Sachlich richtig
Einmal in der Woche schauen die vier etablierten Redakteure Annekatrin Mücke, Alexander Teske, Ole Skambraks und Peter Welchering auf einen aktuellen Aufreger in der Medienbranche und fragen, was sich aus dem Einzelfall lernen lässt und was dahinter steckt.
Die Medien-Insider berichten Internas aus dem Maschinenraum des Journalismus - egal ob Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk, Privat-TV oder Alternativmedien.
Sachlich richtig
Ole gibt auf und wir sind raus bei der OAZ
Use Left/Right to seek, Home/End to jump to start or end. Hold shift to jump forward or backward.
Unsere Kooperation mit der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung bzw. dem Berliner Verlag hat kaum begonnen, da ist sie auch schon wieder zu Ende. Warum? Das erzählen wir euch in dieser Folge.
Und Ole Skambraks erklärt auch, warum er aufgibt und unseren Medien-Podcast nach fünf Monaten leider schon wieder verlassen muss.
Danach entwickelt sich ein munterer Austausch über Laber-Podcasts und die inflationären Podcasts im öffentlich-rechtlichen Rundfunk.
Dies ist Teil 4 unserer letzten Folge zu viert. Viel Freude beim Hören!
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So, liebe Freunde des kritischen Gepften Medien-Podcasts, wir kommen heute zu einem heiklen Thema, einem Video, das wir uns vor uns hergeschoben haben, ein Thema, was wir vermeiden wollten, aber die Nachfrage war so stark, dass wir dachten, wir müssen einmal darüber sprechen, warum wir aufgehört haben bei der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung, warum wir nicht mehr unter dem Dach des Berliner Verlages segeln. Wir versuchen das zu erklären. Aus verständlichen Gründen können wir sicherlich nicht jedes Detail beleuchten und wollen das auch nicht tun. Ich glaube, es ist trotzdem informativ und es hat sich danach ein munterer Austausch entwickelt über Podcasts und die aktuelle Entwicklung. Oles Gambrax wird auch erläutern, warum er leider nicht mehr bei uns weitermachen kann. Wir bedauern das wirklich sehr, verstehen das aber und auch wir drei wollen weitermachen, aber können das natürlich nicht garantieren. Das hängt auch so ein bisschen von eurer, von ihrer Unterstützung ab. Wenn Sie uns Schenkungen zukommen lassen können, dann freuen wir uns darüber natürlich sehr. Die Kontaktdaten finden Sie in der Beschreibung dieser Folge. Ansonsten, wenn Ihnen das nicht möglich ist, helfen Sie uns auch sehr, indem Sie diesen Kanal abonnieren weiterempfehlen, indem Sie Kommentare schreiben, indem Sie ihn liken, wenn Sie ihn auf Spotify hören. Dort ist die Entlohnung ein klein wenig fairer als bei YouTube. Auch das hilft uns. Und dort können Sie auch den Kanal bewerten. Da müssen Sie drei Punkte oben anklicken und dann auf diese Show bewerten gehen. Wenn Sie fünf Sterne für uns übrig haben, dann freut uns das natürlich sehr. Ansonsten jetzt ganz viel Spaß beim Austausch. Teil vier unserer letzten Runde zu viert.
SPEAKER_02Sachlich richtig. Apologies for this interruption, but we have some breaking news. Mücke Scambrax Tess Gewälchering sprechen über Meinungsfreiheit, Rundfunkbeitrag, Social Media.
SPEAKER_01Ja moin, zu einer neuen Folge von sachlich richtig dem Medienpodcast. Heute mal ganz ungeskriptet und natürlich wie immer ungeframed. Und wir sind ganz oft gefragt worden, warum wir nicht mehr mit der Berliner Zeitung zusammenarbeiten. Wir sollen das doch mal erklären. Wir wollten uns da so ein bisschen drum drücken, ehrlicherweise, aber wir wollen dem Wunsch jetzt auch mal nachkommen und sagen, warum ist eigentlich Schluss nach vier Monaten schon bei der ostdeutschen Allgemeinen Zeitung Freiwillige vor?
SPEAKER_03Ja, wir wollten uns drücken, weil wir wissen gar nicht, was man so genau wirklich sagen kann. Also das wird uns jetzt zwar niemand glauben, aber einen richtigen Grund gibt es gar nicht. Zumindest haben wir ihn nicht erfahren. Also da war nichts Inhaltliches, was irgendwem aufgestoßen hätte oder ja, Verwerfungen hinter den Kulissen. Nee, können wir nicht mit dienen.
SPEAKER_02Also ich kann nur sagen, das Problem, das wir hatten, war eigentlich produktionstechnischer Natur. Also wir hatten ja vereinbart, dass wir das bei der Berner Zeitung produzieren. Es war von einem Studio die Rede. Das Studio war dann letztendlich mehr oder weniger ein improvisiert umgebautes Büro mit Tageslicht, das ich also aus meiner Fernseherfahrung heraus von Anfang an als schwierig empfunden habe und das war es auch. Und es gab auch andere technische Unwägbarkeiten. Und das konnte nicht so richtig behoben werden in der Kürze der Zeit. Und das war schon auch ein Problem. Das hat man ja auch an der Qualität des Bildes und des Tones immer mal auch bemerkt, wurde auch viel bemängelt. Daran kann man aber im Grunde genommen nur etwas ändern, wenn man ein richtiges Studio ohne Tageslicht und so einrichtet. Und das war offensichtlich nicht so wirklich möglich. Das war auf jeden Fall auch ein Grund, denke ich mal.
SPEAKER_00Ja, ich habe das für mich auf den Punkt gebracht, die ostdeutsche Allgemeine ist noch nicht so weit, um Podcasts zu machen. Die brauchen noch ein bisschen. Und tatsächlich, es gab diese produktionstechnischen Probleme. Und wenn man dann sieht, da kommt man im Augenblick nicht so richtig zusammen oder man fühlt sich auch nicht so richtig wohl in dieser Arbeit, dann sollte man das eben lassen. Das heißt nicht, dass wir uns irgendwie da zerstritten hätten oder so, sondern wir haben einfach beide gesehen, im Augenblick klappt das so nicht. Mit uns beiden, mit uns beiden Parteien, also OAZ auf der einen, seite ich richtig auf der anderen Seite. Und dann haben wir die Zusammenarbeit erstmal beendet. Heißt nicht, dass wir vielleicht in einem, weiß ich nicht, Jahr oder zwei vielleicht mal wieder zusammenfinden können. Man soll ja niemals nie sagen, aber im Augenblick eben ist es so, weil die noch nicht so weit sind.
SPEAKER_03Und ich glaube, was auch noch dazu kommt, sie mussten ja für diesen Podcast vier Menschen bezahlen. Das heißt, es war ziemlich teuer. Also ein Podcast, der von einer Person moderiert wird, A.K. Melanie Aman oder so, ist dann doch günstiger.
SPEAKER_01Ja, wobei wir zypfiert wahrscheinlich nicht so viel kosten wie Melanie, aber wir sind natürlich nicht umsonst zu haben. Da kam natürlich was zusammen und wir wollen ja einfach keine schmutzige Wäsche waschen, wir arbeiten ja weiter, auch noch für die Berliner Zeitung, schreiben weiter die Medienkolumne einmal in der Woche. Insofern gibt es jetzt nichts zu enthüllen. Vielleicht, manchmal hat das einfach nicht so geklappt mit den Aufnahmen, wie wir uns das vorgestellt haben, wie sich das Berliner vielleicht vorher auch selber vorgestellt hat. Wir hatten zum Beispiel Ben Bern zu Gast, hätten die Folge sehr gerne veröffentlicht, was aus technischen Gründen einfach nicht ging und natürlich für alle Beteiligten wahnsinnig schade ist. Und wir haben dann beschlossen, dass dieser Aufwand, wir leben ja auch außer Anne, die in Berlin wohnt, in anderen Städten und das ist ja doch ein gewisser Aufwand, dann immer sich in Berlin zu treffen und wenn das Ergebnis dann nicht besser ist als eine Remote-Folge, dann macht das auf Dauer wenig Sinn. Obwohl ja auch.
SPEAKER_02An der Stelle ganz kurz, also wir wünschen der OHZ alles Gute und hoffen, dass da die Entwicklung ist. Es ist natürlich auch schwierig. Die sind sozusagen als Neugeborenes, ja, sind wir mit dazugestoßen. Das war vielleicht einfach auch ein bisschen zu viel auf einmal. Aber ich denke, man weiß dort auch, dass die audiovisuelle Schiene sehr, sehr wichtig ist, dass Online-Texte allein sich nicht verkaufen, dass man ein gutes Video- und Audio-Ausspiel benötigt heutzutage. Und ja, also alles Gute und vielleicht finden wir doch nochmal zusammen.
SPEAKER_01Genau, und wir wollen weitermachen. Nur wird es auch bei uns Veränderungen geben, die vielleicht direkt zusammenhängen mit dem Aus der OAZ, oder Ole?
SPEAKER_03Ja, ich hatte es ja schon erwähnt. Wir wurden ganz gut bezahlt für diesen Podcast und jetzt fällt das weg. Wir haben versucht, neue Verlage für den Podcast zu begeistern. Wir haben versucht, Sponsoren zu finden. Hat alles nicht geklappt und deswegen muss ich mich leider verabschieden. Das tut mir leid und das fällt mir auch schwer, weil wir in den letzten Monaten das ganz gut gewuppt haben, finde ich. Und es fing gerade so an, Spaß zu machen. Da ist es auch schon vorbei, also zumindest für mich. Denn es ist bei mir zumindest so, dass wir in mittlerweile sehr prekären finanziellen Verhältnissen leben. Und ich stand schon mehrmals als einmal im Supermarkt vor der Kasse mit drei Karten im Portemonnaie und habe echt gezittert, als ich den Code eingegeben habe. Das heißt, ich kann es mir leider nicht leisten, als Hobby so einen Podcast zu betreiben.
SPEAKER_02Ja, das vielleicht doch nochmal im Rückblick, also dann im Blick auch auf Folgen, wo wir darüber gesprochen haben oder auch noch sprechen werden, über die oft doch sehr prekäre Situation von Freiberuflern in unserem in unserer Branche. Und ich wollte noch ergänzen, wir haben bei der Suche natürlich auch genau geschaut, es ist uns ja nicht egal, mit wem wir da zusammenarbeiten würden. Und da ist einfach auch die Auswahl nicht so wahnsinnig groß. Wir würden jetzt nicht mit jedem zusammengehen, der sagt, okay, ich bin bereit, da Geld zu investieren. Und da müssen wir und wollen wir uns natürlich eher für unsere Unabhängigkeit und für unseren Qualitätsanspruch entscheiden.
SPEAKER_03Das ist dann gleichzeitig der Aufruf, ja, wer was geben kann, der darf. Und es kommt auf jeden Fall Qualitätsjournalismus zugute.
SPEAKER_01Genau, dann lasst uns weitermachen. Ich finde es sehr schade, Ola, dass du aufhörst, aber heute bleibst du uns ja noch erhalten. Ein letztes Mal, eine letzte Viererrunde hast du gesagt, machen wir zusammen als Abschiedsgeschenk von dir. Und ich würde gleich mal den Bogen spannen. Podcasts sind ja auch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk sehr beliebt. Ich habe mal eine Aufstellung, ist mir gezeigt worden, weil ich glaube, kein Mensch weiß, wie viel es gibt. Die ARD hatte da 1049 Podcasts, da hatte das BSW mal eine Abfrage gemacht. Und das Ganze aber schon vier Jahre her. Und da stehen beim Mitteldeutschen Rundfunk 95 Podcasts. Aktuell hat aber der Ralf Ludwig, der Intendant, ein Intervie gegeben im Spiegel und gesagt, sie haben 160 Podcasts, also da gab es einen ordentlichen Aufwuchs und wenn man das auf die ganze ARD hochrechnet, dann dürfte es da 2000 Podcasts geben. Das ist natürlich eine ganze Menge. Es gibt keine Beschränkung und viele senden wahrscheinlich völlig am Publikum vorbei. Denn der MDR hat jetzt auch gesagt, er will die Hälfte seiner Podcasts einstellen. Also unsere große Chance. Es soll natürlich meiner Meinung nach auch Nischenpodcasts geben. Ist natürlich, ja, wenn man den Auftrag ernst nimmt, öffentlich-rechtlich und Bildung, Information, Kultur, da kann es auch ruhig mal einen Nischenpodcast geben. Aber dass offenbar die Hälfte der Podcasts, also 80 Stück, weniger als 6000 Hörer im Monat haben, das ist nämlich die Range, die sie da genannt haben, zur Einstellen ja oder nein. Also 6000 im Monat, wenn der wöchentlich ist, dann heißt das pro Folge 1500. Bei uns läuft es auch gerade ja nicht mehr so doller, aber das schaffen wir schon noch und zwar locker. Wie seht ihr das? Also sollte man zum Beispiel im Auftrag festlegen, wie viele Podcasts so eine Anstalt oder pro Bundesland produzieren darf oder sollen die da frei machen können, frei von da Leber weg ihr Geld einsetzen, wie sie das wollen?
SPEAKER_03Ich glaube, man sollte tatsächlich so Zielvorgaben für einen Podcast vor Augen haben. Ich denke auch, dass es die gibt. Das wäre jetzt sehr fahrlässig, einfach so irgendein Produkt da aufzugleisen, ohne sich Gedanken über die Zielgruppe zu machen. Ich glaube, so läuft es selbst nicht mehr im ÖRR, auch wenn das vielleicht früher mal der Fall gewesen ist. Nee, aber die Frage ist, wo fängt die Nische an? Und was muss tatsächlich Massen, also wann ist es relevant? Und 6000 Plus ist, denke ich, schon mal eine ganz gute Messlatte, um sowas einzuschätzen. Weil es gibt ja auch sehr, sehr hochwertige Podcasts. Man muss ja sagen, dass Podcasts mittlerweile fast noch das einzige Genre sind, was tiefgründigen Journalismus ermöglicht. Ich habe letztens zum Beispiel den ARD-Podcast zu Cum-Ex gehört, sehr zu empfehlen, vom WDR produziert. Und da habe ich das erste Mal wirklich in Gänze verstanden, was Cum-Ex überhaupt ist. Und ich war völlig schockiert, denn diese Machenschaften gab es auch schon in den 90er Jahren und die Politik hat da einfach konsequent immer weggeschaut. Also saß im Prinzip mit im Boot. Ja, und sowas hört man auch nicht oder nicht mehr in der Tagesschau.
SPEAKER_02Also ich denke auch, dass die audiophone Schiene und dazu gehören ja die Podcasts immer mehr sehr wichtig sind und dass die bei der ARD oft, also lange Zeit sehr, sehr, sehr viel besser schon war als das, was im Fernsehen gelaufen ist. Das hat so Parallelen offenwert zur DDR, muss ich sagen. Da durfte im Fernsehen ja auch nicht längst nicht so experimentiert werden, wie es doch durchaus bei Radiosendern möglich war. Das hat aber auch sehr nachgelassen. Also ich habe ja immer die Audiothek, die heißt ja jetzt helft mir anders.
SPEAKER_03Sounds heißt die einfach Sounds.
SPEAKER_02Warum auch immer? Also ich fand Audiothek total gut. Mit Sounds kann ich überhaupt nichts anfangen. Da denke ich irgendwie, es geht nur um Musik.
SPEAKER_01Sounds. Ich habe gestern entgegen meiner, also ich bin, ich wollte ja mir eigentlich diese WM-Klemmen, diesen Quatsch gegen ein 300.000 Einwohner-Land da, als das war als WM-Spiel. Aber in der Pause haben Sie bei Deutschland gegen Körersau tatsächlich Werbung für AT-Sounds gemacht. Also sie scheinen es auch da nötig zu haben. Offenbar klappt es nicht so mit den Abrufzahlen.
SPEAKER_02Nein, aber als die Audiothek eingerichtet wurde vor ein paar Jahren, war ich totaler Fan und habe das auch noch bei Jasmin Kosebeck sehr empfohlen, wo ich inzwischen auch schon drei Jahre her nach unserem Manifest gewesen bin, habe gesagt, Leute, wenn ihr das Fernsehen nicht gucken wollt, aber dann hört die Audiothek, da laufen wirklich, wirklich gute Sachen. Das vermisse ich aber immer mehr. Also auch da schlägt irgendwie das Ideologieschwert immer mehr zu. Also insofern eine Zielvorgabe von Podcasts, ich weiß nicht, wie sinnvoll das ist. Ich glaube, und da kann Peter was dazu sagen, was sehr viel wichtiger ist, ist zu eine Vorgabe zu geben, mit wie viel KI dort gearbeitet werden darf. Weil wenn man jetzt sagt, jede Anstalt muss, je nachdem, wie groß sie ist, so und so viel Podcasts produzieren, sehe ich die große Gefahr, dass die dann alles nur noch irgendwie per KI machen, nicht nur was die Sprecher angeht, auch die Inhalte. Und da, Peter, hast du ja schon deine Erfahrung gemacht, da würde ich dann tatsächlich eher eine Vorgabe einschalten.
SPEAKER_00Ja, da will ich zwei Beiträge dazu machen. Zum einen eine Anekdote. Nach einem Vortrag über KI-Einsatz, da hatte ich mit einem Podcast gezeigt, der auf Grundlage einer meiner Medienkolumnen von Google Notebook hergestellt wurde, zehn Minuten lang. Und ich habe so ein paar Minuten eben in diesen Vortrag sozusagen einfließen lassen und gesagt, so, und jetzt habe ich keine zwei Minuten gebraucht, eigener Arbeit, dann ist dieser Podcast von zehn Minuten mit Sprecherinnen und Sprecher von Notebook so produziert worden. Und ich spiele mal ein paar Minuten vor, weil ich der Meinung war, dass in diesen Minuten eben irgendwie deutlich wird, da wird über meine Medienkolumne ziemlich inhaltsleer rumgelabert in diesem Podcast, den Notebook da gemacht hat. Und nach dem Vortrag kamen dann zwei ARD-Hierarchen auf mich zu und die sagten, ja, es ist ja fantastisch, was sie da gezeigt haben und wollen wir auch haben. Sie wissen ja, wir müssen jetzt auch mehr in Podcasts machen. Und ist das wirklich so? Also sie geben da irgendeinen Text vor und dann sagen sie Sprecher und Sprecherin und wie lang und dann macht er das einfach so und da müssen sie kein Skript mehr vorgeben oder so. Ja, ja, ich habe Ihnen dann erzählt, wie das so geht. Wie gesagt, zwei Minuten ist man dann mit Norbook beschäftigt und die meinten, sei fantastisch, da müsste ein bisschen sofort beschafft werden. Das sei die Zukunft, wunderbar. Das ist die Anekdote. Die andere Anmerkung, also ich würde tatsächlich, nicht nur wegen dieser Anekdote, sondern weil ich an ein paar Podcast-Planungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk auch beteiligt war und völlig frustriert wurde, ich würde tatsächlich erstmal dafür plädieren, dass eben auch journalistische Standards eingehalten werden. Also so ein KI-Podcast, dessen früher Entstehung, in einer ganz frühen Phase ich mal mitbekommen habe, bei dem dann eben über KI-Einsatz auf Dating-Plattformen berichtet wird, und das ist also wunderbar, weil da würde jetzt eben KI verwendet und wie toll das ist, ohne dass thematisiert wird, was passiert da mit den Daten der Nutzer, der Kunden, an wen gehen die, bleiben die wo dauerhaft gespeichert, wie wird das ganze Ding denn dann auch aufgesetzt und so weiter. Da habe ich die Erfahrung gemacht, zum einen die wirklich technische Berichterstattung, also wie funktioniert so ein neuronales Netz denn? Lass uns das mal aufschneiden und zeigen, was da drin passiert und wie kann das überhaupt kontrolliert werden. Das findet eben zum großen Teil nicht mehr statt und Podcasts haben da im Öffentlich-Rechtlichen auch dazu geführt, dass ganz offiziell gesagt wird, wir sind jetzt hier nicht mehr bei irgendwelchen Wissenschaftsmagazinen. Magazin ist was anderes. Wir machen jetzt Podcasts, das heißt zwei Labern und fertig. Früher konntet ihr auch noch irgendwie in die Labors fahren und Wissenschaftler interviewen oder so. Brauchen wir jetzt alles nicht mehr, sparen wir viel Geld und die Sendezeit wird genauso voll gemacht. Und ich glaube, das ist das Problem. Da müssen wir wirklich wieder zu solchen journalistischen Standards zurückkehren und Podcasts sollten zumindest das bieten, was bisheriger Hörfunksstandard im öffentlich-rechtlichen, also journalistischer Hörfunksstandard eben auch war.
SPEAKER_03Da bin ich absolut bei dir, Peter. Aber das ist auch so eine komische deutsche Denke, dass wenn man Podcasts sagt, dann hat man so ein Laberformat im Kopf. Also das ist Podcast. Wobei die ersten und eigentlich namensgebenden Podcasts, das waren feature-ähnliche Produktionen wirklich hochwertigst produziert von unabhängigen Anbietern, die dann aufgekauft wurden. Vieles ist so im True-Crime-Bereich gestartet, das läuft ja auch bei uns gut. Aber ja, wenn man nach Amerika schaut, dann sieht man da eine ganz andere Podcast-Landschaft als hier in Deutschland. Das heißt, die sind hauptsächlich tatsächlich geskriptet und produziert wie so ein gutes Feature vom Deutschlandfunk damals.
SPEAKER_01Nun muss ich auch mal eine Anekdote erzählen, mein Bonus-Sohn, der lernt nur noch so mit diesen Podcasts, die er sich erstellen lässt. Also du sagst eben dann einfach, ich möchte gerne machen einen 10-Minuten-Podcast zur Photosynthese und dann hört er sich das an und so lernte er das. Und das hilft ihm oder er kann eben so viel besser lernen. Wir sind ja auf der, es hab ich eine Entwicklung zur oralen Gesellschaft. Es liest eben kaum noch einer. Also für viele ist das schon ein Gewinn, nur so einen Podcast, wie wir ihn jetzt hier gerade machen, den kann man natürlich nicht KI erstellen lassen. Das funktioniert ja nicht. Es sind ja originäre Inhalte. Interessanterweise, ich habe das auch gepostet mit den 160 Podcasts und dann schrieb jemand drunter, ja, Podcast ist ja nicht teuer, das ist doch gar kein Problem. Also was mein Problem wäre mit der ganzen Geschichte, seien doch billig, also weil du sagst, die wollen eben Kosten sparen auch damit. Da würde ich nur mal sagen, also Lanz und Brecht machen ja auch einen Podcast, ich glaube, der ist alles andere als billig, der kostet eine Million oder so. Es muss nicht billig sein, ja. Und ich meine These sogar, die meisten Podcasts im Öffentlich-Rechtlichen laufen deswegen nicht gut, weil der öffentlich-rechtliche so ein schlechtes Image auch hat. Also die können die tollsten Podcasts produzieren. Viele Menschen werden sie damit nicht erreichen. Also da ist es schon fast Voraussetzung, dass es außerhalb des Öffentlich-Rechtlichen produziert wird, sonst wollen die da nicht einschalten. Also bestimmte Kreise, würde ich jetzt mal so vermuten.
SPEAKER_02Also ich denke, eine große Stärke von einem wirklich guten Podcast ist ja eben auch, dass wirklich die Leute rausgehen und vor Ort recherchieren. Und da gibt es ja gute Beispiele dafür. Also bei Sounds, damals noch AD Audiothek, gibt es zum Beispiel einen mehrteiligen Podcast zum Thema italienische Mafia in Deutschland. Also großartig. Gut, ich kann jetzt natürlich, die Fakten weiß ich nicht, ob die jetzt hundertprozentig alle stimmen, aber es gibt, glaube ich, keine Klagen dagegen. Da geht es auch um einen gewissen Günter Oettinger und wie warum der dann irgendwann nach Brüssel abgeschoben wurde. Also da wird schon wirklich Klartext gesprochen, aber die sind halt wirklich auch viel unterwegs und die sammeln auch viele O-Töne ein und sind auch vor Ort auch Sounds tatsächlich, sammeln sie auch mit ein. Und das ist in meinen Augen wirklich ein sehr, sehr hochwertiger Podcast. Da geht es eben nicht darum, dass zwei Leute einfach irgendwie rumlabern.
SPEAKER_01Aber wo ist dann, also wo ist der Unter das Neue? Also ich meine, ich verstehe unter einem Podcast tatsächlich auch Hotel Matze oder Ben Bernd oder so. Das andere, so ein Feature, das hat es doch immer schon gegeben. Das wurde halt fürs Radio produziert und jetzt stellen die das halt in die Audiothek, die Sound heißt, aber und stückeln das vielleicht noch. Aber ansonsten, statt das früher wöchentlich Mittwoch 17.05 Uhr auszustrahlen. Ich sehe dann, also der sogenannte Laber-Podcast ist ja tatsächlich eine Innovation, die es vorher so nicht gab, weil doch nicht war. Also eine Stunde war schon lang. Und dass man sich fünf Stunden unterhält, das hat es ja früher nicht gegeben. Und da kann man ja, wenn man sich drauf einlässt, auch in eine Tiefe kommen.
SPEAKER_00Ja, also Entschuldigung, Ole. Go for it, Peter. Eine Stunde, fünf Stunden hat es früher tatsächlich nicht gegeben, aber es gab eben früher auch mal 30 Minuten Kollegengespräch, die dann gesendet wurden und die waren genauso inhaltsleer. Und dadurch, dass da So eine Inhaltslehre Laberei einfach nur noch prolongiert wird, wird es ja auch nicht besser. Also ich habe Podcasts eigentlich in erster Linie immer nur als zusätzlichen Verbreitungsweg gesehen. Und nicht als journalistisches Genre oder journalistische Stilform, sondern für mich war das eben eine Verbreitungsform, das dann eben mit IP-Techniken die Audio- oder Videoinhalte einfach dann verbreitet werden und abgerufen werden können, nicht linear. Und mehr Anforderungen habe ich zunächst mal an Podcast nicht. Und dann müssen wir tatsächlich wieder auf die unterschiedlichen Formen kommen, wie es denn aufgestellt sein soll. Also etwa ein Kollegengespräch, eine Diskussionsrunde, so eine Viererrunde, wie wir die jetzt haben, oder Features, die auch gesendet werden können, dass das dann nach meinem Dafürhalten vollkommen frei. Da ist in erster Linie wirklich diese technische Ebene, denke ich gemeint.
SPEAKER_03Ja, ich denke auch, dass das im Prinzip nur ein neuer Verbreitungsweg ist. Und was da mit einherging, war natürlich eine Personifizierung. Das heißt, es ist viel persönlicher geworden und Journalisten sind heute Marken. Auch so ein Crime, True-Crime-Podcast wird dann sehr oft aus der Ich-Perspektive eines investigativen Reporters oder so produziert. Das ist vielleicht neu, aber das ist ja nicht nur neu im Podcast-Genre, sondern generell im Journalismus, dass ja die Berichten, der Berichterstatter viel mehr im Vordergrund steht und eben auch die eigene Haltung viel mehr darin einfließt als in den klassischen Formaten.
SPEAKER_02Ja, aber da will ich mal sagen, also beim RBB gab es im Radio einige Formate in früheren Zeiten, die durchaus genauso funktionieren wie ein Podcast heutzutage. Also der sogenannte Sprechfunk zum Beispiel bei Fritz mit Kuttner, das war genau so ein Ding. Das war natürlich Interaktion mit Hörern, aber gut, auch das könnte man innerhalb einer Podcast-Produktion machen oder das Ganze als Podcast dann ausspielen. Und ich will erinnern an das kongeniale Paar Grissemann und Stermann, die viele Jahre auf Radio 1 am Sonntagnachmittag ein so unglaublich tolles Laberformat gemacht haben. Dagegen sind alle anderen wirklich nichts. Ich weiß, dass der kleine Janni Böhmermann, der wollte in die großen Fußstapfen steigen, damals, als die beiden dann aufgegeben haben. Und es war so grottenschlecht, was da lief. Und also das sind für mich Heroen. Also wenn es die noch gäbe, das wäre der Podcast Nummer eins für mich. Und das ist von der Form her gar nichts anderes.
SPEAKER_01So, jetzt haben wir wieder viele Karma-Punkte gesammelt, unter anderem bei Herrn Böhmermann und dem ZDF. Aber ich will trotzdem nochmal, weil es so ein großes Medienereignis ein bisschen widersprechen, war in der letzten Zeit Herr Höcke bei ungescriptet viereinhalb Stunden. Es hat ja deswegen sechs Millionen Abrufe gegeben bisher, Menschen, die sich das reingezogen haben, weil es so etwas Ähnliches noch nie gegeben hat. Ich glaube, es ist der am meisten eingeschaltete Podcast in Deutschland bisher. Und wenn man mich vorher gefragt hätte, hätte ich das auch nicht vermutet. Also der Podcast war vorher schon groß, jetzt ist er noch größer, aber auch wenn Herr Höcke umstritten ist, aber er ist ja jetzt nicht so eine Größe, dass man hätte vorher sagen können, jawohl, also da ich habe dann auch gesehen, aber danach bei der Weltwoche, dass das klingte bei Weitem nicht so gut. Also es muss ja Gründe geben, warum Menschen sich das angehört haben und auch als Gewinn empfinden. Die Kritik daran ist ja auch vehement. Es gibt ja ganz, ganz viele, die sich bemüßigt fühlten, sich danach zu äußern, bis hin in die in höchste Kreise der Politik, was für Wellen geschlagen und gesorgt hat. Also insofern offenbart doch auch für mich eine neue Entwicklung.
SPEAKER_00Also in der Länge hat es das noch nicht gegeben, da gebe ich dir recht. Aber in der Form hat es das früher durchaus gegeben, von Herrn Gauss gemacht, hieß zur Person und war eine Stunde lang. Und da gab es beispielsweise mal ein Gespräch mit Franz Josef Strauß. Und da wurde der Mensch Franz Josef Strauß, also nicht der Krawallbruder, nicht der Grantler, nicht der Bajouvar, sondern wirklich der Mensch, Franz Josef Strauß so richtig plastisch. Und kann man heute in einigen Fällen noch auch tatsächlich anschauen. Und man lernte Sachen von Fran Josef Strauß kennen, die man vorher überhaupt nicht vermutet hatte bei dem. Und Günter Gauss ist da damals heftig kritisiert worden, dass man an Politiker, vor allen Dingen, wenn er doch so rechts steht, wie Fran Josef Strauß damals eben, dass man an solchen Politiker dann doch nicht so verharmlosend nur so als Mensch zeigen dürfe. Insofern ist das jetzt für mich nicht so wirklich neu. Nur, dass Gauss eben eine Stunde hatte und keine fünf oder so.
SPEAKER_03Und dass Gauss im ÖRR stattfand und Ben Bernd das auf eigene Kappe macht bei YouTube.
SPEAKER_01Aber das wäre ja auch so, das ist ja die Frage, hätte es dieser, also wenn Ben Bernd das im Öffentlich-Rechtlichen gemacht hätte, wenn jetzt jemand relativ früh gekommen wäre vom Bayerischen Rundfunk, gesagt hätte der Mensch, gefällt uns, macht das doch bei uns. Meine These ist, es wäre nie so groß geworden.
SPEAKER_03Doch, aber damit setzt du ja voraus, dass der RR es gemacht hätte und das damit konzipierst du, damit wirfst du in eine völlig andere Welt. Genau deswegen hat es ja so eingeschlagen, weil sich niemand vorher getraut hat, mit ihm zu reden. Also ich weiß, Ulrike Gero hat mal so einen Versuch gestartet, mit ihm zu reden und hat auch ziemlich auf die Mütze bekommen. Es war eine Persona non grata, ja. Und natürlich wird die Weltwoche danach nicht so geklickt, wenn sie das Ganze kopieren. Also das Original kriegt immer den Bonus und die Lorbeeren. Insofern.
SPEAKER_02Und ich kann dir genau sagen, was passiert wäre. Hätte es wirklich einen Sender gegeben, dann wäre eine Riesenentrüstungswelle gelaufen. Frau Esken hätte sich natürlich geäußert und es wäre sofort wieder depubliziert worden. Also setzen wir mal voraus, es hätte wirklich irgendwie jemanden gegeben, der das durchgesetzt hätte. Es wäre sofort wieder depubliziert worden. Es wäre gar nicht lang genug gelaufen, um so viele Hörer überhaupt zu finden. Und ich denke auch, gerade diese Reaktion hat ja, das kapieren sie ja auch nicht, hat ja dazu beigetragen, dass Leute Ben jetzt kennen und gehört haben, denen das vorher überhaupt nicht, also die das gar nicht auf dem Schirm hatten, denen noch nie eine Ben-Ungescriptet-Folge empfohlen worden ist oder so. Also das war ja dieser, wieder mal dieser unfreiwillige Marke, diese unfreiwillige Marketinghilfe hat, glaube ich, auch dazu beigetragen, dass diese Folge so durch die Decke gegangen ist. Und ich will nur mal erinnern, bei uns, jetzt bei sachlich richtig, wir sind ja ein Zwerg gegen Ben. Aber welche Folge wurde am meisten gehört, die mit Eva Herrmann? Weil wann und wo hat man denn über Eva Herrmann mal was gehört? Wo kommt sie selber mal zu Wort? Und das zeigt es doch einfach. Das sind Leute, die Namen, den kennen viele, da war doch irgendwie was und da war doch irgendwie und na komm, aber wir hören mal rein, wir finden die ja ganz gut, wir hören mal rein, was die machen und ach, schau mal einer an. Und genau das ist es. Also Leute, die eben in den normalen Mainstream, wie auch immer, Qualitätsmedien nicht zu Wort kommen und die dann auch mal die Möglichkeit haben, wirklich persönlich zu werden und wirklich viel über sich auch preiszugeben. Das interessiert die Leute.
SPEAKER_01Absolut. Und dicht gefolgt ist die in der Aufmerksamkeitsökonomie die Folge von Eva Herrmann von Katrin Seibold, der Aussteigerin vom CDF, auch die hat, glaube ich, im Öffentlich-Rechtlichen noch nicht sprechen dürfen. Beide Folgen kann ich nur, wer es noch nicht gehört hat, wärmstens ans Herz legen.