Drehmoment & Wendepunkt

#044 - Ein Satz kann dich krank machen – der Nocebo-Effekt erklärt

Christian Anderl & Daniel Lustig

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🎙 Nocebo-Effekt – wie Worte deinen Körper beeinflussen

Christian, Daniel und Marion Essletzbichler sprechen darüber, wie Erwartungen und Aussagen unsere Wahrnehmung, Leistung und sogar körperliche Reaktionen verändern können.
Es geht um Verantwortung im Coaching, Ernährung ohne „gut vs. böse“ – und warum dein Mindset oft mehr entscheidet, als du denkst.

Stell uns eine Frage

SPEAKER_02

Lieber Daniel, lieber Marion, lieber Christian. Lieber Christian. Warum klingt das heute wie die Eröffnung einer Predigt?

SPEAKER_01

Weil unser Podcast immer klingt wie eine Predigt.

SPEAKER_02

Wirklich? Ja, das ist das Dame. Das ist aber überhaupt nicht das Ziel, dass wir klingen, als würden wir was predigen. Wir wollen euch nur ein bisschen in Gang kriegen.

SPEAKER_00

Unterstützen, gedanklich.

SPEAKER_02

Danke. Es bewahrheitet sich so oft, Frauen haben einfach die weitaus bessere Fähigkeit, Dinge so zu formulieren, dass sie motivierend enden. Wir sind, ich glaube schon. Ich weiß nicht. Ich glaube schon. Du schweifst vom Thema ab. Ich schweif vom Thema ab. Ich habe noch nicht einmal das Thema angesprochen, da darf ich auch noch abschweifen. Also eigentlich waren meine geplanten einleitenden Worte. Ich weiß, was ein Placebo ist. Und ich weiß, seit ich euch kenne, dass es ein Nocebo gibt. Also das vermutliche Gegenteil eines Placebos, aber was genau bedeutet das in unserem Kontext?

SPEAKER_00

Ich lasse dich starten.

SPEAKER_01

Ein Nocebo ist im Endeffekt ein Effekt oder ist eine Situation, wo ich dir zum Beispiel sage, machen wir es gleich mit einem Praxisbeispiel, wir sind im Krafttrainingsraum, du machst eine Kniebeuge und ich sage dir, die Wirbelsäule hinten, die wölbt sich ganz eigenartig nach links und nach rechts und das schaut nicht nach einer Skoliose aus. Ach, wir auf der Stelle Schmerzen. Du hättest nur gar nicht Skoliose sagen müssen, nein, die ist schon Schmerzen. Wie quasi macht es schief? Aua. Und genau mit dieser Info schicke ich dich nach Hause.

SPEAKER_00

Oder ich sage dir als Praxisbeispiel aus meiner Schiene, Christian, ich bin mir nicht sicher, ob du jetzt Brot essen sollst. Ich glaube, das macht Bauchweber dir.

SPEAKER_01

Und dann kriege ich Bauchweber die Brot essen.

SPEAKER_00

Genau.

SPEAKER_01

Okay. Und genau das ist ein Nocebo. Also sprich in unserer Berufsgruppe, also Gesundheitsberufe, egal ob Sport, Ernährung, auch die ganzen medizinischen Berufe, und da ist mir selbst etwas vor zwei Monaten passiert und deshalb bin ich auf diese Podcast-Episode drauf gekommen, weil wenn dir ein Arzt sagt, also bei mir konkret Kieferbruch und quasi ihnen Genäht und Platten reingeschraubt und der Arzt, der die Nähte da entfernt, schaut das erste Mal rein und sagt, na, wie ist denn das zugenommen?

SPEAKER_02

Ui, oh, juhu.

SPEAKER_01

Hat kein Zahnarzt, naja, man hat beim Zahnarzt jetzt nicht unbedingt die Möglichkeit zu antworten, weil. Man ist gerade mit Offenhalten beschäftigt. Und dann fangt halt das Gedankenkarussell an und genau das ist ein Nocebo. Und das ist etwas, warum mir diese Podcast-Episode auch so wichtig war, vor allem wenn die Marion da ist, die so zu machen, weil wir müssen uns in unseren Berufsgruppen, also ich beschränke es jetzt einmal kurz auf den beruflichen Kontext, bewusst sein, was für eine Verantwortung wir tragen. Und egal was wir von uns geben, das hat Auswirkungen, im positiven wie auch im negativen Sinn. Und da ist es oftmals gescheiter, nichts zu sagen und sich das zu notieren, als so einen gut gemeinten Hinweis zu liefern, der dann sehr in die Hose geht.

SPEAKER_02

Ja, ich habe eine provokante Frage, aber dafür bin ich ja auch da. Nämlich anhand eines eigenen Beispiels. Mein Motorradunfall, mein Schulterbruch, mehrere Teile zerlegt. Ich habe mehrere Churgen durchprobiert, weil offensichtlich nicht ganz klar war, soll man das operieren oder nicht. Einer davon, der, dem ich dann Vertrauen geschenkt hat, hat unter vielen anderen Dingen, die er gesagt hat, mir eine grobe Prognose gestellt, wie das verlaufen wird und wie es mir nachher geht. Und eines der Dinge, die er dabei gesagt hat, war, naja, mit der rechten Hand hinten auswischen wird gehen, aber weiter hochkommst nicht mehr. Das war das Zitat. Hat bei mir eher genau zum Gegenteil geführt, weil ich bin dann eineinhalb Jahre später zu ihm gegangen und habe die Hand genommen, zwischen die Schulterblätter gelegt, habe mich umgedreht und habe gesagt, und ich habe gesagt, wow, wie es nice gemacht wird, Mission accomplished. Danke. Kann dazu auch führen. Wie, also jetzt weiß ich nicht, ob das, vielleicht bin ich da eigen. Muss man dann in eurem Kontext auch ein bisschen psychologisch abchecken, wie ist der drauf und was löse ich mit dem, was ich da jetzt sage, aus? Das stelle ich mir vor wie ein Eislaufplatz mit Ballschuhen.

SPEAKER_01

Das ist ein absoluter Eislaufplatz. Und genau das ist es. Wenn wir eine Person im Coaching in der Betreuung haben, dann lernen wir die Leute ja auch kennen. Und wir kennen ja sie sehr gut. Und du bist jemand, du tickst da eher so ein bisschen wie ich, jetzt erst recht. Und dieses, ich sag's mal, jugendlich aufmüpfige.

SPEAKER_00

Trotzige ein bisschen.

SPEAKER_01

Von dir lassen wir das sicher nicht sagen. Also du sagst mir nicht, was ich für Einschränkungen habe. So bin ich auch. Und das ist in solchen Situationen perfekt. Sehr hilfreich. Aber ich kenne genauso viele Leute, wenn nicht sogar mehr. Die knicken darunter, die sich dann verunsichern lassen, die ein sehr ängstliches Mindset dann entwickeln, entwickeln, nicht haben, sondern entwickeln. Und dadurch wird ihr Reha-Prozess, ihr Regenerationsprozess, ihr Adaptationsprozess, egal ob im Sport, in Ernährung, wie auch immer, gehemmt. Das heißt jetzt nicht, dass wir Leuten nichts mehr sagen dürfen, ganz und gar nicht, aber ich muss mir sehr wohl überlegen, wer sitzt mir gegenüber, wo ist meine Profession? Die hat dein Chirurg absolut nicht überschritten, sondern der war, Schuster, ist bei seiner Leisten geblieben. Aber was ich viel öfter sehe, und das finde ich viel problematischer ist, wenn er die eigene Profession auch noch überschritten wird und über Themen gesprochen wird, die nicht seiner eigenen Kernkompetenz unterliegen und dort wird ein Nocebo gestreut.

SPEAKER_00

Da hätte ich ein gutes Beispiel auch dazu. Generell haben wir ja schon die Tendenz und derseits hier vielleicht auch wirklich eher die Ausnahmen, so dieses Trotzige und jetzt hast du recht, das haben eher Menschen mit einem guten Selbstwert, mit einem guten Selbstwirksamkeitsgefühl. Und viele haben aber eher dieses Ängstliche, dieses negative, vor allem Frauen tendenziell mehr als Männer. Da gibt es auch Daten dazu tatsächlich und das nennt sich auch Negativity Bias. Auch eher ältere Menschen haben das mehr, weil die haben schon viel mehr negative Erfahrungen quasi gespeichert. Und somit tendieren die auch mehr hineinzugehen in dieses, oh je, da ist was verkehrt, da ist was schief. Und gerade auch in meiner Berufsgruppe oder in dem Thema der Ernährung gibt es ja die klassischen gut-böse Listen. Wenn eine böse Liste da ist und da steht ein Lebensmittel drauf, das ist böse, dann habe ich vielleicht ein Schamgefühl oder ein Schuldgefühl sofort einmal generiert.

SPEAKER_02

Habe ich mir verdient, habe ich eine Sünde begangen.

SPEAKER_00

Eine Sünde begangen, genau, daher kommt das auch gerne. Und habe vielleicht auch einen gewissen Stress generiert, wo ich mir denke, habe ich mir da jetzt eh selber nicht geschadet? Also da kommen ganz, ganz viele negative Dinge auf, wenn man Dinge in Gut und Böse einteilt. Und es gibt eine ganz, ganz coole Studie aus der Ernährung, die auch beweist so diesen Nocebo-Effekt und dass wir uns extrem beeinflussen lassen, was da so draufsteht oder was uns kommuniziert wird. Das ist die Milchshake-Studie oder Milkshake-Study. Und da wurden eben zwei Gruppen genommen und in diesen zwei Gruppen wurden zwei Milchshakes gegeben. Der einen Gruppe wurde gesagt, das ist ein Milchshake, der ist hochkalorisch, der schmeckt super gut, der hat 620 Kalorien und der gibt dir ganz viel Energie und ist einfach super genussvoll zum Trinken. Die andere Gruppe hat einen Shake bekommen, denen gesagt wurde, das ist ein Lightshake mit, ich glaube 140 Kalorien war die zweite Gruppe und in Wirklichkeit war es ein Shake mit 380 Kalorien.

SPEAKER_02

Lass mich raten, die einen haben Gas gegeben ohnehin und hatten das Gefühl, ich bin Herkules und die anderen sind schlafen gegangen.

SPEAKER_00

Ja, tatsächlich war eben die Testung so, dass man eben herausgefunden hat, die, die denn vermeintlich 620 Kilokalorien-Shake getrunken haben, die hatten niedrigere Kerelin-Werte, also niedrigere Hungerhormonwerte. Das heißt, die haben sich gesättigt gefühlt, die haben weniger nichts, weniger gegessen später im Laufe des Tages und waren super zufrieden, entspannt. Die, die 140 quasi vermeidlich getrunken haben, aber beide haben 380 gehabt, ja, wohlgemerkt, die waren, die hatten kaum eine Veränderung in den Krelinwerten und haben dann später mehr gegessen. Das heißt, das, was unser Gehirn erwartet, das bekommen wir auch.

SPEAKER_02

Es ist immer wieder wieder erstaunlich, was unser Gehirn eigentlich kann, wenn wir es gezielt austricksen oder halt unabsichtlich ausgetrickst kriegen. Ich frage mich zum Beispiel die ganze Zeit, während ihr zwei redet. Wie oft im letzten Jahr habt ihr zwei eigentlich vielleicht schon mal irgendwas gesagt zu mir? Ich mein Hirn sucht die ganze Zeit nach Dingen. Was hat er da gesagt? Wie hat er da nochmal gesagt?

SPEAKER_04

Wie hat er manipuliert der Daniel?

SPEAKER_02

Schau mal, die Gesichtsfarbe ändert sich auch minimal. Ich glaube, er fühlt sich fühlt sich gerade ertappt. Wobei? Ich weiß nicht genau. Ist auch egal, wenn es funktioniert hat, ist es ja gut.

SPEAKER_00

Aber Wörter können ganz viel auslösen und was wir eben erwarten, löst richtig viel aus.

SPEAKER_02

Wie können wir das, oder das Wie in Klammer, können wir das gezielt positiv für uns verwenden.

SPEAKER_00

Also gezielt positiv in der Ernährung ist es sicher, dieses gut böse rauszukriegen aus unseren Gedanken.

SPEAKER_02

Oder es vielleicht auf die richtigen Dinge anzuwenden, weil lustigerweise, wie du das gesagt hast, haben wir gedacht, das gilt, wenn man eine gut böse Liste denkt, kommen sofort die fetten Torten auf die böse Liste, als erstes einem in den Sinn und Eis und was was ich war. Aber nirgends steht Alkohol da drauf meistens. Zum Beispiel. Das Einzige, das vielleicht dahin.

SPEAKER_00

Das dahin gehört, ist nirgends.

SPEAKER_02

Schreibt niemand auf der Liste. Oder wenige.

SPEAKER_00

Ja, aber positiv auch zu nutzen, eben im Kontext sehen, so wie wir das mit dir machen. Torten, Eis, Gummibärle, Schokolade. Beim Radfahren geht sich das aus. Und du versorgst deinen Körper damit. Und wir haben alle einen Bedarf. Und wenn jetzt selbst an einem nicht sportlichen Tag ein Stück Kuchen kommt, geht sich das aus. Das ist okay. Und wirklich diese Entspanntheit mit dem Essen noch zu haben, mach den Körper in Summe entspannter, mach den Kopf entspannter. Ich habe nicht einmal ein Feedback bekommen, wo mir eine Kundin gesagt hat, ich bin jetzt so viel entspannter mit dem Essen, ich mache mir nicht mehr so viele Gedanken, ich schaue nicht mehr ständig die Nährwerta-Tabelle an, weil es geht sich eh aus.

SPEAKER_02

Kann ich absolut unterschreiben. Also ist ja nicht so, dass ich auf Kalorien gezählt hätte und ich wollte ja nie abnehmen. Das war ja lustigerweise nicht mal mein Thema, sondern mein Thema waren dann andere Themen, wie eben Zucker zum Beispiel, weil ich für mich selber die Erfahrung gemacht habe, zu viel tut mir nicht gut. Dann das ganze Bullshit-Bingo aus dem Internet, wie furchtbar Zucker nicht eigentlich ganz allgemein ist. Und es ist ja, an dieser Stelle muss man es immer wieder dazu sagen, da ist ja sehr viel richtig dran. Wenn, das ist wenn, haben wir halt ausgelassen. Also diesen Kontext da zu verschieben. Und es tut mir auch wahnsinnig gut, das merke ich nämlich selber in letzter Zeit oft, dass ich eben jetzt so einen viel schwereren Umgang und Essen allgemein habe. Weil, wie du sagst, habe ich halt jetzt keinen Sporttag und trotzdem jetzt gerade Bock auf diese Pistazienkros aus, die du mitbringst. Mir doch vollkommen wurscht. Also es geht mir nicht mal eine Sekunde mehr durch den Kopf, weil das jetzt einmal zu machen, wo ich genau weiß, 90% von solchen Zuckerdingen esse ich sowieso nur noch, wenn ich kurz danach am Rad sitze, während ich drauf sitze oder danach. Also es fällt völlig easy auf einmal. Alles ist einfacher.

SPEAKER_00

Das war mein Test.

SPEAKER_02

Achso, du wolltest schauen, wenn du das jetzt hinleest. Ah, heute habe ich keinen Sport tun. Ich glaube, keine Lust auf Pistazien, was übrigens die größte Lüge von allen würde. Test, okay, dann habe ich bestanden. Freut mich.

SPEAKER_00

Ja, bestanden. Röhre mich eins.

SPEAKER_02

Naja, wenn wir das hinkriegen würden, dass diese, okay, gut, böse Liste streichen, ist mal ein guter Ansatz.

SPEAKER_01

Und ich glaube, eins der ganz wichtigen Themen wäre auch noch am Selbstwert zu arbeiten. Weil du hast vorher gesagt, wir zwei sind vielleicht jetzt eher nicht das typische Beispiel, weil wenn uns jemand sagt, das geht nicht, ist unsere Antwort drauf, das schauen wir auch. Ich sage, ich würde eher sogar so, das zeige ich da.

SPEAKER_02

Was nicht gebe, bestimmt noch immer ich, nicht du. Nein, ich möchte schon einräumen, es kann sein, dass du recht hast. Aber das gilt nur für dich. Aber entweder geht es nur für dich oder ich muss trotzdem für mich rausfinden, ob das stimmt. Das heißt, du kannst, das wissen wir jetzt einmal, dass du es du nicht kannst. Schauen wir mal, ob ich es kann.

SPEAKER_01

Ich muss schauen, ob ich durch diese Wand mit dem Kopf wirklich durchgehend habe. Auch wenn du mir sagst, das ist eine Stahlbeton. Das schaue ich mir nochmal. Aber wie gesagt, wir sind ja da vielleicht jetzt nicht die Norm. Aber ich glaube, das Wichtigste ist einfach mal, sich den Selbstwert zu definieren. Und ein Selbstwert hat natürlich damit zu tun, wie wir unsere Ernährung gestalten, hat damit zu tun, wie wir unseren Sport gestalten, wie wir uns sozial verhalten und somit ganz, ganz viel natürlich. Und ich glaube, das ist das Allerwichtigste, dazu zu sagen, jetzt egal ob ich Sport mache, egal ob ich jetzt Clean Eating betreibe oder richtig esse, es ändert nichts an meinem Selbstwert. Weil der Wert, der mich als Mensch auszeichnet und die Werte, die ich als Mensch verkörpere, sind meine Werte. Und ob die jetzt oder jenes sind, ist egal ob das die Gesellschaft gut findet oder mein Nachbar gut findet oder jetzt gesagt ihr gut findet, Hauptsache ich finde es gut und wenn ich danach lebe, ist meinem Selbstwert bestätigt. Und ich glaube, das ist, finde ich, woran so oft scheitert. Wir beschäftigen uns mit dem, so, was stellt vielleicht die Gesellschaft an Werten hervor und wir orientieren uns an diesen Werten, anstatt an den Werten, die uns selber entsprechen.

SPEAKER_00

Was sagen die anderen?

SPEAKER_02

Das sagen die anderen wieder genau das Thema, das wir schon in einem anderen Kontext hatten, dieses, wir sind so viel zu viel im Außen mit allem, was gerade passiert, was wir tun, so viel zu viel im Außen, dass wir gar nicht mehr spüren, was uns guttut.

SPEAKER_01

Und ich möchte vielleicht da jetzt nochmal auf mein Zahnarztbeispiel Retour kommen. Natürlich hat es mich beschäftigt, natürlich hat es mich geärgert. Und im Endeffekt war das Ganze dann noch so, dass ich früher zu meinem Kontrolltermin ins Krankenhaus gefahren bin, eine Woche früher, weil ich das Gefühl hatte, okay, es stimmt was nicht, weil das mit Dinete war das eine, er hat dann noch gemeint, er hat eine Entzündung gesehen, die der andere Zahnarzt nicht gesehen hat, aber ja, egal, er hat mich eine halbe Woche schwer nervös gemacht. Zwei erste drei Meinungen ist ganz normal. Ja, im Endeffekt hat der zweite Gott dann recht gehabt, weil es ist alles super gut verheilt und es passt alles. Aber das war halt der Punkt, wo ich dann irgendwann beschlossen habe, okay, er ist fachlich grundsätzlich sehr gut, aber er ist menschlich, Entschuldigung, ein Arsch. Und es bringt mir nichts, wenn er fachlich nur gut ist, weil wenn er das menschlich nicht rüberkriegt, da sind wir trotzdem gescheitert.

SPEAKER_02

Ich glaube, das ist, ich meine, da gehen wir jetzt schon sehr weit in den Themen von unseren Kerndingen weg, aber das ist trotzdem, ich habe letztens einmal einen Arzt, einen sehr vernünftigen und intelligenten sagen, gehört, das will die ganze Gesundheitsindustrie wahrscheinlich nicht hören und ich werde mir damit sehr viel Ärger einfangen, aber das gesamte Gesundheitssystem, Ärzte, Krankenhäuser und so weiter, ist nicht dafür gemacht, gesunde Menschen zu schaffen, sondern ein Problem zu lösen, wenn es auftaucht. Was wir aber machen, gesellschaftlich, und ich glaube, das ist so ein Ding, da sind wir irgendwo falsch abgebogen. Es ist super, dass wir das haben. Und ich bin so froh, dass es Schulmedizin gibt und dass das, die haben mir das Leben gerettet, die haben meinem Sohn das Leben gerettet. Ich bin so dankbar, dass wir das haben. Was wir aber machen, ist, dass wir statt zu sagen, da gibt es einen Ausweg, wenn ein Problem besteht und da kann ich wohin gehen und das fixen lassen im besten Fall, unsere gesamte Gesundheit in die Hände dieser Maschinerie zu legen, was dann zu Abnehmspritzen und solchen Dingen führt, weil wir plötzlich glauben, auf dem Weg lässt sich jedes Problem lösen. Statt einfach das Problem gar nicht entstehen zu lassen und das fängt wahrscheinlich echt mit Selbstwert an. Shit, das ist alles ein bisschen kompliziert, oder? So einfach ist es nicht zu lösen. Wobei, doch, eigentlich ist es einfach. Doch, eigentlich ist es enorm einfach. Weil man kann es mit sich selbst lösen.

SPEAKER_00

Jeder Einzelne ist für sich selber da auch mitunter verantwortlich, dass man sich selber ein bisschen bei der Nase nimmt und da startet.

SPEAKER_02

Und sich vielleicht diese Placebo- und Nocebo-Effekte ein bisschen selber zunutze macht.

SPEAKER_01

Weil ich glaube, man kennt sie selber ganz gut. Und das nicht nur zunutze macht, sondern auch wenn sie an einen herangetragen werden, abzugrenzen. Und wo man dann sagt, so, okay, ja, es kann schon sein, dass du recht hast. Aber vielleicht hast du auch nicht recht.

SPEAKER_02

Ich glaube nämlich tatsächlich, wenn du sagst, wir haben diese Eigenschaft und wir sind als Typ so, das bin da immer ein bisschen am Zweifeln, ob man das so, ob man sich das Leben so einfach machen kann, dass man sagen kann, ja, du bist halt so. Weil viele dieser Eigenschaften, und das ist eine, die wir gemeinsam haben, sind nichts anderes als eine Entscheidung, die jeder treffen kann. Jedes Mal, wenn sowas kommt, kann man entscheiden, wie man darauf reagiert. Und wenn man oft genug die Entscheidung getroffen hat, so wie wir sie treffen, dann ist man in der Außenwahrnehmung der Typ, der das so macht. Das Einzige, was ich aber sehe, ist, ich habe die Entscheidung auch oft genug auf die andere Richtung getroffen, bevor ich gelernt habe, dass es für mich besser ist, das so zu entscheiden und zu sagen, danke für die Information, aber die muss ich jetzt nicht für meine Wahrheit nehmen. Ich kann das für mich selber ausprobieren. Das ist einfach besser für mich. Und kann ganz selten aber doch rausfiltern und sagen, okay, dir glaube ich das und ich nehme das jetzt einfach so hin. Aber dann hat man diesen Außenauftritt von, du bist so ein Typ, der das so annehmen kann. Aber ich glaube, dass man so ein Typ einfach wird, indem man diese Entscheidung gegen seinen eigenen Willen oder nicht gegen seinen eigenen Willen, sondern indem man sich aktiv einfach sich öfter in solchen Situationen bewusst macht, dass man nie in der Hand hat, was wer anderer sagt oder tut. Aber immer, egal was, wer zu mir sagt oder tut, immer in der Hand hat, wie ich damit umgehe und wie ich darauf reagiere. Und wenn man das oft genug geübt hat, wird man vielleicht irgendwann so ein Typ. Und dann hat man dieses Selbstwertproblem vom Tisch.

SPEAKER_01

Und dann wird die Außenwahrnehmung aber auch so. Das ist ja auch zum Beispiel das. Leute, die mir auf Instagram folgen oder die mich die letzten fünf Jahre gesehen haben, da ist immer so, du bist ein Sportler, du warst schon immer sportlich. Nein, war ich nicht. Ich habe mich einfach irgendwann dazu anscheinend unterbewusst entschieden, dass Austauschsport ein fixer Bestandteil meines Lebens ist. Und Radfahren halt ganz besonders. Und jetzt ist es halt so, ja, du bist der Radfahrer. Ja, weil ich einfach mir das nicht mehr vorstellen kann ohne. Und irgendwann ist dann die Routine und irgendwann ist die Außenwahrnehmung und die Eigenwahrnehmung und das ist alles kongruent.

SPEAKER_00

Es ist ja, darf ich nur ganz kurz, es ist eine gewisse Nervensystemprägung, auch die wir da haben. Also wenn unser Nervensystem eher angstgeprägt ist, und das entsteht ja teilweise schon im Mutterleib, also wie wir auf Stress reagieren und wie wir auf welches Temperament wir haben, das ist ja tief in uns drinnen. Aber ich gebe dir vollkommen recht, als erwachsener Mensch können wir dann eben mit unserer Achtsamkeit entscheiden, wie reagiere ich auf diese Situationen und überschreibe ich langsam meine Nervensystemprägung. Wie gut das geht, ich bin kein Neurowissenschaftler, auf gar keinen Fall, aber es geht, also man kann eben bewusst Entscheidungen treffen, wenn ich die Achtsamkeit mir gegenüber habe. Und wenn ich halt immer wieder, und das ist wieder wie das Training letztendlich, wenn ich mich immer wieder für diese Schiene entscheide und nicht für die andere Schiene. Ist halt wieder mühsam, ist anstrengend, haben wir die Energie dafür. Da sind wir wieder dabei. Aber es ist, glaube ich, von Haus aus schon eine tiefe Nervensystemprägung, die wir eben haben. Und es liegt dann aber an uns, ob wir es entscheiden, das zu ändern. Und manche haben es leichter und manche haben es schwerer, wie überall.

SPEAKER_02

Das ist der Punkt. Das ist nur die Ausgangslage. Natürlich werden wir alle mit unterschiedlicher Ausgangslage auf die Welt geworfen. Wie du sagst, Mutterleibprägung, genetisch kriegen wir Zeug mit. Ich weiß gerade, was Gott, was wir alles mitkriegen. Und dann ist die Ausgangslage in verschiedenen Punkten ungleich. Das ist völlig klar. Aber jeder hat so seine Dinge, die einfacher gehen und manche, die schwerer gehen. Ich glaube, am Ende des Tages läuft es trotzdem hinaus darauf, dass man in allen Situationen, wenn es einem wichtig genug ist, and man sich selber wichtig genug is, diesen Schritt gehen kann, dass man einfach sagt, ich lehne jetzt now to reagieren und kurz mal to stoppen. And before ich reagere so wie ich es gewohnt bin in jeder situation, einfach mal Zu sagen, ah, warte, das wäre wieder so ein Ding, da würde ich reagieren. Ist das tatsächlich richtig oder habe ich eine andere Option? Und wenn ich eine andere Option habe, ist mir die lieber, wähle ich die jetzt, okay. Und dann fühlt es sich am Anfang total ungewohnt an. Aber nach ein paar Monaten, und ich bin auch kein Neurowissenschaftler, aber habe mich mit Neuroplastizität dermaßen viel befasst, dass ich mit absoluter Sicherheit überzeugt bin davon, dass man so ziemlich alles, was Prägung und Gewohnheit ist, kann man ändern. Weil ist, wie du sagst, wie eine Muskelfaser. Je öfter ich diese Entscheidung treffe und stehen bleibe und sage, ich entscheide jetzt, wie ich reagiere, desto stärker wird dieser Strang.