir so seit 15 Jahren ungefähr erleben und die in Amerika groß geworden ist, dass wir die vielleicht nicht mehr brauchen. Aber ja, nennen wir das mal, so den traditionellen oder den klassischen Journalismus, wo du gar nicht spürst, wo steht denn jetzt der Journalist, der will mir nämlich nichts verkaufen, keine politische Haltung, sondern einfach nur eine Geschichte zeigen, die so passiert ist und vielleicht ist sie auch so passiert und er zeigt eben die verschiedenen Angle, ja.
SPEAKER_03Also in der Theorie ja. Aber in der Theorie ja, in der Praxis zweifle ich daran. Find mir einen Journalisten, der sowohl das Handwerk beherrscht, also nicht einfach nur irgendwie sich hinsetzelt und macht, sondern ein gut ausgebildeter, talentierter Journalist is, als auch unideologisch daran geht, also wirklich objektiv and auch, und jetzt kommt das Wichtigste, bereit ist, sein Ruf, his gehalt, his standing, and demnächst vielleicht sein social credit score, to riskieren, damit die Menschheit eine Scheibe der Realität durch seine Brille empfängt. So, ich würde sagen, es sind null bis ein Prozent, aber das ist nur gefühlt. Und solange das nicht so ist, bin ich persönlich nicht interessiert. Für mich waren früher als Kind Journalisten irgendwie eine Mischung aus Autor und Weltverbesserer. Leute, die wirklich versuchen, irgendwie da was reinzupumpen und nicht einfach nur eine Reaktion herbeizuführen. Das kann jeder. Das kann jeder Gossen-Journalist. Also bewusst die Wortwahl manipulieren, weil er weiß, das sind die Trigger. Wir sind ja alles sehr einfache Wesen. Wir haben Hunger, wir haben Durst, wir wollen Liebe, wir wollen gehört werden, gesehen werden. Und wenn da jemand da reinstichelt und genau weiß, dass Leute sich darüber aufregen, dann ist das für mich der verachtenswerteste Beruf auf dem ganzen Planeten. Es ist ein Spiel mit der Psychologie der Menschen. Und ich sage das auch bewusst so. Ob das jetzt diese Form ist des Journalismus oder nicht, sekundär. Für mich ist der Beruf inzwischen, der hat seinen kompletten Ruf verloren. Abgesehen davon, rein wirtschaftlich, macht Journalismus in diesem Sinne überhaupt keinen Sinn mehr. Weil natürlich viele Redaktionen schon mit KI arbeiten, downsizen, das Geld gar nicht mehr haben, immer schneller werden müssen, immer, der Einzelne muss mehr bearbeiten. Also der Journalismus, und ich sage das übrigens für mich auch nicht bewertend. Ich sehe einfach, dass das passiert. Das ist einfach eine Bestandsanalyse. Ist also ein spannendes Thema. Oder wie steht ihr dazu?
SPEAKER_05Jaja, also mir ist gerade durch den Kopf gegangen, gibt es überhaupt einen Markt dafür, wenn man mal beide Seiten erzählt. Ich habe es zum Beispiel mit meinem Buch versucht und es ist gar nicht wahrgenommen worden. Jeder hat nur sich sein Teil rausgegriffen. Es gibt ja auch Kapitel, die die Tagesschau zum Beispiel verteidigen gegen so Bashing von außen. Das ist aber überhaupt nicht aufgegriffen worden, sondern es wurde nur die Kritik rausgezogen und da eben auch dann, ich sag jetzt mal, teilweise auch durchaus instrumentalisiert. Das heißt, wenn man so eine ausgewogene Geschichte macht und wenn man jetzt dann einen Titel drauf geschrieben hätte, keine Ahnung, pro- und Kontra-Tagisschau, das hätte ja kein Mensch gekauft. Also man muss natürlich irgendwie auch, das hat ja auch was damit zu tun, dass es eben eine Institution ist, die, sagen wir, großes Vertrauen genießt. Und wenn jetzt jemand kommt und da irgendwie unten ans Denkmal pinkelt, dann ist das natürlich interessant und dann interessiert man sich auch nur für diesen Teil, was ja nicht heißt, dass man den anderen nicht wahrnimmt. Aber diese Brücke zur KI finde ich sehr interessant, weil dieser einfache Journalismus, den du beschrieben hast, dieser Empörungsjournalismus, Clickbaiting und so weiter, das kann ja tatsächlich demnächst eine KI ganz gut. Nicht nur dem Jahr. Diese tiefe Recherche, dieses Komplexere, das kann sie aber vielleicht zumindest für eine gewisse Zeit eben noch nicht so. Und da ist vielleicht. Doch, kann sie 100%.
SPEAKER_03Das ist nicht die Frage. Aber dauert vielleicht noch ein bisschen, oder? Nee, es dauert auch nicht mehr lange. Es ist schon da. Es wird bewusst.
SPEAKER_05Ich sag das nicht.
SPEAKER_03Guck mal, also zwischen uns, die Frage ist doch nicht, was kann jemand anders besser? Das ist doch eigentlich nicht die Frage. Die Frage ist doch, was möchte man von Herzen machen? Womit kann man die Welt bereichern? Wenn ich jetzt mein Zeug mache, meinen Trump-Clip, ich meine, seien wir ehrlich, irgendein anderer Kann diesen Clip auch machen, besser machen, aber das ist mir doch egal. Ich habe gerade Bock drauf und mache es. So. Und ich höre doch nicht auf, nur weil jemand sagt, sorry, ich mache den doppelt so schnell und doppelt so gut. Nein, das spornt mich doch eher an. Aber wir müssen bei der Wahrheit bleiben. KI kann ein Mensch, alles was ein Mensch an einem Computer machen kann, kann eine KI bereits mindestens genauso gut. Es gibt ein paar spezifische Sachen und Twists und Takes, wo der Mensch noch im Vorteil ist, aber wir reden hier von Monaten. Wir reden hier von einer kompletten Übernahme. Was Kreativität angeht, was bestimmte, ganz bestimmte Fähigkeiten angeht, da wird es 100% noch dauern. Vielleicht wird es es auch nie einholen. Aber wir müssen wirklich bei den Fakten bleiben. Es ist soweit. Es passiert.
SPEAKER_08Aber ein Einspruch euer Gnaden.
SPEAKER_03Ja, bitte.
SPEAKER_08Also erstens sehen wir drei uns ja auch als Journalisten und keine Ahnung, ob wir es in deinem Ranking in das eine Prozent schaffen würden. Wir haben auf jeden Fall alles riskiert und auch viel verloren.
SPEAKER_07Respekt.
SPEAKER_08Ob wir jetzt die super guten Rechercheure, investigativen Journalisten sind, das kann ich nicht sagen, weiß ich nicht. Aber ich glaube, der Begriff des Journalismus wird ja auch ein bisschen eng gefasst. Und ich denke, das, was du jetzt sagst, was die KI sehr gut kann, das ist eben, ja, wie soll ich sagen, das Schwarzbrot. Und das war ja auch immer schon so, Leute, die ihr Leben lang nur Schwarzbrot gemacht haben, die kannst du, glaube ich, sehr gut per KI ersetzen. Aber zum Journalismus gehört ja auch das Erzählen von Geschichten. Also ich habe ja sowas auch gemacht, einen Film gemacht über Kraniche und über Menschen, die die Kranische schützen und so. Und da sage ich mal, das kann eine KI nicht, weil, also sie könnte es vielleicht, wenn es sehr gut, sehr viele gute Filme gebe, könnte sie vielleicht daraus was Neues zusammensetzen. Aber die Voraussetzung ist immer noch, dass der Mensch mit Menschen in Kontakt tritt.
SPEAKER_03Ja, aber da reden wir jetzt von zwei verschiedenen Realitäten. Das eine ist die wahrgenommene Realität, das andere ist die, oder ich sag mal, vielleicht nicht de facto Realität, aber die technische Realität. Und die technische Realität ist eine völlig andere als Leute, die zum Beispiel mit ChatGPT experimentieren und dann irgendwann drauf kommen, dass der schreibt ja voll doof, das klingt ja gar nicht wie ein Mensch. ChatGPT ist nicht KI. ChatGPT ist ein winziger kleiner Halm in dieser KI-Welt. Du musst natürlich die richtigen Tools auch nehmen, musst dich damit befassen, musst Papers mit einbeziehen, Studien, Forschung, die neuesten Modelle dasselbe arrangieren, dann kriegst du auch etwas, was tausendmal besser ist. Aber mein Bedürfnis ist, ehrlich gesagt, auch gar nicht immer wieder die gleiche Platte abzuspielen, nach dem Motto, Gott, die Welt braucht uns nicht mehr, wir werden alle ersetzt. Es ist genau das Gleiche gewesen, als Fotoapparate entwickelt wurden, dass Maler nicht mehr gebraucht wurden, als das Auto kam, wurden Pferdekutschen nicht mehr gebraucht, die Welt verändert sich, manche Leute passen sich an, manche bleiben zurück. Es ist eigentlich ein uraltes Konzept. Das Einzige, was jetzt neu ist, ist, dass intellektuelle Dinge synthetisiert werden und dass es viel, viel schneller geht. Also nicht Dekaden, nicht Jahrhunderte, sondern Monate und Jahre. Das ist das, was ich sagen kann. Und ich glaube, um das vielleicht abzuschließen, diesen Teil, dieses Erwachen über diese Realität, die wird sehr, sehr schmerzhaft und die wird sehr bald kommen. Also sehr bald.
SPEAKER_06Okay. Ich bin da ziemlich bei dir, also bei deiner Analyse und ich habe mich auch sehr auf das Gespräch jetzt gefreut, um so deinen Standpunkt zu kriegen. Aber ich verstehe es noch nicht so ganz, weil du eben KI wie so eine Gottheit irgendwie betrachtest und dir auch mal erwähnt hast, ja, KI kann uns helfen, als Menschen so besser mit unserem Leben klarzukommen. Und ja, bin ich immer noch bei dir und gleichzeitig sage ich, es ist aber eine sehr naive Denkweise, weil da ignorieren wir ja von wem KI programmiert wird und wo das herkommt. Also die ist ja nicht im luftleeren Raum entstanden oder für das Wohle der Menschheit.
SPEAKER_03Die birgt auch viele Gefahren und das sollte man auch alles ernst nehmen, aber das sind ja wieder zwei völlig verschiedene Dinge. Das eine ist, ich sage, da ist ein gewisses Potenzial, um Dinge zu vereinfachen, zu automatisieren, besser zu machen, vielleicht auch Dinge zu machen, die selbst hunderttausend Menschen nicht könnten, wie einen gewissen medizinischen Fortschritt herbeizuführen. Aber wem das gehört und was für dunkle Seiten das hat, das ist ja genau die andere Seite des Schwertes. Das ist klar, aber das hat, aber das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Also wenn du das nicht nutzen willst, nutze es nicht. Genauso wie du einen Fernseher nicht nutzen willst, weil der eben auch super Tierreportagen zeigen kann, aber auch Müll, der deinen Kopf blockiert. Also müssen wir uns jetzt fragen, wo ist jetzt genau der, wo ist das Argument jetzt?
SPEAKER_06Ich frage mal anders. Was rätst du deiner Tochter? Ich weiß nicht, wie alt sie ist, aber neun, genau. Also in zehn Jahren, was würdest du ihr raten?
SPEAKER_03Ich würde dir gar nichts raten. Ich würde dir einfach vertrauen, dass sie eine gute Erziehung hat und eine gute Menschenkenntnis entwickelt und in einem liebevollen, vertrauensvollen Umfeld aufwächst und von da an selber ihren Weg gehen muss, dass KI in ihrer Jugend und in ihrem Erwachsenen-Dasein eine viel größere Rolle spielen wird als in unserem, die das alles erst seit zwei, drei Jahren kennen und damit experimentieren, das steht außer Frage. Das steht außer Frage. Das heißt, die Frage ist dann auch, wie viel Entscheidungsraum wird sie eigentlich besitzen in einer Gesellschaft, die entweder zu einem utopischen Maße kaisiert ist oder zu einem dystopischen, das kann ich nicht beantworten. Das ist eine Gesellschaftsfrage. Das ist auch eine technologische Frage. Aber haben wir noch eine Chance, das zu beeinflussen?
SPEAKER_06Also dystopisch, utopisch oder ist der Zug abgefahren?
SPEAKER_03Der Zug ist abgefahren. Wir können das alle individuell nutzen, jetzt, die nächsten Jahre, um Dinge zu tun, die vorher nicht möglich waren in diesem Maße. Also ich mache das jeden Tag. Und ich sehe auch andere auf völlig anderen Gebieten, Medizin, Finanzen, Jura, was auch immer, Journalisten, die das nutzen und sich besser machen und sich auch besser fühlen, weil sie auch so eine Errungenschaft erleben, so, hey krass, ich habe jetzt 20 Agenten programmiert, die arbeiten für mich, das fühlt sich an wie eine Firma. Ich würde sonst meine Zeit verschwenden mit diesen 90 Prozent, die mir keinen Spaß machen. Und ich kann mich darauf konzentrieren, was mir Spaß macht. Ob das jetzt eine Dystopie oder eine Utopie wird, das ist, ich meine, haben die Leute, die den Kommunismus eingeführt haben, das gemacht, um die Menschen zu versklaven und zu terrorisieren, wo auch meine Familie Opfer waren. Nein, die sind da mit großen Tönen und mit Enthusiasmus rangegangen, weil der Kommunismus genau auch diese beiden Seiten hat. Der hat ein Potenzial, die Welt zu verbessern und der hat ein Riesenpotenzial, die Welt zu verschlechtern. Aber der Kommunismus an sich ist nicht das Problem. Das Problem ist, was machen Menschen daraus? Wie akzeptieren Leute das? Wie gehen sie damit um? Was erlauben sie? Und das gilt eigentlich für alle Sachen. Wir sind ja eine dynamische Spezies. Deswegen, ich mache mir darüber echt überhaupt keinen Kopf. Ich kann nicht sagen, was in zehn Jahren ist. Ich kann die nächsten zwei, drei Jahre ziemlich akkurat skizzieren, wenn es von mir verlangt wird, weil es ist eindeutig. Da ist ein Vektor und du kannst genau sehen, wo es hingeht. Aber danach weiß ich nicht.
SPEAKER_08Aber du hast ja den Menschenverstand angesprochen, als es um deine Tochter ging. Das heißt, es ist ja doch der menschliche Faktor, der offensichtlich ja doch ausschlaggebend ist, wie ich mit all diesen Dingen umgehe, so wie mit allen anderen Dingen in den vorherigen Medienrevolutionen ja auch. Da muss ich ja mal daran erinnern, dass der Buchdruck ja auch als ein Werk des Teufels sozusagen angesehen wurde. Aber ich habe schon so ein großes Bedenken, also es ist ja jetzt schon schwierig, gerade bei Bildern irgendwie klar zu kriegen, wo kommen die her, wer hat die gemacht und diese Gläubigkeit an Bilder, die hat mich auch gerade während Corona wirklich erschreckt, weil ich dachte, mein Gott, also das müsste da doch inzwischen eigentlich alle wissen. Dass nur weil ich was mit Augen sehe, hat das nichts mit Realität zu tun. Aber das scheint ja immer weiter in die Richtung zu gehen. Und wo soll man den Kompass hernehmen davon?
SPEAKER_03Guter Punkt, sehr guter Punkt, gutes Beispiel. Ich möchte ein Gegenbeispiel bringen, was das hoffentlich auflöst. Gehen wir zurück in eine Zeit vor KI, also wirklich vor KI. Vor fünf Jahren oder vor zehn Jahren, ja. Das Wort wurde nur von irgendwelchen Nerds benutzt, das hat überhaupt keine Rolle gespielt in unserem Alltag. Ich habe auch keine KI-Kunst gemacht, das gab es einfach nicht. Das heißt, diese Täuschung, die wir jetzt erleben, wo ich wirklich auch teilweise zweimal hingucken muss, ist das jetzt ein Mensch, der leidet oder sind das Computerpixel, ist das ein echtes Bild oder nicht? Das war mit KI überhaupt nicht möglich. Aber das ist doch konstant auch dort geschehen, durch Massenmedien, durch Verarschung, durch Narrative, durch von Mondlandung bis was, ich will es jetzt nicht einzeln bewerten, aber Bilder, die die Gesellschaft geprägt haben, verunsichert haben, geleitet haben, manipuliert haben und wir keine Möglichkeit hatten zu wissen, ist das jetzt echt oder ist es übertrieben oder gar fake. Das heißt, braucht der Mensch wirklich die KI, um verarscht zu werden? Meiner Meinung nach, nein. Das wird seit zehntausenden Jahren gemacht, seit es Menschen oder moderne Gesellschaften gibt. Die herrschende Klasse hat ein gewisses Narrativ, was gestärkt werden muss und jeder, der dagegen ist, muss im Prinzip umgebracht werden, sonst funktioniert es nicht mehr. Und es hat sich verdichtet, ja, es hat sich verdichtet seit ein paar Jahren und es wird sich noch sehr viel mehr verdichten. So, aber wir müssen damit klarkommen, weil das ist gerade der Stand der Welt. Es ist möglich. Es wird gemacht von Leuten wie mir, von anderen Leuten, die damit spielen und von Leuten, die es sehr böse meinen. Und wir müssen einfach unsere Gehirne auf den neuesten Stand bringen, unsere Kinder irgendwie damit in die Welt schicken und wir müssen damit klarkommen.
SPEAKER_05Da das ein gutes Stichwort die Gehirne auf den neuesten Stand bringt, dass unser Gehirn hat sich ja über zehntausende Jahre entwickelt. Und die technische Entwicklung geht aber so rasant, dass ich das Gefühl habe, wir kommen nicht hinterher. Also diese Manipulation in den Medien, das gab es natürlich immer schon. Ich erinnere mich, als nach dem Zweiten Weltkrieg die Russen und die Amerikaner zusammentrafen, da bei Torgau, dann wurde, entstand dieses berühmte Foto. Das ist natürlich so, dass es ein gestelltes Photo. Aber es zeigt ja trotzdem, auch wenn es so nicht stattgefunden had, hätte es stattfinden können. Es ist ja nicht eine Verfälschung der Realität. And when ich mir jetzt so die Bilder von Bergamo zum Beispiel, Corona-Zeit, es ist insofern eine Verfälschung, weil es immer nur ein Sark im LKW and it was also so ein ewiges Bild. Es wurde suggeriert, dass es Massen sind, aber natürlich gab es Tote. Und jetzt gibt es aber ganz andere Möglichkeiten. Ich kann ja jetzt schon tatsächlich eine Realität kreieren, die es überhaupt gar nicht gibt. Also ich könnte jetzt an in der ARD in den Tagesthemen zeigen, dass das ein Krieg ausgebrochen ist, den es nicht gibt. Und sehr viele würden das, glaube ich, glauben. Und diese Medienkompetenz, die ist bei vielen überhaupt nicht vorhanden, die ist erschreckend gering. Wenn ich mir das manchmal ansehe, es gibt ja diese Parodie-Accounts da bei X und woanders, auf was für banale Sachen die Leute reinfallen.
SPEAKER_03So wie auch vor 50 Jahren, so wie auch vor 1000 Jahren. Ich sehe da keinen Unterschied. Was ich sehe, ist, dass mit der Perfektionierung dieser neuen Methoden auch die Guardrails härter werden. Also du kannst ja, du hast ja trotzdem eine Möglichkeit, so ein Video durch einen Filter zu schieben, meinetwegen auch auf den sozialen Medien oder auf extra Seiten, wissenschaftlichen Seiten, und zumindest erkennen zu können, wie hoch es die Wahrscheinlichkeit ist, das KI generiert ist. Das heißt, mit den neuen Technologien wird auch die Erkennungsquote höher. Und es muss man einfach, es wird immer eine Möglichkeit geben, zu überprüfen, wie viel davon echt ist. Also nicht immer, aber meistens. Aber diese Möglichkeit hatten wir früher eben nicht. Wenn die Tagesschau hier, dein Lieblingssubjekt, es sendet, dann ist das erstmal im ersten Moment etwas, woran Millionen von Leuten, was die einfach als komplett real akzeptieren. So, dann passieren plötzlich Dinge, wo Leute das hinterfragen und sagen, Moment mal, wer sind die Leute, die das machen? Warum senden die das gerade jetzt? Heute, an diesem Tag, um diese Uhrzeit, ist da Ideologie dahinter, Narrativ, eventuell auch Geld. Und plötzlich wird das Weltbild völlig, also es zerbricht bei Leuten. Kognitive Dissonanz setzt ein. Es beginnt ein gesellschaftlicher Krieg über Wahrheit und Täuschung. Und wir hatten das alles schon mal. Das ist eigentlich nichts Neues. Es ist, also für mich ist KI im Moment gerade wirklich nur ein sehr mächtiges Tool. Sowas wie Photoshop, sowas wie ein Schraubenzieher, sowas wie ein Kühlschrank. Das kann einfach sehr viel und dieses Tool wird mächtiger. Aber ich sehe nicht, dass unsere Gesellschaft wirklich so davon in die Irre geleitet wird. Ich höre das seit Jahren. Ja, dann kommt dann irgendein Video, wo ein Politiker das sagt und alle glauben, das ist echt. Wann hat denn sowas wirklich stattgefunden, wo Leute über Tage glaubten, dass irgendein Video echt war? Das ist doch eigentlich nur im ersten Moment so. Oder habt ihr ein Gegenbeispiel?
SPEAKER_06Ich muss jetzt gerade an Colin Powell vor der UN denken, aber das war ja tatsächlich echt ein echter Fake. Ja, ja. Denken musste ich auch gerade an Jordan B. Peterson. Das war dein erster großer, viraler Hit, 2023. Da hast du einen Rant von ihm, also nicht von ihm, aber ihn sagen lassen auf die Ampelregierung, die deutsche Regierung. Und das ging tatsächlich weltweit um den Globus. Und Mr. Peterson hat daraufhin zehn Jahre Gefängnis gefordert für Deepfakes. Interessant. Auch jetzt in der Cosa Fernandes Ulmen gibt es Stimmen, die Gesetze fordern, eben nicht nur gegen das Erstellen von Deepfakes, auch gegen das Verbreiten. Also meinst du, das wird kommen, dass dieses Werkzeug sozusagen nur noch der einen Gruppe zur Verfügung steht?
SPEAKER_03Ja, der Peters-Moment war interessant, weil ich mir da diesen Moment vor drei Jahren einfach genommen habe. Das war genau das kurze Zeitfenster, wo die Technologie so neu war, also für normale User gar nicht zugänglich. Und die Erfahrung damit quasi nicht existent, sodass ich so ein Zeitfenster von drei, vier, fünf Clips hatte, wo ich wirklich die Welle geritten bin, ich versuche jetzt einfach Realität zu morphen. Ich möchte das jetzt genießen, dass ich der Typ bin, der ein paar Millionen Menschen dazu bringt, ihre Realität zu hinterfragen. Weil es natürlich auch gepasst hat. Der Sprachstil von Peterson, den musste ich trotzdem emulieren als Mensch. Das Thema musste ich trotzdem wählen, das Visuelle muss ich trotzdem hinkriegen. Und trotzdem war auch alles echt nicht perfekt. Es hat aber gereicht, dass das zumindest ein paar Stunden wie so ein Zaubertrick funktioniert hat. Ich habe danach auch öffentlich darüber geredet, ich habe danach auch davor gewarnt und es erklärt, das heißt, ich habe das auch in einen Kontext gesetzt, nicht einfach so haha, verarscht. Und das war sehr interessant. Was Fernandes und diese neuen Gesetze angeht, ist es einfach, wie soll ich sagen, also mein Herz sagt, ja, man sollte irgendwie versuchen, die Würde des Menschen immer auf jede Art, wie es möglich ist, zu schützen, egal ob KI oder was auch immer so. Das sollte man machen. Das heißt, wenn es so ein Gesetz braucht, gut, die Realität ist aber eine andere. Die Realität ist, dass in den nächsten Jahren das alles so, wie sagt man, super fluo ist, also überall erhältlich, überall irgendwie in jeder Form passieren wird, dass so ein Gesetz überhaupt nichts bringt. Das ist die Realität. Die Gesetz bringt, dass Menschen mit einem guten Gefühl zu Bett gehen können und sagen können, wir haben gemacht, was wir konnten. Und dafür ist es, glaube ich, auch richtig. Aber diese Dinge sind außer Kontrolle, sie werden auch nicht mehr einfangbar sein. Das ist so wie ein Busausweisfälschen. Klar kannst du es verbieten. Trotzdem werden es irgendwelche Honks machen, um sonst Bus zu fahren. Also was willst du denn machen? Du kannst ein Gesetz gegen Messer herausbringen und sagen, ja, das sind Messerverbotszonen. Werden die Leute trotzdem Messer bei sich tragen? Na, selbstverständlich. Das heißt, was bringt eigentlich das Gesetz? Außer ja, gut so.
SPEAKER_08Es erinnert alles immer an die Prohibition. 100 Prozent. Aber lass uns nochmal darauf zurückkommen, dass du sagst, es wird immer Möglichkeiten geben, solche Sachen auch zu enttarnen. Also das sage ich auch immer bei Kriminalität. Also es wird immer, wenn du ein Sicherheitsschloss baust, wird es immer wieder jemanden geben, der dieses Sicherheitsschloss knacken kann. Deshalb sind ja auch alle Sicherheitsmaßnahmen im digitalen Raum im Grunde genommen Schall und Rauch. Bevor die überhaupt breit zur Anwendung kommen, gibt es schon tausend Schlüssel dazu. Deswegen sage ich ja immer, ich fände ja, dass eine sehr neue, wichtige Aufgabe des Journalismus wäre, genau so eine Plattform zu schaffen, wo ich mich relativ gut darauf verlassen kann, dass die schnell, relativ sicher und unideologisch, also ohne Beeinflussung von irgendjemandem, also auf so einem breiten gesellschaftlichen Standbein, dass da diese Plattform, dass ich da die Information bekomme, okay, das ist echt, das ist nicht echt, das hat der und der gemacht. Wie siehst du das?
SPEAKER_06Du meinst korrektiv, oder?
SPEAKER_03Haha, ja. Guter Einwurf. Tatsächlich, sehr guter Einwurf. Also von euch beiden, muss ich sagen. Also ich kann total nachvollziehen, dass man einfach eine Prüfungsstelle für die Echtheit von digitalem Bildmaterial haben möchte. Andererseits, ja, wer macht das und warum? Wie weit ist das möglich? Natürlich ist das nie 100% möglich. Ich sehe das ja als Spiel. Ich bin da auch, glaube ich, ein bisschen sick in der Bühne. Ich sehe die Realität etwas anders. Für mich ist das alles eine Herausforderung. Für mich schärft sowas überhaupt erst die Sinne der Leute. Ich finde das gut, dass die Realität in Frage gestellt wird. Ich will nicht, dass Leute wie Zombies durchs Leben gehen, um 20 Uhr einen Kasten anmachen und die Wahrheit gesagt bekommen. Ich will, dass Leute zweifeln und ihre Sinne schärfen, mit Leuten sich unterhalten, Dinge vergleichen, recherchieren und sich sozusagen selber ein Bild der Realität machen. Das heißt, für mich ist das eine gute Entwicklung. Es durchbricht das Vertrauen, das wir hier hatten, viele Jahrzehnte in gewisse, wie solche Truthkeepers, die Halter der Wahrheit oder wie man das nennt, ja. Das will ich nicht. Das hat zu großen Schweinereien geführt. Deswegen, ja, kann ich beides verstehen und das mit dem Korruptiv ist genau das Ding. Da wird dann eine Stelle gegründet, dessen einzige Aufgabe es ist, aufzuklären über die Wahrheit. Und wie wir alle wissen, ist das fern von unideologisch oder uneigennützig, sondern es ist ein weiteres Propagandatool, was die Propaganda bewertet. Also völliger Schwachsinn.
SPEAKER_08Also mir fällt das so ein bisschen als ganz kurz so ein Bild ein, also Klärwerk, so von einem Klärwerk. Also vorher der Journalismus hat sozusagen als Klärwerk funktioniert und man saß zu Hause und hat dann sein Glas mit sauberem Wasser bekommen und jetzt zerbricht dieses Vertrauen in dieses Klärwerk und jeder muss sich selber darum kümmern und sich darum, also sich was an die Hand geben, Technologien, dass er für sich ein Glas sauberes Wasser gewinnt.
SPEAKER_03Ja, aber nicht nur jeder für sich selber. Ich glaube, da reden wir über zwei verschiedene Dinge. Auch die Gemeinschaft wird gestärkt, weil du musst dich halt auch mit Leuten austauschen. Das heißt, du bist da nicht alleine. Du vertraust einfach nicht nur dieser zentralen, zentralisierten Instanz, darum geht es. Wir können uns selber bilden, wir können Wissen teilen, wir können sozusagen wieder diesen Dorfgedanken oder den Akademiegedanken aufkeimen lassen. Und weg von diesem, nee, nee, wir haben das für euch schon vorbereitet, weil wir wissen, was ihr kleinen, komischen Männchen verarbeiten könnt und was vielleicht ein bisschen zu viel für euch ist, ne, für eure kleinen Köpfe. Also darauf habe ich gar keinen Bock. Und ich sehe, dass, nennen wir es mal dieses Informationsmonopol, dass das auf eine gewisse Weise beginnt zu bröckeln und auf eine andere Weise auch wieder beginnt, stärker zu werden, weil die natürlich auch diese neuen Methoden nutzen und natürlich auch die KI, die normale Menschen zur Verfügung haben, nicht military great artificial intelligence ist, die wahrscheinlich Jahre oder Jahrzehnte weiter ist. Das heißt, wir haben hier so ein Equilibrium, was bricht und gleichzeitig verstärkt wird. Ist jetzt auch nur Spekulation. Ich kann jetzt nicht genau sagen, wie es ist, aber das nehme ich wahr. Und ich finde trotzdem, dass es eine gute Entwicklung ist, wenn der Mensch sich absagt von diesem Grundvertrauen. Ich habe sowas nie gehabt, Grundvertrauen. Ich habe immer einen kreativen Zweifel.
SPEAKER_05Das ist natürlich aber auch extrem aufwendig, ne? Also wenn man sich dann informieren möchte aus verschiedenen Quellen, die ich vielleicht auch nochmal überprüfen muss. Dazu hat nicht jeder, der vielleicht drei kleine Kinder zu Hause hat oder seine Eltern pflegt und noch einen Vollzeitjob, die Zeit. Und das ist ja eigentlich der Charme von einer halbstündigen Nachrichtensendung, dass man irgendwie, der man eigentlich vertraut, so das vertraut keiner. Aber so richtig, wie löst du das für dich? Du musst ja auch, um solche Clips auch zu erstellen, brauchst ja, sag mal, du bist ja nicht selber im Iran oder im Weißen Haus vor Ort, sondern du zapst ja auch Medien wiederum an, denen du einen Gewinnst. gewisserweise ja auch ein Grundvertrauen entgegenbringen muss, dass es irgendwie schon stimmt, um dir dein Weltbild zu zimmern. Wie machst du das?
SPEAKER_03Naja, erstens mache ich ja Comedy, das heißt, ich habe eigentlich überhaupt keine wirkliche Verantwortung. Es muss entertainen. Ich will nichts Schlechtes machen, qualitativ, aber ich bin ja kein Journalist oder ein Arzt oder ein Politiker, der eine wirkliche Verantwortung hat. Ich habe mir gegenüber eine Verantwortung, meiner Familie gegenüber. Aber wenn jemand es nicht lustig findet oder sagt, äh, sorry, Trump hat nicht diese Ohren oder diese Hose, dann ist es mir völlig egal. Und ansonsten, ja, wie gesagt, man hat auch Tools zur Verfügung, die, wenn du sagst, ein normaler Mensch hat nicht Zeit, diese Medienanalyse zu betreiben, gebe ich dir teilweise recht. Es erfordert ziemlich viel Wissen und Aufwand und Zeit. Gleichzeitig werden wir viel mehr Zeit haben in Zukunft, weil natürlich das ganze Thema Arbeit, das wird das vorherrschende Thema sein, die nächsten zehn Jahre. Der Übergang von einer Arbeitsgesellschaft zu einer Freizeitgesellschaft. Das ist das große Thema. Die Politiker haben es noch nicht ganz realisiert, weil sie in vier Jahreszyklen denken und keiner möchte der Typ sein, der das ausspricht. Aber das ist genau das, was kommt. Wir gehen von 5% Arbeitslosigkeit, graduell zu 10 über, nahtlos zu 15, 20, 30, 35 und 40. Irgendwann wird es einen Stopp machen. Aber meine Prognose ist, dass 2035 allerhöchstens 30% der arbeitenden Gesellschaft, einem traditionellen Beruf mit Bezahlung nachgehen werden. Es wird viel automatisiert, es wird viel outgesourced, viele Jobs werden gar nicht mehr existieren. Und das ist ein Thema, was die Politik einfach überhaupt nicht wirklich berührt, weil das bringt nur Negativ, das bringt nur Wahlverlust sozusagen. Auch so eine Partei wie die AfD zum Beispiel, die immer auf sehr anti-Establishment und geht darauf auch nicht wirklich ein, weil das einfach kein gutes Thema ist, kein dankbares Thema. Also ich sag's, weil es mir egal ist, weil ich kein Politiker bin. Having said that, Menschen werden mehr Zeit haben und werden auch mehr Mittel zur Verfügung haben, um diese Recherche zu machen. KIs, vielleicht Gemeinschaft, in welcher Form auch immer. Also glaube ich nicht, dass wir in einer anderen Position sein werden. Wir werden einfach diese Information nicht zentral gefiltert bekommen, sondern wahrscheinlich scattert, also irgendwie sehr viel, sehr intensiv, sehr unterschiedlich. Und das ist doch eine geile Aufgabe für normale Leute, irgendwie dabei mitzuhelfen, diese Informationen zu sortieren. Warum soll das eine Tagesschau machen?
SPEAKER_06Naja, man sieht ja, dass dieses freie Netz, ja, das freie Internet, das wird immer mehr beschnitten und immer weitere Gesetze werden vor allem der Europäischen Union auf den Weg gebracht, aber in Amerika sieht es ganz ähnlich aus, ja. Selbst wenn wir nach Russland schauen, China, also es ist eine weltweite Bewegung und man kann sich ja jetzt auch schon irgendwie ein Degoogalized Phone besorgen, mit Grafeno S. Aber wer macht das? Wer hat die. Na gut, du sagst ja, wir werden demnächst viel mehr Zeit haben. Es wird auf jeden Fall anspruchsvoll. Also wir müssen alle, ich sag mal jetzt bewusst aufrüsten, technisch, also technisches Know-how aufrüsten. Da werden wir nicht drum rumkommen, oder?
SPEAKER_03Also ich sehe ja schon, wie unglaublich schwer es ist, jetzt mal als Gegenargument, 2026 ganz, ganz einfache Nachrichten aus Russland, China, Brasilien, Belgien, Großbritannien zu kriegen. Ganz ehrlich, wenn es jetzt nicht US-Nachrichtenseiten sind, die wir alle kennen, Fox und so weiter. Woher komme ich denn an diese Quellen? Also es braucht wirklich noch sehr, sehr viel Know-how, auch technisch, um überhaupt erstmal diese Quellen zu kriegen. Geschweige denn die zu analysieren, zu übersetzen, das ist vielleicht was anderes. So, das heißt, wir sind schon in einer weit vorgeschrittenen, wie soll ich sagen, globalen Zwischenzensur, wo die Märkte, die Systeme, die Länder zwischendeinander gar keinen richtigen Austausch haben. Also völlig konträr zu diesem Urgedanken des Internets, das globale Dorf, der Datenhighway, alles ist connected, ist ja völlig Quatsch. Das waren vielleicht fünf bis zehn Jahre, wo das wirklich einfach brach lag und man einfach nur gucken musste, wie komme ich da hin. Jetzt wurden die Straßen gekapert, es wurden Tunnel gebaut, es wurden Mauern gebaut. Literally, Firewalls, ja. Das heißt, der Mensch hat im Moment nicht die Möglichkeit, wirklich sowas wie objektive Informationen zu bekommen. Also es ist schon lange vorbei. Deswegen sehe ich als alter Optimist einfach in dieser Veränderung wieder einen Vorteil und sage, gut, wenn das so schwer ist, dann brauche ich Tools, die es mir ermöglichen, genau diese Information zu bekommen, zu analysieren, zu filtern und auch wieder in einer gewissen Form weiter zu verbreiten. Ob das jetzt erlaubt ist oder nicht, ist mir doch egal. So, ich lebe nicht für irgendwelche EU-Gesetze, steck mich in Knast, aber wir haben doch irgendeine Aufgabe hier. Wir wollen doch ein besseres Leben. Wir wollen doch irgendwie was bewegen, wir wollen doch nicht Gesetzen einfach folgen wie so ein Zombie. Sorry, aber und da muss man kreativ werden.
SPEAKER_05Ich muss mal eine ganz konkrete Frage noch stellen, weil es mich brennt interessiert. Anfang 2025 hat YouTube deinen Kanal nach 17 Jahren Kanalmitgliedschaft demonetarisiert. Und was war denn da der Grund? Haben die dich da informiert oder kennst du die Auslösung?
SPEAKER_03Nee, ich hab keine Ahnung. Es gab eine standardisierte Nachricht, wie sowas wie die Inhalte sind nicht originell. Also das wurde irgendwie, das ist es gibt ja diese Kanäle, die klauen einfach Videos von anderen Kanälen, posten das selber und kassieren die Knete. Das gibt es auf X, das gibt es auf Facebook, auf YouTube. Also mehr oder weniger dieser Vorwurf wurde mir gemacht, wobei ich noch nie sowas gemacht habe. Natürlich sample ich. Natürlich habe ich da Überbleibsel von irgendwelchen popkulturellen Juwelen, die ich ja brauche für meine Kunst. Das wissen die auch genau. Ich glaube nicht, dass es darum ging. Ich glaube, ich bin da auf irgendeiner Liste oder so. Also haben die mir da den Geldhahn einfach abgedreht. Abgesehen davon sehe ich jetzt, circa 14 Monate später, eine Welle von genau diesen Kanalkündigungen und Demonetarisierungen auf uns zukommen. Also das habe ich jetzt die letzten Wochen bei ganz vielen Kanälen gesehen. Das heißt, da ist eventuell irgendwas Systematisches in Gange. Und ich glaube, bestimmte Menschen sollen in die Situation gebracht werden, dass sie diese Sachen nicht mehr herstellen, weil sie nicht davon leben können, weil es sich nicht mehr lohnt. Und das ist ein ziemlich smarter Weg des Systems, kritische Informationen zu blockieren. Nämlich nicht einfach rauszunehmen, sondern zu sagen, es lohnt sich nicht mehr für dich.
SPEAKER_05Noch smarter ist ja eigentlich, den Kanal nicht zu demonetarisieren, weil das fällt so auf, sondern einfach so ein bisschen einfach im Algorithmus nach unten zu ranken. Das merkt gar keiner, die Leute.
SPEAKER_03Genau, das ist Smart-Zensur. Und das ist mir ja auch in vielen Weisen schon passiert. Ich mache das ja schon wirklich lange. Ich wurde an vielen Stellen geblockt, zensiert, geschadowbant. Mich motiviert das. Mich motiviert das unglaublich. Ich habe mir ein eigenes, praktisch Parallel YouTube aufgebaut. Selbe Technologie, selbes Level, selbe Geschwindigkeit. Ich habe es nachgebaut für meinen Content, sodass ich Ihnen zeigen kann, wie ich es will. Ich habe eigene Werbepartner. Ich kann auch keine Werbung schalten, wenn ich will. Ich habe zahlende Abonnenten. Natürlich bin ich nicht YouTube, natürlich habe ich nicht dieses Server und dieses Geld. Es geht darum, ich bin ein Ein Millionstel von diesem YouTube-System und sage, okay, ihr erlaubt mir nicht mehr wie normale Menschen hier weiterzumachen. Dann muss ich das emulieren auf meine Weise und muss es besser machen. Dann muss ich Qualitätskontent machen, den Leute lieben und muss Leute dazu bringen, mich zu unterstützen direkt. Und es läuft super. Und ich kann es nur jedem raten, sich damit auseinanderzusetzen, dass wir nicht Opfer von Big Tech sind. Wir sind Creator. Wir sind Menschen mit einem hohen kreativen Potenzial. Wir können Skills lernen, wir können Dinge emulieren, Dinge bauen, wir können Menschen inspirieren und weg von diesem Nutznießertum. Ja, die Plattform hat jetzt gesagt, das geht nicht mehr. Die Regierung hat gesagt, diese Maske ist nicht mehr erlaubt und so viel Abstand, es ist Sklavendenken für mich.
SPEAKER_08Das ist ja, also du hast so ein schönes Comic auf X veröffentlicht, wo sich dieser einzelne Mensch dem Panzer entgegenstellt und sagt, ich bin niemand. Das heißt, ich bin jemand, ja. Aus Sicht des Panzers bin ich vielleicht niemand, aber ich bin halt ein jemand, niemand und jeder ist verantwortlich dafür, das zu tun. Allerdings, also da fühle ich mich zum Beispiel auch schon überfordert, wenn jetzt YouTube auch unseren Kanal, wir haben ja am Anfang auch wirklich Schwierigkeiten gehabt, ja. Da wurde uns ja auch Hass und Hetze im Netz vorgeworfen und solche Scherze. Ich fühle mich da echt überfordert. Ich finde schon die Tools jetzt schwer zu beherrschen und dann noch alternativ was zu finden. Meinst du wirklich, dass das für eine Mehrheit der Menschen echt möglich ist?
SPEAKER_03Da will ich anknüpfen an was, was Ole gerade gesagt hat. Also dieses wird es mir entfallen, da war gerade eine perfekte Brücke. Egal. Wir gewöhnen uns an Sachen und wir reproduzieren das. Und gerade das Technische ist ja so, ich hatte gerade so ein tolles Beispiel, was du eben gesagt hast. Muss mal zurückspulen hier. Also wir gewöhnen uns an Sachen und es dauert lange, bis man irgendwie so einen bestimmten Workflow, auch so ein Muskelgedächtnis hat, wo man sagt, okay, ich weiß jetzt irgendwie, wie es geht und ich mache das jetzt einfach immer wieder. Und diese Tools, die wir aber zur Verfügung haben, die werden immer schneller und immer einfacher. Das heißt, die werden uns oder die ermöglichen uns eigentlich jetzt schon, sehr, sehr personalisierte Workflows zu entwerfen. Ich mache das den ganzen Tag hier, das ist super spannend. Und ich verstehe, dass Menschen sozusagen eine Abneigung haben gegen dieses, oh Gott, ja, da muss ich mir jetzt irgendwas bauen oder ich bin überfordert, das ist ganz normal, wir sind alle überfordert so. Aber da liegt eine gewisse Schönheit in diesem, da funktioniert etwas nicht mehr, so wie ich es möchte. Und anstatt meinen Kopf in den Sand zu stecken, baue ich es mir nach, so wie es sein sollte. Da liegt etwas sehr Schönes drin, finde ich. Weil auch den Stolz, den man danach hat, wenn man etwas selber baut in die Richtung, wo die eigene Kunst, der Journalismus, der Film, was auch immer stattfindet, da hat man einen ganz anderen Bezug dazu. Es ist die eigene Plattform. Es ist nicht Big Tech diktiert mir, dass meine Clips zwischen 18 und 20 Uhr besser laufen als zwischen 6 Uhr morgens und 7 Uhr morgens. Wir sind ja alle zu so Dienstleistern geworden. Es ist ja unglaublich. Also dahinter ist ein kreativer Anspruch, aber die Realität ist, wir sind Dienstleister für ein Tech-Unternehmen, was denen Werbeviews generiert. Und also mich hat das, wie man auf Englisch sagt, liberated. Dass ich da rausgeworfen wurde, war natürlich erst sehr frustrierend. Aber ziemlich schnell danach hat mich das befreit von diesem Fremdbestimmung. Und jetzt gehe ich da mit einer ganz anderen Motivation dran und es erfüllt mich total.
SPEAKER_08Es ist ein bisschen so, als wenn man aus einem Job rausgeschmissen wird. Man ist schon lange eigentlich nicht mehr zufrieden, traut sich aber nicht und dann endlich macht der Arbeit- oder Auftraggeber den Job vor.
SPEAKER_03Aus einer schlechten Beziehung, aus einem schlechten Job etwas, was man schon lange abgehakt hat und längst fühlt, das ist nicht gut für mich. Ich bin da aus dem und dem Grund und klar zahlst die Miete und ja, das ist toll und das Essen ist toll, aber man fühlt längst, das ist nicht mehr mein Ort. Und wenn man dann geht, merkt man, oh Gott, jetzt werde ich belohnt, weil ich endlich den Pfad ändere. Das ist doch total heilig, das ist doch total schön. Leider sind natürlich noch de facto sehr viele Menschen abhängig von irgendwas, von einem bezahlten Job, von YouTube, von sozialer Anerkennung, was auch immer. Also Menschen sind irgendwie abhängig, aber ich glaube, es gibt immer eine Alternative. Und da ich einfach ein sehr wandlungsfreudiger Mensch bin, der auch Veränderungen immer begrüßt, fällt es mir vielleicht etwas leichter als anderen. Ich weiß, manche Leute brauchen einfach ein bisschen, aber dann sind sie umso motivierter. Ja, da habe ich jetzt keine Pointe. Das ist einfach so.
SPEAKER_06Mach mir doch mal kurz Tutorial mit Snicky, weil du anscheinend auch ein Tool entwickelt hast, um seine Steuererklärung selbst zu machen? Ja, tatsächlich. Also welche Sachen benutzt du da und welche KI, ich weiß, du sagst jetzt, es kommt immer darauf an, was man machen will, aber gibt es eine KI deiner Meinung nach, die keinen Bias hat? Oder weil wir vorhin auch so bei Deep Recherche waren. Also was empfehlst du für die guten Journalisten, die ein Prozent, welche KI sollen sie benutzen?
SPEAKER_03Kann ich nicht empfehlen. Ich kann nur sagen, wo es hingeht. Also anstatt einfach jetzt diese Chatbots die ganze Zeit zu benutzen, die super gut sind teilweise, die alle biased sind, zu 100 Prozent, die chinesischen auf ihre Weise, die amerikanischen auf ihre Weise, die europäischen nimmt keiner ernst. Also ist super für Research, ist super für auch psychologische Sachen, Abfragen. Aber der nächste Schritt ist einfach, sind einfach KI-Agenten. Das sind lokale Programme, so wie Cloud Code, Cloud Cowork, Cloud Desktop, die mehr können als einfach nur Fragen zu beantworten und lustige Bilder und Videos rauszuwerfen, sondern systematisch Systeme bauen können. Egal für welchen Inhalt, wirklich völlig egal. Es geht darum, Informationen zu destillieren und so zusammenfließen zu lassen, wie es für deine Aufgabe, für deinen Anspruch gut ist. Und das ist etwas, was der Mensch unmöglich in dieser Geschwindigkeit kann. Da sitzt du Wochen, Monate, Jahre dran. Und um diese Arbeitsschritte zu verkürzen, braucht es diese KIs. Und das können die Chatbots noch nicht so gut, weil die halt in so eine Art Käfig gefangen sind. Also die können Informationen schnell suchen, aber sie können sie nicht so aufbereiten, wie du es willst. Und deswegen einfach eine dieser Programme downloaden, zum Beispiel Google Anti-Gravity, Cloud Code oder Codex, da gibt es viele andere. Und anfangen, ein System zu bauen und mit dem Chatbot zu reden und zu sagen, pass mal auf, in der perfekten Welt, wenn ich morgen aufstehe, würde mein Job genau so aussehen. Und dann einfach träumen. Schreiben. Ich drücke auf den Knopf, der Rest passiert. Mittags check ich nochmal, cool, Geld drin. Ich gehe was essen, abends nochmal ein paar Worte von mir. Natürlich ist das utopisch, aber wirklich utopisch ist es nicht. Und dann versuchst du mit dem Programm eine Version zu finden, die vielleicht ein Kompromiss ist zwischen dem, was jetzt ist, was dich nervt, und zwischen dem, wie es sein könnte. Und du wirst schnell merken, dass ganz viele Arbeitsschritte eigentlich nur Programme sind, nur Prozesse, die automatisiert werden können. Die eigentliche Kreativität, deine eigentliche Expertise, davon rede ich jetzt gerade nicht. Natürlich ist das synthetisierbar, aber darum geht es jetzt nicht. Da wirst du noch gebraucht. Aber so viel Bullshit, mit dem wir Zeit verschwenden, kann automatisiert werden und ein unglaubliches Potenzial in dir entfalten. Und darum geht es mir. Diese Message will ich verbreiten. Dass du erstmal guckst, was geht eigentlich. Nicht, wie habe ich es beigebracht bekommen oder wie sollte ich es machen, weil mein Kollege das sagt, sondern wie könnte ich es machen?
SPEAKER_08Das hat mir übrigens ein guter Freund schon vor drei Jahren ungefähr gesagt. Der meinte da, wir werden, als es gerade losging, dass man mit dem Begriff KI anfangen konnte, dann sagte dir, das ist ja hier wirklich erst der ganz kleine Anfang. Wir werden ganz schnell jeder eine eigene lokale KI haben und jeder trainiert die sich selber nach seinen Bedürfnissen, auch nach seinen Ausgangsmöglichkeiten. Das heißt also, also das Gehirn trainiert man ja auch selber. Jeder Mensch hat ja ein Gehirn, das im Laufe seines Lebens trainiert wurde oder was er dann vielleicht auch selber gezielt trainiert. Und ich habe mir das dann so vorgestellt, dass man einfach so einen Teil seines Gehirns auslagert und aber trotzdem ja durch sich selber, durch seine Persönlichkeit trainiert. Und da kommt man dann eben auch wieder weg zu dem, was wir heute haben, dass ja viele Journalisten dann eben bei ChatGBT oder Perplexity irgendwas eingeben und die Texte lesen sich alle genauso und die sind halt dämlich und man sieht sofort und oft auch falsch, das ist von KI geschrieben worden. Darum geht es eben gar nicht und man kann es sozusagen auf einem anderen Level weiterführen.
SPEAKER_03Das hast du gerade perfekt von Anfang bis Ende beschrieben. Genauso ist es. Nicht nur, dass wir unsere Gehirne trainieren müssen, das ist einfach. Wir müssen Sachen wieder abtrainieren. Du wirst erzogen, bist mit, weiß nicht, 20 ein fertiger Mensch oder 25 und die nächsten 25 Jahre musst du den ganzen Bullshit wieder loswerden, den dir Kirche, Eltern, Freunde, Lehrer, System, Tagesschau eingetrichtert haben. Das dauert viel länger. Ich bin jetzt noch nicht so weit. Und genauso ist es bei der KI auch. Wir benutzen Produkte. Wir benutzen Produkte mit eingebauten Sensoren, Scannern unserer Persönlichkeit, mit Bias, mit was auch immer. Genauso kannst, und das mache ich den ganzen Tag auch, du trainierst ein Grundmodell, was so funktioniert, wie es funktionieren soll. Du lässt eine andere KI das auch überprüfen und sagst, hey, wenn du noch Hinweise darin findest im Code, der das, was ich damit machen will, auf irgendeiner Weise verwässert, entferne das bitte, dann lässt du eine andere KI drüber gucken. Ganz viele Putzkräfte, die das erstmal sauber kriegen. Und dann baust du sie auf und sagst, pass mal auf, du wirst eine KI sein mit guten Ansätzen. Ich weiß, dass du kein Mensch bist, ich weiß, dass du keine Seele hast, aber ich möchte jetzt mal schreiben, wie du arbeiten sollst. Und du kannst das proaktiv, kreativ gestalten und musst nicht Chat-GPT benutzen. Dann kannst du eine Art Gehirn anlegen und sagen, lass uns doch mal ein paar Wochen nur darüber reden, was für Informationen ich gerne würde, dass du benutzt. Nicht diese standardisierte Information, sondern ich fülle dich jetzt mit Informationen. Und so hast du zumindest die Möglichkeit, etwas zu schaffen, was eine gewisse Reinheit und Persönlichkeit hat.
SPEAKER_05Und genauso funktioniert es bewundere das ein Stück weit und hab mir das jetzt nochmal einmal mehr. Steht schon ewig auf meiner Liste vorgenommen, das zu machen. Aber bei meiner Frage, sind die Leute nicht auch bequem? Geizt sich dann ja auch. Also funktioniert das, sie auf die eigene Seite zu locken, so wo, du hast ja einen eigenen Server, du hast, du willst eine eigene Bezahlungsmöglichkeit anbieten, alles Mögliche. Und ich bin schon sehr, sehr oft enttäuscht worden. Das erste Mal weiß ich noch, bin in der DDR groß geworden. Alle mussten das Scheiß Parteiblatt lesen und das wollte aber keiner. Und dann war Papierknappheit. Und die Oppositionszeitung, die war zugeteilt, die konnte man nicht kaufen. Da standen die Leute in Trauben, um das Verlagsgebäude, um die Zeitung zu lesen. Und dann habe ich gedacht nach der Wende, ja dann kaufen die alle das Oppositionsblatt. Nee, Pustekuchen, die waren zu faul, ihre SED-Zeitung abzubestellen und die Oppositionszeitung zu bestellen. Und die ist pleite gegangen. Und da habe ich zum ersten Mal so gedacht, ja gut, okay, wenn also die Demokratie euch nicht mehr so viel wert ist, also kommen die Leute tatsächlich dann auf deine Seite und kannst du dann da auch davon leben, dass.
SPEAKER_03Ich muss davon leben, ich habe keine Wahl. Ich habe irgendwann entschieden, dass ich durch Kreativität leben will und nicht in ein Abhängigkeitsverhältnis gehen will oder etwas machen will, was nicht meiner Natur entspricht. Das heißt, ich muss dem vor, hey, wenn ich morgen pleite bin, dann arbeite ich auch bei McDonalds, das ist mir egal. Aber natürlich kriegst du nur einen winzigen Prozent, einen Bruchteil von den Leuten, die du erreichst, dazu, deine Kunst direkt zu unterstützen. Und ich bin den Leuten auch sehr dankbar. Und jeder, jeder, der so eine Art Community betreibt, weiß, wie krass das ist, dass auch nur ein halber Prozent von den Leuten, die dich kennen, bereit sind, da irgendwie ein paar Euro im Monat zu zahlen. Aber es geht nicht anders und ich finde, das ist ein ehrlicheres Modell, weil YouTube ist umsonst, alle gucken, klicken, aber keiner wertschätzt es. Und dazwischen kommt die Werbung und darum geht es eigentlich. Und was der Creator macht, ist völlig egal. Also ja, es läuft, ja, ich habe mir die Plattform selber komplett aufgebaut, Vibe gecodet, Zahlungssystem, jetzt auch mit Krypto. Ich habe eigene Server, ich sende eigenes Video, ich habe da so viel Zeug drauf, Spiele und irgendwelche Charakter, geheimen Videos, Playlists, Musik, Informationen. Es wird jeden Tag erneuert. Das heißt, mehr kriegt der Mensch für sein Geld gar nicht. Aber mir muss bewusst sein, dass ich nicht konkurrieren kann mit Ex, YouTube, Google. Ich bin ein Kleinkünstler aus Berlin. Ich habe nur diese und diese Mittel, aber ich habe jetzt eine Geheimwaffe, mit der ich zumindest mein Output vertausendfachen kann. Und das reicht mir. Also ja, kurz gesagt, es ist möglich und ja, in den nächsten, ich sag mal, zehn bis zwölf Monaten wird dieser Ansatz, diese Arbeitsweise auch noch viel einfacher werden. Es ist noch so ein bisschen versteckt. Es ist noch so ein bisschen, jeder hat davon gehört, aber jetzt sag doch mal, also wie kommt das Ding jetzt hier bei mir auf dem Rechner hier? Das wird alles ziemlich klar werden. Und ich glaube, dass wir von einer riesen Ja, in so eine Art Architektenrevolution stehen, dass Leute anfangen, ihre eigene Architektur aufzuziehen und dadurch extrem befreit werden. Und ich glaube, das ist eine gute Entwicklung.
SPEAKER_06Du hast uns vorhin gewarnt, nach 60 bis 90 Minuten schwindet deine Sozialisierungsfähigkeit. Deswegen will ich noch eine Frage auf jeden Fall stellen, weil auf deinem Twitter-Profil da schreibst du, du bist Level 29 Simulationstheoretiker.
SPEAKER_03Ja, ernst gemeint.
SPEAKER_06Okay, klär uns auf.
SPEAKER_03Naja, ich meine, man braucht ja schon eine gewisse kreative Weltanschauung, glaube ich, um mit dem ganzen Chaos klarzukommen, um und auch um das Chaos zu übersetzen in eine Kreation oder so. Und Kreation ist für mich echt das Stichwort so. Und da poppte irgendwann dieses Konzept der Simulationstheorie auf, was auf den ersten Blick natürlich sich völlig nach Nonsens anhört. Also wir und alles das, was wir erleben, was wir sind, unsere Körper, unsere Seelen, ist auch nur ein Konstrukt in einer Art Computersimulation. So, wir sind einfach eine super Grafikkarte und wir sind da gar nicht wirklich. Ist natürlich erstmal sehr heavy. Aber wenn man das jetzt weiterdenkt, auch noch verknüpft mit biblischen, mit religiösen, mit allen möglichen überlieferten Methoden und Geschichten und Mythen, dann ist das eigentlich genau das, was die sagen. Also das Wahrgenommene ist nicht das Echte sozusagen. Und deswegen konnte ich mich mit dieser Simulationstheorie sehr, sehr gut anfreunden, hab das erstmal so weitergesponnen und hab das dann irgendwann einfach akzeptiert, dass es so ist. Also ob ich jetzt wirklich aus Fleisch und Blut hier sitze oder wirklich jetzt nur dieses Bild bin, was hier in diesem Kamerarechteck drin ist, es spielt für mich überhaupt keine Rolle. Ich fühle ja, ich rede mit euch, ich finde es super spannend übrigens. Ist auch ein gutes Setup, auch mit drei Leuten. Gute Fragen, es macht mir Spaß. Aber ob ich jetzt wirklich nur hier drin existiere oder jetzt aufs Klo gehe nachher, ist doch völlig glatte. Dieser Moment ist doch echt. Das zum Level 29 Simulationstheoretiker.
SPEAKER_06Also Matrix quasi, ne?
SPEAKER_03Total, ja. Aber jetzt nicht unbedingt so diese Hollywood total traurige, versklavte Matrix, sondern auch wieder eine gewisse Befreiung von, ja, dass alles nur eindimensional stattfindet oder zweidimensional oder dreidimensional. Sondern dass es irgendwann, dass die Realität eigentlich wunderbar hochkomplex ist, auf eine Weise, die man mit Augen, Nasen, Ohren gar nicht wirklich begreifen kann. Sondern dass da so viele Ebenen sind, und das fasziniert mich. I choose to live in this reality.
SPEAKER_06Alex.
SPEAKER_05Ja, eine letzte Frage, da feiert vielleicht jeder noch die Anne und ich. Vielleicht haben wir noch so viel Zeit. Meine letzte Frage zielt so in Richtung: Du sagst ja, du bist kein Content Creator, sondern du bist Künstler. Wie wichtig ist denn da der Unterhaltungsfaktor? Also ein Künstler, sag mal, van Gogh hat keine Bilder verkauft, ja, er hat sich keiner für interessiert, er hat daran geglaubt und hat das einfach gemacht. Kafka hat keine Bücher verkauft, aber er wollte eben nur diese Kunst umsetzen. Nun haben wir aber alle Familie und wollen irgendwie eine schöne Wohnung in meinen Urlaub fahren und irgendwie ja auch Leute erreichen. Ich muss gestehen, ich hätte es nicht drauf, zu sagen, ich kann nur das umsetzen, es ist mir egal, ob das jemand erreicht. Ich möchte tatsächlich gelesen werden oder gesehen werden.
SPEAKER_02Ich möchte auch gesehen werden.
SPEAKER_05Und da geht man ja aber immer auch Kompromisse ein. Wie löste das?
SPEAKER_03Ich will kein Kompromiss ein. Null. Ich gehe keinen Kompromiss ein. Es geht nicht. Du kannst als Künstler, und natürlich bin ich auch Content Creator, irgendwo bin ich auch, was weiß ich, irgendeine komische Internetpersönlichkeit. Aber ich wähle den Begriff Künstler bewusst, weil zur Kunst einfach gehört, dass das, was in dir ist oder das, was durch dich gechannelt wird oder dich inspiriert, ungefiltert, aber weiter veredelt auf die Welt trifft. Und in keiner Weise kompromittiert ist. Es geht sonst nicht. Wenn es auch nur ein Prozent verwässert ist, ist es eigentlich schon Dienstleistung oder Propaganda und das möchte ich nicht machen. Deswegen verbringe ich oder benutze ich sehr viel meiner Energie, um mich abzuschirmen, abzuschotten von Stimmen oder Angeboten oder Ideen, die mich da in irgendeiner Weise, weil ich weiß, dann ist es vorbei. Und wenn ich anfange, so zu arbeiten, ist es vorbei mit der Magie, der ich der Welt geben kann. Es ist einfach ein Kompromiss, vielleicht der einzige Kompromiss, den ich machen muss, gegen Kompromisse. Und ich sehe da im Übrigen auch überhaupt keinen, ich glaube, wir haben viel zu viel Angst davor, dass in dem Moment, wo wir 100% unserem Herzen folgen, wir haben eigentlich Angst davor, erkannt zu werden. Oh Gott, stell dir mal vor, dann würden Leute wissen, was wirklich in meinem kranken Höhen da oben ist, nicht die Person, die ich spiele, von meinen Kollegen, von meinen Freunden, die echte Person, das wäre doch, dann bin ich ja gesellschaftlich tot. Da käme kein Geld rein, ich bin gefeuert, meine Frau trennt sich von mir. Also wir haben komplette Angst, alleingelassen zu werden. Das ist ein Kind, was da spricht. Und das hat auch seine Berechtigung. Aber die Realität ist eine ganz andere. In dem Moment, wo du anfängst, 100% du selbst zu sein, schwindet die Angst und es passiert überhaupt gar nicht das, wovor du Angst hattest. Im Gegenteil, Leute werden inspiriert dadurch, danken dir für deine Ehrlichkeit. Das Geld kommt auf eine völlig andere unerahnte Weise, ungeahnte Weise. Und du hast dann diese Angst besiegt und versuchst dann mit jedem Schritt noch authentischer zu werden, weil du merkst, aha, das stimmte alles gar nicht. Ich hatte einfach nur Angst davor. Das ist jetzt eine sehr naive Weise, das zu erklären. Aber diese Erfahrung habe ich gemacht und sehe sie auch bei anderen und ich sage, 100% authentisch ist der einzige Weg.
SPEAKER_04Keiner mag mich. Keiner mag mich.
SPEAKER_08Siehst du das auch in Bezug auf unseren Beruf, auf den Journalismus, dass das genauso gelagert ist, dass man nicht danach guckt, erstens, wie viel Geld kann ich damit verdienen, zweitens, wie viel gesellschaftliche Anerkennung bekomme ich, drittens, wie viele Leute nehmen mich wahr, sondern zu sagen, das ist das, was ich machen will. Das hat mich übrigens dazu inspiriert, vor 25 Jahren eine Festenstellung auszuschlagen, weil jetzt weiß ich, was es gewesen ist. Aber damals war es ein Bauchgefühl, dass ich gedacht habe, nein, da werde ich kaputt gemacht. Ich kann da nicht mehr kreativ sein. Ich habe mich natürlich später trotzdem auch unterworfen und Kompromisse gemacht, das will ich gar nicht behaupten. Aber trotzdem, wenn ich jetzt darauf zurückgucke, denke ich, wenn ich die Anstellung genommen hätte, wäre ich jetzt tot unglücklich. Jetzt bin ich glücklich, aber ich hatte schwierige Zeiten hinter mir und habe mich immer orientiert an dem Spruch, der wahre Reichtum ist die Armut an Bedürfnissen. Also ich mache mich ja einfach auch freier, wenn ich sage, ich brauche das alles gar nicht unbedingt. Und dann bin ich auch nicht mehr so abhängig davon. Aber siehst du das für den Beruf des Journalisten auch?
SPEAKER_03Ich kenne mich, ehrlich gesagt, bin ich da nicht der Experte, was Journalismus angeht. Aber ja, vielleicht kommt jetzt nochmal ein hartes Statement, lass uns auch nicht damit abschließen, aber ich sehe das so. Der Journalistenberuf, also ihr könnt das viel besser beantworten als ich, aber guckt mal in euch rein. Ich glaube, es ist viel härter geworden, vom Journalismus zu leben, erstmal als Grundebene. Ich glaube, dass es sehr bald kaum noch Geld geben wird, was damit gemacht werden kann. Das heißt, jetzt ist eigentlich die bestmögliche Situation, um zu sagen, dann scheiß drauf. Ich bin jetzt nur noch ich, weil das Geld ist bald eh nicht mehr da mit der Anpassung. Ich bin jetzt ich. Mal gucken, was kommt, mal gucken, was für Möglichkeiten sich bieten. Das heißt, eigentlich ist jetzt genau der Zeitpunkt, wo man es einfach machen sollte. Ob das irgendwo hinführt oder nicht, das kann ich nicht sagen. Auch der Beruf des Journalisten oder des Lehrers oder des Klempners, ich habe einfach nicht das Intel dazu. Aber ich glaube, dass das eine gute Entwicklung ist. Und ich glaube, dass sich das in der Arbeitswelt extrem, dass da extreme Veränderungen auf uns zukommen und wir eigentlich schon mittendrin sind. In Amerika sieht man es zum Beispiel etwas besser, weil die da die Technologie viel früher empfangen und umarmen, wir brauchen da immer noch ein bisschen. Ich weiß nicht, ob das deine Frage beantwortet hat, aber es war so der Versuch.
SPEAKER_06Apropos Arbeitswelt, du hast auch mal, was die wenigsten Wissen für den ÖRR gearbeitet. Ganz gut, ja, ganz gut. Aber für die Redaktion extra drei.
SPEAKER_03Tatsächlich, ja, tatsächlich. Die haben mich, das waren ein paar sehr nette Leute, die mich da angeworben haben und gesagt haben, ey, hast du nicht Bock, was für uns zu machen? Zumindest für online, für die Sendung. Und ich fand das total nett. Die hatten auch so ein gewisses Standing, damals schon lange her, 2015, 2016, bevor das wirkliche Chaos losging. Und das habe ich dann gemacht, habe da so ein paar Memes, ein paar Clips für die gemacht, war eine schöne Zeit und dann habe ich aber ziemlich schnell gemerkt, okay, über das, was wir gerade geredet haben, wenn ich glaube, ich muss mich hier verbiegen, damit das hier weitergeht. Und da das keine Option ist, beenden wir das lieber jetzt, haben uns nett voneinander getrennt und es war dann so ein kleiner Ausflug. Es wäre einfach auf einem gewissen Level festgefahren gewesen. Was geht halt im Fernsehen? Was für politische Witze kannst du machen. Das war das untere Level für mich, wo es anfängt, Spaß zu machen. Und ich weiß auch, wie es läuft. Dann verdient man da gut, fühlt sich bequem, bleibt da zehn Jahre und hat dann zehn Jahre nicht für die radikale Kunst genutzt, die ich aber genutzt habe zum Glück.
SPEAKER_02So. Ja.
SPEAKER_03Ja, jetzt haben wir die Welt doch ziemlich gut von allen Ecken, von allen Ecken betrachtet. Ich hoffe, ich war nicht zu brutal, zu brachial, aber ich versuche ja echt nur authentisch zu sein.
SPEAKER_05Ich fand das ein sehr, sehr spannendes Gespräch und sage ganz, ganz herzlichen Dank.
SPEAKER_08Auf jeden Fall. Herzlichen Dank an dich. Also, das sollte eine Fortsetzung noch bekommen, finde ich. An unsere User trotzdem natürlich die Bitte. Ihr habt ja gehört, alles einfach nur anklicken und einfach so mitnehmen, ist halt unfair, wenn man irgendwas gut findet. Ist Unterstützung für diejenigen, die diesen Inhalt schaffen, nicht schlecht. Führt auch zu mehr Autonomie in jeder Hinsicht. Also unterstützt uns entweder mit Spenden oder Schenkungen, aber auch gern mit Kommentaren. Auch das ist eine gute Unterstützung für uns und bleibt uns gewogen.
SPEAKER_06Genau, weil wir sind wieder frei unterwegs und nur uns selbst und ihnen oder euch rechenschaft. Entschuldigung.
SPEAKER_03Geil, stimmt ja. Ihr habt ja dieses Kapitel auch auf eine gewisse Weise gerade durchgespielt erlebt.
SPEAKER_05Ja, es war ein kurzes Intermetto, vier Monate und wir werden demnächst vielleicht nochmal ein paar Worte dazu verlieren, aber keine schmutzige Wäschewaschen gibt es nicht. Aber ein paar Hintergründe werden wir demnächst auch, glaube ich, nochmal erläutern, weil er sehr, sehr viele Fragen in den Kommentaren auch zur Beendigung der Zusammenarbeit mit der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung gab. Aber manchmal passt das auch einfach nicht. Umso mehr sind wir jetzt tatsächlich, um das Ganze weiterführen zu können, auf alle angewiesen. Von nix ist ja das leider dann doch nicht zu betreiben. Und wenn ihr es euch aussuchen könnt, freuen wir uns natürlich, wenn ihr das zum Beispiel auf Spotify euch ansieht, weil da ist der Umgang etwas fairer als auf YouTube zum Beispiel.
SPEAKER_03Wir müssen da uns noch kurz unterhalten, was es angeht, glaube ich. Wenn ihr echt auf Spotify hofft, dann ist das so.
SPEAKER_05Okay, dann schneide ich das raus.
SPEAKER_03Es kann nicht sein, es kann nicht sein, dass diese Mikro-Scent, die ihr dort kriegt, euch irgendwie motivieren. Also warum erwähnt ihr es dann?
SPEAKER_06Jo, das war Willi Kramer.
SPEAKER_03Unser Privattutorial führen wir gleich noch weiter. Ja, ja, gerne. Vielen Dank. Hat mich auch sehr gefreut. Vielen Dank an euch. Danke für die Einladung.
SPEAKER_00Man kann es derzeit einfach nicht anders umschreiben. Die Kacke ist am Dampfen. Denn Leute hängt der Dünnschiss dieser unfähigen Bande von semidebilen Politgockeln zum Halse raus. Oben ist unten, links ist rechts, rechts ist doppelt rechts. Einen Tag Heizung an kostet mehr als eine Woche Urlaub auf Teneriffa. Leute fressen Hundefutter. Die freie Presse is ein Haufen systemgesteuerter Propaganda. Bauern blockieren das halbe Land. Good so. Volksvertreter trauen sich nicht mal mehr with their eigenen Burger to spread. And zur Brillen geistig upgekapselt Glühbirnen. It reached not that men, for time, Lust Spalten have and frown pimmel. Nein, toiletten for all, ob mench, or cyclop, all of the toilet. Cacken, piss, sit the nase pudding, or what they do, keep a private sphere there, can't we enter the seen in nothing flew that over another trample. And that is the what the land brought. Regenbogenfan gives the droende virtual implosion. No 2000 Geschlechter. Then the vierköpfigen Nachtcobolde with Haselnussallergie and Gummibärchen Fetisch fühlen sich noch nicht genügend represent. That is all this reality. Thomas Mann and Berthold Brecht would be in Grab umdrehen. A prestige culture that she vulnerably, from Fremd durchbuttern lässt, and she selfies in Gesich urinat, a trousers, a crank capitulation of the menu.
SPEAKER_03The new win. Spiel spawn schwung.
SPEAKER_00Snickers for links hands.