Sachlich richtig
Einmal in der Woche schauen die vier etablierten Redakteure Annekatrin Mücke, Alexander Teske, Ole Skambraks und Peter Welchering auf einen aktuellen Aufreger in der Medienbranche und fragen, was sich aus dem Einzelfall lernen lässt und was dahinter steckt.
Die Medien-Insider berichten Internas aus dem Maschinenraum des Journalismus - egal ob Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk, Privat-TV oder Alternativmedien.
Sachlich richtig
Kurt is back und Anne singt
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Komiker Kurt Krömer ist auf der Bühne zurück. Und das begeistert nicht alle.
Und nun singt sie auch noch: Anne rockt die Mokka-Milch-Eisbar. Und die Tagesschau runden seine Sendung gerne mit einer süßen Eiskugel am Ende ab. Auch das schmeckt nicht jedem Zuschauer.
Brauchen wir seichte Unterhaltung in den Nachrichten, etwas Nettes, Herzerwärmendes als Rausschmeißer, weil die Zuschauer die harten News sonst nicht mehr ertragen? Darüber diskutieren wir in unserer wirklich aller letzten Folge zu Viert.
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Gleich wird Anne für euch singen, das Lied von der Mokermilch eisbar, ich muss zugeben, ich kannte es auch nicht, weil wir eher Westmusik gehört haben im Osten, aber es ist Anlass für einen Austausch, ob Nachrichtensendungen einen bunten Rausschmeißer brauchen, ob sie einen lockeren Ausklang zur Unterhaltung benötigen oder ob das alles Quatsch ist, ob wir auf dem Weg dazu sind, ins immer mehr der Quote zu unterwerfen und die Nachrichtensendung immer seichter werden. Viel Spaß dabei, es ist der letzte Teil unserer letzten Viererrunde.
SPEAKER_00In der Mokka Mich Eisper, da ist es geschehen. In der Mocka Micha, wichtig gesehen. Thomas Hacinski.
SPEAKER_01Sachlich Richtig dumm. Mücke Scambrags-Test Gewälchering sprechen über Meinungsfreiheit, Rundfunkbeitrag, Social Media.
SPEAKER_03Also ihr habt mir noch ein Thema mitge, mit dem ich jetzt erst ein Thema mitgebracht, mit dem ich erstmal nichts anfangen konnte. Ich kenne natürlich Kurt Krömer, ich habe ihn früher auch gesehen und fand ihn lustig. Und er war eine Weile weg und jetzt tauchte wieder auf. Und zwar beim ZDF. Wieso, weshalb, warum?
SPEAKER_02Wieso, das wissen wir noch nicht genau. Nichts genaues weiß man nicht. Aber man kennt schon den Namen seiner neuen Sendung. Die Krömers Letzte Stunde. So soll sie lauten, so lautet der Titel. Ich nehme mal an, das wird so sein wie das, was er immer schon gemacht hat, weil er war ja in diversen Formaten, davor allerdings alle beim RBB. Und schlussendlich war er immer Kurt Krömer und war immer gleich skurril lustig. Ja, mal mit und mal ohne Gäste, mal mit und mal ohne Spielchen. Und in diese Richtung wird es auch wieder gehen. Das Novum ist tatsächlich jetzt das Test, das Ganze vom ZDF gemacht wird und zwar produziert von der Bild- und Tonfabrik, das heißt von denen, die auch Jan Böhmermann produzieren. Also ja, vielleicht wird das Ganze dann auch doch noch eine politischere Komponente oder einen Anstrich bekommen. Aber tatsächlich hatte ich damals, als er aufgehört hat, er ist ja auch um die, er hat ja auch getourt, also hat nicht nur, war nicht nur im Fernsehen zu sehen, sondern auch auf der Bühne. Und ich habe noch eine Karte gehabt für sein Bühnenprogramm. Das wurde dann aber eingestellt, weil er anscheinend einen Burnout hatte und nicht mehr weitermachen wollte. Und Anne, du hast da Näheres zu erfahren, so wie ich weiß. Weil du hast den Menschen wohl entdeckt, kann man das sagen. Ist das richtig?
SPEAKER_01Also entdeckt, jetzt wollen wir auch manche übertreiben, aber ich kenne Kurt Krömer und auch seinen wirklichen Namen schon wirklich sehr, sehr lange. Also ich würde jetzt mal sagen, das sind fast 25 Jahre. Und zwar habe ich ja, als ich nach dem Kinderkanal, als ich aufgehört habe und nach Berlin zurückgegangen bin, für Radio 1 gearbeitet, für die Firma von Robert Skupin und Volker Biebrecht damals, der Apparat. Und wir haben bei Radio 1 mehrere Sendungen gemacht, unter anderem die schöne Woche, die gibt es immer noch, am Freitagnachmittag. Und dann war ich eingeladen zur Eröffnung von einem Büro, von einem Kameramann und da sprach mich eine junge Frau und sagte: Mensch, wir haben doch zusammen studiert an der Homeworld-Uni und du bist doch irgendwie bei Radio 1. Ja, sage ich, bin ich. Ja, du, ich hätte jemanden für Robert und Volker, der könnte da gut hinpassen. Ja, okay. Hier hast du zwei Karten, geh mal hin, guck dir mal die Show an. So, und so landete ich, ich glaube in der Uferfabrik, ich bin mir nicht mehr ganz sicher, habe eine Freundin mitgenommen, landeten wir bei Kurt Krömer. Und dann rannte der da mit seinem braunen Präsent 20-Anzug, würde ich sagen. Also Präsent 20 war so ein Chemiestoff, der zum 20. Jahrestag in der DDR, der unkaputtbar ist. Aber so sah das Ding aus, aber gab es im Westen wahrscheinlich genauso. Da hieß es halt dann nicht Dedoron, sondern Perlon oder so. Und mit seinem Kühlschrank, in den er reinguckte und Herr Berlin hatte so, was ich ja von West-Berlin dann gar nicht so kannte und so. Und dann guckten wir uns so an und dachten, ist das jetzt lustig oder nicht? Ich war mir nicht Schlüssel, ich habe gedacht, ach komm, aber Robert und Volker, die kriegen das schon hin, die waren ja damals wirklich noch zwei richtig coole Socken. Die werden schon irgendwas mit dem anstellen. Und habe gesagt, okay, kommst mal nächste Woche in die Sendung. Und dann tauchte der da im Studio auf. Alle so ein bisschen hören das für einer so. Und dann quatschte der da mit seiner wirklich Berliner Schnauze drauf los und seinem Neukölln-Flair und so. Und dann sagten Robert und Volker, der ist super, den holen wir jetzt öfter mal. Und so kam der im Grunde genommen als regelmäßiger, fast ständiger Gast in die schöne Woche, gab dann auch den Kontakt zu Heinz Buschkowski, dem legendären Neuköllner Bezirksbürgermeister von der SPD, der noch sehr Klartext redete, heute wahrscheinlich der Obernazi in dieser Partei wäre. Und da kamen wirklich sehr lustige Sendungen zustande. Und dann hat, glaube ich, der ehemalige Radio 1-Chef, Helmut Lehnert, wurde Unterhaltungschef beim Fernsehen und hat dann mit einem Kollegen von mir vom Apparat, die haben, glaube ich, dieses Konzept für die erste Fernsehshow von Krümer zusammengeschraubt. Und so, das wurde damals noch in den Wühlmäusen immer aufgezeichnet und dann im RBB gezeigt. Und dann ging der steile Aufstieg von Kurt los. Und das ging ja bis 2010, das war ja seine erste Reihe, die internationale Show. Und dann wurde die eingestellt, dann hatte ich auch nicht mehr so einen Kontakt und erfuhr dann aber, das war auch wieder so ein Zufall. In der Kita meines Sohnes arbeitete auch offensichtlich eine Krankenschwester aus einer Klinik hier in Weißensee für psychische Erkrankungen und die erzählte mir, Mensch, du bei uns auf der Geschlossenen, da war ja Kurt Krümer ein paar Wochen. Und ich so, oh, okay, scheint es ihm ja nicht gut zu gehen. Und dann später hat er das dann publik gemacht oder hat es dann selber auch öffentlich gemacht, seine Depressionserkrankung. Ja, und so schlossen sich dann die Kreise und er hat ja dann nochmal die nächste Show gemacht. Also das warte mal, erstmal die internationale Show, dann kam She Krömer, das hat Köppersbusch mit Pro Bono produziert. Und da hat er ja Schluss gemacht, nachdem er erstens mal eine Absage von Herrn Böhmermann bekommen hat, interessanterweise. Der hat wohl eigentlich zugesagt, aber dann doch immer wieder abgesagt, hat sich darum gedrückt, zu Krömer zu kommen. Und dann hatte er so ein Eklat mit diesem Faisal-Kawusi, aber er sagt, da weiß ich nicht mehr so ganz genau die Hintergründe.
SPEAKER_02Es ging um einen Tweet oder irgendwie so ein Post mit K.O.-Tropfen. Also da hat Faisal-Kawusi irgendwie, oder ich glaube, er hat noch nicht mal einen Tweet abgesetzt, sondern so einen Kommentar, irgendwie ja, das nächste Mal sollte man mehr Tropfen verwenden oder keine Ahnung. Aber ich fand es ein bisschen sehr produziert. Also es sah mir so nach einem Eklat aus, den er tatsächlich schon im Kopf hatte.
SPEAKER_01Vielleicht, um erneut auszusteigen, weil es mal wieder zu viel wurde. Kann durchaus sein, also so gut ist der Draht von mir schon lange nicht mehr zu ihnen, dass ich da irgendwelche Hintergründe wüsste. Die gehören ja auch nicht hierher. Aber also da war offensichtlich der genug, er sagte dann auch, ich habe jetzt mit genug Arschlöchern gesprochen, in der schönen Kurt-Krömer-Manier. Und dann war es eigentlich ziemlich still, würde ich jetzt mal sagen. Und insofern war ich schon erstaunt, dass er nun ausgerechnet, nachdem er der Janni Böhmermann abgesagt hatte, er jetzt aber doch zum ZDF geht und dort weitermacht.
SPEAKER_03Diese letzte Folge hat er mit einem Herrn Kavusi gemacht, ein Comedian mit afghanischen Wurzeln. Und ich fand das schon ganz interessant, dass er, also dieser Kavusi ist eben aufgefallen durch ein paar verunglückte Äußerungen unter anderem mit diesen K.O.-Tropfen und Krömer wollte ihn in dieser Sendung hat also zwölf Minuten darüber gesprochen und wollte ihn, das hat ihm eben nicht gereicht, Kabusi hat sich entschuldigt und gesagt, das ist jetzt hier nicht besonders gut, ne? Aber wir machen ja alle mal Fehler und das hat ihm aber nicht gereicht. Und Krömer meinte dann eben auch, naja, ob es nicht sinnvoller wäre, sich dann Witze eben über Nazis zu machen. Da hätte man doch das Gefühl, dass man hinterher wenigstens was Gutes getan hat. Und als ich das jetzt so gelesen habe, nochmal nachgelesen habe, fand ich das schon sehr interessant, dass ein Deutscher, der sich da ja offenbar zum guten Milieu zählt, einem Zugewanderten dann erklärte, worüber er sich besser lustig machen soll und worüber nicht, und auch noch so eine Rangliste aufstellte, was gute Witze sind und was marginalisierte Gruppen sind, weil er ihm auch in diesem Kavusi eben vorwarf, naja, du trittst immer nach unten. Und dann eben Kavusi sagte, ja, wo verortest du mich denn? Ich bin doch unten. Also das ist schon sehr interessant, da hat mir auch so ein bisschen die Augen geöffnet und ich hatte Krömer eigentlich, fand ihn eben auch immer lustig, auch mal auch als unpolitisch wahrgenommen, aber so unpolitisch ist er offenbar nicht. Und noch ein kleines Schmankel am Rande. Das erste Soloprogramm von dem Kabusi lautete Glaub nicht alles, was du denkst. Und Krömer hat ein Buch veröffentlicht danach, das heißt, du darfst nicht alles glauben, was du denkst. Wochenlang auf der Bestsellerliste. Auch eine sehr interessante Geschichte, wie ich finde. Klingt doch sehr, sehr ähnlich. Ja. Insofern weiß man nicht genau, was da in dieser letzten Folge, er hätte genug mit Arschlöchern gesprochen, produziert, etwa, keine Ahnung, so wie die Persönlichkeit an sich, sehr ambivalent.
SPEAKER_01Also ich habe auch einen Podcast gehört mit Tilo Jung und war da auch ziemlich erstaunt drüber, weil ich schon längere Zeit von ihm nichts mehr gehört hatte. Hat er auch mir seine Shows ehrlich gesagt nicht mehr angeguckt, so lustig wie die ersten, bei denen ich dann noch live im Theater war, waren die eh alle nicht mehr. Aber ich kann mich erinnern, es war ja eine große Größe, oder es war eine Größe von ihm, dass er eben vor nichts Halt gemacht hat und dass irgendwelches PC-Gerede ihm wirklich völlig abgegangen ist in den Anfangsjahren. Das fand ich auch so toll. Und wie gesagt, Heinz Buschkowski, ja, dem würde er wahrscheinlich jetzt selber auch als Rechts verorten, keine Ahnung. Mit dem, was er da so vom Stapel gelassen hat, die waren damals aber ganz, ganz dicke zusammen. Krömer und Buschkowski. Ja, aber gut, das ist ja ein Phänomen, das ich bei vielen Leuten beobachten konnte, die ich jetzt schon seit 25, 30 Jahren kenne.
SPEAKER_03Ja, vielleicht will man seinen Status eben auch nicht riskieren, ne? Und weiß, was ankommt, was nicht. Und womit ich mich aus dem Rennen schieße und aber das nur eine Vermutung.
SPEAKER_01Und womit ich einen sehr gut bezahlten Vertrag beim ZDF bekomme.
SPEAKER_03Genau. Und jetzt haben wir noch einen lustigen, in Anführungszeichen, bunten Rausschmeißer. Zumindest war das immer der Jargon im Journalismus und auch bei der Tagesschau. Wir brauchen noch einen Rausschmeißer, was bunt ist, lustiges, hinten raus. Und letztens haben sie das gemacht und über die Mokka-Milch Eisbar berichtet. Und das fanden nicht alle so lustig. Oder nicht so alle sinnvoll. Mag jemand die Reaktionen schildern?
SPEAKER_02Die Reaktionen waren gemischt, würde ich mal sagen. Aber tatsächlich hat sich jemand aufgeregt, der selbst vom Gewerbe war, nämlich Reinhold Becker, lange beim SWR, aber eben auch beim NDR. Und er hat schlussendlich nicht nur da bezüglich dieses Beitrags sich aufgeregt, sondern er hat so ein paar Dinge miteinander kombiniert. Ich zitiere mal neulich ein Bericht über Lookmaxing, gestern über einen Wettkampf von gedobten Sportlern, heute über die neue Eröffnung der Mocker Milcheisbar in Berlin. Ist das relevant? Hat das Nachrichtenwert? Was soll das? Ist diese Themensetzung gewollt beim Flaggschiff der deutschsprachigen Nachrichtensendungen? Und ich denke, da hat er schon in gewisser Weise recht. Wir haben eine Verflachung, eine Boulevardisierung der 20 Uhr-Nachrichten, aber auch der Tagesthemen. Und das kann man ja nicht erst seit gestern beobachten, sondern das ist schon sehr lange der Fall. Insofern gehe ich da mit seiner Einschätzung. Was hat die Mocker Milch Eisbar in der Tagesschau verloren? Aber Anne, vielleicht belehrst du mich eines Besseren.
SPEAKER_01Du hast gesagt, ja, also ich habe irgendwie ein Problem. Ich höre alles mit Verzögerung.
SPEAKER_03Nee, ich glaube, Ola hatte angedeutet, dass er jetzt schlechtere Internetverbindungen hat und das war jetzt die reale Umsetzung.
SPEAKER_01Okay, gut, also die Mokka Milch Eisbar. Also ich denke auch, dass es andere Themen gäbe, die in der Tagesschau besser aufgehoben sind. Ich fand es nur interessant, dass Herr Becker und dann ja auch Herr Deppendorff ausgerechnet bei einem, ja, sag ich mal, doch, sehr ostsozialisierten Thema dann auf einmal auf den Trichter kommen und sagen, also das ist hier zu viel Boulevard in der Tagesschau. Er hat zwar noch ein paar andere Beispiele angebracht, aber dass ehemalige Hoch, also Hierarchen der ARD jetzt auf einmal so lautstark und öffentlich auf das Flaggschiff einschlagen, da hätte es viele, viele andere Möglichkeiten gegeben, vorher Anlässe gegeben, wo man hätte Kritik äußern können an der Tagesschau und zwar nicht nur wegen irgendwelcher Boulevardthemen am Ende der Sendung. Das fand ich schon interessant, dass es ausgerechnet dann wieder die Mokermilch Eisbar ist. Ich weiß ja nicht, Peter, kannst du mit der Mokka Milch-Eisbar irgendetwas anfangen?
SPEAKER_04Nee, überhaupt nichts. Und für mich ist es auch so ein Alibi-Thema. Becker und Co. wollen sich einfach nicht zu den Dingen, die wirklich relevant sind, da äußern und dann sind sie halt auf ein Thema ausgewichen, bei dem ich viel passieren kann. Das ist so meine Einschätzung.
SPEAKER_01Ja, und ganz kurz, also die Mocker mich erstbar, also Alexander und ich, wir kennen die sehr, sehr gut, haben wir festgestellt, weil wir beide zur selben Zeit eigentlich da in der Nähe zur Schule gegangen sind. Das ist an der Karl-Max-Allee, daneben ist das Kino international. Das kennen ja vielleicht doch einige, weil es auch ein großes Berlinale Kino ist. Und es hat eine lange Tradition, es gibt sogar einen eigenen Song von Thomas Natschinski über die Mokkermilch Eisbau. Und im Osten war die schon im Begriff, nicht nur in Ost-Berlin, sondern durchaus auch in anderen Ecken in die Mokermilch-Eisbar zu gehen in Berlin, das war schon was Besonderes. Insofern hat das, glaube ich, aus ostdeutscher Sicht nochmal einen anderen Stellenwert als aus westdeutscher Sicht. Aber ich gebe euch dreien schon recht, dass ich das in der Tagesschau trotzdem nicht sehe.
SPEAKER_03Also das war ja ganz interessant. Normalerweise finden solche Auseinandersetzungen ja nur intern statt. Also Becker äußerte das auf LinkedIn und Becker war ja mal stellvertretender ARD-Chefredakteur. Nee, er war ARD-Chefredakteur, genau, stellvertretende Studioleiter in Berlin und dann ARD-Chefredakteur in München. Also schon eine wichtige Stimme und hat das öffentlich geäußert und Deppendorf, der ehemalige Studioleiter in Berlin, hat ihn da unterstützt und die AD-Chefredakteurin in Hamburg Digitalis, Frau Leopold hat er dann, die also einen ostdeutschen Hintergrund hat, ausweichend geantwortet. Er hat nicht inhaltlich auf diese Kritik geantwortet, sondern schrieb auf LinkedIn, es sei nicht schlimm, die Mokermilch eisbar oder es sei schon schlimm, eben nicht zu kennen und es sei schon ein Stück ostdeutsche Identität. Und das, finde ich, ist ja so ein Problem, dass man eben weiß, die Medien sind westdeutsch dominiert und dann hatten, dass man da ein Problem hat, das man eben für den Osten irgendwie mitsenden möchte und glaubt, dieses Defizit auflösen zu können, indem man über B und C-Ereignisse berichtet. Ja, man kann das machen, aber es geht ja um große gesellschaftliche Themen, die im Osten, wo im Osten anders gedacht wird als im Westen und das darzustellen in der Tagesschau, das wäre meine Aufgabe und das behebt man nicht, indem man irgendeinen verstorbenen Deva-Schauspieler vermeldet oder die Eröffnung der Mockermilcheisbar, die er nach drei Tagen wieder zu hatte. Also da fühle ich mich jetzt auch als Ostdeutscher nicht unbedingt abgeholt im Programm, es mirlich gesagt. Völlig egal, ob die offen hat oder nicht. Aber was mir nicht egal ist, ist eben, dass bei Corona oder zum Ukraine-Krieg oder so ganz Migration fundamental anders gedacht wird als im Westen. Und das da müssten sie mal darstellen. Und das, das meint Peter vielleicht auch mit Ausweich, ja. Also das weiß ich immer gar nicht. Es ist fast kindisch, diese Reaktion, so empfinde ich es dann, weil dann hat sich ja Gabe Hallers, der ja auch sehr aktiv ist, dann auf Social Media auch zu Wort gemeldet und so. Und das sei wichtig. Nee, die Mokamilche-Eisbar kann man machen, es tut nicht weh, aber ich empfinde eher, wenn ich 15 Minuten Zeit habe, das Weltgeschehen zu erklären und wärm Iran-Krieg und alles Mögliche und dann zeige ich einen Haufen Sport und Wetter und tralalalotto zahlen und dann kommt noch die Mokamilche-Eisbar um die Ecke. Da fühle ich mich so ein bisschen verkaspert, weil es gibt ja andere Formate, wo man das machen kann. Ich habe ja Pressanton hast ja nicht gesehen. Es gibt ja, es gibt ja Flächen.
SPEAKER_04Ja, ich denke, es können immerhin aber tatsächlich Dippendorf und Becker ihm sagen, wir haben aber auch mal die Tagesschau kritisiert, ne? Das ist ja was.
SPEAKER_01Ja, es ist so ein bisschen wie der RBB, der in diese Gelbhaargeschichte irgendwie reingeschlittert ist, weil sie wahrscheinlich auch mal was Kritisches über die Grünen machen wollten, weil man ihnen sonst immer vorgeworfen hat, dass sie zu grünfreundlich sind. Also wahrscheinlich irgendwie eine ähnliche Denkrichtung. Und ja, Alexander, ich habe es am Anfang, als wir darüber gesprochen haben, auch gar nicht so kritisch gesehen, aber ich muss sagen, inzwischen ist es auch fällt so zusammen mit so anderen Dingen, die ich wahrnehme. Also dass zum Beispiel die Spaaderbank, bei der ich bin in Berlin, hat dafür geworben mit FKK freies, irgendwie, ich weiß gar nicht, wie sie es, freies Kreditkonto oder so kenne. Und dann sah man einen nackten Hintern, der sprang einem ins Gesicht, wenn man sein Geld abholen wollte. Und irgendwie so, wir sind die Bank für die Ossis. Und ich dachte, sag mal, was ist das denn? Ich wollte mich eigentlich auch beschweren bei einer Sparabank und ich habe es dann sein lassen. Aber ich dachte, das ist ja so geschmacklos. Und es ist auch so ein bisschen, also irgendwie changieren die Ostdeutschen entweder zwischen Nazis oder nicht ernst zu nehmende Deppen, wo die Mokka-Milch Eisbar sozusagen das Größte ist, was man so vermelden kann aus ihrer komischen Kultur, die wir alle nicht verstehen. Viel interessanter wäre übrigens mal ein Beitrag über das gegenüberliegende Restaurant Moskau. Das seit Beginn des Ukraine-Kriegs, wenn es dunkel wird, ist Restauranten erleuchtet, aber Moskau und Moskwa bleibt dunkel, ja. Und das jetzt seit vier Jahren, das fände ich eigentlich viel interessanter.
SPEAKER_03Aber ganz allgemein gefragt, glaubt ihr denn, dass man in der Tagesschau oder in einer großen überregionalen Nachrichtensendung, heute, was auch immer, unbedingt einen bunten Rausschmeißer braucht?
SPEAKER_04Ich habe das nie verstanden mit dieser Rauschmeißerdiskussion, weil wenn ich Nachrichten mache, mache ich Nachrichten. Und als ich noch überwiegend für den NDR gearbeitet habe, wurde mir immer gesagt, ja, aber die Leute bleiben nur deshalb dabei und tun sich dann die Nachrichten an, weil am Ende kommt ja noch was Schönes. Und ich glaube, das ist einfach eine völlige Unterforderung bis hin zur Blöderklärung der Zuschauer.
SPEAKER_02Ja, wenn man mal schaut, was in anderen Nachrichtenformaten in anderen Ländern so passiert, dann könnte auch Deutschland sich eine Scheibe davon abschneiden. In Frankreich zum Beispiel sind die Hauptnachrichten 30 Minuten lang und man hat tatsächlich eine Vielfalt von Formaten. Das heißt, da gibt es dann Studio-Interviews teilweise auch im Kulturbereich. Wenn irgendwie ein neuer Kinofilm oder so, französischer Film Premiere hat, dann sitzt da Regisseurin oder Schauspieler. Und das macht insgesamt diese Diese Nachrichtensendung vielfältiger und in Anführungsstrichen bunter, aber deswegen nicht unrelevanter. Und da also in diese Richtung zu denken, fände ich spannend, wenn man verändern möchte. Es gab ja auch mal die Idee, die Tagesschau auf 30 Minuten zu verlängern. Aber das wäre dann wahrscheinlich einfach mehr vom Gleichen gewesen und nicht neue Formate oder so ein bisschen mehr Vielfalt da reinbringen und auch vor allem Themenvielfalt. Ich glaube, das hätten wir nicht gesehen.
SPEAKER_03Und bei den Tagesthemen saßen dann zehn Minuten lang die toten Hosen. Aber du als Schweizer hast ja auch eine Tagesschau und da, weiß ich, gibt jeden Tag hinten raus ein Kulturstück. Oder zumindest meistens. Das finde ich ja dann, finde ich ja zumindest hat noch einen gewissen, wird auch dem Programmauftrag gerecht. Aber was wir in der Tagesschau ja eher sehen, ist ja so, ich sag mal, Wahltimi. Also ich weiß nicht, wie viele Wahl-Timmi-Berichte es in der Tagesschau gab. Ich habe nur eine Studie gesehen, nach der der Wal es geschafft hat, das Tier schlechthin in den deutschen Medien zu werden. Also noch nie wurde so ausufern, auch über kein Känguru und kein vermeintliches Krokodil und was es nicht schon alles gegeben hat, berichtet wie über diesen Wal. Und mit Livestream ja auch im NDR und so weiter. Da muss ich schon fragen, also sind wir alle irgendwie auf den Hund gekommen, auf den Wal gekommen. Also ich finde es, was bringt mir das für mein Leben? Also welche Relevanz hat das? Ja, man kann einmal über diesen gestrandeten Wal berichten und man könnte jetzt auch nachfragen, passiert das öfter und was sind die Ursachen. Aber ansonsten finde ich das völlig inhaltsfrei. Also und dann, das hat ja auch eine Wechselwirkung. Die Politiker beobachten das und halten dann, aha, das reden alle über den Wal und dann muss ich mich da auch positionieren und muss dann irgendwie auf dem Boot daneben übernachten und muss dem Wal in die Augen schauen als Umweltminister oder so und mache dann eben Wahlkampf. Haha. Aber dann wäre ja die Frage, wenn die Tagesschau weniger darüber richten würde, würden dann die Politiker auch ein bisschen wieder runterkommen. Also ich halte das schon auch für ein gesellschaftliches Problem, wenn man da so, weil es fällt ja mal ein anderes relevantes Thema hinten runter, wenn ich dem Wahl drei Minuten freiräume, habe ich für irgendwas anderes eben keine Zeit, ja. Und das meine ich mit bunten Rausschmeißern. Was ich irgendwie problematisch finde. Eine Begründung in Hamburg war ja immer, dass das so viel Elend und so traurig und dann müssen wir die Leute, wir können die so nicht in den Abend entlassen und dann müssen wir die wieder ein bisschen aufbauen. Aber ehrlicherweise, also es ist ja jetzt nicht so, dass die Menschen danach aus dem Fenster springen und irgendwie was Erbauliches aus der Tagesschau erwarten. Manchmal ist es ja wie bei einer Beerdigung, dass du dann eben hinterher denkst, ja gut, also ganz traurig jetzt gewesen, 15 Minuten, aber die Welt steht noch und mir geht's gut, so ungefähr. Also da kann man ja ganz unterschiedliche Schlüsse draus ziehen. Also ich finde das hochproblematisch und die Nachrichten vor 20 Jahren sahen ja definitiv anders aus. Und ich glaube, es kommt eigentlich aus der Einführung des Privatfernsehens. Damit hat das, die waren ja die ersten, die den bunten Rausschmeißer quasi erfunden haben.
SPEAKER_01Wobei das ja nun noch wesentlich länger zurückliegt. Und ich möchte mal nur an den Eisbären Knut erinnern. Also ich weiß wirklich nicht, ob Wahl Timmy den Knut geschlagen hat. Das glaube ich nämlich nicht. Und weil ich mich erinnere, hat Knut durchaus auch den Weg zu Tagesschau- und Tagesthemen gefunden, oder wenn ich mich recht entsinne?
SPEAKER_03Absolut, genau. Aber da konntest du ja, das finde ich, hatte ja noch eine so eine Komponente, dass man irgendwie Raubtiere, große Raubtiere in Gefangenschaft, wie sinnvoll ist das im Zoo und so weiter, ja.
SPEAKER_01Ja, aber es wurde ja auch total verniedlicht und also das, da war ja nicht wirklich eine Kritik. Im Übrigen kann ich auch dazu eine kleine Anekdote bringen, Herrn Dörflein, der ja kurz danach gestorben ist, dann leider, nachdem er Knut so hingebungsvoll großgezogen hat, den habe ich schon mal zwei Jahre vorher kennengelernt. Da haben wir auch ein lustiges Format ausprobiert. Zo und dann kündigte mir mein Kollege an, du, jetzt kommt gleich der Typ von den Bären und Wölfen, kriegt bloß keinen Schreck und auf einmal stand dieser riesengroße Herr Dörflein neben mir, schwitzend und nach körperlicher Arbeit riechend und so. Und ich krieg da ein bisschen Angst vor ihm. Und dann habe ich ihn zwei Jahre später immer mit dem kleinen Knut gesehen. Ja, ganz possierlich, aber Knut war ein ähnlicher Hype. Und da merkst du dann so, das ist dann die Sehnsucht der Menschen irgendwie nach Timmy war jetzt keine heile Welt, aber es war irgendwie so Emotionen und Mitfühlen und so. Das kommt dann eben durch. Und die Frage ist, inwieweit man eben bei einem Nachrichtenformat sich da unbedingt was abschaben muss und sich damit einreiben muss, um irgendwie ein bisschen besser zu riechen. Das ist halt wirklich die große Frage. Und ich muss mal sagen, wenn ich mich an meinen Einstieg erinnere bei den Tagesthemen, weiß ich noch, das war gleich in der ersten Woche, weiß nicht, ob ich da geprüft werden sollte, saß ich da in der großen Runde der westdeutschen Kollegen, der rein westdeutschen Kollegen, ich war dann wirklich der einzige Ossi in diesem Raum, waren vielleicht so 15 Leute. Und dann hieß es, ja, der MDR hat uns so einen Beitrag zum Bitterfelder Weg angeboten. Kannst du uns da was dazu sagen? Und dann habe ich ja meinen kleinen Vortrag gehalten und habe eine Lanze gebrochen dafür. Und dann lief das tatsächlich, das Stück. Keine Ahnung, ob das von meinem Veto abhing oder nicht oder ob die einfach nur testen wollten, ob ich zumindest im Osten Bescheid weiß oder so. Ich weiß es nicht. Aber da dachte ich so, ja, das ist ja schön, wenn ich als Ossi für so ein Thema eine Lanze brechen kann, dann gerne wieder. Aber es ist nicht mehr so oft vorgekommen dann.
SPEAKER_02Übrigens hat Timmy einen Sexchange durchgemacht. Man hat bei der Obduktion festgestellt, es ist eigentlich eine Wahldame.
SPEAKER_04Ja, zu Knut abschließend auch noch eine Anekdote, ich habe das dann mal im ZDF mitbekommen. In Folge von Knut wurde dann darüber diskutiert, als es irgendein Robbenproblem gab, dass Eisbären ja auch Robben jagen und die fressen die sogar. Und es wurde dann argumentiert, also seit Knut können wir sowas nicht mehr machen und berichten.
SPEAKER_03Ja, jetzt ihr wolltet ja singen, ne? Ich möchte ein Eisbär sein. Ich glaube, dass das aber bei Knut schon noch gewisse Hemmungen gab, sowas auch in den Nachrichten zu machen. Also wir haben das in den Nachrichten gesehen, aber nicht so ausufern wie beim Wahl. Beim Wahl war das ja jetzt schon selbstverständlich. Also dass man tagtäglich darüber berichtet.
SPEAKER_01Ja, weil man es mit Klimawandel und mit all diesen ideologischen Themen zusammenbringen konnte, das war bei Knut ja wesentlich zurückhaltender. Das ist ja nur 20 Jahre her mit Knut. Und das ist eben auch der Unterschied, ne? Wahltimmy ist eben gnadenlos für all diese ideologischen Schienen ausgeschlachtet worden.
SPEAKER_03Das Beste war ja eigentlich, dass, da ist doch immer so einer mit dem Boot durch die, war so eine private Rettungsaktion, ne? Und da gab es ja dann einen Artikel, war es Tagesschau oder NDA, also wo dann ideologisch geguckt wurde, wer diese Tierretter sind. Die kommen nämlich aus der rechten Ecke. Die haben das für sich, diese Wahlrettung, die haben das ausgeschlachtet.
SPEAKER_01Genau, das ist der Unterschied zwischen Knut und Tim, das wäre mal interessanter. Vielleicht macht es mal einen Wissenschaftler, ein Medienwissenschaftler, die Parallelen herzlich.
SPEAKER_02Das ist wirklich eine verrückte Zeit. Die Grünen sind jetzt die Partei, die für die Aufrüstung ist und Wahlrettung ein uraltes Greenpeace-Thema ist mittlerweile auch rechts.
SPEAKER_03Ja, mit diesen besinnlichen Worten. Natürlich von Ole. Beschließen wir die letzte Folge zu viert.
SPEAKER_00Vorerst, wir schaut mal, ne? Ole, wer weiß?
SPEAKER_02Ja, tatsächlich, als du eben von Helmut Lehnert gesprochen hast, dem langjährigen Radio 1-Chef und Erfinder und überhaupt, ja, Helmut war so ein bisschen mein Coach, mein Mentor auf meinen Radioweg. Und ich würde mich total freuen, also wenn wir es schaffen, den nochmal hier zu sachlich richtig zu bringen, da wäre ich auf jeden Fall mit dabei.
SPEAKER_01Ich werde meine Kontakte spielen lassen.
SPEAKER_04Ja, da es keinen gibt, den anderen nicht kennt, bin ich da guter Diener.
SPEAKER_03Sehr schön. Gut, ich danke euch. Und ich glaube, es gibt auf jeden Fall viele Kommentare. Schreibt sie uns gerne hinein, abonniert den Kanal. Das kostet euch nichts, hilft uns aber. Ja, und bleibt uns gewogen. Bis zum nächsten Mal. Tschüss.
SPEAKER_01Aber wenn ihr einen Euro übrig habt, nehmen wir den auch gerne. Vielen Dank.
SPEAKER_03Wie ist Ihre Meinung dazu? Brauchen wir ein seichtes Stück, ein schönes Stück hinten raus in den Nachrichtensendungen zur Unterhaltung. Welche Rolle sollte Unterhaltung überhaupt bei Nachrichten spielen? Gibt es nicht andere Formate, die das viel besser abbilden können? Ihre Meinung interessiert uns dazu. Das war der letzte, der fünfte Teil unseres letzten Austausches zu vier zu aktuellen Themen am Freitag 18 Uhr gibt die neue Folge, die reguläre Folge online. Da geht es um prekäre Verhältnisse im Journalismus. Auch das ist ja ein großes Thema, weil immer weniger Journalisten von ihrer Arbeit tatsächlich leben können. Wir haben uns dazu eine Expertin ins Studio zum Gespräch eingeladen, ab dann immer Freitag wieder 18 Uhr die aktuellen Folgen. Und dann versuchen wir zu dritt weiterzumachen. Hier bei sachlich richtig dem Medien-Podcast, wenn Sie uns unterstützen wollen. Dann finden Sie die Kontaktdaten zu PayPal zur Kontoverbindung in der Beschreibung dieser Folge. Wenn Ihnen das nicht möglich ist, hilft es uns aber auch, wenn Sie einfach auf die Glocke drücken, den Kanal abonnieren, bewerten, wenn Sie kommentieren, uns weiterempfehlen. Ich sage schon mal an dieser Stelle ganz herzlichen Dank.