Drehmoment & Wendepunkt
Der Podcast für alle, die noch nicht fertig sind. Mit Sport, Gesundheit, Ernährung, Spaß an Fitness und dem Leben ;-)
Wir sind Christian Anderl und Daniel Lustig.
Ein 50 jähriger Papa und Fotograf, der die letzten 15 Jahre zu viel gesessen ist und ein Ausdauer Coach, der Athleten mit der richtigen Mischung aus Schlaf, Ernährung und Training zu Höchstleistungen bringt.
Mit diesem Podcast wollen wir nicht zuletzt zeigen, wie einfach es sein kann auf seine Gesundheit zu achten und auf entspannte weise wesentlich Leistungsfähiger zu werden.
Auch als Video Podcast: https://youtube.com/playlist?list=PLb_lU_kpWy81dTIY72ufgXn-ZEpxDY7ef&si=8f26A6co07J5ZrNz
Drehmoment & Wendepunkt
#054 - Nach dem Wettkampf kommt das Tief – Post Race Blues erklärt
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Großes Ziel erreicht und plötzlich ist die Motivation verschwunden? In dieser Folge sprechen Daniel und Christian über den sogenannten Post Race Blues: das mentale Tief nach einem Wettkampf oder Saisonhighlight. Warum fühlen sich selbst lockere Trainingseinheiten plötzlich schwer an? Welche Rolle spielen Regeneration, Hormone und Psyche? Und wie gelingt der Weg zurück zu neuer Motivation? Eine ehrliche Folge, die viele Ausdauersportler überraschen wird.
Lieber Daniel. Lieber Christian. Beinahe hätte ich diese Episode mit einem lauten Genen begonnen. Es kann auch passieren, dass das jetzt nochmal passiert zwischendurch, weil das ist auch gleich die Überschrift zu unserer heutigen Folge und das Thema, um das es geht, ich habe einen neuen Begriff gelernt. Der heißt Post-Race Blues. Ich habe mich auf so vieles vorbereitet. Und jetzt habe ich eigentlich auch schon nach der Tour gesagt, ich habe an die Zeit danach nicht gedacht. In meiner Welt, als wir darüber geredet haben, war das aber immer noch so: ja, das ist natürlich klar, dass ich jetzt zwei, drei Wochen für die Regeneration braucht, bis es dann wieder niemand hat mir gesagt, dass es damit nicht erledigt sein könnte. Das ist nicht korrekt.
SPEAKER_02Wir haben es im Podcast besprochen, da gibt es eine Aufnahme, frag mich nicht die Folgennummer. Aber ich habe gesagt, wir müssen uns, bevor du nach Amsterdam fährst, überlegen, was du danach tust.
SPEAKER_01Ja, das stimmt, aber das, ja, das hast du gesagt, aber es hat mich niemand vorgewarnt, mit der ausreichenden Intensität, warum das so wichtig ist. Hätte ich eh nichts braucht. Nämlich wie, naja, doch. Ich glaube, wenn man mir angedroht hätte, halbwegs was jetzt tatsächlich daraus geworden ist, dann hätte ich die Dringlichkeit wahrscheinlich besser verstanden. Ich weiß zwar nicht, ob es mir es erleichtert hätte, jetzt im Training zu bleiben. Das weiß ich nicht, weil ich bleibe ja eh. Aber also die Kurzversion ist echt ein überraschend tiefes Tief, das da daher gekommen ist, wie kriege ich das wieder weg? Das ist die kurze Einleitung zur heutigen Folge.
SPEAKER_02Ja, bevor man über das Wie kriegst du wieder weg, na, möchte ich vielleicht einmal eher die Frage an dich zurückspielen. Hole mal all jene ZuhörerInnen ab, die noch gar nicht wissen, was ein Post Race Plus ist und was du erlebt hast.
SPEAKER_01Ich habe gedacht, dass du das machen wirst. Nein, ich kann es dann schön erklären und du erklärst die Erfahrung. Okay, ich erkläre mal die Erfahrung. Also die Erfahrung ist, ich war in einer unfassbaren Euphorie. Kurz vor dieser Tour, für die, die jetzt gerade überhaupt komplett einsteigen, also wir haben ein ganzes Jahr dahin trainiert, dass ich in der Lage war, von Amsterdam nach Wien, Schrägstrich-Tull, kurz vor Wien, zu fahren mit einem Freund in sieben Tagen, also einen Tagesschnitt von ca. 180 Kilometer. Ich glaube so um die 1500 bis 2000 Höhenmeter Tag, na 1500 circa. Es ist mir wirklich gut gegangen, alle möglichen Hormone und Botenstoffe und was der Körper so ausschütten kann, haben mich da durchgebracht. Ich war ziemlich fertig, aber ich war also euphorisch, bin heimgekommen und sehr glücklich. Ich habe dann bemerkt, und mir war auch klar, das muss man jetzt regenerieren, weil ich bin in einer Woche über 50 Stunden am Rad gesessen. Regeneration war mühsam. Ich habe wahnsinnig viel gegessen, ich habe wahnsinnig viel geschlafen, auch tagsüber. Ich war halt einfach in einer Regenerationsphase. Huh, durchatmen. Die hat dann doch gut zwei Wochen gedauert oder so, bis ich gemerkt habe, körperlich fange ich mich wieder. Aber dann kam, also der Körper hat sich gefühlt etwas erholt, wobei mein Puls beim Radfahren immer noch höher ist als erwartet. Meistens, nicht immer, manchmal ist er okay, manchmal ist er höher. Aber mental bin ich echt schlapp und hänge so in ein bisschen am Loch drinnen. Und beim Radfahren passiert was ganz Lustiges, nämlich wenn ich so eineinhalb Stunden Radfahren gehe, was ich ja jetzt im Vergleich zu dem Training, das ich vorher gemacht habe, geschweiget in der Tour-Tage. Ich habe mir gedacht, jetzt wo ich so acht Stunden Radtage hinter mir habe, siebenmal in Serie, eineinhalb Stunden Radfahrt ist für mich ein Klacks. It isn't. Es ist eher so, dass nach einer halben Stunde, spätestens aber nach einer Stunde, mein Körper mich förmlich anschreit, alles tut weh, alles zwickt und beißt. Die Signale eins nach dem anderen werden gefeuert, die alle dasselbe sagen, nämlich bitte fahr heim, bitte lass es sein, hör auf, ich habe keine Lust mehr, nämlich auch wirklich keine Lust. Mein Körper schreit, mein Puls geht in die Höhe, alles sagt, du kannst es nicht. Und ich finde, manchmal sitze ich echt am Rad und denke mir, wie hab ich das geschafft? Wie habe ich das überlebt? Und es sagen mir Erfahrene in meinem Umfeld, die rennen oder irgendwas in dieser Dimension schon gemacht haben, sagen, ja, das ist ganz normal, weil der Körper tatsächlich jetzt mehr oder weniger sich schützen will vor dir und sagt, bitte nicht nochmal, komm, bitte, das machen wir nicht nochmal. Und also es kommen viele Faktoren zusammen und sie kennen alle dieses Gefühl. Für mich ist es das erste Mal in dieser Dimension. Und du wirst uns jetzt wissenschaftlich erklären, woher das kommt, wie sich das zusammensetzt, warum das passiert. Und vor allem hoffe ich auf eine Antwort jenseits von du, das wird schon wieder einfach weitermachen und dann geht das von alleine weg, weil ich glaube, momentan ist das die Lösung.
SPEAKER_02Eins vorweg, das geht von alleine weg. Ja, natürlich, aber man kann das Ganze auch beschleunigen, wie es vielleicht weggeht.
SPEAKER_00Okay.
SPEAKER_02Schauen wir uns das Ganze mal an. Klar, du bist 50 Stunden am Rad gesessen, was deinen körperlichen Zustand einfach massiv überfordert hat. Das wird auch jeden von uns überfordern. Dafür ist ja auch die Tour da, deshalb hast du ja auch das Ja daraufhin trainiert. Deshalb haben wir ja teilweise High-Volume-Wochen gemacht, High-Intensity-Wochen gemacht. Kurz vor der Tour auch richtig rausgenommen, damit du sehr gut erholt bist. Und dann nach der Tour ist einfach die Zeit, wo du regenerieren musst. Was viele überschätzen, ist die Regenerationszeit, die der Körper braucht. Also da gibt es sehr gute wissenschaftliche Studien dazu, wie schnell ein Körper nach einem Ironman sich erholt. Rein physiologisch, also körperlich, metabolisch. Das wirst du jetzt nicht hören wollen, aber da sind wir teilweise bei in einer Woche fertig. Obwohl Marathonlauf, also da gibt es extrem hohe Entzündungsmarker, die man im Blut messen kann. Und wie gesagt, da hat man auch Blutanalysen gemacht, vor dem Iron Man, nach dem Ironman und dann quasi fortlaufend. Und nach einer Woche kannst du im Blut eigentlich fast nichts mehr nachweisen.
SPEAKER_01Dann muss ich aber gleich die ahnungslose Frage dazwischen werfen, die du bitte mitbehandelst. Ein Ironman ist halt ein Eintageserlebnis oder Ereignis. Das waren halt sieben Tage, das wird wahrscheinlich einen Unterschied machen.
SPEAKER_02Es macht natürlich einen Unterschied, aber es ist von der Belastung her auch ein Unterschied. Weil bei einem Ironman hast du einfach die Stoßbelastung mit dem Marathon zum Schluss. Das heißt, die physiologische Komponente im Sinne der Hämolyse, also der Zerstörung der roten Blutkörperchen, ist einfach immens hoch. Die hast du beim Radfahren jetzt per se so nicht. Was bei dir natürlich ein Thema ist und das wirst du auch merken, oder das hast du gemerkt, ist das Thema Energieloch. Weil du natürlich über die Woche so viel Energie verbraucht hast, obwohl du so viel Essen in dich hineingestopft hast, entstand trotzdem konstant ein Energieloch und ein Energiedefizit und das holt sich der Körper dann sukzessivere Tod.
SPEAKER_01Ich habe auch die Woche danach extrem viel weitergegessen. Haben lustigerweise einen Bauch angesetzt. Das hat mich überrascht. Da haben wir schon gefragt, ob das eher Stresshormon bedingt oder ob das vom Weiteressen auf diesem Niveau daher gekommen ist. Das war mir wurscht, also das ist nicht das Thema, aber ich habe gemerkt, dass ich das wieder zunehmend. Witzig.
SPEAKER_02Wird ein Kombi sein. Und das Wichtigste ist jetzt, wie kommt man da raus oder wie kommt man da schneller raus, beziehungsweise wie kann man es kleiner halten. Ich selber habe den Prozess nach meinem Iron Man 2018 auch so erlebt.
SPEAKER_01Eine Zwischenfrage noch, ist das Stichwort Übertraining da ein passendes? Weil ich meine, wenn ich jetzt nicht eben eine Einmal-Event, sondern ich habe sieben Tage, das ist ja wie wenn ich jeden Tag sieben, acht Stunden trainiere. Es ist ja so eine Zweifahrt die ganze Zeit gewesen. Stunden.
SPEAKER_02Ja, es ist natürlich eine Form eines Übertrainings, aber es ist ein gewolltes Übertraining. Und vor allem, wir haben natürlich einen Progressive Overload, würden es wir in der Trainingswissenschaft dann nennen. Also wenn ich das dir schön verkaufen möchte, ist es der Progressive Overload und kein Übertraining, weil der Progressive Overload wäre dann quasi so ein passender Reiz, der gewollt überschwellig ist. Und wenn ich dann ausreichend Regenerationsphasen dazu packe, kann das ja auch gut passen. Bestes Beispiel hier ist das Trainingslager, weil im Trainingslager gehen wir ungefähr von 8, 10 Stunden Wochenpensum auf plötzlich 25, 30 Wochenstunden. Ist natürlich auch eine Form von Übertraining, Progressive Overload. Macht man trotzdem oder wir machen es mindestens einmal im Jahr, weil einfach der Punkt ist, okay, ich kriege so viel weiter, wenn ich vorher ausreichend Regenerationen einplane und nachher habe ich trotzdem overall so einen Leistungsprung, wie ich die ganze Saison mitnehme.
SPEAKER_01Aber müsste ich dann nicht jetzt eigentlich an einem Punkt sein? Jetzt sind circa, weiß ich nicht, vier Wochen oder so vorbei, oder ein bisschen mehr sogar. Müsste ich dann nicht jetzt eigentlich an einem Punkt sein, wo ich stärker bin als vorher? Und mein Jahr.
SPEAKER_02Kann natürlich sein, ja. Es kann sein. Naja, jein, das bist du deshalb nicht, weil du, weil du jetzt nicht rein deine Physiologie bist, sondern auch deine Psychologie bist. Und da kommen wir jetzt zu dem zweiten Part und der wird jetzt, glaube ich, ein bisschen interessanter. Und das wird auch jener Part, wo man vorab schon ein bisschen vorbauen kann, um das Ganze abzufedern, nämlich sich vorab zu überlegen, okay, es gibt dieses eine große Ziel, Amsterdam, Wien. Das ist das, warum ich sportlich gesehen in der Früh aufstehe und heute mein Training absolviere. Die Frage ist, was ist, wenn ich das erreicht habe, warum stehe ich dann aus sportlicher Sicht in der Früh auf und mache was an dem Tag. Und dieses Ziel fehlt dir aktuell. Und das ist natürlich ein Punkt, wo ich immer sage, sich nur ein Ziel zu suchen, dass man sagt, okay, ich fahre jetzt eine andere Bikepacking-Tour oder ich laufe jetzt diesen Bewerb oder fahre dieses Radrennen, das ist alles schön und gut und das ist ein Ziel. Aber die wirkliche Frage, die man sich stellt, ist, was motiviert mich so sehr, dass ich es theoretisch auch mache, wenn es jetzt da draußen einmal regnet, dass ich mich dann im Regen raus bewege oder Indoor wieder draufsetze oder was auch immer. Also so richtig dieses, dass ich mich dieses Warum nicht mehr frage, und das ist ein Punkt, da steckt man, glaube ich, momentan in einer ähnlichen Situation. Der fehlt uns, glaube ich, allen beiden gerade. Und wenn wir dieses Warum nicht haben, schlägt natürlich der Post-Trace Plus natürlich umso härt dazu.
SPEAKER_01Also ich habe ja dieses Warum eigentlich, weil ich habe ja von Anfang an gesagt, das war ja der Plan dieses ganzen Projekts, das wir da durchgezogen haben. Ich habe gesagt, ich habe bemerkt, dass ich einfach Ende meiner 40er, nach dem Motorradunfall, nach Physiotherapie und so weiter, ich war einfach in einem körperlichen Zustand, der mir absolut nicht keinen Spaß gemacht hat und wo die Erkenntnis gekommen ist, wenn sich alt werden so anfühlt, dann will ich nicht alt werden. Und das kann es nicht sein, weil ich will mit meinen Kindern noch sehr viel Spaß und Zeit haben. Das war meine ursprüngliche Motivation. Und weil ich mich kenne, weil ich weiß, dass ich nicht einfach hergehen kann und sagen kann, na gut, okay, dann mache ich halt jetzt ein bisschen mehr Sport, weil dann geht es mir besser, das reicht nicht, habe ich gesagt, ich brauche irgendein Startschussprojekt. Und das war dann das Startschussprojekt. Wir machen in einem Jahr eine Tour von Amsterdam nach Wien, weil dafür weiß ich, dass ich trainieren muss. So, jetzt haben wir dieses Ding dann hintrainiert und mein Plan war von Anfang an, okay, aber wenn ich das dann, dann habe ich dieses Startschusprojekt, habe mich auf ein Level trainiert, das ich nicht für möglich gehalten hätte. Und wenn ich dort mal bin, dann kann ich einfach sagen, so, meine Motivation ist, ich habe zwei Kinder, ich will nur, ich will, ich will nicht unbedingt, es geht mir nicht darum, länger zu leben, sondern länger besser zu leben. Solange ich lebe, einfach geht es mir gut. Das ist doch eine Motivation. Ja, aber das ist doch ein.
SPEAKER_02Also wir müssen Seminare hast du schon besucht, wo sie dir die smarte Zielsetzung erklärt haben. Und die rolle ich jetzt nicht wieder auf, weil ich kann sie nicht mehr hören. Aber der einfachste Punkt eines smarten Ziels ist messbar.
SPEAKER_01Genau, für die, das nicht kennen, wünschen wir es jetzt.
SPEAKER_02Messbar.
SPEAKER_01Ah, weiß ich auch nicht.
SPEAKER_02Okay. Realistisch und terminisiert. Attraktiv war auch. Attraktiv. Also spezifisch messbar, attraktiv. Realistisch und terminisiert. Also so definiert man ein richtiges Ziel. Und wie gesagt, wir haben jetzt ein attraktives Ziel, was du hast. Wir haben mehr oder minder ein spezifisches, wo ich sage, spezifisch fit bleiben, aber was wir auf jeden Fall nicht haben, ist messbar.
SPEAKER_01Mein Oberkörperumfang zum Beispiel anteilen, dass ich nochmal ein bisschen mehr Masse zulege.
SPEAKER_02Klar, wir können natürlich jetzt Masse bei dir zulegen, aber die Frage ist, wenn da dein Sohnemann davonrennt, kannst du deinen Oberkörperumfang auch nicht in die Waagschale schmeißen.
SPEAKER_01Ja, das stimmt, wobei ich davon ausgehe, dass der mir sowieso bald davon rennt. Also da kann ich. Nicht bald. Ja, ich kenne ihn ja. Also er schaut recht fit aus. Ja, ja, ja. Aber das ist halt auch, ich glaube, man kann halt dann gegen die Physiologie irgendwann auch nicht mehr an. Also ich bin halt einfach in dem Alter, in dem ich bin. Und er ist in dem, in dem er ist.
SPEAKER_02Aber und was das nächste ist, ich glaube, es ist auch ein Punkt des Zeithorizonts. Weil du hast jetzt mit 51 einen Fitnezzustand, der für dich vor einem Jahr nicht machbar war oder jetzt unrealistisch war. Und jetzt ist halt die Frage, naja, ich möchte das halten. Aber er ist halt quasi so hoch, dass du dir auch denkst, naja, so 3% weniger wären ja auch noch immer fit. 10% weniger wären immer noch fit. Ich wollte jetzt einmal sagen.
SPEAKER_01Ich glaube, sogar 50% weniger wären immer noch fit.
SPEAKER_02Aber es geht halt darum, dass ich sage, naja, aber es wäre doch, und das nächste ist das Ziel im Alter. Ja, was heißt das? In 10 Jahren, 20, 30, 40 Jahren, was auch immer. Also wir brauchen da sicherlich Zwischenziele. Oder nicht wir, sondern du. Ich brauch es auch, aber ich brauch meine, du brauchst deine. Und das wird halt ein wichtiger Punkt sein, dass du sagst, okay, was motiviert mich? Vielleicht für Ende 26, für Ende 27. Das kann wieder irgendein, ich sag mal, soziales Abenteuer sein, wie das, was ihr jetzt gemacht habt.
SPEAKER_01Ja, der Christian kommt nächste Woche aus Amsterdam her und wir haben schon beschlossen, wir setzen uns zusammen und planen die nächste Tour. Also das steht eh schon. Ihr werdet das hier als erst erfahren. Ja, ganz genau. Also das wird sowieso passieren.
SPEAKER_02Und das ist halt der Punkt, das wird das sicherlich gut tun, wenn sie euch zusammensetzt und eine Tour plant, weil das ist dann wieder was, wo du sagst, hey, auf das freue ich mich, das machen wir jetzt nächstes Jahr 2027 wieder. Und dafür stehe ich im Winter auf und gehe in die Kraftkammer und setze mich am Ergometer und fahre auch mal meine drei, vier Stunden und dann wirst du wieder Freude dran finden. So wird das vergehen. Umso länger du brauchst, um dieses Ziel, was dich selber motiviert, zu finden, umso länger wird die Phase sein, bis du zurückkommst. Und ich gehe bei dir, so wenn ich das jetzt noch sagen darf, davon aus, dass dieser Umkehrpunkt sehr schnell kommen wird.
SPEAKER_01Ja, wir kennen uns jetzt schon ein bisschen. Legen wir das um auf unseren Titel dieses Podcasts, Drehmoment und Wendepunkt. Wir wollen ja eigentlich Menschen dazu motivieren, einfach ein bisschen länger fit zu sein und Wege dahin zu finden, sich beim Sport nicht zu überfordern, sich im Kopf irgendwie bereit dafür zu machen, über den Schweinehund drüber zu kommen und so weiter und so fort. Jetzt frage ich mich, also ich weiß ja, dass es Menschen gibt und ich kenne persönlich Menschen, die das offensichtlich nicht brauchen. Die machen einfach das ganze Jahr über ein Minimum von, ich sage mal, fünfmal die Woche, ohne dass man die in irgendeiner Art und Weise dazu, die brauchen keine Motivation, die brauchen keine Projekte, die brauchen keine Ziele, die machen einfach, weil ihnen das Machen selber Spaß macht. Und ich glaube ja, langfristig, nachhaltig, ist sowas nur, wenn man genau diesen Punkt erreichen kann. Und jetzt kommt, jetzt kommt meine komplexe Frage in dem Ganzen. Weil mir hat zum Beispiel ein Freund, der extrem sportlich ist, sein Leben lang schon, der war Profisportler und ist jetzt. Über den wir vorher gesprochen haben. Über den wir vorher gesprochen haben draußen beim Ex-Leistungssportler. Also wirklich gut, Transmadeira gewonnen und in seinen 40ern und wirklich eine Waffe von einem Sportler in seinen 50ern. Und der hat mir, ich hätte dem mal wieder das erzählt und der hat gesagt, ja, du, ich kenne Menschen, die haben sie ein, zwei Jahre lang auf irgendein Riesenprojekt vorbereitet und haben durchgezogen und haben das dann gemacht und sind nachher nie wieder auf den Radl gestiegen und waren einfach raus. Und da frage ich mich jetzt folgendes. Nämlich für die, die zuhören und die sich genau da jetzt überlegen, okay, warte mal, vielleicht suche ich mir ein Projekt, auf das ich zuarbeite und dann komme ich da auch rein und wollen diesen Weg gehen. Ist es vielleicht ein bisschen kontraproduktiv, so ein Riesenziel zu schnappen, da hinzuarbeiten und dann in so ein Loch zu fallen? Und ist es auch eine Option, vielleicht zu sagen, ich will das gar nicht erst riskieren. Ich setze mir lieber viel, viel kleinere Ziele, mache das irgendwie mit mir selber anders aus und versuche von Anfang an dieser Gesundheitsalltagssportler zu werden, der dann irgendwann so in eine Gewohnheit kommt, dass er für immer an Ewig dran bleibt, ohne Ziele zu brauchen.
SPEAKER_02Du sprichst mir aus der Seele. Du sprichst mir deshalb aus der Seele. Ich bin jetzt seit sieben Jahren im Coaching und das, was ich sehr oft sehe und was ich momentan mehr denn je sehe, ist, Radfahren ist hip, laufen ist cool und Triadlon ist sowieso der latest shit neben Hyrox. Und ich finde es mega cool, dass so viele Leute diesen Austauschsport für sich entdeckt haben in so jungen Jahren. Also die Zielgruppe, die ich gerade anspreche, die ist so zwischen 20 bis 30. Und die fangen alle mit Radfahren, Laufen und Riedlern an.
SPEAKER_00Super.
SPEAKER_02Und finde ich super. Absolut. Und gleichzeitig höre ich dann immer wieder so Sachen mit, ja, ich starte bei der Halbdistanz im Ironman bei der Langdistanz. Und dann frage ich natürlich einmal nach, ey cool, ja, und was hast du im Vorfeld gemacht? Nix, ist mein erster Redlung. Ah, und was hast du früher gemacht? Nein, ich habe Fußball gespielt. Und da muss ich ganz ehrlicherweise sagen, ich habe anfangs, haben wir natürlich mit einer Selbstständigkeit anfangen, freut man sich über jede Coaching-Anfrage, die man bekommt. Und da habe ich auch, ich glaube, ein Projekt, was nur begleitet, so in zwölf Monaten zum Ironman. Dann kam Corona, deshalb wurde es dann eher in 24 Monaten zum Iron Man, was dann eh ganz gut war. Nur diese Person war nach diesen 24 Monaten so ausgebrannt, weil man sich allein jetzt beim Thema Triathlon mit so vielen Zeitgeschichten auseinandersetzen muss. Welchen Neo kaufe ich, wo teste ich das, wo kriege ich das her? Welches Rad brauche ich? Brauche ich wirklich ein Zeitverrat, das, Triathlonanzug, Helm, keine Ahnung. Und sobald du natürlich Social Media oder das Internet aufmachst, hast du das Gefühl, du brauchst das eine und dann kommen noch 27 andere Sachen. Das heißt, du bist eigentlich nur mit Equipment beschäftigt und nebenbei solltest noch drei Sportarten plus Kraftträgen plus Ernährung unterbringen. Was ich sagen möchte ist, und das ist jetzt egal, ob wir jetzt an Halb Iron Man, an Ironman, an Öztaler Radmarathon oder was auch immer nehmen, wenn wir von 0 auf 200 uns committen, das funktioniert eine Zeit lang. Das funktioniert sicherlich auch bis zu einem Jahr oder vielleicht auch bis zu eineinhalb Jahren. Irgendwo sehe ich dann aber da die Grenze. Und das Investment ist so hoch, der Motor ist so überdreht, das Sozialleben ist so ausgeblutet, dass man das nicht langfristig aufrechterhalten kann. Und ich kenne sehr, sehr viele im Triathlon, die nach ihrem großen Ziel dann sagen: Na, schwimmen wir es von innen, aber sicher nicht. Nein, sicher nicht. Und die haben einfach keine Lust mehr, schwimmen zu gehen oder laufen zu gehen. Oder Radfahren ist meistens eh nicht so das Thema. Es macht ihnen eh noch am meisten Spaß, weil das geht sozial auch noch am ehesten einher. Aber das sehe ich wirklich kritisch. Und da habe ich, da führe ich mittlerweile sehr oft Gespräche, weil ich im Coaching sehr oft, wirklich sehr oft, gerade die letzten ein, zwei Jahre und auch für die nächsten ein, zwei Jahre Leute habe, die aus einer Einzeldisziplin in den Trierteln umsteigen wollen. Und das ist natürlich das große Ziel der Ironoment. Und Ich sage immer, hey, wenn ich euch einen Tipp geben darf, nehmt euch eine Saison und geht es einmal auf Sprint und olympische Distanz. Dann nehmt euch noch eine Saison, wo es einmal Richtung Halbdistanz geht. Und dann nehmt euch noch eine Saison und da geht es auf die lange. Klar ist das ein langer Aufbau und ist ein langer Zeithorizont. Nur dann sehe ich die Chancen sehr, sehr hoch, dass die Freude am Sport und an der Bewegung gegeben bleibt. Und das ist auch das Wichtigste. Das sah ich auch in all meinen Fortbildungen. Ich halt so, es ist egal, was ihr in der Gruppenstunde, in dem Einzel Setting, im Coaching macht. Wichtig ist, die Person gegenüber muss Spaß und Freude an der Bewegung haben. Klar ist wichtig, dass was weitergeht, aber wir arbeiten alle nicht im Leistungssport, im Hochleistungssport, sondern wir arbeiten alle mit den Weekend Warriors. Also die wirklich am Wochenende die Zeit haben und die irgendwie in den Alltag noch den Sport reinpressen. Da muss die Freude da bleiben, weil dann hat es nachhaltig und langfristig einen Effekt.
SPEAKER_01Ich habe über das nämlich echt im letzten Jahr auch viel nachgedacht, weil du hast Social Media vorher gesagt haben, da braucht man das und dann braucht man das Zeug und dann braucht man das Zeug. Es kommt ja noch ein Aspekt dazu, der mir auf Social Media auffällt. Man hat ja das Gefühl, wenn man 20, 30, 40, 50 Kilometer Radfahren geht, das gilt gar nicht. Da hast du echt, also wenn man auf Social Media schaut, hast du das Gefühl, wenn ich einfach nur Stunde, eineinhalb, zwei einfach Radfahren gehe, das hat nicht stattgefunden. Weil alles, was mir kommt vor, was unter 100 Kilometer ist, ist ja sowieso, gilt einmal gar nicht. Und mittlerweile sind 200 die 900. Und ich habe dann auch in unseren Podcasts und mit diesem ganzen Projekt habe ich selber fast ein schlechtes Gewissen gekriegt, weil man dachte, das könnte man jetzt auch missverstehen, ich ordne mich da genau in diesem Fahrwasser eigentlich gerade ein, wo wir sagen, boah, ich trainiere darauf hin, dass ich 200 Kilometer am Tag fahren kann. Und das ist irgendwie, ich bin der Geilste. Das ist ja gar nicht, also deswegen habe ich immer wieder dazu gesagt, mir geht es ja hier um ein soziales Event mit einem meiner besten Freunde, der sowas schon oft gemacht hat und die habe gesagt, auf meiner Bucketlist steht, ich möchte mit dir irgendwann mal so eine Tour fahren, wo wir eine Woche lang wirklich weit fahren. Und das aber, man kann auch wirklich weit fahren, wenn man halt das auf drei Wochen stretcht, aber das war nicht das Ziel. Jedenfalls der langen Rede kurzer Sinn. Ich glaube, was uns gerade fehlt, und ich glaube, das ist so ein gesellschaftliches Leistungsorientierungsthema, alles geht nur noch auf Leistung und Gewinnen. Und wer ist der Geilste, wer ist der stärkste, wer ist das Schnellste? Und das schlägt sich dann traurigerweise auch da nieder und Sport ist halt natürlich extrem anfällig dafür, weil das ist kompetitiv, das ist ja eh klar, aber ich habe so das Gefühl, da übertreiben wir gerade maßlos und ich persönlich merke nur jetzt einfach, vielleicht ist es diese ausgebrannte Phase, aber ich für mich merke, ich habe so ein ganz dringendes Bedürfnis, zurückzufinden zu runter vom Gas, nicht höher schneller weiter und von dort, wo ich jetzt war, noch mehr drauflegen und zu sagen, nächstes Mal fahren wir 250 Schnitt am Tag und ich fahre die 200 Kilometer mit 30 Schnitt am Tag, was auch immer, nicht jetzt noch mehr drauf drücken, sondern ich möchte zurückfinden jetzt in diesen Alltagssport, wo ich einfach echt unruhend werde, wenn ich zwei, drei Tage nichts gemacht habe und nicht so wie jetzt, nach zwei Tagen Pause mir denke, heute muss ich aber wirklich. Wie kriegt man die Kurve zurück, wenn man da wieder. Also ich weiß schon, wir haben eh schon darüber geredet eigentlich, wieder ein neues Ziel oder eine Motive.
SPEAKER_02Ich glaube, es macht die Kombi. Also ich kann nur von mir selber sagen, ich bin eine Person, wenn ich so wie letzte Woche mal fünf Tage keinen Sport mache. Also alle, die jetzt nicht das Video schauen, ja, ich glaube, mein Gesichtsspruch spricht wieder Bände. Ich war wirklich unleidig und ich war mit mir und mit meinem Umfeld sehr, sehr unzufrieden, aber ich war mit meinem Umfeld unzufrieden, weil ich mit mir unzufrieden war.
SPEAKER_01Da muss man halt auch reflektiert genug, muss man ehrlich sagen, sein, um das mitzukriegen.
SPEAKER_02Ja, und auch wenn ich sage, ich habe versucht, es meinem Umfeld nicht spüren zu lassen, funktioniert nicht.
SPEAKER_01Nein, da bin ich genau gleich. Also wenn ich, das Witzige ist ja, wenn ich, ich habe auch längere Phasen ohne Sport gehabt. Das geht gar nicht. Ich gehe gar nicht, wenn ich keinen Sport mache.
SPEAKER_02Das geht jetzt gar nicht. Und ich war heute vor unserer Podcast-Episode auch noch 40 Minuten kurz laufen.
SPEAKER_01Deswegen bist du verschwitzt kommen.
SPEAKER_02Es lag nicht an den 32 Grad, den wir gerade wieder haben. Nein, das war dann abvertrag. Und das ist einfach der Punkt, wo ich wieder gemerkt habe, ist so, okay, meine Gedanken werden freier, ich kann, ich habe wieder Ideen, Überlegungen, die Freude kommt zurück, die Bewegung kommt zurück. Und ich glaube, wenn man das für sich selbst entdeckt hat, dass man sagt, es hilft mir mental. Und wenn wir uns ehrlich sind, Sport hilft mental. Also wir werden sicher, gerade Leute da draußen sitzen haben, die uns zuhören und sich denken so, na Sport hilft mir überhaupt nicht mental, das ist nur anstrengend. Ja, dann probiert es es mal ein bisschen lockerer.
SPEAKER_01Ja, ich wollte gerade sagen, dann probiert es von der Klick und dann fangt es bei Folge 1 an.
SPEAKER_02Genau, dann fangt es bitte bei der Folge 1 an, weil dann geht es wirklich um das Thema Intensitätssteuerung und schwitzen, Schnaufen, langsam sterben, wie ich glaube ich damals gesagt habe. Ist auch Sport, aber wichtig auch und es gibt ganz, ganz viele andere. Und ich glaube, damit möchte ich dann auch die Folge schließen. Wichtig ist, wir brauchen Ziele, Ziele, die uns wirklich motivieren, in der Früh aufzustehen, einen Purpose zu haben, den natürlich sozial zu haben, vielleicht auch, wenn es möglich ist, beruflich zu haben, aber auch für uns sportlich zu haben. Warum stehe ich auf? Warum mache ich das Ganze? Und sei es nur, wenn du beim nächsten Synrise wieder aufschlägst und da denkst so, heute fahren wir mal wieder. Heute fahren wir mal, heute schauen wir uns das mal von ganz vorne an. Und ja, das würde mich auch sehr freuen. Und das ist einfach eine irrsinnig schöne Reise. Und ich kann für mich nur sagen, ein Leben ohne Sport ist für mich undenkbar.
SPEAKER_01Ja, es ist uncool. Es ist undenkbar, aber uncool. Es ist so auf der Liste, ja, kann man machen, ist halt scheiße.
SPEAKER_02Kann man machen, will man aber nicht.
SPEAKER_01Ja, will man aber nicht. Eine Sache noch ergänzend, was mir nämlich jetzt gerade nur, während du das gesagt hast, auffällt, da hilft mir tatsächlich, und das habe ich von Anfang an vermutet und die lag richtig, da hilft mir gerade Laufen tatsächlich sehr. Und zwar deswegen, weil es im Gegensatz zum Radfahren diese Hürde nicht gibt, damit ich muss mir mal das alles zusammensuchen, anziehen. Die Materialschlacht beim Radfahren ist eine andere, bis man am Rad sitzt und fährt. Mit dem Laufen, da stelle ich mir die Laufschuhe vor die Tür und dann ist es genau nur eine Hose und ein Leiwall anziehen, dahin gehen, diese Schuhe anziehen und aus über der Tür.
SPEAKER_02Das war eine Folge, beziehungsweise werden wir zu dem Thema noch eine weitere Folge machen, also für alle, die jetzt gleich was hören wollen, Folge 3, warum Laufen nichts für Anfängen ist. Und wir werden noch eine Folge machen zu dem Thema: Wie geht es dir mit Laufen? Wie geht es mir mit Laufen als Raufahrer? Ja, guter Plan.