Drehmoment & Wendepunkt

#045 - Trainierst du zu viel oder zu wenig?

Christian Anderl & Daniel Lustig

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Viele Hobbysportler glauben, dass Fortschritt nur mit immer mehr Trainingsstunden möglich ist.
Christian und Daniel sprechen darüber, warum nicht der Umfang, sondern Struktur, Regeneration und Timing entscheidend sind und wie viel Training tatsächlich notwendig ist, um besser zu werden.

Stell uns eine Frage

SPEAKER_00

Es gibt da so viele Fragen, wie du jede Folge so anfangen. Zum Thema Triathlon, Triathlon, Iron Man, Halbmarathon, es gibt da so viele, also wir haben da Gottes Willen, ich habe mich geoutet schon längst, als wenn du Zahlen sagst, dann scheppert es bei mir im Kopf, ich kann mir genau keine einzige davon merken und ich weiß jetzt einfach nur genauso viel wie vorher. Es gibt verschiedene Distanzen. Bleiben wir einfach bei der einfachen Variante. Eine Frage, die du mit Sicherheit sehr oft hörst. Ich will einen Halbmarathon laufen, ich will einen Halb Iron Man laufen oder absolvieren. Wie viel muss ich denn trainieren? Punkt. Das ist so circa wie, welche Kamera soll ich mir kaufen in meiner Welt? Also wie viel muss ich denn trainieren?

SPEAKER_01

Die Frage wird mir immer wieder gestellt und sie kommt wie das Arme im Gebet und meine Antwort kommt auch wieder das Arme im Gebet und deshalb ist es schön, wenn wir da was mal in der Folge machen.

SPEAKER_00

Weil die Antwort, die ich da geben kann, es kommt drauf an. Ich wollte gerade sagen, ich hätte die Antwort geben können, nämlich es kommt drauf an. Einige deiner Antworten kann ich, den ersten Durchgang kann auch ich beantworten mittlerweile. Ich probier den zweiten Durchgang auch gleich. Ich wollte gerade sagen, nein, in den Details musst du dann durch, das traue ich mir sicher nicht. Wie lange kann ich mir das anhören, wenn ich jetzt wirklich Blödsinn rede? Nein, nein, nein, nein, nein. Das machst du schon du. Also, zweiter Durchgang. Zweiter Durchgang, worauf kommt es an?

SPEAKER_01

Wir bleiben jetzt beim Halb Iron Man Beispiel. 1,9 Kilometer schwimmen, 90 Grad von Halbmarathon. Das ist ein sehr, sehr gutes Beispiel, weil ein Halb Iron Man ist für viele Personen da draußen ein Ziel, das sie neben ihrem Leben noch so mitnehmen wollen. Und ich sag deshalb das so provokant neben ihrem Leben, weil jetzt definieren wir mal das Leben. Wie schaut dein Berufsleben aus? Wie sieht dein Privatleben aus? Wie sehen deine sozialen Verpflichtungen aus? Wie sieht es mit dem Thema Schlaf aus? Wie sieht es mit dem Thema Leistungsfähigkeit aus? Das heißt, in welchem Fitnesszustand bist du? Wie viel kannst du regenerieren? Wie sieht es mit dem Thema Ernährung aus? Und ich weiß nicht, wie viele Themen ich noch aufzählen könnte, damit wir hier eine konkrete Antwort geben können. Also es kommt darauf an, ist die richtige Antwort. Und dann fragt man nach. Und wie viel muss ich trainieren, ist das Pferde ein bisschen von hinten aufzuzäumen. Eigentlich wäre es richtiger zu sagen, wie viel kannst du regenerieren? Denn nur der Trainingsreiz, den ich regenerieren kann, der führt zu einer Anpassung. Wenn der Trainingsreiz richtig gesetzt ist, wenn die adäquate Ernährung dazu passt, sowohl Sporternährung als auch Basisernährung, wenn mein Stress und mein Nervensystem mitspielen, also sprich mein Stresslevel und mein Nervensystem mitspielen, etc. Und das sind alles Dinge. Es gibt Personen, die draußen, die brauchen wahrscheinlich nur drei, vier Stunden in der Woche zu trainieren. Und es macht gar nicht Sinn, denen noch drei, vier Stunden mitzugeben, weil sie es gar nicht regenerieren können. Und dann gibt es Personen da draußen, die trainieren 15, 20 Stunden da draußen für einen und denselben Wettkampf und vertragen das aber ganz gut. Und das ist halt immer der Punkt, wo ich sage, wir sollten uns weniger fragen, wie viel muss ich trainieren, sondern wie viel kann ich regenerieren.

SPEAKER_00

Gerade macht auch meine Phase, aus der ich gerade im Begriff bin, herauszukommen, wieder ein Stück weit mehr Sinn für mich. Und alles, was du in den letzten zwei Monaten zu mir gesagt hast, auf meiner Jammereien mit dich, ich komme nicht weiter, ich hänge so fest, ich bin nicht gesund, ich bin nicht krank, ich glaube, ich schaffe das alles nicht, weil ich kann nicht trainieren. Ganz ehrlich, du musst ja manchmal echt was mitmachen. Ich bin ja sicher nicht der Einzige, der so viel jammert. Und wahrscheinlich noch nicht einmal der Schlimmste, oder? Wenn ich mir das vorstelle, dass du das 50 Mal hast in deinem Berufsalltag. Also es macht gerade für mich auch mehr Sinn und ich füge da wieder ein paar Verknüpfungen und ein paar Punkte zusammen, weil ich war vorher einfach in der Lage, ein Vielfaches an Trainingspensum zu regenerieren und zu verarbeiten. Habe dementsprechend Fortschritte gemacht, bin für mein Verhältnis erstaunlich weit gekommen. Du weißt nur, ich habe im Herbst bei dieser Saisonabschlussradrunde gesagt, ich hätte nicht für möglich gehalten, im April, als wir begonnen haben, dass ich bis Oktober dahin komme, wo ich jetzt bin, noch dazu mit einem bakteriellen Infekt im Sommer dazwischen. Das hätte ich für nicht denkbar gehalten. Schnitt, ein paar Monate später habe ich das Gefühl, ich bin nicht weitergekommen, aber gerade check ich auch ein bisschen an dem, was du gesagt hast. Doch, doch, ich habe zwar nur noch drei, vier Stunden die Woche gemacht, aber mehr war nicht drin in diesem Zustand. Und wahrscheinlich werde ich in den nächsten Wochen, deswegen grinst du wahrscheinlich immer so, wenn ich sage, ich hoffe, ich kriege das noch hin, wahrscheinlich werde ich in den nächsten Wochen feststellen, dass das bisschen, das ich in diesen zwei Monaten trainiert habe, doch auch seinen Zweck erfüllt hat.

SPEAKER_01

Ja, weil es immer darum geht, was kannst du regenerieren. Und mein aktueller Fokus in deinem Training, um bei dir als Praxisbeispiel zu bleiben, ist, dass wie viel Trainingslot verträgst du aktuell, um stabil und konsequent trainieren zu können. Tag für Tag, Woche für Woche, Zyklus für Zyklus. Und wenn ich das Gefühl bekomme, wir haben ein gutes, stabiles Niveau und deine Umfeldparameter geben das auch her. Naja, dann wird es auch wieder mehr werden. Und dann weiß ich jetzt schon, wie die Anpassung wieder raufgeht. Weil ich ein System zur Verfügung gestellt bekomme, das ich mehr belasten kann. Das ich anpassen will. Das auch den Trainingslot aufnehmen kann. Das ist das. Ich möchte es vielleicht mal an einem anderen nicht sportlichen Beispiel festmachen. In den letzten zweieinhalb Jahren, wo ich mein Masterstudium gemacht habe, sind viele Dinge an mich herangetragen worden, ja, magst du dir nicht das anschauen und dich dort einlesen und da und da und da. Ich habe das am Anfang alles probiert. Und ich bin daran gescheitert, dass ich einfach die Aufnahmekapazität nicht mehr hatte. Und im Endeffekt habe ich dann nichts aufgenommen. Und jetzt habe ich für mich beschlossen, okay, es gibt eine Prioritätenliste. Und die Prioritätenliste ist jetzt einmal dieses Studium. Und wenn das vorbei ist, dann gibt es schon eine Liste für mich, wo ich dann meinen Fokus, auch meine mentalen Kapazitäten wieder reinlegen möchte, was ich mir anschauen möchte, wo ich mich fortbilden möchte, was für mich Prioritäten hat. Aber auch mein Tag oder jeder Tag hat nur 24 Stunden und davon sollten wir eine geraume Zeit schlafen und uns erholen. Und am besten auch nicht die ganze Zeit mit dem Thema beschäftigen. Weder mit dem Thema Sport, noch mit dem Thema Ernährung, noch mit dem Thema Arbeit, noch mit dem Thema vielleicht soziale Probleme, sondern wenn möglich, Abwechseln reinbringen, damit unser Geist auch abschalten kann, damit unser Körper auch wieder Regenerationsphasen hat. Denn dadurch entsteht die Anpassung.

SPEAKER_00

Das bringt mich zu der Frage, die man sich vielleicht stellen sollte, bevor man dir die Frage stellt, wie viel soll ich trainieren für diesen Halb Iron Man? Ich vermute mal, dass ein großer Teil derer, die diese Frage stellen, lieber sich selber die Frage stellen sollten, soll ich das jetzt überhaupt machen? Ist das gerade überhaupt etwas, das ich in mein Leben reinkriege? Habe ich die Kapazitäten fragen.

SPEAKER_01

Und das ist zum Beispiel für mich im Coaching immer ein Punkt, wenn jemand mit einem Ironman-Projekt auf mich zukommt oder auch Öztaler Radmarathon. Ich nehme jetzt die beiden Events raus, weil es viele da draußen kennen und weil die Fisher-Zeiten sehr ähnlich sind. Also ich habe einige Coaches, die sowohl Ironman als auch Öztaler Radmaradon gefinished haben. Und die Finisher-Zeiten differieren roundabout immer um die Stunde. Sie sind meistens beim Öetzi eine Stunde schneller, ungefähr. Das kann man jetzt nicht verallgemeinern, weil es doch sehr zwei Kontreiersachen sind, aber die Personen, die ich betreut habe, sind ungefähr in einer gleich langen Zeitdimension unterwegs. Und dann stelle aber ich oft die Frage, die Gegenfrage, wie viel muss ich da trainieren, habe ich eher so, hast du das mit deinem Umfeld schon mal abgeklärt? Du hast deinen Partner, eine Partnerin. Du hast Kinder. Hast du daheim abgeklärt, dass es Samstage und Sonntage eben wird, wo ich dir 200 Kilometer Radfahren aufschreibe, du wirst sechs bis sieben Stunden unterwegs sein, und danach hast du vielleicht soziale Verpflichtungen als Papa, als Mama. Wird das mitgetragen oder nicht? Hol dein Umfeld vorher ins Boot. Weil wenn du das einmal machst, ist das kein Problem. Nur wenn du über den Winter, also ich bleibe jetzt beim Ironman-Beispiel im Juni, Mitte Juni, wenn du über den Winter konsequent die Nerven deines Umfelds strapazierst, ja, ich muss noch schwimmen gehen und ich muss dann noch laufen gehen und nein, Familienfeier, hör mal bitte später hinkommen und früher wegfahren, weil ich muss da, ich muss dort und bla bla bla, dann wird der Partner und ich spreche da jetzt aus eigener Erfahrung. Ich habe und ich muss sagen, ich habe eine wahnsinnige Unterstützung damals erlebt, aber ich habe trotzdem einen Satz gehört, der mich damals mental etwas gebrochen hat, aber ich verstehe. Ich bin schon echt froh, wenn dieser Scheiße Ironman vorbei ist. Und das war vier Wochen vor dem Wettkampf, oder sechs Wochen vor dem Wettkampf. Und wo ich mir denke so, was habe ich als Partner, als Athlet damals gemacht, dass ich dieses Nervenkostüm, was so unterstützend war über Monate hin war, so überstrapaziert habe, dass er sich vier bis sechs Wochen vorher nicht mehr ausgegangen ist. Und da ging es nicht darum, was konnte ich trainieren, weil ich habe verdammt viel trainiert.

SPEAKER_00

Aber ich habe sozial überstrapaziert. Das kann ich lustigerweise, also ich bin ja weit weg davon, einen Ironman zu trainieren, aber das kann ich jetzt schon bei meinem Trainingspensum nachempfinden, weil auch ich manchmal schon dieses Ding hatte mit längeren, mit vor allem Wochenenden, diese Kombination, die du gerade angesprochen hast, und ich trainiere keine sechs Stunden, sondern bei mir sind es halt drei Stunden vielleicht, aber das dann irgendwie da reinzukriegen und zu wissen, also geht bei mir dann mit, wenn die Kinder da sind, sowieso nicht, geht es schlichtweg nicht aus. Und in den Wochen, wo ich das irgendwie unterbringe, habe ich dann manchmal das Gefühl, wenn ich von nach drei, vier Stunden von dem Rad absteige, ist mit mir aber auch nicht mehr viel anzufangen. Da ist halt dann, da spüre ich förmlich, mein Körper schaltet auf Regeneration um. Und den restlichen Tag bin ich, ich will nicht sagen, unbrauchbar, aber je nach Verfassung manchmal auch unbrauchbar, aber zumindest nicht mehr für, wie du Familienfeier gerade gesagt hast, haben wir gesagt, sondern die Kombi. Nein, bitte nicht. Nein, bitte nicht, fünf Stunden Rad dann absteigen und zu einer Familien feiern. Da wäre ich sehr asozial. Also kommt zurück zu dem Punkt, dass man sich wahrscheinlich viel öfter fragen sollte, ist das überhaupt die richtige Zeit dafür? Und ist vielleicht ein anderes Ziel ein geringer gestecktes vielleicht?

SPEAKER_01

Oder wie viel möchte ich diesem Ziel unterordnen? Weil so wie wir in bisherigen Folgen auch schon immer wieder gesagt haben, es gibt den Wettkampf und jeder Wettkampf kann auch ein Abenteuer sein. Aber ein Wettkampf hat für mich eine Endzeit. Sprich, eine Zielzeit, eine Zielleistung. Ein Abenteuer hat halt ein Erlebnis. Und es gibt durchaus Menschen da draußen, das sehe ich vor allem im Läuferkontext sehr oft, die sagen, okay, ich renne dort an Halbmarathon, ich renne dort an Marathon und verbinden das mit einem Wochenendtrip und nehmen die Partner mit, also mit, die machen das miteinander, dann wird dieser Event laufen und dann wird noch die Stadt angeschaut und ein bisschen Urlaub verbracht. Alles cool. Dann hat das aber auch sowas von Unterstützung und wieder zurückgeben und was miteinander leben und das ist ja toll. Oder wenn es zum Beispiel alle zwei sogar bei dem Event laufen, dann ist das Ganze ja noch schöner, wenn man das mit Urlaub verbinden kann. Aber es geht vor allem darum, was passiert bis dorthin und wie viele Opportunitätskosten, wie ich so gern sage, muss ich bis dahin aufbringen. Das heißt, was bleibt auf der Strecke und bin ich bereit, dass das auf der Strecke bleibt?

SPEAKER_00

Ich glaube, ich habe gerade mein neues Ziel definiert, weil ich meine, das, was ich da vorhab, ist... Wir zwei Rennen ein Halbmarathon irgendwo und fahren miteinander voll ab. Auch ein guter Plan. Auch eine gute Idee. Ich werde darüber nachdenken. Was ich aber, was ich jetzt eigentlich vorschlagen wollte, war, bei mir ist ja dieses Trainingspensum, das ich jetzt brauche, und jetzt korrigiere mich, wenn ich komplett erleben liege, brauche ich deswegen, weil mein, wir sind wieder bei dem Punkt, kommt drauf an. Es gibt wahrscheinlich Menschen, die wären zu dir gekommen mit dem Ziel, das ich mir gesteckt habe, 180 Kilometer am Tag für sieben Tage hintereinander, wo du gesagt hast, hättest okay, wann ist es in einem Jahr und du geh einfach drei, viermal die Woche Radfahren und mach halt irgendwie längere Ausfahrten dazwischen und kurz davor fahre die Dauer hoch, damit sich dein Sitzfleisch dran gewöhnt und dann viel Spaß, alles Gute. Bei mir braucht es einen Trainingsplan, weil wir ganz weit unten angefangen haben. Glaubst du, dass dieses Trainingspensum notwendig ist für jeden, der sich sowas vornimmt, auch wenn er auf einem anderen Level startet? Weil worauf ich hinaus wollte, nur ganz kurz, ist, dass ich mir jetzt gerade vorstelle, naiv wie ich bin, ich mache dieses Trainingspensum seit April mit, damit ich mich auf dieses Level hinarbeite, um sowas zu schaffen. Und dann versuche ich einfach nur dieses Level zu halten. Und kann mir Long-Distance-Fahrten spontan geben, wann auch immer ich Lust habe. Das ist nicht mein Plan mit dir. Ich habe einen anderen Plan mit dir. Gut, über das hat man tatsächlich noch nie geredet, was du für Pläne mit mir.

SPEAKER_01

Aber um auf deine Frage zurückzukommen, mir geht es immer darum und ich glaube, das ist eigentlich auch meine Job Description. Möglichst viel Effektivität und Effizienz aus der Zeit, die du oder jeder bei mir oder alle, die sich hier bei Beratung holen, investieren, also möglichst viel aus der Zeit, die investiert wird, rauszuholen. Das zeitliche Optimum. Und da ist es so, ich habe Personen, die haben bei mir angefangen und trainieren jetzt zeitlich weniger als vorher, haben aber mehr Fortschritt. Ich habe Personen, die trainieren zeitlich mehr als vorher, haben Fortschritt. Und das ist ganz unterschiedlich. Ich würde es jetzt nicht so sehen, dass ich sage, du musst so viel trainieren, damit du deine Reise bestreiten kannst. Ich sehe es bei dir eher so, ich versuche in der Zeit, die ich habe, das bestmögliche Leistungspotenzial zu heben, das ich bekomme, also gehoben bekomme, damit du schnellstmöglich entweder von A nach B fahren kannst oder so entspannt wie möglich von A nach B fahren kannst, je nachdem, was ihr zwei dann so unterwegs macht.

SPEAKER_00

Schauen wir mal, ich glaube, also überleben würde ich es wahrscheinlich jetzt schon. Ich glaube, fahren könnte ich es theoretisch jetzt schon. Jetzt vielleicht nicht aus dem Stand. Ihr müsst nach dem halbkrank Ding jetzt ein paar Wochen wieder konstanter fahren. Aber schaffen würde ich es wahrscheinlich, aber ich glaube, es wäre schmerzhaft. Der Spaßfaktor hebt sich, wenn ich noch fitter werde.

SPEAKER_01

Und das ist halt immer der Punkt. Wenn ich jetzt eine bestimmte Endzeit habe, wir bleiben jetzt kurz beim Marathon, du willst am Marathon in unter drei Stunden rennen, dann kann ich physiologisch sagen, okay, du musst das und das leisten können, damit sich das ausgeht. Das ist eine klar definierte Strecke, optimalerweise mit nicht so viel Höhenmeter, das heißt ein hoffentlich halbweg schneller Parcours. Und dann kann ich das definieren. Nur bei dem, was du vorhast, habe ich nicht sagen, du brauchst eine VC Max von X, damit du das machen kannst. Und wenn du zwei Punkte drunter bist, dann geht sich das nicht aus. Das ist ein Blödsinn. Sondern mir geht es darum, dich so fit wie möglich Mitte Mai quasi an den gefühlten Start, an die Startlinie zu bringen und dass du eine schöne Radreise hast.

SPEAKER_00

Vor allem, weil du weißt, dass ich, nachdem ich es nicht allein fahre und mein mein Mitfahrpartner ein ziemliche Waffe ist, das ist eher der Punkt. Allein ist jetzt mir mental eine Frage, ob man im Schnitt 180 Kilometer am Tag für sieben Tage fahren kann und will. Könnte ich auch, aber wenn du mit jemandem fährst, der schwer bewaffnet ist mit seinem Rennrad, dann willst du da mitfahren, weil du willst den anderen nicht bremsen und gleichzeitig willst du selber nicht aus dem letzten Loch pfeifen. Das ist halt.

SPEAKER_01

Also ich habe mittlerweile zwei Bikepacking-Touren hinter mir und bin jeweils mit einem Freund gefahren.

SPEAKER_00

Beide auf gleichen Niveau nehme ich an.

SPEAKER_01

Nein. Einmal von Bregenz nach Nizza mit dem Philipp. Und beim Philipp würde ich behaupten, wir waren leistungstechnisch sehr ähnlich. Er war in der Ebene etwas stärker. Dafür war ich dann in den steilen Anstiegen etwas flotter. Und wir waren von Bregenz nach Nizza unterwegs eine Woche. Der längste Tag waren 200 Kilometer mit 3000 Höhenmetern. Das war unser letzter Tag nach Nizza. Also das war der allerletzte Tag. Und mit dem höchsten Punkt auf 2800 Meter. Routentechnisch vielleicht jetzt nicht optimal, aber es hat sich so ergeben. Und wenn ich eins gelernt habe, ist am Anfang legt man das Mindset an den Tag, ja, man möchte den anderen nicht bremsen und man möchte sich da quasi pushen. Aber es stellt sich relativ schnell ein, man ist füreinander da. Und es gibt Phasen, wo es dem einen schlecht geht und dann übernimmt der andere mehr und es gibt Phasen, wo es den anderen schlecht geht und man übernimmt mehr. Und dann gibt es Phasen, wo es allen beiden ganz gut geht. Ich bin das Jahr drauf mit dem Paul eine Runde durch die Alpen gefahren. Und da gab es Tage, wir haben Abfahrten erlebt, den Flührlapass runter mit Hagel. Wir sind das Timmelsjahr runter im Schüttregen gefahren. Ich bin am Timmisee auch oben gestanden, habe 20 Minuten auf Paul gewartet, bis er oben war und bin im Nebel gestanden bei 10 Grad und habe auf ihn gewartet. Nur es war für mich keinerlei Option, weiterzufahren, weil wir fahren die Tour miteinander. Und genauso wie ich das Öztal dann quasi uns rausgezogen habe, hat er uns dann Richtung Innsbruck gezogen und das ist einfach ein Miteinander. Und da geht es sehr bald nicht mehr um Leistung, sondern um sich das bestmögliche Erleben miteinander. Und ich glaube, das werdet ihr auch haben und das wird sich sehr, sehr schnell einstellen.

SPEAKER_00

Das ist generell natürlich, das ist die ursprüngliche Grundidee von dem Ganzen. Wir haben das irgendwie auf unserer Bucketlist immer schon stehen, eine lange Tour miteinander fahren. Also es geht rein nur ums Erleben. Wobei er ja, der Christian hat was, eine Eigenschaft, von der er auch weiß. Er hat eine Eigenschaft, von der er auch weiß, die auch nicht keine Absicht oder nichts Böses oder keine Charakterschwäche ist im Gegenteil, sondern das hat er sogar beim Gehen, wenn man mit ihm spazieren geht oder neben ihm Rad fährt. Du musst gar nicht, na, du musst gar nicht vorkommen. Du musst gar nicht vor ihm sein, du musst gar nicht ein Schritt weiter sein oder mit dem, das Laufrad ist 20 cm vorne, sondern es reicht, neben ihm zu sein. Dann setzt man ihm einen Reflex ein, wo er selber sagt, das ist wie wenn irgendwas in mir sagt, ich bin dir zu langsam. Sobald du neben mir bist, habe ich das Gefühl, ich bin dir zu langsam und dann dreht dich drauf und dann fahre ich halt ein bisschen schneller. Und das haben wir, wir haben ja eine Proberunde im Herbst gemacht und da ist genau das passiert, bei 100 kmh Gegenwind, stürmischem Regen und Hagel, kaum bin ich neben ihm gefahren. Prinzipiell hat sein Laufrad 20 cm vor meinem sein müssen, sonst hat sofort dieser Reflex eingesetzt. Und da bin ich einfach gespannt, weil wir sind zusätzlich beide kompetitive Typen, die von sich selber viel verlangen und dann vielleicht auch nicht gleich merken, wenn man selber ein bisschen über sein eigenes Limit drüber geht und dann kommt dieser Reflex und dann pendelt sie das so, schaukelt sie das so auf und man fährt in Wahrheit 3 km/h Schnitt zu mehr, als man eigentlich easy fahren könnte. Und da kann man ganz schnell nach einer Woche furchtbar beieinander sein. Da bin ich gespannt. Das wird eine Woche dauern. Wahrscheinlich, ja. Ich glaube, eher Tag 2 oder Tag 3. Wird schon gut gehen. Darüber reden wir eh auch noch einiges im Detail, über Planung für diese Tour und so weiter. Also wir schließen diese Folge ab, wie wir sie begonnen haben. Wie viel muss ich trainieren für X? Das kommt drauf an. So hätte man die ganze Folge machen können, oder? Daniel, wie viel muss ich trainieren für Empty? Fill in the blank. Und der Daniel sagt drauf, kommt drauf an. Das wäre die kürzeste Folge hinter nie gewesen. Stimmt. Aber deswegen gibt es dich ja als Job. Deswegen gibt es deinen Job, ja. Dass man da hingehen und sagen kann, worauf es ankommt, damit man dann eine Antwort kriegt.

SPEAKER_01

Oftmals sind es auch gar nicht die Antworten, die glaube ich zur Lösung führen, sondern die Gegenfragen. Das Rückfragen. Er hat immer ein Schlusswort, Pagat.