Ein & Aus - der Atempodcast

2. Staffel Folge 1: Achtsamkeit beim Atmen

Irene Labryga

Use Left/Right to seek, Home/End to jump to start or end. Hold shift to jump forward or backward.

0:00 | 32:17

Wir tauchen in dieser Folge tief in das Thema "Achtsamkeit beim Atmen" ein. Wir zeigen Euch, warum bewusstes Atmen nicht heißt, den Atem zu kontrollieren oder zu verändern, sondern ihn einfach locker und ohne Bewertung wahrzunehmen. 

Dabei teilen wir mir Euch Einblicke in unsere Arbeit als Atemtherapeuten und sprechen über die Balance zwischen Achtsamkeit und Hingabe - sowohl für Patienten als auch für Therapeuten.

Außerdem zeigen wir Euch praktische Tipps, wie Ihr auch im hektischen Alltag kleine Achtsamkeitsinseln schaffen könnt. 

Zum Abschluss gibt es eine angenehm entspannende Übung für die Schultern zum gleich Mitmachen....

Infos zur Angewandten Atemtherapie:

https://angewandte-atemtherapie.de

https://atem-ausbildung.de

#atemausbildung #atemübungen #Atmung #entspannungsübung #bewusstesatmen #bewusstatmen

SPEAKER_00

Äh, Johannes, wir müssen noch einen Podcast aufnehmen. Beweg mal dein sympathisches System hierher.

SPEAKER_05

Ach komm schon. Was steht jetzt heute wieder an? Dieses Aus- und Ein?

SPEAKER_00

Äh, nee, ein- und aus.

SPEAKER_05

Achso, das war das. Ja, okay. Können wir machen.

SPEAKER_00

Ich habe auch einen guten Tee gemacht.

SPEAKER_05

Okay.

SPEAKER_04

Ein- und aus. Durchatmen bei den Atemtherapeuten Irene Labrüger und Johannes Gruninger. Dein Atempodcast mit Luft nach oben.

SPEAKER_05

Einen schönen guten Tag zusammen. Wir sind wieder hier, um mit euch ein bisschen zu quatschen. Oder naja, eigentlich quatschen wir und ihr hört zu. Aber so ist das nun mal bei einem Podcast.

SPEAKER_00

Ja, voll schön, dass es jetzt wieder losgeht. Zweite Staffel schon.

SPEAKER_05

Ja, und wir haben es nicht vergessen. Wir haben vom letzten Mal noch eine Gewinnerin zu verkündigen. Allerdings wollen wir jetzt den Namen nicht nennen.

SPEAKER_00

Klar, wegen Datenschutz und so.

SPEAKER_05

Vielleicht können wir sagen, dass es eine Person aus dem Odenwald ist.

SPEAKER_00

Eine weibliche Person?

SPEAKER_05

Eine weibliche Person aus dem Odenwald. So, wenn es euch allzu sehr interessiert, könnt ihr jetzt Talkarbeit machen. Aber diese Person hat auf jeden Fall eine doppelte Atembehandlung bei uns gewonnen.

SPEAKER_00

Und wir wünschen einen herzlichen Glückwunsch und hoffen, dass es schön wird für dich, liebe Hörerin.

SPEAKER_05

Vielen Dank auch für eure ganzen Abstimmungen zu dem Thema, was die beste goldene Atemregel ist.

SPEAKER_00

Und auch für euer tolles Feedback.

SPEAKER_05

Vielen, vielen Dank dafür.

SPEAKER_00

Ich habe mich sehr gefreut.

SPEAKER_05

Das hilft wirklich sehr viel. Und natürlich finde ich es aber auch am besten, dass die Achtsamkeit gewonnen hat.

SPEAKER_00

Yay! Da hätten wir jetzt noch einen Trommelwirbel davor machen müssen eigentlich.

SPEAKER_05

Den schneiden wir dann einfach noch ein.

unknown

Okay.

SPEAKER_00

Also, Sieger der goldenen Atemregeln ist die Achtsamkeit geworden. Und zwar mit weitem Abstand.

SPEAKER_05

Ja, Tatsache. Freut mich natürlich besonders, weil ich sie vorgestellt habe. Ich fühle mich auch ein bisschen wie ein Gewinner, Papa.

SPEAKER_00

Ja, Johannes, muss ich dir leider zugestehen, dass du hier der Sieger geworden bist.

SPEAKER_05

Um ehrlich zu sein, ja, also die Achtsamkeit ist unglaublich wichtig, aber die Idee für die Achtsamkeit hatte ich wie so oft von einem Teenamen. Achtsamkeit und Intuition.

SPEAKER_00

Jetzt wirklich?

SPEAKER_05

Ja, Tatsache. Also wir haben uns ja überlegt, was für Atemregeln wir aufstellen. Und ich habe zum Überlegen, wie immer, habe ich erstmal geschaut, was für einen Tee ich trinken will. Und dann ist es mir gleich ins Gesicht gesprungen, quasi. Achtsamkeit und Intuition dieser Tee. Der Tee hat überhaupt nicht gut geschmeckt, aber auch das noch. Aber die Achtsamkeit war für mich von vornherein schon mein Favorit, ehrlich gesagt.

SPEAKER_00

Mensch, ist ja auch wirklich essentiell und das A und O auch fürs Atmen, fürs bewusste Atmen. Und deswegen haben wir uns auch gedacht, wir machen jetzt heute eine Folge oder eine Podcast-Folge zum Thema Achtsamkeit und Atem.

SPEAKER_05

Absolut. Ich tue jetzt einfach mal so, als ob für mich Achtsamkeit wirklich nur ein Teename wäre.

SPEAKER_00

Okay.

SPEAKER_05

Was bedeutet eigentlich Achtsamkeit?

SPEAKER_00

Ja, Johannes, Achtsamkeit, das wissen ja unsere Hörerinnen und Hörer, aber wir, ich sag's einfach nochmal, Achtsamkeit ist die bewusste Wahrnehmung des gegenwärtigen Moments, ohne diesen zu bewerten oder zu verurteilen. Und das ist jetzt, wenn wir bewusst atmen, auch das A und O, dass wir im Hier und Jetzt unseren Atem, unsere Atembewegung spüren, wahrnehmen, ohne den Atem zu bewerten. Und zwar den Atem auch so lassen, wie er gerade in dem Moment von alleine kommt und geht, also von unserem Atemzentrum generiert wird in der Medulla oblongata. Und Achtsamkeit beinhaltet eine offene, akzeptierende Haltung gegenüber den eigenen Gedanken, Gefühlen und Sinnesindrücken.

SPEAKER_05

Kann ich nur unterschreiben, so wie du das sagst. Es ist aber auch gleichzeitig hier schon der schwierigste Punkt. Wie meinst du das? Du hast ja betont, dass man keine Veränderungen aktiv durchführt währenddessen. Also dass man das annimmt, was man wahrnimmt und nicht versucht jetzt gerade den Atemrhythmus beispielsweise zu verändern.

SPEAKER_00

Ja, und das ist häufig so ein kleines Missverständnis, dass Menschen denken, und ehrlich gesagt habe ich das auch schon im Internet gelesen, dass man denkt, wenn ich den Atem bewusst wahrnehme und merke zum Beispiel, dass er viel zu schnell ist oder dass ich keine Atempause habe, dass ich dann anfangen will, den Atem zu manipulieren.

SPEAKER_05

Und dann wird alles nur noch schlimmer.

SPEAKER_00

Ja, das ist wie so eine Spirale, weil man dann unter Druck gerät. Dann denkt man erst recht drüber nach und dann wird der Atem meistens immer noch schneller und noch gestauter, noch hektischer. Und wenn mir das gelingt, wirklich ihn so zu lassen, wie er von alleine kommt und geht und ihn und ich ihn akzeptieren kann, so wie er ist, also ohne ihn zu verurteilen, dann habe ich zumindest die Chance, dass es entspannter wird und lockerer und langsamer und ja, ein dreiteiliger Atemrhythmus entstehen kann.

SPEAKER_05

Der war, glaube ich, auf Platz drei der dreiteilige Atemrhythmus. Bei den goldenen Atemhäusern.

SPEAKER_00

Passend, Platz drei und dreiteilig. Naja, gut.

SPEAKER_05

Du hast vollkommen recht, Irene. Was soll man da noch sagen? Also wir bemerken halt immer wieder, dass die Patienten, die zu uns kommen, da wirklich große Schwierigkeiten haben, das erstmal so zuzulassen, was man ja auch verstehen kann, weil da ist es natürlich nicht so gut mit dem Atemrhythmus. Also da ist ja irgendwas im Argen, sonst würden sie ja nicht zu uns kommen. Und die wollen eine Veränderung und was ist dann natürlich das naheliegendste, etwas zu verändern, was man kann. Den Atemrhythmus kann man nun mal verändern.

SPEAKER_00

Ja, und das ist ja das Spannende am Atem eigentlich und sehr einzigartig bei unseren Körperfunktionen, dass wir ihn einerseits unbewusst laufen lassen können und andererseits aber auch mit unserem Willen beeinflussen können. Ich kann ja jederzeit sagen, ich halte jetzt meine Luft an. Das kann ich ja mit meinem Herzschlag zum Beispiel nicht machen. Und das ist so verlockend am Atem.

SPEAKER_05

Verführerisch, könnte man fast sagen.

SPEAKER_00

Und je mehr ich das aber lerne, das wirklich loszulassen und den Atem von alleine kommen und gehen zu lassen. Und je weniger ich eingreife in diesen autonomen, eigentlich autonomen Prozess, desto besser ist es häufig für die Atmung. Aber es ist schon wichtig, auch ein Bewusstsein dafür zu entwickeln und achtsam mit dem Atem umzugehen. Das brauchen wir schon auch noch, diesen Dreh. Also ihn einfach nur laufen lassen. Das führt, wenn ich bestimmte Muster mir angewöhne, zum Beispiel den Bauch einziehe oder sowas in der Art, dann führt es langfristig unter Umständen auch dazu, dass der Atem nicht so rund läuft. Nur kann ich das eben nicht über den Willen und über Druck erreichen, dass es sich verändert oder nur sehr kurzfristig. Langfristig muss ich gucken, dass ich ein Bewusstsein und eine Achtsamkeit dafür entwickle, meinen Atem wahrnehme. Und über diese Wahrnehmung, das ist das Tolle, reguliert sich das System.

SPEAKER_05

Ja, und eigentlich exakt das auf einer anderen Ebene machen wir auch dann bei der Atemtherapie erstmal. Also wir wollen erstmal den Leuten zeigen, guck mal, das könnte der Atemrhythmus sein, das könnte auch der Atemrhythmus sein. Und wir wollen nichts bewusst daran verändern. Wir wollen gemeinsam nichts manipulieren, meinst du? Nichts manipulieren, ja. Ich suche nach einer schöneren Bezeichnung. Wir wollen gemeinsam eine Abenteuerreise unternehmen, auf der wir dann schön achtsam herausfinden, wie kann der Atemrhythmus eigentlich tatsächlich sein.

SPEAKER_00

Und es gibt so drei verschiedene Achtsamkeitsschienen, die wir mit unseren Patienten zusammen befahren. Ja, also ganz wichtig ist zum Beispiel, da die Patienten ja ganz viel unbewusst auch von uns aufnehmen, dass wir selber achtsam mit uns umgehen und mit unserem Atem umgehen. Und die Patienten dann eben auch sozusagen am Modell lernen können.

SPEAKER_05

Weil wir haben es schon oft gesagt, die Patienten spiegeln dann ja auch wieder was, was wir ihnen vorspiegeln. Ich würde auch wirklich sagen, nichts vorgaukeln.

SPEAKER_00

Oh Gott, nein, das funktioniert gar nicht.

SPEAKER_05

Da ist man nicht lange dann dabei. Wenn wir selber nicht achtsam sind mit uns, dann wird das überhaupt nichts. Und jetzt ist natürlich die Frage: Achtsam mit sich selbst? Ja, ist ein dehnbarer Begriff. Also da kann man eigentlich alles reininterpretieren. Wie achtsam bist du, wie achtsam bin ich. Ich würde eigentlich behaupten, im Endeffekt versuchen wir beide, achtsam zu sein, schaffen aber auch nicht so das volle Maß der Dinge. Um dann wie ein überachtsame, perfekte Therapeutenfigur über allem drüber zu schweben und oh, ich bin so achtsam.

SPEAKER_00

Also du meinst, wir sind jetzt nicht wie ein tibetanischer Mönch, der jetzt seit drei Wochen in einer Höhle meditiert, sondern wir sind auch der Umwelt ausgeliefert, dem Alltag, den Tagesnachrichten und auch dem Druck und Stress, der manchmal auf uns einprasselt und einfach verhindert, dass wir immer achtsam sein können. Aber für mich geht es aber auch gar nicht darum, sondern es geht darum, immer wieder so Achtsamkeitsinseln in meinen Alltag einzubauen. Also Momente, wo ich einfach mal eine Tasse Tee trinke und mal einen ganz kleinen Moment innehalte, mal mein Handy zur Seite lege und meinen Atem für einen Moment spüre und ja, einfach meinen Körper wahrnehme, mich wahrnehme und dann geht's wieder weiter.

SPEAKER_05

Absolut. Das schreibe ich so. Also ich würde sagen, im Endeffekt zu 100% achtsam schaffen die meisten Menschen in der Zivilisation nicht. Und so wie du es gerade schon gesagt hast, die Achtsamkeitsinseln für sich selber zu nehmen, gerade jetzt am Beispiel Atem, das ist das Wichtige. Das ist, wie wir für uns selber achtsam sein können.

SPEAKER_00

Das darf ja auch nichts Verkrampftes sein. Also es muss ja eine Natürlichkeit haben und einfach zum Bedürfnis werden, dass ich zwischendurch mal innehalte. Und es kann auch bedeuten, dass ich irgendwie mich mal in die Sonne setze, zum Beispiel, und mein Gott, also ein leckeres Stück Kuchen esse oder sowas und das einfach genieße und wirklich wahrnehme, aber jetzt nicht so krampfhaft, das ist wie beim Atem eben auch, nicht so verkrampft versuche, jetzt irgendwie achtsam zu sein, sondern das einfach ein Bedürfnis ist und ja, was Schönes, Wohltuendes, finde ich.

SPEAKER_05

Ja, finde ich auch. Und das muss man gar nicht unbedingt nur auf den Atem. Nein, überhaupt nicht. Das betrifft ja wirklich alle Bereiche. Natürlich, der Atem betrifft ja auch alle Bereiche.

SPEAKER_00

Ja, alle Sinneseindrücke eben halt, auch der Geschmack dann von dem leckeren Kuchen zum Beispiel.

SPEAKER_05

Ja, was mir ganz oft ist, oder wir hatten es ja erst neulich, dass wir Musik gehört haben und dann sage ich, ja, mach doch mal bitte leiser. Aber es war ja noch gar nicht irgendwie Ruhlstörungszeit oder so. Und dann hast du mich ganz verdurst angeguckt und wusstest es erstmal nicht warum. Und dann habe ich gesagt, ja, für mich gerade war es einfach zu laut.

SPEAKER_00

Ja, stimmt. Das ist auch ein achtsamer Umgang mit dir selbst.

SPEAKER_05

Was auch selten genug vorkommt, ehrlich gesagt, dass es mir zu laut ist, aber ja. Ja, ehrlich.

SPEAKER_00

Also hat mich aufgewundert in dem Moment.

SPEAKER_05

Ja, und das ist diese Selbstachtsamkeit, das ist auch, was ich wirklich nicht nur in den Atemtherapien weitergeben möchte an die Patienten. Also, ja, zum Beispiel jetzt Hörtherapien ist ja genau das Gleiche. Wenn es zu stressig wird mit den ganzen Sinneseindrücken, dann einfach mal abschalten, Poolpol nehmen. Und bitte, bitte bezieht das auf euer eigenes Leben. Das heißt jetzt nicht, dass ihr bei der Arbeit einfach so, ich muss jetzt kurz selbst für mich achtsam sein. Nee, das würde ich euch nicht raten, je nachdem, was ihr für eine Arbeit habt, ist es ganz unterschiedlich. Aber versucht euch so kleine Oasen, kleine Inseln der Achtsamkeit zu schaffen.

SPEAKER_00

Ja, also immer wieder so einen kleinen Moment innehalten und spüren. Ich kenne das aber auch in der Arbeit mit Patienten, dass es Patienten gibt, die so überachtsam sind. Das gibt's auch. Also, dass ich jetzt eine Atembehandlung durchführe zum Beispiel. Und der Patient, also ich sag ja vorher immer, wenn sie möchten, können Sie dahin spüren, wo meine Hände liegen, wo sie meine Hände wahrnehmen. Und da habe ich dann manchmal das Phänomen, dass der Atem trotzdem immer so eine kleine Spannung hat oder so angespannt ist vom Rhythmus her. Und das kann eben sein, dass jemand so überachtsam ist. Also so ganz, ganz, ja, wie soll ich sagen, so ganz arg konzentriert immer versucht, achtsam zu zu.

SPEAKER_05

Konzentriert. Du sagst ja, der Atem ist angespannt. Ich habe auch oft den Eindruck, die Patienten sind selbst gespannt, was denn dort jetzt passieren sollten.

SPEAKER_00

Ja, was ja eigentlich toll ist, ja. Aber dann versuche ich, da auch wieder so eine Lockerheit oder so ein Loslassen auch ein bisschen reinzubringen. Weil wir brauchen für den Atem eigentlich so eine Balance zwischen Hingabe, sagen wir, und Achtsamkeit. Das sind sozusagen zwei Pole. Also Hingabe ist wirklich, dass der Patient sich so richtig hingibt und genießen kann, die Behandlung. Und da irgendwie so eine Balance reinzubringen. Und dann kann ich zum Beispiel auch sowas ansprechen, wie ist das angenehm für sie zum Beispiel, ne? Und da so besonders wohltuend dann auch zu arbeiten, sodass es richtig schön für den Patienten ist. Und der so aus dieser Überachtsamkeit auch ein bisschen rauskommt und so richtig genießen kann. Das kann man auch ansprechen. Wenn sie möchten, können sie das jetzt einfach genießen, was wir hier machen. Das fühlt sich ja auch richtig schön und gut an, hoffe ich.

SPEAKER_05

Hoffentlich ist es dann auch so, ja.

SPEAKER_00

Ja, doch, ich finde schon.

SPEAKER_05

Also da hatten wir bisher gemacht.

SPEAKER_00

Wohltunend.

SPEAKER_05

Wohltunend auf jeden Fall. Eher dann so, ja, hab nichts gemerkt. War schon erspannt, aber eigentlich habe ich nichts mehr gemacht.

SPEAKER_00

Oh na. Ehrlich, nee, das sagen die bei mir nicht so oft.

SPEAKER_05

Aha.

SPEAKER_00

Die sagen schon, dass sie es schön fanden.

SPEAKER_05

Okay. Also wir haben die Achtsamkeit für sich selbst. Wir haben die Achtsamkeit von den Therapeuten zu den Patienten.

SPEAKER_00

Also während der Behandlung, meinst du? Ja. Ja, die gibt es auch, genau.

SPEAKER_05

Weil da bist du ja jetzt gerade eigentlich schon drauf eingegangen.

SPEAKER_00

Also, dass wir, wenn wir mit den Patienten arbeiten, auch ganz im Hier und Jetzt sein müssen und wirklich achtsam jeden einzelnen Atemzug wahrnehmen müssen. Sonst funktioniert die Behandlung nicht. Weil wir begleiten ja im Atemrhythmus über Dehnungen und Druck. Und da muss ich ja wirklich vom Rhythmus her Millisekunden genau immer dranbleiben. Und da kann ich mir überhaupt nicht leisten, als Therapeutin an irgendetwas anderes zu denken. Weil sonst funktioniert das überhaupt nicht. Und der Mensch spürt auch sofort der behandelte Mensch, ob ich jetzt achtsam bin und bei ihm bin oder nicht.

SPEAKER_05

Jetzt stellen sich bestimmt alle Zuhörer die Frage, okay, wenn man da so im Moment am Patienten sein muss, wie kann ich dann währenddessen für mich selbst achtsam sein? Und das ist eine absolut berechtigte Frage.

SPEAKER_00

Ja, wie ist das denn, Johannes?

SPEAKER_05

Es ist wirklich schwer. Es ist wirklich schwer, nicht gleichzeitig dann reinzufühlen und den Atemrhythmus komplett zu übernehmen, komplett nachzumachen vom Patienten.

SPEAKER_00

Also mit dem Patienten mitzuatmen, meinst du?

SPEAKER_05

Ja. Manchmal hat man auch so das Gefühl, wenn sie so angespannt sind, dass dann noch irgendwas anderes ist. Und dann macht man sich auch wieder selbst Gedanken, so oh, was könnte das wohl sein, was könnte das wohl sein? Man möchte gerne Sherlock Holmes spielen, um die ganze Lebensgeschichte einer Person anhand von einer Narbe herauszufinden, aber es klappt halt nicht. Ich kann meinen Trick verraten.

SPEAKER_00

Oh ja, bitte.

SPEAKER_05

Der ist super simpel und vielleicht auch der gleiche wie bei dir.

SPEAKER_01

Okay.

SPEAKER_05

Ich mache so kurze Checks während der Therapie. Und immer wieder, wenn ich jetzt zum Beispiel den Griff ändere, die Haltung ändere, die Position ändere, dann überprüfe ich für mich selber, bin ich gerade in mir achtsam oder bin ich wirklich ausschließlich im Patienten achtsam. Und das mache ich, indem ich einen Schritt zurückgehe und für ein paar Sekunden einfach wieder so in meinen mittleren Atemraum komme. Und ich finde, das hilft super, ehrlich gesagt. Weil dann hat man diese paar Sekunden Zeit und ich brauche mir da auch nie Stress machen, ich habe noch nie Patienten gehabt, die dann aufgucken und sagen so, hä, warum geht's nicht weiter? Nee, überhaupt nicht. Also man hat da wirklich Zeit, die man sich nehmen kann, um für sich selber zurückzufinden und dann auch noch kurz zu reflektieren tatsächlich. Wie war jetzt meine Haltung während der Therapie, über meine innere Haltung? War ich gerade überhaupt für mich selber achtsam? Oder habe ich hier quasi schon Rückenschmerzen für mich einprogrammiert?

SPEAKER_00

Also könnte man sagen, du spürst deinen Körper und deinen Atem für einen Moment bewusst immer wieder zwischendurch. Also du gehst über deine eigene Körperwahrnehmung.

SPEAKER_05

Ja, ich nenne es gerne Checks, aber im Prinzip ist es genau das, ja.

SPEAKER_00

Mir ist immer noch wichtig, der Bodenkontakt, also dass ich meine Füße gut auf dem Boden spüre. Das ist für mich so ein Anker auch. Aber auch eben diese Atemmitte, also tatsächlich diesen, ne, dass ich meinen Atemrhythmus wahrnehme, meine Zwerchfellbewegung. Genau. Also weniger was Mentales, sondern mehr wirklich über die Körperwahrnehmung, Körperempfindung. Das bringt mich schnellsten ins Hier und Jetzt.

SPEAKER_05

Exakt. Mental habe ich da auch meistens keine Probleme, ehrlich gesagt. Also am Anfang schon, klar.

SPEAKER_00

Uh ja, das muss man erstmal üben am Anfang.

SPEAKER_05

Ja, das muss man wirklich üben, aber mittlerweile, ey, da kann noch so viel gerade in meinem Leben draußen passieren. Wenn ich mit der Atemtherapie anfange, dann ist das kein Thema in meinem Kopf.

SPEAKER_00

Das finde ich auch so irre. Das übt sich. Das ist ein bisschen eine Trainingssache, finde ich. Je mehr Erfahrung man hat und je mehr man erfahren hat, wie besonders das für Menschen ist und was wir da für eine Sprechung. spannende Arbeit machen dürfen und wie nah wir auch sozusagen von unseren Patienten an sie rangelassen werden, desto mehr, also geht mir so, finde ich auch diese Verantwortung, die wir haben, so unglaublich und desto wichtiger ist mir auch dieser achtsame Umgang mit den Patienten, weil es wirklich eine große Verantwortung ist, finde ich. Diese Empfindung oder dieses Gefühl, das bringt mich auch immer sofort ins Hier und Jetzt. Weil alles andere, da käme ich mir wirklich nicht verantwortungsvoll vor. Das ist ja auch so schön, in diesen Flow zu kommen. Und wenn der Patient wirklich loslassen kann, ist ja so schön und das will ich auch immer wieder erleben dürfen.

SPEAKER_05

Also wir haben die Achtsamkeit für uns selber. Wir haben die Achtsamkeit von uns auf die Patienten. Und wir haben dann auch natürlich die Achtsamkeit der Patienten für sich selber. Die wir ja auch trainieren wollen.

SPEAKER_00

Auch über Körperwahrnehmung und bewusstes Atmen.

SPEAKER_05

Ja.

SPEAKER_00

Also Bewusstsein dafür entwickeln, ohne den Atem zu manipulieren.

SPEAKER_05

Meine eigenen Patienten, wenn sie jetzt gerade zuhören, werden vermutlich mit den Augen rollen. Weil ich dann so oft sage, im Endeffekt machen wir gerne Übungen und Atembehandlungen und so weiter, aber ohne die paar Minuten Reflexion danach, wäre das bei weitem nicht so viel wert. Weil da entwickelt man die Achtsamkeit für sich selber.

SPEAKER_00

Unbedingt.

SPEAKER_05

Also finde ich, da wird das wirklich bewusst angegangen, dieses Thema Achtsamkeit, was ja sonst währenddessen, wir wollen ja meistens nicht so viel reden während den Therapien. Und währenddessen wird das halt dann natürlich auch nicht besprochen.

SPEAKER_00

Ja, wollen wir denn mal so eine Übung zusammen machen, Johannes?

SPEAKER_05

Mit Achtsamkeit sehr gerne und ich würde auch sehr gerne eine Übung für die Schultern machen.

SPEAKER_01

Okay.

SPEAKER_05

Weil da ganz egal, welcher Mensch uns gerade hört, du hast bestimmt nicht genug Achtsamkeit für die Schultern, weil das bei allen ist.

SPEAKER_00

Es stimmt, meine Schultern werden auch immer fest im Laufe des Tages.

SPEAKER_05

Ja.

SPEAKER_00

Egal, wie viel Achtsamkeit und Bewusstheit ich ihnen widme. Das passiert einfach.

SPEAKER_05

Ich setze mich nochmal anders hin.

SPEAKER_00

Genau, spüre gut deine Füße auf dem Boden und deine Sitzknochen, auf der Sitzfläche. Und wir lassen unsere Arme rechts und links neben dem Rumpf einfach hängen und stellen uns jetzt vor, dass in der Mitte der Schultern sozusagen, da sind es jeweils, ist jeweils ein Faden befestigt. Auf Mitte der Schultern. Und jemand zieht an einem dieser Fäden, egal auf welcher Seite, die Schulter ganz langsam nach oben. Und der Arm hängt einfach, bleibt ganz passiv. Die Bewegung wird nur dadurch ausgeführt, dass jemand an diesem Faden die Schulter nach oben zieht. Und dann rotiert er die Schulter langsam nach hinten an diesem Faden und lässt dann den Faden ganz langsam und behutsam wieder los, sodass die Schulter und der Arm nach unten sinken. Dann warten wir einen kleinen Moment und beginnen die Bewegung wieder von neuem. Jemand zieht an diesem Faden die Schulter nach oben, der Arm hängt, rotiert dann nach hinten und lässt den Faden ganz behutsam und langsam wieder los.

SPEAKER_01

Das kann ich dann auch mal auf der anderen Seite machen.

SPEAKER_00

Hier habe ich einen Faden mittig befestigt. Jemand über mir zieht an diesem Faden die Schulter langsam nach oben, rotiert sie nach hinten. Schulterblatt bewegt sich mit, da bin ich auch ganz bewusst spürend. Und lässt dann den Faden langsam achtsam wieder nach unten. Und während ich diese Bewegung nochmal wiederhole, gucke ich mal, was macht eigentlich mein Atem. Dann kommt der Atem, wenn ich ihn ganz alleine kommen und gehen lasse. Beim Nachziehen und hinten rotieren oder beim Loslassen?

SPEAKER_01

Wie ist das jetzt hier in diesem Moment bei mir? Jetzt können wir das noch so zwei, dreimal machen.

SPEAKER_00

Schau einfach, welche Schulter jetzt gerne bewegt werden möchte, kann das auch abwechseln. Und bin ganz achtsam in meinen Bewegungen und auch in meiner Wahrnehmung für die Körperstrukturen und meinen Atem. Dann können wir zum Abschluss eine Hand auf das gegenüberliegende Schlüsselbein legen und mal unter die Hand spüren, ob wir dort die Atembewegung wahrnehmen können, ob sich die Schulter ein bisschen hebt und senkt oder auch nicht. Wir schauen einfach, wir bewerten nicht, wir lassen den Atem von alleine kommen und gehen.

SPEAKER_01

Und gucken einfach nur. Dann wechseln wir die Hände. Können wir uns ein bisschen bewegen, wieder lösen aus der Übung, die Augen langsam öffnen, falls sie zuwand. Vielleicht auch ein bisschen gähnen. Ist immer gut fürs Atmen. Ja, und dann interessiert mich natürlich, Johannes, wie war das denn bei dir?

SPEAKER_00

Wann kam denn der Einatem von alleine? Und wann der Ausatem?

SPEAKER_05

Von alleine.

SPEAKER_00

Ja, bitte.

SPEAKER_05

Also anfangs war ich erstmal damit beschäftigt, wie wunderschön langsam und gleichmäßig du die ganzen Bewegungen gemacht hast. Ich glaube, man hört jetzt auch ein bisschen an der Stimme, dass die Übung was gebracht hat bei mir.

SPEAKER_01

Ja.

SPEAKER_05

Klingt ein bisschen anders für mein Gefühl. Und natürlich kam der Einatem, wenn, also so beim Kreisen Richtung nach oben. Und der Ausatem kam dann beim Kreisen nach unten.

SPEAKER_00

Also als der Faden wieder losgelassen wurde.

SPEAKER_05

Genau, loslassen. Da habe ich mich ehrlich gesagt noch ein bisschen an dem Wort loslassen aufgehängt. Also ich hatte ja dich zum Vorbild gerade visuell und das so wunderschön viel mehr zurückbegleitet, als losgelassen. Also da war kein einziges Mal dieser Punkt, wo die Schulter so einen kleinen Ruck nach unten macht. Das waren sehr gleichmäßige Bewegungen.

SPEAKER_00

Ja, ich habe es versucht, verbal über dieses Behutsam, langsam loslassen. Ja.

SPEAKER_05

Hat für mich auch wunderbar funktioniert. Ja, meine Schulter fühlt sich jetzt tatsächlich geschmeidiger an.

SPEAKER_02

Schön.

SPEAKER_05

Ja, das ist auch wieder was, wo unsere Achtsamkeit im Alltag, glaube ich, einfach nicht perfekt ist oder nicht perfekt genug ist, weil ich kann noch so viel auf meine Schultern achten. Im Endeffekt merke ich trotzdem, dass es nach den Übungen besser ist.

SPEAKER_00

Also dann war es ja nicht perfekt. Und das nach über 20 Jahren furchtbar ist immer dasselbe. Man muss es bewusst und achtsam machen, sonst funktioniert es nicht. Aber es gibt ja auch inzwischen etliche Studien dazu, es ist einfach so.

SPEAKER_05

Ja, ja, also vom Fernseher funktioniert das nicht, das kann ich schon mal sagen.

SPEAKER_00

Ja. Ja, schön, das freut mich, Johannes. Dann können wir jetzt ganz entspannt mit unseren Schultern den Tag weiter genießen.

SPEAKER_05

Und fangen dann morgen wieder an zum Arbeiten, um wie Flur? Um acht.

SPEAKER_01

Echt?

SPEAKER_05

Samen.

SPEAKER_02

Tut mir leid.

SPEAKER_00

Oh Gott, ja. Also ja, hat mir sehr viel Spaß gemacht.

SPEAKER_05

Ja, jetzt auch nach der Pause hat es mir wieder unglaublich viel Spaß gemacht. Und noch viel mehr Spaß. Ich freue mich schon die ganze Zeit drauf, einfach mal wieder zu sagen, bis zum nächsten Mal. Schalten wir ein und aus.