Ein & Aus - der Atempodcast
Angewandte Atemtherapie im Alltag: Irene Labryga und Johannes Gruninger, beides Atemtherapeuten, sprechen über Wissenswertes, Unterhaltsames, Philosophisches und Medizinisches rund ums Thema "Atem". In jeder Episode gibt es einen "Atemhack" - leicht und schnell umsetzbar für den Alltag. Zuhören, zurücklehnen und durchatmen.
Adressen zur Angewandten Atemtherapie:
www.angewandte-atemtherapie.de
www.atem-ausbildung.de
#atemausbildung #atemübungen #Atmung #entspannungsübung #bewusstesatmen #bewusstatmen
Ein & Aus - der Atempodcast
2. Staffel Folge 2: Bauchatmung
Use Left/Right to seek, Home/End to jump to start or end. Hold shift to jump forward or backward.
Wir nehmen Dich in dieser Folge mit auf eine Reise in die Welt des Bauches und der Atmung.
Welche Bedeutung haben die Bauch- und Zwerchfellspannung für eine gesunde und tiefe Atmung? Warum sollen wir unseren Bauch nicht anspannen, sondern locker lassen? Wie können wir Verspannungen, Stress und flache Atmung vermeiden und unsere Verdauung durch bewusstes Atmen aktivieren?
Wir erklären Euch anatomische Zusammenhänge und nehmen alltagspraktische Tipps mit in den Fokus - von der Wahl der Kleidung bis hin zu einer einfachen Atemübung für mehr Wohlbefinden.
Infos zur Angewandten Atemtherapie:
https://angewandte-atemtherapie.de
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Rate mal, was in diesem Tee ist.
SPEAKER_03Lavendel vielleicht?
SPEAKER_01Ja.
SPEAKER_03Ehrlich?
SPEAKER_01Ja.
SPEAKER_03Orange?
SPEAKER_01Ganz, ganz kleines bisschen.
SPEAKER_03Dann weiß ich's nicht mehr.
SPEAKER_01Es ist ein schwarzer Tee aus Nepal, also Grundbestand. Der Hauptanteil. Und aber ich habe auch noch ein bisschen Süßholz und Aris hinzugefügt. Weil Süßholz und Aris sind mega gute Inhalte für einen Tee, um für den Bauch etwas Gutes zu tun.
SPEAKER_03Ah, du tust uns an Bäuchen heute was Gutes. Das ist schön.
SPEAKER_01Das klingt jetzt ein bisschen merkwürdig, aber ja.
SPEAKER_00Ein- und aus. Durchatmen bei den Atemtherapeuten Irene Labrüger und Johannes Gruninger. Dein Atempodcast mit Luft nach oben.
SPEAKER_03Ja, hallo Johannes. Du, weißt du was? Ich war in einer Ausstellung jetzt letzte Woche und da ist mir aufgefallen, dass je nachdem, um welches Jahrhundert es sich handelt, die Bäuche anders dargestellt werden von den zum Beispiel, ja, ja, ganz egal eigentlich, von Frauen und Männern.
SPEAKER_01Okay, interessant. War das jetzt eine historische Ausstellung oder eine Ausstellung von Schwangeren oder irgendwas in der Art?
SPEAKER_03Nee, das war in der Kunsthalle und das waren ganz, ja, eine ganz normale Gemäldeausstellung durch die verschiedenen Epochen hindurch. Und es war, also ich habe jetzt einfach mal ganz als Atentherapeutin ganz interessiert auf die Bäuche geschaut. Und es war total faszinierend, dass die mal zu sehen waren und dann in einer anderen Epoche wieder alle konsequent eingezogen waren, die Bäuche. Also zum Beispiel NS-Kunst, da siehst du keinen Bauch. Das sind mehr so harte Bretter. Also das ist mehr so Bauchrein, Brust raus. Aber hast du auch in anderen Epochen? Und dann gibt es wiederum ganz, ganz alte Gemälde aus dem Mittelalter, wo zum Beispiel andere Frauen gestalten, einen ganz schönen ästhetischen Bauch haben. Ohne schwanger zu sein.
SPEAKER_01Die sind auch oft bauchfrei, oder? Also wenn ich jetzt an diese historischen Gemälde denke.
SPEAKER_03Ja, man hat einen ganz guten Blick auf die Borche, das ist wahr. Und ich habe mir dann natürlich Gedanken gemacht, was das sozusagen, also was es da für eine Korrelation gibt, also von dem damaligen Menschen- und Frauenbild, dem Bauch und unserer Atemarbeit.
SPEAKER_01Ja, da machen wir uns ja eigentlich Nonstop-Gedanken darüber. Jeden Tag. Es ist schon ziemlich bezeichnend, leider, dass du als erstes auf die ganzen Bäuche schaust. So ist das auch bei unserer Arbeit. Wir schauen ja ganz, ganz viel auf die Bäuche.
SPEAKER_02Ja.
SPEAKER_01Und da gibt es natürlich auch einige Hintergründe, warum wir das machen, nicht weil wir sie so schön finden.
SPEAKER_03Nein, nein. Wir gucken natürlich, wie durchlässig die Leute für ihre Atembewegung sind und wie tief sie auch und wie voll sie auch atmen können. Und als ich anfing mit der Atemarbeit, da hieß es immer, man muss in den Bauch atmen. Das war so der Klassiker. Kennst du vielleicht auch noch?
SPEAKER_01Ja, eigentlich von der Stimmtherapie kenne ich das noch besser.
SPEAKER_03Also da hieß es immer, man braucht eine Bauchatmung. Und das hat dann oft zu Missverständnissen geführt, weil die Leute immer dachten, sie müssen nur in ihren Bauch atmen, was ja wiederum auch nicht richtig ist.
SPEAKER_01Ja, und dann alle Muskeln zu stark anspannen, die dann im Bauch befindlich sind, um dort irgendwie eine Atembewegung zu simulieren eigentlich.
SPEAKER_03Also den Bauch so richtig rausdrücken.
SPEAKER_01Ja.
SPEAKER_03Aktiv.
SPEAKER_01Presswurst, Bauch. Ich habe da sehr früh schon Kontakt zu gehabt.
SPEAKER_02Erzähl mal.
SPEAKER_01Als kleines Kind zu der Bauchatmung.
SPEAKER_02Okay.
SPEAKER_01Weil ich fand es immer wunderschön, lustig, wie mein Vater vom Fernseher einschläft und dann und dann so eine Schale mit Nüssen auf seinem Bauch hoch und runter geht.
SPEAKER_02Ist ja süß.
SPEAKER_01Aber mein Vater hat auch eine echt gute Bauchatmung, muss man sagen. Also, der hat das irgendwie ganz natürlich drauf, kann mit Gelassenheit.
SPEAKER_03Ach, schön. Ja, schönes Bild. Sehr gemütlich klingt das. Und das zeigt auch, dein Vater ist ganz entspannt beim Atmen. Also oder in dem Moment sehr, sehr entspannt gewesen.
SPEAKER_01In den meisten Momenten des Lebens.
SPEAKER_03Und genau das brauchen wir dann auch, um tief zu atmen. Ein sogenannten Eutonus oder eine Wohlspannung. Also nicht zu viel und nicht zu wenig. Weil zu wenig Spannung wäre jetzt auch wieder für die Atmung nicht so günstig, weil sie dann auch verflacht. Also weder zu viel noch zu wenig brauchen wir fürs Atmen. Und damit die Atmung wirklich tief und voll wird, muss der Bauch locker gelassen werden. Damit unser Zwerchfell, das ist ja unser Hauptatemmuskel, wirklich die Möglichkeit hat, sich ungehindert richtig schön tief abzusenken.
SPEAKER_01Ja, das ist natürlich absolut richtig. Das sind so die anatomischen Gegebenheiten für den ganzen Bauch, drumherum. Und ich würde auch sagen, diese Anspannung kann man eigentlich in allen Bereichen finden, dass man, dass man einen Eutonus braucht, also ein Gleichmaß Anspannung.
SPEAKER_02Wohlfühlspannung.
SPEAKER_01Wohlfühlspannung, besonders auch wieder bei der Stimme, sehr relevant, finde ich. Und aber beim Bauch wird das einfach oft irgendwie vernachlässigt oder wie du schon gesagt hast, mit volkstümlichen Aberglaube vollgestopft, der Bauch.
SPEAKER_02Wie meinst du das?
SPEAKER_01Ja, also Brust raus, Bauch rein, in den Bauch atmen oder zum, nee, jetzt fällt mir nicht noch was ein.
SPEAKER_03Naja, es gibt ja auch so Redensarten, zum Beispiel reißt dich mal zusammen. Das drückt ja zum Beispiel für mich persönlich jetzt auch aus, dass man sich wirklich anspannt eigentlich, ja. Und durch diese Anspannung quasi die eigenen Bedürfnisse auch übergeht. Und das tut, was man tun soll, eigentlich. Also auch gegen die eigenen Bedürfnisse. Und das erzeugt ja wieder eine Anspannung, würde ich sagen. Und dadurch ist die Atmung schon wieder nicht mehr so tief.
SPEAKER_01Ja, und zusammen, reißt dich zusammen, suggeriert ja auch das Zentrum, wo dann alles zusammengerissen wird. Und das ist der Bauch. Also unser Schwerpunkt ist, glaube ich, irgendwo knapp unterhalb des Bauchnabels. Ja. Ungefähr auf der Höhe. Und das ist nun mal der Bauch. Jetzt ist aber im Bauch noch sehr viel anderes vorhanden, was besser nicht gerissen werden darf. Nämlich Organe. Darunter auch wirklich sehr, sehr wichtige Organe. Wie zum Beispiel, man könnte es noch als Bauch zählen lassen, Lebe und Niere.
SPEAKER_02Natürlich.
SPEAKER_01Aber vor allem der Darm, würde ich sagen.
SPEAKER_02Magen, Milz.
SPEAKER_01Der Magen, ja. Die nehmen sehr viel Raum ein. Ist ja auch ein sehr großflächiges Organ, so Magen und Darm zusammen. Und da entstehen in der Atemtherapie immer ganz interessante Wechselwirkungen zwischen diesen Organen und der Atemtherapie.
SPEAKER_03Ja, wenn sich das Zwerchfell nämlich bei der Einatmung zusammenzieht und sich in Richtung Bauchhöhle bewegt, dann, also ne, das senkt sich ja ab bis zu sechs Zentimetern Minimum. Also wenn man wirklich tief und voll atmet. Und wenn sich das Zwerchfell zusammenzieht und absenkt in die Bauchhöhle hinein, dann werden ja die Organe, die darunter liegen, alle so richtig schön komprimiert. Also durchmassiert in der Einatmung, in der Ausatmung schwingt das Zwerchfell ja wieder zurück und die Organe bewegen sich auch wieder in Richtung Ausgangslage. Und ja, je lockerer der Bauch ist und auch der Beckenboden unten drunter, ist ja eine dreidimensionale Kompressionsbewegung, so muss man sich das vorstellen. Desto tiefer kann sich das Zwerchfell auch absenken und dann passiert natürlich was mit den Organen.
SPEAKER_01Ja. Und was passiert, wenn man da die ganze Zeit reindrückt und wieder rauszieht? Das ist der Effekt, den wir Gluckern nennen.
SPEAKER_03Kennen wir total gut aus der Atemarbeit.
SPEAKER_01Also ich würde fast schon soweit gehen, eine Atemtherapie ohne Gluckern ist nichts Gesides.
SPEAKER_03Ja, die Klienten reagieren auch oft ganz irritiert, ne? Also sie sagen dann oft, oh, ich habe vorher was gegessen oder vielleicht habe ich Hunger gerade.
SPEAKER_01Ja.
SPEAKER_03Das stimmt aber nicht, ne?
SPEAKER_01Nee, überhaupt nicht. Man kann es ihnen, also natürlich je nach Klient, kann man das dann unterschiedlich erklären, was der Zusammenhang ist für dieses Gluckern. Ganz oft sage ich, so wie du einfach auch, wir pressen und lassen nach. Und dadurch wird quasi durch diesen Kanal, den der Dame darstellt, etwas durchgeschoben, abtransportiert und da ist auch Luft mit dabei. Und dass Luft dann solche Geräusche auslöst, weiß ja jeder dieses Gluckern. Ich meine, wo kennen wir es sonst noch? Von Blubberblasen aus dem Whirlpool zum Beispiel. Dann haben wir auch noch eine ganz starke Verbindung von der Atentherapie über das Nervensystem hinzumagen. Vielleicht erinnert ihr euch, das parasympathische System. Das parasympathische System steht auf Englisch, ganz kurz gesagt, für rest and digest. Und das bedeutet ausruhen und verdauen. Insofern ist es dann auch natürlich, dass wir zum einen, wenn wir sehr entspannt sind, dass der Verdauungsapparat da ein bisschen mehr anspringt. Also sind offensichtlich unsere Klienten relativ entspannt, wenn dann auf einmal der Verdauungsapparat sich zu Wort meldet. Aber zum anderen funktioniert es ja auch in die Anrichtung. Wenn wir uns beim All You Can Eat Buffet total überfressen haben, dann wollen wir auch eher in die Ruhe gehen. Also die meisten Menschen, es gibt so ein paar wagreisige Leute, die dann lieber tausend Schritte gehen. Aber das finde ich meistens ziemlich anstrengend dann.
SPEAKER_03Ja, also kann man sagen, wenn wir tief atmen und unser und dadurch unser parasympathisches System aktivieren, dann kommt es zu schönen Blubbergeräuschen und einer tiefen Entspannung und Tiefenatmung.
SPEAKER_01Genau. Schön. Merkt euch das. Es ist nichts Schlimmes. Es ist nichts, wofür man sich schämen sollte.
SPEAKER_03Ja, das ist ein gutes Zeichen. Was mir auch ganz wichtig ist, viele Menschen denken, sie müssten ihren Bauch einziehen. Also das ist zumindest so ein Erfahrungswert von mir aus der Therapie. Und es sind wirklich nicht nur die Damen, sondern auch durchaus die Herren. Und je mehr wir jetzt unsere Bauchdecke anspannen, desto hochverlagerter ist natürlich auch unser Zwerchfell und desto flacher ist auch unsere Atmung. Und das führt dann wiederum zu Nacken und Schulterverspannungen, kann zu Kopfschmerzen führen, zu Müdigkeit und zu einer Gestresstheit, weil wir dann unser parasympathisches System nicht genug ansprechen und zu sehr in unserem anderen Stresssystem, dem sympathischen System, festhängen. Also das heißt, wenn ihr was mitnehmen wollt aus der Folge oder aus dieser Episode, dann ist es, lasst euren Bauch locker und schaut, dass ihr nicht zu enge Kleidung tragt.
SPEAKER_01Ja, ich wollte es gerade sagen. Mein alter Erzfeind, der enge Hosenbund.
SPEAKER_03Genau, ja. Schneid euren Gürtel ein bisschen weiter, sodass ihr wirklich richtig schön tief atmen könnt. Das hat so, so viele positive Folgewirkungen. Bis hin zu eurem Puls, zu unserer, zu eurem Blutdruck, weil das auch mit der Atmung korreliert. Durch Blutung, Kreislaufsystem, alles freut sich, wenn ihr euren Bauch locker lasst. Das ist tatsächlich wirklich wahr. Ein echter Erfahrungswert. Und das kann man auch wirklich schön immer an diesen Bildern sehen, die ich da in der Ausstellung mir angeschaut habe. Zum Beispiel so asiatische Gottheiten. Wenn ihr euch die anschaut oder so ein Buddha, der hat immer einen lockeren, entspannten Bauch.
SPEAKER_01Muss ich auch gerade dann trinken. Im Prinzip wollen wir eigentlich, dass unsere Patienten oder Klienten danach wie ein Buddha aussehen.
SPEAKER_03Ja.
SPEAKER_01Oder sich fühlen.
SPEAKER_03Ist man gleich viel, viel glücklicher und ausgeglichener.
SPEAKER_01Das Bild von diesem dicken Buddha steht ja auch nur stellvertretend für das Gefühl, für das Wonne-Gefühl, das dieser Mensch hat.
SPEAKER_03Ja, genau.
SPEAKER_01Der war ja nie dick, der war ja sogar total abgemagert.
SPEAKER_03Stimmt, ja. Ja, also zu viel Bauchspeck, also ab einem gewissen Gewicht ist dann auch wieder ein bisschen zu viel für das Zwerchfell. Natürlich schafft es es nicht mehr, unsere Zellen wirklich ausreichend mit Sauerstoff zu versorgen und hat auch nicht mehr die Möglichkeit, sich wirklich tief abzusenken. Was man dann auch an stark übergewichtigen Menschen sehen und wahrnehmen kann, dass sie dann einfach flacher atmen, leider.
SPEAKER_01Ist auch komplett naheliegend, weil man kann sich so vorstellen, legt euch auf den Rücken und dann legt euch immer mehr Gewichte auf den Bauch. Zum Beispiel eine Gewichtsdecke allein schon. Ist ja für viele Menschen angenehm. Aber wenn man die zusammenschlägt, wenn das immer mehr Gewicht wird auf dem Bauch, dann hat das Zweifel richtig zu kämpfen.
SPEAKER_03Was ich aber auch schon erlebt habe, Johannes, ich hatte mal einen Patienten, der war unglaublich muskulös. Also der hatte fast schon einen Panzer. Ja, also ich spreche jetzt hier von wirklich einer harten Bauchdecke. Das war dann wiederum auch ein bisschen zu viel. Also Waschbrettbauch, alles schön, alles gut, aber zu viel davon, also wie bei allem eigentlich im Leben, ist dann auch wieder nicht gut.
SPEAKER_01Ja, hatte ich auch schon häufiger mit Patienten drüber geredet, zum Thema Bodybuilding. Ich hatte auch ein paar Bodybuilder als Patienten. Und da ist oft mit dieser zusätzlichen Bauchanspannung, du hast ja vorhin auch gesagt, lockert euren Bauch, ist das dann auch verbunden, dass da Atem und Stimmstörungen entstehen können.
SPEAKER_03Also einfach, wenn, wenn da auch schon so eine Art Gewohnheit entstanden ist, den Bauch immer anzuspannen und das gesäß, glaube ich, ne? Also so beides.
SPEAKER_01Ja, am besten auch noch hier so Bizeps und schön den Schwarzenegger einnehmen.
SPEAKER_03Also einfach viel zu viel Spannung im Körper, Anspannung im Körper.
SPEAKER_01Ja. Ist ja alles verbunden miteinander.
SPEAKER_03Also eine gewisse Gelassenheit, ohne komplett irgendwie in die Unterspannung zu geraten. Also einfach ein gutes Mittelmaß, das brauchen wir.
SPEAKER_01Dann haben wir noch einen Punkt zum Thema Bauch. Oder haben wir es schon besprochen?
SPEAKER_03Erzähl.
SPEAKER_01Es gibt einen effizienteren Gasaustausch.
SPEAKER_03Ja, nee, den Aspekt hatten wir noch nicht.
SPEAKER_01Also klar, es ist irgendwie angedeutet durch die ganzen Themen, die wir besprochen haben, dass wir jetzt Darm massieren, entsteht auf vielen Ebenen ein besserer Gasaustausch. Und damit meine ich zum einen natürlich den Gasaustausch von CO2, O2 im Körper, weil das Zwerchfell nun mal die Lunge befüllt und wieder entleert. Aber wenn man jetzt an Darm- und Gasaustausch denkt, klar, da gibt es auch Lüftchen, die sich bewegen. Also, und das ist ein heikles Thema, ich weiß, aber ich muss es jetzt einfach mal ansprechen. Es gibt immer wieder Momente, wo dann auch Patienten pupsen müssen und sich total dafür schämen. Und das ist so schade.
SPEAKER_03Weil dich das ganze System einfach mal entspannen kann. Also ich habe auch die Erfahrungen gemacht bei meinen Patienten und ganz am Anfang, auch als ich anfing mit der Atemarbeit selber bei mir, dass das unheimlich gut ist für dieses ganze Verdauungssystem. Also dass das richtig schön in Gang kommt. Und auch wenn man Probleme hat, irgendwie mit Obstipationen, also Verstopfung, auf gut Deutsch gesagt, dann wird sich das durch eine vertiefte Atmung regulieren. Also wenn da nicht jetzt irgendwelche Erkrankungen dahinter stecken. Aber Bewegung ist immer wichtig, Bewegung ist immer gut. Und je mehr sich unser Zwerchfell bewegt und je mehr es unsere Darmperistaltik anregt, desto besser und regulativer ist es für unsere Verdauung. Das ist wirklich toll.
SPEAKER_01Peristaltik, würde ich nur ganz kurz drauf eingehen. Könnt ihr euch vorstellen, also die, die es nicht kennen, peristaltische Bewegungen haben wir im Darm oder zum Beispiel auch in unserer Speiseröhre. Und ihr könnt euch einfach eine Raupe vorstellen, die sich fortbewegt. So bewegen sich auch diese Röhren, die Nahrung abtransportieren, beispielsweise.
SPEAKER_05Ja.
SPEAKER_03Dann würde ich mal sagen, machen wir mal eine Übung, um die Atmung zu vertiefen. Und ja, mal unser Zwerchwell ein bisschen dazu zu aktivieren, sich tief nach unten abzusenken.
SPEAKER_01Eine Übung im Bauch- oder Beckenbereich, was hast du?
SPEAKER_03Beides. Also wir versuchen, unsere Bauchmuskulatur und unsere Muskulatur im unteren Rücken zu entspannen und zu lockern über diese Bewegung. Und dadurch unserem Zwerchfell quasi den Weg zu eröffnen, sich noch tiefer abzusenken. Das wäre mein Vorschlag.
SPEAKER_01Ja, machen wir doch.
SPEAKER_03Eine Übung, die ihr vielleicht schon aus der Rückenschule kennt, aber die auch super gut für den Atem ist. Und wir sprechen jetzt vor allem diesen Atemaspekt eben an. Schaut mal, dass ihr ganz gut zum Sitzen kommt. Wäre schön, wenn eure Füße ungefähr einen rechten Winkel haben, parallel zueinander gut auf dem Boden stehen. Und wenn ihr so senkrecht auf euren Sitzknochen sitzt, dass ihr sie gut wahrnehmen könnt. Also vielleicht so ein bisschen hin und her bewegen, das Gewicht verlagern. Ist auch ganz gut, wenn die Sitzfläche ein bisschen härter ist und das gut spüren zu können. Und dann lasst mal das Gewicht von Kopf und Schultern, vom ganzen Rumpf, so richtig schön nach unten nieder auf eure Sitzknochen und auf eure Fußsohlen. Und ja, fangt dann mal an, um eure Sitzknochen herum zu kreisen. Und dabei ganz gezielt in eure Bauchdecke hinein zu spüren und sie loszulassen und auch die Pohmuskulatur zu entspannen und loszulassen. Schultern so richtig schön nach unten in Richtung Becken sinken zu lassen. Vielleicht auch die Kiefermuskulatur und den Atem einfach. Von alleine kommen und gehen zu lassen. Erstmal in die eine Richtung, dann in die andere. Und schaut mal ein bisschen mit dem Tempo, variiert mal, ob ihr das lieber schneller oder langsamer machen wollt, was sich für euch gut anfühlt. Und so bleiben wir in diesen Kreisen und sind jetzt mal mit unserer Wahrnehmung ganz bei unserer Bauchdecke. Und dabei, dass wir sie auf keinen Fall anspannen, sondern wirklich so richtig schön loslassen.
SPEAKER_05Haben wir mal noch so fünf, sechs Runden. Wir können auch nochmal die Richtung wechseln.
SPEAKER_03Und legen dann unsere Hände auf unsere Bauchdecke ein bisschen unterhalb des Bauchnabels und lassen jetzt mal den Atem von alleine kommen und gehen und schauen mal, ob wir spüren können, wie sich die Bauchdecke hebt und senkt.
SPEAKER_05Ohne dass wir was machen, ohne dass wir Druck ausüben, einfach nur durch Loslassen. Und dann können wir uns ein bisschen durchdehnen, die Augen wieder langsam öffnen.
SPEAKER_03So eine ganz einfache, eigentlich schon bekannte Übung, aber einfach mal mit dem Fokus oder der Wahrnehmung ganz auf der Bauchdeckenspannung. Konntest du deine Bauchdecke beim Atmen spüren?
SPEAKER_01Ja, auf jeden Fall. Noch intensiver vom Spüren finde ich immer eigentlich das Gesäß. Also der Kontakt zur Sitzunterlage. Gerade wenn man, wenn man jetzt so von der einen Seite auf die andere übergeht, wie das Gewicht dann abgegeben wird und dann auch danach, wie viel tiefer man sitzt gefühlt. Das finde ich immer so abgefahren. Weil, ja, okay, es macht schon Sinn, klar. Wir gehen da ganz sanft vor, ganz entspannt und dann entspannt sich auch unsere ganze Muskulatur am Hintern.
SPEAKER_03Ja, Beckenbodenmuskulatur.
SPEAKER_01Ja. Und dann versinken wir richtig, zerfließen in der Unterlage. Das ist immer total abgefahren. Jedes Mal wieder.
SPEAKER_05Ja.
SPEAKER_01Was ich an dieser Übung auch noch immer ganz toll finde, was dieses Danachgefühl auch noch verstärkt, finde ich, wenn man sich eine Hand oder zwei Hände unter den Hintern klemmt und dann darauf das Kreisen macht. Ja. Habe ich auch gemacht, du hast es nicht gesehen. Nein. Du hast ja immer die Augen zu. Aber ja, ist immer ganz schön.
SPEAKER_03Also eine Variante, die ihr auch probieren könnt. Gut. Ja. Ich würde sagen, dann wünschen wir euch einen entspannten Tag oder eine entspannte Zeit. Bis zur nächsten Folge.
SPEAKER_01Ja.
SPEAKER_03Lasst euren Bauch locker.
SPEAKER_01Lasst euren Bauch sein. Und der Bauch ist auch dann in Zukunft jedes Mal dabei, wenn wir sagen, ein und aus.