Sachlich richtig
Einmal in der Woche schauen die vier etablierten Redakteure Annekatrin Mücke, Alexander Teske, Ole Skambraks und Peter Welchering auf einen aktuellen Aufreger in der Medienbranche und fragen, was sich aus dem Einzelfall lernen lässt und was dahinter steckt.
Die Medien-Insider berichten Internas aus dem Maschinenraum des Journalismus - egal ob Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk, Privat-TV oder Alternativmedien.
Sachlich richtig
Das ZDF: Der Fisch stinkt vom Kopf her!
Use Left/Right to seek, Home/End to jump to start or end. Hold shift to jump forward or backward.
Thorsten Alsleben war selbst lange Journalist, u.a. hat er für das ZDF gearbeitet. Nun ist er Geschäftsführer der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Er kritisiert in seiner neuen Rolle auch oft die Berichterstattung der Medien. So haben sie in seinen Augen kaum noch Kompetenz im Bereich Wirtschaft. Mit Ludwig Erhard könnte kaum noch einer etwas anfangen.
Mit seinem Ex-Arbeitgeber, dem ZDF, geht Alsleben hart ins Gericht. In einem Beitrag für den Focus hat er dessen Verfehlungen aufgelistet. Er schämt sich für die Lügen und Manipulationen des Senders und prangert den um sich greifenden Haltungsjournalismus an.
Hier kann man den Artikel nachlesen:
https://www.focus.de/kultur/kino-tv/ex-zdf-mann-schaemt-sich-fuer-sender-luege-und-manipulation-zu-musk-und-bei-boehmermann_ace57b5c-365e-4287-b550-0e970450dc80.html
Hier geht es zur Website der Initiative:
https://www.insm.de/
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Und das Problem beim ZDF, der Fisch stinkt vom Kopf. Wenn der Intendant diese ganzen Fehler, sage ich jetzt mal, sei es ob sie absichtlich oder versehentlich passieren, einfach durchgehen lässt. Und erst gibt es so einen Kadavergehorsam, wir Solidarität, wir solidarisieren uns, wir weisen das erstmal alles zurück und dann, wenn der Shitsturm so heftig ist, dass die Mauer nicht mehr hält, dann gibt man so ein ganz kleines bisschen nach. Geht nicht immer mit der Meute. Sondern wenn die ganze Meute sagt, wir müssen nach links, dann guckt mal, ob es nicht gute Gründe gibt, nach rechts zu gehen. Oder umgekehrt. Also wenn alle sagen, es droht die Klimakatastrophe und wir müssen jetzt dies und das und jedes machen, dann hinterfragt doch mal, wie ist denn das mit der Kernenergie und wie ist das denn mit der erneuerbaren Energie? Bringt das wirklich so viel? Und wie ist das mit der Batterieproduktion? Hinterfragt das. Ja, das ist ja auch journalistisch total interessant, wenn man einen eigenen Aspekt bringt. Natürlich gucken einen die Kollegen erstmal schräg an, aber aus solchen kritischen Dingen sind auch schon häufig Sachen erwachsen, die dann zu einer Politikveränderung gebracht haben.
SPEAKER_00Sachlich richtig.
SPEAKER_01Herzlich willkommen. Hier sind Sie sachlich richtig und mit uns an Bord bei Sachlich richtig. Außer Anne Mücke, Grüße nach Berlin.
SPEAKER_00Hallo, hallo.
SPEAKER_01Und Alexander Teske, Grüße nach Hamburg. Moin. Haben wir Thorsten Alsleben. Thorsten Alsleben ist Geschäftsführer der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft und er tritt des Öfteren auch als Medienkritiker auf. Und genau deshalb haben wir ihn natürlich auch zu uns eingeladen. Herzlich willkommen, Herr Alsleben. Vielen Dank, ich freue mich.
SPEAKER_00So, Herr Alsleben, jetzt versuche ich mal vorzuführen, wie toll wir als Journalisten recherchieren können. Ich hoffe, wir liegen richtig mit allem. Also Sie sind ausgebildeter Jurist, das stimmt erstmal, ja.
unknownJa.
SPEAKER_00Ihr Staatsexamen haben Sie in Bonn abgelegt und danach sind sie aber gleich in die Medienwelt eingetaucht. Sie sind zur deutschen Welle gegangen und haben dort ein Volontariat abgelegt, was ja eine tolle Ausbildung ist, habe ich im Übrigen auch gemacht, in der DDR noch ein Volontariat, eine gute Berufsausbildung im Journalismus. Dann, das war damals schon Bimedial bei der Deutschen Welle. Ich glaube, das war relativ ungewöhnlich für diese Zeit. Dann sind sie zum ZDF gegangen, waren zunächst in Düsseldorf und später dann Hauptstadtkorrespondent in Berlin. Danach sind sie in das Bundesministerium für Arbeit und Soziales gewechselt, waren dort am Leitungsstab, haben sich natürlich dort auch mit dem Thema Kommunikation beschäftigt. Das liegt ja nah und auf der Hand. Dann sind sie aber nicht wieder direkt in die Medien zurück, sondern sind in die Beratungsbranche gegangen, waren bei Kienbaum dem berühmten Unternehmens- und Personalberatungsunternehmen. Dann waren sie Hauptgeschäftsführer der Mittelstands- und Wirtschaftsunion. Ja, und jetzt sind sie seit drei Jahren Geschäftsführer der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Aber sie sind immer noch zumindest ein kritischer Beobachter der Medienwelt. Jetzt verraten Sie uns vielleicht mal am Anfang, auch wenn es vielleicht verdrießlich ist, was hat sie denn jetzt in den letzten Wochen und Monaten am meisten aufgeregt?
SPEAKER_03Also ich beobachte ja vor allem die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung und ich sehe die wirtschaftliche Lage und wir haben ja auch ein eigenes volkswirtschaftliches Team und die Lage ist halt so dramatisch wie nie. Und das Problem, wir sagen ja immer, es gibt kein Erkenntnisproblem, sondern nur ein Umsetzungsproblem, das stimmt nicht. Ich hatte jetzt diese Woche wieder eine Diskussion mit einer SPD-Politikerin bei Phoenix. Da ist bei vielen noch gar nicht die Brisanz angekommen. Also deren Lösung ist immer noch, wir brauchen mehr Umverteilung und höhere Steuern. Die haben noch nicht verstanden, dass jede Steuererhöhung, jede weitere Belastung noch mehr Unternehmen aus dem Land treibt. Und wir haben halt seit 2019 quasi Stagnation. Und eine Stagnation, die kaschiert die eigentlichen Probleme, weil in der Industrie bricht es dramatisch ein, 10.000 bis 15.000 Industriearbeitsplätze gehen jeden Monat verloren. Und dafür gibt es Beschäftigungsaufbau im öffentlichen Dienst und im staatsnahen Bereich, Pflegeberufe und so weiter, die natürlich insgesamt schlechter bezahlt sind, die nicht Wertschöpfung schaffen. Und deswegen geht es so peu à peu jeden Monat mit unserem Land weiter den Bach runter. Und wenn die Politik dort nicht ansetzt und eine wirklich, ich muss sagen, eine radikale Wende hinlegt, von 180 Grad, dann sieht es sehr düster aus mit uns. Aber nochmal zurück. Das wirtschaftlich-berufliche und dann gibt es natürlich auch noch ein paar Dinge, die so für diesen Podcast interessanter sind, so medienpolitisch, die mich ärgern, aber da kommen wir bestimmt gleich noch zu.
SPEAKER_00Genau, das würde ich eigentlich wissen. Was hat sie so Medien, also in der Medien, in der Berichterstattung, vielleicht auch gerade in Bezug auf die Berichterstattung über die Wirtschaft am meisten aufgeregt in letzter Zeit?
SPEAKER_03Also es fehlt die substanziierte Hinterfragung unserer aktuellen Lage. Ich erinnere mich, dass wir jahrelang Klimanotstand hatten und eine Doku nach der anderen und in jeder Kindernachensendung Klima, Klima, Klima teilweise bis heute. Aber dass wir einen Wirtschaftsnotstand haben, finde ich in den Medien so nicht. Klar, es wird berichtet, wenn VW Stellen abbaut, aber dann wird auch schnell gesagt, naja, Managementfehler und so weiter. Es wird nicht über die dramatischen, substanziellen Veränderungen in der Industrie berichtet und über die Hintergründe, weil wenn man das täte, würde man so Dinge wie nationale Klimaneutralität oder Kernkraft aus oder Lieferkettengesetz völlig anders bewerten, als es jetzt von den Medien bewertet wird.
SPEAKER_02Wo sehen Sie denn die Ursachen in dieser fehlgeleiteten Berichterstattung aus Ihrer Sicht?
SPEAKER_03Es sind zwei Ursachen. Das eine ist fehlende Kenntnis. Also es sind einfach die, ich kenne das ja aus meiner Zeit noch, die meisten Leute, die sich für Journalismus interessieren, sind halt im Regelfall nicht wirtschaftlich gebildet. Und zum anderen ist es eine immer stärker werdende ideologische Verfestigung, so eine Art Haltungsjournalismus, der sagt, also ich will für das Gute werben und das Gute ist halt eine klimaneutrale, diverse Gesellschaft. Und ich ordne dann so die journalistischen Kriterien, die ich eigentlich anwenden müsste, dem unter. Also wenn das mit der Wahrheit nicht so ganz übereinstimmt, ist egal, weil es geht ja um das gute Ziel. Und das habe ich gerade auch bei meinem früheren Arbeitgeber, beim ZDF, in letzter Zeit häufiger beobachtet. Und das ist natürlich fatal. Also solche Leute gab es immer, aber dann gab es immer an irgendeiner Stelle in der Redaktionsleitung oder so jemanden, der gesagt hat: so, sorry, das ist deine Privatmeinung, teile ich sogar, aber du musst dich immer noch an die journalistischen Kriterien halten und das ist Wahrheit berichten und auch die andere Seite hören und so weiter.
SPEAKER_01Sie haben sich da ja auch zu Fall Schönbum geäußert, im Fokus kürzlich. Und da sind wir auch einer Meinung tatsächlich. Ich hatte dem Intendanten Norbert Timler 24 im Dezember auch einen Brief dazu geschrieben. Wenn man sich so ein Format wie von Jan Schönbum anschaut, das schwankt ja zwischen Satire und angeblicher Investigation immer so hin und her, was er gerade braucht.
SPEAKER_00Entschuldige Peter, Jan Schönbumm ist natürlich eine sehr schöne Zusammenfassung. Aber es ist Jan Böhmermann in dem Fall. Aber super, damit hat man den ganzen Komplex gut zusammengefasst.
SPEAKER_01Ja, ja, nein, nein. Ich will Jan Schönburm auf gar keinen Fall, also Anne Schönbum, bitte um Entschuldigung, ich wollte sie nicht mit Herrn Böhmermann in eine sozusagen Chimäre zusammenbringen, irgendwie. Jan Böhmermann hat, der schwankt ja immer zwischen Satire und angeblicher Investigation, sondern so ein bisschen hin und her. Und müsste da nicht auch der Sender klare Vorgaben machen, die sprachen gerade an. Es gab da früher beim ZDF doch immer einen in der Redaktion, der sagte dann, oh, sorry, aber schaut euch mal die journalistischen Standards an, die wir haben, auf die wir uns auch verständigt haben, so geht das nicht. Wenn ich mir das Programm anschaue, wenn ich mir auch so die internen Diskussionen anschaue, dann fehlen genau diese Vorgaben. Wie könnte man die denn wieder in so einen Sinne reinbekommen?
SPEAKER_03Also erstmal Jan Böhmermann, das ist ja interessant. Bei der Heute Show weiß man relativ klar, es ist Satire, kann man sich darüber aufregen, dass sie sehr einseitig ist, aber so ist es nun mal. War früher bei Dieter Hildebrandt auch so, und wenn wir ehrlich sind, gab es ja eigentlich nie konservative oder bürgerliche Satiriker. Da ist ja jetzt mit Dieter nur schon eine Ausnahme da. So, bei Böhmermann fing das so an mit Satire, aber jetzt kommen immer mehr journalistische Formate und man tut so, als macht man Journalismus. Und wenn man dann aber für das, was man nicht journalistisch macht, nämlich einseitig und Leute fertig machen, dann kritisiert wird, sagt man, ist Satire. Also das geht natürlich nicht. Dann muss sich der Sender auch entscheiden. Und Böhmermann läuft ja beim ZDF in der Programmdirektion, die normalerweise eher Unterhaltung macht. Dann muss man auch sagen, pass mal auf, dann lass so Sachen wie Schönbohm und so, mach deine Witzchen über Erdogan und was weiß ich, aber bitte hör auf, so zu tun, als wenn du Journalismus machen würdest. So, und das Problem beim ZDF, und das habe ich auch in dem Artikel im Fokus kritisiert, der Fisch stinkt vom Kopf. Wenn der Intendant diese ganzen Fehler, sage ich jetzt mal, sei es ob sie absichtlich oder versehentlich passieren, einfach durchgehen lässt. Und erst gibt es so einen Kadavergehorsam, Solidarität, wir solidarisieren uns, wir weisen das erstmal alles zurück und dann, wenn der Shitsturm so heftig ist, dass die Mauer nicht mehr hält, dann gibt man so ein ganz kleines bisschen nach. Aber jeder Mitarbeiter spürt natürlich, das wird von oben gedeckt und eigentlich wird das gewollt. Und wenn ich es anders sehe, werde ich gedisst. Das ist das eigentliche Problem.
SPEAKER_00Ja, also das, genau, da würde ich nochmal nachhaken. Sie sagen ja, das wird von oben gedeckt und es wird irgendwie geduldet. Ich habe ja eher den Eindruck, dass es da beim ZDF eine gewisse Initiative auch von innen heraus gibt. Man muss ja auch immer bedenken, die Redaktion von Jan Böhmermann ist ja auch immer sehr, sehr gut informiert. Also man hat ja den Eindruck, dass die mit bestimmten Stellen, damals zum Beispiel eben dem Innenministerium, sehr wohl guten Kontakt auch haben. Und wenn man sich jemanden auch wie Elma Thevesen anschaut, der ja immer wieder so Sachen bringt, wo man denkt, meine Güte, der müsste doch schon längst vom Sender genommen werden. Und auch das Agieren in dem KI-Skandal, Tunia Hayali kann einfach weitermachen, weitermoderieren. Es gibt überhaupt keine Konsequenzen. Und Sie kennen ja das ZDF jetzt von innen heraus. Wie schätzen Sie das ein? Ist es da wirklich so ein hilfloses, wir werden irgendwie getrieben von den Aktivisten unter den Journalisten oder gibt es da inzwischen vielleicht wirklich auch so eine Linie, die da verfolgt wird?
SPEAKER_03Also ich müsste jetzt spekulieren, aber nach meiner Einschätzung, wie ich linke Netzwerke in Berlin erlebe, gibt es natürlich linke Netzwerke dort, über die Gewerkschaften, die ja auch im ZDF stark vertreten sind, über andere NGOs. Da gibt es ehemalige Studienfreunde, die irgendwie im Soziologiestudium oder so, kennt man sich noch. Natürlich gibt es diese Netzwerke und die sind, die funktionieren auch. Dann kriegt man halt mal eine Info über eine NGO, guckt mal da, was der da gepostet hat, da müsst ihr mal drauf gehen und guck mal dieser und wer mit wem verbunden ist. Und dann werden halt die Berichte daraus gestrickt und es gibt kein natürliches Korrektiv mehr im ZDF, das sagt, Moment mal, das ist jetzt aber doch vielleicht ein bisschen einseitig. Vielleicht müssen wir da auch mal die andere Seite hören. Und ich weiß, dass auch deshalb, weil ich ja immer noch Kontakt mit ZDF-Leuten habe und es denken ja nicht alle so. Also es gibt da sehr gute Journalisten, es gibt sogar Journalisten, die eher konservativ eingestellt sind und die regen sich auch maßlos auf. Die berichten mir aus irgendwelchen internen Sitzungen, wo sie sagen, da wird einfach, wenn man das anspricht, da wird da drüber hinweggegangen. Also es ist das Mindset im ZDF, ist inzwischen links, NGO-freundlich, wirtschaftsfeindlich. Im Großen und Ganzen. Es gibt immer einzelne Ausnahmen, es gibt auch manchmal gute Berichte, auch gute Dokus, aber der Mainstream geht in die andere Richtung.
SPEAKER_02Ich finde Ihre Aussagen und Ihre Wortmeldung in der Öffentlichkeit ja sehr mutig in dieser Angelegenheit, weil viele, die das bestimmt ähnlich sehen wie Sie, das nicht öffentlich vortragen, aus lauter Angst, es dann mit ARD, ZDF und Deutschlandfunk zu verschärzen. Und dann eben, wenn Sie so eine Funktion, wie Sie sie ja haben, als Chef der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, sich dann ja vielleicht in ein negatives Licht gerückt werden auf den öffentlich-rechtlichen Medien. Haben Sie sie gar keine Angst, es sich dauerhaft mit denen zu verscherzen und dann vielleicht auch aufs Korn genommen zu werden? Und dann gibt sie nicht Xidoku über ihre Initiative, wie schlimme Kontakte sie mittlerweile pflegen.
SPEAKER_03Ja, gut, das gibt es ja schon. Also es gibt mindestens zwei Jan-Böbermann-Sendungen, die uns oder auch mich schon aufs Korn genommen hat. Natürlich merke ich auch, dass manche Journalisten von ARD und ZDF eben nicht uns als Gesprächspartner nehmen. Aber ich, also teilweise bin ich ja Verbündeter derjenigen im Sender, die das auch kritisieren. Es gibt natürlich Leute im Sender, die haben eine sehr öffentlich-rechtliche Auffassung und sehr journalistische Auffassung, wie man Berichte machen sollte. Und die verstehen total meine Kritik, weil sie die intern auch haben. Und deswegen würde ich sagen, die haben wahrscheinlich auch kein Problem, mich zu interviewen. Es sei denn, sie kriegen dann von oben einen auf den Deckel, aber es nützt ja nichts. Ich merke ja, wie auch unsere Arbeit, die sich für soziale Marktwirtschaft einsetzt, darunter leidet, dass eben so ein ideologischer Bias in den öffentlich-rechtlichen Medien ist. Also muss ich das doch auch ansprechen. Und in dem Fokus-Artikel habe ich ja jeden einzelnen Kritikpunkt belegt. Also ich mache ja nicht aus dem Bauch raus und sage, oh, ich habe so ein dumpfes Gefühl von einseitiger Berichterstattung, sondern ich habe ja alle Fälle, die ich genannt habe, sind ja belegt und auch nicht widerlegbar. Und insofern ist das ja sehr journalistisch, wenn ich drangehe und sage, hier ist ein Missstand, das ist der Beweis und das und das müsste die Folge sein.
SPEAKER_01Sie sagten ja schon, der Fisch stinkt vom Kopfe her. Es scheint ja so, als würden sich weder Chefredakteurin noch Intendant wirklich darum bemühen, diese Situation auch nachhaltig zu verändern. Ich habe im Gegenteil eigentlich eher den Eindruck, gerade Norbert Himmler scheint sehr stolz zu sein, dass er damals Jan Böhmermann entdeckt hat und hält ihn für so eine Art Reichweite Wundermittel, auf das er gar nicht verzichten kann. Müsste nicht zumindest der Fernsehrat da mal einsteigen und in dieser Diskussion eben auch eine deutliche Positionierung bringen?
SPEAKER_03Also ehrlicherweise sind die Aufsichtsgremien der Fernsehrat oder bei RHD, die Rundfunkräte, sind für mich sehr enttäuschend. Sie nehmen nicht die Kontrollfunktion wahr, wie sie müssten. Ein gutes Beispiel gab es jetzt jüngst. Ich hatte im März eine Programmbeschwerde, die erste in meinem Leben übrigens ans ZDF gerichtet, also eine förmliche Programmbeschwerde, nicht einfach an eine Beschwerdemail, sondern offiziell an den Fernsehrad, mit dem Formular und so weiter. Als ich abends mit meinen Kindern ein Logo gesehen habe, die Kindernachrichtensendung, und dort erst ein sehr positiver Bericht über den Ramadan kam. Also da wurde nicht mit einem Wort angesprochen, dass es vielleicht auch ein bisschen kritisch ist, wenn inzwischen auch Kinder, die schulpflichtig sind, da sich beteiligen. Also es war ein ganz positiver Bericht, auch von der Bildsprache her. Und direkt danach kam ein absoluter Vernichtungsbericht über die Geschichte der christlichen Kirchen. Von Hölle über Ablasshandel bis Wissenschaftsfeindlichkeit bis hin zum Missbrauchskandal. Es kam also kein einziger positiver Aspekt der Bildung oder soziale Wohltaten oder sozusagen unsere Grundrechte, die sich ja aus kirchlichen Kontexten her rekrutieren. Alles das wurde verschwiegen und es gab halt diesen Doppelschlag. Und dann habe ich eine Programmbeschwerde abgegeben, die wäre wahrscheinlich einfach ignoriert worden, aber ich habe es gleichzeitig auf X gepostet und dieser Post ging relativ steil, haben sehr viele Leute beachtet, sodass dann zunächst christliche Medien drauf angesprungen sind und auch beim ZDF nachgefragt haben, bei Fernsehräten und dann weltliche Medien. Das heißt, es hatte dann eine gewisse Öffentlichkeit und das ZDF konnte sich auch nicht mehr drum herum drücken. Und dann passierte folgendes. Zwei Monate später hat der Intendant dann gesagt, ja, war vielleicht ein Fehler, also gerade auch so die Zusammenstellung, also jeder einzelne Bericht ist vielleicht nicht zu beanstanden, aber so in der Zusammenstellung wirkte das vielleicht ein bisschen einseitig und ja, die Redaktion ist sich darüber bewusst, dass man das vielleicht hätte anders machen sollen. So, also so ein ganz dezentes Schuldeingeständnis, ohne aber auf die gezielte Kritik und die Verletzung der Programmgrundsätze vor allem einzugehen. Und dann hat er gesagt, okay, wir nehmen es aus dem Archiv, sonst weiter keine Folgen. Dass das hunderttausende Kinder gesehen haben und so wie meine, sagte dann meine neunjährige Tochter, oh, Papa, stimmt das? Und dann musste ich unterbrechen und musste das alles einordnen und erklären, das machen natürlich die meisten Eltern nicht. So, das heißt, es gab keine Klarstellung in der Sendung, sondern man hat das einfach eine Pressemitteilung und vom Archiv genommen. Im Archiv, das interessiert überhaupt niemanden, weil Kinder ja nicht im Archiv eine drei Monate alte Sendung sich angucken. Und dann lief die Programmbeschwerde weiter. Und dann gibt es jetzt beim ZDF ein neues Verfahren, dass sich gar nicht mehr der Fernsehrat sich alle Beschwerden sich anschaut, sondern es gibt einen Beschwerdeausschuss. Und wenn der Beschwerdeausschuss die Beschwerde einstimmig zurückweist, dann kriegt der Fernsehrat das gar nicht mehr. Und das ist in dem Fall geschehen mit dem Argument, ja, der Intendant hat doch schon gesagt, es war ein Fehler und hat es aus dem Archiv genommen, es ist ja eine schwere Waffe. Also damit ist ja diese Beschwerde sozusagen abgeholfen. Dass es natürlich Anliegen der Beschwerde war, eine Verletzung der Programmgrundsätze festzustellen und den Kindern auch die Chance zu geben, eine Richtigstellung zu bekommen, das wurde völlig ignoriert. Und da muss ich sagen, Kontrollfunktion eklatant verletzt.
SPEAKER_00Das ist ganz interessant, denn einige Kollegen haben darüber geschrieben. Ich habe auch in der Binnen-Zeitung darüber länger geschrieben. Und nachdem erst nur der Beitrag zum Christentum rausgenommen wurde, ist dann nach diesem Echo, das dann so nachhalte, die gesamte Folge inzwischen entfernt worden. Also sie bewegen sich dann so Stück für Stück, ohne natürlich genau das zu tun, was sie gefordert haben. Also es gibt keine Richtigstellung, sondern es wird dann einfach immer so nach und nach rausgenommen, depubliziert, sagt man dazu, und stillruht der See, aber es gibt gar keine Auseinandersetzung damit. Aber es ist ja doch interessant.
SPEAKER_03Entschuldigung, wenn ich kurz unterbrechen darf, ich finde das sogar noch schlimmer, weil jetzt kann keiner mehr nachvollziehen, wie schlimm der Beitrag war. Man kriegt den nicht mehr. Er ist nicht mehr öffentlich zugänglich. Man hätte ja auch einfach einen insertieren sollen, für diesen Beitrag entschuldigen wir uns, weil der einseitig ist oder so, damit jeder, der das dann zufällig sieht, sieht, okay, das nehme ich jetzt mal nicht als Grundlage. Nee, man kann ihn gar nicht mehr sehen.
SPEAKER_00Naja, man kann die ganze Folge gar nicht mehr sehen. In dem Beitrag über den Ramadan gab es übrigens auch eine kleine Szene, ich habe mir das genau angeguckt. Da sieht man, wie eine Frau, einen Jungen, wahrscheinlich Mutter und Sohn, ihm auf die Hände haut, weil er an so einem Marktstand sich irgendwas nehmen will. Ich weiß nicht, das ist denen offensichtlich völlig durchgegangen. Also auch das fand ich total krude. Aber sie haben ja gesagt, sie haben das auf X gepostet. Und da kommen wir ja mal zu dem Punkt. Das wird ja immer wichtiger. Sie selber sind ja da sehr aktiv auf X. Und diese darauf, also sie reagieren nicht auf den vorgeschriebenen Weg. Die Programmbeschwerden, die werden mehr oder weniger abgeschmettert. Ja, ich glaube, über 90 Prozent werden abgeschmettert, werden überhaupt gar nicht behandelt und selbst die behandelt werden. Da hat uns ja auch im Rundfunk gerade gesagt, sie können ja gar nicht sanktionieren im Nachhinein. Sie können Du-Du machen und das war's. Aber darauf.
SPEAKER_03Aber Entschuldigung, das wäre ja schon was. Also wenn der Programm bei der Fernsehrat feststellt, dass hier Programmgrundsätze verletzt wurden, wäre das, hätte das ja dann eigentlich personalrechtliche Konsequenzen. Da muss man ja mindestens eine Abmahnung an die Redakteure und Redaktionsleiter schicken.
SPEAKER_00Ja, nein, das hat uns, also zumindest der Rundfunk, gerade vom Bayerischen Rundfunk, hat uns gesagt, dass diese Möglichkeit besteht gar nicht. Sie können niemanden abmahnen oder so. Das können die Rundfunkräte und Fernsehräte nicht. Das müsste wiederum der Sender machen. Und der macht das eben dann auch nicht unbedingt. Aber jetzt nochmal zurück, diese Reaktion aber auf das, was dann aus den sozialen Medien kommt, die findet ja offensichtlich statt. Heißt das auch, dass die sozialen Medien inzwischen auch eine größere Macht haben als der öffentlich-rechtliche Rundfunk mit seinen zehn Milliarden? Wie denken Sie? Wie schätten Sie dazu?
SPEAKER_03Also eine größere Macht, glaube ich, nicht, aber er hat eine wahnsinnige Macht, weil er so eine Art Watchdog-Funktion hat. Es war in dem Fall super gut, also das kann man ja kommunikationswissenschaftlich wahrscheinlich mal aufarbeiten. Programmbeschwerde alleine bringt nichts, dann Tweet, dann christliche Medien, dann weltliche Medien, dann Reaktion. Ja, und das sieht man an ganz vielen Dingen, dass wir über viele Vorgänge, Missstände ja erst über soziale Medien und gerade X erfahren, also was zum Beispiel diese ganzen Grooming-Sachen in Großbritannien, diese Vergewaltigung von Kindern durch Einwanderungs-Clans und so weiter und Familien, das ist ja erst über soziale Medien so verbreitet worden. Und viele Filme oder Videomitschnitte kriegt man über soziale Medien erst mit. Und dann, wenn das dort eine gewisse Resonanz erzeugt hat, springen klassische Medien drauf. Und deswegen habe ich auch den Eindruck, dass gerade im Öffentlich-Rechtlichen viel dafür geworben wird, doch X zu unterdrücken, zu verbieten und dass man das feiert, wenn irgendwelche Politiker sagen, ich verlasse X, um die Bedeutung der Plattform künstlich zu minimieren. Bislang ist es halt noch nicht gelungen. Und ja, das ist den Dorn im Auge, dass man über X und andere soziale Medien das Ganze gebaren offenbaren kann.
SPEAKER_02Weil soziale Medien immer mehr an Bedeutung gewinnen und auch neue Medien kommt ja jetzt die Landesmedienanstalt um die Ecke und beobachtet das ganz genau, fühlt sich angeblich zuständig, die journalistische Sorgfaltspflicht zu überwachen. Deswegen meine Anmerkung, ich ordne das jetzt ganz genau ein, was Anne zu den Programmbeschwerden gesagt hat: 99 Prozent werden abgelehnt. Und was ich noch nachfragen wollte, sehr gut finde ich ja, dass sie mit ihren Kindern zusammen die Sendung sehen. Das ist ja etwas, was die meisten leider nicht tun. Und da diese Verantwortung auch abgeben und dann eben immer nach der Regulierung schreien. Man musste soziale Medien verbieten und eben einfach sich zu fein sind, sich selber darum zu kümmern. Denn man kann natürlich seine elterliche Verantwortung dadurch abgeben. Und leider muss man das offenbar auch beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk tun und sich daneben setzen.
SPEAKER_03Aber jetzt meine Frage: begleitetes Fernsehen, genau. Geht nur noch begleitet mit den Kindern.
SPEAKER_02Ihre Kernkompetenz ist ja die Wirtschaft. Wie sehen Sie denn da? Wir haben es schon gestriffen, aber ich würde es gerne nochmal vertiefen: den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Wenn Sie Talkshows betrachten, zum Beispiel, da würde mir zu polemisch mal sagen, sehr oft taucht Ulrike Herrmann auf. Eine Taz-Redakteurin kann man machen, aber sie ist eben sehr, sehr häufig da und hat eine sehr dezidierte Meinung zum Kapitalismus. Und ich habe eine Übersicht gesehen von Mediatenor, von Roland Schatz, der ausgewertet hat, welche Wirtschaftswissenschaftler am häufigsten im öffentlich-rechtlichen Rundfunk vorkommen. Und da ist an einsamer Spitze. Marcel Fratscher vom DIW, auch der hat natürlich eine sehr dezidierte, ich würde mal sagen, linke Meinung zu unserem Wirtschaftssystem. Wie ist Ihr Blick darauf, auf die Ausgewogenheit und kommen Sie selber da vor? Also kriegen Sie Einladungen oder gibt es andere, wo Sie sagen, der wird zumindest meine Position vertreten?
SPEAKER_03Also wir haben das analysiert schon zweimal. Als INSM haben wir eine Talkshow-Analyse gemacht der wichtigsten Talkshows, da zähle ich jetzt oder zählen wir zu Markus Lanz, Karin Mioska, Meibrit Ilner, Hart aber fair und Maischberger. Und erstmal ist bemerkenswert, von den 284 untersuchten Sendungen im letzten Jahr, hatten lediglich 20 Prozent oder weniger als 20 Prozent einen wirtschaftspolitischen Bezug. Das heißt, wir sind in der größten Wirtschaftskrise seit Bestehen der Bundesrepublik, aber in weniger als 20 Prozent der Sendungen beschäftigen sich schwerpunktmäßig mit Wirtschaft. Das ist schon sehr bemerkenswert. Und wenn man dann, das ist auch noch ein Rückkehr gegenüber der vorigen Studie, die 2023 war, da waren es wenigstens ein Drittel. So, und wenn man dann guckt, wer ist denn in diesen Talkshows, dann sieht man, dass in einem Drittel dieser Sendungen, die einen Wirtschaftsschwerpunkt haben, kein einziger Vertreter aus der unternehmerischen Praxis oder den Wirtschaftsverbänden ist. Es kommt immer das Gegenauf, ja, die Unternehmen, die wollen sich nicht in die Talkshow setzen. Stimmt, hat auch Gründe, weil sie da im Regelfall nicht die Rolle des Guten oder des Neutralen, sondern des Bösen einnehmen. Aber bei den Wirtschaftsverbänden kann mir keiner erzählen, dass nicht irgendein Hauptgeschäftsführer bereit wäre, in eine Sendung zu gehen. Also das heißt, wir reden über Wirtschaft, aber nicht mit der Wirtschaft. Dominant sind Politiker, okay, man will ja auch politische Meinungen dazu hören. Und dann als nächstes kommen Journalisten. 27 Prozent Journalisten, echte Stimmen der Wirtschaft, wie Unternehmer und so, Verbandsvertreter, sind 7% insgesamt. Und Ökomen sind dann 14 Prozent, aber wie Sie sagen, ist das ja auch sehr weit. Also wenn man Fratscher einlädt, ist das ja nicht die Stimme der Wirtschaft, sondern eigentlich gegen die Wirtschaft. Sodass man sagen muss, dass hier auch wieder die Programmgrundsätze der öffentlich-rechtlichen verletzt werden, weil nicht für die nötige Ausgewogenheit und Vielfalt im Programm gesorgt wird.
SPEAKER_02Da hätte ich nochmal eine Nachfrage. Wenn denn die Wirtschaft eingeladen wird, habe ich die Beobachtung, dass dann auch, dass man den Blick auf die große Unternehmen hat und gar nicht verinnerlicht hat, dass das Rückgrat der Wirtschaft ja eigentlich kleine und kleinste Unternehmen sind. Und die kommen kaum vor. Also auch deren Verbandsvertreter, also die Selbstständigen und so, die werden so gut wie gar nicht gehört. Stimmt das? Oder haben Sie da eine andere Sicht?
SPEAKER_03Das würde ich jetzt für die Talkshows differenzierter sehen. Also da kommt schon der Familienunternehmerverband häufiger vor, die auch kleinere Unternehmen vertreten. Das ist jetzt nicht unbedingt nur dominiert von Großindustrie, zumal Vertreter von DAX-Konzernen normalerweise, weil die auch Angst vor irgendwelchen Börsenauswirkungen haben, eigentlich ungern in Talkshows gehen. Wo ich Ihnen recht gebe, ist bei der Berichterstattung in den Nachrichten. Also da wird halt sehr intensiv über die 100.000 Arbeitsplätze bei VW, die weltweit abgebaut werden, berichtet. Aber es wird fast gar nicht über die 100.000 Arbeitsplätze, die in drei Monaten den Mittelstand weggebrochen sind, berichtet. Also das heißt, da gibt es schon eine sehr klare Fokussierung auf Marken und Unternehmen, die man auch kennt.
SPEAKER_01Hat ja vielleicht auch damit zu tun, dass man sagt, ja, die sind ja auch wichtiger, weil sie bekannter sind. Aber unter Umständen hat es ja auch einfach damit zu tun, dass sich die Kollegen nicht so gern mit wirtschaftlichen Zusammenhängen auseinandersetzen. Der Wolfgang Schüll hat ja in Sachen Wirtschaftsberichterstattung im Schwarzbuch Staatsfunk kürzlich darauf hingewiesen, er nannte das dann tatsächlich einen Amateurverein, der öffentlich-rechtliche Rundfunk sei eben in Sachen Wirtschaft einen Amateurverein, weil es keine Leute gäbe, die zum einen mit den entsprechenden statistisch-methodischen Dingen umgehen könnten und zum anderen auch sowas wie Grundverständnis fehle. Hat es damit zu tun, dass tatsächlich wirklich zu viele, inzwischen zu viele Programmmitarbeiter im ZDF von Studiengängen kommen, die eben genau solche statistischen, empirischen Zusammenhänge nicht mehr im Lehrplan haben?
SPEAKER_03Also, das ist beides. Das ist einmal, dass man Statistiken nicht richtig auswerten kann und es sind einfach auch simple ökonomische Zusammenhänge von Angebot und Nachfrage und wie Märkte funktionieren. Die gibt es nicht. Also wie bin ich denn zum Wirtschaftsjournalismus gekommen? Ich hatte erst auch gar kein Interesse an Wirtschaft, sondern ich habe mich mehr so für Innenpolitik interessiert. Und dann habe ich mal ein Praktikum beim ZDF in Bonn damals im Hauptstadtstudio gemacht. Und ich fand das toll und konnte auch Beiträge machen. Es war noch vor meinem Examen. Und dann habe ich am Schluss den mich betreuenden Redakteur, der damals wirtschaftspolitischer Korrespondent war, gefragt, was soll ich denn machen, wenn ich mal hier später zum ZDF will. Und dann hat er gesagt, konzentrieren Sie sich auf Wirtschaftsberichterstattung. Und dann habe ich gesagt, ich habe aber gar keine große Ahnung davon. Dann sagt er, er ist nicht schlimm. Er hat mir ein Buch gegeben. Ich glaube, das hieß, wie lese ich den Wirtschaftsteil einer Zeitung. Hat gesagt, lesen Sie das Handelsblatt und den Wirtschaftsteil in der FAZ und dann wissen Sie nach einiger Zeit das, was man wissen muss im Regelfall. Also es ist am Ende natürlich doch ein bisschen mehr, aber so viel mehr ist es auch nicht. Also wenn man das regelmäßig liest und sich damit beschäftigt, dann lernt man schon viel. Und das nächste, was dazukommen muss, ist eben die Praxis. Sie müssen ganz viel mit Unternehmen reden, um zu verstehen, wie ist denn das, wenn am Wochenende Freitagnachmittag jetzt nochmal einen Großauftrag reinkommt. Wie kriegt man den? Mit einer starren Arbeitszeitregulierung kriegt man nicht. Also braucht man dann einen Betriebsrat, der sagt, komm, wir packen mit an, scheiß auf den Tarifvertrag, wir machen das jetzt, weil wir wollen den Auftrag haben. So, und diesen Praxisbezug habe ich halt über die Jahre mitbekommen. Aber da gibt es kaum welche. Und das war auch immer so im ZDF, oh Mensch, der alslebende ist ja, der Wirtschaftsexperte, soll der mal dieses Hardcore-Haushaltsthema machen oder Rente. Das ist alles viel zu kompliziert, soll der mal machen. Aber am Ende ist es ja gar nicht so kompliziert. Man muss sich halt nur ein bisschen eindenken und damit beschäftigen. Und das tun halt leider wenige.
SPEAKER_00Aber was ist der Hintergrund dafür? Also Sie sagten ja, Sie haben, oder wir haben, ich habe das vorhin auch gesagt, Sie haben ein Volontariat gemacht, ganz klassisch. Das so habe ich auch vor fast 40 Jahren angefangen. Und auch Praktika, wo man wirklich auch mal rauskommt aus den Unternehmen, aus den Kommunikationsunternehmen, ob das jetzt der öffentlich-rechtliche Rundfunk oder auch der private Rundfunk ist, ich glaube, da sieht die Situation ja leider nicht viel besser aus, was die Kompetenz in Wirtschafts- und Finanzfragen betrifft. Das ist natürlich auch immer das kniffligste Thema gewesen. Da reißen sich die Journalisten meistens nicht so drum. Ich weiß nicht, Peter kann es vielleicht bestätigen von seinen Erfahrungen in der Ausbildung her. Aber es ist ja enorm wichtig. Inzwischen kommen die Leute aber von so Ausbildungsstätten, zum Beispiel hier in Berlin, von der EMS, von der Electro Media School.
SPEAKER_01Ach, nee, ach nee, Electronic. Electronic Media School.
SPEAKER_00Von der Media School, die EMS. Und ich habe den Eindruck, wenn ich die erlebe, das sind jetzt die, die beim RBB sozusagen das langsam übernehmen, dass die überhaupt gar keine tiefer gehenden Kompetenzen mehr für irgendetwas haben, sondern dass wirklich dieses Ideologiegeschwenger auch einfach ja einfacher ist. Also man muss sich weniger anstrengen, wenn man sich auf diese Phrasen zurückzieht, immer wieder dieselben Formulierungen benutzt, sich immer wieder auf die scheinbar ja feststehenden gesellschaftlichen Probleme stürzt. Wie schätzen Sie das ein? Gibt es einfach auch zu wenig Willen, sich mit solchen Dingen auseinanderzusetzen? Und tut das dann ein Übriges dazu, dass so diese Ideologiehaftigkeit dann auch immer mehr anwächst? Sowohl beim öffentlich-rechtlichen als auch bei anderen Medien?
SPEAKER_03Ich glaube, das ist auch ein Teufelskreis. Also erstmal sind die Medien ja, werden ja, sind ja nicht mehr so gut finanziert wie früher. Das heißt, das ist ja, wenn man in die Medien geht, hat man nicht die tollen Karriereoptionen und Supergehaltsoptionen. So wenn jetzt einer so ein bisschen pfiffig ist, betriebswirtschaftlich interessiert, vielleicht auch so eine Start-up-Mentalität, Unternehmensgründungsmentalität, der würde ja niemals in irgendein Medium gehen, um dann dafür knapp über Mindestlohn Berichte zu schrubben, sondern der geht natürlich in Unternehmen. Und das ist genau das Problem. Die Bürgerlichen, die Ahnung von Wirtschaft haben, die arbeiten, die Wirtschaften steuern und so weiter. Und die, die vielleicht so, ach, mache ich jetzt mal Germanistik oder Soziologie oder irgendwie so, weiß ich nicht so genau, aber ich mache mal irgendwas mit Medien, die würden in der freien Wirtschaft überhaupt keine Chance haben und die konzentrieren sich jetzt und die sagen, oh Mensch, Freitags habe ich immer so schön für Klimaschutz demonstriert, da kann ich doch in einem Medium viel mehr erreichen, dann mache ich das halt da weiter. Ja, da kriegen sie natürlich keine Substanz rein.
SPEAKER_02Wo informieren Sie sich denn eigentlich? Also gibt es Medien, die über Wirtschaft aus Ihrer Sicht derzeit angemessen berichten? Sie haben vorhin schon gesagt, Handelsblatt und FAZ. Die FAZ hat sich meiner Beobachtung nach ja auch stark verändert. Also, und dann habe ich gesehen, treten Sie ab und zu bei der Welt auf. Die machen, glaube ich, einen tollen Job, aber Wirtschaftsberichterstattung ist jetzt vielleicht auch nicht unbedingt ihre Kernkompetenz. Also wo sehen Sie, haben Sie da eine Empfehlung?
SPEAKER_03Also ich glaube, es funktioniert nur, wenn man sich breit informiert und jetzt nicht sagt, das ist das eine Medium. Natürlich, im Handelsblatt gibt es immer noch fundierte Artikel. Ich würde jetzt von der politischen Ausrichtung sagen, sind die auch stark vom sehr Wirtschaftsliberalen ein bisschen mehr so leicht Richtung Grün gewandert im Großen und Ganzen, aber es sind immer noch sehr gute Journalisten mit guter, fundierter wirtschaftspolitischer Kenntnis. Die NZZ ist ganz gut, auch Welt, selbst in der Wirtschaftsberichterstattung haben die auch sehr, sehr gute Leute. FAZ auch vereinzelt in der Wirtschaftsberichterstattung, Wirtschaftswoche, so wenn sie so diese Breite sich ansehen, dann haben sie eigentlich eine gute Quellenbasis. Also wenn jetzt so zum Beispiel Koalitionsausschuss, wenn diese Steuerreformkonzepte dann diskutiert werden, wenn sie dann Welt, FAZ und Handelsblatt haben, sind sie eigentlich ganz gut informiert, was da los ist und welche Probleme da mit einhergehen.
SPEAKER_01Das sind ja alles Medien, die unterliegen dem 118-Betriebsverfassungsgesetz, also die haben Tendenzschutz, können den für sich in Anspruch nehmen. Das ist ja auch gut so, ist gewollt so, haben die Alliierten ja auch nach dem Krieg, ob Schutz erst nicht wollten, dann doch wieder eingeführt. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk sollte ja genau diese Tendenzen nicht haben. Und deshalb dann auch umfassender und neutraler berichten. Nun klappt das ja seit einiger Zeit nicht mehr. Was wären denn da mögliche Schritte, dass man da wieder zu einer tendenzfreien Berichterstattung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk hinlangt? Also ich spreche öfter etwa mit CDU-Rundfunkpolitikern, die wollen das dann durchaus, aber die fühlen sich dann in so einer Sandwich-Position und sagen, dass das klappt nicht, weil die CDU-Ministerpräsidenten wollen natürlich auf die verlängerte Werkbank Landesfunk aus sich verzichten. Und deshalb können wir da auch nicht mitmachen. Einige sagen sogar, naja, nach Sachsen-Anhalt dürfte es ja nochmal einen Impuls geben, aber wäre das nicht einfach eine Hoffnung nur noch auf eine Partei, nämlich die AfD?
SPEAKER_03Ja, das ist ja, die wollen ja das Kind mit dem Bade ausschütten. Die sagen ja, wir müssen im Prinzip den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ganz abschaffen. Ich finde ja die Idee des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gut, auch aus einer marktwirtschaftlichen Perspektive, wo ist denn die Marktlücke? Also was bieten Private nicht, weil es sich wirtschaftlich nicht nötig lohnt und was ist aber trotzdem vielleicht für unsere Demokratie wichtig? Das ist eine fundierte, journalistische, inhaltliche Berichterstattung über Politik, über Regionales und Inationales. So, und Regionalpolitik finden sie kaum noch von privaten Medien, weil es sich nicht lohnt. International auch nicht. Also ich möchte nicht den Journalismus, der, wenn irgendwas ist in Großbritannien, dann da einfliegt oder USA, dann kommen drei Journalisten und lesen sich da ein und versuchen, ein paar Leute kennenzulernen und berichten dann. Das können Sie vergessen. Das ist ja kein Journalismus. Sondern Journalismus ist, wenn sie Leute vor Ort haben, die Netzwerke haben, die wissen, was läuft, die es auch vielleicht vorher wissen, bevor man es hier in der Zeitung liest, und dann darüber berichten. Und das ist eben teuer, gerade für elektronische Berichterstattung. Aber da muss man, glaube ich, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk komplett vorm Kopf auf die Füße stellen. Also wofür muss Jan Böhmermann im Öffentlich-Rechtlichen sein oder die Heute-Show oder was weiß ich. Also entweder es findet sich, da findet sich doch mit Sicherheit auch irgendein privater Abnehmer, der da ein bisschen Werbung einspielt und damit Geld macht. Oder wahnsinnige Sportrechte. Warum muss man das, wenn es irgendwo im Free TV halt mit Werbeunterbrechung ein Fußballspiel gibt, muss man doch nicht wahnsinnig viel Geld als öffentlich-rechtlicher dafür zahlen? Aber was es eben nicht gibt, ist eine fundierte, hintergründige Berichterstattung, die neutral und objektiv ist für viele politische, wirtschaftliche, meinetwegen auch ökologische, soziale Zusammenhänge, international, regional und national. Und das bräuchte man. Und das gibt es halt so nicht.
SPEAKER_00Ja, nun ist das Problem, über Reformen sprechen wir, solange ich beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk arbeite, also über 30 Jahre. Die haben nie stattgefunden. Und das, was immer wieder angeprangert wird, wird am Ende des Tages aber nicht verändert, das wissen wir. Die Führungsetage verdient nicht weniger, die wird auch nicht reduziert, sondern immer mehr aufgebaut. Dieses ARD-Generalsekretariat wird jetzt zum Beispiel umbenannt und wird verdoppelt von 13 auf 25 Stellen. Da landet dann die geschasste oder mehr oder weniger abgelegte RBB-Justiziarin und so. Also das geht ja immer weiter. Da ändert sich ja nichts dran. Deshalb, wir hatten ja mit Ulrich Siegmund, dem Spitzenkandidaten der AfD in Sachsen-Anhalt, ja hier auch länger gesprochen. Und er hat ja auch zugegeben, sie wissen ja eigentlich auch noch nicht so ganz, wie es weitergehen könnte. Sie wollen so einen Impuls geben und erstmal sagen, wir machen da jetzt einen Strich und sagen, wir gehen raus aus den Rundfunkverträgen. Aber wir wissen natürlich auch, wir sind ja gesetzlich verpflichtet, im Grunde genommen ein öffentlich-rechtliches Angebot zu bieten. Und dann müssen wir mal sehen, wie es weitergeht. Wir wollen so eine Art Rundfunk haben. Also insofern weiß ich gar nicht, ob das jetzt auch immer so stimmt, zu sagen, die wollen es komplett abschaffen. Auch Kritikern wie uns wird das ja vorgeworfen, was wir immer abstreiten. Nein, wir möchten eine andere Art von öffentlich-rechtlich Rundfunk. Aber hätten Sie denn eine andere Idee, als dass man wirklich so einen Schritt erstmal wagt, um überhaupt eine Zäsur zu setzen und zu sagen, so jetzt müssen wir das erstmal komplett zurückbauen, um es wieder aufzubauen? Gäbe es eine andere Möglichkeit aus Ihrer Sicht?
SPEAKER_03Nee, wahrscheinlich. Also ich habe lange für Reformen im System gekämpft, weil ich das für die sinnvollste Art gehalten habe. Diese wären aber auch schon sehr radikal. Also im Prinzip brauchen sie ARD und ZDF nicht mehr. Sie brauchen Regionalberichterstattung, das ist die Kompetenz der ARD. Und sie brauchen nationale und internationale Berichterstattung, das ist die Kompetenz von ZDF plus ARD. Aber da wäre natürlich ein nationaler Sender viel besser, weil diese Kooperation der verschiedenen Länderanstalten, um dann ein gemeinsames Bundesprogramm zustande zu bringen, das ist ja wahnsinnig, ein wahnsinniger Koordinierungsaufwand. Und es macht doch gar keinen Sinn, diese ganzen Leitungsstäbe und Justiziariate und Personalabteilungen alles mehrfach vorzuhalten, sondern das könnte man in einem Sender zusammenfassen. Und dann konzentrieren sich eben die ARD-Kollegen auf Regionalität, aber sie gehören dann zu dem öffentlich-rechtlichen nationalen Rundfunk. Und dann gibt es halt die ganzen Intendanten nicht mehr, sondern nur noch einen. Das wäre so der erste Ansatz, wie man es machen könnte, wäre auch radikal. Ich glaube inzwischen, weil ich sehe, wie die Widerstände sind und dass auch die Länder das nicht wollen, weil sie Angst haben, dass sie dann irgendeine Sendeanstalt in ihrem Britt verlieren und dann irgendwie 20 Arbeitsplätze abgebaut werden. Deswegen halten die ja daran fest und sie wollen auch, dass der Tatort und Soko und so weiter auch in ihrem Land produziert wird. Und deswegen sind sie auch so froh, dass es da so viel Diversität gibt. Das hat ja nichts mit Medien zu tun, sondern mit reiner Standortpolitik. Das ist aber nicht Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, Arbeitsplätze zu sichern und Aufträge vor Ort. So, weil das alles nicht gelingt, habe ich sehr viele Sympathien für das Modell des Wettbewerbsökonomen Justus Haukapp aus Düsseldorf. Der hat nämlich gesagt, man müsste ganz anders rangehen, wenn man ein weißes Blatt Papier hat, sagt man, okay, was ist die Definition für einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk? Das schreiben wir auf, dann machen wir eine Ausschreibung und dann kann sich jeder bewerben. Von der BBC bis zur WeltTV, NTV, Böhmermann-TV, was weiß ich, jeder kann sich bewerben und sagen, ich erfülle diese Kriterien, ich setze das um und dann hat man fünf Jahre Zeit, hat das zu machen oder acht, weiß nicht, wie viel man braucht, um das wirtschaftlich tätig machen zu können. Und dann kriegt der den Zuschlag, der am glaubwürdigsten das verkörpert und gleichzeitig das günstigste Angebot hat. Das wäre ein Modell.
SPEAKER_02Es gibt ja viele spannende Modelle, die ich in letzter Zeit kennengelernt habe. Zum Beispiel eins, dass man eben für zwei oder drei Euro so eine Art Grundfunk macht, der Information, Bildung und Kultur anbietet. Und dann kann man sich verschiedene Pakete dazubuchen, zur Unterhaltung oder Sport oder was auch immer. Das kann auch öffentlich-rechtlich sein, aber man muss dann eben extra dafür bezahlen. Es gibt auch andere Modelle, die Frage ist eben nur Anhals angesprochen. Ich sehe nicht so richtig, dass das da tatsächlich realisiert wird. Wir hatten eine Folge mit Markus Kurze von der CDU Sachsen-Anhalt, der ja auch vorgeschlagen hat, entweder auf ARD oder CDF zu verzichten. Und wenn man sich die Kommentare darunter durchliest, ist es verheerend, obwohl das ein wirklich radikaler Vorschlag ist und der sicherlich auch sehr viel Gegenwind selbst in seiner eigenen Partei auch bekommt, ist es trotzdem so, dass viele ihm das gar nicht mehr abkaufen und sagen, naja, er wart doch aber 20 Jahre an der Macht in Sachsen-Anhalt und die Staatskanzlei bestimmt ja auch über Medienpolitik mit und ihr habt es eben einfach nicht umgesetzt. Das heißt, es gibt da so einen gewisser Druck in der Gesellschaft und viele Wähler trauen es offenbar nur noch der AfD dann zu. Und auf der anderen Seite gibt es aber eben auch viele, die trotzdem eben der AfD, Sie wollen sie nicht in Verantwortung sehen. Und da sehe ich so einen unauflösbaren Widerspruch. Jetzt haben Sie ja sicherlich auch durchaus Kontakte zu Politikern. Wie sehen Sie das? Was hören Sie da?
SPEAKER_03Also wir haben, damals war ich noch bei der Mittelstands- und Wirtschaftsunion, das ist ja der Wirtschaftsflügel von CDU, CSU. Die sind, würde ich mal sagen, etwas stärker an der Basis und vertreten auch so die ursprünglichen Werte der CDU, genauso wie die Junge Union. Und dann haben wir vor fünf Jahren wird das gewesen sein, ein Reformpapier gemacht zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Und ich finde das nach wie vor sehr gut, weil es nämlich genauso das beinhaltet, wie ich gerade gesagt habe, man könnte die Sender alle zusammenlegen, schafft eine Menge Verwaltung ab. Und dann muss man eben sich auf die Schwerpunkte konzentrieren, für die es einen öffentlich-rechtlichen Bedarf gibt. Und das war aber ein Riesenaufreger. Ich weiß noch, wie damals Henrik Wüst, der war noch nicht Ministerpräsident, oder war es schon? Ich weiß es gar nicht. Also jedenfalls war er maßgeblicher Politiker im Land NRW, der das versucht hat zu verhindern. Und das gab, also es wurde bis in die Presse getragen, Riesenstreit in der MET. Es gab aber eigentlich gar keinen Riesenstreit, sondern es waren eigentlich alle dafür, bis auf Herr Wüst und sein Umfeld. Und am Ende hat der Carsten Dinnemann es auch geschafft, in einer sehr ausführlichen Vorstandssitzung, wo man wirklich jede einzelne Zeile durchgegangen ist, dass dann am Ende einstimmig alle dafür gestimmt haben. Und dann waren halt, vielleicht aus NRW, haben nur drei mitgestimmt und die anderen drei mussten dann zufällig die Videokonferenz vorher verlassen. Aber es war jedenfalls ein einstimmiges Konzept und auch sehr revolutionär. Nur das Problem ist, Medienpolitik wird auf Länderebene gemacht. Und deswegen die Bundespolitiker, die das alle im Bundestag so sehen, die sagen ja, wir sind ja leider nicht zuständig. Und die Länderpolitiker, die sagen, ja, wir wollen aber unser Landesfunkhaus nicht verlieren und den Soko Leipzig wollen wir auch nicht verlieren. Und das ist halt der Widerspruch. Man müsste als Partei, die ja föderal organisiert sind, müsste man sagen, wir als Partei machen das auf Bundesebene und dann darf man höchstens ein Drittel Ländervertreter dazulassen, weil die werden alles blockieren und dann muss man so ein Reformkonzept machen und dann muss man das über die Länder übertragen. Aber ich fürchte auch, wenn nicht mal irgendeiner austritt, bewegt sich da wieder nichts.
SPEAKER_01Naja, nur ein Reformkonzept reicht ja nicht. Das muss ja auch umgesetzt werden. Und da wäre ja eigentlich gerade die Mittelstandsunion eine hervorragende Institution, um sowas machen zu können. Aber wenn ich mir das anschaue, die haben sich ja in letzter Zeit aus dieser Diskussion auch ziemlich zurückgezogen. Also als Roland Schatz, entschuldigen, als Roland Schatz und ich unser Buch Geschlossene Anstalt vorstellten, fand Gitta Connemann das Buch erstmal gut, aber zur Eröffnung hatte sie dann leider keine Zeit. Und da hätten wir jedweden Termin wählen können. Da fehlte einfach der Mut, so etwas dann auch wirklich politisch mit aufzunehmen. Braucht es da nicht einfach erstmal einen Anschubser auch für solche Kreise der Union? Werdet da mal mutig und werdet reformfreudig, der unter anderem auch von etwa der Initiative Neue soziale Marktwirtschaft kommen müsste?
SPEAKER_03Also die MIT und auch Gitta Connemann ist, gehört eigentlich zu denen, die immer mal wieder auch was Medienkritisches und RR-Kritisches sagen. Gitta Connemann hat auch bei der CDU einen entsprechende Arbeitskreis mal geleitet, der auch schon für die CDU ein paar gute Reformvorschläge gemacht hat. Vielleicht liegt es daran, dass sie sich grundsätzlich zurückhalten. Bei Buchvorstellungen, weil wenn sie es beim einen machen, müssen sie es auch beim anderen machen. Deswegen sind die da wahrscheinlich eher ein bisschen skeptisch, selbst wenn die hinter dem Thema stehen. Also die INSM, wir machen das mit der Talkshow-Studie natürlich mit einem sehr klaren Wirtschaftsbezug, weil unser Auftrag ist ja eigentlich für soziale Marktwirtschaft und für bessere Standortbedingungen zu werben. Und da ist der öffentliche Rundfunk, öffentlich-rechtliche Rundfunk sicherlich ein Teil davon, aber jetzt auch nicht so dominant. Also deswegen wird das nie zum Kern unserer Aufgaben gehören. Ich persönlich äußere mich da privat, weil ich halt auch einen Bezug dazu habe, als ehemaliger Angehöriger des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und grundsätzlich überzeugter Vertreter eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks erlaube ich mir halt auch da, wo ich Missstände sehe, die offen anzusprechen.
SPEAKER_00Aber Stichwort soziale Marktwirtschaft. Ist das nicht vielleicht auch inzwischen genau das Problem, dass diejenigen, die jetzt die Meinungshoheit haben oder meinen zu haben, genau diese Idee von der sozialen Marktwirtschaft im Grunde genommen ja schon fast missbrauchen, um die eigentliche Marktwirtschaft damit ja irgendwie komplett außer Kraft zu setzen. Also wie ist es in der Kommunikation, wenn Sie als Vertreter der Initiative nach außen gehen, wie kann man denn Ihre eigentliche Richtung überhaupt noch kommunizieren in diesen Zeiten?
SPEAKER_03Also wir haben, glaube ich, vielfältige Möglichkeiten, das zu kommunizieren. Wir haben gute Medienkontakte, auch zur öffentlich-rechtlichen. Wir haben unsere Social Media Accounts, wir machen Aktionen. Also ich habe da jetzt nicht das Gefühl, dass wir zu wenig wahrgenommen werden. Ich sehe eher das Problem, dass die Wirtschaftsvertreter, die es ja auch in den Aufsichtsgremien gibt, die sind natürlich in einer absoluten Minderheitsposition. Und wenn man in der Minderheitsposition ist, muss man vielleicht ein bisschen vehementer und lauter auftreten. Und da würde ich mir eigentlich mehr Engagement wünschen. Diese Positionen werden nicht immer so streng als Aufsichtspositionen wahrgenommen, wie sie es von den Rundfunstaatsverträgen eigentlich sein sollten und wie ich es auch erwarten würde. Mit anderen Worten, Steffen Kamm Peter ist dann im ZTF-Fernsehrat einfach nicht mutig genug? Ich will das jetzt gar nicht auf eins. Also es gibt ja in jedem Gremium Vertreter. Und wie gesagt, die haben es natürlich auch immer schwer, wenn die da umringt sind von irgendwelchen linken NGOs und linken Kirchenvertretern und linken Parteivertretern, dann ist das nicht leicht. Und ich, ja, aber trotzdem würde ich mir da vielleicht auch eine bessere Vernetzung wünschen und ein etwas vehementeres auftreten. Also ich habe jetzt zum Beispiel bei dem Thema mit Logo, da ist auch nie einer, obwohl die mich ja alle kennen, von diesen Wirtschaftsvertretern auf mich zugegangen und hat gesagt, was ist denn da los, was können wir machen? Ja.
SPEAKER_02Haben Sie denn eigentlich Direktkontakte auch schon mal gehabt zu Intendanten oder Chefredakteuren oder Programmdirektoren und haben mit denen sprechen können und ihre Vorstellungen denen nahe bringen können? Gab es da einen Austausch?
SPEAKER_03Nee, also ich habe aber auch keinen gesucht. Also ich bin jetzt nicht auf Herrn Himmler zugegangen und habe gesagt, hier, ich da ein paar Sachen stören mich, soll man mal reden, weil das ist auch nicht mein Mandat. Ich bin ja nicht der oberste ÖRR-Kritiker, sondern ich mache das halt mehr oder weniger privat, wenn ich was sehe, nutze meine Reichweite bei X, hoffe, dass das irgendwas bewirkt und dass es Diskussionen anstößt. Der Artikel im Fokus sicherlich wird wahrgenommen worden sein. Und dann gibt es ja zwei Möglichkeiten, darauf zu reagieren. Die eine ist Wagenburg, dass man sagt, jetzt erst recht hauen wir denen einen drüber und machen die fertig. Oder man sieht, also in der Zusammenstellung ist ja schon ein bisschen problematisch, wie können wir denn beim nächsten Mal weniger Angriffspunkte bieten. Die zwei Möglichkeiten gibt es. Ich weiß nicht, für welchen sich das ZDF entscheiden wird.
SPEAKER_00Ja, Sie sprachen an, die Diskussion. Sie waren ja jetzt gerade in einer Diskussionsrunde im Phoenix-Studio mit Nina Scheer, der energiepolitischen Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion. Und da wurde wieder deutlich, was ja so oft das Problem ist, wenn man sich überhaupt traut beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Wenn man sich überhaupt traut, wirklich Leute einzuladen, die nicht alle auf einer Linie sind, das ist ja ganz oft das Problem, da fällt man sich ins Wort. Man lässt vor allem diejenigen, die eben nicht aus der Mainstream-Ecke kommen, die lässt man gar nicht ausreden. Sie haben das selber auch erlebt. Das passiert ja immer und immer wieder, obwohl so viele auch Rezipienten das ja kritisieren und man ja an so einem Podcast wie Ben Bernd mit Höcke merkt, die Leute wollen, dass die auch mal sich aussprechen können, ihre andere Meinung überhaupt mal darstellen können. Ist denn sowas überhaupt noch zeitgemäß? Brauchen wir solche Talk-Formate, noch wie sie im öffentlich-rechtlichen Fernsehen vor allem laufen?
SPEAKER_03Also wir brauchen in jedem Fall Talk-Formate, ob im öffentlich-rechtlichen oder im Privatfernsehen. Ich glaube, dass das gut ist, wenn es nicht nur so ganz schnelllebigen Journalismus gibt, wo man so kurze Clips macht, wie wir das auf Social Media machen, sondern wo man auch mal einen längeren Gedanken formulieren kann und nachvollziehen kann, wie die Hintergründe sind. Ich hatte auch das Gefühl in dieser Talksendung, dass der Redeanteil von Frau Scheer deutlich größer war. Nun bin ich ein höflicher Mensch und unterbreche nicht so gerne jemanden. Aber ich denke, es ist trotzdem rübergekommen, wie meine Position ist und was ich an ihrer auch kritisiere. Und manchmal ist es auch gar nicht nötig, dass sie großartig das unterbrechen, sondern manchmal ist es, offenbart sich der andere auch selbst. Also so wie sie da geworben hat, dass die Energiewende international ja anerkannt sei und ein positiv konnotierter Begriff, da muss man eigentlich gar nichts zu sagen, weil jeder weiß, dass das nicht stimmt. Und wenn jemand das mal so offen ausbreitet, dann sieht man auch, dass diese Leute nicht mehr in der Realität leben.
SPEAKER_01Sie kennen jetzt beide Seiten sehr gut. Sowohl die Seite Journalismus als auch die Seite Auftragskommunikation, weil sie sind ja jetzt mehr oder weniger in der Lobbyistenszene. Merkt man da eigentlich noch Unterschiede oder ist die Auftragskommunikation zwischen in Sachen etwa mit Gesinnungsjournalismus, Haltungsjournalismus, meinen Sie das ja, so weit in den Journalismus eingesickert, dass diese früher einmal wichtigen Unterschiede irgendwie einplaniert sind?
SPEAKER_03Also jeder Journalist würde wahrscheinlich für sich sagen, ich unterscheide das und das eine ist Lobbying und die kommen mit ihren Interessen und ich muss aber für das Gute, Wahre, Schöne und Richtige darstellen. Nur halt die Grundhaltung zu politischen Themen ist eben so, dass bei Journalisten der Filter viel stärker ist gegen Themen, die von uns kommen, als gegen Themen, wenn jetzt Greenpeace oder der BUND oder wie jetzt diese komische Organisation, dieses AfD-Gutachten gemacht hat, die also überwiegend von linken Organisationen getragen wird. Wenn das kommt, wird das auf einmal so als irgendwie ein objektives Gutachten dargestellt, was es natürlich nicht ist. Ja, also da gibt es schon Unterschiede. Wie gesagt, es gibt auch immer solche und solche Journalisten, aber ich beobachte halt dann so einen Mainstream und der Mainstream ist eher kritisch zu marktwirtschaftlichen Positionen oder gesellschaftlich konservativen Positionen.
SPEAKER_02Jetzt hängt bei Ihnen im Hintergrund, Ludwig Erhard. Welche Rolle spielt der denn im öffentlich-rechtlichen Rundfunk noch? Also das Bild der sozialen Marktwirtschaft. Wie verbreitet ist das denn noch unter den Redakteuren?
SPEAKER_03Also ich würde sagen, nahe null. Also es gibt kaum noch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk Leute, die Erhard verstehen, die die einfachsten Marktgesetze verstehen und dann auch noch Mut und Kraft und Durchschlagskraft haben, das ins Programm zu bringen. Gibt es nur noch ganz wenige.
SPEAKER_01Ja, ich würde da sogar ergänzen. Ich würde mal davon ausgehen, mindestens 80 Prozent können mit dem Namen nicht mal mehr was anfangen.
SPEAKER_03Genau, die denken, das ist ein Komiker aus den 60ern.
SPEAKER_00Das wäre mal eine lustige Umfrage, die man starten könnte.
SPEAKER_02Heinz, oder? Um das nochmal aufzugreifen.
SPEAKER_00Sie haben ja Anfang des Jahres im Cicero einen Artikel geschrieben, der ja doch fast schon alarmistisch ist, wo Sie geschrieben haben, statt des Herbst der Reformen wird ein Winter der Entlassungen kommen. Den Winter haben wir jetzt hinter uns, wir sind im heißen Sommer gelandet. Wie ist denn Ihre Prognose? Also wo steuern wir denn mit der Wirtschaft jetzt in Deutschland hin?
SPEAKER_03Ja, das wird sich möglicherweise jetzt in diesen Tagen bis zur Sommerpause entscheiden, ob die Koalition es hinkriegt, wirtschaftspolitisch eine Wende einzuleiten, so wie das Schröder damals gelungen ist. Wenn ihr das gelingt, habe ich noch eine gewisse Hoffnung, dass es mit Deutschland auch wieder aufwärts geht und nicht nur weniger abwärts, sondern auch richtig aufwärts. Wir haben nämlich noch viel Potenzial. Wenn das jetzt nicht gelingt, sondern wenn die dann so kleinteilige Reformen machen, die nicht als massives Aufbruchssignal verstanden werden. Und zwar sowohl für die Firmen im Inland, die jetzt gerade ihre Standortentscheidungen treffen, als auch für Firmen im Ausland, die überlegen, wo wollen sie hin investieren. Wenn das nicht kommt, dann sehe ich ganz, ganz schwarz, weil dann kommt das im nächsten Jahr auch nicht mehr und im übernächsten Jahr auch nicht. Und bis dahin haben wir weitere 20.000, 300.000 Industriearbeitsplätze verloren und irgendwann haben wir zu wenig Substanz, dass wir noch ernst genommen werden. Weil wir werden ja auch sicherheitspolitisch, militärisch und so weiter nur ernst genommen, international, wenn wir eine Wirtschaftskraft sind. Wenn wir da abrutschen auf Platz 5, 6, 7 und uns das gleiche passiert wie jetzt bei der WM, dann werden wir halt einfach nicht mehr ernst genommen, dann können wir auch international nichts mehr erreichen.
SPEAKER_02Wenn ich mir aber das Programm des öffentlich-rechtlichen Rundfunks angucke, wird das eher darüber diskutiert, dass man Reichen doch irgendwie das Geld wegnehmen könne und dann das verteilt und dann haben es alle besser. Was sind denn, könnt ihr mal kurz sagen aus Ihrer Sicht, was sind denn die wichtigsten Sachen, die Sie sich wünschen, die ganz schnell umgesetzt werden müssen, um das Ruder noch rumzureißen?
SPEAKER_03Ja, es geht leider nur mehreres gleichzeitig. Also wenn es jetzt eine Sache wäre, dann ging es ja noch leicht, ist es aber nicht, sondern wir brauchen mehrere Sachen gleichzeitig. Fangen wir an mit der Gesundheitsreform. Da haben die ja jetzt schon ein paar mutige Schritte, aber wenn wir ehrlich sind, wird das nicht den Beitrag senken, sondern allenfalls die erwartete Steigerung stoppen. Und da sind dann halt auch Sachen dabei, die für Menschen unangenehm sind. Es gibt halt weniger Geld und einige müssen auch, die besser verdienen, müssen, auch höhere Beiträge zahlen. Da müsste man ehrgeiziger rangehen, sodass wirklich im nächsten Jahr die Leute beim Blick auf den Lohnzettel merken, ach, ich habe ja mehr Netto, das ist ja toll. Also das muss kommen. Genauso bei der Pflegeversicherung, genauso jetzt bei der Steuerreform, dass die jetzt diskutieren und gerade im oberen Bereich die Steuern erhöhen, das sind doch nicht irgendwelche Millionäre, die mit dem Porsche übersylt fahren. Die gibt es auch, ist auch berechtigt, ist mir wurscht, aber das sind ja vor allem mittelständische Unternehmen, weil die Einkommensteuer ist für mittelständische Unternehmen die Unternehmenssteuer, nämlich für alle Personengesellschaften. Das sind halt 80 Prozent aller Unternehmen. So, wenn man da jetzt oben die Steuer erhöht, nimmt man denen Substanz zu investieren und neues Personal einzustellen und so weiter, dann beschleunigt man den wirtschaftlichen Abstieg. Also wir brauchen eine Einkommensteuerreform, die die Arbeitnehmer und die Unternehmer entlastet. Wir brauchen eine Körperschaftssteuerreform, also für die großen Unternehmen, die ist ja schon beschlossen, kommt aber erst 2028 und dann jedes Jahr ein Prozent, das ist ein Witz, sondern sie brauchen das jetzt, damit jeder, der jetzt eine Standortentscheidung trifft, sieht, oh, in Deutschland lohnt sich es wieder. Dann Bürokratieabbau, kostet gar nichts, könnte man sofort machen, passiert aber nicht, trotz Digital- und Bürokratieabbau-Minister. Der macht viel im Hintergrund, aber die Behaarungskräfte sind unglaublich. Also wir haben Steuer, wir haben Bürokratie, wir haben Sozialabgaben, Gesundheit, Pflege. Wir müssten bei den Energiepreisen was machen. Das ist halt Wahnsinn, was wir da durch die Energiewende an Geld verpulvern, ohne dass das dem Weltklima irgendetwas bringt. Also wir sterben in Schönheit sozusagen. Wir sagen, guck mal, wir halten uns an diese tollen Regeln, aber im Weltklima bringt das halt nichts, weil Indien, China und USA, die denken nicht im Traum daran, das zu machen, was wir machen. Die haben auch ganz andere Klimaneutralitätsziele als wir. Und deswegen werden wir da systematisch ins Hintertreffen geraten. So, und das ist eben ein großes Paket. Das muss jetzt im Sommer passieren. Wenn das nicht passiert, geht es weiter abwärts.
SPEAKER_01Sie haben gerade Potenziale, die Sie sehen, angesprochen. Werden wir zum Schluss nochmal ein bisschen positiv. Wo sehen Sie denn Potenziale? Was kann da wieder aufgebaut werden, wirtschaftlich?
SPEAKER_03Also als Jurist sage ich mal, das wichtigste Potenzial in Deutschland ist die Rechtsstaatlichkeit. Sie können sich hier auf die Verwaltung, die manchmal langsam ist und nervig, aber Sie können sich total verlassen. Sie müssen nicht 10% Ihres Umsatzes für irgendwelche Bestechungsgelder ausgeben. Sie haben hier eine zuverlässige, gut funktionierende Verwaltung, die alle gleich behandelt. Die müsste schneller sein und digitaler, aber sie ist zumindest rechtsstaatlich sauber. Und die Gerichte funktionieren im Großen und Ganzen, könnte alles schneller sein, aber die sind wenigstens neutral. Das ist ein Positiv. Wir haben immer noch sehr gut ausgebildete Leute und das Wichtigste, wir haben einen industriellen Kern wie kein anderes Land. Da wir bei KI, bei künstlicher Intelligenz, bei der Entwicklung von KI-Modellen natürlich nie mithalten können mit USA und China, haben wir aber den Vorteil der Daten. Wir haben die industriellen Daten. Und KI, gepaart mit industriellen Daten, kann uns ganz weit nach vorne bringen. Und deswegen ist es ja auch so wichtig, dass wir keine Industrie weiter abbauen. Also es nützt uns, ist schön und gut, wenn wir einen Beamten mehr haben und vielleicht auch eine Pflegekraft mehr. Aber das bringt uns in diesem internationalen Standortwettbewerb nichts. Und deswegen dürfen wir den Abbau der Industrie müssen wir sofort stoppen und ins Gegenteil verkehren.
SPEAKER_00Ja, dann zum Abschluss vielleicht entschuldige, Peter.
SPEAKER_03Nee, nee, bitte, bitte.
SPEAKER_00Zum Abschluss vielleicht noch die Frage, wie lautet Ihr Appell an den Journalismus? Also gerade wenn es darum geht, auch mal positive Impulse zu setzen und zu sagen, zu zeigen, was wären die Lösungswege? Wo müsste man, welchen Weg müsste man gehen, um die Ergebnisse zu erzielen? Was ist Ihr Appell an den Journalismus in diesem Land? Ganz unabhängig davon, ob öffentlich-rechtlich oder privat.
SPEAKER_03Also der erste ist, geht nicht immer mit der Meute. Sondern wenn die ganze Meute sagt, wir müssen nach links, dann guckt mal, ob es nicht gute Gründe gibt, nach rechts zu gehen. Oder umgekehrt. Also wenn alle sagen, es droht die Klimakatastrophe und wir müssen jetzt dies und das und jedes machen, dann hinterfragt doch mal, wie ist denn das mit der Kernenergie und wie ist das denn mit der erneuerbaren Energie? Bringt das wirklich so viel? Und wie ist das mit der Batterieproduktion? Hinterfragt das. Ja, das ist ja auch journalistisch total interessant, wenn man einen eigenen Aspekt bringt. Natürlich gucken einen die Kollegen erstmal schräg an, aber aus solchen kritischen Dingen sind auch schon häufig Sachen erwachsen, die dann zu einer Politikveränderung gebracht haben. Also erstmal geht nicht nur mit der Masse, sondern guckt gerade dann besonders kritisch hin. Das war ja bei Corona genauso. Und erstmal geht nicht nur mit der Masse, sondern guckt gerade dann besonders kritisch hin. Das war ja bei Corona genauso. Und ansonsten würde ich sagen, back to the roots. Also Journalismus heißt erstmal gucken, was ist. Und was ist, weiß man nicht immer am Anfang, also musst du die andere Seite hören und auch die andere Seite darstellen. Ganz simpel, journalistische Mindeststandards. Wenn man die einhält, ist schon viel gewonnen.
SPEAKER_01Nach der letzten Frage von Anne noch eine allerletzte von mir und dann wahrscheinlich noch eine allerletzte vom Alex, die ich jetzt ins Wort gefallen bin. Klingt erstmal gut, aber brauchen wir dazu, um diese kritischen Fragen zu stellen, um diese kritischen Potenziale auch heben zu können, brauchen wir dazu nicht auch einen Fachjournalismus, der sich einfach auskennt. Also mir ist das etwa an der gesamten Diskussion zu KI und Rechenzentren aufgefallen. Niemand traut sich, im Öffentlich-Rechtlichen erst recht nicht mehr, weil man da die Technik und Wissenschaftsformate völlig gekappt hat. Niemand traut sich mehr beispielsweise dieses Problem, Rechenzentrumsinfrastruktur vorhalten zu müssen, um im KI-Wettbewerb überhaupt noch standortfähig zu sein, anzusprechen, weil es genau diese Fachjournalisten nicht mehr gibt, die das bisher in den Redaktionen hochgehalten haben.
SPEAKER_03Ja, Fachjournalisten sind halt teuer, weil sie dann die Fachleute, die sonst auch in der Wirtschaft oder in der Wissenschaft Karriere machen könnten, im Journalismus halten müssen. Sie müssen dem Raum geben, aber sie müssen auch bereit sein, wenn es jetzt mal zwei Wochen in dem Thema nichts gibt, das auch auszuhalten und dann recherchiert er halt an einer größeren Geschichte. Und das wäre eigentlich klassische Aufgabe für den öffentlich-rechtlichen Journalismus. Wir brauchen ja nicht die 25. Soko-Sendung oder die 25. Sendung zu Klimaschutz, sondern wir brauchen ja sozusagen das Schwarzbrot, damit alle sich dann anschließend eine Meinung bilden können und lieber Doppelstrukturen abschaffen und davor fokussiert in diese fachlichen Themen, die jetzt unterrepräsentiert sind. Das Geld ist da, das Geld ist da. Und das wäre auch da, wenn wir nur die Hälfte dafür ausgeben würden. Mit der Hälfte könnten wir besseren Journalismus machen, wenn wir da abschneiden, wo es überflüssig ist. Doppelstrukturen, doppelte Sendeformate und, und, und.
SPEAKER_02Ich habe keine letzte Frage heute ausnahmsweise und fand die letzten beiden Antworten sehr, sehr spannend, wie das gesamte Gespräch. Ich bedanke mich ganz, ganz herzlich bei Thorsten Aalsleben. Danke Ihnen. Und appelliere nochmal an alle, gerne den Kanal abonnieren, die Folge kommentieren, es weitersagen. Wir haben leider mit einer sinkenden Reichweite, die wir uns nicht erklären können, zuletzt zu tun, was uns schwer trifft, weil es ja einhergeht mit dem Aus bei der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung. Auch da fehlt uns jetzt der Sponsor. Ich möchte aber die Gelegenheit auch nutzen. Es sind ganz, ganz viele kleine private Spenden eingegangen, mich bei allen herzlich zu bedanken. Und wir hoffen, dass wir das hier aufrechterhalten können, weil ich glaube, dass wir genau diese Lücke, über die wir gerade gesprochen haben, die der öffentlich-rechtliche Rundfunk hinterlässt und die teilweise eben auch von neuen Medien nicht so richtig gefüllt wird, dass wir vielleicht dazu beitragen können, diese zu füllen. Deswegen ganz herzlichen Dank fürs Lauschen und bis demnächst. Tschüss.
SPEAKER_00Bis dann. Tschüss.